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Mit einem Sammeltaxi nach Nablus. Eine Stunde lang muss
ich mich um nichts kümmern, brauche nur da zu sein und
zu schauen. Vorne lenkt einer und hinten sitzt einer, der
jetzt durch wuchtige Landschaften fahren darf, nein,
gefahren wird. Auf die Frage nach seinem Beruf antwortete
einst Albert Londres, der Urvater aller französischen
Reporter: „Je suis un voyeur“, ich bin ein Sehender. Das
muss ein Traumberuf sein: die Welt ansehen. So
fassungslos einen der Blick bisweilen zurücklässt. Aber
der Reisende muss nicht in Akten wühlen, nicht die
Stinklaunen seiner Arbeitgeber erdulden, nicht sich dabei
ertappen, wie seine Lebenszeit bei einer Tätigkeit
zuschanden kommt, von der er nie geträumt hat. Er schaut
– und begreift sein Glück.
By Andreas AltmannMit einem Sammeltaxi nach Nablus. Eine Stunde lang muss
ich mich um nichts kümmern, brauche nur da zu sein und
zu schauen. Vorne lenkt einer und hinten sitzt einer, der
jetzt durch wuchtige Landschaften fahren darf, nein,
gefahren wird. Auf die Frage nach seinem Beruf antwortete
einst Albert Londres, der Urvater aller französischen
Reporter: „Je suis un voyeur“, ich bin ein Sehender. Das
muss ein Traumberuf sein: die Welt ansehen. So
fassungslos einen der Blick bisweilen zurücklässt. Aber
der Reisende muss nicht in Akten wühlen, nicht die
Stinklaunen seiner Arbeitgeber erdulden, nicht sich dabei
ertappen, wie seine Lebenszeit bei einer Tätigkeit
zuschanden kommt, von der er nie geträumt hat. Er schaut
– und begreift sein Glück.