Lost in Transformation

Gründen ohne Grenzen Part 1: Zwischen Flucht, Klassismus und Kapital – Der ungewöhnliche Weg zum Gründer und Investor


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Sıddık Turhalli ist sieben Jahre alt, als er mit seiner kurdischen Familie aus politischen Gründen aus der Türkei nach Deutschland flieht. Die erste Station: ein Flüchtlingsheim in Rostock – zur Zeit von 9/11, in einer Umgebung voller offener Anfeindungen gegenüber Muslimen. Es folgen Jahre in einem Dortmunder Brennpunkt, in dem Bildung und Aufstieg alles andere als selbstverständlich sind. Und doch schafft Sıddık genau das – mit Disziplin und Neugier.

Im Gespräch mit Erdal Ahlatci spricht Sıddık über seinen Weg durch ein System, das voller Hürden ist: von ALG-II-Sanktionen, die Bildung erschweren, über seine Gründung und fehlende Netzwerke in der akademischen und wirtschaftlichen Elite bis hin zum strukturellen Klassismus, der auch in der Start-up- und VC-Welt Alltag ist. Über die Dynamiken der Gründungsfinanzierung, das System der Warm Leads und die strukturelle Unsichtbarkeit migrantischer Gründer*innen. Über Craveys – sein Unternehmen, ein Snack-Start-up, das mit gerösteten und gewürzten Sonnenblumenkernen ein Produkt neu positioniert, das in Deutschland oft mit Armut assoziiert wird. Eine bewusste Entscheidung gegen den Mainstream und für kulturelle Selbstermächtigung.Und er spricht über seinen Widerstand dagegen – mit Taten.

Sıddık ist nicht nur Gründer, sondern war auch Investor in der deutschen VC-Szene. Ein "Schwarzkopf" auf der Investmentseite, wie er selbst sagt – eine Seltenheit. Seine Erfahrungen dort zeigen, wie stark der Zugang zu Kapital durch Netzwerke, kulturelle Codes und einen „Similarity Bias“ geprägt ist: Investiert wird oft in jene, die den Investierenden ähneln – in Auftreten, Sprache und Selbstbewusstsein. Wer bescheiden kalkuliert oder seine Herkunft nicht versteckt, fällt durch das Raster.

Obwohl er selbst erst mit 23 von der Möglichkeit eines Stipendiums erfährt, gründet er ein eigenes Stipendienprogramm – eines der diversesten Deutschlands. Es schaut nicht auf Noten, sondern auf Lebensrealitäten.

Diese Episode erzählt von einem, der den Aufstieg geschafft hat – ohne dabei zu vergessen, wo er herkommt. Über das Gründen ohne Zugänge. Das Investieren mit Haltung. Und über die Kraft, die entsteht, wenn man beginnt, sich selbst ernst zu nehmen – auch wenn es andere nicht tun.

Diese Episode ist die erste von drei Folgen, die im Rahmen der Initiative „Gründen ohne Grenzen“ von der Bertelsmann Stiftung aufgenommen wurden. Ziel der Initiative ist es, mehr junge Menschen, mehr Menschen mit Migrationsgeschichte, mehr Frauen und mehr Menschen aus sozial benachteiligten Milieus zu ermutigen und zu unterstützen, den Schritt zu wagen, ihr eigenes Start-up zu gründen.


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Musik & Postproduktion:
Joscha Grunewald

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Lost in TransformationBy Erdal Ugur Ahlatci