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Halt dich fest: In dieser Folge geht's um einen Mann, der als genialer Architekt in die Geschichte einging – aber in Wirklichkeit einer der gefährlichsten Männer des NS-Regimes war. Albert Speer war Kriegsverbrecher, Lügner und einer der erfolgreichsten Hochstapler der deutschen Nachkriegsgeschichte.
Wir starten in einer großbürgerlichen Familie, an der Technischen Hochschule Berlin – eine Hochburg der Nationalsozialisten – und erzählen, wie ein ehrgeiziger Architekt systematisch in den Machtapparat aufsteigt. Nicht durch Talent allein, sondern durch persönliche Beziehungen, strategische Treue und die richtigen Kontakte. Karl Hanke vermittelt ihn zu Goebbels, Goebbels zu Hitler. Mit jeder Arbeit rückt Speer näher heran.
Dann wird es ernst. Speer wird Generalbauinspektor Berlins – und damit aktiver Mitgestalter des Verfolgungsapparats. Er schlägt vor, Juden aus ihren Wohnungen zwangsweise auszumieten. Seine Behörde erstellt mit der Gestapo die Deportationslisten nach Riga. Er plant und betreibt über 3.000 Zwangsarbeiterlager. Er vereinbart mit Himmler die Herstellung von Baumaterial durch KZ-Häftlinge. Im Februar 1942 wird Speer Rüstungsminister – und setzt über 7 Millionen Zwangsarbeiter ein, von denen etwa 2,7 Millionen sterben. Im September 1942 finanziert er den Ausbau von Auschwitz mit 13,7 Millionen Reichsmark.
Dann kippt die Geschichte – aber nicht wie erwartet.
Im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess inszeniert sich Speer als unpolitischer Technokrat und vermeintlicher Hitler-Gegner. Er erklärt als einziger der Angeklagten eine allgemeine Verantwortung – weiß aber persönliche Schuld geschickt von sich. Er entgeht knapp der Todesstrafe und wird zu 20 Jahren Haft verurteilt.
Nach seiner Entlassung 1966 beginnt Speers eigentliche Karriere: Er verdient Hunderttausende mit gefälschten Memoiren, verkauft heimlich NS-Raubkunst nach Mexiko und sammelt eine Million DM ein – alles unter dem Radar. Seine Bücher „Erinnerungen" (1969) und „Spandauer Tagebücher" (1975) werden Bestseller und verfestigen sein Selbstbild als „bedauernder Technokrat".
Warum funktioniert das? Weil Speer eloquent, intelligent und attraktiv ist – ein Schöngeist aus gutem Hause. Für die Nachkriegsrepublik ist er eine perfekte Projektionsfläche: Wenn jemand wie er, tief im Machtapparat verstrickt, nichts von den wirklich schlimmen Verbrechen gewusst haben will – dann können die „normalen" Deutschen es doch dreifach nicht wissen. Er hat „nur seinen Job gemacht."
Speer starb 1981 in einem Londoner Hotelzimmer, im Beisein seiner Geliebten und nach einem Interview für die BBC. Ein echter Hochstapler und Lügner, der sein ganzes Leben lang davonkam.
Weiterführende Links:
By Lukas M. Weyell und Konstanze M. TeschnerHalt dich fest: In dieser Folge geht's um einen Mann, der als genialer Architekt in die Geschichte einging – aber in Wirklichkeit einer der gefährlichsten Männer des NS-Regimes war. Albert Speer war Kriegsverbrecher, Lügner und einer der erfolgreichsten Hochstapler der deutschen Nachkriegsgeschichte.
Wir starten in einer großbürgerlichen Familie, an der Technischen Hochschule Berlin – eine Hochburg der Nationalsozialisten – und erzählen, wie ein ehrgeiziger Architekt systematisch in den Machtapparat aufsteigt. Nicht durch Talent allein, sondern durch persönliche Beziehungen, strategische Treue und die richtigen Kontakte. Karl Hanke vermittelt ihn zu Goebbels, Goebbels zu Hitler. Mit jeder Arbeit rückt Speer näher heran.
Dann wird es ernst. Speer wird Generalbauinspektor Berlins – und damit aktiver Mitgestalter des Verfolgungsapparats. Er schlägt vor, Juden aus ihren Wohnungen zwangsweise auszumieten. Seine Behörde erstellt mit der Gestapo die Deportationslisten nach Riga. Er plant und betreibt über 3.000 Zwangsarbeiterlager. Er vereinbart mit Himmler die Herstellung von Baumaterial durch KZ-Häftlinge. Im Februar 1942 wird Speer Rüstungsminister – und setzt über 7 Millionen Zwangsarbeiter ein, von denen etwa 2,7 Millionen sterben. Im September 1942 finanziert er den Ausbau von Auschwitz mit 13,7 Millionen Reichsmark.
Dann kippt die Geschichte – aber nicht wie erwartet.
Im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess inszeniert sich Speer als unpolitischer Technokrat und vermeintlicher Hitler-Gegner. Er erklärt als einziger der Angeklagten eine allgemeine Verantwortung – weiß aber persönliche Schuld geschickt von sich. Er entgeht knapp der Todesstrafe und wird zu 20 Jahren Haft verurteilt.
Nach seiner Entlassung 1966 beginnt Speers eigentliche Karriere: Er verdient Hunderttausende mit gefälschten Memoiren, verkauft heimlich NS-Raubkunst nach Mexiko und sammelt eine Million DM ein – alles unter dem Radar. Seine Bücher „Erinnerungen" (1969) und „Spandauer Tagebücher" (1975) werden Bestseller und verfestigen sein Selbstbild als „bedauernder Technokrat".
Warum funktioniert das? Weil Speer eloquent, intelligent und attraktiv ist – ein Schöngeist aus gutem Hause. Für die Nachkriegsrepublik ist er eine perfekte Projektionsfläche: Wenn jemand wie er, tief im Machtapparat verstrickt, nichts von den wirklich schlimmen Verbrechen gewusst haben will – dann können die „normalen" Deutschen es doch dreifach nicht wissen. Er hat „nur seinen Job gemacht."
Speer starb 1981 in einem Londoner Hotelzimmer, im Beisein seiner Geliebten und nach einem Interview für die BBC. Ein echter Hochstapler und Lügner, der sein ganzes Leben lang davonkam.
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