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#453 Young@Heart in der Gondel Bremen


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Eher skeptisch machte ich mich gestern mit der MixTape-Fee auf den Weg, um den Film Young@Heart im Bremer Filmkunsttheater Gondel anzuschauen. Grund für dieses besondere Kinoereignis war eine Initiative der dot-friends, die mich fragten, ob ich mir nicht einmal diesen Film anschauen möchte, um darüber zu berichten. Weil der Film etwas mit Musik zu tun hat und außerdem offenbar den Anspruch erhebt, besonders künstlerisch wertvoll zu sein, wagten wir dieses Experiment und schauten uns einen Film an, von dem und über den wir im Vorfeld noch überhaupt nichts gehört haben. In diesem Falle haben wir riesiges Glück gehabt, denn wir durften einen ganz außergewöhnlichen Film genießen, der trotz seiner knapp zwei Stunden Dauer viel zu schnell vorbei war.


Ohne den Inhalt vorweg nehmen zu wollen, handelt es sich bei diesem Film um eine Reportage über einen Chor aus mindestens 70jährigen, die teilweise im Originalton mit (teilweise nicht sehr gelungenen) übersetzten Untertiteln produziert wurde. Hierbei handelt es sich um den Chor Young@Heart aus Northampton, Massachusetts. Das Besondere an diesem Chor ist, dass er Rocksongs singt. Von Purple Haze von Jimi Hendrix bis Fix you von Coldplay verfügt der Chor über ein erstaunliches Repertoire, das zumindest mich sehr positiv überrascht hat, weil es so ungewöhnlich ist.


Allein die Anfangssequenz, in der die 92jährige Eileen Hall Should I stay or should I go singt, ist ein vorweggenommener Höhepunkt des Films, weil nicht nur die Kraft erstaunlich ist, mit der die Dame das Lied interpretiert, sondern auch der Inhalt des Songs einen ganz neuen Sinn erfährt. Während The Clash über eine Beziehung singen, manifestiert sich hier bereits der für den Film wichtige rote Faden des Umgangs mit dem Lebensabend, den damit einhergehenden Zipperlein und natürlich mit dem auch im Film allgegenwärtigen Tod. In diesem Zusammenhang ist mein persönlicher Favorit die hier leicht zynisch wirkende Interpretation von I wanna be sedated (im Original von den Ramones).


In der Reportage werden sieben Wochen Vorbereitung auf ein Konzert gezeigt und der Prozess des Einstudierens neuen Liedmaterials vom ersten Kennenlernen bis zum Auftritt verdeutlicht. Dabei werden neben den Schwierigkeiten, die mit der Annäherung an die Songs und deren Umsetzung entstehen, auch einige Mitglieder des Chors und deren Beziehungen untereinander näher beleuchtet.


Fragte ich mich zu Beginn des Films noch, wie die Anfangssequenz zu toppen sei, ohne dass die Protagonisten der Lächerlichkeit preisgegeben werden, schaffte es der Regisseur Stephen Walker, eine sensible Studie über das Altsein mit seinen Freuden zu zeichnen und bewies einmal mehr, dass auch alte Menschen noch Ziele im Leben haben und diese sogar unter Einsatz ihrer gesundheitlichen Kräfte entgegen des Rats der Ärzte und der Verwandten verfolgen.


Mir hat der Film sehr viel Spaß gemacht, weil er unterhaltend war, zum Nachdenken anregte und sich gegen den allgegenwärtigen Jungendwahn stellt, indem er zeigt, dass das Älterwerden nicht bedeuten muss, dass wir ab einem gewissen Zeitpunkt passiv dem Lebensende entgegen vegetieren müssen. Eine (fast) vergessene Generation wird in den Fokus gestellt und dem Zuschauer weder romantisierend noch verklärend klargemacht, dass da noch was geht.


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musicampusBy Thomas Kottke