SpotBeat Family Podcast

#30 – Geistige Hygiene & Bam Bam


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Unsere jüngste Tochter ist fast 8 Jahre alt. Wir haben die Windelzeit also lange hinter uns gelassen und wollen ehrlich gesagt auch nicht mehr zurück. Es wird dich also vielleicht überraschen, wenn ich dir erzähle, dass unsere Familie dennoch Zuwachs bekommen hat. Als Vater von drei Töchtern freue ich mich natürlich über einen Jungen. Er bringt stolze 9200 kg auf die Waage, ist 870cm lang und hat 7,8L Hubraum. Über einen Namen haben wir uns noch keine Gedanken gemacht, aber „Bam Bam“ rückt bei mir in die engere Auswahl. Nach dem wir Monate lang über das Pro und Contra diskutiert hatten, haben wir es also getan und uns endlich ein Basisfahrzeug zugelegt. Ein Zurück gibt es nicht. Willkommen bei der 30. Folge des SpotBeat Family Podcasts. Mein Name ist Sergej. Seit knapp einer Woche sind wir in Portugal an der Algarve. Sind zum ersten mal hier und rätseln, ob das Wasser vor unserer Haustür eigentlich noch zum Mittelmeer oder schon zum Atlantischen Ozean gehört. Welches Wasser? Du glotzt auf ne Autobahn, wenn du aus dem Fenster schaust. Warum so pessimistisch? Ja, da ist ne Autobahn, aber nicht nur. Es gibt ja auch Bäume hier. Ich erkläre dir das mal. Gemietet hatten wir uns eigentlich eine riesige Villa mit Pool nicht weit vom Meer. Du weißt schon, wollten morgens mit Käffchen am Strand der Sonne hallo sagen und so. Und die Bude war ja auch gar nicht so schlecht. Zumindest für drei Tage. Zwar gut in die Jahre gekommen, aber geschmackvoll eingerichtet, groß und sauber. Dumm nur, dass der Eigentümer keine Heizung eingebaut hat. Gefühlt ist es in der Bude nämlich kälter als draußen. Statt einer Heizung, standen bei uns drei poplige Heizstrahler für 200 Quadratmeter Wohnfläche und als am dritten Tag die Stromversorgung der Villa den Geist aufgegeben hatte, baten wir das Management um eine Lösung. Er sagte: Shit happens, aber ich habe ein super Haus für euch. Und so haben wir ein Upgrade bekommen und sind hier gelandet. 4km weiter weg vom Strand und mit einer Autobahn in Sichtweite. Dafür aber in einer kleinen Oase, sehr luxuriös, schön warm und ebenfalls mit nem Pool. Was bei 18° Außentemperatur nicht wirklich relevant ist. Ne? Dann sag das mal den Kindern. Seit knapp vier Monaten durchstreifen wir als digitale Nomaden halb Europa und ich muss dir sagen, wir fühlen uns mittlerweile pudelwohl. Die Trennung von unserem Haus in Deutschland ist überwunden, die großen Ziele für die kommenden Jahre sind gesteckt und unser Leben ist abwechslungsreich, interessant und trotzdem routiniert genug, so dass wir auch Arbeit wegschaffen. Und ich glaube mittlerweile, dass ich das Geheimnis um ein gutes und zufriedenes Leben gelüftet habe. Oh man, jetzt kommt’s… Nein echt jetzt. Ich glaube es verhält sich wie mit dem Flow – also dem Zustand, in dem es einfach läuft, man die Zeit nicht wahrnimmt und anschließend ein Gefühl der Zufriedenheit erlebt. Zufriedenheit entsteht, wenn das Leben herausfordert, aber nicht überfordert. Je mehr Zeit wir in der goldenen Mitte verbringen, desto zufriedener sind wir. Glaube ich. Das bedeutet, dass Sonne, Pool und Cocktail auf Dauer nicht happy machen. Jahrelange Routine im Hamsterrad aber auch nicht. Stattdessen sollten wir uns immer wieder neuen und angemessenen Herausforderungen stellen, sie bewältigen und uns anschließend auch mal an den Pool legen. Und alles andere, was uns überfordert, ablenkt, stresst, lähmt und ängstigt, den Flow also verhindert, sollten wir so schnell wie möglich aus unserem Leben verbannen. Passend dazu vielleicht mal eine Metapher, die ich aus dem Buch „Der Mönch, der seinen Ferrari verkaufte“ aufschnappte: Stell dir vor du hättest einen wunderschönen Garten. Täglich kümmerst du dich um ihn. Bringst Pflanzen in Form, hebst Laub auf, Düngst die Blumen. Alles gedeiht prächtig und du fühlst dich sehr wohl in dieser von dir geschaffen Oase. Für dich ist das ein Ort der Ruhe und Behaglichkeit. Hier kommst du her, wenn du entspannen und Kraft tanken möchtest. Es duftet nach Blumen, frischer Luft und Humus und wenn du mal für dich sein möchtest, ist das dein Rückzugsort. Frage: Was würdest du dazu sagen, wenn jemand vorbei kommen und einen Sack Müll in deinen Garten werfen würde? Oder was würdest du tun, wenn jemand einen riesigen Müllhaufen bei dir in dieser Oase ablädt? Ahm. Also, ich spreche natürlich nur für mich. Aber ich würde denjenigen packen, ihn hinsetzen und ihm dabei zusehen, wie er Stück für Stück diesen Müll selbst wegessen müsste. Und wehe er macht kein genußvolles Gesicht dabei! Wir sind uns denke ich einig, dass es uns nicht gefallen würde, wenn unsere Oase der Ruhe von anderen beschmutzt wird. Vielleicht ahnst du es schon, aber dieser Garten ist eine Metapher für unseren Geist. Also unser bewusstes und unbewusstes Denken. Und der Müll sind all die Ängste, Sorgen und negativen Gedanken, die in unserem Kopf rumgeistern. Sobald jemand kommt und uns Angst macht oder anders psychisch belastet, kippt er Müll in unseren Garten, der uns dann über Tage und Wochen beschäftigt. Aber damit nicht genug. Wir lassen uns sogar freiwillig ganze Müllberge in unseren Kopf kippen. Denn wir konsumieren s.g. Nachrichten. Ich glaube, dass wir die Funktion von Nachrichten komplett missverstehen. Wir glauben, dass es um Aufklärung geht. Als ob es da draußen jemanden gibt, der ein aufrichtiges Interesse daran hat, uns mit Wahrheit zu versorgen. Also scrollen wir durch die Headlines, in dem Glauben informiert zu werden. Dabei ist die deutsche Sprache ziemlich ehrlich in dieser Hinsicht. Es geht um zwei Worte: nach und richten. Also um eine nachträgliche Richtungsanpasssung. Eine Art Kalibrierung des Geistes. Mit Nachrichten, Talkshows, Dokumentationen und dem ganzen restlichen Müll, wird die Landkarte unserer Welt gezeichnet. Anschließend wissen wir wo wir lang laufen können und wo lieber nicht. Wir können Gut und Böse benennen und lernen wer Freund und Feind ist. Aber wenn du mal darüber nachdenkst, dann haben Nachrichten und co. eigentlich keinerlei positive Auswirkung auf unser Leben. Denn in 99% der Fälle sind sie negativ und verursachen in uns mentalen Stress. Sie machen uns Angst und lähmen uns. Sie sind destruktiv. Sie sorgen dafür, dass wir in Angststarre verharren oder in panischen Aktionismus verfallen. Und ich unterscheide mittlerweile nicht zwischen Staatsmedien, Mainstream-Medien und den alternativen Medien. Ist für mich alles eine Suppe. Alle erzählen zwar etwas Gegenteiliges und ziehen sich gegenseitig in den Dreck, aber das Ergebnis im Kopf bleibt gleich: Angst. Ach ja, und woher soll ich dann wissen, was in der Welt um mich herum so passiert? Ich könnte doch etwas Wichtiges verpassen! Das ist so eine Sache. Als Steve Jobs einen seiner Angestellten während eines Meetings dabei beobachte, wie er sich Notizen machte, sagte er: Wenn es wichtig ist, werden Sie sich das schon merken. Ich möchte das etwas abwandeln und behaupten: wenn es für mich wichtig ist, dann werde ich es schon merken. In Spanien waren wir einkaufen und haben 100€ mehr für den Wocheneinkauf bezahlt, als noch vor einem Jahr. Brauche ich also wirklich das Fernsehen, um mitzukriegen, dass wir eine fette Inflation haben? Eine ernstgemeinte Frage, die mir schon länger im Kopf rumgeistert ist diese: Hätten wir die s.g. „Pandemie“ gehabt, wenn es niemanden gäbe, der die Massenmedien konsumiert? Ich denke, viel wichtiger für uns als „nachgerichtet“ zu werden, ist unsere geistige Gesundheit und der Luxus in Ruhe denken zu dürfen. Deshalb ist ein gewisses Maß an geistiger Hygiene auch so wichtig. Und dazu gehört es eben auch, denn ganzen auf uns herabrieselnden Abfall von uns fernzuhalten. Der positive Effekt, der sich einstellt – und ich spreche dabei aus eigener Erfahrung – ist, dass die Angststarre nachlässt. Ich kann in Ruhe nachdenken, Entscheidungen treffen und am allerwichtigsten: zielführend Handeln. Aber was ist wenn die Welt untergeht und du das gar nicht mitbekommst? Also einen Weltuntergang bekomme wahrscheinlich sogar ich mit. Und eigentlich gibt es da nur zwei Szenarien: Entweder wir gehen drauf, oder nicht. Und für den Fall, dass wir überleben, habe ich in meiner Schublade eine Klopapierrolle und einen Notfallplan liegen. Na da bin ich mal gespannt… Notfallpläne sind eine klasse Sache. Sie nehmen uns das Denken ab und geben dadurch eine gewisse Handlungsfähigkeit. Und überleg mal: eine Apokalypse hat nicht nur Nachteile, denn die Karten werden neu gemischt. Das bedeutet, dass wenn ich es richtig anstelle, ich nachher besser dastehe, als zuvor. Denn, wie jeder Betreiber eines Corona-Testzentrums weiß: Jede Krise steckt voller Möglichkeiten. Wie sieht mein Notfallplan nun aus? Ok. Also ich habe mir deinen Scheiß jetzt angehört und ich weiß nicht ob das so funktioniert. Dafür müsste dein Notfallplan, naja, irgendwie geheim sein oder so. Aber wenn du dir anschaust, dass bei jedem kleinen „Buh“ im Fernsehen das Klopapier ausverkauft ist, dann scheinen ne Menge Leute den Plan zu kennen, oder? Weiß ich doch, aber zumindest zeigt die Geschichte, dass der Plan nicht allzu unrealistisch ist. Denn als Frankreich in den 1880er Jahren Madagaskar eroberte, taten die Franzosen genau das. Sie erhebten eine Kopfsteuer, die die Einwohner in der Währung Frankreichs zu zahlen hatten: dem Goldfranc. Und wie kam der Ureinwohner Madagaskars an den Goldfranc? Richtig, nur durch die auf Madagaskar stationierten Soldaten, die irgendwo ihren Sold ausgeben mussten. Jetzt, 140 Jahre später ist Madagaskar eine s.g. Demokratie, die Kinder gehen zur Schule und alle sind happy. Ob man sich auf den Weltuntergang überhaupt sinnvoll vorbereiten kann, weiß ich nicht. Ich bin der Meinung, dass jeder von uns zumindest zu einem gewissen Grad an Autarkie arbeiten sollte. Denn von anderen abhängig zu sein ist kacke und bedeutet erpressbar zu sein. Deshalb beginnen wir im April auch mit dem Ausbau eines autarken Wohnmobils. Wobei, selbst da gibt es Grenzen. Denn das Fahrzeug braucht immer noch Öl und Diesel. Und wenn es keine funktionierende Tankstelle in der Gegend gibt, dann wird unsere Mobilie zu einer Immobilie. Wie du siehst, habe ich persönlich die Hoffnung, dass uns die Zivilisation noch eine Weile erhalten bleibt. Sonst wüsste ich auch nicht weiter. Seit November ist bei uns eine Menge passiert. Auf dem Weg nach Portugal haben wir über Weihnachten einen kleinen Zwischenstopp in Deutschland eingelegt. Kleiner Zwischenstopp? 5000km Umweg nennst du einen kleinen Zwischenstop? Wir haben den Kindern versprochen, dass wir Weihnachten mit den Omis feiern. Außerdem wollten wir unsere Familien und Freunde wiedersehen und das haben wir auch geschafft. Obwohl es doch einwenig anders gelaufen ist, als gedacht. In Deutschland gab es wohl einen gewissen Nachholbedarf an ansteckenden Atemwegserkrankungen, sodass gefühlt 4 von 5 Menschen krank waren. Und so war auch dieses Weihnachtsfest leicht fragmentiert. Wir feierten nicht als eine große Familie, sondern in zwei getrennten Gruppen: Die mit einer Rotznase und die ohne. Gut ist, dass die Kids viel Zeit mit den Omis verbracht haben. Ich selbst habe meine Kinder in den 2,5 Wochen vielleicht vier mal gesehen, was aber unseren Plänen geschuldet ist. Denn wir waren nicht ganz untätig. Genau genommen haben wir unseren Fuhrpark verdoppelt. Über Geld redet man doch nicht. Vielleicht fange ich einfach mal chronologisch an. Denn in den letzten zwei Monaten ist einiges gelaufen, was ich gern erzählen würde. Zunächst einmal bekamen wir Ende November Besuch. Lea suchte im Internet eigentlich nach Freilernern, stolperte dann über unseren Podcast und schrieb mich spontan an. Übrigens, gut gemacht Lea! Sie, ihr Mann Jörg und ihr Sohn haben sich mit dem WoMo auf den Weg nach Marokko gemacht und stoppten bei uns in Denia auf einen Kaffee. Aus dem Kaffe wurde dann ein Wochenende und ich freue mich heute noch wie ein Schneekönig über diese Bekanntschaft. Eine super sympathische Familie, die wir sofort in unser Herz geschlossen haben. Wenn wir Glück haben, dann treffen wir uns nochmal hier in Portugal. Und wenn nicht, dann ganz sicher wo anders. Es macht übrigens Spaß mit Menschen Zeit zu verbringen, die eine mobile Lebensweise führen, wie wir. Denn obwohl wir heute hunderte Kilometer von einander entfernt sind, schneiden sich schon morgen unsere Wege und wir trinken einen Kaffee, tauschen uns aus und lernen neue Dinge von einander. So haben wir in Spanien Anja mit Steve und Heidi mit Dieter wiedergesehen und hatten sogar drei Wochenende mit unseren besten Freunden Ela und Erich verbracht. Gestern hatten wir einen super...
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SpotBeat Family PodcastBy Sergej