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Reüssieren bei der Wahl kurz vor Weihnachten 1990 mit einem Ergebnis von 5,7 Prozent konnten zwar die Südwest-Grünen, jene auf Bundesebene aber nicht: Die Partei riss die Fünf-Prozent-Hürde knapp und flog aus dem Parlament. Den damaligen Wahlslogan nennt Özdemir heute noch einen Rohrkrepierer. „Alles spricht von Deutschland, wir sprechen vom Wetter“ sollte erinnern an das einst vom Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) ausgedachte Plakat mit den Konterfeis von Marx, Engels und Lenin und dem Spruch „Alle reden vom Wetter. Wir nicht“. Jedoch ging er völlig daneben.
Die Wiedervereinigung, die Asyldebatte, die Mordanschläge von Stuttgart-Kemnat, Solingen, Mölln, Hoyerswerda oder Rostock, die Lichterketten, mit denen Hunderttausende sich an die Seite von Flüchtlingen und Menschen ohne deutsche Wurzeln stellten, die Balkankriege, die Pazifismus-Debatte: Die Themenvielfalt hatte es in sich für eine Partei, die um ihre Existenz rang und im Bundestag allein durch die acht Abgeordneten aus dem Osten vertreten wurde, weil nur das zum entscheidenden Zeitpunkt noch nicht mit den Grünen vereinigte Bündnis 90 die Fünf-Prozent-Hürde packte.
Als Cem Özdemir später längst Bundesparteivorsitzender war und in Umfragen sogar der zweitbeliebteste Politiker der Republik, schlug er einmal den Bogen zu seinen Erfahrungen als Handballtorwart beim TSV Bad Urach. Dort bekam er „viel in die Fresse“ und musste einiges aushalten. Und: 1990 seien die Grünen am verschobenen politischen Diskurs in den gerade für sie selbst zentralen Fragen „fast zerschellt“. Erst nach einer Kunstpause vervollständigte er: „Sie sind es aber nicht.“
By Ralf Nentwich I Cem Özdemir I Johanna Henkel-Waidhofer I Peter HenkelReüssieren bei der Wahl kurz vor Weihnachten 1990 mit einem Ergebnis von 5,7 Prozent konnten zwar die Südwest-Grünen, jene auf Bundesebene aber nicht: Die Partei riss die Fünf-Prozent-Hürde knapp und flog aus dem Parlament. Den damaligen Wahlslogan nennt Özdemir heute noch einen Rohrkrepierer. „Alles spricht von Deutschland, wir sprechen vom Wetter“ sollte erinnern an das einst vom Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) ausgedachte Plakat mit den Konterfeis von Marx, Engels und Lenin und dem Spruch „Alle reden vom Wetter. Wir nicht“. Jedoch ging er völlig daneben.
Die Wiedervereinigung, die Asyldebatte, die Mordanschläge von Stuttgart-Kemnat, Solingen, Mölln, Hoyerswerda oder Rostock, die Lichterketten, mit denen Hunderttausende sich an die Seite von Flüchtlingen und Menschen ohne deutsche Wurzeln stellten, die Balkankriege, die Pazifismus-Debatte: Die Themenvielfalt hatte es in sich für eine Partei, die um ihre Existenz rang und im Bundestag allein durch die acht Abgeordneten aus dem Osten vertreten wurde, weil nur das zum entscheidenden Zeitpunkt noch nicht mit den Grünen vereinigte Bündnis 90 die Fünf-Prozent-Hürde packte.
Als Cem Özdemir später längst Bundesparteivorsitzender war und in Umfragen sogar der zweitbeliebteste Politiker der Republik, schlug er einmal den Bogen zu seinen Erfahrungen als Handballtorwart beim TSV Bad Urach. Dort bekam er „viel in die Fresse“ und musste einiges aushalten. Und: 1990 seien die Grünen am verschobenen politischen Diskurs in den gerade für sie selbst zentralen Fragen „fast zerschellt“. Erst nach einer Kunstpause vervollständigte er: „Sie sind es aber nicht.“