Sehr geehrte Damenoterren,
vielen Dank für Ihr Interesse. Anbei finden Sie das gewünschte Angebot. Bei Annahme schicken Sie uns bitte eine schriftliche Bestätigung.
Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrte Damenoterren,
vielen Dank für das Angebot. Hiermit bestätigen wir dieses und bitten um eine schriftliche Bestätigung des Auftrags innerhalb von fünf Tagen.
Mit freundlichen Grüßen
OK. Soll das jetzt so weiter gehen? Ist das jetzt ein Spiel? Wie lange wollen wir das jetzt spielen? Nehmen wir mit jeder Mail nach und nach die Vorgesetzten immer höherer Hierarchiestufen mit in CC? Etwa bis wir irgendwann beim Bundeskanzler angekommen sind?
Mit was sich Erwachsene in ihrer "Arbeitswelt" so intensiv und ernsthaft beschäftigen, ist so erstaunlich wie erschreckend zugleich. Zwei Parteien möchten sich letztendlich juristisch absichern und bitten um schriftliche Bestätigungen der Bestätigungen. Zur Sicherheit. Denn wer weiß, käme es hart auf hart, dann hätte man es ja schriftlich: Dies und jenes wurde entgegen der schriftlichen Bestätigung nicht eingehalten!!! Hier steht es schwarz auf weiß!!! Das nennt man dann vernünftig oder rational, ist aber ein angstgesteuerter bürokratischer Akt, beruhend auf einem abstrakten Konzept, das man sich irgendwann mal ausgedacht hat. Aber so läuft es halt. Dann spielt man dieses Spiel und verbringt seine Lebenszeit damit, Bestätigungen von Bestätigungen einzuholen und zu erbitten und diese in die Ablage einzupflegen. Oder damit, Dokumente abzustempeln. Oder Zahlen in eine Excel-Tabelle einzutragen. Muss alles seine Ordnung haben! Das ist aber natürlich nichts für die leistungsstarken, mutigen Visionäre, die Männer die die Welt bewegen und das Geschäft am Laufen halten, die am und nicht im Unternehmen arbeiten, nein. Die müssen in vielen Meetings, Konferenzen und Jour wixes unfassbar viel besprechen, planen, entwickeln, lenken und optimieren. Auch das ist eine sehr lohnende, sinnstiftende und erfüllende Tätigkeit: den ganzen Tag über abstrakte Zahlen und deren Steigerung sprechen, labern, labern, labern. Wow! An diesen Zahlen lässt sich der Erfolg quantifizieren, der Lebenssinn und der eigene Selbstwert, oder besser die Größe des Egos, gleich mit.
Aber damit das alles reibungslos läuft und diese vorausgehenden Männer an der Front, von denen wir alle abhängig sind und welchen wir dankbar sein sollten, den Rücken frei gehalten bekommen, müssen sich andere um die Ordnung, um die Ablage, die Übersicht und die Administration kümmern. Das Fräulein Sektretärin existiert auch im 21. Jahrhundert noch, vielleicht weniger offensichtlich sexistisch, aber ebenso herabwürdigend wie jenerzeit. Denn in aller Denken ist klar, dass diese Menschen nicht die Intelligenz, die Visionen, die Power und die Durchsetzungsfähigkeit haben, wie die Leistungsträger und Chefs, die Vorstandsvorsitzenden und Bosse. Alle beziehen die Hierarchiestrukturen des Betriebs nicht nur auf die Arbeitsorganisation, sondern ebenso ein Stück weit auf sich als Menschen. Das spricht niemand aus, weil hey, wir sind doch alle gleichwertig, aber innerlich spüren sie, dass es nicht so ist und dass auch alle anderen es so wahrnehmen und sehen. Immer eine mehr oder weniger große Minderwertigkeit ist da, in allen Ebenen, auch bei den Großen, an der Spitze stehenden, weil auch sie sich wiederum mit anderen vergleichen und die Identifikation mit der Rolle, dem Erfolg oder dem Profit eben nicht den Selbstwert steigert, nur das Ego aufbläst. Und so, meine sehr verehrten Damenoterren, machen alle stets was sie sollen und bleiben brav in ihren Rollen. Der Gehorsam führt dazu, dass man in der Arbeitszeit, die ja Lebenszeit ist, damit beschäftigt ist, diesen abstrakten Ideen, diesen Regeln gerecht zu werden, also so eine banale Scheiße macht und sich irgendwelchen für gütlig erklärten Gedankenkonstrukten, ja Hirnfürzen unterwirft und damit seine Zeit verschwendet, um es mal in aller Deutlichkeit zu sagen. Super! Glückwunsch zum Job! "Ohne die Frau Müller würde hier l