© Riccardon Mion / unsplash.com
Die US-Amerikanerin Sharon Garlough Brown hat mit ihrer Debutserie „Unterwegs mit Dir“ eine erstaunliche Erfolgsgeschichte hingelegt. Der Autorin gelingt es in ihren Büchern, tiefgehend und unterhaltsam zu erzählen, und dem Leser dabei ganz nebenbei Hilfestellung in Form von geistlichen Übungen für sein eigenes Glaubensleben zu geben. Im Interview mit ERF Medien erzählt die Pastorin über ihren eigenen Erfahrungen mit diesen Übungen und wie sie dazu kam, einen Roman darüber zu schreiben.
ERF Medien: In Ihren Büchern spielen geistliche Übungen – Exerzitien – eine entscheidende Rolle. Wie sind Sie auf diese geistliche Praxis gestoßen?
Sharon Garlough Brown: Ich habe geistliche Übungen schon in jungen Jahren kennengelernt, als ich gerade erst Christ geworden war. Aber ich war noch nicht reif genug zu verstehen, um was es dabei geht und praktizierte sie aus Angst. Ich fürchtete, ich würde Gott enttäuschen und müsste hart arbeiten, um seine Liebe zu verdienen. Geistliche Übungen machten mir Angst. Ich fühlte mich schuldig, wenn ich nicht genug betete. Ich meinte, ich müsse mehr in der Bibel lesen. Erst später lerne ich geistliche Übungen als eine Möglichkeit kennen, auf Gottes außerordentliche Liebe und Gnade einzugehen.
ERF Medien: Wie kam es zu dieser Wende?
Sharon Garlough Brown (Foto: InterVarsityPress)Sharon Garlough Brown: Es war ein Prozess. Gott nahm mich eine Zeitlang aus dem Pastorin-Sein heraus, wie bei einem meiner Charaktere im Buch „Unterwegs mit Dir“. Ich identifizierte mich nämlich komplett über das, was ich für Gott leistete. Als ich weder Job noch Büro hatte, keine Anrufe mehr bekam, begann ich mich zu fragen: Wer bin ich eigentlich, wenn ich nicht für Gott arbeite?
Es war eine Reise, bis ich wirklich verstanden hatte, dass ich Gottes geliebte Tochter bin – unabhängig davon, ob ich für ihn arbeite oder nicht. Diese Identität gibt er mir. Das hat mich befreit und ich merkte, dass ich geistliche Übungen machen kann, um Gottes Liebe zu empfangen und seine Gegenwart zu spüren – auf eine frohe und von Angst befreite Art.
Es war eine Reise, bis ich wirklich verstanden hatte, dass ich Gottes geliebte Tochter bin – unabhängig davon, ob ich für ihn arbeite oder nicht. – Sharon Garlough Brown
Gott nicht in Schubladen stecken
ERF Medien: Die evangelische Theologie ist aufgrund der Kirchengeschichte eher zurückhaltend, was Exerzitien angeht: Ignatius von Loyola, auf den einige der bekanntesten geistlichen Übungen zurückgehen, war kein Freund der neuen Konfession. Hatten Sie als Protestantin ebenfalls Vorbehalte?
Sharon Garlough Brown: Ja. Diese Übungen waren ganz anders als meine normalen Erfahrungen. Eines Tages lud meine Exerzitienleiterin mich ein, mit meiner Vorstellungskraft über einem biblischen Text zu beten. Ich wusste, wie man die Bibel liest, wie man das Wort Gottes lehrt und wie man predigt. Aber in einen Bibeltext einzutauchen und sozusagen zu einer der biblischen Figuren zu werden - das war mir unangenehm. Ich brauchte lange, um das einzuüben und anfangs bereitete es mir Unbehagen.
ERF Medien: Warum haben Sie sich trotzdem auf die Übung eingelassen?
Sharon Garlough Brown: Ich habe Gott gebeten, er möge mir großes Vertrauen in ihn schenken, und irgendwann habe ich die Früchte dieser Übung in meinem Leben gesehen. Ich begriff, dass Gott manche Schulblade, in die ich ihn gesteckt hatte, nicht für sich geschaffen hat. Und ich fing an, darüber nachzudenken, wie Jesus die Vorstellungskraft genutzt hat. Er wusste, welche Kraft in Geschichten steckt. Gott …