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Eine Leserin hat mir heute zwei E-Mails geschickt und klang dabei recht verzweifelt. „Alles scheint so belanglos. Ich sehe kein Licht am Ende des Tunnels“, schreibt Sophia. Ich habe eine kleine Aufnahme gemacht und ihr eine E-Mail geschrieben. Darin empfehle ich Sophia eine kleine Übung für jeden Morgen, die jeder machen kann, um sich nicht mehr so leer zu fühlen.
Wenn du dich leer fühlst, geht es darum, wieder zu dir zu kommen. Um die Leere zu füllen: Mit dir selbst! Mit dem Wissen, dass in Wirklichkeit alles in Ordnung mit dir ist. Diese Aufnahme möchte ich Dir nicht vorenthalten und mache deshalb eine kleine Podcast-Folge draus.
Der Beitrag Erste Hilfe für Sophia und alle, die sich leer fühlen erschien zuerst auf Herz bis Kopf.
Wenn ich mich wertlos fühle, habe ich vergesse, wer ich bin. Kein Wunder, denn wir lernen früh, den Erwartungen anderer zu entsprechen und verlieren so leicht den Kontakt zu uns selbst. Was übrig bleibt, sind Zweifel und das Gefühl, dass uns niemand sieht. Dann finden wir alle möglichen Dinge an uns, die uns (und den anderen) vermeintlich nicht gefallen. Aber es gibt einen Ausweg aus dieser Falle.
Im Herzbiskopf-Podcast gehe ich diesem Problem etwas auf den Grund und präsentiere Vorschläge für alle, die sich wertlos fühlen. Schnell raus aus dieser Falle und rein in ein Leben, wo wir uns selbst so sehr akzeptieren, dass die Meinungen anderer vielleicht Tipps oder Anregungen, aber keine Religion mehr für uns sind!
Für alle, die lieber lesen, habe ich den Podcast transkribiert:
„Ich habe das Gefühl, nicht gesehen zu werden und den Erwartungen anderer nicht gerecht zu werden. Außerdem denke ich, dass ich zu wenig Ausstrahlung habe und nicht intelligent genug bin. Ich finde keine Antworte mehr.“
So lange wie so über uns selbst denken, werden wir nur höchst deprimierende Antworten finden, wenn überhaupt.
Solange wir durchs Leben gehen und denken, dass ich zu wenig Ausstrahlung habe, nicht intelligent genug bin, dass ich nicht genug Charakter habe, dass an mir etwas nicht stimmt, werde ich immer nur das gezeigt bekommen: Beweise dafür, dass ich ein Versager bin. Dafür ist unser Verstand da. Er zeigt uns das, wonach wir suchen.
Wenn ich denke, ich habe eine miese Persönlichkeit, dann laufe ich krumm und bucklig durch die Welt. Dann traue ich mich nicht, Leute anzusprechen; dann werde ich zu dem Menschen, der ich befürchte zu sein. Wenn ich denke, ich strahle Kälte aus, dann bin ich zu mir selbst kalt. Dann mag ich mich selbst nicht. Und wie soll ich zu anderen Menschen warmherzig und freundlich sein, wenn ich tief in mir drinnen mich selbst hasse für den, der ich bin. Dann bin ich doch frustriert, dann habe ich doch schlechte Laune. Dann muss ich doch eine Rolle spielen, ein Schauspieler sein, um tatsächlich freundlich zu wirken. Das ist doch keine wirkliche Freundlichkeit.
Dann fühlen wir uns natürlich wertlos, wenn wir so über uns denken. Dann haben wir das Gefühl und den Eindruck, nicht gesehen zu werden. Und den Eindruck, den Erwartungen anderer nicht gerecht zu werden. Und das war von dieser Leser-Frage der entscheidende Satz, zum Glück ist der gefallen: „Ich habe den Eindruck (die Angst!), den Erwartungen der anderen nicht gerecht zu werden“
Wir haben als Kinder gelernt, dass wir den Erwartungen anderer gerecht werden sollen. Als Kinder waren wir davon abhängig, dass wir den Erwartungen unserer Eltern gerecht werden. Sonst haben wir befürchtet, verstoßen zu werden und diese Angst ist wahrscheinlich tief in uns verankert. Früher hatte das sicher seine Richtigkeit und auch heute tut ein Kind ja gut daran, die Geduld seiner Eltern nicht unendlich zu strapazieren. Aber im Erwachsenenleben belastet uns diese Strategie nur noch.
Wenn ich so durchs Leben laufe und den Erwartungen anderer gerecht werden will, dann werde ich ganz automatisch meinen eigenen Erwartungen nicht gerecht. Dann bin ich nur eine leere Persönlichkeit, die anderen gefallen will.
Wie soll ich so zu einem warmherzigen Menschen werden? Wie soll ich zu Ausstrahlung finden, wenn ich die ganze Zeit überlege und darüber nachdenke, was ich ausstrahlen sollte? Ausstrahlung das ist etwas, das STRAHLE ich aus, das ist etwas Authentisches! Da strahle ich mich selbst aus.
Wenn ich mich die ganze Zeit verstecke und verstelle, wie soll ich da irgendwas ausstrahlen? Wie soll ich mich wertvoll fühlen, wenn ich denke, dass ich so wenig wert bin, dass ich anderen gerecht werden muss? Ich muss doch erst mal anfangen, mir selbst gerecht zu werden. Überlegen:
Was ist denn eigentlich für mich hier in diesem Leben drin? Was will ich eigentlich von diesem Geschenk, was ich will ich tun, wie will ich in dieser Welt vorkommen?
Wenn ich denke, ich muss anderen gerecht werden, dann kann ich lange überlegen, was für ein Mensch ich sein sollte für die anderen. Dann bin ich auf jeden Fall nicht ich selbst, sondern dann bin ich irgendjemand, für irgendjemand anders – wo ich dann noch nicht mal genau weiß, ob es wirklich das ist, was der von mir will!
Was habe ich davon? Am Ende habe ich davon nichts! Wenn du das Gefühl hast, anderen gerecht werden zu sollen: Frag dich doch mal, was du davon hast. Und zwar langfristig.
Klar, ich kann mich im Bewerbungsgespräch einschleimen und den Erwartungen meiner Interview-Partner gerecht werden, damit sie mich einstellen. Ich kann den Eindruck erwecken, dass ich ihren Erwartungen entspreche. Aber was habe ich denn dann später für einen Job? Dann bin ich die falsche Frau, der falsche Mann in meiner Position und muss mich während meiner gesamten Anstellung verstellen.
So leben viele von uns: Wir sind in einem ewig langen Job, der dauert ungefähr 80 Jahre für die meisten. Da sind wir drinnen und denken, wir müssen vielen um uns herum gerecht werden. Vor allem den Leuten, von denen wir etwas wollen und brauchen. Zum Beispiel unserem Partner. Und dabei hauen wir uns selbst jedes mal richtig eine rein, wenn wir drauf pfeifen, was eigentlich für uns selbst richtig wäre und wenn wir uns überlegen, „wie will uns der andere haben“.
Ich habe viele Jahre meines Lebens ganz viel Energie in das Ziel gesteckt, erfolgreich zu sein. Vor allem finanziell erfolgreich zu sein. Und zum Schluss wusste ich auf eine ganz unangenehme Art und Weise überhaupt nicht mehr, wer ich bin oder wer ich sein will – ich war völlig entwurzelt. Weil ich ein Viertel meines Lebens einer Vorstellung hinterhergelaufen bin, wie ich sein sollte. Habe mich selbst nicht mehr gesehen.
Und wie sollen mich da andere sehen? Und wie soll ich da überhaupt das Gefühl haben, das mich andere sehen, wenn ich selbst nur noch eine Ansammlung von antrainierten Verhaltensweisen, Sprüchen und Denkweisen bin?
Dabei ist jeder von uns ja Bekannterweise einzigartig – nicht nur vom Aussehen her. Und diese Einzigartigkeit kann ich leben und damit zufrieden werden, wenn ich anfange, den alten Quatsch in meinem Kopf loszuwerden. Wenn ich anfange das zu durchschauen:
Alleine dadurch, dass ich darauf achte, verschwindet diese selbstverachtende Art und Weise zu denken und zu handeln langsam. Weil es absurd ist, sich selbst zu hassen. Und wenn ich aufmerksam bin, sehe ich das. Es ist absurd, mit sich selbst unzufrieden zu sein, chronisch unzufrieden zu sein. Klar, ich kann eine Sprache lernen, ich kann meine Fähigkeiten verbessern – aber mit mir persönlich unzufrieden zu sein, das ist absurd.
Wer ist denn diese perfekte, abgespaltene Person in mir, die sich über mich selbst erhebt und sagt: Du solltest so und so sein! Wer soll das denn sein? Man nennt das auch Ego – und das ist eine Illusion.
Eine Ansammlung von Gedanken, von Urteilen, die wir in der Kindheit aufgesaugt haben; als uns unsere Eltern gesagt haben, so und so sollst du sein; als uns unsere Eltern gesagt haben, hier bitte nicht so, sei leise, sei still, du musst dich konzentrieren! Du bist zu zappelig!
Sowas habe ich die ganze Zeit in der Schule gehört. Und das trage ich heute noch in meinem Kopf durch die Gegend und verurteile mich selbst dafür, wie ich bin. Und schaue, wie ich für andere sein sollte. Und werde jeden Tag unglücklicher damit, wenn ich es nicht aufhalte, wenn ich nicht aufhöre, für andere zu leben, sondern anfange, in mich reinzufühlen, reinzuhören: Was tut mir denn gut?
Das wäre mal ein Anfang! Sich bewusst Zeit zu nehmen, jeden Tag, und zu schauen, was geht in mir vor? Wonach ruft es in meinem Bauch, in meinem Herz? Was brauche ich? Was hätte ich gern vom Leben? Wer bin ich?
Bild: Pixabay
Der Beitrag Warum wir uns wertlos fühlen, und wie wir uns lieben lernen erschien zuerst auf Herz bis Kopf.
Ich suche etwas, weiß aber nicht was – geht es dir so? Dann nimmst du dich vielleicht nur über das wahr, was du tust, über deine Leistungen, Noten, über deinen Job. Ich habe das viele Jahre getan und irgendwann habe ich gemerkt, dass ich viel mehr bin als mein Beruf. Und das war eine ganz schön schmerzliche Erfahrung, weil ich gar nicht mehr wusste, wo oben und wo unten ist, nach Jahren, in denen ich mein Leben meinem Beruf gewidmet hatte.
In diesem Podcast spreche ich darüber, warum ich oft das Gefühl hatte, dass etwas ganz Wichtiges in meinem Leben fehlt – obwohl die Dinge oft gar nicht so schlecht gelaufen sind. Ich antworte auf die Fragen von fünf Leserinnen, die alle eins gemein haben: Sie haben das Gefühl, dass sie dringend etwas an ihrer Situation ändern müssen. Etwas fehlt!
Was genau, ist uns dabei meistens nicht klar. Bis wir merken, dass wir viel mehr sind als unsere Leistungen, Erfolge und Visionen von uns selbst. Was in Wirklichkeit fehlt, ist meine Liebe. Sie ist verborgen unter „Ich muss“, „Ich sollte“ und Urteilen über mich, andere und die Welt. Wir haben es nicht besser gelernt, als vom ersten Tag an Leistung zu zeigen und müssen erst wieder lernen, uns an uns selbst zu freuen.
In meinem Podcast gebe ich ein paar Dinge zu denken, die dir vielleicht helfen, deine aktuelle Situation in einem anderen Licht zu betrachten. Aus meiner Erfahrung lösen sich Probleme dann oft viel leichter.
Foto: Pixabay
Der Beitrag Irgendetwas fehlt mir im Leben: So finde und schließe ich die Lücke erschien zuerst auf Herz bis Kopf.
„Ich habe keinen Spaß an Tätigkeiten, weil ich bei allem nur den Zweck und Sinn der Tätigkeit suche und den Prozess nicht genießen kann. Wie kann ich diesen Kreislauf stoppen?“ Im Podcast beantworte ich diese Leser-Fragen von Luisa*.
Ich hatte zum Beispiel den Gedanken: „Meine Arbeit als Marketing-Experte macht keinen Sinn, weil meine Kunden nur Geld machen wollen, sonst nichts. Und das ist falsch!“
Also, meine damaligen Gedanken auf den Punkt gebracht:
„Meine Kunden wollen nur Geld verdienen“
Das war aber nur meine Sicht auf die Welt, auf meine Kunden.
Vielleicht ist deine Vorstellung von Dir und dem Rest der Welt der springende Punkt.
Du kannst deine Arbeit, deine Tätigkeiten erst genießen, wenn sie sich mit deinen Vorstellungen von der Welt decken.
Ich arbeite zum Beispiel in meiner Freizeit gern mit Holz. Würde ich darüber nachdenken, was das für einen Sinn macht, wäre ich sofort lustlos und deprimiert.
Wenn ich nicht darüber nachdenke, brauche ich keinen Sinn.
Wenn da aber Gedanken über den Sinn sind, kann ich nicht einfach entscheiden, nicht drüber nachzudenken. Im Hintergrund wird vielleicht trotz Ablenkung immer der Zweifel an mir nagen. Deswegen muss ich meine Überzeugungen auf den Prüfstand stellen.
*Name geändert
Foto: Pixabay
Der Beitrag Dinge mit Freude tun! Wie kann ich genießen lernen? erschien zuerst auf Herz bis Kopf.
Das Alte, unser bisheriges Leben macht uns manchmal einfach nicht mehr glücklich. Hat es vielleicht nie gemacht. Bei mir zum Beispiel, nach sechs Jahren, in denen ich mein Leben nur einem Ziel gewidmet hatte. Als ich schließlich dem Ziel näher kam, gab es mir plötzlich nichts mehr. Alles brannte in mir, nichts schien mehr wichtig, ich entfernte mich von allem. Ich war mir sicher, dass das eine Depression sei. Vielleicht war es das. Aber es war auch ein Reinwaschen. Alles Unechte und nicht wirklich Wichtige konnte ich plötzlich nicht mehr tun, auch wenn ich mich anstrengte.
Stattdessen lief ich durch den nahegelegenen Park und sah mir den See dort an, die Vögel, die Pflanzen. Ich schrieb Briefe an mich selbst. Meine Gedanken mussten zur Ruhe kommen. Ich war völlig geladen und gleichzeitig leer. Weil ich das Rennen so gewohnt war. Von Jahren permanenter Hektik und ständigen Getrieben-seins. Schnell, schnell sein, statt genießen.
Leer am See. Während ein Teil meines Lebens und meiner Identität vertrocknete und abfiel (so fühlte es sich wirklich an), blühte eine andere Seite auf.
Ich dachte immer, mein Job sei meine Identität. Ich dachte, ich müsste kämpfen und hätte dabei noch einen langen Weg vor mir. Das gab mir jeden Tag einen Kick. Jetzt saß ich da und fühlte nichts mehr.
Mein altes, schlechtes Leben mit all seinen scheinbaren Zwängen verschwand langsam aus mir, weil nichts mehr eine Rolle spielte außer diese Leere, diese Verzweiflung, die ich jetzt fühlte. Und in dieser Leere bahnte sich langsam etwas Neues seinen Weg in mir. Viele meiner Ansichten über mein Leben stellte ich in diesen Wochen und Monaten auf den Kopf. Die Leere schien zu bleiben, sie hielt mich am Ball, meinen Problemen und Sorgen ins Auge zu schauen. Mich zu fragen: Stimmt das wirklich, was ich über mich und mein Leben denke?
Was genau fehlt in deinem Leben, jetzt?
Ich zum Beispiel fühlte mich so leer, weil ich in meinem Leben keine Zukunft mehr sah. Weil die Vergangenheit inakzeptabel schien. Ich war es aber gewohnt, in der Zukunft zu leben, nur meinen Zielen nachzulaufen und alles andere im Dreck liegen zu lassen. Mich hatte meine Kraft verloren, meine Lust, mein Antrieb, und damit hatte ich mein Leben verloren, meine Zukunft. Da stand ich nun in meinem kahlen Büro und steckte ein paar Blumen in eine Karaffe. Das tat gut, mich ein bisschen um diese schönen Pflanzen zu kümmern.
Als ich mir diese Blumen kaufte, hatte ich mich schon entschieden, dass es mit meinem Leben so nicht weitergehen konnte. Ich wollte einfach etwas Schönes in meiner Nähe haben. Sie waren vielleicht der Anfang eines farbenfroheren Lebens. Das Gefühl der Leere und Kälte in mir vertrieben sie nicht, aber mich um sie zu kümmern, sie zu gießen und sie aufzurichten, bewegte in mir selbst etwas.
Ich wusste nicht mehr, wozu das Leben überhaupt da war. In mir kreiste die Frage: Wozu überhaupt glücklich sein? Was bringt mir das? Ich wusste nicht mehr, was ich wollte. Und das machte mich so leer. Nein: Der Gedanke, das Leben sei zu etwas da und der Gedanke ich müsste wissen, was ich will; das machte mich leer, das machte mir das Leben in Wirklichkeit zur Hölle.
Das schuf erst diese bitterliche Kälte und Leere in mir. Denn mir fiel nichts mehr ein. Ich hatte nichts mehr, mit dem ich mich täuschen konnte. Ich konnte mir nicht mehr vorlügen, dass es nur auf die Arbeit und den Erfolg ankam. Ich konnte mir nicht mehr vorlügen, dass ich genau wusste, wo ich hin wollte. Dass beruflicher Erfolg wichtiger als Freundschaft, Familie, ja sogar wichtiger als ich selbst war.
Soll ich dir was sagen? Ich weiß heute noch immer nicht, was ich genau will.
Ich weiß zum Beispiel, dass ich diesen Text hier schreiben will. Das weiß ich relativ sicher. Ich weiß auch, dass ich von diesem Blog als Autor leben will und anderen Menschen mit meinen Texten, Videos und Podcasts helfen, sie inspirieren will. Aber ich finde darin keinen neuen Lebenssinn oder so etwas.
Es ist nicht meine Identität; das eine, an das ich mich verzweifelt klammere. Ich fühle mich in gewisser Weise immer noch leer, wenn ich mein Leben mit früher vergleiche. Wenn ich das Jetzt mit der Lüge vergleiche, die ich gelebt habe. Mit all den Phantasien von der Zukunft und der Abneigung vor der ungenügenden Gegenwart; was mich für den Moment hoffnungsvoll und energiegeladen und auf Dauer zu einem immer scheiternden Visionär gemacht hat.
Stattdessen helfe ich spontan, wo ich kann, ich höre Freunden und meiner Familie wieder mehr zu, auch wenn ich viel Energie und Zeit in meinen Beruf stecke. Ich kümmere mich so gut ich kann darum, meine Tochter zu sehen, die 200 Kilometer weit weg wohnt.
Ich habe gewisse Ideen, wie meine Zukunft aussehen darf, aber ich lebe nicht mehr in diesen Ideen und Vorstellungen. Ich bestreite mein Leben. Ich kümmere mich um meinen Hund. Um mein Bankkonto. Um meinen Körper. Ich meditiere mit meiner Selbsthilfe-Technik. Vor allem, wenn ich mich unwohl fühle. Und weil man dabei stressvolle Gedanken auflöst, werde ich sogar immer leerer, glaube ich. Ich bin leer für das, was noch kommt. Ich kann immer besser wieder jeden Schritt genießen, jeden Atemzug. Ich bin immer weniger gehetzt. Ich achte mehr auf mich und interessiere mich dafür, wer ich wirklich bin.
Wenn du den Schmerz langsam auflöst, der dir in Kopf und Gliedern steckt, wird sich dein Leben ganz von selbst füllen.
Vielleicht anders, als du das jetzt erwartest oder als es einmal war. Aber das Leben ist so ein raffiniertes und schönes Spiel – irgendwie scheint es für jeden von uns immer genau das bereit zu halten, für das wir jetzt bereit sind, für das wir gemacht sind, das wir jetzt brauchen, um uns weiter zu entwickeln.
Auch wenn das manchmal weh tut. Es tut besonders weh, wenn ich mich verzweifelt gegen das Leben wehre anstatt damit so gut wie möglich umzugehen.
Wenn ich nicht auf meine Gefühle höre. Meine Gefühle sind meine Anzeige dafür, ob ich eine Lüge lebe und mal wieder alles schlecht mache. Nicht sehe, wofür ich dennoch dankbar im Leben sein kann.
Meine Gefühle sind eine Hilfe, eine Geh-Hilfe. Und wenn ich mich leer fühle, dann aus gutem Grund. Dann kann ich aufmerksam warten, was diese Leere irgendwann wieder füllen wird. Ein Gespür entwickeln, mit was ich es wirklich füllen will!
Wenn ist das tue, sage und denke, was in Einklang mit meinem Leben ist, das mir also wirklich wichtig ist, dann fühlen sich meine Gefühle auch wieder harmonisch an. Dann wird aus Leere Fülle.
Titelbild: Pixabay
Der Beitrag Ich fühle mich leer – Endlich Platz für Neues! erschien zuerst auf Herz bis Kopf.
Ich steige am Olympia-Einkaufszentrum aus der U-Bahn und auf der Rolltreppe fällt alles in mir zusammen. Was für eine hässliche, trostlose Gegend. Hier war der Münchner Amoklauf. Graue Häuser. Alle eilen nur von A nach B. Mehr Spuren auf der Straße als Bäume am Straßenrand. Ich fühle mich so unwohl hier. Ich fühle mich klein, ausgeliefert. Aber an diesem Tag lerne ich etwas: Ich kann mich Zuhause fühlen, da, wo ich gerade bin. Ich kann mich wohl fühlen, wo ich früher fast in Panik ausgebrochen bin.
Ich kaufe etwas im Musikgeschäft ein. Nette Leute hier, das macht Spaß. Auf der Rückfahrt ist meine Stimmung trotz Betonwüstenplattenbaulandschaft besser. Mir geht es gut. Meine Gedanken sind viel „heller“ als auf der Hinfahrt. Vielleicht liegt das auch an der netten Kassiererin im Music Store. Aber ist hier nicht noch alles genau gleich hässlich wie davor, nur dass ich jetzt tolle Gerätschaft in einer großen Einkaufstüte und angenehme Eindrücke der netten Laden-Beratung dabei habe? Nur dass ich jetzt gut gelaunt bin?
Zehn Minuten später sitze ich im Bus. „Das ist ein ungemütlicher Ort, ist das wirklich wahr?“, frage ich mich und fühle in mich hinein.
Würde ich mich hier nicht wohl fühlen, wenn ich gerade nach Jahren der Gefangenschaft als Insel-Gestrandeter unter wilden und gefährlichen Tieren endlich zurück in der Zivilisation wäre?
Wäre ich nicht dankbar für diesen Teil der Stadt, und dankbar dafür, andere Menschen zu sehen, auch wenn ich in ihnen die Härte des Lebens zu erkennen glaube? Welche Härte soll das schon sein? Meine Zeit auf der einsamen Insel, vom ewigen Regen durchnässt, zwischen Bären, tödlichen Quallen und giftigen Schlangen, ohne Arzt und ohne Einkaufszentrum, ganz ohne andere Menschen, die war wesentlich härter.
Ich kann finden: Mein Denken ist ein ungemütlicher Ort. Ich sehe den Menschen und grauen Häuserfronten ins Gesicht, begegne dabei aber vor allem meinen düsteren Gedanken über diesen Ort. Und sehe nichts außer das. Sehe nicht meine Dankbarkeit. Den Überfluss, in dem ich lebe. Den ich immer dabei habe.
Das Wetter ist in den anderen Stadtteilen genauso verregnet. Niemand hat mir hier etwas getan, während ich den Weg zum Musikgeschäft suche. Und was ist hier ungemütlich? Ich hätte mich einfach irgendwo an die Straße setzen können und entspannen.
Stattdessen bin ich gehetzt durch die vielen Menschen zwischen McDonald’s, U-Bahn und funktionalen Einkaufsbunkern gelaufen und wollte nur weg hier. Dabei geben diese großen Häuser so vielen Menschen ein Zuhause. Lassen sie in Wärme durch sie durch laufen, vielleicht etwas kaufen. Was für ein freundlicher, gemütlicher Ort! Die breiten Straßen geben mir genug Platz, um die Gemütlichkeit in mir selbst zu finden. Sie lenken mich nicht von mir selbst ab, mit schönen bunten Häusern oder idyllischen Wegen durch grün bedachte Adern wohlhabenderer Stadtteile. Nichts gegen das! Aber hier begegne ich meiner eigenen Trostlosigkeit, von der ich in der Idylle wenig spüre.
Als ich das sehe, als sich meine Welt auf den Kopf stellt, spüre ich eine angenehme Wärme in meinen Armen, während der Bus mich etwas ruppig von Halt zu Halt schüttelt. Alles atmet auf in mir. Und ich atme tief ein und fühle ein altes, vertrautes Gefühl. Ein Gefühl von Zuhause sein, da, wo ich bin.
Bild: Pixabay
Der Beitrag Dich überall Zuhause fühlen – Wohlbefinden kommt immer von innen erschien zuerst auf Herz bis Kopf.
Sie hatte mich fast 10 Jahre lang im Griff: die Angst vor der Angst. Panikattacken, oft ständige innerliche Anspannung, Rückzug von allem – das schien mein Los auf immer und ewig zu sein. Irgendwann war ich am Punkt angelangt, dass ich bereit war, meine größten Alpträume wahr werden zu lassen, weil ein Leben im Griff der Angst vor der Angst nicht lebenswert ist. Ich denke, ich wäre heute tot oder wahnsinnig, wenn ich die folgende Frage nicht für mich entdeckt hätte.
Was wir denken, wird früher oder später wahr; wenn auch nicht in der Realität, dann in unserer Phantasie. Leider kann unser Körper nämlich nicht zwischen Vorstellung und Realität unterscheiden. Bei der Angst vor der Angst stellen wir uns zum Beispiel vor, was passieren könnte. Die Bilder in unserer Vorstellung (die Bilder von dem Unglück, dem Alptraum, eben von dem, das nicht passieren soll) führen uns erst richtig in die Sackgasse. Es sind nur Vorstellungen, aber unser Körper reagiert darauf, als würden wir es echt erleben.
Achtung: „…könnte…“ gibt es für unseren Körper nicht.
Wenn ich denke, „ich könnte gleich an einem Herzinfarkt sterben“, dann versteht mein Körper: „Ich WERDE gleich an einem Herzinfarkt sterben“.
Denn ich stelle mir vor, wie das sein wird. Wie ich da liege und an meine Tochter denke. Mir wünsche, ich hätte sie öfter gesehen. Und wie mir schwarz vor Augen wird. Und wenn ich mir das vorstelle, schaltet mein Körper auf Alarmstufe Rot. „Hier wird gleich einer sterben! Flucht! Hilfe! Schweiß! Zittern.“
Dieser Effekt wirkt übrigens auch positiv: Beim Placebo. Es reicht der reine Glaube daran, dass die mehlige Pille gegen die Kopfschmerzen helfen wird: Der Körper heilt sich selbst. Weil wir davon überzeugt sind.
Die Frage „Kann ich absolut sicher wissen, dass das wahr ist“, kann augenblicklich Ruhe in den gequälten Geist bringen.
Nein! Ich kann es nicht sicher wissen. Und diese Erkenntnis ist so einfach wie genial zugleich. Ich kann dann oft zusehen, wie in mir alles aufatmet. Ich kann tief Luft holen. Mein „nein“ auf meine Frage ist wie eine Freikarte aus dem Knast. Aus meinem seelischen Gefängnis, in das ich mich selbst stecke, wenn ich alles glaube, was ich denke.
Diese Frage ist Teil der Selbsthilfe-Technik „The Work“ von Byron Katie. In diesem Artikel findest du mehr über The Work.
Nettes Zitat zum Schluss:
Heinz Erhardt
Wenn wir unsere Gedanken hinterfragen, lernen wir uns selbst erst richtig kennen. Das ist der eigentliche Sinn des Wortes Selbstbewusstsein – ein Zustand, in dem wir uns unserer Stärke und Sicherheit bewusst sind. In dem wir fühlen, wer wir wirklich sind (anstatt nur drüber nachzudenken). In dem wir mit uns selbst zufrieden sind, und die Liebe leben können: Ein Leben, ohne Probleme. Wenn Du möchtest, hol Dir meinen Vortrag zum Thema Selbstbewusstsein: Selbst, bewusst und glücklich. Hier geht es zum Vortrag.
Bild: Pixabay
Der Beitrag Angst vor der Angst verlieren: Diese Frage verwandelt meine Panik in Zuversicht erschien zuerst auf Herz bis Kopf.
In den letzten Tagen habe ich etwas spannendes entdeckt: Alle Menschen um mich herum sind absolut okay. Liebenswert. Ich mag euch einfach. Ob in der U-Bahn, im Supermarkt, am Telefon. Ich mag euch aber nur bedingungslos, wenn ich meine Urteile über euch fallen lasse. Und das Spannendste: Ich fühle mich selbst unglaublich gut, wenn ich euch beobachte, ohne meine Urteile. Ich liebe nicht nur euch, sondern auch mich. Nein, genauer: Ich BIN dann Liebe.
Was meine ich mit Urteilen? Zum Beispiel:
– Diese Frau ist alt
Uuuuund so weiter.
Wenn ich zum Beispiel in der Tram sitze und die Leute auf der Straße beobachte, kann ich all diese Urteile, die Etikettierungen für einen kurzen Moment außer Acht lassen. Ich schaue den Leuten ins Gesicht und lasse dabei alle Gedanken außen vor, die dabei unweigerlich auftauchen.
Ich bemerke diese Gedanken, die Bewertungen und halte sie nicht fest. Folge ihnen nicht mit meiner Aufmerksamkeit. Ich bleibe beim Beobachten und sehe dann zum Beispiel wieder in das Gesicht eines älteren Mannes, der an meinem Fenster vorbei läuft. Ich nehme einfach seinen Anblick wahr. Kein Gedanke ist dafür nötig. Ich muss nichts tun außer zu schauen.
Dann wird in mir ein Staunen wach. Ich sehe das Gesicht dieses Mannes und lasse es auf mich wirken. Es ist weder schön noch hässlich. Weder alt noch jung. Es ist einfach. Einige Gedanken tauchen in mir auf:
„So sieht das Leben aus.“
„Normalerweise interessiert mich so ein alter Kerl nicht“.
Manche dieser Gedanken fühlen sich schön an oder inspirieren mich, andere wirken im Vergleich belanglos oder sind stressig.
Ich konzentriere mich aber nicht sonderlich darauf, sondern halte meinen Blick offen auf die Menschen um mich herum. Und dann kommt da eine Verbundenheit, ich mag diese Leute auf einmal, ich finde sie ganz großartig. Ich bin entzückt und begeistert von diesen vielen, vielen verschiedenen Gesichtern. Ich fühle mich mit ihnen verbunden. Ein warmes Gefühl in der Brustgegend.
Eine schöne kleine Meditation. Ich bin frei in diesen Momenten. Frei nicht nur von Urteilen über die anderen, sondern auch frei von Urteilen über mich selbst. Sie sind einfach in diesen Momenten, und ich bin auch einfach.
Das ist Freiheit für mich. Das ist Selbstliebe.
Der Beitrag Kleine Selbstliebe-Meditation für unterwegs erschien zuerst auf Herz bis Kopf.
Akzeptiere deine Gefühle, dann können sie gehen – bewaffnet mit diesem Spruch im Kopf habe ich sicher tausende Male versucht, meine negativen Gefühle aufzulösen, zum Schweigen zu bringen, wegzumachen. Ich wollte sie akzeptieren, aber bloß, damit sie dann endlich verschwinden. Gefühle weg zu akzeptieren funktioniert aber nicht. Was ist das für eine Akzeptanz? Und warum sollte ich etwas akzeptieren, das ich doch weg haben will? Das ist ein Widerspruch in sich. Aber was hilft dann?
.
Hi, ich bin Gidon – Journalist und Buchautor. Ich beschäftige mich nun seit über 10 Jahren damit, was Menschen glücklich macht.
Emotionen weg zu zaubern wird niemals funktionieren. Besonders nicht, solange man glaubt und fühlt: Ich bin ängstlich. Ich bin wütend. Ich bin depressiv. Wir empfinden, dass wir unsere Gefühle SIND. Aber in Wirklichkeit HABEN wir Gefühle. Sie sind ein Echo unserer Gedanken im Körper.
In Wirklichkeit ist jedes Gefühl also schon längst akzeptiert. Es ist schon da und wir sind nur diejenigen, die zusehen, zuhören. Das eigentliche Leid und die Panik kommen aus dem Kampf gegen die Gefühle.
Der erste Schritt ist, nicht mehr über Gefühle nachzudenken und damit etwas machen zu wollen. Akzeptanz ist nichts, was ich tue. Der erste Schritt ist zu sehen, dass du der Zeuge deiner Gefühle bist. Du nimmst sie wahr, du machst sie dir bewusst.
Wer bewusstlos ist, fühlt auch nichts. Dann sind die Emotionen nicht da. Aber es geht schließlich darum, wach zu sein. Schlafen ist keine Lösung. Auch, wenn viele probieren, ihre Gefühle wegzusaufen, wegzukiffen, wegzurauchen oder mit Netflix zu vertreiben.
Jeder kann bewusst sein, wach sein, und sich dabei gut fühlen. Frei sein. Dafür ist wichtig, zu erkennen, dass du jetzt schon frei bist. Du kannst aus deinen Gefühlen ein Problem machen, oder du nimmst sie einfach wahr.
Und siehst dabei, wer du wirklich bist. Der Zuschauer, der Zeuge, nicht der ängstliche Mensch, sondern der, der die Angst wahrnimmt.
Aber trotzdem scheinen uns unsere Emotionen fast in den Wahnsinn zu treiben. Die Wut, die Angst, die Anspannung, die Verwirrung. Ab irgendeinem Punkt hatte ich das Gefühl, es nicht mehr auszuhalten. Und das war in Wirklichkeit ein gutes Gefühl.
Denn da gab ich auf, ich öffnete mich für Lösungen, ich war bereit, alles zu tun, um mich endlich besser zu fühlen.
Ich versuchte immer verbissener, meine Empfindungen anzunehmen, das Unwetter in mir zu vertreiben, indem ich es nur lang genug aushalte. Indem ich spiritueller werde. Noch weiser. Mein Bewusstsein transformiere. Meine Gefühle transzendiere. Alles nur dumme Vorstellungen aus Büchern und Videos, die ich gesehen habe!
Sich gegen seine Gefühle zu wehren, macht alles nur noch schlimmer. Und falsche Akzeptanz ist auch eine Art, sich zu wehren.
Wenn ich verstehe, dass ich nicht meine Gefühle bin und auch nicht gegen meine Gefühle kämpfen kann, bekomme ich viel mehr als ein Leben frei von unangenehmen Emotionen. Ich sehe, wer ich wirklich bin. Raum für die Welt, für alle meine Eindrücke, Gedanken und – ja– auch für meine negativsten Gefühle.
Es sind in gewisser Weise gar nicht meine Gefühle – es sind die Reaktionen des Körpers auf das, was in meinem Verstand vor sich geht. Ob ich es nun bewusst mitbekomme, oder nicht. Sie sind nicht persönlich. Sie sind nichts, was ich bewusst tue. Sie kommen ganz von selbst und gehen auch wieder von allein.
Die wirksamste Weise, mit Gefühlen umzugehen, ist für mich, sie zu verstehen. Aufzuschreiben, was ich denke. Was mir genau Angst macht an einer Situation. Was ich befürchte, was passieren wird. Und mich dann zu fragen: Stimmt das, was ich da denke? Kann ich sicher wissen, dass es so kommen wird? Kann ich sicher wissen, dass es so schlimm sein wird, wie ich es mir vorstelle?
Zu merken, dass ich nichts sicher weiß, macht jede Emotion zu einem flockigen Wölkchen, das einfach vorbei schwebt. Zu glauben, ich wüsste, wie schlimm alles ist, macht aus dem flockigen Wölkchen eine düstere Gewitterwolke.
Wir versuchen dann nicht mehr, Gefühle zu akzeptieren und dadurch vor ihnen wegzulaufen. Wir schauen genau hin. Wir werden vom ängstlichen Lamm zum Löwen, der sich seinem größten und zugleich einzigen Feind stellt: Unseren Zweifeln an uns und der Angst vor der Angst.
Wir werden dadurch emotional intelligent. Wir verstehen, was in uns abläuft. Und wir können es mehr und mehr genießen; sowohl die Tage mit strahlendem Sonnenschein, als auch die mit Sturm, Wind und Gewitter. Weil das das Leben ist.
Wie sagte es die HipHop-Band Blumentopf in einem ihrer Lieder: Da, wo nur die Sonne scheint, ist meistens Wüste. Es gibt für mich etwas Großartigeres, als immer gute Laune zu haben: Frieden. Nicht bekommen, was ich denke zu wollen, sondern wollen, was ich bekomme. Das ist für mich wahres Glück.
Mehr zum Thema: Was hilft gegen Nervosität und Angst? Einsicht, Verständnis und Selbstliebe und: Warum deine Angst keine Störung ist – sondern ein Schritt in der Heilung
Foto: https://pixabay.com/de/hintergrundbild-blumenwiese-rustikal-3256919/
Der Beitrag Gefühle akzeptieren lernen: Wie geht das? erschien zuerst auf Herz bis Kopf.
Ich habe mir heute morgen ein paar Videos angesehen zum Stichwort Selbstbewusstsein und wie man es stärkt. Schließlich drehe ich selber Videos zum Thema . Ich war nach kurzer Zeit wie erschlagen von scheinbar unendlich vielen Tipps, die mir ein paar sehr spannende Menschen mit vielen verschiedenen interessanten Sichtweisen gegeben haben. Aber die meisten verfehlen den Kern des Problems. Wenn dir die vielen Tipps nicht helfen, findest du in diesem Artikel den wahren Grund für schwaches Selbstbewusstsein – und eine Lösung.
Beim Anschauen der Tipp-Videos habe ich mich gefragt: soll ich hier wirklich weitermachen? Braucht die Welt mich als Autor, der Menschen erzählt, wie sie ihr (wahres) Selbstbewusstsein finden? Wenn doch schon allein das Netz so vollgestopft mit Tipps ist. Ja! Ganz einfach, weil die wenigsten von dem sprechen, was für unsere Ängste wirklich verantwortlich ist.
Nur ein paar Titel dieser Tipp-Oasen:
Lauter gute und gut gemeinte Tipps. Ich kenne sie inzwischen alle, habe alles schon mal gehört. Aber:
Es gibt unendlich viele saumäßig gute Tipps da draußen. Und die meisten davon können auch dabei helfen, das Selbstbewusstsein zu stärken. Sich besser zu fühlen.
Aber sie umschiffen das eigentliche Problem:
Tipps können also höchstens eine Hilfe sein auf dem Weg zum Selbstbewusstsein. Jeder muss für sich erkennen, wie er sich selbst verunsichert.
Es gibt nur EINEN GRUND, warum ich mich Dinge nicht traue, kein Selbstbewusstsein habe. Meine Gedanken. Genauer: Meine Überzeugungen. Diese Gedanken lösen die Gefühle in mir aus, die mich zurückschrecken lassen und mir jede Zuversicht nehmen.
Das Denken beliebig zu ändern, indem ich einfach neue Dinge denke, ist aber schwer und eigentlich unmöglich.
Positives Denken ist, als würde ich mitten in der Nacht laut Musik auflegen, um die Party des Nachbarn zu übertönen und schlafen zu können. Ich überlagere den alten Gedanken einfach. Beispiel: “Ich bin schön” oder “Es ist nicht wichtig, was die anderen über mich denken”. Die Empfehlung sehr vieler Blogger lautet:
“Es ist wichtig, was andere über mich denken” ist so ein starker Satz in meinem Kopf, weil ich mein ganzes Leben danach ausgerichtet habe.
Ich verhalte mich so, spreche so, denke so, seit meiner Kindheit, habe mein ganzes Leben an den vermeintlichen Gedanken anderer über mich ausgerichtet. Mein Leben ist der Beweis dafür, dass mein Gedanke wahr ist. „Ich fühle mich unsicher in der Gegenwart anderer, und da haben wir den Beweis! Was die Leute denken, ist eine Bedrohung für mich!“
Das ist wie der Mann, der auf der Straße steht und immer wieder in die Hände klatscht – als eine Frau ihn fragt, was er da mache, antwortet er: ich vertreibe die Elefanten. Sie entgegnet ihm, ich sehe keine Elefanten. Da sagt der Mann: Na, sehen Sie? Es klappt!
Und wegen solcher Gedanken traue ich mich zum Beispiel nicht, im voll besetzten Bus eine junge Frau anzusprechen. „Sie wird mich abblitzen lassen und dann denken die anderen von mir…“
Wir liefern uns unsere Beweise für belastende Gedanken auch noch auf andere Weise, nämlich über unsere Vorstellung:
Wenn ich mich darüber Sorge, was andere denken, stelle ich mir zum Beispiel eine peinliche Situationen vor, wie ich dumm dastehe vor anderen. Auch diese Bilder sind Beweise für mich, dass mein Gedanke war ist.
Das Gehirn kann nämlich nicht unterscheiden zwischen einem vorgestellten und einem echten Ereignis! Deswegen läuft mir das Wasser im Mund zusammen, wenn ich mir vorstelle, in eine gelbe, süßlich duftende Zitrone zu beißen. Deswegen bekomme ich Höhenangst und weiche Beine und ein flaues Gefühl im Bauch, wenn ich mir nur vorstelle, auf dem Dach eines Hochhauses zu stehen und nach unten zu sehen.
Lächeln, aufrecht stehen oder einfach so tun, als ob (etwa, indem ich in der Fußgängerzone Fremde Leute gezielt anspreche, um meine Nervosität abzubauen) sind also Tipps, die helfen können. Man braucht viel Willenskraft dafür und muss sich in der Öffentlichkeit überwinden. Sie lösen das Problem aber nicht an der Wurzel.
Als Erwachsener geht es darum, das wieder zu verlernen. Sonst bleiben wir so abhängig, wie wir es als Kinder von unsern Eltern waren. Sonst lernen wir nie, uns selbst lieb zu haben, sondern warten immer nur auf die Liebe von anderen. Sonst halten wir uns zurück, um bloß nichts falsch zu machen. Und wenn die Liebe oder Wertschätzung ausbleibt, sind wir verletzt, unsicher, deprimiert.
Dieses Verlernen kann man mit oben beschriebenen Übungen unterstützen. Mir selbst hilft es auch, ein Lächeln zu bewahren. Aber der direkte Weg (und einzig anhaltend wirksame Weg, den ich kenne) ist, Gedanken wie “Es ist wichtig, was die anderen von mir denken” zu hinterfragen. Das kann der menschliche Verstand nämlich zum Glück. Ich nutze dafür die Technik The Work, um die es auch in meinem Buch “Dein Weg zum Selbstbewusstsein” geht.
Wie du die Technik anwendest, habe ich in diesem Artikel über The Work beschrieben.
Diese Übungen sind wie Sport fürs Selbstbewusstsein. Sie können dafür sorgen, dass ich mich besser fühle, und natürlich passiert dadurch mit der Zeit auch eine Veränderung im Kopf und im Körper.
Aus meiner Erfahrung sind diese Wege aber zäh und funktionieren nur bei denen, wie einen eisernen Willen und genug Zeit haben. Sonst wird man bald wieder auf Tipp-Suche sein, was zu einer richtigen Ratgeber-Sucht werden kann.
Oder man wird nur halb glücklich, behält einen Teil seiner Unsicherheiten, und lebt einfach nur ein Leben bei 50 Prozent der eigenen Möglichkeiten.
Das geht zum Beispiel so:
Zum Schluss finde ich Beweise dafür, inwiefern das Gegenteil meiner belastenden Gedanken ebenfalls wahr ist. Zum Beispiel: „Es ist nicht wichtig, was andere über mich denken“. Ja, das ist wahrer, weil es mir viel wichtiger ist, die junge Frau im Bus jetzt anzusprechen, egal, was jemand anderes über mich denkt. Weil ich nur diese eine Gelegenheit dazu habe, JETZT.
Und weil das, was andere über mich denken, keinen Unterschied macht. Das schlimmste vorstellbare Ergebnis wäre, dass sie über mich lachen. Und wie wahrscheinlich ist das, dass der ganze Bus plötzlich über mich lacht? Viel wahrscheinlicher ist, dass ich MICH blöd fühle, wenn die junge Frau mir einen Korb gibt, weil ich vor den anderen als Gewinner dastehen möchte. Weil ich ihre Anerkennung will!
So spielen Gedanken wie “Es ist wichtig, was andere über mich denken” immer weniger eine Rolle für mich. Weil ich der Wahrheit auf die Spur komme. Ich muss mich gar nicht anstrengen, etwas anderes zu denken.
Ich brauche keine einfachen Psychotricks, um mich selbst zu manipulieren.
Ich muss nicht wochenlang üben, in der Öffentlichkeit irgendwelche peinlichen Sachen zu machen. Wenn der Gedanke nicht mehr auftaucht, bleibt ein Stückchen schönes Leben mehr übrig. Ich sehe einen Teil der Welt plötzlich ganz anders!
Ich vergesse meine Ängste. Ich habe einen Teil meiner Angst verloren, und einen großen Teil meines Selbstbewusstseins wiedergefunden. Und dann merke ich, wie ich mich in Situationen plötzlich andere verhalte und mich besser fühle, ganz von selbst. Und es warten noch viele tolle Überraschungen auf mich, je mehr belastende Überzeugungen ich mir auf diese Weise ansehe.
Das soll keine Werbung für die Technik The Work sein. Aber ein Plädoyer, in dir nachzuschauen, was dich wirklich unsicher macht und dich mit deinen Gedanken liebevoll zu beschäftigen. Du kannst Gedanken nicht abschalten oder wegdrücken. Sie tauchen einfach nicht mehr auf, wenn du Beweise dafür findest, dass sie nicht wahr sind.
Finde Beweise dafür, warum mit dir alles ok ist, so wie du bist. Warum du nichts falsch gemacht hast.
Warum du die Anerkennung und Liebe schon längst hast, die du von anderen haben willst.
Wenn du dein Selbstbewusstsein stärken willst und schon lange auf der Suche nach einer Lösung bist, empfehle ich dir einen Blick in mein Buch „Dein Weg zum Selbstbewusstsein“. Darin findest du Rezepte erfolgreicher Menschen, mit denen ich darüber gesprochen habe, was ihr Selbstvertrauen stärkt. Was ihnen Selbstbewusstsein und innere Stärke gibt.
Dass du Einstellungen, Übungen, Erkenntnisse und Gewohnheiten findest, die etwas grundlegend in dir verändern und dir wirklich weiterhelfen.
Denn deinen Weg können dir all die Tipps da draußen nicht geben; den findest du am besten selbst. Dann brauchst du bald keine Tipps und Ratschläge anderer mehr. Du erkennst, dass du sie schon jetzt nicht brauchst, wenn du nicht mehr glaubst, dass mit dir etwas nicht stimmt.
Du glaubst endlich an dich, weil du erkannt hast, wer du bist. Wenn du dir deiner Selbst bewusst bist, dann bist du dir selbst dein bester Ratgeber und dein eigener Guru. Viel Glück und Spaß dabei!
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Link-Tipp zu diesem Artikel:
Mein Blogger-Kollege Roland Kopp-Wichmann beschreibt das Problem ähnlich. Hier kommt ein lesenswerter Artikel von ihm zum Thema: “Selbstbewusstsein kann man nicht trainieren. Aber was dann?”
Bild: https://pixabay.com/de/kleeblatt-stra%C3%9Fe-gr%C3%BCn-hellgr%C3%BCn-3336774/
Der Beitrag Selbstbewusstsein stärken: Wenn die ganzen Tipps nichts helfen, hilft dir das! erschien zuerst auf Herz bis Kopf.