Schneller als gedacht hatte ich bereits gestern die Möglichkeit, das BEATLEMANIA - Hamburg zu besuchen. Ziemlich spontan fuhren die MixTape-Fee und ich gestern am Morgen mit dem Metronom nach Hamburg. Die erste Etappe war ziemlich aufregend, da der Metronom voller ziemlich junger Festivalgänger war, die sich auf den Weg nach Scheeßel machten, um dort das Hurricane Festival zu besuchen. Völkerwanderung in klein nannte ein Mitreisender die Anhäufung gutgelaunter und leicht bierseeliger junger Leute. Netterweise hat die Zugbegleiterin die erste Klasse für alle geöffnet, so dass wir recht komfortabel bis Hamburg reisen konnten.
Dort angekommen ging es mit der U3 zur Haltestelle St. Pauli. Von dort aus schlenderten wir über die berühmteste Amüsiermeile Deutschlands bis zum Beatles-Platz und noch gute 20m weiter, wo das BEATLEMANIA seine Pforten Ende Mai geöffnet hat.
An dieser Stelle möchte ich den im Audiobeitrag geschilderten Eindrücken gar nicht vorgreifen. Nur soviel sei gesagt: die Ausstellung lohnt sich! Die 12EUR Eintritt für Erwachsene sind nicht zu hoch gegriffen, denn man bekommt eine Menge geboten und auch der eingefleischteste Beatles-Fan wird noch Neues finden.
Ganz besonders gut hat mir die Aufbereitung der frühen Jahre gefallen. Hier wurde mit viel Liebe zum Detail gearbeitet und die Videobeiträge der Zeitzeugen runden die Informationen aus Exponaten und Beschreibungen ab. Gerade die alten Instrumente, Verstärker und Effektgeräte haben es mir angetan. Auch die vorgespielten Einspieler aus den Abbey Road Studios waren für mich neu und gaben einen groben Einblick darüber, wie es damals beim Aufnehmen zugegangen sein muss.
Karaokebox und Videoinstallation sind für mich überraschende Angebote gewesen, die viel Spaß gemacht haben.
Gegen Ende der Ausstellung bauten die Inhalte nach meinem Empfinden leider etwas ab. Nicht, dass sie uninteressant oder langweilig gewesen wären. Aber ich hatte den Eindruck, dass das Konzept des Museums nicht konsequent umgesetzt wurde. Zwar wurde im Zuge der Vorstellung von Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band die psychedelische Phase der Beatles angerissen, aber das gesamte Indien Thema weitestgehend nicht beleuchtet, obwohl es viel Foto- und Filmmaterial gibt (ich vermute, dass hier wieder einmal beatlestypisch das Urheberrecht eine Rolle spielt).
Auch wurde die Zeit um Revolver und dessen Markierung einer Zeitenwende in der Popmusik gar nicht herausgehoben. Hierzu möchte ich nochmals an die Eröffnung der John Lennon Vernissage in der Kunsthalle Bremen 1995 erinnern. Damals wurde zum Beweis des Besonderen der Beatlesmusik als Kontrast zu den "neueren Alben" (Revolver, Sgt. Pepper, Yellow Submarine, The Beatles, Abbey Road und Let it be) populäre Musik aus Deutschland vorgestellt, die zu der Zeit in der Hitparade war. Sehr interessant, weil einem dadurch das Besondere wirklich einleuchtet.
Weiterhin hat sich mir nicht erschlossen, weshalb die Filme nicht in den richtigen zeitlichen Kontext eingeordnet wurden.
Ziemlich enttäuschend war der Let it be Raum. Von der Idee her fand ich die Gegenüberstellung des bekannten Albums mit dem 2003 veröffentlichten Let it be naked, das ohne Phil Spectors Wall of Sound auskommen musste, sehr gut. Allerdings habe ich nicht verstanden, warum ich während des Hörens an einer der beiden Säulen beim Umschalten von einem Album auf das andere nicht den direkten Vergleich des gerade abgespielten Songs vorgeführt bekam. Vielmehr wurden offenbar beide Alben hintereinander abgespielt.
Insgesamt kann ich aber sagen, dass mich der Besuch im BEATLEMANIA begeistert hat. Wirklich detailreich mit vielen Informationen und liebevoll gestaltet kann man sich wirklich auf eine Art Zeitreise begeben und die wichtigsten Stationen der Beatles erleben.
Wer mag, kann sich am Ende im obligatorischen Memorabilia Shop mit allerlei nützlichen Erinnerungsstücken eindecken.