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Mitten in Köln, am Neumarkt steht das Gesundheitsamt. Ein einschüchternder düsterer Bau.
Anfang Januar hatte ich euch ja bereits ein wenig über die schriftliche Prüfung zum Heilpraktiker Psychotherapie erzählt. Falls das Thema relevant für euch ist und ihr die Folge verpaßt haben solltet: Hört sie euch vielleicht nochmal an. Es handelt sich um Folge 12 vom zweiten Januar.
So, jetzt geht es aber los mit dem eigentlichen Thema der heutigen Episode: mit der mündlichen Prüfung.
Nachdem ihr die schriftliche Prüfung bestanden habt, werdet ihr über kurz oder lang zu einer mündlichen Prüfung eingeladen werden. Zwischen der schriftlichen Prüfung und der mündlichen Prüfung können mehrere Wochen liegen.
Wie könnt ihr diese wichtige Prüfung also am besten angehen?
Die erste Frage ist zumeist die nach dem Therapieverfahren, das ihr anbieten wollt. Hier ist es wichtig, dass es sich um ein wissenschaftlich anerkanntes Verfahren handelt. Das heißt eine Therapieform aus dem Bereich der Verhaltenstherapie, der Psychodynamik, der Systemischen Psychologie oder der humanistischen Gesprächstherapie. Im Gegensatz zu Früher erwarten die Prüfungskommissionen heute fundierte Kenntnisse oder sogar eine bereits absolvierte oder begonnene Ausbildung.
Der zweite große Bereich, der die Kommission interessiert, sind eure Fähigkeiten in der Diagnostik — vor allem in der Differenzialdiagnostik. Ihr müsst zeigen, dass ihr sichere Diagnosen in eurem zukünftigen Praxisalltag stellen könnt.
Bevor wir bei diesem zweiten Bereich ins Detail gehen, schauen wir uns den ersten Bereich etwas genauer an:
In Deutschland suizidieren sich jährlich etwa 10.000 Menschen, viele im Zusammenhang mit Substanzmissbrauch, vor allem Alkohol und Benzodiazepine. Abgesehen von den Symptomen des Substanzmissbrauches solltet ihr die beiden Modelle und die jeweiligen Phasen des Präsuizidalen Syndroms kennen. Denn ihr könnt als Heilpraktiker hiervon unmittelbar betroffen sein.
Natürlich sind auch depressionskranke Patienten suizidgefährdet. Ihr solltet also auch hier genaue Kenntnisse der Stufen und Formen der Depression haben.
Die meisten Prüflinge fürchten sich in diesem Bereich am meisten vor der Gesetzeskunde. Tatsächlich ist vor allem das Unterbringungs- und Betreuungsrecht recht kompliziert. Wenn möglich, sucht euch hierfür fachkundige Hilfe. Falls ihr Freunde oder Bekannte habt, die sich damit auskennen — umso besser. Mindestens solltet ihr aber die Gesetzestexte in euren Lehrbüchern sehr genau lesen.
Kommen wir nun zum zweiten Bereich der mündlichen Prüfung:
Da der Prüfungsverlauf nicht immer absehbar ist, möchte ich euch drei allgemeine Tips für die mündliche Prüfung geben:
Erstens: Habt keine Angst vor einem Blackout. Falls es dazu kommen sollte, sprecht es einfach offen aus.
Zweitens: Wenn das Prüfungsgespräch anstelle eines Fallbeispiels eher zu einer reinen Wissensüberprüfung wird, so heißt die Regel: Reden, reden, reden.
Drittens: Versucht zu erahnen, was die Prüfer hören wollen, woran sie denken und kommt ihnen zuvor. Wenn ihr beispielsweise aufgefordert werdet über depressive Erkrankungen zu sprechen, sprecht von euch aus auch die Suizidalität und weitere psychiatrische Notfälle — wie z.B. das Delir — an. Kommt vom Delir auch auf Entzugserscheinungen zu sprechen. Wenn ihr über Rechte und Pflichten des Heilpraktikers zu sprechen kommt, erwähnt auch die Berufsordnungen und geht die Punkte im Einzelnen durch.
Ganz egal, wie der Prüfungsverlauf genau aussehen wird, versucht in der Prüfung kein Quiz zu sehen, sondern eher so etwas wie ein Prüfungsgespräch mit seiner eigenen Dynamik. Versucht euch authentisch zu verhalten und ehrlich und aufgeschlossen zu reagieren.
Nach einer knappen halben Stunde ist die Prüfung vorbei und man wird euch bitten den Raum zu verlassen. Ob ihr bestanden habt oder nicht — das Ergebnis der mündlichen Prüfung wird euch nach einer kurzen Beratung durch die Kommission sofort mitgeteilt.
Das Zeugnis wird euch nach ein paar Tagen zusammen mit der Kostenrechnung für die Prüfung zugeschickt. Wenn ihr eine eigene Praxis eröffnen wollt, müsst ihr hierfür noch einen weiteren Antrag an das Gesundheitsamt stellen, dem meist problemlos statt gegeben wird.
Solltet ihr wider Erwarten die Überprüfung nicht bestehen, könnt ihr innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen. Nach frühestens einem halben Jahr könnt ihr die Prüfung wiederholen.
Wie bereits erwähnt, gelten alle hier genannten Einzelheiten für die vergangenen Prüfungen. Bedenkt immer, dass die Gesundheitsämter in der Durchführung der Prüfungen relativ frei sind. Solltet ihr vor kurzer Zeit andere Erfahrungen gemacht haben, schreibt mir gerne ein E-Mail dazu.
Ich hoffe ich konnte euch einige neue Informationen und Ideen zu unserem Thema vermitteln. Tut ihr mir einen Gefallen? Abonniert meinen Podcast, vielen Dank. Und wenn ihr jemanden kennt, den dieser Podcast interessieren könnte -- empfehlt mich gerne weiter. Ich würde mich freuen.
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Psychologie entdecken – ein Podcast der Online-Akademie HPP
By Jens HelmigMitten in Köln, am Neumarkt steht das Gesundheitsamt. Ein einschüchternder düsterer Bau.
Anfang Januar hatte ich euch ja bereits ein wenig über die schriftliche Prüfung zum Heilpraktiker Psychotherapie erzählt. Falls das Thema relevant für euch ist und ihr die Folge verpaßt haben solltet: Hört sie euch vielleicht nochmal an. Es handelt sich um Folge 12 vom zweiten Januar.
So, jetzt geht es aber los mit dem eigentlichen Thema der heutigen Episode: mit der mündlichen Prüfung.
Nachdem ihr die schriftliche Prüfung bestanden habt, werdet ihr über kurz oder lang zu einer mündlichen Prüfung eingeladen werden. Zwischen der schriftlichen Prüfung und der mündlichen Prüfung können mehrere Wochen liegen.
Wie könnt ihr diese wichtige Prüfung also am besten angehen?
Die erste Frage ist zumeist die nach dem Therapieverfahren, das ihr anbieten wollt. Hier ist es wichtig, dass es sich um ein wissenschaftlich anerkanntes Verfahren handelt. Das heißt eine Therapieform aus dem Bereich der Verhaltenstherapie, der Psychodynamik, der Systemischen Psychologie oder der humanistischen Gesprächstherapie. Im Gegensatz zu Früher erwarten die Prüfungskommissionen heute fundierte Kenntnisse oder sogar eine bereits absolvierte oder begonnene Ausbildung.
Der zweite große Bereich, der die Kommission interessiert, sind eure Fähigkeiten in der Diagnostik — vor allem in der Differenzialdiagnostik. Ihr müsst zeigen, dass ihr sichere Diagnosen in eurem zukünftigen Praxisalltag stellen könnt.
Bevor wir bei diesem zweiten Bereich ins Detail gehen, schauen wir uns den ersten Bereich etwas genauer an:
In Deutschland suizidieren sich jährlich etwa 10.000 Menschen, viele im Zusammenhang mit Substanzmissbrauch, vor allem Alkohol und Benzodiazepine. Abgesehen von den Symptomen des Substanzmissbrauches solltet ihr die beiden Modelle und die jeweiligen Phasen des Präsuizidalen Syndroms kennen. Denn ihr könnt als Heilpraktiker hiervon unmittelbar betroffen sein.
Natürlich sind auch depressionskranke Patienten suizidgefährdet. Ihr solltet also auch hier genaue Kenntnisse der Stufen und Formen der Depression haben.
Die meisten Prüflinge fürchten sich in diesem Bereich am meisten vor der Gesetzeskunde. Tatsächlich ist vor allem das Unterbringungs- und Betreuungsrecht recht kompliziert. Wenn möglich, sucht euch hierfür fachkundige Hilfe. Falls ihr Freunde oder Bekannte habt, die sich damit auskennen — umso besser. Mindestens solltet ihr aber die Gesetzestexte in euren Lehrbüchern sehr genau lesen.
Kommen wir nun zum zweiten Bereich der mündlichen Prüfung:
Da der Prüfungsverlauf nicht immer absehbar ist, möchte ich euch drei allgemeine Tips für die mündliche Prüfung geben:
Erstens: Habt keine Angst vor einem Blackout. Falls es dazu kommen sollte, sprecht es einfach offen aus.
Zweitens: Wenn das Prüfungsgespräch anstelle eines Fallbeispiels eher zu einer reinen Wissensüberprüfung wird, so heißt die Regel: Reden, reden, reden.
Drittens: Versucht zu erahnen, was die Prüfer hören wollen, woran sie denken und kommt ihnen zuvor. Wenn ihr beispielsweise aufgefordert werdet über depressive Erkrankungen zu sprechen, sprecht von euch aus auch die Suizidalität und weitere psychiatrische Notfälle — wie z.B. das Delir — an. Kommt vom Delir auch auf Entzugserscheinungen zu sprechen. Wenn ihr über Rechte und Pflichten des Heilpraktikers zu sprechen kommt, erwähnt auch die Berufsordnungen und geht die Punkte im Einzelnen durch.
Ganz egal, wie der Prüfungsverlauf genau aussehen wird, versucht in der Prüfung kein Quiz zu sehen, sondern eher so etwas wie ein Prüfungsgespräch mit seiner eigenen Dynamik. Versucht euch authentisch zu verhalten und ehrlich und aufgeschlossen zu reagieren.
Nach einer knappen halben Stunde ist die Prüfung vorbei und man wird euch bitten den Raum zu verlassen. Ob ihr bestanden habt oder nicht — das Ergebnis der mündlichen Prüfung wird euch nach einer kurzen Beratung durch die Kommission sofort mitgeteilt.
Das Zeugnis wird euch nach ein paar Tagen zusammen mit der Kostenrechnung für die Prüfung zugeschickt. Wenn ihr eine eigene Praxis eröffnen wollt, müsst ihr hierfür noch einen weiteren Antrag an das Gesundheitsamt stellen, dem meist problemlos statt gegeben wird.
Solltet ihr wider Erwarten die Überprüfung nicht bestehen, könnt ihr innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen. Nach frühestens einem halben Jahr könnt ihr die Prüfung wiederholen.
Wie bereits erwähnt, gelten alle hier genannten Einzelheiten für die vergangenen Prüfungen. Bedenkt immer, dass die Gesundheitsämter in der Durchführung der Prüfungen relativ frei sind. Solltet ihr vor kurzer Zeit andere Erfahrungen gemacht haben, schreibt mir gerne ein E-Mail dazu.
Ich hoffe ich konnte euch einige neue Informationen und Ideen zu unserem Thema vermitteln. Tut ihr mir einen Gefallen? Abonniert meinen Podcast, vielen Dank. Und wenn ihr jemanden kennt, den dieser Podcast interessieren könnte -- empfehlt mich gerne weiter. Ich würde mich freuen.
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