ADHS und Schizophrenie

ADHS und Schizophrenie

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ADHS und Schizophrenie episodes

  • Wir sollten keine Kamelgesellschaft haben mit zwei Höckern

    https://adhs.expert/wp-content/uploads/2026/06/Uster_14.6.2026.m4a

    https://adhs.expert/wp-content/uploads/2026/06/Uster_14.6.2026.m4a.pdf

    Transkript

    Dr.med. Ursula Davatz

    14.6.2026

    Wir sollten keine Kamelgesellschaft haben mit zwei Höckern
    Audio

    [00:00:02.070] – Dr.med. Ursula Davatz

    Herzlich willkommen zu dieser morgigen Weiterbildung am Montag, wie schon gesagt
    wurde.

    [00:00:12.110] – Dr.med. Ursula Davatz

    Meine einleitenden Gedanken sind: Die KI, die künstliche Intelligenz, die boomt, ganz
    viel Geld geht dorthin, es ist ein Riesenhype und alle erhoffen sich eine Verbesserung
    des Lebens.

    [00:00:27.750] – Dr.med. Ursula Davatz

    Manche haben auch Angst.

    [00:00:30.600] – Dr.med. Ursula Davatz

    Unsere Jugend hingegen, die hat Schwierigkeiten heutzutage.

    [00:00:37.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es kriselt bei den jungen Menschen.

    [00:00:41.050] – Dr.med. Ursula Davatz

    Fast jede Woche kommt etwas in der Zeitung, wie die Jugend nicht mehr funktioniert,
    wie sie krank wird, die psychiatrischen Institutionen werden überlaufen, die Wartezeiten
    für die Abklärung auf ADHS und ADS sind zum Teil ein halbes Jahr, ein Jahr, zwei Jahre
    und kosten viel Geld.

    [00:01:01.810] – Dr.med. Ursula Davatz

    Unterdessen läuft die schlechte, falsche Entwicklung weiter.

    [00:01:07.170] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir haben an sich keine Zeit zu verlieren.

    [00:01:10.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die systemische Versorgung, die heute besteht, stößt somit zunehmend auf Grenzen.

    [00:01:17.690] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir haben keine Psychiater mehr, die Psychologen, die kommen nach.

    [00:01:21.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Früher haben 14% der Medizinstudenten Psychiatrie studiert und heute ist es noch 1%.

    [00:01:30.490] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Fachleute, die fehlen.

    [00:01:33.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was ist die zentrale Problemlage?

    [00:01:37.960] – Dr.med. Ursula Davatz

    Viele Akteure, Schule, Jugendanwaltschaft, Polizei, Berufsbeistandschaft, KESB,
    psychiatrische Versorgung, viele Akteure arbeiten aus meiner Sicht nicht sehr effizient
    zusammen.

    [00:02:00.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    Und warum?

    [00:02:01.330] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jeder verteidigt seine Pfründe und die Juristerei übernimmt immer mehr die
    Organisation.

    [00:02:09.900] – Dr.med. Ursula Davatz

    Gefühle lassen sich nicht mit Paragraphen regeln, lassen sich auch nicht reduzieren,
    nicht managen.

    [00:02:20.750] – Dr.med. Ursula Davatz

    Zwischenmenschliche Probleme können nicht mit Paragraphen gelöst werden und auch
    nicht mit Juristerei.

    [00:02:31.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es wird dann häufig ein Runder Tisch gemacht, veranstaltet.

    [00:02:37.390] – Dr.med. Ursula Davatz

    Oft ist das betroffene Kind dabei, und für mich ist das Grauenhaft, denn es hat so viele
    Leute und alle reden darüber, was für das Kind gut sein oder für den Jugendlichen gut
    wäre, und der Jugendliche verkriecht sich immer mehr.

    [00:02:55.770] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir hatten solche Sitzungen auch in der Psychiatrie, ich habe über 20 Jahre in Kanton
    Aargau gearbeitet, 20 Jahre in der Sozialpsychiatrie, und da habe ich diese
    gemeinsamen, wo der Patient dabei war und alle Beteiligten, habe ich immer
    abgeschafft und habe nur noch mit den Therapeuten, also den Fachpersonen, geredet
    und mit den Patienten alleine und natürlich mit der Familie.

    [00:03:22.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe eine familientherapeutische Ausbildung, eine systemische Ausbildung, und die
    versuche ich immer zur Anwendung zu bringen bei der Problemlösung.

    [00:03:35.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich bringe jetzt ein Beispiel aus dem Fußball.

    [00:03:39.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Fußball ist ja gerade aktuell, hat erst gerade begonnen.

    [00:03:46.510] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der Fußballtrainer Vincent Kompany vom Fußballclub Bayern, der wurde von einem
    Soziologen beschrieben, und der hat gesagt, das ist, was man eigentlich machen
    müsste.

    [00:04:02.989] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://www.sportschau.de/fussball/bundesliga/vincent-kompany-und-die-chance-auf-echten-wandel,kompany-und-die-chance-auf-echten-wandel-100.html

    [00:04:03.548] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://www.n-tv.de/sport/mediathek/videos/sport/Vincent-Kompanys-beeindruckende-Rassismus-Rede-Bayern-Trainer-sagt-in-12-Minuten-alles-ich-passe-nicht-in-diese-Welt-id30387184.html

    [00:04:03.610] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich verwende ein Bild, und ich hab das von diesem Soziologen, von Stefan Mau
    geborgt, der sagt, wir sollten keine Kamelgesellschaft haben mit zwei Höckern, die
    gegeneinander kämpfen.

    [00:04:22.461] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://www.deutschlandfunk.de/konflikt-und-spaltung-soziologe-steffen-mau-ueber-polarisierung-der-gesellschaft-dlf-af5301e6-100.html

    [00:04:23.522] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://de.wikipedia.org/wiki/Steffen_Mau

    [00:04:23.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Diese Kampfstrategie ist sehr beliebt, die ist in den Talkshows, kommt die zustande, die
    führt aber in der Regel nicht zu einem zu einer Lösung des Problems.

    [00:04:36.430] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie führt zur Profilierung der beiden Kamelhöcker, aber nicht zu einer sinnvollen

    Lösung.

    [00:04:45.670] – Dr.med. Ursula Davatz

    Als anderes, besseres Bild verwendet er die Dromedar-Strategie.

    [00:04:51.750] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Dromedar hat nur einen Höcker, und dann sagt er, auf diesen Höcker müssen ein
    paar wenige wichtige Leute sitzen und die anderen dann hochholen, um für eine
    gemeinsame Lösung zu sorgen, um nach einer gemeinsamen Lösung zu suchen.

    [00:05:14.610] – Dr.med. Ursula Davatz

    Diese Menschen, die in der Mitte sitzen, auf dem Dromedahöcker, die müssen stark
    sein, die müssen Ausstrahlungsfähigkeit haben, sodass sie die Leute anziehen können.

    [00:05:25.340] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da beschreibt er das: die müssen die Leute hochholen auf diesen Höcker.

    [00:05:32.300] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Anziehungskraft ist heute sehr wichtig im Internet.

    [00:05:37.820] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sämtliche Jugendlichen, die etwas von sich halten, die positionieren sich im Internet.

    [00:05:44.540] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe eine Patientin, eine Borderline-Patientin, die hat lange eine Psychiatriekarriere
    gemacht und jetzt postet sie sich immer auf dem Internet.

    [00:05:54.800] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wer auf diesem Dromedarhöcker sitzt, der muss Pull haben, der muss Visibility haben,
    also sichtbar sein, und der muss anziehen können.

    [00:06:07.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    In diesem Artikel wurde dann von dem Stefan Mau gesagt, Vincent Company, der
    verkörpert eine solche Fähigkeit.

    [00:06:20.128] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://www.zeit.de/2026/23/vincent-kompany-bayern-trainer-kommunikation-fussball

    [00:06:21.370] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Fußballtrainer, die müssen mit unterschiedlichsten Individuen arbeiten, die müssen
    die reinholen.

    [00:06:27.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe junge Leute, die Fußball spielen, und manche sind zufrieden mit ihrem Trainer
    und andere nicht.

    [00:06:36.370] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gibt begabte Trainer und solche, die eher nur negativ auf ein Kind, das etwas aus
    der Reihe tanzt, einreden und dann die guten Spieler eher verlieren.

    [00:06:53.340] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was da gesagt wird, was als Prinzip vertreten wird, ist Ehrlichkeit, Herzlichkeit,
    Offenheit, Humor und die Gabe, Geschichten erzählen zu können.

    [00:07:09.270] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Schule ist ein anderes System, das heute kränkelt.

    [00:07:14.380] – Dr.med. Ursula Davatz

    Viele Lehrer scheiden aus, viele, die das Lehrerseminar besucht haben, geben auf,
    viele müssen krankgeschrieben werden wegen Burnout, und dann kränkelt die Schule.

    [00:07:29.710] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man holt dann andere Lehrpersonen rein, nicht immer schlecht, die den Kindern Schule

    geben müssen.

    [00:07:42.240] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da hat es zum Teil Begabte darunter, aber es hat auch solche, die frustriert sind, und
    das ist kein gutes Vorbild für die Schüler.

    [00:07:56.040] – Dr.med. Ursula Davatz

    Eine weitere Weisheit aus der Fußballszene, die ich auch wieder von einem, diesmal
    von einem Trainer, von einem Schiedsrichter hier bringe: Schiedsrichter werden
    manchmal verprügelt, ausgebuht, etc.

    [00:08:17.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die müssen sagen, das giltet, das gilt nicht.

    [00:08:20.260] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie müssen ganz gut schauen, damit sie die Situation richtig einschätzen.

    [00:08:28.170] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist schwierig.

    [00:08:29.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    Genauso ist es, wenn wir Schwierigkeiten mit einem Kind in der Schule oder auf dem
    Pausenplatz oder dann im Jugendtreff haben.

    [00:08:37.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir müssen versuchen, die Situation richtig einzuschätzen.

    [00:08:42.570] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der erste Teil der Einschätzung der Situation ist, dass wir versuchen herauszufinden,
    was ist abgelaufen?

    [00:08:55.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich erlebe immer wieder in der Schule, dass wenn ein Kind zuschlägt, dass man dann
    nur dem schlagenden Kind sagt: Du musst dich entschuldigen beim Opfer, also der
    Täter muss sich entschuldigen beim Opfer, man schaut aber nicht, was
    vorausgegangen ist.

    [00:09:14.500] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich verlange, dass man immer schaut, was vorausgegangen ist.

    [00:09:20.510] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir haben da ein Wort dafür: die Validierung.

    [00:09:24.900] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss den Täter auch validieren, denn kein Mensch ist einfach von Natur her
    aggressiv, sondern Aggressivität ist immer schon eine Verteidigung, eine
    Stressreaktion.

    [00:09:39.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da verwende ich die vier Stressreaktionen, die automatisch ablaufen, die wir bei allen
    sozialen Tieren auch sehen können und sicher beim Menschen.

    [00:09:51.810] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist Kampf (Fight), Flucht (Flight), Freeze (Totstellreflex), das wäre die heutige
    Diagnose Depression, heutzutage die vermehrt verwendete Diagnose des Autismus, da
    ist viel Totstellreflex drin, und dann der vierte Reflex ist der Spielreflex (Tease).

    [00:10:14.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Auf Englisch geht das: fight, flight, freeze (Totstellreflex), und tease, teasing, das ist
    spielen.

    [00:10:23.470] – Dr.med. Ursula Davatz

    Über das Spielverhalten findet ein Individuum heraus, was beim anderen abläuft.

    [00:10:29.860] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Spielverhalten ist eigentlich ein Testen des Gegenübers.

    [00:10:34.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn der Lehrer nicht sicher ist, wenn er keine natürliche Autorität hat, dann fühlt er
    sich bedroht durch dieses Spielverhalten und dann diszipliniert er den Schüler, der
    eigentlich vielleicht sogar helfen will.

    [00:10:54.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich rede von fachgerechtem oder persönlichkeits-gerechtem Umgang mit ADHS
    Menschen, Kindern und Jugendlichen.

    [00:11:02.900] – Dr.med. Ursula Davatz

    Viele dieser ADHS Kinder, die haben während der Schule den Clown gespielt.

    [00:11:11.030] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie haben immer den Clown gespielt, wenn der Lehrer überfordert war oder wenn die
    Stresssituation im Unterricht zu hoch war.

    [00:11:22.540] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann wollen die eigentlich helfen, man bezieht sie aber nicht mit ein, sondern bestraft
    sie für ihre für ihr Hilfsangebot, das ist ihnen natürlich nicht bewusst, und dann hat man
    etwas verloren.

    [00:11:36.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der Umgang mit ADHS Kindern schwieriger als mit neurotypischen Kindern.

    [00:11:46.870] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich sage: ADHS ist keine Krankheit, ADHS ist nur eine Neurodiversität.

    [00:11:54.820] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist heutzutage, weiß man das, ADHS wird vererbt, es ist ein Genotyp, das heißt ein
    genetisches Paket, das weitergegeben wird in Familien.

    [00:12:06.690] – Dr.med. Ursula Davatz

    Als Familientherapeutin nehme ich immer 3 Generationen Familiengeschichte auf, und
    da sehe ich dann, wie die verschiedenen Ausformulierungen, also fehl gelaufenen
    Entwicklungen von Menschen mit einem ADHS-Genom stattgefunden haben.

    [00:12:28.110] – Dr.med. Ursula Davatz

    Unter den ADHS-Menschen gibt es auch sehr viele sehr erfolgreiche, und die
    Geschichte zeigt viele.

    [00:12:37.330] – Dr.med. Ursula Davatz

    Albert Einstein war eines, war eher ein ADSler, Elon Musk ist eines, auch ADS, also
    Autismus.

    [00:12:47.150] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gibt andere Unternehmer, also es gibt sehr viele erfolgreiche.

    [00:12:52.170] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn wir diese jungen Menschen schon während ihrer Jugend nicht richtig
    wahrnehmen, nicht mit ihnen umgehen können, dann haben wir Probleme.

    [00:13:03.260] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da komme ich zum Fußball, zum Schiedsrichter zurück, zur Funktion des
    Schiedsrichters.

    [00:13:12.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Alle, die in der Jugendarbeit sind, kommen immer wieder an diese Situation heran,
    Schiedsrichter sein zu müssen.

    [00:13:21.210] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Lehrer, die Jugendarbeiter, die Sozialarbeiter und so weiter.

    [00:13:25.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da sagt ein Schiedsrichter, dass er immer die horizontale Beziehung aufnimmt und
    nicht die vertikale.

    [00:13:38.960] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nicht Top-down, ich befehl dir, was geht, und du musst gehorchen, sondern das und
    das ist die Situation.

    [00:13:48.540] – Dr.med. Ursula Davatz

    Zuerst validieren, was beim Betroffenen passiert ist, was ihn zu seinem Stressreflex
    geführt hat, dass er angegriffen hat oder sich zurückgezogen und dann gar nicht mehr
    redet.

    [00:14:04.560] – Dr.med. Ursula Davatz

    Erst wenn man herausgefunden hat, was hat eigentlich diesen Stressreflex ausgelöst,
    erst dann kann man schauen, und jetzt, nach was für einer Lösung suchen wir?

    [00:14:16.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dass man dann gemeinsam sucht.

    [00:14:18.880] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nicht Top-down, nicht befehlerisch von oben nach unten, sondern auf gleicher Höhe.

    [00:14:25.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jesper Juul, ein bekannter Familientherapeut, der hat dann so Redewendungen dafür
    geprägt und gesagt: Die Kinder sind gleichwürdig, nicht gleichwertig, aber gleichwürdig.

    [00:14:42.475] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://www.selbstistdaskind.de/blog-jesperjuul-gleichwuerdigkeit/

    [00:14:43.060] – Dr.med. Ursula Davatz

    So sind unsere Jugendlichen gleichwürdig, wir müssen sie würdigen, wir müssen uns
    mit ihnen auseinandersetzen, und dann können wir aus unserer Position schon sagen,
    in dieser Situation will ich jetzt das.

    [00:14:58.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Anstatt dass man sagt, du musst, du solltest, mach endlich, muss man sagen: Ich will,
    dass du das lernst, oder ich will, dass das jetzt so funktioniert im Klassenzimmer.

    [00:15:10.430] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da haben die Lehrer eine ganz schwierige Position.

    [00:15:14.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Einerseits müssen sie die Kinder laufen lassen und die verschiedenen Individualitäten
    sich verwirklichen lassen.

    [00:15:22.370] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn der Gruppenprozess aus dem Ruder läuft und gemobbt wird, dann ist es am
    Lehrer, dass er reinkommt und wieder Ordnung macht.

    [00:15:34.030] – Dr.med. Ursula Davatz

    In dem Sinn sage ich, Mobbing ist immer Chefsache.

    [00:15:37.610] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn gemobbt wird in einem Kollektiv, dann hat dieses Kollektiv keine gute, keine klare
    Führung.

    [00:15:44.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das braucht sehr viel Flexibilität zwischen quasi laissez-faire und auch wieder
    Eingreifen.

    [00:15:52.030] – Dr.med. Ursula Davatz

    Eingreifen mit einer natürlichen Autorität und nicht nach Paragraph, also es geht nicht
    nach Gesetzen.

    [00:15:59.970] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss die Regeln persönlich mit seiner Autorität durchführen.

    [00:16:10.270] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jetzt kommen wir zur allgemeinen Kommunikation.

    [00:16:14.210] – Dr.med. Ursula Davatz

    Unsere heutige menschliche Kommunikationssituation zeichnet sich dadurch aus, dass
    über elektronische Medien kommuniziert wird.

    [00:16:26.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Gestern Abend bin ich am Tisch gesessen mit 3 Jugendlichen, die haben über das
    Handy miteinander gespielt.

    [00:16:34.510] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nicht direkt geredet, sondern so.

    [00:16:37.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Spiele sind natürlich alle vorprogrammiert, also da läuft vorprogrammiertes
    Verhalten.

    [00:16:46.240] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Spiele sind so programmiert, dass man immer Richtung besser werden funktioniert,
    also Optimierung, Gewinnmaximierung und so weiter.

    [00:16:58.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Hintendran ist die Industrie, die die jungen Menschen zur Sucht anleitet.

    [00:17:08.130] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man weiß, dass diese Spiele süchtig machend sind.

    [00:17:14.720] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es geht natürlich um Gewinnmaximierung, und dies lässt man laufen.

    [00:17:23.530] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gibt ein Buch von Jonathan Haidt.

    [00:17:26.580] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://de.wikipedia.org/wiki/Jonathan_Haidt

    [00:17:26.745] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://www.galaxus.ch/de/s18/product/the-anxious-generation-englisch-jonathan-haidt-2025-sachbuecher-56377284

    [00:17:26.880] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der hat alles statistisch erfasst, in Amerika, aber auch in anderen Ländern.

    [00:17:33.770] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Jugend wird immer, unfähiger, direkt zu kommunizieren, Konflikte auszuhalten.

    [00:17:42.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es läuft alles über die Regeln der Spiele.

    [00:17:47.250] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da kommen wir zurück zu dem Punkt, warum leidet unsere Jugend heute so sehr?

    [00:17:57.340] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie hat nicht mehr die direkte Auseinandersetzung, die Auseinandersetzung läuft über

    geregelte Spiele.

    [00:18:04.950] – Dr.med. Ursula Davatz

    Spiele sind schon in Ordnung, aber wenn das alleine ist, besteht als Kommunikation,
    dann haben wir Probleme.

    [00:18:14.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Diese Kommunikation nur über die Regeln, der Spielregeln, die vom Produzent
    gegeben werden, wird die menschliche Kommunikation eingeschränkt, vereinfacht,
    simplifiziert und hat nicht mehr die große Varianz.

    [00:18:41.370] – Dr.med. Ursula Davatz

    Aus systemischer Sicht, ich bin ja Systemtherapeutin, wäre es wichtig, dass wir wieder
    direkt miteinander kommunizieren, dass wir mit natürlicher Autorität mit unseren
    Jugendlichen kommunizieren und die so ins natürliche Leben führen.

    [00:19:02.660] – Dr.med. Ursula Davatz

    In Australien wurden die sogenannten Social Medias jetzt bis 16 Jahren verboten.

    [00:19:10.390] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe von einer Frau gehört, von einer Freundin, dass die Kinder schon wieder mehr
    miteinander kommunizieren.

    [00:19:20.060] – Dr.med. Ursula Davatz

    In England wird es jetzt diskutiert und es gibt Beispiele, wie Kinder, indem sie durch die
    Social Medias beeinflusst wurden, eine ganz schlechte Entwicklung gemacht haben.

    [00:19:35.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Von dort her sage ich, wir müssen wieder mehr menschlich direkt mit den Kindern
    kommunizieren, und die ADHS Menschen, Jugendlichen, die sind da nicht eine
    Ausnahme, aber sie sind etwas schwieriger.

    [00:19:52.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Und warum?

    [00:19:54.200] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ihre Eigenschaft ist einerseits sehr sensibel, das denkt man oft nicht, dass das besteht,
    weil, wenn sie sich aggressiv wehren, aber dahinter steckt eine Sensibilität.

    [00:20:08.130] – Dr.med. Ursula Davatz

    Von dort her sind sie leichter verletzlich, und wenn sie eine schlechte Impulskontrolle
    haben, dann werden sie dann aggressiv oder ziehen sich zurück.

    [00:20:19.210] – Dr.med. Ursula Davatz

    Alle die Regeln, die gut sind für ADHS Kinder, sind auch gut für sämtliche anderen
    Kinder, aber bei ADHS Kindern führt es eher zu Folgekrankheiten.

    [00:20:31.090] – Dr.med. Ursula Davatz

    So habe ich mein Buch mitgebracht: ADHS, ADHS Folgekrankheiten, und als Untertitel:
    Psychiatrie im Offside.

    [00:20:40.602] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhsads-folgekrankheiten/

    [00:20:41.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich sag Offside, ich bin keine Fußballerin, ich verstehe auch nicht so viel davon, aber
    ich habe es für mich übersetzt, die Offside heißt: wir dürfen dem Kind und seiner
    Entwicklung und seiner Aussagekraft nicht voraus rennen und denken, wir wissen, was
    los ist.

    [00:20:59.750] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir müssen lernen, besser hinzuschauen, auch zu fragen.

    [00:21:04.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das heißt nicht, dass gleich druckfertige Fragen Antworten kommen.

    [00:21:11.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir müssen fragen können, wir müssen beobachten können, und dann uns ein Bild
    machen.

    [00:21:32.270] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das jugendliche Gehirn befindet sich in einer wichtigen Entwicklungsphase und da
    spielt es eine große Rolle, dass wir adäquat mit diesen Kindern umgehen.

    [00:21:46.590] – Dr.med. Ursula Davatz

    Fast alle psychiatrischen Krankheiten beginnen in der Pubertät und die könnten
    verhindert werden, wenn wir persönlichkeits-gerecht, typen-gerecht mit denen
    umgehen.

    Der Beitrag Wir sollten keine Kamelgesellschaft haben mit zwei Höckern erschien zuerst auf AD(H)D and Schizophrenia.

    24 min
  • ADHS ist keine Mode. Gene werden vererbt.

    https://adhs.expert/wp-content/uploads/2026/06/ADHS_keine_Mode_Gene_werden_vererbt.m4a

    https://adhs.expert/wp-content/uploads/2026/06/ADHS_keine_Mode_Gene_werden_vererbt_8.6.2026.pdf

    Transkript

    Dr.med. Ursula Davatz

    8.6.2026

    ADHS ist keine Mode. Gene werden vererbt.
    Audio

    [00:00:04.020] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich begrüße Sie alle ganz herzlich zu meiner Buchvorstellung in Königsfelden.

    [00:00:11.730] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich möchte Ihnen einen kurzen Einblick geben in meine berufliche Laufbahn.

    [00:00:20.290] – Dr.med. Ursula Davatz

    Als ich beschlossen habe, Medizin zu studieren, habe ich immer schon gewusst, ich will
    nachher Psychiatrie machen.

    [00:00:29.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich wollte zuerst Psychologie studieren, aber ich fand, ah nein, da bin ich noch zu jung,
    hab keine Ahnung vom Leben, und ich will lieber zuerst Medizin studieren, dann habe
    ich mehr Erfahrung, und dann kann ich mich auf Psychiatrie spezialisieren.

    [00:00:49.530] – Dr.med. Ursula Davatz

    Als ich meine Fremdjahre in Samedan gemacht habe, auf der internen Medizin, wenn
    man Psychiatrie studiert, muss man unbedingt ein Fremdjahr machen.

    [00:01:02.610] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe zwei gemacht in Samedan.

    [00:01:05.360] – Dr.med. Ursula Davatz

    Damals hatten wir Weiterbildung, da war ein junger Pädiater, also ein Kinderarzt, und
    der hat über frühkindliches POS gesprochen.

    [00:01:23.360] – Dr.med. Ursula Davatz

    Als ich diesem Vortrag zugehört haben, ein Wort, das verwendet wurde, war hohe

    Sensitivität.

    [00:01:34.530] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann habe ich mir gesagt, diese hohe Sensitivität, die gibt es doch auch bei den
    Schizophreniepatienten.

    [00:01:44.430] – Dr.med. Ursula Davatz

    So hat mich diese Verbindung zwischen ADHS und Schizophrenie, dieser Gedanke hat
    mich nicht mehr losgelassen.

    [00:02:02.050] – Dr.med. Ursula Davatz

    Als ich dann 1980 aus den USA zurückgekehrt bin, habe ich diesen Gedanken wieder
    vermehrt aufgenommen.

    [00:02:16.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Als ich mit der Psychiatrie begonnen habe, ich habe begonnen in Lausanne bei Prof.
    Christian Müller, war ich immer schon interessiert an der Schizophrenie.

    [00:02:28.890] – Dr.med. Ursula Davatz

    Seit ich Psychiatrie studiert habe, wollte ich die Schizophrenie genauer kennenlernen

    [00:02:39.560] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gibt ein Buch von einem Psychiater Thomas Ihde-Scholl, der hat ein ganzes Jahr
    lang in der ganzen Welt geforscht und geschaut, wie die verschiedenen Psychiatrien
    organisiert sind.

    [00:02:55.335] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://shop.beobachter.ch/buecher/gesundheit-und-leben/ganz-normal-anders

    [00:02:56.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er hat als Einführung zum Thema Schizophrenie gesagt: Keine Krankheit in der

    Psychiatrie erregt einerseits so viel Angst, aber andererseits auch so viel Neugier.

    [00:03:13.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bei mir war es die Neugier, denn man weiß nicht richtig, wie das funktioniert, und in
    dem Sinne habe ich mich immer für die Schizophrenie interessiert.

    [00:03:26.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Heutzutage habe ich überhaupt nicht mehr Angst davor, ich habe das Gefühl, ich kann
    die verstehen, und ich kann auch mit Patienten, die Schizophrenie haben, gut
    umgehen.

    [00:03:40.600] – Dr.med. Ursula Davatz

    Als ich 1980er nach Königsfelden kam, in die Klosterstube, im SPD, es hat Leute hier,
    die mich damals schon gekannt haben, habe ich dann beschlossen, ich will da diesen
    Zusammenhang zwischen Schizophrenie und ADHS etwas besser erforschen.

    [00:04:05.910] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe damals dann die VASK gegründet.

    [00:04:09.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es war 1982.

    [00:04:14.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Über die Patientenadministration, habe ich mir Adressen raussuchen lassen über
    sämtliche Familien, welche die Diagnose Schizophrenie hatten.

    [00:04:25.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da kamen am ersten Abend ungefähr 40 Angehörige zu einer Sitzung, und ich habe
    vorgeschlagen, ich will eine Angehörigenorganisation gründen, eben die VASK, Verein
    Angehöriger Schizophreniekranker, und am selben Abend haben wir noch diese
    Organisation gegründet.

    [00:04:57.420] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ein Kollege von mir, Dr.med. Schamsi H. Sobhani, der war hoch erstaunt, dass wir das
    hingekriegt haben, sofort diese Organisation zu gründen.

    [00:05:09.800] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir waren die erste Organisation in der Schweiz, also die erste VASK im Kanton
    Aargau, die gegründet wurde.

    [00:05:17.730] – Dr.med. Ursula Davatz

    Gleichzeitig wurde in Baselland, oder Stadt, ich weiß es nicht mehr, auch eine ähnliche
    Organisation gegründet, aber die hieß nicht VASK.

    [00:05:27.318] – Dr.med. Ursula Davatz

    Später kamen dann viele VASKs hinzu, in Zürich, Westschweiz, etc.

    [00:05:27.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe dann weiter versucht zu forschen, wie ist der Zusammenhang zwischen ADHS
    und Schizophrenie?

    [00:05:49.490] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe 4 oder 5 Doktorarbeiten begleitet.

    [00:05:54.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es waren Assistenzärzte, die bei mir gearbeitet haben. Ich selber durfte natürlich keine
    Doktorarbeit abnehmen, weil ich keine Professur hatte.

    [00:06:04.230] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das haben wir dann unter Professor Daniel Hell gemacht in Zürich, und der hat uns
    großzügig unterstützt.

    [00:06:11.533] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://www.daniel-hell.com/

    [00:06:12.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die konnten alle ihre Doktorarbeit machen.

    [00:06:16.030] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da kam heraus, dass tatsächlich das ADHS (POS), vermehrt vorkommt in diesen
    Familien.

    [00:06:28.330] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es wurde quasi statistisch etwas bewiesen.

    [00:06:32.100] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir hatten nur 75 Fälle, das reicht natürlich nicht für große Statistiken.

    [00:06:40.500] – Dr.med. Ursula Davatz

    Aus diesen Befunden habe ich weiter dann überlegt und dann begonnen, an meinem
    Buch zu schreiben: ADHS und Schizophrenie.

    [00:06:51.021] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhs-und-schizophrenie/

    [00:06:51.570] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe es hier in neuer Auflage.

    [00:06:56.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Als ich das erste Mal publiziert habe, habe ich gesagt: ADHS, und dann als Untertitel:
    emotionale Monsterwelle.

    [00:07:06.690] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jetzt sage ich: ADHS und Schizophrenie, und der Untertitel ist: Grenzzerfall.

    [00:07:12.280] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das beschreibt den Vorgang im Gehirn.

    [00:07:20.830] – Dr.med. Ursula Davatz

    An diesem Buch habe ich 14 Jahre geschrieben.

    [00:07:25.530] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe begonnen in Moskau, als ich im Hotel war.

    [00:07:31.340] – Dr.med. Ursula Davatz

    Mein Mann hat gezeichnet und ich habe mein Buch begonnen zu schreiben.

    [00:07:37.350] – Dr.med. Ursula Davatz

    Hochinteressant.

    [00:07:40.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nun geht es aber um mein neues Buch, und das neue Buch heißt ADHS, ADHS
    Folgekrankheiten.

    [00:07:47.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Untertitel: Psychiatrie im Offside.

    [00:07:51.463] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhsads-folgekrankheiten/

    [00:07:51.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wie komme ich zu diesem Titel?

    [00:07:59.050] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe als Erstes nur das ADHS mit der Schizophrenie verglichen.

    [00:08:05.910] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann habe ich aber begonnen, andere Krankheitsbilder anzuschauen.

    [00:08:11.770] – Dr.med. Ursula Davatz

    In meinem Buch gehe ich dann systematisch sämtliche psychiatrischen Krankheiten
    durch, Diagnosekategorien und mach immer eine Beziehung zum ADHS oder ADS.

    [00:08:30.370] – Dr.med. Ursula Davatz

    Menschen mit ADHS oder ADHS, manche unterscheiden es nicht.

    [00:08:36.800] – Dr.med. Ursula Davatz

    In der offiziellen Sprache wird eigentlich nur von ADHS gesprochen oder dann ADHS
    und dann das H in Klammer.

    [00:08:44.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es heißt dann ohne Hyperkinese, also ohne Hyperaktivität.

    [00:08:52.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man hört jetzt vieles in der Presse, in den Medien, es wird viel geschrieben über ADHS.

    [00:09:00.830] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich sag nur paar Eigenschaften von diesen Menschen.

    [00:09:08.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Diese Menschen mit ADHS, die sind eben sensibler, wie ich das gehört habe an dem
    Vortrag des Pädiaters.

    [00:09:18.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die sind sensibler auf Stress aus ihrem Umfeld und sie kommen schneller zu

    Stressreaktionen.

    [00:09:30.880] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich bringe immer 4 Stressreaktionen, das beschreibe ich auch im Buch: Fight, Flight,
    Freeze and Tease.

    [00:09:42.400] – Dr.med. Ursula Davatz

    Fight ist Kampf, Flight ist Flucht, Freeze ist Totstellreflex und Tease ist Teasing. Das ist
    eine Stressreaktion, die nicht so bekannt ist, die in der Pubertät von allen
    Pubertierenden viel verwendet wird, die aber von Menschen mit ADHS vermehrt
    verwendet wird und lebenslänglich verwendet wird.

    [00:10:09.380] – Dr.med. Ursula Davatz

    Teasing ist eigentlich eine Art Provokationsverhalten, necken, also Necken, also
    Neckverhalten.

    [00:10:21.540] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man es objektiv zu beschreiben versucht, es wird immer angewandt, es ist ein
    Annäherungsversuch.

    [00:10:32.080] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Person, welche Necken an den Tag legt, versucht herauszufinden, wie sein
    Gegenüber reagieren könnte.

    [00:10:41.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Lehrer von ADHS Kindern, die kennen das gut.

    [00:10:46.310] – Dr.med. Ursula Davatz

    Manche ertragen es und andere werden böse und die sagen dann: Der hat überhaupt
    keinen Respekt, das geht doch nicht!

    [00:10:54.370] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann wird er bestraft.

    [00:10:55.910] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dabei ist dieses Teasing eigentlich ein Stressabbau und ein Versuch, eben zu sehen:
    Wie geht's dem?

    [00:11:04.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Im deutschen Sprachgebrauch sagt man: Was sich liebt, das neckt sich.

    [00:11:09.730] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn sich Männer und Frauen neu kennenlernen, dann passiert da häufig Teasing.

    [00:11:18.330] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dort ist es auch ein Herangehen an die andere Person, ans andere Geschlecht, um
    herauszufinden: Wie reagiert die? Wer ist das? Kann ich's mit dem oder nicht?

    [00:11:30.590] – Dr.med. Ursula Davatz

    Menschen mit ADHS verwenden dieses Teasing in der Schule. Manche machen den
    Clown. Die provozieren die Lehrer, und die wurden dann früher und auch heute werden
    die vor die Tür geschickt.

    [00:11:42.310] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man hat überhaupt nicht verstanden, was mit denen vorgeht.

    [00:11:46.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn der Lehrer, die Lehrerin eine natürliche Autorität hat, dann kann der sehr gut mit
    diesem Teasing umgehen und nimmt es nicht als Disqualifizierung von sich selber war.

    [00:12:04.080] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gibt da ein Beispiel, das ist ein Schulbeispiel, da wurde ein alter Lehrer, der schon

    pensioniert war, der wurde reingeholt für eine Schulklasse, die überhaupt nicht zu
    führen war.

    [00:12:18.210] – Dr.med. Ursula Davatz

    Am ersten Tag ist er einfach ans Pult gesessen und hat die Zeitung gelesen.

    [00:12:25.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Schüler haben alles Mögliche gemacht, er hat sich nicht darum gekümmert.

    [00:12:30.360] – Dr.med. Ursula Davatz

    Am zweiten Tag hat er ein Buch mitgenommen und hat das Buch gelesen, nichts
    gemacht.

    [00:12:38.580] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Schüler waren wieder wild.

    [00:12:39.890] – Dr.med. Ursula Davatz

    Am dritten Tag kam er wieder, ich weiß nicht, was er da gemacht hat, aber auf jeden
    Fall hat ein Schüler gesagt: Wann beginnen wir mit dem Unterricht?

    [00:12:49.910] – Dr.med. Ursula Davatz

    Indem er nichts gemacht hat, hat er die Schüler dazu gebracht, dass sie selber daran
    interessiert sind.

    [00:12:59.300] – Dr.med. Ursula Davatz

    Kinder sind an sich sehr interessiert daran zu lernen.

    [00:13:04.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    ADHS Kinder sind sehr neugierig und das A bei ADHS steht ja für
    Aufmerksamkeitsstörung.

    [00:13:15.390] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Aufmerksamkeitsstörung, die ist an sich eine breite Aufmerksamkeit.

    [00:13:22.380] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das heißt, wenn die Lehrperson langweilig wird, dann schaut man zum Fenster raus,
    man stört den anderen, man wirft den Gummi durchs Klassenzimmer, man springt auf
    die Bänke oder Tische sogar.

    [00:13:36.420] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann wird gestört, denn der Lehrer fasziniert nicht genügend.

    [00:13:43.910] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die breite Aufmerksamkeit, die führt zu Unaufmerksamkeit in der Schule, wenn es nicht
    interessant genug ist.

    [00:13:55.560] – Dr.med. Ursula Davatz

    Klar, man kann sagen, der Lehrer kann es nicht immer für alle interessant machen, aber
    es kommt auf die Lehrerpersönlichkeit an, wie gut die präsentieren kann, wie gut sie
    merken, was jetzt da im Klassenzimmer läuft.

    [00:14:11.060] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist das A. Ich nenne das breite Aufmerksamkeit.

    [00:14:14.930] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ADHS-Genom, also der ADHS-Gensatz, war viel verbreiteter in früheren Zeiten, zur
    Zeit der Jäger und Sammler.

    [00:14:28.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da war diese breite Aufmerksamkeit sehr hilfreich.

    [00:14:32.720] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss eine breite Aufmerksamkeit haben, um zu sehen, wo das Reh herkommt.

    [00:14:37.580] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das kommt nicht immer von der gleichen Seite und zur gleichen Zeit.

    [00:14:41.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da war das ADHS hilfreich. Da hatten noch 50% ADHS Genome.

    [00:14:46.580] – Dr.med. Ursula Davatz

    Unterdessen wurden die raus selektioniert und speziell bei uns in der westlichen Welt,
    da wir so viel Wert legen auf akademische Bildung, da wird's dann wichtig, dass man
    sich konzentrieren kann, auf ein Fach konzentrieren kann und so gute Noten schreibt.

    [00:15:13.450] – Dr.med. Ursula Davatz

    Heute ist das ADHS Genom nur noch bei 10%, früher hat man gesagt 5%.

    [00:15:25.090] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jetzt schwankt man zwischen 5% und 10%.

    [00:15:28.590] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da hat man dann gesagt, auf fünf ADHS Jungen kommt ein Mädchen.

    [00:15:33.960] – Dr.med. Ursula Davatz

    Früher hat man gesagt, es ist eine Krankheit, ein Erscheinungsbild das vermehrt bei
    den Jungen vorkommt.

    [00:15:35.160] – Dr.med. Ursula Davatz

    Heute weiss man: das stimmt nicht.

    [00:15:41.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Mädchen können sich besser anpassen als die Jungen.

    [00:15:56.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie sind von ihrer Natur her sehr willig, sich anzupassen, und drum merkt man es gar
    nicht.

    [00:16:04.040] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bei Frauen wird dann die ADHS Diagnose oft erst mit 40 gestellt.

    [00:16:11.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Frauen, die sich so sehr anpassen als ADHS Mädchen, die verwenden sehr viel
    Energie, um es dem Umfeld recht zu machen.

    [00:16:21.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da gehören die Lehrer dazu, da gehören die Eltern dazu, da gehören die Kolleginnen
    dazu und so weiter.

    [00:16:28.130] – Dr.med. Ursula Davatz

    die Jungen, die reagieren eben eher aggressiver, also mit Fight.

    [00:16:33.040] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Mädchen reagieren eher mit innerer Flucht und nach außen Anpassung.

    [00:16:44.960] – Dr.med. Ursula Davatz

    Eines ist die breite Aufmerksamkeit und das andere ist die hohe Sensibilität.

    [00:16:50.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die hängt auch zusammen mit der sensiblen Wahrnehmung.

    [00:16:55.420] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die können sensibel sein auf optische Reize, auf Geruchsreize, auf taktische Reize, auf
    Gehör, das kann ein gutes Musikgehör sein; auf Störungen, die im Umfeld passieren.

    [00:17:12.890] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jetzt, wenn diese Personen gestört werden, dann wird ihr emotionales Gehirn, wird
    überreagiert.

    [00:17:22.060] – Dr.med. Ursula Davatz

    Diese Überreaktion, das habe ich eben dann mit Monsterwelle bezeichnet.

    [00:17:28.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da findet eine emotionale Monsterwelle statt.

    [00:17:34.260] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn diese emotionale Monsterwelle unser Großhirn, unser Denkhirn überflutet, dann
    entwickelt sich die Schizophrenie.

    [00:17:45.040] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann verlieren sie den Verstand.

    [00:17:51.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie bauen dann manchmal eine eigene Vorstellung von der Welt auf, aber da kommen
    dann die Mitmenschen nicht mehr mit.

    [00:18:05.910] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jetzt dieser System Overload und dann Overflow, also die Überladung des emotionalen
    Gehirns und das Überfließen dieses emotionalen Gehirns, das kann auch in das
    Stammhirn, in unser primitives Hirn gehen, und dann ist eben die Hyperaktivität.

    [00:18:32.150] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe am Dienstags Club bei SRF teilgenommen.

    [00:18:32.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://www.srf.ch/play/tv/club/video/adhs-superkraft-oder-chaos-im-kopf?

    urn=urn:srf:video:a6a4b554-e125-464a-a981-05b743e0d883

    [00:18:32.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da waren zwei ADHS-Betroffene mit dabei.

    [00:18:50.240] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Interviewerin Barbara Lüthi, also die, die das Ganze geleitet hat, die hat einem
    Akademiker vom Bundesamt für Prävention, hat sie etwas viel Raum gelassen (Pascal
    Rudin), und er hat da viel geredet, und dann haben beide ADHS-Kinder gesagt: Ich
    hab's fast nicht mehr ausgehalten. Ich musste ständig meine Sitzposition wechseln und
    ich wollte reinreden und so weiter.

    [00:19:17.350] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er hat die Aufmerksamkeit von diesen Zweien verloren und die wollten das eigentlich
    stören.

    [00:19:24.710] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie waren natürlich gut erzogen, es hatte eine Leiterin.

    [00:19:32.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie haben ganz klar gesagt: ich habe es fast nichts ausgehalten, ich musste mich
    immer bewegen.

    [00:19:39.260] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn da ein System Overload, System Overflow passiert, dann passiert eine verstärkte
    Motorik, da wird rumgerannt und drum machen viele dann auch Sport.

    [00:19:52.160] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nach der Sportstunde sind diese ADHS Kinder aufmerksam.

    [00:19:58.810] – Dr.med. Ursula Davatz

    Im Augenblick, dass sich diese bewegen, wo sie Sport machen, wird Dopamin

    ausgeschüttet, und Dopamin ist das Neurohormon, das man braucht, um Dinge zu
    erledigen, um überhaupt aktiv zu werden.

    [00:20:18.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn ich wieder zurück zur Schizophrenie gehe, bei Menschen, die mit einer
    Schizophrenie erkranken, die haben dann zu viel Dopamin.

    [00:20:30.720] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das zu viele Dopamin macht dann eben, dass die Kognition zusammenbricht.

    [00:20:37.600] – Dr.med. Ursula Davatz

    Gegen Schizophrenie gibt man Medikamente und sämtliche Medikamente, die gegen
    Schizophrenie verwendet werden, sind alle antidopaminerg.

    [00:20:48.080] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die blockieren das Dopamin.

    [00:20:52.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das heißt, die Aktivität ist nicht mehr so gut, die Energie ist nicht mehr so gut, und
    deshalb setzen die meisten Schizophrenen ihre Schizophrenie-Medikamente auch ab,
    weil sie sich nicht mehr so gut fühlen.

    [00:21:09.730] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Hyperaktivität ist an sich eine Selbsthilfe.

    [00:21:16.890] – Dr.med. Ursula Davatz

    Über die Hyperaktivität bringen sie ihren Dopaminfluss in Gang, und dann können sie
    besser aufpassen.

    [00:21:24.730] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Medikamente, die man dann für ADHS gibt, das sind alles Stimulantien.

    [00:21:31.270] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Stimulantien, die erhöhen dann eben den Dopaminausstoß.

    [00:21:38.500] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man sagt, die hätten zu wenig Dopamin.

    [00:21:42.290] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die ADHS Menschen bauen ihr Dopamin schneller ab und müssen dann wieder
    hyperaktiv werden, um das Dopamin in Gang zu bringen.

    [00:21:57.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    Früher hat man gesagt, ADHS gibt es nur im Kindesalter und mit dem
    Erwachsenenalter wächst sich das aus.

    [00:22:09.500] – Dr.med. Ursula Davatz

    Heute weiß man, dass Menschen mit ADHS dass die ein anderes Gehirn haben, dass
    sie etwas anders verdrahtet sind.

    [00:22:21.610] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jetzt wird der Begriff verwendet: Neurodiversität, also neurodiverse Menschen.

    [00:22:29.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sobald man sagt: neurodiverse Menschen, ist das keine Krankheit mehr, sondern
    einfach nur ADHS.

    [00:22:37.350] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie sind einfach anders als der Durchschnitt.

    [00:22:41.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man ihr Gehirn anschaut, da kommen jetzt auch immer mehr

    Forschungsergebnisse heraus, dann haben zwei Sorten von ADHS Kinder, die haben
    ein 50% anders verdrahtetes Gehirn.

    [00:22:56.210] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das anders verdrahtete Gehirn, das anders vernetzte Gehirn, das besteht zwischen
    dem emotionalen System und dem Großhirn.

    [00:23:08.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das heißt, wenn Ihr emotionales System hyperaktiviert wird, dann gehen viel mehr
    Signale ins Großhirn.

    [00:23:16.810] – Dr.med. Ursula Davatz

    Menschen, die ADHS haben, die sagen dann auch: In meinem Hirn ist nie Ruhe, nie
    Ruhe, da ist totales Chaos, immer Aktivität, ich kann es nicht abstellen.

    [00:23:31.730] – Dr.med. Ursula Davatz

    Deswegen können sie dann oft nicht schlafen und so weiter und so weiter.

    [00:23:35.570] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die sind wirklich stärker verdrahtet.

    [00:23:38.960] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die sind zu, 40% bis 50% anders von normalen Gehirn.

    [00:23:44.960] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da gibt es zwei andere Typen, die sind nur 25% anders.

    [00:23:50.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Warum, das kann ich auch nicht sagen.

    [00:23:52.880] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir sind daran, Forschung zu machen mit der Genetik von der Universität Basel.

    [00:23:57.870] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://www.unispital-basel.ch/medizinische-genetik

    [00:23:59.250] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir nehmen ADHS Menschen auf, wir testen die zuerst in Rheinfelden, PDAG und dann
    geben wir ihnen auch Fragebogen und wir nehmen Blut oder Speichel und es wird dann
    der Genotyp festgestellt.

    [00:24:15.411] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/07/ADHS_Forschung_Gene_Umfeld.pdf

    [00:24:15.600] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir machen eine genetische Datenbank.

    [00:24:18.670] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir versuchen das zu verbinden, mit anderen Studien und das ist interessant.

    [00:24:25.870] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gibt jetzt schon sehr viele Studien, alles Statistiken.

    [00:24:31.100] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da sind zum Teil negative Resultate drunter.

    [00:24:38.010] – Dr.med. Ursula Davatz

    Also da sagt man: Frauen mit ADHS, jetzt sag ich was Schlimmes, die sterben 10 Jahre
    früher, Männer nur 7 Jahre früher.

    [00:24:50.020] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man kann sagen, warum?

    [00:24:52.670] – Dr.med. Ursula Davatz

    Meine Interpretation ist: wenn Menschen mit ADHS nicht ihren Fokus finden, nicht ihren
    Lebensweg und ihren Hyperfokus, den können sie auch haben, dann sind sie da
    ständig in ihrem Gehirn am Herumirren und das macht ständigen Stress.

    [00:25:17.110] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der ständige Stress im Gehirn kann auch eine Überlastung geben, und da kommen
    jetzt Zusammenhänge, dass Menschen mit ADHS, je nachdem, also sicher nicht alle,
    auch früher Demenz entwickeln.

    [00:25:35.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist wieder das: kein Fokus, kein klares Ziel.

    [00:25:39.680] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn Menschen mit ADHS schon als Kinder und in der Schule immer gestört werden in
    ihrer Persönlichkeitsentwicklung, dann können sie ihren Fokus gar nicht finden, da
    können sie ihre Persönlichkeit gar nicht richtig entwickeln, und das ist natürlich ein
    Problem.

    [00:25:59.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Deshalb ist für mich ganz wichtig, dass die ADHS Kinder nicht nur einfach eine
    Diagnose gestellt bekommen und dann Medikamente verabreicht werden, sondern dass
    ADHS, dass die Erziehungspersonen rund um die ADHS Kinder, das fängt bei der
    Kindergärtnerin an, das ist im Hort und das ist natürlich dann in der Schule und sicher
    auch in der Schule während der Pubertät.

    [00:26:31.380] – Dr.med. Ursula Davatz

    Von dort sage ich klar, die Schulen müssten viel besser instruiert werden, das heißt die
    Lehrer und das Erzieherische Umfeld müssen Hilfe bekommen, dass sie lernen, besser
    mit diesen Kindern umzugehen.

    [00:26:47.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Im Augenblick, da nicht persönlichkeits-gerecht oder neurotyp-gerecht mit diesen
    Kindern umgegangen wird, können sie Krankheitsbilder entwickeln.

    [00:27:01.500] – Dr.med. Ursula Davatz

    Im Buch bin ich diese alle durchgegangen.

    [00:27:06.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Heute kommt auch raus, dass sie durchaus viele somatische Krankheiten entwickeln
    können.

    [00:27:14.040] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Demenz wäre eine somatische Krankheit.

    [00:27:22.870] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es tauchen immer mehr Studien auf, auch aus England, USA, wo dargestellt wird, dass
    Menschen mit ADHS eben verschiedene körperliche Krankheiten entwickeln.

    [00:27:40.710] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es wird auch gesagt, speziell bei Frauen, dass ADHS häufig mit Hypermobilität
    vorkommt.

    [00:27:49.110] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wie das zusammenhängt, weiß ich nicht.

    [00:27:51.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das heißt starke Beweglichkeit der Gelenke, und wenn die Muskeln nicht gut genug
    trainiert wird, dann tut das die Gelenke überfordern.

    [00:28:05.230] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der Gensatz des ADHS ist weit sensibler auf Stress aus dem Umfeld.

    [00:28:17.340] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das heißt, diese Menschen mit diesem Genom, so sagt man zum ganzen Gensatz,
    Menschen mit diesem Genom, die sind sehr viel vulnerabler, sowohl für psychische
    Krankheiten wie auch für körperliche Krankheiten.

    [00:28:34.110] – Dr.med. Ursula Davatz

    In dem Sinne liegt im Erzieherischen Umfeld ein riesiges Potenzial, diese Krankheiten
    zu verhindern.

    [00:28:46.080] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wolfgang Amadeus Mozart, Albert Einstein war ein ADHS Kind.

    [00:28:57.730] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gibt viele interessante, sehr kreative Persönlichkeiten mit ADHS.

    [00:29:06.130] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das heißt natürlich, nicht jeder, der ADHS hat, wird ein Albert Einstein oder ein
    Wolfgang Amadeus Mozart.

    [00:29:13.560] – Dr.med. Ursula Davatz

    Muss er auch nicht werden. Brauchen wir auch nicht so viel.

    [00:29:17.360] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es zeigt einfach, es ist in dem Sinn keine Krankheit, es kann eine Vulnerabilität sein
    oder ist eine Vulnerabilität, aber mit der Vulnerabilität geht auch viel kreatives Potenzial
    einher.

    [00:29:35.280] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Kreativität kann ich vielleicht auch so erklären: Sie können besser Grenzen
    überschreiten.

    [00:29:42.630] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie halten sich nicht so gut an die Normen.

    [00:29:46.720] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das macht wieder Probleme in der Gesellschaft.

    [00:29:49.710] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn sie es nach oben schaffen, dann können sie Erfinder werden, usw.

    [00:29:53.250] – Dr.med. Ursula Davatz

    Als Letztes mein großes Anliegen.

    [00:30:04.080] – Dr.med. Ursula Davatz

    Mein großes Anliegen ist nicht an erster Stelle die Diagnosestellung und die
    Behandlung mit Amphetamin, also mit Stimulantien.

    [00:30:21.590] – Dr.med. Ursula Davatz

    Pascal Rudin sagt: es wird viel zu viel die Diagnose ADHS gestellt.

    [00:30:44.170] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das spielt für mich keine Rolle.

    [00:30:44.430] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es spielt auch keine Rolle, ob die Leute sich die Diagnose jetzt übers Internet stellen.

    [00:30:54.900] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich als Ärztin habe nicht die Oberhoheit darüber zu sagen, ob jemand ADHS hat oder
    nicht.

    [00:31:01.420] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn die Leute sich das aus dem Internet holen und dann finden, sie verstehen sich

    besser, sie können besser mit sich umgehen, dann ist ja das gut.

    [00:31:12.600] – Dr.med. Ursula Davatz

    Viele sagen: Ah, auf einmal hatte ich eine Erleuchtung, ein Aha-Erlebnis, jetzt kann ich
    einordnen, jetzt habe ich einen Namen dafür.

    [00:31:23.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Schweiz als das Land der Erzieher, begonnen mit Pestalozzi, wir sind immer noch
    Erzieher.

    [00:31:33.020] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jetzt kommen die ADHSler, ich bin neurodivers, ich brauche einen Nachteilsausgleich in
    der Schule und bei den Prüfungen, ich brauche besondere Bedingungen.

    [00:31:49.490] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da hat man Angst, die seien zu bequem, die wollen Stress nicht mehr auf sich nehmen
    und so weiter.

    [00:31:55.900] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da muss ich sagen, die sind überhaupt nicht so bequem, die brauchen sehr viel
    Energie, um normale Situationen zu bewältigen, was den anderen Neurotypen, den
    Normotypen gar nicht schwer fällt.

    [00:32:18.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die können gut ausblenden, Scheuklappen anziehen.

    [00:32:23.130] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die ADHSler brauchen viel mehr Energie, um dem Bildungssystem gegenüber Erfolge
    zu erbringen.

    [00:32:32.910] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die ETH, die befasst sich zwar mit ADHS, und die verlangt, dass man nach zwei Jahren

    wieder einen Test machen muss.

    [00:32:43.470] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das finde ich absolut unmöglich, ADHS ist angeboren, das ist eine Neurodiversität, und
    das muss nicht immer wieder bewiesen werden.

    [00:32:53.420] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie verlangen das.

    [00:32:54.710] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist die bürokratische, akademische Vorstellung der Diagnosestellung.

    [00:33:07.490] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da hat man die Haltung, die Diagnose geht auf einmal wieder weg. Aber die geht nicht
    weg, die bleibt.

    [00:33:13.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der Mensch mit einem ADHS-Gehirn kann lernen, mit seiner Neurodiversität besser
    umzugehen, und dann merkt niemand etwas.

    [00:33:24.810] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er kann es nicht lernen.

    [00:33:26.730] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn er vom Umfeld ständig disqualifiziert wird und sagt: Du bist falsch, warum kannst
    du das nicht?

    [00:33:34.390] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann entwickelt er ein sehr schlechtes Selbstbewusstsein.

    [00:33:39.150] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das will ich natürlich verhindern.

    [00:33:43.360] – Dr.med. Ursula Davatz

    Pascal Rudin sagt, die Diagnose wird viel zu viel gestellt, und die verwenden das dann
    als Ausrede.

    [00:33:53.340] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jetzt, ja, es wird sehr viel die Diagnose gestellt, es werden Medikamente verschrieben,
    das kam auch in der Sendung, aber Medikamente verschreiben reicht nicht, das Umfeld
    muss lernen, mit denen umzugehen.

    [00:34:07.320] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da muss ich sagen, unser Schulsystem, das ist jetzt eine Kritik ans Schulsystem, das
    hinkt unseren Bräuchen, Entwicklungen hinterher.

    [00:34:20.770] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist altmodisch, das habe ich auch gesagt.

    [00:34:24.950] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bestrafung und Belohnung funktioniert für ADHS Kinder nicht.

    [00:34:29.390] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss sie führen und man führt nicht mit Bestrafung.

    [00:34:34.570] – Dr.med. Ursula Davatz

    Mit Bestrafung löst man nur Aversionsverhalten aus, also Ausweichverhalten aus.

    [00:34:40.800] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das bringt gar nichts. Das bringt kein Lernen mit sich.

    [00:34:44.750] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was passiert, wenn das Schulsystem nicht mit den ADHS Kindern umgeht und ihre
    Aufmerksamkeit nicht erfassen kann?

    [00:34:54.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wo gehen sie dann hin? Ins Internet.

    [00:34:57.800] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Social Medias, ist eine riesige Konkurrenz zum heutigen Schulsystem, denn im
    Internet wird ihre Aufmerksamkeit ganz schnell wieder gereizt, immer stärker, immer
    mehr.

    [00:35:14.260] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann passiert schon mit der Zeit, dass die Aufmerksamkeitsspanne noch kürzer wird.

    [00:35:21.240] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie bewirkt kein ADHS.

    [00:35:23.970] – Dr.med. Ursula Davatz

    ADHS Kinder sind einfach empfindlicher auf das und reagieren noch stärker auf das.

    [00:35:29.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ADHS wird durchs Internet nicht gefördert, es gibt dadurch nicht mehr ADHSler und
    dann eine Modekrankheit.

    [00:35:43.070] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist genetisch, ADHSler sind viel empfindlicher, im Internet gefangen zu werden und
    dann Sucht zu entwickeln.

    [00:35:52.310] – Dr.med. Ursula Davatz

    Menschen mit ADHS neigen eher zu Suchtkrankheiten, also Internetsucht, aber auch

    Drogensucht, Alkoholsucht und alle Sorten von Süchten.

    [00:36:09.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Indem unsere Jugend heute vom Internet, von den Social Medias abgezogen werden,
    ich vergleich dann das mit dem Rattenfänger von Hameln.

    [00:36:24.160] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das wird ja schon gemacht beim kleinen Kind, wenn die Mutter keine Zeit hat, sie gibt
    das Natel, da wird geschaut, und dann sind die gut abgelenkt.

    [00:36:33.330] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Natel als Babysitter.

    [00:36:36.380] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn unsere Jugend von den Social Medias abgezogen werden, dann gehen sie der
    Gesellschaft verloren.

    [00:36:46.330] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist jammerschade.

    [00:36:48.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da gehen uns ganz viele Fähigkeiten, die wir gebrauchen könnten in unserer
    Gesellschaft, gehen uns verloren.

    [00:36:59.830] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich sag, in einer Gesellschaft, da die KI, die künstliche Intelligenz, immer mehr
    hochgejubelt wird, wird's umso wichtiger, dass wir menschliche Eigenschaften
    entwickeln, dass wir miteinander umgehen können.

    [00:37:17.330] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da sage ich: ADHS Menschen, die verursachen mehr Konflikte in ihrem Umfeld.

    [00:37:25.150] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie haben mehr Scheidungen, sie haben mehr Stellenverlust und so weiter und so
    weiter.

    [00:37:31.930] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gibt in der Familie vermehrt Krach, aber wenn wir diese Konflikte verwenden
    würden, um zu lernen, dann käme was Positives heraus.

    [00:37:42.010] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn ich Familien mit ADHS begleite, bin ich immer darauf ausgerichtet, dass die
    Eltern lernen, mit diesem Kind umzugehen, und dass nicht nur einfach Medikamente
    verschrieben werden.

    [00:37:58.610] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die ADHS-Konferenz im Bundeshaus, vielleicht hat das jemand mitbekommen, es kam
    in der Zeitung, im Tagesanzeiger, da waren 48 Jugendliche im Bundeshaus.

    [00:38:10.509] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://elpos.ch/jugendliche-mit-adhs-im-bundeshaus/

    [00:38:11.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es wurde geleitet von zwei Seminarleitern, nicht Lehrer, sondern zwei Personen, die
    sonst mit Firmen arbeiten.

    [00:38:22.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Diese Jugendlichen von 12 bis 25, die haben super gearbeitet, es war unglaubliche
    intensive Stimmung.

    [00:38:31.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die haben alles gesagt, was ich jeweils sage, dass die Lehrer sensibilisiert werden
    müssten auf den Umgang mit ADHS, dass die Lehrer regelmäßigen Zugang zu

    Fachpersonen haben müssten, die etwas verstehen von ADHS, dass sie beraten

    werden.

    [00:38:54.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es wird dann immer gesagt, ja, ich habe keine Zeit, es geht nicht.

    [00:38:58.570] – Dr.med. Ursula Davatz

    Indem man falsch mit diesen umgeht, braucht es viel mehr Zeit.

    [00:39:03.910] – Dr.med. Ursula Davatz

    Manchmal braucht es gar nicht so viel, man muss nur lernen.

    [00:39:08.630] – Dr.med. Ursula Davatz

    Zum Beispiel ein ADHS Kind stört.

    [00:39:11.410] – Dr.med. Ursula Davatz

    Früher hat man gesagt, du störst, du gehst jetzt vor die Tür.

    [00:39:15.910] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe mit einer Lehrerin gearbeitet, die hat gesagt, ja, wenn sie merkt, dass ein Kind
    unruhig wird, ein ADHS Kind, dann sagt sie: Ah, ich glaube, du brauchst jetzt etwas
    Bewegung. Du kannst jetzt 5-mal ums Schulhaus rennen oder eine Kommission
    machen, irgendetwas Sinnvolles.

    [00:39:33.960] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss ihnen zuvorkommen, bevor sie einem alles durcheinander machen.

    [00:39:39.340] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da gibt es noch viele Tricks.

    [00:39:41.360] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir Erwachsenen, würden an den ADHS Kindern viel lernen, wenn wir uns mit ihnen

    auseinandersetzen.

    [00:39:53.080] – Dr.med. Ursula Davatz

    In dem Sinne sage ich: eine fachliche Investition in den geschickteren neurodiversen
    Umgang mit diesen speziellen Menschen, mit diesem speziellen Genotyp, wenn wir
    mehr in das investieren würden, dann könnten wir unglaublich Kosten sparen.

    [00:40:19.690] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jetzt wartet man, bis alles schiefgelaufen ist, bis sie dann in die Psychiatrie kommen
    oder somatisch krank werden oder Unfälle bauen und so weiter und so weiter.

    [00:40:30.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann kostet es sehr viel mehr.

    [00:40:33.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist mein Credo, dass ich versuche zu verbreiten, man klagt immer, unsere
    Gesundheitskosten gehen ständig hoch, aber man ändert nichts am System.

    [00:40:49.710] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich denke, wenn wir unser Erziehungssystem etwas modernisieren würden, anpassen
    an die neuen Bedürfnisse, hätten wir weniger Folgekrankheiten und würden wir sehr
    viel Kosten sparen.

    [00:41:08.370] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jeder kämpft nur für sich.

    [00:41:10.160] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe unserer Gesundheitsdirektorin Martina Bircher gesagt, sie soll doch etwas
    Geld holen vom Gesundheitsdepartement, der Erziehungsdirektion, es wäre in der
    Schule besser investiert, als am Schluss, wenn alles schon schief gelaufen ist.

    [00:41:31.470] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da braucht es noch viel, aber es hat sich jetzt doch jemand vom
    Erziehungsdepartement Erziehung, Kultur und Sport gemeldet.

    [00:41:41.460] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die wollen ein Interview mit mir machen zum Thema Autismus.

    [00:41:46.590] – Dr.med. Ursula Davatz

    Autismus ist auch wieder, ich könnte jetzt sagen, eine Modediagnose, und autistische
    Reaktion ist aus meiner Sicht eine Fluchtreaktion oder Totstellreflexreaktion von
    sensiblen ADS Kindern, wenn sie schlecht behandelt werden, wenn sie zu vielen
    Reizen ausgesetzt sind.

    [00:42:16.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir müssen lernen, mit diesem umzugehen und uns zurücknehmen und nicht meinen,
    wir wissen schon alles.

    [00:42:23.490] – Dr.med. Ursula Davatz

    Aus dem Grund habe ich auch den Untertitel gemacht: Psychiatry im Offsite.

    [00:42:30.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Psychiatrie ist stark beeinflusst von der mentalen Haltung.

    [00:42:39.130] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe das auch im Buch etwas gebracht, von der Philosophie der Zeit, vom Zeitgeist.

    [00:42:45.680] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir Fachleute, wir studierten Fachleute, wir denken, wir seien gescheiter als die Natur.

    [00:42:54.530] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich denke, wir müssen wieder etwas bescheidener werden und diese neurodiversen

    Kinder besser beobachten und von denen lernen, damit wir sie nicht kaputt machen.

    [00:43:07.750] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da verwende ich dann immer wieder den Bauernspruch, wenn die Leute enttäuscht
    sind, dass es nicht schneller vorangeht, dass nicht schneller gelernt wird, ich werde von
    den Krankenkassen und von den Arbeitsversicherungen werde ich gedrängt, ich muss
    das Medikament nehmen, Ich muss mehr Therapie machen, damit dieser Patient
    endlich gesund wird.

    [00:43:35.300] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich sag: Nein, das Gras wächst nicht schneller, die Person entwickelt sich nicht
    schneller, wenn ich sie dauernd störe.

    [00:43:43.210] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist etwas vom Schwierigsten, dass wir Fachleute lernen zu beobachten, dass wir
    von unseren Patienten lernen und nicht den Patienten vorauseilen.

    [00:43:55.810] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Offside ist ja, dass die Angreifergruppe über die Linie hinausgeht und angreift.

    [00:44:04.420] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das dürfen wir nicht.

    [00:44:06.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    So habe ich das Offside verstanden.

    [00:44:09.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich provoziere damit natürlich meine Kollegen, aber das ist halt das Opfer, das ich
    erbringen muss, um mir selbst treu zu bleiben.

    [00:44:24.460] – Dr.med. Ursula Davatz

    Eine sorgfältige Investition in ein heutiges, der Situation, der Zeit angepasstes und den

    neurodiversen Kindern angepasstes Schulsystem könnte viel Kosten sparen und viel
    Leid sparen.

    [00:44:46.270] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist so etwas, mein Credo, das ich Ihnen mitgeben will, dass sie gerne weitergehen
    können.

    [00:45:16.930] – Bemerkung 1

    Was, wo ist der Unterschied zwischen Meltdown, Shutdown, Overload und wie kann
    man das selber feststellen, worin man gerade steckt?

    [00:45:28.240] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das sind alles Ausdrücke für die gleiche Situation.

    [00:45:32.610] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn das emotionale System überreizt ist, dann sagen jetzt die, die sich mit ASS, mit
    Autismus beschäftigen, die reden dann von Meltdown.

    [00:45:45.250] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich red von System Overload.

    [00:45:48.390] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn System Overload ist, passiert das Meltdown.

    [00:45:51.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der Meltdown, der kann ein Zornesausbruch sein, also es wird alles zerstört, also
    a g g r e s s i v, d e r k a n n e i n t o t a l e r R ü c k z u g s e i n u n d e i n e a b s o l u t e
    Kommunikationsverweigerung.

    [00:46:05.390] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dorther kommt eigentlich der Ausdruck Autismus.

    [00:46:09.630] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist alles eine Reaktion auf zu viele Reize.

    [00:46:18.390] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir Fachleute, wir tun uns gerne, wie soll ich sagen, einen Namen schaffen, indem wir
    ein neues Wort dafür verwenden.

    [00:46:34.710] – Dr.med. Ursula Davatz

    Als ich Medizin begonnen habe zu studieren und dann all diese Krankheiten auswendig
    lernen musste und all diese Eigennamen, da habe ich mich so geärgert.

    [00:46:48.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wieso der Eigenname?

    [00:46:50.060] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich will nur die Beschreibung der Krankheit, aber nicht den Eigennamen des Menschen,
    der diese Krankheit zuerst entdeckt hat.

    [00:47:00.950] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich will keine Davatz'sche Krankheit.

    [00:47:01.900] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich will die Beschreibung.

    [00:47:07.280] – Dr.med. Ursula Davatz

    ASS ist jetzt mehr in aller Munde.

    [00:47:13.450] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Autismusdiagnose ist jetzt quasi eine Modebezeichnung.

    [00:47:21.380] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist natürlich keine Mode, es ist eine Verzweiflung.

    [00:47:25.690] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Individuum, das in diesen Zustand fällt, ist verzweifelt.

    [00:47:32.550] – Bemerkung 2

    Sie haben gesagt, mit ADHS wird man weniger alt und man schläft weniger gut.

    [00:47:42.130] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist ein riesiges Problem.

    [00:47:49.460] – Dr.med. Ursula Davatz

    ADHSler haben immer das Kino im Kopf, speziell die ADSler, die denken viel, die haben
    Hyperaktivität im Kopf.

    [00:47:59.540] – Dr.med. Ursula Davatz

    Für die ist es schwierig, diese Hyperaktivität abzustellen.

    [00:48:04.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe viele solche, und da muss ich dann mit denen ein Herunterfahrprozedere
    besprechen.

    [00:48:15.770] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann frage ich sie: Was machen Sie, um sich herunterzufahren?

    [00:48:20.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Beim Computer da zieht man nicht einfach den Stecker, sondern man schließt alle
    Fenster, man fährt ihn herunter.

    [00:48:30.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bei jedem ist das etwas anders, ich muss mit ihnen besprechen, wie sie da

    herunterfahren können.

    [00:48:38.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es darf nicht zu viel Aktivität sein, aber es darf auch nicht einfach nur Ruhe sein, denn
    der Kopf gibt keine Ruhe.

    [00:48:49.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bei manchen, die verwenden sogar ADHS-Medikamente, also Amphetamine, die helfen
    zu fokussieren, und reagieren dann mit Schlaf.

    [00:49:01.010] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die breite Aufmerksamkeit wird zurückgenommen auf einen Fokus, und dann kann man
    besser schlafen.

    [00:49:11.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich finde natürlich besser, wenn man seinen Fokus mit einem Abendritual hinbringen
    kann.

    [00:49:21.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich schaue das mit jedem einzeln an.

    [00:49:22.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man gibt dann Beruhigungsmittel.

    [00:49:29.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sämtliche Beruhigungsmittel, Schlafmittel sowie Benzos oder auch Neuroleptika, die
    unterdrücken alle den REM-Schlaf.

    [00:49:41.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der REM-Schlaf ist der Schlaf an sich, während dieser REM-Schlafphase wird das

    Gehirn geleert, gesäubert, da werden Inhalte rausgeschmissen, aber die Inhalte, die
    einen so stark beschäftigen, die kann man nicht raustun.

    [00:50:01.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe eine Demonstration gesehen, im REM-Schlaf kann man dann auch rumlaufen
    oder zappeln, also unruhig werden.

    [00:50:11.460] – Dr.med. Ursula Davatz

    An sich wäre die Aufgabe, dass man seine Probleme am Tag löst und nicht in der
    Nacht.

    [00:50:18.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    So suche ich natürlich mit diesen Leuten dann, wo sind Baustellen, wie kann ich die mit
    ihnen bearbeiten, sodass sie dann besser schlafen können.

    [00:50:29.540] – Bemerkung 3

    Warum werden Leute mit ADHS weniger alt?

    [00:50:36.370] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja, ich würde sagen, wenn sie Ihren Fokus nicht finden, dann werden sie weniger alt.

    [00:50:42.730] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn sie Ihren Fokus finden, können sie uralt werden.

    [00:50:47.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja, das ist so.

    [00:50:49.420] – Dr.med. Ursula Davatz

    Den Fokus finden, das ist die Schwierigkeit.

    [00:50:54.210] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Problem des Umfeldes ist, dass man sie nicht stören darf dabei, ihren Fokus zu
    finden.

    [00:51:05.220] – Bemerkung 3

    Warum verschreiben Psychiater einem psychotischen Patienten kein Ritalin, obwohl
    das helfen würde?

    [00:51:15.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Doch, sie verschreiben Ritalin.

    [00:51:25.820] – Bemerkung 3

    Aber eine andere Zusammensetzung als Ritalin selber?

    [00:51:30.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gibt verschiedene Medikamente, es gibt Ritalin, es gibt Concerta, es gibt Focalin,
    Medikinet und so weiter.

    [00:51:38.160] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das sind alles Stimulantien.

    [00:51:41.530] – Dr.med. Ursula Davatz

    Manche mit einer etwas schnelleren Wirkung direkt und andere mit verzögerter.

    [00:51:46.570] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es sind alles Stimulantien, die werden schon verschrieben.

    [00:51:50.030] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man dann den Erwachsenen die verschreibt und die nehmen zu viel, dann
    werden sie psychotisch.

    [00:51:55.850] – Bemerkung 3

    Dann ist die Angst vorhanden, dass sie zu viel nehmen. Aha.

    [00:52:00.470] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jetzt wird zum Teil schon bei Kindern einerseits Ritalin verschrieben und dann noch ein
    Neuroleptikum. Das finde ich unmöglich.

    [00:52:29.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das finde ich überhaupt nicht gut.

    [00:52:32.370] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn jemand schon eine Psychose gehabt hat, dann hat man Angst, dass man mit
    dem Ritalin wieder eine Psychose auslöst.

    [00:52:40.650] – Dr.med. Ursula Davatz

    Drum sagt man: Oh nein, Psychose gehabt, dann verschreib ich keines.

    [00:52:44.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich hab solche Patienten, die hatten eine Psychose und die wollten wieder Ritalin.

    [00:52:52.590] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich verscheib's, aber ich sag denen, sie müssen lernen aufzupassen.

    [00:52:58.470] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn sie schon in einem übererregten Zustand sind, dann Ritalin absetzen.

    [00:53:07.770] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie müssen lernen, mit den Medikamenten umzugehen.

    [00:53:10.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es geht nicht so: die Krankheit, das Medikament oder die Symptome und beide.

    [00:53:15.610] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der Patient selber muss lernen, damit umzugehen.

    [00:53:19.310] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich hatte Patienten, die haben Ritalin verschrieben bekommen, voll psychotisch
    abgefahren oder manisch-depressiv, also in einer Manie abgefahren.

    [00:53:29.690] – Dr.med. Ursula Davatz

    Schlussendlich ist es der Patient, der lernen muss, mit sich und seinem Gehirn und den
    Medikamenten umzugehen.

    [00:53:38.370] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da ist oft die Haltung: Ich mache nur das, was der Arzt sagt und ich getraue mich nicht,
    das selber zu machen.

    [00:53:46.540] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich helfe allen meinen Patienten, dass sie lernen, mit den Antipsychotika umzugehen
    und natürlich auch mit dem Ritalin.

    [00:54:01.430] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja, die haben Angst.

    [00:54:06.350] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man weiß, das ist ein ADHS, aber die hatte schon eine Psychose und dann: Oh nein, oh
    je, ich will keine Psychose auslösen.

    [00:54:14.530] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss es vorsichtig machen, ich bin ich dagegen.

    [00:54:18.210] – Bemerkung 4

    Könnte es sein, dass doch das Hirn übererregt wird vom Ritalin?

    [00:54:23.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Ritalin, das stimuliert, das macht dann vermehrt Dopaminausschüttung, dann
    können die manisch werden, dann schlafen sie nicht mehr und dann läuft alles davon.

    [00:54:35.450] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich hatte eine, die hatte Psychosen und die war ganz klar ein ADHS Kind, der habe ich
    leichte Dosen Ritalin verschrieben und die lernte damit umgehen.

    [00:54:48.210] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die kommt nicht mehr, hat mir nur zu Weihnachten etwas geschenkt.

    [00:54:51.970] – Bemerkung 5

    Spielt die Ernährung auch mit eine Rolle?

    [00:55:02.830] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ernährung ist heute hoch im Kurs und Ernährung ist etwas Wichtiges.

    [00:55:09.530] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe den Mann vom Bundesamt auch gefragt, wie sie Gesundheitsprävention
    betreiben und ist jetzt Ernährung im Kurs?

    [00:55:19.750] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja, ist hoch im Kurs.

    [00:55:22.830] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da wird von den Omega-Fettsäuren geredet.

    [00:55:26.090] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich denke, die haben eine gute Wirkung aufs Gehirn.

    [00:55:30.570] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich bin keine Ernährungsberaterin.

    [00:55:34.280] – Dr.med. Ursula Davatz

    Gesunde Ernährung ist ohnehin gut und die unterstützte ich.

    [00:55:40.010] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man sagt in allen prozessierten Nahrungsmitteln, sind Stoffe drin, die uns schaden und
    so weiter und so fort.

    [00:55:50.710] – Dr.med. Ursula Davatz

    Gesunde Ernährung ist für alles gut.

    [00:55:53.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Mit gesunder Ernährung kann man das ADHS nicht korrigieren.

    [00:56:00.040] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Omega-Fettsäuren, das sagen viele, das hilft und das reicht ihnen.

    [00:56:08.160] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bei allen Medikamenten, ich will nichts gegen die Omega-Fettsäuren sagen, die sind
    gut fürs Gehirn, aber bei allen Dingen, die wir einnehmen, da spielt natürlich immer der
    Placebo auch eine Rolle.

    [00:56:23.950] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das heißt, ich mache etwas regelmäßig, ich tue was Gutes für mich, und das wirkt sich
    auch wieder gut aus.

    [00:56:31.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Als man noch frühkindliches POS gesagt hat, hat man auch gesagt, dass man keinen

    Zucker nehmen soll, denn Zucker stimuliert zu fest, dann sind sie unruhig, aber zu viel
    Zucker fördert auch die Krebskrankheit, schlechte Ernährung kann überall etwas
    Schlechtes anrichten.

    [00:56:55.280] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich denke, es reicht nicht, aber ich bin sehr für gesunde Ernährung.

    [00:57:01.490] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich bin aufgewachsen in einer Familie, da man auf das geachtet hat, und das habe ich
    auch meinen Kindern weitergegeben.

    [00:57:11.030] – Bemerkung 6

    Warum schämen wir uns bei vielen vielen Dingen und haben ein schlechtes Gefühl,
    also so schnell?

    [00:57:20.820] – Dr.med. Ursula Davatz

    Eine stehende Redewendung: ich sag, unser Schuldgefühl, Schamgefühl, Schuldgefühl
    ist irgendwo nah beieinander. Das ist der Hirtenhund.

    [00:57:42.050] – Dr.med. Ursula Davatz

    Unser Schuldgefühl bringt uns zur Herde zurück.

    [00:57:46.630] – Dr.med. Ursula Davatz

    Unser Schamgefühl, da fühlen wir uns ausgestellt im Kollektiv, und wir sind soziale
    Wesen und wir wollen dazugehören.

    [00:57:57.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sobald wir da etwas ausgesondert werden, dann gibt das ein schlechtes Gewissen.

    [00:58:03.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das gibt Schuldgefühle, Schamgefühle etc.

    [00:58:06.960] – Dr.med. Ursula Davatz

    Früher wurde die Beschämung verwendet in der Schule.

    [00:58:12.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn ein Kind 40 Fehler im Diktat gemacht hat, wurde es vor die Klasse gestellt und
    quasi ausgelacht, beschämt.

    [00:58:22.030] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich hatte ein solches Kind, der ging nie mehr in die Schule.

    [00:58:26.090] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das war Arrestionsverhalten, also Ausweichverhalten.

    [00:58:29.930] – Dr.med. Ursula Davatz

    Den habe ich auch nicht bei einer Lehre in die Gewerbeschule gebracht.

    [00:58:34.450] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dem ging es schlecht, der hat Erbrechen gehabt, Bauchweh und so weiter am Morgen,
    wenn wir ihn in die Schule schicken wollten.

    [00:58:43.540] – Dr.med. Ursula Davatz

    Deswegen konnte er keine Lehre machen.

    [00:58:45.970] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Schule wurde total vergelt für ihn.

    [00:58:50.690] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich sage wieder: Die Lehrer müssen besser instruiert werden, dass sie weder mit
    Schuld noch mit Schamgefühlen bei solchen Kindern arbeiten.

    [00:59:02.040] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie bewirken nur, dass sie ausgeklammert werden.

    [00:59:05.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bei den Jungen passiert dann eher Delinquenz, also Gesetzesübertretung und Kampf
    gegen alles.

    [00:59:19.910] – Dr.med. Ursula Davatz

    Schuldgefühle, Schamgefühle, Hirtenhund. Holt uns zur Herde zurück.

    [00:59:25.530] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es braucht Mut, etwas den Kopf aus der Erde rauszustrecken.

    [00:59:36.020] – Bemerkung 7

    Sind Lehrer heute anwesend?

    [00:59:40.010] – Dr.med. Ursula Davatz

    Gute Frage! Was sagen sie als Lehrerin dazu?

    [01:00:10.160] – Bemerkung 8

    Ich habe jetzt überlegt, ja, der könnte so sein.

    [01:00:22.370] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn Sie mal das Auge dafür haben, dann sehen Sie es relativ schnell und Sie müssen
    den nicht mal zu irgendeiner Abklärung schicken, ist nicht notwendig, sondern einfach
    versuchen, anders mit dem Kind umzugehen.

    [01:00:39.350] – Bemerkung 8

    Das sind Menschen aus dem Ausland.

    [01:00:44.350] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe mit vielen Familien gearbeitet, Ausländern. Ich habe mich auch viel damit

    befasst.

    [01:00:58.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn Menschen aus dem Ausland kommen, dann haben die eine andere
    Sozialisierung und keine Schweizer Sozialisierung.

    [01:01:07.470] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir Schweizer denken, alle, die in der Schweiz sind, die kennen unsere Regeln, und die
    passen sich dem an.

    [01:01:13.590] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das funktioniert aber nicht.

    [01:01:16.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich denke, wir Schweizer müssen da unsere Regeln, unsere Wertvorstellungen klar
    deklarieren und auch durchsetzen.

    [01:01:25.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da müssen wir den Mut dazu haben: bei uns geht das nicht.

    [01:01:30.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich will, dass du hier in meiner Klasse so und so an diese Regeln hältst.

    [01:01:36.910] – Dr.med. Ursula Davatz

    Zu Hause ist deine Sache.

    [01:01:40.680] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist nicht so einfach.

    [01:01:42.370] – Bemerkung 9

    Ja, wir sind immer kaputt am Abend.

    [01:01:46.230] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja, das glaube ich, das glaube ich.

    [01:01:48.810] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da versuche ich allen Lehrern den Rücken zu stärken, dass sie sich da positionieren.

    [01:01:57.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe einige Lehrer in Beratung und da mache ich immer das.

    [01:02:04.590] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn die das hinkriegen, dann sind die sehr zufrieden und mit ihrem Lehrberuf.

    [01:02:13.060] – Bemerkung 10

    Ich krieg nicht viel Unterstützung, keine politische Unterstützung.

    [01:02:18.580] – Dr.med. Ursula Davatz

    Rennen Sie, denen die Bude ein und sagen, wir brauchen das.

    [01:02:27.010] – Bemerkung 10

    Diese Kraft ist fast schlimmer als die Kraft mit der Klasse umzugehen.

    [01:02:29.960] – Bemerkung 11

    Kann Ritalin den Charakter verändern?

    [01:02:47.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sämtliche Psychopharmaka verändern den Zustand.

    [01:02:51.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jemand sagte: Oh, das war so wie eine Erleuchtung. Ah, so kann das Leben auch sein.

    Ah, so erleben die Normotypen die Welt. Aber: sie fand das langweilig.

    [01:03:14.080] – Dr.med. Ursula Davatz

    Viele, die Ritalin nehmen, sagen: Es ändert meine Persönlichkeit, ich bin nicht mehr so
    kreativ, ich bin mehr so, und das habe ich nicht so gern.

    [01:03:39.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Daher lasse ich die das nur nehmen, wenn sie auf die Prüfung lernen oder irgendeine
    anspruchsvolle, langweilige Arbeit erledigen müssen.

    [01:03:53.510] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie dürfen es auch wieder absetzen.

    [01:03:54.965] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss es nicht immer nehmen.

    [01:04:03.370] – Dr.med. Ursula Davatz

    Je nachdem in welcher Situation man aufgewachsen ist, will man auch diese Leistung
    erbringen oder nein.

    [01:04:12.080] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man hat einen kreativen Beruf gewählt und dann will man es nicht und nimmt es dann
    nur zum Ausfüllen der Steuererklärung.

    [01:04:28.320] – Bemerkung 12

    Ich finde es super, dass Sie das Thema Schule aufgegriffen haben, weil wir sind jetzt in
    der Abklärung, auch frisch, mit meinem Sohn. Sie hat dann gesagt: Ja, ja, ich habe
    schon gemerkt, dass etwas anders ist, aber er hat ja keine Diagnose. Also machen wir
    auch nichts.

    [01:04:48.580] – Bemerkung 12

    Jetzt sind wir daran, also wir haben viel Wartezeit. Jetzt beim Gespräch hat sie gesagt:

    Ah, ihr seid jetzt in der Aufklärung. Jetzt könnten wir etwas machen.

    [01:05:04.600] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist eine faule Ausrede, wenn die Lehrerin sagt, es gibt keine Diagnose, darum
    muss ich nicht auf dieses Kind eingehen.

    [01:05:16.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Kind hat eine gewisse Persönlichkeit, und wenn sie merkt, das geht in die
    Richtung, von mir aus muss man es nicht mal abklären, aber sie muss mit dem anders
    umgehen.

    [01:05:27.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist genau gleich wie die ETH, die sagt, nach 2 Jahren muss man wieder die
    Diagnose erstellen.

    [01:05:33.580] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es wird jetzt viel abgeklärt, da wird sogar bestätigt, manchmal wird es auch nicht
    bestätigt.

    [01:05:40.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Im Einzelsetting kommt es häufig gar nicht raus.

    [01:05:44.670] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn das Kind sehr brav ist und angepasst an seinen Tester, dann ist die
    Aufmerksamkeit dann gut, aber in der Klasse ist die Aufmerksamkeit nicht vorhanden.

    [01:05:53.910] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich finde es so schade, dass man da immer sagt, muss abgeklärt werden, sonst glaube
    ich nicht, dass es ist.

    [01:06:02.350] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was ich da sage, ist: Die Welt hat sich auch schon gedreht, als der Mensch noch nicht

    bewiesen hat, dass sie sich dreht.

    [01:06:11.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der, der es bewiesen hat, der wurde quasi zum Tode verurteilt.

    [01:06:17.100] – Bemerkung 13

    Kommt das Thema jetzt mehr an der Schule, dass die jungen Lehrer, die nachkommen,
    vielleicht mehr auf das Thema sensibilisiert sind? Unsere Lehrperson ist älter.

    [01:06:31.860] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe zum Teil Kontakt mit Leuten, die an der PH arbeiten, und das Wissen über
    ADHS ist nicht sehr so groß.

    [01:06:45.880] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie haben vielleicht mal eine Lektion gehabt, aber zu wissen, was es ist, heißt nicht, ich
    weiß, wie man damit umgeht.

    [01:06:52.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Auch die Fachleute, also die die abklären und dann Medikamente verschreiben, die
    beraten die Eltern nicht. Und das ist ein Riesenproblem.

    [01:07:02.730] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich bin als Familientherapeutin ausgebildet und ich behandle kein einziges Kind, ohne
    dass ich nicht die Eltern berate.

    [01:07:12.050] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Medizin und die Psychiatrie ist immer noch sehr stark nur aufs Individuum, aufs
    Symptom, und die Symptombekämpfung ausgerichtet.

    [01:07:23.260] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir Menschen sind soziale Wesen, wir interagieren und man muss diese Interaktion

    anschauen.

    [01:07:29.610] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss die Erwachsenen, die verantwortlich sind für das Gen unterstützen und
    verstehen.

    [01:07:31.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das wird nicht gemacht.

    [01:07:39.370] – Bemerkung 14

    Darum helfe ich mir selber. Darum lese ich viel. Ich kommt nicht weiter. Es steht ASS im
    Raum.

    [01:07:54.890] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich stelle die Diagnose nicht über psychologische Tests.

    [01:08:01.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe eine Stunde, wo ich die Anamnese aufnehmen, 3 Generationen, und dann
    kann ich sehen, wie da überall Symptome vom ADHS auftauchen.

    [01:08:12.960] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann berate ich das Umfeld.

    [01:08:13.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Holen Sie sich Hilfe. Es gibt ADHS Coaches, es gibt immer mehr, und Sie können zu
    einem ADHS Coach gehen, ohne dass Sie die fixe Diagnose haben, denn die sind nicht
    so medizinisch programmiert.

    [01:08:36.000] – Bemerkung 15

    Ich möchte ganz kurz was sagen noch zur Diagnosestellung. Es ist leider so in dem

    Schulsystem, die Lehrer können vom Kanton her gar nicht anders. Sie brauchen eine
    Diagnose, um den Nachteilsausgleich überhaupt zu bekommen.

    [01:08:49.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich weiß.

    [01:08:50.120] – Bemerkung 15

    Die Lehrer, die cool sind, davon gibt es auch viele im Aargau, muss ich auch sagen, die
    schreiben auf ihre ADHS Kinder ein und können gut damit umgehen. Die Diagnose ist
    wichtig für bestimmte Dinge, wie zum Beispiel den Nachteilsausgleich.

    [01:09:05.260] – Bemerkung 16

    Es geht eben nicht nur um den Nachteilsausgleich.

    [01:09:07.630] – Bemerkung 16

    Sie könnten ihm doch einen Zettel geben, wo er malen kann, weil er hört ja trotzdem zu.
    Er lernt auch. Jetzt hat sie das gemacht, jetzt geht es.

    [01:09:23.590] – Bemerkung 16

    Warum geht's dann nicht vor einem Jahr? Da hat sie gesagt, er stört den Unterricht.
    Bewegen und darauf achten.

    [01:09:34.680] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sobald man mit Behörden zu tun hat, mit offiziellen Stellen und so weiter, dann braucht
    es die offizielle Diagnose.

    [01:09:46.060] – Dr.med. Ursula Davatz

    Selbst meine Diagnose, obwohl ich mich seit 46 Jahren damit befasse, wird dann oft
    nicht akzeptiert, weil ich nicht der Norm entspreche.

    [01:09:57.450] – Dr.med. Ursula Davatz

    Um einen ADHS Coach aufzusuchen, da braucht es keine Diagnose.

    [01:10:03.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gibt jetzt immer mehr Personen, die das anbieten.

    [01:10:08.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Daher würde ich einen ADHS Coach aufsuchen und mich beraten lassen.

    [01:10:14.900] – Dr.med. Ursula Davatz

    Schon nur das Diskutieren übers Problem bringt etwas, damit Sie nicht so alleine sind.

    [01:10:23.970] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie können mit anderen Menschen reden, sich austauschen ohne Diagnose.

    [01:10:29.880] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich sag ja: das ADHS ist gar keine Krankheit, es ist eine Neurodiversität, ein
    neurodiverses Genom.

    [01:10:40.220] – Bemerkung 17

    Eine Superkraft, sage ich immer. Er merkt Dinge, die ich nicht merke.

    [01:10:46.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Für die Beratung brauchen sie keine Diagnose, wenn sie Geld wollen und so weiter,
    dann braucht man eine.

    [01:10:58.610] – Bemerkung 18

    Vielleicht liegt es auch am Prinzip Leistungsgesellschaft und die Schule immer dazu,
    kompetente zukünftige Arbeitnehmer:innen produzieren muss. Wenn man dort vielleicht
    die Funktion Selektion abschafft. Vielleicht, ist die ganze Gesellschaft ja irgendwo eine
    Zumutung.

    [01:11:28.090] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja, die Schule hat die Aufgabe, Strukturerhaltend zu sein.

    [01:11:38.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das heißt, unsere Gesellschaft, wie sie besteht, zu bewahren.

    [01:11:43.010] – Dr.med. Ursula Davatz

    Gleichzeitig entwickeln sich die Kinder weiter, die Zeit entwickelt sich weiter, und von
    dort her würde ich sagen, alles, was man in der Schule so lernt, Inhalt, kann man alles
    im Internet holen.

    [01:11:59.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Von dort her hat die Schule viel mehr die Aufgabe, die Persönlichkeit zu fördern, die
    Neugier zu unterstützen, die eigenen, die individuellen Lernmethoden zu fördern, dass
    sich die Kinder das holen.

    [01:12:19.630] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist viel mehr die Neugier und das Sich-Holen und natürlich eine gewisse Disziplin.

    [01:12:25.930] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nicht von da nach dort und ständig alles durcheinander, sondern bei etwas bleiben.

    [01:12:30.970] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da habe ich in letzter Zeit ein neues Wort für mich entwickelt.

    [01:12:35.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich sage: die ADHSler müssen ihren eigenen Entscheidungsbaum entwickeln.

    [01:12:45.670] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie müssen sagen, ich interessiere mich für das, und drum hole ich nur Inhalte rein, die
    an diesen Entscheidungsbaum gut passen.

    [01:12:56.400] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jetzt wird vom Internet entschieden, friss noch das, nimm noch das.

    [01:13:01.010] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich bekomme ständig: Wollen Sie nicht auch das? Nein, ich will das alles nicht. Ich will
    nur das, was mich interessiert.

    [01:13:07.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist noch schwierig, wenn man ständig abgelenkt wird von neuen Themen.

    [01:13:13.590] – Dr.med. Ursula Davatz

    Du könntest auch das haben. Es gibt so viel.

    [01:13:16.570] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie müssen einen persönlichen Entscheidungsbaum entwickeln. Das wäre so wie der
    eigene Christbaum. Den können Sie dann beschmücken mit verschiedenen Dingen.

    [01:13:29.130] – Bemerkung 19

    Das müssen wir alle lernen.

    [01:13:29.370] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das gilt nicht nur für die ADHS Kinder.

    [01:13:40.860] – Bemerkung 20

    Für die Schule muss man sagen, es braucht Diagnosen, damit die Lehrpersonen mehr
    Hilfen bekommen. Mehr Assistenz. Auch in diesen heterogenen Klassen, und das ist
    das Bedauerliche, dass pädagogische Massnahmen, dass man das nicht ohne
    Diagnosen nutzen kann. Es ist natürlich klar, die Kostendiskussion, wie viele
    Sonderschulen man haben soll, wie viele integrierte Sonderschulen etc.

    [01:14:14.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja, ich weiss, um extra Personal, extra Geld zu bekommen, braucht es die sogenannte
    "Diagnose".

    [01:14:23.430] – Dr.med. Ursula Davatz

    Um Beratung zu erhalten, für sich als Eltern braucht es die nicht.

    [01:14:29.240] – Dr.med. Ursula Davatz

    Vielleicht kann vieles gelöst werden mit der Beratung der Eltern.

    [01:14:36.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn in der Schule was passieren muss, ja, wenn es zusätzliches Personal braucht.

    [01:14:42.310] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Lehrer können auch ohne zusätzliches Personal, können sie sich mehr Know-how
    holen, wie gehe ich mit ADHS um?

    [01:14:53.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es geht nicht immer nur um Geld, es geht um Sachverstand und Flexibilität.

    [01:14:59.890] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da plädiere ich dafür, ja, dass die Lehrer dann etwas anders ausgebildet werden.

    [01:15:07.710] – Bemerkung 21

    Ich denke, die Lehrer tun heute schon sehr viel. Ich denke, Sie stehen auch vor sehr
    heterogenen Klassen, mit Kindern, mit Geschichten, die sie da reinbringen von zu
    Hause, mit vielen Dingen, die nichts zu tun haben eigentlich mit der eigentlichen
    Schule. Wenn man daran denkt, wenn die Kinder mit vier Jahren in den Kindergarten
    eintreten, haben die schon ein völlig unterschiedliches Leben hinter sich,
    unterschiedliche Vernetzungen im Gehirn, um dann mit den Anforderungen umgehen zu
    können. Das ist sehr eindrücklich. Ich denke, auch die Erwartungen, wo die
    Lehrpersonen drunter stehen, das sind die Eltern, es gibt verschiedene Eltern. Das das

    gibt natürlich auch Zielkonflikte. Man kann die Schule nicht mehr so führen, wie als ich

    zur Schule ging. Da waren wir noch 53 Schüler in der ersten Klasse und da wurde
    militärisch dirigiert. Das geht nicht mehr.

    [01:16:13.960] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja, die Lehrer haben es nicht leicht. Es ist eine anstrengende Aufgabe.

    [01:16:19.230] – Dr.med. Ursula Davatz

    Von mir aus dürften sie auch besser bezahlt werden. Ich will einfach am Anfang
    ansetzen. Es ist meine Idee der Prävention. Das ist mein Credo.

    Der Beitrag ADHS ist keine Mode. Gene werden vererbt. erschien zuerst auf AD(H)D and Schizophrenia.

    1 hr 17 min
  • Zentrum menschlicher Gefühle Teil 2

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    Transkript

    Dr.med. Ursula Davatz

    4.6.2026

    Zentrum menschlicher Gefühle Teil 2
    Audio

    [00:00:01.580] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was ist die Rolle der Lehrperson heutzutage?

    [00:00:06.040] – Dr.med. Ursula Davatz

    Früher ist die Schule von den Kirchen beherrscht worden.

    [00:00:12.420] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die ersten Schulen sind Klosterschulen gewesen.

    [00:00:15.680] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Wissen ist von diesen Leuten weiter gegeben worden.

    [00:00:19.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die religiösen Leute, die konnten schreiben und lesen und der Martin Luther hat sich
    dann gewehrt gegen den Katholizismus und ich zitiere Martin Luther, wenn ich in einer
    schwierigen Situation bin und sage, die Leute dürfen sagen: Hier stehe ich und kann
    nicht anders.

    [00:00:40.020] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn wir schon einen Lehrplan haben und dass der Lehrplan erfüllt werden soll, dann
    sage ich: Nein, sie haben eine menschliche Erfüllung, also einen Auftrag und sie dürfen
    sagen, das, was wir vorher auch schon gehabt haben: Ich schmeisse den Lehrplan über
    den Haufen. Das Kind zählt mehr und die Entwicklung vom Kind zählt mehr.

    [00:01:01.580] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das kann man nur machen, wenn man selber dahinter steht und sich getraut, Aufmüpfig
    gegenüber vom Lehrplan zu sein.

    [00:01:11.310] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich bringe immer das Beispiel von Allan Guggenbühl.

    [00:01:24.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gab eine Klasse gehabt, die überhaupt nicht mehr führbar war.

    [00:01:45.020] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann hat man einen alten pensionierten Lehrer gefragt, ob der die Klasse übernehmen
    würde.

    [00:01:52.130] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man ist so verzweifelt gewesen.

    [00:01:54.800] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann hat er gesagt: Ja, ich übernehme sie, wenn ihr mir überhaupt nicht dreinredet.

    [00:01:59.010] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich darf machen, was ich für richtig finde.

    [00:02:03.240] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er ist in die Schule gegangen.

    [00:02:04.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    Am ersten Tag hat er eine Zeitung genommen und hat einfach Zeitung gelesen.

    [00:02:12.040] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Kinder haben alles aus dem Fenster rausgeschmissen, Riesenkrach, ein grosses
    Durcheinander.

    [00:02:15.250] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er hat nichts gemacht.

    [00:02:15.690] – Dr.med. Ursula Davatz

    Am zweiten Tag ist er wieder gegangen und hat ein Buch gelesen.

    [00:02:23.300] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er hat sich selber in Anwesenheit von den Kindern mit etwas beschäftigt.

    [00:02:28.380] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann haben die Kinder wieder ganz viel Unsinn gemacht.

    [00:02:31.860] – Dr.med. Ursula Davatz

    Am dritten Tag, als er gekommen ist, hat einer von den Schülern gesagt: Wann
    beginnen wir mit dem Unterricht?

    [00:02:40.300] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist jetzt genau das Gegenteil von: sie schlagen den Gong und jetzt rede nur noch
    ich.

    [00:02:46.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie überlassen den Sauhaufen sich selber, sie machen gar nichts, sind aber anwesend
    und halten die Ohnmacht aus, dass sie nichts tun können.

    [00:02:46.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann kommt von aussen her Strukturierung.

    [00:03:02.430] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe mich viel mit Soziobiologie beschäftigt.

    [00:03:12.110] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe geschaut, wie man das Sozialverhalten bei den Tieren erforscht.

    [00:03:18.860] – Dr.med. Ursula Davatz

    Einer von meinen Lieblingsautoren ist der Frans De Waal.

    [00:03:21.770] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://de.wikipedia.org/wiki/Frans_de_Waal

    [00:03:21.770] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist ein holländischer Affenforscher gewesen, also Primatenforscher, ist später in die
    USA gereist an die Princeton Universität und hat dort an psychologischen Fakultät
    unterrichtet.

    [00:03:39.020] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sein erstes Buch heisst: die wilden Diplomaten.

    [00:03:39.305] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://www.amazon.de/Wilde-Diplomaten-Vers%C3%B6hnung-Entspannungspolitik-Menschen/dp/3446160035

    [00:03:39.530] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das letzte Buch: „Bonobo oder der Atheist".

    [00:03:53.375] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://www.orellfuessli.ch/shop/home/artikeldetails/A1032424001

    [00:03:54.500] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir Menschen gehören zu den sozialen Spezies.

    [00:03:59.020] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das heisst, wir haben soziale Gene. Das ist nicht ein Gen. Wir sind selektioniert. Wir

    überleben nicht als Einzelwesen wie der Bär und mit seinen Kindern alleine umher
    zieht.

    [00:04:11.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir sind soziale Wesen.

    [00:04:13.500] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir haben eine soziale Veranlagung.

    [00:04:16.890] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir müssen nicht in die Sonntagsschule gehen, in einen religiösen Unterricht, um
    Sozialverhalten zu lernen.

    [00:04:25.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir wollen uns natürlicherweise sozial Verhalten.

    [00:04:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Sozialverhalten kann ein bisschen zerstört werden, wenn lauter so einzelne
    Figuren sich hochstilisieren.

    [00:04:38.910] – Dr.med. Ursula Davatz

    Darum habe ich vorhin gesagt, zu Ihnen auch, Sie haben den Auftrag, nicht nur das
    Individuum zu fördern, Sie haben auch der Auftrag, sozial zu fördern.

    [00:04:48.240] – Dr.med. Ursula Davatz

    Früher hat das die Kirche gemacht.

    [00:04:51.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die hat den Sozialkontakt und Sozialverhalten; das Sozial-Anpassungsverhalten hat zur
    Religion gehören.

    [00:05:01.460] – Dr.med. Ursula Davatz

    Heute haben wir nicht mehr so viele Kirchengänger.

    [00:05:04.100] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich bin noch reformiert erzogen, aber ich gehe nicht in die Kirche.

    [00:05:08.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Schule hat heute mehr den Auftrag, das Sozialverhalten zu vermitteln, ohne
    religiösen Touch, sondern einfach Sozialverhalten.

    [00:05:21.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die schlimmsten Kämpfe sind unter den Religionen.

    [00:05:29.270] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn eine Religion meint, sie hätten das richtige Verhalten und alle, die sich anders
    verhalten, das sind Heiden; die muss man zerstören.

    [00:05:39.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    Beim Dschihadismus geht es so weit, dass man die zerstören muss.

    [00:05:46.260] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man die getötet hat, dann ist man erfolgreich.

    [00:05:48.600] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist eigentlich das Clanverhalten.

    [00:05:51.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man will seinen eigenen Clan vermehren.

    [00:05:57.320] – Dr.med. Ursula Davatz

    In Deutschland gab es eine Regel: lex prima noctis.

    [00:06:02.610] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das heisst, der Fürst von der Region durfte Jungfrauen befruchten.

    [00:06:08.300] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann sind alle mit im verwandt gewesen und man hat gedacht, wenn man dann
    verwandt ist, dann können die nicht gegen einem vorgehen.

    [00:06:15.960] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man hat eigentlich sein Heer gezüchtet, seine Herde gezüchtet.

    [00:06:21.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Osama Bin Laden war auch einer von vielen Kindern.

    [00:06:23.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Clanverhalten wollen wir nicht mehr.

    [00:06:23.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir wollen das Sozialverhalten, welches in den sozialen Genen im Menschen
    drinsteckt, dass müssen wir fördern.

    [00:06:41.110] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das sieht man jetzt auch in der Politik.

    [00:06:43.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn jeder nur seine eigene Region oder sein eigenes Land züchten will, haben wir
    Streit und geben unglaublich viel Geld aus, um miteinander zu streiten.

    [00:06:54.710] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie als Lehrer, sie müssen nicht mehr religiös sein, sie dürfen, aber in der Schule geht

    es nicht darum, dass sie eine Religion verbreiten, sondern dass sie das Sozialverhalten
    fördern.

    [00:07:07.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich denke, das ist etwas sehr Wichtiges und es geht zur Zeit ein bisschen verloren.

    [00:07:10.680] – Dr.med. Ursula Davatz

    Gerade in unserer Gesellschaft, wo es so individualistisch ist, geht das Sozialverhalten
    ein bisschen verloren.

    [00:07:17.260] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das sieht man der Politik.

    [00:07:20.100] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich sage, sie sind Zukunftsschmiede, indem sie Kinder aufziehen, die Sozialverhalten
    mit unterschiedlichen Meinungen zulassen und dennoch sozial miteinander auf den
    sozialen Nenner kommen.

    [00:07:35.240] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann haben sie ganz viel getan für unsere Zukunft, für die Jugend der Zukunft.

    [00:07:42.380] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist mein Kredo.

    [00:07:46.460] – Dr.med. Ursula Davatz

    ADHS-Kinder, die spüren sofort ob man eine natürliche Autorität hat oder ob die
    aufgesetzt ist.

    [00:07:58.420] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es kommt drauf an, wie man halt aufgewachsen ist.

    [00:08:04.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man in einem autoritären System aufgewachsen ist, noch mit Patriarchat, wenn
    man ein Sohn ist, dann hat man dann vielleicht eine natürliche patriarchale Autorität.

    [00:08:16.320] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man als Frau im patriarchalen Familiensystem aufgewachsen ist, dann muss man
    sich ein bisschen gegen die durchsetzen.

    [00:08:46.340] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss lernen für sich einzustehen.

    [00:08:46.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nicht, indem man gegen das Patriarchat kämpft, sondern indem man für sich einsteht.

    [00:09:11.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir haben hier alles Frauen. Sie müssen ihre Schüler sozialisieren.

    [00:09:19.420] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie müssen natürlich auch die Männer sozialisieren können.

    [00:09:25.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Mann und Frau haben ein bisschen unterschiedliche Rollen.

    [00:09:30.380] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn ich bei Elterngruppen Weiterbildung gemacht habe und die haben erzählt von
    ihren Knaben, die aggressiv waren.

    [00:09:38.020] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann musste ich oft sagen: Er ist ein Knabe. Sie dürfen aus Ihrem Knaben nicht ein
    Mädchen machen wollen.

    [00:09:45.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jetzt mache ich einen Witz über mich selber.

    [00:09:51.240] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich bin unter vier Mädchen aufgewachsen. Ich bin die Dritte.

    [00:09:58.200] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich bin zum Teil von einer Grossmutter sozialisiert worden.

    [00:10:01.340] – Dr.med. Ursula Davatz

    Weil ich natürlich mehr gewohnt war, mit Mädchen umzugehen, habe ich dann an
    meinem 25. Hochzeitsjubiläum gesagt: ich habe 25 Jahre lang probiert, aus meinem
    Mann eine Frau zu machen.

    [00:10:14.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das heisst, dass er ach so verständnisvoll ist, auch so gefühlsvoll, weiss ich nicht was.

    [00:10:21.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe erwartet, er müsste doch auf das reagieren.

    [00:10:25.460] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe jetzt aber gemerkt, das ist eine dumme Idee.

    [00:10:28.820] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich muss ihn Mann sein lassen und ich bin Frau.

    [00:10:29.730] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er muss mich nicht immer verstehen.

    [00:10:34.340] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich muss für mich hinstehen.

    [00:10:36.210] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das sage ich allen, das sage ich allen erwachsenen Menschen, Mann oder Frau, die
    mit ihren Eltern irgendwie krachen und die sich nicht verstanden fühlen von den Eltern.

    [00:10:51.680] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie müssen nicht verstanden werden von ihren Eltern.

    [00:10:55.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ein kleines Kind muss verstanden werden von seinen Eltern.

    [00:10:58.260] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man erwachsen ist, kann man nicht mehr verstanden werden. Dann muss man
    für sich hinstehen.

    [00:11:02.810] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das müssen sie in der Ehe, in der Schule und das müssen sie in der Politik tun.

    [00:11:08.560] – Dr.med. Ursula Davatz

    Für sich und seine Werte hinstehen.

    [00:11:14.800] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir haben so viele Ausländer.

    [00:11:19.100] – Dr.med. Ursula Davatz

    Mit der neuen Abstimmung läuft wieder: man muss die alle draussen behalten. Ich
    stimme: Nein, aber wir müssen die Ausländer besser integrieren.

    [00:11:47.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe fünf Jahre in den USA gelebt.

    [00:11:48.017] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dort gibt es nur Immigranten. Das und das sind die Regeln und so wollen wir es.

    [00:11:48.080] – Dr.med. Ursula Davatz

    Allen Lehrpersonen kann ich sagen, sie dürfen, sie müssen auch unsere
    demokratischen, Schweizerische Wert vor Albaner-Kindern deklarieren.

    [00:12:12.400] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das heisst nicht, dass dann ihre Eltern das gerade auch so machen.

    [00:12:19.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da kommt man halt in diese Situation rein, dass man dem Kind von einer Albanischen
    Kultur sagt: Da, bei uns in der Schweiz läuft es so, bei mir in meinem Klassenzimmer
    läuft es so und ich will das so.

    [00:12:33.540] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was du daheim machst, ist deine Sache oder deinem Vater seine Sache.

    [00:12:38.340] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie müssen diese Schweizerische, demokratische, individualistische Kultur, müssen sie
    vertreten und nicht einfach nur annehmen: das weiss man doch einfach. Da folgt man
    einfach.

    [00:12:52.380] – Dr.med. Ursula Davatz

    Davon machen wir zu wenig.

    [00:12:52.820] – Dr.med. Ursula Davatz

    Einerseits Multikulti als etwas Tolles und Interessantes, aber man tut zu wenig klar,
    heraus bilden, klar benennen, klar aufzeichnen.

    [00:13:13.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das heisst nicht, dass man immer der gleichen Meinung ist, aber sie als Lehrer, als

    Lehrperson, haben die Autorität.

    [00:13:21.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was Kinder und was wir alle lernen müssen, ist, Unterschiede wahrnehmen, für den
    eigenen Unterschied einstehen, also für die eigene Haltung einstehen und die andere
    Haltung auch erkennen.

    [00:13:32.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die andere Wertvorstellung auch respektieren.

    [00:13:40.360] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da verwende ich das Konzept von Jean Piaget.

    [00:13:43.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Piaget

    [00:13:44.060] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der sagt: In der Pubertät lernt man dezentrieren.

    [00:13:49.250] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dezentrieren heisst, als Kind ist man absolut egoistisch. Man schaut die ganze Welt
    egoistisch an.

    [00:14:01.720] – Dr.med. Ursula Davatz

    In der Pubertät, wenn man seine Persönlichkeit entwickelt, bildet man seine eigene
    Meinung und man beginnt zu sehen, was der andere denkt.

    [00:14:13.400] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man kann sagen: Ich kann deine Überlegung nachvollziehen. Ich bin zwar nicht
    einverstanden. Ich lebe für mich eine andere Moral, aber ich kann es nachvollziehen.

    [00:14:29.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Den anderen und seine Gedankenwelt nachvollziehen, ist dezentrieren.

    [00:14:37.680] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das wäre natürlich dann auch für die eine der Religion zur anderen dezentrieren.

    [00:14:42.660] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir haben viele integrierte jüdische Familie. Ich habe mit sehr vielen jüdischen Familien
    Therapien gemacht.

    [00:14:50.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe nicht alles akzeptieren müssen, aber ich kann mit denen arbeiten.

    [00:14:55.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe denen ihre Moralvorstellungen absolut respektiert. Ich denke, man ist viel zu
    fest auf dieser Haltung, der andere muss es gleich sehen.

    [00:15:08.130] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich wollte aus meinem Mann eine Frau machen.

    [00:15:11.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss wirklich zu seiner Meinung stehen und darum sage ich, man muss selber
    überzeugt sein, man muss nicht den anderen überzeugen.

    [00:15:20.240] – Dr.med. Ursula Davatz

    Kein Missionieren.

    [00:15:23.320] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bei den Kindern, wo sie die Autoritätsperson sind, da sagen sie: Ich will es in dem
    Raum so. Das ist absolut in Ordnung.

    [00:15:31.720] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn es zu Hause anders läuft, ist es anders.

    [00:15:34.320] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe Familie erlebt, türkische Familie.

    [00:15:39.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da hat der Vater die Tochter geschlagen.

    [00:15:42.060] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann wollte eine Lehrerin dem Kind helfen, hat das Kind ins Schlupfhaus nach Zürich
    geschickt und der türkische Vater, der hat natürlich eine riesige Wut gehabt und ich
    habe ihn dann in einer Sitzung gehabt und der hätte am liebsten die Lehrerin
    umgebracht.

    [00:16:03.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die ist gegen seine Autorität vorgegangen, gegen seine Überzeugung.

    [00:16:10.500] – Dr.med. Ursula Davatz

    In Winterthur ist der Lehrer umgebracht worden, weil man nicht Rücksicht genommen
    hat auf die verschiedenen Richtungen.

    [00:16:21.160] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich denke, in einem Land mit so vielen unterschiedlichen Kulturen, muss man die ein
    bisschen kennen; man darf auch für seine einstehen, aber nicht missionieren.

    [00:16:31.170] – Dr.med. Ursula Davatz

    Im Klassenzimmer schon, nicht ausserhalb.

    [00:16:34.900] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das andere darf nicht als falsch angeschaut werden.

    [00:16:38.580] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist ganz wichtig, dass man Menschen anzieht, Menschen erzieht zu einer gewissen
    Toleranz, aber dennoch in einem Fokus, eine eigene Ausrichtung, eine eigene
    moralische Ausrichtung eine eigene ethische Ausrichtung, geschmackliche und so
    weiter.

    [00:17:03.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir müssen beides.

    [00:17:06.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da sind sie natürlich am Anfang, weil sie bei der Erziehung ganz, ganz wichtig sind und
    da können sie ganz einen wichtigsten Grundstein setzen.

    [00:17:24.220] – Bemerkung 1

    Was ist wenn Eltern verweigern, dass die Kinder zu mir kommen? Wenn Eltern als
    Autorität das bestimmen wollen?

    [00:17:42.300] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da suche ich dann die nächste, höchste Autoritätsperson im Schulsystem.

    [00:17:50.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das wäre jetzt wahrscheinlich der Schulleiter.

    [00:17:53.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann würde ich dem Schulleiter sagen: ich habe so einen Fall mal gehabt, wo Kinder
    nicht mit durften auf die Schulreise.

    [00:18:04.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da habe ich den Hausarzt verwendet als Autorität und der hat das gemacht und der hat
    das der Familie gesagt und da haben die Kinder mitgehen dürfen.

    [00:18:12.720] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da müsste der Schulleiter als Autorität eingreifen, müsste die Eltern einladen, er müsste
    das Gespräch führen, er müsste sagen: Ihr habt da eure Vorstellung und ich sehe, ihr
    habt Angst, dass da irgendwas falsches passiert, ihr seit aber in die Schweiz
    gekommen, um Euren Kindern eine grössere Chance zu geben. Wir haben da
    Möglichkeiten, ihr Kind zu fördern und da bei uns und unter meiner Führung, will ich
    das.

    [00:18:43.460] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er muss sich durchsetzen bei den Eltern, als Autorität.

    [00:18:56.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sonst kann ich ihr Kind nicht adäquat beschulen.

    [00:19:00.510] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das geht gegen meine Ethik.

    [00:19:02.880] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er muss seine Ethik in die Waagschale werfen und Augenkontakt haben und schauen
    und sagen: können sie das nachvollziehen?

    [00:19:20.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ein türkischer Psychiater in Basel sagt: man muss den kleinsten gemeinsamen Nenner
    finden.

    [00:19:31.320] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da muss man sagen: Sie wollen doch das Beste für ihre Kinder. Ich will auch das Beste
    für ihre Kinder. Da müssen wir uns einigen, damit ihre Kinder das Beste haben in der
    Schweiz, in der Schule, braucht es diese Unterstützung.

    [00:19:45.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir haben den Luxus, dass wir diese Unterstützung haben.

    [00:19:49.600] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir wollen nicht das Kind von ihnen abtrünnig machen oder eine andere Religion
    vermitteln.

    [00:19:50.830] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir wollen das Kind nur in die beste Chance bringen.

    [00:19:59.800] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn der Schulleiter Autorität hat, dann denke ich, gibt der Vater nach.

    [00:20:07.260] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er muss es machen. HInschauen, Augenkontakt.

    [00:20:15.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    Haben Sie einen Schulleiter, der das machen würde?

    [00:20:21.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    Würden Sie so etwas machen?

    [00:20:23.740] – Bemerkung 2

    Klar.

    [00:20:24.460] – Dr.med. Ursula Davatz

    Eben, ist gut.

    [00:20:28.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie haben die Erfahrung aus der Wirtschaft.

    [00:20:30.660] – Dr.med. Ursula Davatz

    Daher sind Sie mit vielen Wassern gewaschen, um es dem Vater zu sagen.

    [00:20:37.100] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss immer nach der Kultur gehen.

    [00:20:43.210] – Dr.med. Ursula Davatz

    Eine Frau kann es nicht dem Mann sagen, aber ein Mann kann es sagen.

    [00:20:50.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe in einer albanischen Familie als Ärztin meine Autorität verwenden können.
    Man hat es viel leichter, wenn man ein Mann ist.

    [00:20:56.930] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das sind alles soziale Kompetenzen.

    [00:21:12.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Medizin und Psychiatrie auch, die machen nur am Kind herum und nehmen das
    System überhaupt nicht wahr.

    [00:21:24.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich bin als Familientherapeutin ausgebildet worden von einem der berühmten
    Familientherapeuten in der Anfangsphase der Familientherapie, Murray Bowen.

    [00:21:33.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://de.wikipedia.org/wiki/Murray_Bowen

    [00:21:33.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da schaut man immer die Situation an, das ganze System, und schafft mit dem System,
    schafft mit dem, was wichtig ist.

    [00:22:02.880] – Dr.med. Ursula Davatz

    Unser Schulsystem, ich bin jahrelang Mitglied gewesen von der Nord-

    Ostschweizerischen Strafvollzugskommission.

    [00:22:13.880] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das war damals noch in der Zeit der Drogenpolitik, der öffentlichen Drogenpolitik.

    [00:22:23.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe mich natürlich immer auch mit dem Strafsystem befasst.

    [00:22:27.880] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Strafsystem schafft als Erziehungsmethode mit Bestrafung und Belohnung.

    [00:22:34.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich erlebe zu viele Schulsysteme, die noch mit Bestrafung und Belohnung arbeiten.

    [00:22:38.910] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bei ADHS-Kinder geht das überhaupt nicht.

    [00:22:44.860] – Dr.med. Ursula Davatz

    Als extremer Satz sage ich: Man kann sie Tod schlagen und sie folgen immer noch
    nicht.

    [00:22:52.680] – Dr.med. Ursula Davatz

    Mit dem will ich sagen: Strafen bringt nichts.

    [00:22:55.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da kommt man in den Machtkampf rein.

    [00:22:58.040] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss sie führen.

    [00:22:59.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Damit man sie führen kann, muss man eine Beziehung herstellen und dann sagen: ich
    will es so.

    [00:23:01.320] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Bücher von Jesper Juul eignen sich ideal für die Erziehung von ADHS Kindern.

    [00:23:10.370] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jesper Juul sagt, wir dürfen dem Kind nicht sagen: Du musst, du sollst, mach endlich,
    sondern ich will.

    [00:23:34.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich, als deine Mutter, deine Lehrerin, will, dass du das lernst und nicht: Mach jetzt
    endlich.

    [00:23:43.860] – Dr.med. Ursula Davatz

    Seine Persönlichkeit einsetzen und sagen: Ich will.

    [00:23:48.960] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das funktioniert auch bei den ADHS-Kinder gut.

    [00:23:53.280] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es funktioniert bei allen Kindern gut, aber bei den ADHS Kindern funktioniert nur das.

    [00:23:59.360] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn ich sage, sie müssen intrinsisch motiviert sein. Sie können nicht gehorchen. Sie
    können einem nur nach folgen.

    [00:24:10.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn Sie einem anerkennen als Autorität und man sagt: Ich will, dass Du das lernen,
    das ist wichtig aus diesem Grund.

    [00:24:17.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nicht allzu viele Gründe sagen, das verwirrt wieder.

    [00:24:21.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man eine Beziehung hat, dann geht das.

    [00:24:24.680] – Dr.med. Ursula Davatz

    Häufig kommt der Gehorsam erst so zwei Minuten später.

    [00:24:30.200] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe einen kleinen Zappelphilipp.

    [00:24:33.750] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er hat im Wartezimmer etwas genommen.

    [00:24:43.340] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Mutter hat gesagt: Tu das wieder zurück und dann immer noch mal wiederholt und
    wiederholt und das bringt natürlich nichts.

    [00:24:48.570] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe dann gesagt: Tu das wieder zurück ins Wartezimmer und habe nichts
    gemacht.

    [00:24:48.756] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er hat es zurück gelegt.

    [00:24:48.886] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man darf ihnen nicht das Genick runter blasen.

    [00:24:48.900] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss an seine eigene Autorität glauben, überzeugt sein, dass man sich

    durchsetzen kann.

    [00:25:09.680] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man kann es natürlich nur dann, wenn man denkt: Ich kann das und wenn man auch an
    sich glaubt.

    [00:25:15.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss eine mentale Vorbereitung machen innerlich.

    [00:25:19.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich setze mich jetzt da durch.

    [00:25:21.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die ist genau gleich wie beim Tier.

    [00:25:24.420] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn ein Pferd Angst hat, in einen Wagen zu gehen, oder über eine Brücke zu gehen
    wegen einem Stück Papier, muss man absteigen und dann führen.

    [00:25:35.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    In den Wagen führen muss der, welcher die beste Beziehung zu dem Pferd hat und
    überzeugt ist, dass er es kann.

    [00:25:41.350] – Dr.med. Ursula Davatz

    Diejenigen, welche zögern, bringen es nicht hin.

    [00:25:41.890] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man hat da auch Untersuchungen gemacht, man hat Leitfiguren auf eine Weide gestellt
    und die natürlichen Autoritäten, denen haben die Pferde gefolgt.

    [00:25:58.500] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die, die nur eine aufgesetzte Autorität hatten, denen haben die Pferde nicht gefolgt.

    [00:26:00.090] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie müssen sich den ADHS Kindern gegenüber eine natürliche Autorität erarbeiten.

    [00:26:10.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das könne alle.

    [00:26:13.400] – Bemerkung 3

    Für mich ist auch noch eine Option, dass ich sagen kann, du kannst das oder das
    machen, aber mit der Bestimmtheit, ich möchte, dass es eins von denen ist. So kann
    ich das Kind noch mehr abholen.

    [00:26:24.460] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja, sehr gut.

    [00:26:25.430] – Dr.med. Ursula Davatz

    Indem sie dem ADHS Kind die Wahl lassen, du kannst das oder das machen, aber eins
    von beiden musst du wählen.

    [00:26:38.089] – Dr.med. Ursula Davatz

    So kann das Kind selber bestimmen.

    [00:26:41.960] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie müssen intrinsisch motiviert sein und wenn sie dann bestimmen können, dann
    haben sie bestimmt.

    [00:26:49.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann funktioniert es besser.

    [00:26:51.560] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist absolut eine gute Regel.

    [00:26:58.320] – Dr.med. Ursula Davatz

    Mit der Bestrafung, jemand hat 40 Fehler gemacht im Aufsatz und wurde vor der Klasse
    beschämt. Der ist nie mehr in einen Schulunterricht gegangen.

    [00:27:09.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Beschämung dürfen wir nur verwenden, wenn es um Leben und Tod geht.

    [00:27:22.540] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Eskimo-Kinder müssen lernen, im Frühling, wenn das Eis brüchig wird, nicht mehr
    auf das Eis zu gehen.

    [00:27:33.460] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn dann das Kind auf das Eis geht, dann wird es von der ganzen Gruppe hin gestellt
    und beschämt.

    [00:27:40.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Beschämung löst Aversionsverhalten aus, also Ausweichverhalten.

    [00:27:46.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn wir als Erziehungsfigur mit Beschämung arbeiten, tun wir die Möglichkeiten vom
    Kind nur einschränken, also verminderen, daher keine gute Idee.

    [00:27:58.517] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es wird trotzdem noch gemacht.

    [00:27:58.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Bestrafung bei den ADHS Kindern führt dazu, sie können es noch nicht so gut,
    wenn dann Schüler sagen: Ja, aber warum diese Ausnahmen?

    [00:28:10.420] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann habe ich die Haltung: Du kannst es schon, der kann es noch nicht. Der muss das
    noch lernen.

    [00:28:21.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist nicht in Ordnung, jemanden zu bestrafen, der es einfach noch nicht kann.

    [00:28:27.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das hört von vielen Erwachsenen ADHS Kindern, ich bin mir immer schlecht
    vorgekommen, dumm, konnte es nicht, ich bin ausgeschlossen gewesen.

    [00:28:38.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das tut dann das Selbstwertgefühl und die Selbstwirksamkeit von diesen Kindern total
    zerstören.

    [00:28:48.400] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das will ich natürlich nicht.

    [00:28:50.240] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich bin für die Prävention.

    [00:28:52.820] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss für diese Kinder einstehen, das heisst nicht, dass die ganze Kasse immer
    darunter leiden muss.

    [00:29:09.400] – Dr.med. Ursula Davatz

    In der heutigen Zeit von der KI, wo alles Intellektuelle runtergeladen und angeschaut
    werden kann, ist die Persönlichkeitsförderung und die Gestaltung vom Kollektiv, also die
    Zusammenarbeit, ist das Allerwichtigste.

    [00:29:31.460] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da sind sie wichtiger als die KI, auch wenn die KI so hochgejubelt wird.

    [00:29:31.720] – Dr.med. Ursula Davatz

    Daher sollten sie auch einen höheren Lohnen bekommen, aber es lohnt sich eben nicht
    den auszuzahlen.

    [00:29:38.080] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Persönlichkeitsentwicklung ist etwas vom wichtigsten von ihren Aufgaben.

    [00:29:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Noch etwas zu der Pubertät.

    [00:29:47.900] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die meisten psychiatrischen Krankheiten treten auf in der Pubertät von 12. bis 25.
    Lebensjahr.

    [00:29:58.040] – Dr.med. Ursula Davatz

    In der Pubertät passiert etwas mit dem Gehirn.

    [00:30:01.560] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man nennt das Synaptic Pruning.

    [00:30:04.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das heisst, ich habe vorhin schon mal gesagt, das Hirn hat ganz viele Schaltstellen und
    wir sind mit ganz vielen Möglichkeiten bestückt.

    [00:30:16.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    In der Pubertät werden einige Schaltstellen gekappt.

    [00:30:20.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das heisst, es werden Verbindungswege gekappt und dafür Autobahnen angelegt, d.h.

    grössere Bahnen, die dann schneller laufen, automatisch laufen.

    [00:30:37.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man in der Pubertät das Kind nicht seine Persönlichkeit entwickeln lässt, dann
    weiss es nicht, wer es ist, dann ist es immer am Suchen und hat nie seinen Fokus.

    [00:30:52.600] – Dr.med. Ursula Davatz

    ADHSler haben eine breite Aufmerksamkeit und finden nie ihren persönlichen Fokus,
    wenn man sie nicht machen lässt.

    [00:30:52.960] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das äusserst sich darin, dass sie früher dement werden. Sie werden früher dement,
    wenn sie ihren Fokus nicht finden.

    [00:31:23.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sterben tun Frauen zehn Jahre früher und Männer sieben Jahre früher.

    [00:31:28.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn die ADHS-Menschen, die halt sensibler sind, mehr stressempfindlich sind, dann
    immer ständig unter Stress sind, wirkt sich das aus auf ihre Gesundheit.

    [00:31:45.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Hier sind die Frauen gefährdeter, anders als beim Herzinfarkt, wo die Männer früher
    sterben, an solchen Krankheiten.

    [00:31:56.020] – Dr.med. Ursula Davatz

    Frauen sind ohnehin multitasking, als Mutter von Kindern und Haushalt und so weiter.

    [00:32:05.820] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn die nicht ihren Fokus haben, dann denke ich, stressen sie sich so viel, dass sie
    den Körper überbelasten und dann auch früher sterben.

    [00:32:18.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Muss aber nicht sein.

    [00:32:19.900] – Dr.med. Ursula Davatz

    Darum ist es so wichtig, dass man als Frau halt auch seinen Fokus findet.

    [00:32:25.340] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nicht gegen etwas, sondern für sich.

    [00:32:29.060] – Dr.med. Ursula Davatz

    Für sie hinstehen und nicht gegen etwas kämpfen.

    [00:32:33.380] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die ganzen Frauenbewegungen sind oft so ein bisschen gegen etwas kämpfen oder
    sich als Opfer darstellen.

    [00:32:41.890] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich bin dafür, dass man sich für sich einsetzt.

    [00:32:48.720] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist der Fokus.

    [00:32:52.420] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das andere ist gegenseitige Toleranz.

    [00:32:54.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    An sich sind die ADHS-Menschen empathisch, weil sie so sensibel sind und das Leiden
    von den anderen sofort merken.

    [00:33:04.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich sehe Frauen, Töchter, die in einem gestörten Familiensystem aufwachsen, die

    geben alle Energie für ihr System und wenn sie erwachsen sind, wissen sie nicht, wer
    sie sind.

    [00:33:24.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn sie die Kinder aufziehen können, dann haben sie noch mal eine weibliche
    Funktion und wenn dann die Kinder aus dem Haus gehen, dann haben sie dann das
    Empty-Nest-Syndrom, aber nicht nur das Nest. Sie selber wissen nicht, wer sie sind.
    Sie haben ihren Fokus nicht.

    [00:33:39.600] – Dr.med. Ursula Davatz

    In dem Sinn ist wichtig, dass ihnen da hilft.

    [00:33:48.600] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich komme noch mal zur Prävention.

    [00:33:53.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Leider stehe ich auf Kriegsfuss mit dem Schulsystem.

    [00:33:59.300] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich wollte nie Lehrerin werden.

    [00:34:02.150] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich bin dann doch in das reingekommen, dass ich immer mehr instruiere.

    [00:34:09.470] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich gebe natürlich meine Erfahrung weiter und ich schaffe gerne mit Schulen
    zusammen, darum bin ich auch gerne hier hin gekommen und war auch schon mal hier.

    [00:34:18.300] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Schulsystem ist zu sehr neurotypisch gerecht und zu wenig auf die Varianz
    ausgerichtet.

    [00:34:30.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich sage wieder, mit der KI können wir eigentlich alles holen.

    [00:34:35.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die menschliche Entwicklung und die Persönlichkeitsentwicklung, die können wir dort
    nicht holen.

    [00:34:41.720] – Dr.med. Ursula Davatz

    Mein erstes Buch ist gewesen: ADHS und Schizophrenie.

    [00:34:46.138] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhs-und-schizophrenie/

    [00:34:46.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe das über 14 Jahre geschrieben und immer verfolgt.

    [00:34:53.200] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das zweite Buch ist jetzt: ADHS, ADHS Folgekrankheiten.

    [00:34:57.329] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhsads-folgekrankheiten/

    [00:34:57.860] – Dr.med. Ursula Davatz

    Je länger ich das alles anschaue, auch aus der Forschung kommen immer mehr
    Statistiken raus, dass es alle möglichen Folgeerkrankungen gibt.

    [00:35:07.560] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da komme ich jetzt wieder mit der Prävention.

    [00:35:10.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Folgechrankungen sind die Suchkrankheiten.

    [00:35:14.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    ADHSler neigen eher zu Suchtkrankheiten, zu Drogensucht, Spielsucht, Internetsucht
    natürlich.

    [00:35:25.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ihre Aufmerksamkeit wird über das eingesaugt.

    [00:35:33.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Drogensucht ist eher, um ihre Emotionalität oben runterzubremsen.

    [00:35:38.720] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist Selbstregulation über Drogen.

    [00:35:42.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Leider macht die Psychiatrie nichts anders als auch das.

    [00:35:47.380] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich erlebe, dass wir jetzt schon Kinder einerseits für das ADHS eine Stimulanz geben,
    damit sie sich besser konzentrieren können und andererseits ein Medikament, das man
    eigentlich gegen Schizophrenie gibt, ein Sedativum, also etwas das einem beruhigt.

    [00:36:02.430] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist für mich haarsträubend.

    [00:36:05.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    In der Medizin hat die Chemie eine grosse Bedeutung und so viel Geld, dass das stark
    unterstützt wird.

    [00:36:15.420] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie sind keine Vertreter der Chemie.

    [00:36:19.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Daher könne sie für das Kind eintreten.

    [00:36:19.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Persönlichkeitsstörungen, bei den Knaben gibt es eher eine Delinquenz. Man kann
    sie totschlagen, sie folgen trotzdem nicht.

    [00:36:31.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss sie führen.

    [00:36:33.260] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn sie nicht geführt werden, dann können sie in eine alternative Gerechtigkeit
    hineingehen.

    [00:36:41.900] – Dr.med. Ursula Davatz

    In dieser Strafvollzugskommission habe ich immer Gutachten gelesen, es waren alles
    POS Kinder.

    [00:36:46.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    In den Gefängnissen haben sicher 80% ADHS.

    [00:36:55.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man hat sie nicht diagnostiziert.

    [00:37:03.360] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der Brian, Carlos, er ist ein Schulbeispiel, wie man es falsch machen kann.

    [00:37:15.370] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er ist als Kind, hatte eine schwarze Mutter gehabt, einen Schweizer Vater. Der

    Schweizer Vater ist in die Schweiz zurückgegangen. Die Mutter ist in Paris geblieben.
    Sie musste putzen gehen, sie hat ihn eingesperrt. Eine Katastrophe für ein ADHSler.
    Alles ist schief gelaufen.

    [00:37:25.660] – Dr.med. Ursula Davatz

    Solche Fälle wollen wir nicht.

    [00:37:25.720] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die kosten viel Geld und führen zu nichts.

    [00:37:36.900] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist tragisch.

    [00:37:43.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bei den Frauen wird die Borderline Persönlichkeitsstörung diagnostiziert.

    [00:37:50.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bei den Borderlinerinnen sage ich, das sind professionell Pubertierende.

    [00:37:58.360] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie sind eigentlich erwachsen aber sie sind doch nicht erwachsen.

    [00:38:02.020] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie benehmen sich wie Pubertierende.

    [00:38:09.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie pochen auf alle möglichen Rechte, aber halten sich selber an keine Regeln, weil sie
    immer verletzt sind. Das ist typisch am ADHS.

    [00:38:17.680] – Dr.med. Ursula Davatz

    Solange man die Verletzung nicht wahrgenommen hat und die auch honoriert hat, man

    sagt im psychischen Sprachgebrauch „Validiert", solange man die Verletzung nicht
    validiert hat, können sie nicht mitmachen.

    [00:38:32.360] – Dr.med. Ursula Davatz

    Erst wenn man sie validiert hat, dann kann man von ihnen dann eine gewisse
    Sozialisierung verlangen.

    [00:38:37.880] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe einige borderline-Patientinnen gehabt und habe mich fest mit denen
    auseinandergesetzt und sie haben dann auch eine gute Entwicklung gemacht.

    [00:38:46.420] – Dr.med. Ursula Davatz

    Borderline-Persönlichkeiten sind Schreckdiagnosen für das therapeutische Personal,
    weil sie professionell Pubertierende sind.

    [00:38:59.560] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Schizophrenen, da sage ich, das sind bösartig Pubertierende.

    [00:39:04.100] – Dr.med. Ursula Davatz

    Maligne, sagen wir in der medizinischen Sprache.

    [00:39:13.100] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die haben den Verstand verloren, im Augenblick der akuten Phase.

    [00:39:16.230] – Dr.med. Ursula Davatz

    Depressionen, Frauen mit ADHS, die haben dann häufig Depressionen im mittleren
    Alter, weil sie ja immer alles ausgegeben haben für die anderen und gar nicht wissen,
    wer sie sind.

    [00:39:30.900] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die bipolaren Störungen, manisch-depressiv, wenn man genau hinschaut, haben die

    eigentlich genau ADHS-Verhalten.

    [00:39:39.240] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich sehe bei allen hinten drinnen das ADHS.

    [00:39:42.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das sind meistens ADHS-Personen, die zu eng, zu rigide erzogen worden sind.

    [00:39:50.820] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie konnten ihre Ellbogen nicht zeigen, konnten ihre Persönlichkeit nicht bilden.

    [00:39:59.200] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann brechen sie aus mit einer Manie, wo sie alle Grenzen überschreiten.

    [00:40:05.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann machen sie viele Fehler, geben viel Geld aus und so weiter.

    [00:40:09.280] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nachher sehen sie, was sie alles gemacht haben. Dann bereuen sie alles und dann
    werden sie depressiv.

    [00:40:16.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das wären die Frauen.

    [00:40:18.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    Zwangskrankheiten, das sind Krankheiten, wo die ADHSler merken, dass sie mehr
    Fehler machen.

    [00:40:27.020] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann geben sie sich Mühe, dass sie möglichst keinen Fehler zu machen.

    [00:40:32.460] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie korrigieren ihre Fehlerhaftigkeit mit Zwangsverhalten und das ist eigentlich ein
    Kompensationsverhalten, ist auch wieder eine Krankheit

    [00:40:44.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es steckt aus meiner Sicht immer ein ADHS hinten dran.

    [00:40:47.350] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Psychiatrie akzeptiert das noch nicht.

    [00:40:50.530] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die reden dann von Komorbidität.

    [00:40:54.560] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man hat einen ADHS und man hat eine Zwangskrankheit.

    [00:40:58.340] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was behandeln wir jetzt zuerst?

    [00:41:00.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann wird geschritten, was ist wichtiger?

    [00:41:03.040] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man das ADHS dahinter besser versteht, kann man es besser behandeln.

    [00:41:13.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja, und da wäre wieder das Credo: Die Prävention beginnt in der Schule, im
    Kindergarten.

    [00:41:19.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn sie lernen, mit ADHS Kinder umzugehen und denen eine Chance geben, dann

    haben sie viel für die Prävention getan.

    [00:41:32.240] – Bemerkung 4

    Es ist für uns wichtig zu wissen, wenn es diagnostiziert ist. Mache ich es dann grösser,
    als es vielleicht ist und das Kind ist einfach nur anders und ich kann auch so mit dem
    Kind arbeiten? Muss man das immer so definieren?

    [00:42:00.580] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie haben absolut recht.

    [00:42:05.280] – Dr.med. Ursula Davatz

    Pascal Rudin sagt im SRF Interview, dass die Diagnose zu oft gestellt wird:

    [00:42:05.522] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://medien.srf.ch/-/%C2%ABclub%C2%BB-adhs-superkraft-oder-chaos-im-kopf-

    [00:42:05.720] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Mediziner sagen, jeder stellt sich selber die Diagnose.

    [00:42:16.670] – Dr.med. Ursula Davatz

    Mir ist völlig Wurst, ob man sich selber die Diagnose stellt.

    [00:42:20.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie müssen es nicht verlangen.

    [00:42:23.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn Sie ein bisschen dieses Wissen haben, dann sehen Sie das und das und das.

    [00:42:27.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist gleich, wie man es benennt.

    [00:42:29.530] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es braucht einfach das und das.

    [00:42:31.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie können ganz pragmatisch vorgehen und einfach all die Schritte machen, ohne dass
    sie es auf dem Papier haben.

    [00:42:40.680] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Schulsystem, weil es ein Staatssystem ist, es ist kantonal, die wollen dann eine fixe
    Diagnose.

    [00:42:50.300] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich stelle die Diagnose innerhalb von einer Stunde.

    [00:42:56.400] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man in eine offizielle Abklärung geht, dann geht man für einen Nachmittag, oder
    mehrmals.

    [00:43:00.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Zum Teil muss man warten bis zu einem Jahr, bis zu zwei Jahren oder drei.

    [00:43:10.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es wird unglaublich viel Geld verdient damit.

    [00:43:14.420] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wie damit umgehen damit, das sagt einem niemanden.

    [00:43:16.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Und jetzt was mache ich?

    [00:43:21.580] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da spotte ich dann und sage, Goethe und Faust: Was du schwarz auf weiss besitzt,
    kannst du getrost nach Hause tragen.

    [00:43:31.720] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man da die schöne Diagnose hat, dann meint man, man weiss wie damit
    umgehen.

    [00:43:35.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nein, man weiss es nicht.

    [00:43:37.960] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was die Medizin macht, die gibt einfach Medikament, also Stimulantien und dann sogar
    noch Sedativa.

    [00:43:43.720] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie dürfen sofort, wenn sie das Gefühl haben, es geht ein bisschen um das und sie
    müssen es nicht benennen.

    [00:43:49.420] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie müssen einfach sagen: Da braucht es jetzt das.

    [00:43:53.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    Im Hinterkopf dürfen sie es wissen.

    [00:43:55.620] – Bemerkung 5

    Ja, für mich wäre es jetzt wie eine Erleichterung zu wissen: Das Kind hat ADHS. Ich
    kann das gar nicht von dem Kind verlangen.

    [00:44:04.170] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja, das würde es für sie leichter machen.

    [00:44:09.910] – Bemerkung 5

    So weiss ich, hat er einfach keine Lust oder hat er ADHS?

    [00:44:15.080] – Dr.med. Ursula Davatz

    Stellen sie die Diagnose einfach selber.

    [00:44:17.580] – Bemerkung 5

    Dann gehe ich ein bisschen nach meinem Bauchgefühl.

    [00:44:21.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist so viel Wissen vorhanden.

    [00:44:25.810] – Dr.med. Ursula Davatz

    Manchmal sagen die Mütter: Ich denke mein Kind hat ADHS, ich habe es auch.

    [00:44:32.160] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann muss man nicht sagen: Aber ich will es abgeklärt haben.

    [00:44:38.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist so viel Wissen vorhanden und die Mütter, die schauen es jetzt alle selber an und
    dann wird das Kind auch abgeklärt, dann tun sie es bei sich noch abklären, dann kommt
    es auch raus.

    [00:44:48.010] – Dr.med. Ursula Davatz

    Mit der Zeit haben sie auch ein bisschen selber einen Blick dafür, handeln sie dann
    einfach pragmatisch.

    [00:44:55.880] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es wird noch mit Fragebogen abgeklärt.

    [00:44:56.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir haben eine Studie im Kanton Aargau.

    [00:45:04.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die PDAG zusammen mit der Genetik in Basel.

    [00:45:15.030] – Dr.med. Ursula Davatz

    In Rheinfelden werden die Leute auf ADHS abgeklärt.

    [00:45:19.070] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir nehmen Blut oder Speichel und machen dann eine genetische Datenbank und
    schauen, was man da sehen.

    [00:45:25.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich bringe Fragen über das Umfeld rein.

    [00:45:25.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wie ist das Kind erzogen worden und so weiter.

    [00:45:33.333] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/07/ADHS_Forschung_Gene_Umfeld.pdf

    [00:45:33.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da möchte ich sehen, kann man eine Korrelation sehen zwischen dem Erziehungsstil
    und welche Krankheit kommt dann raus.

    [00:45:40.580] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann das ist das, was ich natürlich sehe.

    [00:45:45.880] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es kommt auch auf die Mutter an.

    [00:45:50.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Im Aargau gebe ich immer die Frau Sara Marti an, in Baden.

    [00:45:50.994] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://marti-psychotherapie.ch/

    [00:45:51.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie hat früher in Königsfelden mit mir gearbeitet, sie macht gute Abklärungen, die man
    auch brauchen kann.

    [00:46:03.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die offiziellen Abklärungen sind alle überlaufen, bis zu drei Jahren.

    [00:46:03.690] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bis dann ist alles schon vorbei.

    [00:46:04.890] – Bemerkung 6

    Eine Schülerin wartet seit 2.5 Jahre darauf.

    [00:46:30.980] – Bemerkung 7

    Gibt es einfache To-Dos, die man in den Unterrichtsalltag integrieren kann, die dem
    neurodivergenten Kind zu Gute kommt und wo auch die anderen Kinder davon
    profitieren können, die Neurotypischen.

    [00:46:43.280] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das habe ich mir jetzt noch nicht so durch den Kopf gehen lassen.

    [00:46:44.930] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe To-Do Listen für die Mütter. Die kann man auch in der Schule verwenden. Da
    ist das Kollektiv nicht dabei.

    [00:46:44.930] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie müssen als Lehrerin selber eine To-Do-Liste erarbeiten.

    [00:46:44.930] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man darf individuell sein, wenn der Rest von der Klasse gut arbeitet.

    [00:47:13.320] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn es ein grosses Durcheinander gibt, muss man autoritär werden.

    [00:47:13.600] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das wäre jetzt eine von den Regeln.

    [00:47:20.060] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man kann nicht gleichzeitig alles tun.

    [00:47:20.570] – Dr.med. Ursula Davatz

    Heutzutage ist autoritär sein so ein bisschen verpönt, aber das ist falsch. Da wird es
    gebraucht.

    [00:47:31.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich würde jetzt noch sagen, immer auch die Klasse mit integrieren.

    [00:47:40.950] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was hast du für eine Idee?

    [00:47:43.160] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn ich zum Beispiel die ganze Familie in Therapie habe, dann lasse ich mir zuerst
    das Problem vom Kind schildern, dann von den Eltern. Dann gehe ich zurück zum Kind
    und sage: was schlägst du für eine Lösung vor?

    [00:47:45.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nicht die Eltern: ich will das und das und das und das Kind macht es nie.

    [00:47:45.240] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn ich das Kind miteinbeziehe in die Lösung, dann ist das Kind eher bereit
    mitzumachen.

    [00:48:13.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    So denke ich könnten sie in der Klasse noch mehr verschiedene Schüler mit
    einbeziehen für die Problemlösung.

    [00:48:23.770] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es geht eigentlich um Problemlösungen und Konfliktlösungen.

    [00:48:30.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie wählen schlussendlich, aber sie könnten Ideen mit einbeziehen von der Gruppe.

    [00:48:37.300] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe neun Monate in einer therapeutischen Gemeinschaft gearbeitet, in England, in
    Schottland.

    [00:48:44.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn immer es Probleme gab, gab es CC: Community Council.

    [00:48:49.231] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es kamen alle zusammen, die Patienten, das Personal und man musste die Probleme
    immer in der Gruppe lösen.

    [00:48:49.240] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dort habe ich gelernt, Gruppenkonflikte zu beobachten und dann nach Lösungen zu
    suchen.

    [00:49:02.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    So können sie die Klasse zum Teil ein bisschen mehr einbeziehen.

    [00:49:06.820] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nicht, dass die Klasse dann immer alles zu sagen hat, sie sagen dann auch, jetzt ziehe
    ich die Zügel wieder an. Jetzt bestimme ich.

    [00:49:26.400] – Bemerkung 8

    Wie erreiche ich, dass das Kind sein Bedürfnis formulieren kann?

    [00:49:33.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da überfordert man die Kinder oft und sagt: was ist es gewesen? Gewisse Mädchen
    können schon sehr gut formulieren, von klein auf.

    [00:49:47.564] – Dr.med. Ursula Davatz

    Andere sagen einfach: ich weiss es nicht.

    [00:49:47.677] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann muss man fragen: ist es das und das gewesen? Oder das?

    [00:49:47.690] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss beobachten.

    [00:49:47.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Über die Beobachtung kann man dann fragen: Kann es sein, dass dich das so verrückt
    macht hat?

    [00:50:06.240] – Bemerkung 9

    Als Vorstufe zum Unterricht, wenn das Kind sagt: ich habe kein Bock. Was brauchst Du
    im Moment?

    [00:50:15.860] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Wort "brauchen" würde ich wahrscheinlich nicht verwenden. Das ist schon eine
    sehr emotionale Bedürfnissprache, also psychologisch.

    [00:50:28.820] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich würde im Schulsystem sagen: was interessiert dich denn?

    [00:50:29.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nicht "brauchen", das Wort ist emotional. Was brauchst du für Deine Emotionen,
    sondern: wo ist Deine Neugier?

    [00:50:30.390] – Bemerkung 9

    Beim Rasen mähen.

    [00:50:46.200] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja, genau.

    [00:50:52.800] – Dr.med. Ursula Davatz

    Brauchen ist schon so ein bisschen weiblich, emotional bedürfnisorientiert.

    [00:50:57.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich will nicht nur bedürftiges, sondern Interesse.

    [00:51:01.160] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nach dem Interessen fragen.

    [00:51:01.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jesper Juul bringt das Beispiel einer Familie, die ist mit den drei Kindern in ein
    Restaurant gegangen und die Mutter hat bestimmt, was die Kleinste essen soll. Eine
    PIzza. Die hat nichts gegessen. Nächster Tag: Spaghetti. Nichts gegessen. Am dritten

    Tag, gab es einen sehr aufmerksamen Kellner. Er hat ihr den Stuhl hingestellt und hat

    gesagt: na kleine Lady, was möchten sie Essen? Dann hat sie gesagt: Ich kann noch
    nicht lesen, können sie mir bitte die Speisekarte vorlesen? Sie hat gesagt, was sie
    braucht. Er hat vorgelesen, sie hat gewählt, bestellt und gegessen.

    [00:51:13.921] – Dr.med. Ursula Davatz

    Auf die intrinsische, willensbildende Motivation vom Kind eingehen. Nicht überfahren.
    Die Mutter hat das Kind einfach überfahren. Wir wissen ja alles. Wir sind ja ach so
    gescheit. Warten, schauen.

    [00:52:11.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn ein Konflikt herrscht, wir gehen dann immer nur auf Bestrafung. Du bist der Böse,
    du hast dem eins gehauen, getreten, du wirst bestraft, du musst dich entschuldigen
    gehen.

    [00:52:24.800] – Dr.med. Ursula Davatz

    So löst man keine Konflikte.

    [00:52:34.500] – Bemerkung 10

    Es geht darum: was hat er bei dir verletzt?

    [00:52:37.060] – Dr.med. Ursula Davatz

    Genau.

    [00:52:37.890] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bei Konflikten, immer fragen: Was hat dich verletzt? Was hat dich verrückt gemacht,
    dass du dann dann zugeschlagen hast.

    [00:53:03.100] – Dr.med. Ursula Davatz

    Aha. Validieren.

    [00:53:03.100] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann kommt: das nächste Mal, wenn du so verletzt wirst, gibt es eine andere Methode,

    wie du es zeigen könntest.

    [00:53:17.079] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist dann das soziale Lernen.

    [00:53:17.233] – Dr.med. Ursula Davatz

    Je kleiner sie sind, desto weniger gut können sie es.

    [00:53:17.250] – Dr.med. Ursula Davatz

    Gewisse können es nicht so gut, andere können es sehr gut. Knaben können es nicht
    so gut, weil sie sich nicht so gut verbalisieren können. Es geht gleich zur Handlung.

    [00:53:23.147] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man kann mit ihnen anschauen: wie könntest du es das nächste Mal machen?

    [00:53:23.300] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ein Angestellter mit ADHS, der verrückt war über seinen Vorgesetzen, habe ich gesagt:
    das nächste Mal wenn sie in das hineinlaufen, laufen sie davon bevor sie jemanden
    anfluchen oder zuschlagen.

    [00:53:56.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der Chef fand das nicht toll. Der fand, dass man nicht einfach davon läuft.

    [00:53:57.360] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich musst ihn schützen vor seinem Temperament.

    [00:54:09.950] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss immer die Ursache finden und nicht nur beim oberflächlichen Scharmützel
    oder Gekämpfe.

    [00:54:19.460] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss immer beide Seiten anschauen.

    [00:54:21.530] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nicht juristisch: Du bist der Täter und das ist das Opfer, ganz weg von Täter und Opfer,
    hin zur Problemlösung.

    [00:54:32.680] – Bemerkung 10

    Das ist gewaltfreie Kommunikation.

    [00:54:42.480] – Bemerkung 11

    Zur Diagnose. Jemand in meinem Umfeld beginnt mit 28 langsam zu verstehen, aha,
    ich bin gar nicht dumm gewesen, ich konnte gar nicht zuhören. Ist das nicht ein Chance
    wenn wir das jetzt erkennen bei den Kindern?

    [00:55:20.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da würde ich so weit gehen, dass ich ihnen zutraue, sie erkennen es.

    [00:55:27.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da könnte sie der Mutter oder dem Vater sagen: mir kommt das in den Sinn. Die
    können antworten: sie sind keine Ärztin. Das ist egal. Sie können sagen: haben sie
    schon Mal an das gedacht? Haben sie schon überlegt, es abzuklären. Wenn sie es
    merken, können sie etwas sagen und darauf aufmerksam machen.

    [00:55:29.970] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es muss nicht immer offiziell abgeklärt werden, speziell wenn es drei Jahre geht.

    [00:56:02.380] – Bemerkung 12

    Dass die Eltern sensibilisiert drauf sind und das dann auch später dem Kind erzählen:
    Hey, übrigens in der dritten Klasse hat die Lehrerin damals das erzählt. Das geht oft
    unter.

    [00:56:21.080] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist sehr heikel. Ich kann nichts fixes sagen.

    [00:56:22.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Mir hat auch jemand gesagt vor Kurzem, dass es ihre geholfen hätten, wenn sie es
    gewusst hätte.

    [00:56:22.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich teile nicht gerne Diagnosen aus.

    [00:56:22.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich will mit dem Menschen arbeiten.

    [00:56:35.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich kann auch nicht genau sagen: wann, wie was.

    [00:56:35.530] – Dr.med. Ursula Davatz

    Hören sie auf ihr Gefühl und sagen sie es den Eltern.

    [00:57:09.100] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich gebe Frau Sara marti an.

    [00:57:10.300] – Bemerkung 13

    Klärt Frau Marti auch Erwachsene ab?

    [00:57:12.907] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja.

    [00:57:13.060] – Bemerkung 14

    Im SRF Club gab es die beiden ADHSler. Als sie es gewusst haben mit der Diagnose
    und Medikamente bekommen haben, hatten sie kein Durcheinander mehr im Kopf. Ich

    empfehle den Eltern eine Abklärung, weil wir wissen, dass es drei Jahre geht, einfach

    für die Schulzeit. Vielleicht kann das Kind sich dann auch mal ausruhen. Die
    Überflutung ist gross. Wenn der Termin kommt, kann man immer noch entscheiden, ob
    man will oder nicht.

    [00:58:31.720] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ansprechen auf jeden Fall.

    [00:58:31.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Heutzutage ist ADHS ja in aller Munde.

    [00:58:32.102] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Eltern müssen dann entscheiden ob sie es tun wollen oder nicht.

    [00:58:32.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    Früher hat das Kind gesagt: ich bin doch nicht blöd.

    [00:59:02.520] – Bemerkung 15

    In gewissen Kulturkreisen ist das anders. Ein Südamerikaner hat mir gesagt: mein Kind
    ist nicht loco loco.

    [00:59:13.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da müssen Sie sagen, ADHS ist keine Krankheit.

    [00:59:17.300] – Bemerkung 15

    Ja, das ist schwierig gewesen.

    [00:59:18.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja, ich weiss.

    [00:59:21.150] – Bemerkung 15

    Je nach Kulturkreis, je nachdem.

    [00:59:22.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja, ich muss es wieder ihnen überlassen und ihrem Gefühl. Ich vertraue ihnen auch,
    dass sie es recht machen. Es kann ein Ah-Erlebnis geben und dadurch auch eine
    Lockerung.

    [00:59:50.600] – Bemerkung 16

    Es ist eine extreme Erleichterung wenn man die Diagnose hat. Man versteht die letzten
    38 Jahre von seinem Leben. Was man damit macht ist etwas anderes. Die Mutter wird
    dann nicht abgestempelt als: du hast deine Kinder nicht im Griff.

    [01:00:28.570] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn sie im Unterricht zusätzlich Unterstützung wünschen, benötigen sie die
    zusätzliche Diagnose, sonst kriegen sie kein Geld. Das sind die bürokratischen Regeln.

    [01:00:33.280] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich überlasse das Ihnen.

    [01:01:05.280] – Bemerkung 17

    Wir kriegen auch mit Diagnose nicht mehr Möglichkeiten. Wir müssen alles beantragen.

    [01:01:17.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da denke ich dann immer, wie viel Geld wird später ausgegeben? Es ist fürchterlich im
    Gesundheitswesen und man könnte so viel sparen.

    [01:01:31.900] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe Martina Bircher gesagt, sie soll Geld vom Gesundheitswesen, von Jean-Pierre
    Gallati holen, beide sind in der SVP und verwenden für die Schule. Bis jetzt ist noch
    nicht geschehen.

    [01:01:47.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Prävention beginnt im Schulsystem.

    [01:01:59.680] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das menschliche Gehirn entwickelt sich mit der Auseinandersetzung.

    [01:02:05.800] – Dr.med. Ursula Davatz

    In Australien hat sich ein Teil abgesondert. Das ist eine Insel gewesen.

    [01:02:13.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist jetzt alles in der Evolutionsbiologie.

    [01:02:18.420] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die sind immer wieder zurückgegangen und haben Dinge verloren.

    [01:02:22.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dort, wo neue Einflüsse gekommen sind, lernt der Mensch weiter.

    [01:02:27.300] – Dr.med. Ursula Davatz

    Unser Hirn, wenn es sich auseinandersetzen muss mit anderen Situationen, dann lernt
    es.

    [01:02:33.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die ADHSler zwingen uns zum lernen.

    [01:02:34.260] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn wir uns mit ihnen auseinandersetzen und nach Lösungen suchen, dann lernen
    wir.

    [01:02:47.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Schweiz und Amerika, mit all diese verschiedenen Einflüssen, da lernt man.

    [01:02:54.320] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist zwar eine Herausforderung, Sie dürfen auch die Autorität verwenden, aber
    denken Sie immer daran, wir lernen. Wir lernen an der Auseinandersetzung.

    [01:03:04.860] – Bemerkung 18

    Wenn die Eltern sich über ein anderes Kind beklagen, dann sage ich immer: wir
    müssen voneinander lernen.

    [01:03:39.200] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir müssen miteinander lernen. Das ist die Zukunft, dass wir mehr lernen, nicht einfach
    nur alles von der KI runterholen, sondern sozial lernen. Das ist nicht in der KI enthalten.

    [01:04:01.400] – Bemerkung 19

    Wenn man selber eine positive Einstellung hat und man das immer und immer wieder
    selber so rüberbringt, dann gehen die Kinder mit einer anderen Emotion in den Tag.
    Gefühle sind ansteckend.

    [01:04:27.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Absolut, die positive Haltung ist wichtig, damit wir lernen.

    [01:04:47.200] – Bemerkung 20

    Gibt es auch Studien über ADHS und Migränen als Folgeerkrankung?

    [01:04:52.660] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe mich mit Migräne befasst und habe gesagt, Menschen, die Migräne haben, die
    versuchen zwei oder mehr Probleme, die emotional beladen sind, zu lösen, zu
    bearbeiten.

    [01:05:10.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man Migräne hat, macht man eine Dilatation, also eine Erwaltung der
    Blutgefässe. Man schickt Blut dorthin wo man denkt.

    [01:05:22.360] – Dr.med. Ursula Davatz

    Unsere verschiedenen Hirnzentren sind zuständig für verschiedene Funktionen.

    [01:05:32.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist Multitasking.

    [01:05:35.150] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man zur gleichen Zeit zu viel machen möchte, dann gibt das dann die Migräne.

    [01:05:38.995] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sicher haben ADSler mehr Migräne, weil sie einen Heuhaufen im Kopf haben.

    [01:05:39.715] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss sie disziplinieren, dass sie einschränken.

    [01:06:14.680] – Bemerkung 20

    Die Umkehrvariante funktioniert nicht, oder?

    [01:06:16.540] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man kann auch Migräne haben ohne ADHS.

    [01:06:31.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man mehrere Baupläne im Kopf hat, oh ich muss nach Hause, oh ich muss noch
    fertig machen, in einer Sekunde habe ich Migräne. Ich will gehen, sollte aber noch
    bleiben. Zwei unterschiedliche Bedürfnisse.

    [01:07:23.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich musste dann klar sagen: Nein, jetzt lasse alles liegen oder nein, jetzt bleibe ich noch
    hier und nehmen in Kauf, dass mein Mann dann sauer ist.

    [01:07:24.350] – Bemerkung 20

    Was mache ich mit den Kindern, welche den Kreis nicht spannend finden und dann den

    Clown machen und einfach stören oder komplett abschweifen?

    [01:07:57.200] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da würde ich Ouvertüren machen.

    [01:08:02.400] – Dr.med. Ursula Davatz

    Vor der Oper hat man das Thema in einer Ouvertüre.

    [01:08:07.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da können sie sagen: Heute machen wir das, ich weiss, es finden es nicht alle gleich
    interessant, manchmal muss man auch etwas lernen, das man nicht so interessant
    findet. Ich will, dass auch ihr mitmacht.

    [01:08:08.302] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da müssen sie die Kinder gleichzeitig anschauen.

    [01:08:08.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Persönlich reinholen.

    [01:08:08.500] – Dr.med. Ursula Davatz

    In der Familientherapie gibt es Taktiken, wie man der Familie etwas schwieriges sagen
    möchte.

    [01:08:32.970] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich will Ihnen jetzt etwas schwieriges sagen und wahrscheinlich werden sie alles
    ablehnen, aber es ist doch ganz wichtig. Es ist eine Medizin.

    [01:08:57.870] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man sagt voraus, schon was sie machen. Dann können sie es nicht mehr so gut
    machen. Sie nehmen es ihnen weg.

    [01:09:05.000] – Bemerkung 21

    Was ist, wenn sie dann trotzdem abschweifen?

    [01:09:21.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann können sie sagen: Jetzt ist es dir nicht gelungen. Jetzt bist du abgeschweift,
    kommt wieder.

    [01:09:25.610] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der Dompteur mit den Löwen, der hat immer geschaut, wer nicht recht dabei ist. Der
    kriegt etwas zu essen.

    [01:09:25.648] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn sie den Namen sagen: Du bist jetzt abgeschweift, komm bitte wieder zurück. Kein
    Strafe. Einfach zeigen, dass sie es bemerkt haben.

    [01:09:25.875] – Dr.med. Ursula Davatz

    Kleine Aufmerksamkeitsmocken senden.

    [01:09:25.900] – Bemerkung 22

    Im Kindergarten und in der Primarschule setzt man sich sehr stark mit diesen Themen
    auseinander. Beim Übergabegespräch von der 6. Klasse in die Oberstufe, hat die
    Lehrperson der Oberstufe gesagt: das kann ich schon.

    [01:10:55.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das würde ich dann sagen: verlangsamen. Da haben sie das Recht zu sagen: nein, ich
    denke, das braucht ein bisschen mehr Sorgfalt.

    [01:10:56.070] – Bemerkung 23

    Die Lehrpersonen und der Schulleiter der Oberstufe, haben sich beschwert über die
    Vorbereitungsgespräche und die vielen lebhaften Kinder.

    [01:11:39.320] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da würde ich mit dem Thema von dem Synaptic Pruning kommen.

    [01:11:45.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Gehirn ist in der Oberstufe, in der Pubertät, speziell sensibel und es muss geformt
    werden.

    [01:11:54.470] – Dr.med. Ursula Davatz

    Und wenn man sagt: Ah, das mach ich dann schon…

    [01:11:55.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist keine sorgfältige Formung. Ich denke, da dürfen sie so ein allgemeines
    Statement abgeben wo sie sagen: ich finde, dass es wichtig ist, dass man sorgfältig mit
    den Kindern umgeht, es geht um die Zukunft und die Persönlichkeitsentwicklung vom
    Kind. Menschen sind in dieser Phase speziell sensibel. Man kann grosse Störungen
    hinterlassen.

    [01:11:56.340] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die meisten psychiatrische Krankheiten entstehen in der Zeit von der Pubertät.

    [01:12:39.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Fundament kann schon früher gelegt werden.

    [01:12:41.871] – Dr.med. Ursula Davatz

    ADHSler sind noch sensibler auf Störungen.

    [01:12:42.060] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir wollen für das Gesundheitswesen gute Entwicklungen erreichen, sodass wir nicht
    alle krank machen.

    [01:12:57.060] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist eine sensible Phase.

    [01:13:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da würde ich mich getrauen, das dem Oberstufenlehrer zu sagen. Sie sind nicht dazu
    da, die Oberstufenlehrperson zu beschützen, sie sind dafür da, um für das Kind das
    Beste zu erreichen.

    [01:13:03.200] – Dr.med. Ursula Davatz

    Darum können sie auf die Sorgfalt Gewicht legen. Das ist die Sorgfaltspflicht.

    [01:13:34.280] – Bemerkung 24

    Die Kinder, die entweder den Clown machen oder abwesend sind, fallen für die anderen
    Kinder nicht gross auf, oder werden trotzdem akzeptiert.

    [01:13:37.483] – Bemerkung 24

    Ein Kind kann schlecht mit dem Frust umgehen oder hat keine Lust das zu tun, was ich
    tun möchte. Es ist soweit, dass die ganze Gruppe das Kind nicht möchte und nicht mit
    dem Kind spielen möchte. Das Kind schafft es nicht, in eine positive Situation zu
    kommen.

    [01:14:32.260] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich sehe, du kannst jetzt nicht, und du willst jetzt nicht, dann kann man das Kind
    separieren und nochmals persönlich angehen.

    [01:14:37.090] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es geht nicht immer im Gruppen-Setting.

    [01:14:52.810] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da kann man die Klassenassistenzen reinholen.

    [01:14:57.910] – Bemerkung 24

    Keine Ressourcen vorhanden.

    [01:15:05.140] – Bemerkung 25

    Der Kanton hat die letzten Jahre kontinuierlich seine Zahlen runter korrigiert. Wir haben

    In zwei Jahren 50 Lektionen weniger bekommen.

    [01:15:15.240] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wahnsinn! Das ist am falschen Ort gespart. Falscher geht es nicht.

    [01:15:24.540] – Bemerkung 26

    Ich kann das Kind nicht zwei Minuten aus den Augen lassen.

    [01:15:37.710] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie können einen der Besten, führenden, ruhigsten nehmen und sagen: Kannst du mit
    dem jetzt etwas anderes machen?

    [01:15:38.100] – Bemerkung 26

    Das will ja niemand.

    [01:15:57.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie müssen mit dem vorher darüber reden. Der, der am besten funktioniert, mit dem
    müssen sie mal alleine reden und sagen: Hörzu, wir haben das Problem, wir haben alle
    Mühe, wärst du bereit, mit dem separat etwas zu machen?

    [01:16:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Kinder sind kooperativ.

    [01:16:16.950] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das hat in der BEZ auch geklappt. Die haben alle mit dem gearbeitet.

    [01:16:19.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie holen die Klassenassistenz aus der Klasse. Der wird dann ein Verbündeter von
    ihnen. Nächstes Mal wenn ich Mühe habe mit ihm, dann frage ich dich, ob du mit ihm
    vor die Türe gehen kannst und dort etwas anderes machst.

    [01:16:20.150] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ist das eine Möglichkeit?

    [01:16:45.040] – Bemerkung 27

    Es ist halt wirklich auf Kindergartenstufe.

    [01:16:47.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dennoch. Können sie ein extra Programm machen?

    [01:17:27.000] – Bemerkung 27

    Er hat dann immer sein Extraprogramm.

    [01:17:27.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er bekommt dann extra Aufmerksamkeit.

    [01:17:33.410] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da sind wir zu stark schon homogenisierend.

    [01:17:38.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie reden natürlich mit dem und sagen: Jetzt darfst du das.

    [01:17:42.390] – Dr.med. Ursula Davatz

    Und dann?

    [01:17:43.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das müssen sie jetzt einzeln mit dem machen. Ich will, dass du das lernst. Wie können
    wir das machen?

    [01:17:47.900] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dass sie mit ihm das Bündnis machen.

    [01:17:51.100] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da dürfen sie sagen: Ich weiss, du kannst dich nicht gut kontrollieren, aber wenn das
    immer so läuft, dann hast du lauter Feinde.

    [01:17:59.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich will, dass du auch Freunde hast.

    [01:17:59.971] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da machen sie mit ihm einen Kooperationsvertrag. Wie können wir etwas zusammen
    abmachen, damit es nicht schief läuft.

    [01:18:00.160] – Dr.med. Ursula Davatz

    Innerhalb von der Familie, wenn sich die Kinder gegen die Eltern wehren wollen, sollen
    sie Tafeln machen und dann das aufzeigen.

    [01:18:26.370] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie vereinbaren einen Geheimcode, um ihm zu vermitteln, wann er ruhiger werden
    muss.

    [01:18:26.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    So macht man es mit den Tieren, man schnalzt mit der Zunge oder ähnlich.

    [01:18:27.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Können sie sich einen Geheimcode vorstellen?

    [01:18:29.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann ist er schon eine Vertrauter von ihnen. So binden sie ihn mehr an und dann will er
    es ihnen Recht machen.

    [01:19:02.680] – Bemerkung 28

    Im Allgemeinen ist es okay, wenn wir das in der Klasse auch thematisieren?

    [01:19:07.510] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja und immer auch im Sinn, ihr könnt das alle schon. Er kann es noch nicht. Er muss es
    noch lernen.

    [01:19:14.280] – Bemerkung 28

    Aber das fühlt er dann auch.

    [01:19:17.240] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja, das ist eine Tatsache. Das ist eine Realität.

    [01:19:19.020] – Bemerkung 29

    Wenn man mit den Kindern nicht darüber spricht, wird er immer mehr abgelehnt, weil er
    ein Sonderprogramm hat, weil sie das Sonderprogramm nicht verstehen.

    [01:19:29.100] – Bemerkung 29

    Ein Kind wurde sehr gut geführt in er Unterstufe und war dann viel einfacher
    handhabbar in der Oberstufe. Das Kind hat bei jeder Klasse eine neue Chance
    bekommen.

    [01:19:29.350] – Bemerkung 29

    Aber es geht 10 bis 15 Jahre.

    [01:20:03.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    Spannend.

    [01:20:06.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Immer wieder neue Lösungen ausprobieren und die persönliche Beziehung behalten.

    [01:20:07.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die persönliche Beziehung ist wichtig. Die persönliche Abmachung ist wichtig.

    [01:24:19.030] – Bemerkung 30

    Danke für Ihre Erfahrung.

    Der Beitrag Zentrum menschlicher Gefühle Teil 2 erschien zuerst auf AD(H)D and Schizophrenia.

    1 hr 25 min
  • Zentrum menschlicher Gefühle

    https://adhs.expert/wp-content/uploads/2026/06/Zentrum_menschlicher_Gefuehle_4.6.2026.m4a

    https://adhs.expert/wp-content/uploads/2026/06/Zentrum_menschlicher_Gefuehle_4.6.2026.pdf

    Transkript

    Dr.med. Ursula Davatz

    4.6.2026
    Zentrum menschlicher Gefühle
    Audio

    [00:00:02.100] Dr.med. Ursula Davatz: Ich möchte Sie alle ganz herzlich begrüssen.

    Ich habe lange studiert, was soll ich für einen Namen verwenden.

    Das gängige Ganglion ist, das welches man an der Hand hat und das entsteht, wenn

    man die Gelenke ein bisschen überbeansprucht und dann zu viel Gelenkserum
    produziert wird und eine Beule entsteht.

    [00:00:32.940] Dr.med. Ursula Davatz: Eine einfache Methode, um es zu behandeln,

    das hat mir ein Rheumatologe gesagt, man schlägt mit einem Hammer drauf oder mit
    einem Fünffränkler und dann drauf und dann spritzt es.

    Ich hatte einmal ein Ganglion, wo ich meine vier Enkelkinder, die relativ gleichzeitig auf

    die Welt gekommen sind oder kurz nacheinander, habe ich auch ein Ganglion gehabt
    und das ist dann vor allem selber wieder weggegangen.

    Wo die Überbeanspruchung weggegangen ist, ist das auch weggegangen.

    [00:01:05.820] Dr.med. Ursula Davatz: Mein Untertitel lautet: Zentrum menschlicher

    Gefühle.

    Ich erlebe, dass unsere westliche Gesellschaft wahnsinnig verkopft ist und dass man

    schon sehr verkopft an die Kinder heran tritt, ohne dass man sie beobachtet und
    schaut, um was geht es eigentlich, wer sind sie, was erleben sie etc.

    Man geht immer gleich mit einer Theorie vor.

    [00:01:38.760] Dr.med. Ursula Davatz: Dem wollte ich ausweichen.

    Ich gehe jetzt so sogar noch weiter.

    In der Ärztezeitung gab es einen Artikel, der über die Geburt des Menschen ging.

    Da haben sich die Römer mythologisch vorgestellt, dass ein Kind im Kopf des Mannes

    entsteht.

    [00:02:09.240] Dr.med. Ursula Davatz: Der Mann tut es dann netterweise der Frau

    einpflanzen, damit sie für es schaut.

    Das ist die Kopfgeburt.

    Die Kopfgeburt, die ist uralt und wird auch heutzutage wahnsinnig, wie soll ich sagen,

    hochgehalten.

    Die ganze Medizin ist voll von männlichen Beobachtungen und männlichen Ausdrücken.

    Es wird jetzt auch immer mehr kritisiert, dass man alle Untersuchungen nur an Männern

    gemacht hat und nicht an Frauen.

    Jetzt kommt langsam so die Gendermedizin, wo man merkt, bei Frauen sehen teilweise

    Krankheiten anders aus, respektive sie entwickeln auch andere Krankheiten.

    Das ist auch der Fall beim ADHS.

    Wir wollen heute nicht nur von Kopfgeburt reden, sondern ich möchte praktische

    Erfahrungen von ihnen, damit wir miteinander lernen können.

    [00:03:13.140] Dr.med. Ursula Davatz: Ich habe als erstes so ein bisschen Theorie

    vorbereitet und dann bin ich froh, wenn Sie mir Fragen stellen und natürlich auch Fälle
    bringen.

    Wir haben ja hier auch eine Tafel, das ist super.

    Im praktischen Lernen kommt man weiter.

    Ich komme absolut aus der Praxis, habe es nie geschafft in die Akademie, also zum

    Professor, und ich bin froh, dass ich in der Praxis bleiben konnte.

    [00:03:46.380] Dr.med. Ursula Davatz: ADHS, ADS, PDA kann man noch sagen,

    Pathological Demand Avoidance.

    Psychiater machen immer noch mehr Kategorien.

    Ich gehöre eher zu den ganzheitlichen, die versuchen, die Krankheitsentwicklung zu

    erklären.

    Als erstes möchte ich ein Kompliment an Sie machen, das heisst, ich sage Sie als

    Lehrer, ich weiss nicht, hat es auch Kindergärtner wie hier, okay, wunderbar. Sie als
    Lehrer, Kindergärtner, als professionelle Erzieher, Sie sind die wichtigsten Personen in
    der heutigen Zeit.

    Die heutige Zeit ist dermassen aufgeblasen von der künstlichen Intelligenz, Technik, alle

    Aktien gehen hoch in dem Bereich.

    Die Aktien für den Menschen und Sie, die gibt es nicht.

    Sie sind die Zukunftsschmiede.

    Sie begleiten die jungen Menschen und helfen ihnen, dass sie einen guten Weg

    machen.

    Ich bin auch in einer Zeit aufgewachsen, wo man noch so Sprichwörter hatte.

    Man sagt ja, man soll das Eisen schmieden, wenn es heiss ist.

    Kennen Sie dieses Sprichwort noch? Schon?

    Unser Hirn, die Psychiatrie befasst sich mit dem Hirn. Das Hirn ist das Organ, das am

    anpassungsfähigsten ist und das am meisten formbar ist.

    [00:05:19.440] Dr.med. Ursula Davatz: Das gleiche Hirn kann tausende von Sprachen

    lernen, ganz präzise, und dann kommunizieren auf diese Art.

    Von dort her, wenn Sie mit jungen Menschen arbeiten, schmieden Sie das Hirn, also

    helfen Sie ja dem Hirn, sich zu entwickeln.

    Man kann gute Gewohnheiten entwickeln und man kann auch schlechte entwickeln.

    Jürg Jegge sagt: Dummheit ist lernbar.

    Ich sage immer: Krankheit ist auch lernbar.

    [00:05:54.840] Dr.med. Ursula Davatz: Wir Psychiater kommen erst am Schluss, wenn

    schon alles schiefgelaufen ist, und dann ist es eigentlich viel zu spät.

    Daher sage ich: die Prävention beginnt im Bildungswesen.

    Seit ich im Aargau tätig war, ich bin 1980 aus Amerika in den Aargau gekommen, habe

    ich mich für Prävention entschieden.

    Jetzt setze ich mich sehr stark für das ADHS ein.

    Da gibt es ein riesiges Präventionspotenzial, indem man mit dem ADHS korrekt umgeht.

    [00:06:30.780] Dr.med. Ursula Davatz: In der Tierwelt sagt man tiergerechte

    Tierhaltung, und ich sage menschengerechte, persönlichkeitsgerechter Umgang mit
    diesen jungen Menschen, die noch ein flexibles Hirn haben, das alles Mögliche lernen
    kann.

    Sie haben aber ein Problem, Sie haben eine riesige Konkurrenz der Social Medias.

    ADHS heisst ja Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom.

    [00:07:06.000] Dr.med. Ursula Davatz: Das heisst, man sagt bei den ADHSler, die

    haben keine gute Aufmerksamkeit.

    Ich sage, sie haben eine breite Aufmerksamkeit. Das heisst, sie nehmen alles wahr,

    wenn sie in einen Raum reinkommen, dann sehen sie gerade alles, sie nehmen die
    Stimmung wahr, sie nehmen das Klima wahr, etc.

    In der Schule sollten sie natürlich an erster Stelle die Lehrperson wahrnehmen. Wenn

    die nicht ganz so spannend ist, dann wird zum Fenster rausgeschaut, oder der Nachbar
    wird gestört, oder Kügelchen werden herumgeschossen.

    Dann sorgen sie einfach für ein bisschen mehr Action.

    Das Internet ist total ausgerichtet auf Aufmerksamkeitshaschung.

    Es gibt Medienpsychologie.

    Ja, zu meinem Schrecken, aber es ist natürlich auch verständlich, Psychologie wird

    verwendet, um die Aufmerksamkeit zu holen.

    [00:08:10.320] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist raffinierte Psychologie.

    Das wird in der Werbung verwendet, im Business wird es verwendet und in der Politik

    wird es verwendet.

    In der Politik läuft es nicht immer so bewusst. In der Politik hat es so Naturtalente, die

    die Aufmerksamkeit, ich sage jetzt auf Englisch, catchen, also in Gefangenschaft
    nehmen.

    [00:08:40.680] Dr.med. Ursula Davatz: Das dreieinige Gehirn von Paul D. MacLean.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_D._MacLean

    Ich zeige das mit meiner Hand.

    Unser Gehirn besteht aus einem altmodischen Hirnteil, das wäre das Reptilienhirn, das

    wäre hier meine Hand, also mein Gelenk.

    Mit einem motorischen Hirn. Das heisst Reptilienhirn, weil das bei den Reptilien schon

    sehr gut ausgebildet ist.

    Dann bei den Säugetieren wird das Mittelhirn ausgebildet und das ist das emotionale

    Hirn.

    Das ist jetzt mein Daumen. Das ist in der Mitte von unserem Gehirn.

    [00:09:15.720] Dr.med. Ursula Davatz: Meine Finger wären das Grosshirn.

    Das ist das Hirn, das bei den Menschen, beim Homo sapiens, am meisten gewachsen

    ist.

    Es ist am meisten gewachsen, weil das Hirn sich differenziert, auseinandersetzt mit der

    Umgebung, eine Bibliothek anlegt, also eine Erinnerung anlegt, die man dann wieder
    zurückholen kann.

    [00:09:46.680] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn man Aufmerksamkeit holen will, dann

    macht man das über das emotionale Hirn.

    Viele intellektuelle Politiker verpassen, dass es über das Emotionale geht.

    Sie meinen, man müsste gut reden oder gute Argumente bringen, aber die Argumente

    sind weniger gut als emotionale Bilder.

    Sie, die mit jungen Menschen arbeiten, Sie müssen über das emotionale Hirn arbeiten.

    Das andere ist eine Zugabe.

    [00:10:19.800] Dr.med. Ursula Davatz: Damit Sie ihre Kinder gut instruieren können,

    müssen Sie eine Beziehungen haben.

    In dem Sinne sagt man, keine Erziehung ohne Beziehung.

    Macht das Sinn?

    Alle Inputs, alle Stimuli, also alle Inputs, die von aussen reinkommen, werden immer

    zuerst vom Mittelhirn, vom emotionalen Hirn prozessiert.

    Sie werden prozessiert, ist das angenehm oder nein, das will ich nicht mehr.

    [00:10:52.680] Dr.med. Ursula Davatz: Akzeptanz und Neugier erwecken oder oh, ich

    habe Angst vor dem und dann löst es den Fluchtreflex aus.

    Die Sozialen Medien Medias, die kämpfen um die Aufmerksamkeit der Jugend.

    Ich erlebe es auch auf meinem Mobiletelefon, wenn ich irgendwas aufmache und auf

    einmal etwas anderes reinkommt, was ich gar nicht will. Ich werde jedes Mal verrückt
    und denke, fahr doch ab mit dem Mist. Stör mich nicht.

    Die jungen Hirne, die sagen, was könnte das sein, was könnte das sein, was könnte

    das sein.

    [00:11:27.300] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist echt ein Problem.

    Der Lehrer und die Lehrperson kann nicht nur immer ein Unterhalter sein.

    Sie sind nicht nur Kabarettisten, die können das auch gut, die können auch die

    Emotionen gut holen.

    Sie können ihre Kinder miteinbeziehen, dass sie helfen, ihre eigene Aufmerksamkeit

    reinzubringen.

    [00:11:59.220] Dr.med. Ursula Davatz: Kinder sind von Natur her neugierig.

    Speziell die Kleineren, die, die motorisch stark sind, die können überall hin und dann

    heisst es: nein, nein, nicht.

    Ich habe Kinder, die zu mir ins Büro kommen, zusammen mit der Mutter, und die Mütter

    sagen immer nein.

    Ich sage, das ist mein Büro, ich schaue schon, dass nichts kaputt geht.

    Dann lasse ich die Kinder machen, gehe mit, schaue oder erkläre etwas.

    Dann werden die ganz ruhig.

    Hingegen, wenn die Mutter sagt, nein, nicht, mach nicht, dann ist das Kind völlig verwirrt

    und hyperaktiv.

    [00:12:37.560] Dr.med. Ursula Davatz: Das sind ein paar Sachen, die ich zum ADHS

    sage.

    Jetzt versuche ich, noch ein bisschen mehr genaue Sachen dazu zu sagen.

    Kinder sind von Natur her neugierig.

    ADHS-Kinder sind noch neugieriger, das heisst, sie kontrollieren ihren Impuls nicht, und

    wenn sie etwas sehen, dann gehen sie dorthin.

    Dann stören sie natürlich je nachdem im Unterricht.

    [00:13:13.200] Dr.med. Ursula Davatz: ADHS wird heutzutage in den Medien überall

    genannt.

    Ich war vor Kurzem im SRF Club, hat es jemand gesehen?

    https://www.srf.ch/play/tv/club/video/adhs-superkraft-oder-chaos-im-kopf?

    urn=urn:srf:video:a6a4b554-e125-464a-a981-05b743e0d883

    Ich konnte fast nicht reden, weil ich so heiser war.

    Man merkt es immer noch ein bisschen.

    Ich war auch mit dem ADHS-Event im Bundeshaus. Das war sehr interessant.

    https://elpos.ch/jugendliche-mit-adhs-im-bundeshaus/

    [00:13:46.080] Dr.med. Ursula Davatz: ADHS Kinder von 12 bis 24, alle haben

    mitgemacht an Workshops.

    Es war hochinteressant.

    An dieser Sendung wurde auch die Frage gestellt, ob das eine Modekrankheit ist.

    Nein, es ist keine Modekrankheit.

    Ich sage ganz klar, es wird genetisch vererbt.

    Zu 80%, ich sage es wird zu 100% vererbt, aber ein Teil der ADHSler treten gar nicht in

    Erscheinung, weil der Umgang mit ihnen korrekt ist.

    [00:14:19.380] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn man gut mit dem ADHS umgeht, dann

    passiert nichts, dann brauchen sie nie einen Psychiater.

    Man hat Untersuchungen gemacht. Man tut das ja heute genetisch, man kann alles

    untersuchen, auch die alten Knochen.

    So hat man Knochen aus der prähistorischen Zeit, aus der Steinzeit untersucht und hat

    dort festgestellt, dass 50% das ADHS-Genom haben.

    Es ist nicht ein Gen, es ist ein Paket von Genen.

    Wenn Sie sich vorstellen, in der Steinzeit, das waren Jäger und Sammler.

    Die haben eine breite Aufmerksamkeit gebraucht.

    Das Wild kommt nicht immer durch die gleiche Türe rein.

    Das kommt mal hier mal dort.

    Man muss immer schauen, dann man es nicht verpasst.

    Evolutionstechnisch war das damals sinnvoll.

    Wenn man heute eine akademische Laufbahn macht, ist es nicht so sinnvoll überall

    rumzuschauen. Man muss einer Lehrperson, einem Professor, einem Thema folgen.

    Vor 46 Jahren habe ich mich dafür im Kanton Aargau interessiert. Mediziner haben

    POS/ADHS verneint.

    Die Kinderärzte habe das als erstes gesehen. Die haben von POS gesprochen.

    Psycho-Organisches-Syndrom.

    Dann auf einmal hat es geschwankt.

    Man hat bildgebende Verfahren machen können.

    Da hat man gesehen, das Hirn funktioniert ein bisschen anders.

    Jetzt ist es eine grosse, wie man so sagt, Mode.

    Gene können nicht Mode sein, die kann man nicht wechseln wie ein Kleid.

    Die hat man, oder man hat sie nicht.

    Die werden natürlich in einem ganzes Paket verwerbt.

    Da gibt es jetzt Studien von Amerika und Australien, glaube ich, wo man das Hirn dann

    genauer anschaut.

    [00:16:27.480] Dr.med. Ursula Davatz: Bei zwei Typen von ADHS ist das Hirn extrem

    anders vernetzt oder stärker vernetzt.

    Bei zwei anderen Typen 25%.

    Es ist auf jeden Fall ein bisschen ein anderes Hirn.

    Das Hirn kommt mit ganz, ganz vielen Möglichkeiten auf die Welt, welche es dann

    braucht oder auch nicht braucht.

    Wir lernen zum Beispiel unsere Muttersprache.

    [00:16:57.540] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn die Kinder zweijährig sind und älter

    werden, dann fangen sie an, die fremden Töne der Sprache auszuschalten,
    auszublenden.

    Das Hirn darf nicht immer alles aufnehmen, es muss ausblenden.

    Man sagt, ab der Pubertät kann man eine Fremdsprache nicht mehr akzentfrei lernen.

    Es gibt sehr talentierte Leute, die behalten das Hirn noch offen und die können es

    immer noch lernen.

    Der Durchschnitt kann eine Fremdsprache nicht mehr akzentfrei lernen.

    Das ist, weil das Gehirn die anderen Töne nicht mehr hört, die nicht produzieren kann

    mit seinem Kehlkopf, denn das ist ja verbunden.

    Man studiert auch immer mehr.

    Man sagt jetzt, 100 bis 500 Gene spielen eine Rolle.

    Es ist ja einfach immer ein Genpaket.

    Es wird nicht ein Gen einzeln vererbt, sondern in einer Familie wird der ganze Gensatz

    weitergegeben. Zwischen Mann und Frau natürlich neu aufgeschaukelt.

    [00:18:06.660] Dr.med. Ursula Davatz: Die Frau wählt eins, also passiert natürlich per

    Zufall.

    Der Mann wählt eins, das ist dann eine Kombination.

    So wird es dann vererbt.

    Ich kann ADHS in der Familie vorfinden.

    Ich nehme immer einen drei Generationen Familienstammbaum auf.

    [00:18:37.620] Dr.med. Ursula Davatz: Da hat es alle Zeichen von ADHS, auch wenn

    man es noch gar nicht so genannt hat.

    Etwas Weiteres, ich habe jetzt gesagt, die breite Aufmerksamkeit, die da ist, wenn es

    langweilig wird, dann wendet sich das Kind ab und sucht etwas Neues.

    Eine andere Eigenschaft, und zum Teil geht das natürlich ineinander, ist die emotionale

    Verletzlichkeit.

    [00:19:12.180] Dr.med. Ursula Davatz: Man sagt dann immer: du bist so sensibel,

    kannst Du nicht ein bisschen, eine dickere Haut entwickeln?

    Sie sind sensibel, auch die ADHSler, die hyperaktiv sind, sind in der Regel auch

    sensibel.

    Die Sensibilität bewirkt, dass sie schnell verletzt werden.

    Die bringt auch mit sich, dass sie Ungerechtigkeiten, und zwar nicht nur

    Ungerechtigkeiten sich selber gegenüber, auch Ungerechtigkeiten den anderen Kindern
    gegenüber.

    Ich hatte ein ADHS-Kind, das nicht mehr in die Schule ging, hat verweigert, weil es

    gefunden hat, die Lehrerin geht ungerecht mit den Kindern um.

    [00:19:52.260] Dr.med. Ursula Davatz: Die tut einen hyperstarken, lauten Jungen, die

    tut den nicht in die Schranken weisen und die anderen müssen dann darunter leiden.

    Das kann ich nicht mit anschauen.

    Die hat so die Schule verweigert.

    Sie selber hatte gar nicht Probleme, sie ist gut mitgekommen, aber sie hat es nicht

    ertragen.

    Manchmal sind mit ADHS auch noch Lernstörungen kombiniert, muss aber nicht sein,

    also sogenannte LRS, Legasthenie, oder Dyskalkulie.

    [00:20:23.460] Dr.med. Ursula Davatz: Dann bringt es natürlich mit sich, dass, wenn ein

    Kind eigentlich sehr intelligent ist, aber eine Lernstörung hat, dann fällt es dort unten
    raus.

    Dann kann es seine Potenzen nicht entwickeln.

    Das ist natürlich schade. Das gibt dann Frust und Fehlentwicklungen.

    Heutzutage kann man einen Nachteilsausgleich holen.

    [00:20:53.520] Dr.med. Ursula Davatz: Die ETH, die sich an sich mit ADHS befasst, die

    verlangt, dass man nach zwei Jahren wieder eine neue Prüfung machen muss, also
    einen neuen Test machen muss, ob er immer noch ADHS hat.

    Sie haben in dem Sinne noch nicht begriffen, dass ADHS vererbt ist, dass das bleibt.

    Das ist vom ersten Tag an, dass es bleibt.

    Im Erwachsenenalter, kann man lernen, mit seinem eigenen ADHS besser umzugehen.

    Dann hat man keine Problem mehr.

    Man muss es an sich lernen.

    [00:21:24.540] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn man ständig gestört wird von den

    Erziehungspersonen, dann lernt man nur, ich bin falsch, ich bin schlecht, ich passe nicht
    in die Gesellschaft, ich gehöre nicht dazu und so weiter.

    Das hört man dann von den frustrierten ADHSlern.

    Die kommen natürlich zu mir in die Behandlung.

    Dort habe ich viele solche Geschichten, und zum Teil sehr tragische, also eben bis zum

    Selbstmord, und viele andere Krankheiten.

    [00:21:58.860] Dr.med. Ursula Davatz: Im Augenblick, wo ein ADHS gestresst wird,

    dann kommen Stressreflexe in Gang.

    Ich sage vier Stressreflexe.

    Ich sage sie gerne auf Englisch, weil es sich dort so schön reimt.

    Fight: ist der Kampf.

    Flight: ist die Flucht.

    Freeze: ist der Totstellreflex.

    Tease: ist der Spielreflex.

    Den Spielreflex haben ADHS-Kinder oft länger bis zum hohen Alter, also die behalten

    den mehr.

    [00:22:33.120] Dr.med. Ursula Davatz: Der Spielreflex kommt in der Stunde zum

    Ausdruck, dass, wenn der Lehrer selber unter Druck kommt, dann übernimmt das
    ADHS-Kind und ist der Clown, unterhält dann alle.

    Wenn es findet, der Lehrer ist ungerecht, dann schwatzt er drein.

    Sie kompensieren, sie nehmen ihr Umfeld wahr und greifen dann ein.

    [00:23:04.020] Dr.med. Ursula Davatz: ADHSler sind auch Führungsfiguren.

    Überall dort, wo es schief läuft, gehen sie rein und machen irgendetwas.

    Nicht immer zur Freude der Lehrperson.

    Dann nehmen sie der Lehrperson das Zepter aus der Hand., die Führung aus der Hand.

    Wenn dann die Lehrperson findet, du hast keinen Respekt, Respekt gibt es hier nicht,

    dann heisst das überhaupt nichts.

    [00:23:34.140] Dr.med. Ursula Davatz: Die ADHSler folgen nicht aus Respekt.

    Sie folgen ohnehin nicht so gerne.

    Sie bestimmen lieber die Situation selber.

    Wenn sie aber eine gute Beziehung zum Lehrer hat, und ich weiss nicht, ob ich das

    Respekt nenne, ich sage wahrscheinlich eher eine Beziehung, wenn sie eine gute
    Beziehung haben, dann kann die Lehrperson als erwachsene Person das ADHS-Kind
    durchaus führen.

    Wenn man aber den Vater verliert, also eben keine Erziehung ohne Beziehung, wenn

    man keine Beziehung hat, dann kann man es gerade vergessen.

    [00:24:09.780] Dr.med. Ursula Davatz: Die ADHSler neigen eher zum Kampfreflex, also:

    sei ruhig, du spinnst, hör auf, haue dir einen in die Fresse.

    Die ADSler, und ich weiss nicht, ob die genetisch stark unterschiedlich sind, aber im

    Verhalten gibt es ADSler, und man trifft das, da fällt die Hyperaktivität weg.

    [00:24:40.800] Dr.med. Ursula Davatz: Die neigen zu Flucht, Ausweichverhalten,

    Rückzug in eine Fantasie.

    Die gehen dann in die innere Welt, träumen, sind abgehängt, sie stören dadurch aber

    nicht, aber sie verpassen die Schule.

    So habe ich eine gehabt, die ist nicht drausgekommen, weil sie abgelenkt war, ist sie

    heimgegangen, hat alles nochmal angeschaut und hat dann gemerkt, ah, ich verstehe
    es schon.

    Es kann passieren, dass, wenn sie es nicht mehr anschauen, dass sie dann denken, ich

    bin dumm.

    [00:25:12.240] Dr.med. Ursula Davatz: Das stimmt natürlich nicht.

    Die Expressiven, also ADHSler, die neigen eher zu Kampf und Auseinandersetzung und

    Konflikt.

    Sie wollen auch etwas über ASS hören. Autismus-Spektrums-Störung.

    Das ist an sich eine Beschreibung eines Verhaltens, das man bei den Schizophrenen

    erlebt.

    [00:25:42.780] Dr.med. Ursula Davatz: Autismus, das ist eigentlich die Totenstarren.

    Da zieht sich die Person zurück und sie kommuniziert nicht mehr.

    Wir sind natürlich sehr angewiesen auf eine Kommunikation.

    Wenn dann das Gegenüber nicht mehr kommuniziert, werden wir verrückt, frustriert und

    wollen eine Kommunikation.

    [00:26:14.220] Dr.med. Ursula Davatz: Je mehr man auf so ein autistisch sich

    zurückziehendes Kind versucht einzuwirken, umso mehr setzt man es unter Stress.

    Dann kann es passieren, dass es auch ausrastet.

    Das ist dann der sogenannte Meltdown, oder wir sagen im Psychiatrischen "einen

    Raptus haben".

    Hat jemand diese Sendung gesehen: Familien am Limit?

    https://www.srf.ch/play/tv/dok/video/familien-am-limit—wenn-kinder-alle-grenzen-sprengen?urn=urn:srf:video:05fa55a5-dbbf-40a2-9029-4b8f5b81f2b8

    [00:26:44.640] Dr.med. Ursula Davatz: Das passiert erst, wenn man zu fest auf sie

    einredet.

    Ich sage dem dann, wenn man auf diese Sorte Kinder, also die sehr sensibel sind,

    wenn man auf die zu fest einwirkt, dann stresst man sie.

    Wenn der Rückzug nicht mehr funktioniert, dann platzen sie.

    In der Autismussprache spricht man dann von Meltdown.

    Dann bricht die ganze Koordination zusammen.

    [00:27:16.740] Dr.med. Ursula Davatz: Man müsste sie einfach beruhigen.

    Autismus wird jetzt immer mehr gestellt.

    Da könnte man auch sagen: Modekrankheit.

    Bis jetzt sind sie noch nicht ganz so weit.

    Vor dem Autismus hat man noch ein bisschen mehr Angst.

    Viele diagnostizieren ihren Partner, ihre Kinder selber mit Autismus.

    Ich behaupte, die Autismusreaktion ist eine Reaktion eines sensiblen Menschen auf

    eine Überbelastung, also Überreizung.

    [00:27:48.840] Dr.med. Ursula Davatz: Man muss Runterfahren mit einem Reiz und

    zuerst einmal schauen.

    Das sind Regeln, Verhaltensregeln, die man allgemein den ADHS-Kindern gegenüber

    an den Tag legen muss.

    [00:28:19.080] Dr.med. Ursula Davatz: Im Aargau wollen sie eine bessere Versorgung

    für autistische Kinder.

    Man will ein gutes Angebot.

    Da bin ich jetzt auch gefragt worden vom BKS, dass ich ein Interview mit ihnen mache.

    Dass ich ein bisschen meine Erfahrungen herausgebe.

    [00:28:49.140] Bemerkung 1: Die Grundlage ist eine ähnliche bei ADS und Autismus,

    also ASS, nämlich eine Hypersensibilität.

    Der Umgang vom Kind, wie es damit umgeht in Stresssituationen, in Fight, in Freeze

    oder in Flucht?

    Es gibt dann diese Aufteilung.

    Die Basis ist die gleiche?

    [00:29:19.740] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, die genetische Basis ist ähnlich.

    Da gibt es sogar genetische Studien, die hat es schon gegeben im 2014.

    GWAS.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Genomweite_Assoziationsstudie

    Genome-wide Association Studies, man hat fünf psychiatrische Krankheitsbilder

    genommen und hat die genetisch untersucht.

    Das ist Schizophrenie, manisch-depressiv, bipolare Störung, schwere Depression,

    Autismus und ADHS.

    [00:29:52.560] Dr.med. Ursula Davatz: Die haben alle den gleichen veränderten Gen-

    Lokus.

    Dann haben die Psychiater gesagt, hm, komisch, so viele verschiedene

    Krankheitsbilder, welche die gleiche genetische Konstellation haben.

    Ich habe gesagt, nein, das ist genau das, was ich sage.

    Die genetische Grundkonstellation ist bei allen gleich.

    Je nachdem, es hat natürlich immer noch andere Eigenschaften dazu.

    Je nachdem, wie man mit dem Kind dann umgeht, gibt es dann das oder das oder das.

    [00:30:33.960] Bemerkung 2: Vor dem Autismus hat man am meisten Angst, sagen sie.

    Wenn ein Kind total zumacht, eigentlich der schwierigste ist.

    [00:31:03.960] Dr.med. Ursula Davatz: Ganz genau.

    Wenn ein Kind total zumacht, hat man so keine Möglichkeiten.

    Wenn der Patient nicht mehr reagiert, kann der Therapeut sadistisch werden.

    https://www.tagesanzeiger.ch/pdag-koenigsfelden-tod-nach-methadon-therapie-im-aargau-920659249815

    Wenn ein Kind nicht mehr reagiert, dann muss man selber runterfahren, sich selber

    beruhigen und ich sage in Anwesenheit von diesem Kind meditieren, ohne die
    Beziehung abzubrechen.

    Das Kind spürt, man ist noch da, man will es aber nicht beeinflussen.

    Wir wollen beeinflussen.

    Wir machen es über das emotionale Hirn.

    [00:31:34.620] Dr.med. Ursula Davatz: Emotion kommt vom Wort emovere, bewegen.

    [00:31:37.452] Bemerkung 3: Man hält eigentlich die Ohnmacht nicht aus, oder?

    [00:31:40.900] Dr.med. Ursula Davatz: Man hält die eigene Ohnmacht nicht aus. Ganz,

    ganz genau. Sie sagen es ja. Man hält seine eigene Ohnmacht nicht aus.

    Das ist etwas vom Schwierigsten, ist auch etwas vom Schwierigsten für uns

    professionelle Helfer, also Ärzte, Psychiater.

    Wir sind in einer Ohnmachtsposition, können sogenannt nichts machen, ausser einfach

    da sein.

    [00:32:04.980] Dr.med. Ursula Davatz: So etwas Banales wie Beziehung pflegen, das

    ist das Wichtige.

    Wenn ich Mütter habe von schizophrenen Kindern, die in der Pubertät entgleisen, die

    wollen dann immer noch etwas machen und das kann ich nicht machen und das muss
    ich machen und so.

    Ich muss dann denen stundenweise beibringen, die Beziehung zu halten, aber nichts

    bewirken wollen.

    [00:32:34.980] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist noch schwierig.

    Die Beziehung an sich wirkt, man gibt dem Kind einen Raum und dann kann es selber

    wachsen.

    Sie sagen es absolut richtig. Das ist gut.

    Für uns ist etwas vom Schwierigsten einfach da sein, bereit sein, in Beziehung zu

    bleiben und nicht wissen, was zu machen.

    Mit der Zeit kommt dann vielleicht etwas.

    [00:33:06.720] Dr.med. Ursula Davatz: Man darf nicht gerade schon meinen, man

    wüsste, was zu machen ist.

    In meinem neuen Buch, sage ich ja, ADHS-Folgekrankheiten.

    Psychiatrie im Offside.

    https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhsads-folgekrankheiten/

    Wir Psychiater, wir Ärzte, wollen handeln, wir sind Handlungstypen.

    Wenn wir nicht handeln können, dann denken wir irgendetwas aus und denken, das

    wäre vielleicht das Beste.

    Da überfahren wir so schwierige psychiatrische Patienten und da überfahren wir das

    ASS-Kind und wir müssen da wieder uns zurücknehmen und ruhig sein und beobachten
    und schauen, aber nicht die Beziehung abbrechen.

    [00:33:37.140] Dr.med. Ursula Davatz: Denn Beziehung abbrechen heisst ja,

    Liebesentzug.

    Das darf man genau nicht, auch wenn man nicht weiss, was zu machen.

    [00:33:50.439] Bemerkung 4: Was ist, wenn das Kind das als Machtinstrument nimmt?

    Zwei Jahre lang nicht mehr zum Psychologen, kein Wort.

    Wie kann man dann weitermachen?

    [00:34:11.040] Dr.med. Ursula Davatz: Dann hat der Psychologe nicht den richtigen

    Zugang zu ihm.

    Dann muss man bankrott erklären.

    [00:34:35.002] Bemerkung 5: Das ist nicht einfach für den Psychologen.

    [00:34:43.860] Dr.med. Ursula Davatz: Nein, ich weiss.

    Schweigen als Machtinstrument.

    Wenn man therapeutische Gruppen hat und gewisse Mitglieder nie reden und die

    anderen reden alle, dann wird sich auf einmal der Hass der übrigen Gruppenmitglieder
    auf das schweigende Individuum projizieren.

    Es ist Sache des Gruppenleiters, gute Therapeuten, die können dann den

    Schweigenden hineinholen.

    Nicht mit Zwang. Nicht, du musst jetzt auch reden.

    [00:35:13.980] Dr.med. Ursula Davatz: Da braucht es Verführungstaktiken.

    Das können nicht alle.

    Es gab einen in der Klinik Schützen, der Walter Heuberger, der konnte das sehr gut.

    Es können es lange nicht alle.

    Das Teasing ist der Spielreflex, necken.

    Man sagt ja: was sich neckt, das liebt sich.

    Necken ist eigentlich ein Annäherungsverhalten, wo man nicht genau weiss, wie der

    andere ist, man probiert ein bisschen und schaut wie der reagiert.

    [00:35:51.420] Dr.med. Ursula Davatz: Bei den Hündchen, die kenne ich am besten, die

    Welpen, die spielen und beissen einem mit ihren Milchzähnen.

    Sie wollen nicht beissen, sie wollen spielen mit einem.

    Da muss man dann das verwenden können, dass man auflockert.

    Das ist hohe Kunst.

    Klar, ich kann es als Machtinstrument verwenden.

    [00:36:14.946] Bemerkung 6: Das Gleiche ist auch in einer Klasse, wenn das Kind im

    Kreis nicht spricht. Manchmal gelingt es, manchmal nicht.

    [00:36:24.240] Dr.med. Ursula Davatz: Da müssen sie von ihren Gespür ausgehen.

    Kann ich es jetzt rauslocken oder muss ich es einfach lassen?

    Da kann man dann zu den anderen Kindern sagen, nein, das kann jetzt noch nicht

    reden oder will nicht reden.

    Wir lassen ihm die Zeit.

    [00:36:58.320] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn man zu verschiedenen Tierarten geht,

    man kann einem Elefanten das Klettern nicht beibringen.

    Es ist alles die gleiche Spezie, aber es gibt verschiedene Menschen.

    Wenn man ein Kind zwingen will, zu reden, wenn es noch nicht kann, noch nicht will,

    noch Angst hat, dann macht man es nur kaputt.

    [00:37:28.380] Dr.med. Ursula Davatz: Eine Frau, ein Kind von einem Heimleiter, die hat

    nicht geredet, das war auch scheu.

    Die musst aufstehen, als Bestrafung. Die musste die ganze Schulzeit stehen, als

    Bestrafung.

    Das ist keine gute Pädagogik.

    [00:38:00.360] Bemerkung 7: Die Beziehung ist das wichtigste.

    Ich bin neu ein einen Kindergarten gekommen, mit einem autistischen Kind.

    Die Mutter hat gesagt: das Kind mag sie. Das Kind ist so.

    Wenn es jemanden nicht mag, dann geht es nicht.

    [00:38:33.240] Dr.med. Ursula Davatz: In der Schizophreniebehandlung sagen wir: you

    never have a second chance to make a first impression.

    Wenn wir Ärzte auf einen Schizophrenen zugehen und etwas falsch machen, haben wir

    verloren.

    Das ist das gleiche bei den autistischen Kindern.

    Das Kind nimmt natürlich irgendetwas wahr in ihnen.

    [00:39:04.620] Dr.med. Ursula Davatz: Eine gewisse Akzeptanz, nicht eine Dominanz,

    sie wollen irgendetwas machen, sondern sie lassen das Kind so sein, wie es ist.

    Irgendetwas Tolerantes hat es in ihnen wahrgenommen.

    Wenn man jetzt Pech gehabt hat, dass es einen ablehnt, dann kommt man schon auf

    eine höhere Stufe.

    Dann müsste jemand anders vielleicht helfen.

    [00:39:38.580] Dr.med. Ursula Davatz: Was passt dir nicht an dieser Frau?

    Was siehst du in ihr?

    Was für Eigenschaften attribuierst du ihr?

    Es müsste jemand anders reinkommen und ein bisschen fragen.

    Dann beginnt schon die menschliche Interaktion.

    Mein Sohn hat mir immer Fotos gezeigt von Politikern, bekannten Leuten..

    Was findest du zu dem?

    Ich habe nicht gewusst, wer es ist. Ich musste einfach eine Analyse machen.

    [00:40:10.920] Dr.med. Ursula Davatz: Man analysiert natürlich visuell, was ist das für

    ein Mensch.

    Man drückt in seinem Gesicht auch etwas aus.

    Ich könnte jetzt nicht genau sagen, das ist das und das ist das.

    Es ist immer das Ganze, das es ausmacht.

    Ist jemand flexibel, ist jemand ehrgeizig, ist jemand ängstlich, ist jemand weiss ich nicht

    was.

    Das ist Gesicht lesen.

    Die die Mutter hat gesagt, sie haben Glück gehabt.

    Ich würde sagen, nein, sie haben etwas recht gemacht.

    [00:40:45.900] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist nicht einfach nur Glück.

    Das ist immer schon eine feine Interaktion.

    Wenn das nicht geht, muss jemand anders reinkommen.

    Wenn man die Beziehung nicht hinbringt, dann muss jemand anders reinkommen.

    Dann kann man miteinander austauschen, wie erlebst du das Kind, auf was reagiert es.

    Dann kann man das Wissen voneinander holen.

    Macht das Sinn?

    Man kann sagen: bei mir hat das funktioniert, bei mir das.

    [00:41:20.940] Dr.med. Ursula Davatz: So lernt man das Kind dann immer besser

    kennen.

    Wichtig ist, dass, wenn das Kind einen ablehnt, dass man nichts forciert.

    Ja, nicht!

    Man sagt ganz allgemein, man sollte mit ADHS-Kindern mit low arousal umgehen.

    Man muss immer einen ruhigen Zustand erreichen, sonst geht alles schief.

    Sonst löst man sofort den Abstossreflex aus. Kampf oder Rückzug.

    [00:41:54.960] Dr.med. Ursula Davatz: Sie müssen sich immer zuerst in einen ruhigen

    Zustand versetzen und dann die Beziehung aufnehmen.

    Nicht schon irgendetwas wollen von den Kindern.

    Das erzählen alle Mütter von ADHS-Kindern, wenn man von einer Situation in die

    andere wechselt, muss das sorgfältig und langsam passieren.

    Nicht, oh, jetzt pressiert es, jetzt müssen wir gehen.

    Das geht überhaupt nicht. Dann wird gesperrt, gesperrt, und dann braucht es eine

    Stunde oder geht gar nicht.

    [00:42:25.080] Dr.med. Ursula Davatz: Nicht dieses nervöse Gehabe.

    [00:42:26.978] Bemerkung 8: Ich finde es einfach sehr schön, wie Sie es jetzt gesagt

    haben.

    Wir unterstellen den ASS-Kindern heute, dass sie keinen Blickkontakt machen, dass sie

    das Gegenüber nicht wahrnehmen.

    Sie haben es eigentlich so schön gesagt, Sie nehmen sehr genau wahr und sehr viel.

    Ich finde das einfach noch wichtig, um das zu unterstreichen.

    Der Blickkontakt kann auch eine Bedrohung sein. Wie lange kann man dem anderen in

    die Augen schauen.

    [00:43:07.800] Dr.med. Ursula Davatz: Eine Künstlerin, die hat ja im Museum of Modern

    Art in New York, ist sie auf einem Stuhl gesessen, man hat ihr gegenüber sitzen
    können, und sie hat einfach geschaut und geschaut und geschaut.

    In der Ausstellung in Zürich haben sie dann gezeigt, wie lange die verschiedenen Leute

    schauen konnten.

    Dem anderen in die Augen schauen, ist ein Dominanzkampf.

    Wer weicht zuerst aus? Das ADS-Kind weicht schon am Anfang aus. Es will nicht in

    diesen Kampf hinein.

    [00:43:39.180] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist nicht Mangel an Respekt, das ist

    Schüchternheit.

    Wir erlauben fast keine Schüchternheit mehr.

    Es müssen alle so Performance zeigen.

    [00:44:09.960] Bemerkung 9: Schlussendlich hat das mit Achtung zu tun mit einem

    Menschen, beim Begriff nicht in die Augen schauen. Man muss das dem Kind
    antrainieren.

    [00:44:37.994] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn sie sagen antrainieren, sind wir schon auf

    der belehrenden Seite.

    ADHS/ADS Kinder, die müssen intrinsisch motiviert sein.

    Wenn die Atmosphäre ihnen genug Sicherheit gibt, dann machen sie es. Wenn man sie

    trainieren möchte, dann überfordert man sie.

    Das ist schon forcieren.

    Man muss akzeptieren, so lange sie das nicht können.

    [00:45:14.520] Bemerkung 9: Machen die das selber irgendwann?

    [00:45:16.747] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, wenn sie genügend vertraut sind.

    Die Chinesen geben einem auch nicht die Hand, die Engländer auch nicht. Die Japaner

    auch nicht. Die machen nur so, die verbeugen sich.

    Es gibt ganz verschiedene Begrüssungsrituale.

    Bei den ADHS oder ADS oder ASS-Kindern, die gehen oft nicht mit diesen

    Begrüssungsritualen.

    [00:45:46.620] Dr.med. Ursula Davatz: Akzeptieren, nicht zwingen.

    Ich höre dann Erwachsene, die sagen, ich musste die Hand gegeben.

    Dann hasst man alle Leute, weil man allen Leuten in die Augen schauen muss.

    [00:45:56.117] Bemerkung 10: Wenn die Kinder sich verabschieden, müssen sie mir in

    die Augen schauen. Das stresst die Kinder nicht.

    [00:46:39.840] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn man sich entschuldigt, schüttelt man

    schnell die Hand.

    Das bringt nichts.

    Ich mag lieber: Es tut mir leid.

    Man kann beim Hand geben auch die Füsse anschauen.

    [00:47:11.880] Dr.med. Ursula Davatz: Sie dürfen das als Regel sagen.

    Das ist unsere Regel.

    Das Kind übernimmt diese Regel dann, wenn es bereit ist.

    Wenn man zu fest drückt, löst man immer Widerstand aus.

    Ich vertraue ihrem Gespür, dass sie es schon im rechten Moment machen.

    [00:47:48.120] Dr.med. Ursula Davatz: Beim Schizophrenen, wenn die einen akuten

    Schub haben, darf ich denen nicht in die Augen schauen.

    Die fühlen sich sofort bedroht.

    Ich muss so ein bisschen neben durch, schon gerichtet oder ein bisschen runter oder

    ein bisschen denkend, aber ja, nicht in die Augen.

    In Zürich, an der Psychologischen Fakultät, haben sie Weißbüscheläffchen gezüchtet.

    Wenn man ihnen in die Augen geschaut hat, dann haben die verlegen gelächelt.

    [00:48:20.040] Dr.med. Ursula Davatz: Es kann eine Bedrohung sein.

    Da muss man aufpassen, dass man nicht in die Bedrohung einsteigt.

    Menschen, Kinder mit ADHS müssen intrinsisch motiviert sein.

    Sie müssen ihren Fokus finden, speziell wenn es dann um das Adoleszentenalter geht.

    Schon bei den kleinen Kindern, die haben Eigenschaften.

    Wenn man immer gegen die vorgeht, dann schadet man ihnen.

    [00:48:54.600] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn sie den intrinsischen Fokus haben, dann

    sind sie hyperfokussiert.

    Das sind alle die Wissenschaftler, die berühmt geworden sind.

    Albert Einstein, der war hyperfokussiert, der hat dann Tag und Nacht gerechnet an

    seinen Theorien.

    Seine Frau musste sagen, jetzt musst du aufstehen, jetzt musst du essen gehen, jetzt

    musst du trinken, jetzt musst du schlafen gehen.

    Das ist dann in der High-Performer-Kategorie.

    [00:49:25.080] Dr.med. Ursula Davatz: Denen muss man sagen: wir müssen Pause

    machen.

    Sie müssen ein intrinsisches, eigenes Ziel finden.

    [00:49:57.120] Bemerkung 11: Bei uns an der Schule sind wir sehr gefordert.

    Die intrinsische Motivation das zu machen ist nicht vorhanden.

    Was machen wir dann?

    Die Kinder arbeiten nicht vorwärts.

    Da sind wir sehr gefordert.

    Wie sollen wir dann reagieren?

    [00:50:29.460] Dr.med. Ursula Davatz: Ok, du hast jetzt keine Lust, das interessiert dich

    nicht, was interessiert dich dann?

    Nichts?

    Das kann es nicht sein.

    Ich habe jetzt gerade ein Schulverweigerungskind.

    Das ist schon im Kindergarten sehr schwierig gewesen, sicher ein ADS Kind.

    Das interessiert sich für Steckenpferde.

    [00:51:01.020] Dr.med. Ursula Davatz: Es hat selber Steckenpferde gekauft.

    Ich habe heute Morgen eine Sendung gehört: Hobbyhorsing.

    Das fand ich sehr interessant!

    Reiten können nur die Vornehmen. Upper Class.

    Pferde halten ist teuer.

    Leute die kein Pferd halten können, haben ein Steckenpferd gemacht.

    [00:51:32.340] Dr.med. Ursula Davatz: Hobbyhorse, so ist das Wort Hobby entstanden.

    Jemand der kein Hobby hat, ist nicht interessant.

    [00:52:06.060] Dr.med. Ursula Davatz: Bei einer Bewerbung wird man immer gefragt:

    was sind Ihre Hobbys?

    Lesen, Sport, ich weiss nicht was.

    Heute gehört es zur Persönlichkeit, dass man ein Hobby hat.

    Hobbyhorse hat sich zu einem positiven Begriff entwickelt. Es ist toll, wenn man ein

    Hobby hat, dann ist man eine Persönlichkeit.

    Der Schulverweigererin sage ich, dass sie recherchieren soll über Hobby Horse.

    [00:52:39.060] Dr.med. Ursula Davatz: Es muss einem immer wieder irgendetwas

    einfallen.

    [00:52:43.597] Bemerkung 12: Ja, das ist klar.

    Ich habe ein Bild jetzt gerade von einem Jungen.

    Er braucht Begabungsförderung, aber wir haben keine Ressourcen.

    [00:53:09.180] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn es mit dem Kind nicht klappt, den ganzen

    Lehrplan vergessen. Der bringt nichts, man kann alles nachholen, dann nur auf
    Persönlichkeitsförderung gehen.

    Es gibt Beispiele von Afrikanern, die nicht lesen und schreiben können, die als Bauern

    gearbeitet haben, die dann mit 16 oder so nach Paris gegangen sind, alles nachgeholt.

    Im Zweifelsfalle Lehrplan vergessen, ich sage jetzt sogar spülen, und mit dem Kind

    etwas eigenes machen. Ich sehe die Kinder dann in der Psychiatrie, völlig kaputt
    gemacht, und was braucht das für einen Aufwand, um die wieder herauszuholen?

    Da sage ich, lieber Lehrplan spülen, gehen lassen, nicht erfüllen, aber das Kind nicht

    kaputt machen.

    Das ist für mich dann ein höheres Prinzip.

    Ich habe ein paar Schulverweigerer, und ich musste sagen, es geht nicht, ich bringe sie

    nicht zurück in die Schule, also gut, wir hören auf.

    [00:54:41.100] Dr.med. Ursula Davatz: Heute kann man auch Homeschooling machen

    und weiss ich nicht was alles.

    Ich weiss, der Druck kommt von oben runter, aber ich mache kein Kind kaputt, wenn ich

    merke, ich mache es wirklich schlecht.

    Da sage ich dann: nicht über meine Leiche.

    [00:54:55.456] Bemerkung 14: Es bringt dem Kind nichts, wenn es das 1×1 kann und

    sonst nichts.

    [00:54:59.014] Dr.med. Ursula Davatz: Es bringt dem Kind gar nichts!

    Da gehe ich völlig weg von den regulierten Lehrplänen.

    [00:55:21.420] Bemerkung 15: Die Kinder brauchen mich häufig zum regulieren.

    Gleichzeitig möchte ich ihnen auch den Ball zurückgeben.

    Das ist sehr streng.

    [00:56:10.740] Dr.med. Ursula Davatz: Ein Beispiel von einer Handarbeitslehrerin.

    Ich rede jetzt von geteilter Aufmerksamkeit.

    Man kann nicht sich ständig nur auf das Kind konzentrieren, sie haben immer auch ein

    Kollektiv.

    Sie sind dem Kollektiv gegenüber verantwortlich und sie sind im Kind gegenüber

    verantwortlich.

    Da hat mir eine Lehrerin das Beispiel gebracht, der hat einfach immer gestört, gestört,

    gestört.

    Sie hat aber mit ihrer Arbeit weiterfahren wollen.

    Dann hat sie gesagt, ich sehe, du kannst das jetzt nicht, du darfst, nicht du musst, du

    darfst vor die Tür gehen und wenn ich der Klasse alles erklärt habe, komme ich dann zu
    dir.

    Das ist geteilte Aufmerksamkeit.

    Sie müssen zuerst das Kollektiv bedienen und dann das Kind.

    Nicht vor der ganzen Klasse.

    Denn dann, muss immer die ganze Klasse zuschauen, fühlt sich benachteiligt, das Kind

    ist bevorteilt.

    Da muss man einen Weg herausfinden, wie man es macht.

    Früher hat man Kinder, die nicht mitgespielt haben, hat man einfach vor die Tür

    geschickt.

    Das war eine Bestrafung.

    [00:56:48.060] Dr.med. Ursula Davatz: Letztens hat mir auch eine Lehrerin gesagt, ich

    sage, ich sehe, deine Aufmerksamkeit ist jetzt nicht mehr da, du darfst jetzt fünfmal die
    Treppe rauf und runter rennen oder um das Schulhaus herumrennen.

    Du darfst eine physikalische Aktivität machen.

    Nicht als Strafe, sondern weil du das brauchst.

    [00:57:18.240] Bemerkung 16: Manchmal geht das.

    Manchmal habe ich dazu die Kraft nicht mehr.

    Beim dritten Mal um das Schulhaus rennen, will das Kind immer noch mehr, es wurde

    langweilig.

    [00:57:21.482] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn sie keine Idee mehr haben, könnten sie

    zum Kind sagen: hast du eine Idee, was du jetzt machen könntest?

    Sie können sogar die Klasse fragen, hat einer von euch eine Idee, was der jetzt machen

    könnte?

    Der mag jetzt hier nicht mehr aufpassen, der stört euch ständig, weil er einfach nicht

    anders kann.

    [00:57:51.300] Dr.med. Ursula Davatz: Da würde ich das Kind fragen und die Klasse als

    Ressource.

    [00:58:09.326] Bemerkung 16: Ich merke wie ich dabei an meine Grenze komme.

    Ich beginne von vorne.

    [00:58:23.880] Dr.med. Ursula Davatz: Das glaube ich.

    Sie dürfen auch sagen: jetzt weiss ich nichts, jetzt muss ich studieren.

    Sie dürfen ihre Ohnmacht offen zugeben.

    Das ist besser als so zu tun als ob sie alles im Griff haben.

    [00:58:55.860] Bemerkung 16: Ich habe das Gefühl, ich habe so viel schon probiert,

    eben und es kommt immer wieder Neues.

    [00:59:02.992] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist einfach der Zustand der ist.

    Sie können sagen: jetzt bin ich am Anschlag, wer hilft?

    Sie dürfen die Ressource von der Klasse verwenden.

    Es gibt immer Alphatiere mit einer Idee.

    [00:59:27.060] Bemerkung 17: Das habe ich auch schon erlebt.

    Wenn man ein Kind hat, das spezielle Bedürfnisse hat, wie jetzt du gerade eingebracht

    hast, und daneben hat man auch noch Schwache und die Starken.

    Es reisst wirklich und das erschöpft.

    Dann verliere ich die Geduld mit mir selber.

    [01:00:15.540] Dr.med. Ursula Davatz: Da sage ich jetzt, wenn sie all die individuellen

    Bedürfnisse sehen, und sie können die alle nicht gleichzeitig befriedigen, da können sie
    wieder wechseln zum absolut autoritären Schulgeben.

    [01:00:47.700] Dr.med. Ursula Davatz: Früher waren die Lehrer viel autoritärer.

    Der Lehrer, der Pfarrer und der Arzt waren Autoritäten vom Dorf.

    Das ist einfach so gemacht worden.

    Da haben sich auch die ADHS-Kinder halt einfach angepasst.

    Wenn alles ein bisschen zu fest auseinandergeht und sie müssen es früh genug

    merken, dann dürfen sie autoritärer reinkommen und sagen, jetzt ist da so ein, was
    wollen wir sagen, ein Flohhaufen, jetzt muss ich durchgreifen.

    [01:01:18.840] Dr.med. Ursula Davatz: Heutzutage ist Schulgeben viel, viel schwieriger.

    Man tut einerseits sehr individuell, was gut ist, Schulgeben, aber wenn es dann darauf

    ankommt und alles durcheinandergeht, müssen sie wieder autoritär werden.

    Sie müssen wechseln zwischen sehr individualistisch und hochautoritär.

    [01:01:52.260] Bemerkung 18: Gewissen Kindern tut das sehr gut!

    [01:02:23.040] Dr.med. Ursula Davatz: Ein Gong, denn erschrecken alle.

    Hochautoritär und hochindividualistisch.

    Das ist eine hohe Anforderung.

    [01:02:28.375] Bemerkung 18: Ich merke dann auch, wenn ich die Autorität habe und

    sie können runterfahren, kann ich auch wieder auf das einzelne Kind zugehen und
    fragen: und was brauchst du jetzt, damit du weitermachen kannst?

    Für die, die spezielle Aufmerksamkeit brauchen.

    Wenn ich alle gleichzeitig bedienen möchte, das geht nicht.

    Ich muss alle auf einen Punkt zurückholen, wo ich wieder anfangen kann.

    [01:02:53.700] Dr.med. Ursula Davatz: Verwenden sie den Gong.

    Dann wirklich autoritär, dann reden nur noch sie, sonst niemand.

    [01:03:24.360] Bemerkung 19: Wenn man so einen Fall hat: Lehrplan über den Haufen

    schmeissen, was braucht es, damit man den Schritt machen kann?

    [01:03:56.460] Dr.med. Ursula Davatz: Ich sage als Ärztin wie man es machen soll.

    Es kommt auf den Ort an.

    Das KESB sagt dann, das Kind muss in die Psychiatrie.

    Ich habe Leute aus der Kinderpsychiatrie, das ist ein Durcheinander, eine

    Überforderung, sicher keine günstige Atmosphäre, dass sich ein autistisches Kind gut
    entwickeln kann.

    Alles andere als in die Psychiatrie.

    Wir müssen zusammen einen Weg finden.

    [01:04:32.460] Bemerkung 20: Wir haben einen Bildungsauftrag.

    Ich wäre absolut bereit, so etwas zu machen, das weiss ich.

    Es gibt so einen gewissen Hemmschuh, weil man Angst vor den Konsequenzen hat,

    dass der Lehrplan über den Haufen geschmissen wurde.

    [01:05:05.760] Dr.med. Ursula Davatz: Man muss mit den Eltern zusammenarbeiten.

    Ich hatte ein traumatisiertes Kind. Das wurde am ersten Kindergartentag von der Mutter

    weggerissen und eingesperrt.

    Das Kind hat ein Schultrauma entwickelt.

    Das kann nicht mehr in die Schule gehen ohne Begleitung.

    Die Begleitung machen jetzt die Grosseltern.

    [01:05:39.480] Dr.med. Ursula Davatz: Man muss mit den Eltern zusammen kämpfen,

    da habe ich jetzt als Ärztin noch geholfen und es hat noch einen Kinderpsychiater
    drinnen und wir haben es jetzt hingebracht.

    Der ist ganz sicher ein ADHS-Kind, er ist jetzt, in der dritten Klasse oder in der vierten

    Klasse.

    Wir konnten ihn beruhigen. Wenn wir den in ein Heim gesteckt hätten oder in die

    Psychiatrie, wir hätten ihn nur kaputt gemacht.

    Da hat die Psychiatrie keine Antwort. Das sind dann lauter schwierige Kinder. Was

    macht man? Medikamente und sonst nichts.

    [01:06:17.580] Bemerkung 21: Man könnte den Ball viel flacher behalten, wenn man

    niederschwelliger intervenieren kann.

    Ohne KESB etc.

    [01:06:51.120] Dr.med. Ursula Davatz: Das stimmt.

    Jede Situation ist anders.

    Die haben nicht mit den Eltern zusammengearbeitet, die Mutter war nicht einfach.

    Das ist dann so.

    Mit dem Aufwand der Grosseltern haben wir erreicht, dass das Kind wieder in die

    Schule gehen kann.

    [01:07:22.200] Bemerkung 22: Wenn das Kind als Beispiel nur Hobbyhorsing macht.

    Wenn es eine Lehre macht, dann müssen die Arbeitgeber das respektieren.

    [01:07:53.700] Dr.med. Ursula Davatz: Das muss nicht so sein.

    Es geht mir um die Persönlichkeitsentwicklung vom Kind.

    Und es geht um die Integration in der Gruppe.

    Die Integration in der Gruppe ist auch immer ein Thema, gerade von einem Lehrer.

    [01:08:24.240] Dr.med. Ursula Davatz: Der Sha von Persien war für fünf Jahre in einer

    Schweizer Schule.

    Er hat viel gelernt über Integration.

    Er ist dann wieder in den autoritären Führungsstil zurück gefallen und wurde verjagt.

    [01:08:58.980] Dr.med. Ursula Davatz: Der Lehrer hat die Aufgabe, das Individuum zu

    fördern.

    Immer auch in der Gruppe.

    Das muss man auch so sagen. Man kann nicht nur den Individualismus fördern.

    Es geht immer auch um die integration.

    Die Kinder können das nicht unter sich lösen.

    Die Lehrperson ist eine ganz wichtige Figur die hilft beim sozialisieren.

    [01:09:29.820] Dr.med. Ursula Davatz: Das dürfen sie einfordern von beiden Seiten.

    Vom Individualist und von den Braven.

    Wie können wir dem Kind erleichtern, dass es in der Gruppe mitmachen kann.

    [01:10:01.020] Dr.med. Ursula Davatz: In der BEZ in Turgi sind immer drei

    Lehrpersonen zu mir gekommen, wenn sie Probleme hatten.

    Ein Junge ist immer abgehauen.

    Mit der Klassenlehrperson, dem Schulleiter und den Eltern hatten wir eine Sitzung. Das

    Kind war nicht dabei.

    Jedes Kind von der Klasse musste den Jungen eine Woche lang begleiten.

    Neben ihm sitzen, ihn einerseits beschützen, aber auch sagen, du musst jetzt

    mitmachen.

    Von den eigenen Kollegen wird das eher akzeptiert.

    Das haben wir gemacht und die Mädchen haben angefangen, die Jungen haben dann

    weitergemacht und jedes Kind hat ihn eine Woche begleiten dürfen.

    Der ist davor immer abgehauen, Fluchtreflex.

    Einmal ist er wieder abgehauen. Es war Turnunterricht und ein Mädchen hätte ihn

    begleiten sollen.

    Sie konnte nicht mitgehen, weil sie dort nicht dazugehört hat.

    Dann ist er wieder abgehauen.

    [01:10:33.480] Dr.med. Ursula Davatz: Der hat die Schule fertig macht.

    Er kam ab und zu zurück in die Schule und hat gesagt wie es ihm geht.

    Man muss immer wieder eine neue Lösung finden.

    Es geht darum, das Individuum zu fördern und die Gruppenintegration.

    Es geht nicht, dass einer alle tyrannisiert, so wie wir es jetzt in der Politik haben.

    [01:11:04.200] Dr.med. Ursula Davatz: Da kommen dann die anderen Länder und

    sagen, also da kommt dann der Osten und sagt, dass wir degeneriert sind.

    Das stimmt.

    [01:11:35.820] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn wir zuviel nur auf den Individualismus

    gehen, bleibt die Sozialkompetenz auf der Strecke.

    [01:12:08.340] Bemerkung 23: Die Kinder finden so ihren Weg?

    Ich muss sie nicht davor schützen?

    Der muss es doch können, sonst steht er mit 13 irgendwo anders an.

    [01:12:11.849] Dr.med. Ursula Davatz: Nein, nicht schützen.

    In der Schule haben wir individuelles Lernen und Gruppenlernen.

    Ich will, dass ihr den Umgang untereinander lernt.

    Das braucht eine Klassenstunde.

    Die Expertise von den anderen Schülern herausholen.

    Was würdet ihr jetzt mit dem machen? Was würdet ihr ihm vorschreiben?

    Sie müssen nicht alles selber machen.

    Sie müssen sagen, ich will, dass ihr lernt, miteinander umzugehen.

    Macht das Sinn?

    Das ist sehr wichtig.

    In der ganze Politik sehen wir nur Einzelkämpfer.

    [01:12:38.880] Bemerkung 24: Ich habe die Rolle an dieser Schule als School-Coach.

    Entsprechend wenn Kinder zu mir kommen, versuche ich sie zu unterstützen.

    Es gibt ADHS/ADS Kinder, die kommen mit einem grossen Gefühlschaos.

    Ich versuche die durch den Prozess zu führen.

    Zum Teil können sie sich für das Thema nicht entscheiden.

    Dann wollen sie nur erzählen.

    Ich komme dann in einen Rollenkonflikt.

    War das jetzt sinnvoll?

    [01:13:44.460] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, das ist ein ganz wichtiger Moment.

    Sie können nur mit sich und Ihrem Gefühl, wenn Sie merken, da kann ich mich jetzt

    durchsetzen und das will ich jetzt von dir, dann können Sie Ihre Autorität verwenden und
    sagen, ich will jetzt, dass du das lernst.

    Nicht, dass du das machst, sondern, dass du das lernst.

    [01:14:25.080] Dr.med. Ursula Davatz: Sie müssen aus dem Gefühlschaos rauslesen.

    Wenn ich mit erwachsenen ADHS-Personen arbeite, die kommen auch mit

    hunderttausend Sachen oder ich weiss nicht.

    Dann sage ich: was sind die drei zur Zeit am wichtigsten?

    Eins ist ganz wichtig, das andere ist wichtig und das dritte nur, wenn man noch Zeit hat.

    Runterbremsen, weg von diesem Kampf.

    Dann müssen Sie wählen.

    Wenn Sie dann sagen, nein, ich weiss es nicht, gilt nicht, nochmal überlegen, mach

    deine Augen zu.

    [01:15:03.240] Dr.med. Ursula Davatz: Spüren.

    So müssen Sie da natürlich mit den Kindern zusammen, was ist jetzt möglich und was

    ist nicht möglich.

    Wenn Sie merken, heute geht gar nichts, dann dürfen Sie auch sagen, ich habe das

    Gefühl, heute geht gar nichts, wir brechen jetzt früher ab oder wir machen einfach
    Spiele miteinander oder was auch immer.

    Das muss ich Ihrer Intuition überlassen.

    Sie müssen spüren, kann ich mich durchsetzen oder nicht.

    Nur das Kind einfach immer machen lassen, was es will, das geht gar nicht.

    [01:15:35.280] Dr.med. Ursula Davatz: Sie wollen es schon führen, aber Sie dürfen es

    nur führen, wenn Sie spüren, ich kann es.

    Ich kann mich durchsetzen.

    Da wird dann oft gesagt, das Kind folgt es nicht.

    Das Kind muss nicht folgen.

    Folgen wäre eigentlich nur gut, es muss einem hinter her laufen.

    Ich sage dann dort, man muss sich durchsetzen.

    Sie müssen spüren, kann ich mich durchsetzen oder nicht.

    Wenn ich einer Mutter beibringen will, wenn das Kind mit 16 noch im gleichen Bett

    schläft, und ich sage, das müssen Sie ändern.

    [01:16:07.680] Dr.med. Ursula Davatz: Die Mutter muss sich dann vornehmen: wann

    wird das geändert und wie setzt sie es durch.

    Wenn die Mutter sagt: ja, das geht sowieso nicht.

    Dann sage ich: ja, dann müssen Sie gar nicht anfangen.

    Sie müssen eine innere Haltung haben, ich setze mich jetzt durch.

    Das können nur Sie spüren in der Situation.

    Der Beitrag Zentrum menschlicher Gefühle erschien zuerst auf AD(H)D and Schizophrenia.

    1 hr 17 min
  • ADHS ist keine Krankheit

    https://adhs.expert/wp-content/uploads/2026/05/VASK_22.5.2026_Intro.m4a

    https://adhs.expert/wp-content/uploads/2026/05/VASK_22.5.2026_Intro.m4a.pdf

    Transkript

    Dr.med. Ursula Davatz

    22.5.2026

    ADHS ist keine Krankheit
    Audio

    [00:00:01.380] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich danke ganz herzlich für die Einladung.

    [00:00:11.680] – Dr.med. Ursula Davatz

    Kurz etwas zu meiner Person: Ich habe mich seit über 40 Jahren mit ADHS beschäftigt.

    [00:00:19.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ursprünglich habe ich ADHS und Schizophrenie miteinander verbunden und das auch
    genauer untersucht.

    [00:00:29.330] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jetzt in letzter Zeit aber sehe ich ADHS und viele andere psychiatrische Krankheiten.

    [00:00:36.410] – Dr.med. Ursula Davatz

    Mein Herzensanliegen ist, diese Krankheiten zu verhindern, also Prävention.

    [00:00:42.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Denn ich sage, ADHS ist keine Krankheit, die Psychiater schauen es als Krankheit an,
    und wenn dann eine andere Krankheit auftritt, dann redet man von Komorbidität.

    [00:00:56.460] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich sage, es sind Folgekrankheiten.

    [00:01:00.320] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich will sie dazu befähigen, dass Sie diese Folgekrankheiten zu verhindern versuchen.

    [00:01:07.660] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das heißt nicht, dass Sie alle Psychiater werden müssen, denn die Psychiater kommen
    ja erst an die sogenannte, an das Krankheitsbild heran, wenn schon alles
    schiefgelaufen ist.

    [00:01:18.610] – Dr.med. Ursula Davatz

    An sich könnte man viel früher präventiv eingreifen, indem man mit diesen
    neurodivergenten Menschen, Kindern, schon im Kindergarten anders umgeht.

    [00:01:33.450] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich werde kurz als Erstes versuchen, das ADHS etwas zu charakterisieren.

    [00:01:44.830] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es hat ja jetzt in allen Medien schon viele Informationen über ADHS Und ich werde
    nicht vollständig sein.

    [00:01:53.090] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich verwende den Begriff Neurodiversität, der wird ja auch immer mehr verwendet, und
    Menschen mit ADHS sind neurodivergente Menschen.

    [00:02:05.680] – Dr.med. Ursula Davatz

    Diese Neurodivergenz, die wird vererbt.

    [00:02:09.950] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man hat Studien gemacht, 80% ist vererbt.

    [00:02:16.490] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich denke, die Menschen, die ADHS haben, aber einen guten Weg gefunden haben, die
    kommen gar nie zum Arzt, die werden nicht gezählt.

    [00:02:27.560] – Dr.med. Ursula Davatz

    Von dort her behaupte ich, es sind eigentlich alle— also ADHS ist vererbt.

    [00:02:35.580] – Dr.med. Ursula Davatz

    ADHS ist keine Modekrankheit, auch wenn es jetzt viel mehr in den Medien gebracht
    wird, thematisiert wird etc.

    [00:02:45.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist keine Modekrankheit, es ist kein Fad, sondern es ist eine genetisch vererbte
    Neurodivergenz.

    [00:02:57.400] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich bin Familientherapeutin und habe von dort her die Symptome, also das
    Erscheinungsbild von ADHS immer betrachtet innerhalb von Familien.

    [00:03:11.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich nehme immer 3-Generationen-Familiensysteme auf und dann kann ich schauen,
    wie dieses, dieser Neurotyp sich auszeichnet.

    [00:03:24.240] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Genetik hat ja in letzter Zeit immer mehr Zuwendung bekommen, immer mehr
    Investitionen, und die letzte Aussage ist: es sind 683 Gene, die da eine Rolle spielen.

    [00:03:43.030] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Gene werden ja nicht einzeln vererbt, die werden immer im Paket weitergegeben
    als sogenanntes Genome.

    [00:03:51.090] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dieses Genome wird dann in Familien weitervererbt.

    [00:03:55.770] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man hat früher gesagt, zur Steinzeit, hatten 50% ein ADHS-Genom, denn damals waren
    diese Eigenschaften vom ADHS sehr hilfreich.

    [00:04:11.150] – Dr.med. Ursula Davatz

    Welche Eigenschaften waren hilfreich? Man, man redet von Aufmerksamkeitsstörung.

    [00:04:20.670] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Aufmerksamkeitsstörung ist nur eine Störung im Schulunterricht.

    [00:04:25.810] – Dr.med. Ursula Davatz

    In der freien Wildbahn ist es keine Störung.

    [00:04:30.490] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da rede ich deshalb von breiter Aufmerksamkeit.

    [00:04:35.400] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das heißt, ADHS Menschen, die haben eine breite Aufmerksamkeit.

    [00:04:39.710] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie nehmen alles wahr.

    [00:04:41.970] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn sie in einen Raum reinkommen, sehen sie sofort, wer wie wo war, welche
    Stimmung ist und so weiter.

    [00:04:48.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Diese breite Aufmerksamkeit war natürlich bei den Jägern und Sammlern sehr sehr
    hilfreich.

    [00:04:53.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die haben besser überlebt.

    [00:04:56.860] – Dr.med. Ursula Davatz

    Mit der Zivilisation, mit unserer geistigen, mit unserer schulischen Ausbildung ist diese

    breite Aufmerksamkeit, wird dann zur Störung.

    [00:05:09.860] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die tritt hauptsächlich auf, wenn der Lehrer oder die Lehrperson nicht interessant
    berichten kann.

    [00:05:19.890] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann geht die Aufmerksamkeit zum Fenster raus, zum Nachbarn, in die Vergangenheit.

    [00:05:26.200] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie kann auch in die Träumerei reingehen.

    [00:05:29.290] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann ist das natürlich für den Lehrer oder die Lehrerin, die Lehrperson, eine Störung.

    [00:05:35.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Gleiche bei den Eltern. Wenn die Mutter sagt: mach jetzt bitte das, oder sie sagt
    vielleicht nicht mal bitte, sondern du musst das machen.

    [00:05:45.360] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn das Kind keine Lust hat, dann geht die Aufmerksamkeit woanders hin, da wird
    abgelenkt.

    [00:05:50.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich bezeichne dieses A, diese Aufmerksamkeitsstörung, bezeichne ich mit breiter
    Aufmerksamkeit.

    [00:06:02.270] – Dr.med. Ursula Davatz

    Eine weitere Eigenschaft ist die hohe Sensitivität.

    [00:06:07.560] – Dr.med. Ursula Davatz

    Menschen mit ADHS nehmen Emotionen im Raum, im Gegenüber viel schneller wahr,
    stärker wahr.

    [00:06:17.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gibt ja den Spruch auf Französisch: «C'est le ton qui fait la musique».

    [00:06:21.390] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie hören die Stimmung in der Stimme manchmal dann besser als den Inhalt, der
    kommuniziert wird.

    [00:06:32.730] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn also die Kommunikation aufgeladen ist, negativ emotional aufgeladen ist, dann
    reagieren sie nur auf das aber nicht mehr auf das, was man gesagt hat.

    [00:06:46.260] – Dr.med. Ursula Davatz

    Aus diesem Grunde sagt man, mit ADHS Menschen, Kindern sollte man immer im Low-
    Arousal-Zustand umgehen.

    [00:06:54.170] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man darf selber nicht erregt sein, sondern man muss zuerst runterfahren und dann die
    Kommunikation geben. Dann funktioniert das besser.

    [00:07:06.680] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Gleiche passiert wenn sie einen Hund erziehen und sie sind wütend und sagen:
    mach jetzt endlich Platz! und der hört nur den Ton, wenn er Angst bekommt, legt er sich
    auf den Rücken oder macht auf den Boden, und er begreift den Befehl nicht mehr.

    [00:07:28.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist diese einerseits die breite Aufmerksamkeit und andererseits die hohe
    Sensibilität.

    [00:07:38.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn sensibel reagiert wird auf negative Reize, dann gibt es verschiedene Reaktionen,
    und ich teile auf in ADHS und in ADS.

    [00:07:54.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die ADHS-Typen, also das H heißt hyperkinetisches Syndrom.

    [00:08:00.300] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die ADHS-Personen, die reagieren dann mit Aggression, mit verstärkter Reaktion nach
    außen.

    [00:08:13.270] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das findet man an sich schon in der psychologischen Einteilung, also die sind eher
    extravertiert.

    [00:08:20.360] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die reagieren aggressiv, die schimpfen zurück, die fluchen, und wenn man sie weiter
    unter Stress setzt, dann zerstören sie das ganze Mobiliar, und das will man natürlich
    nicht.

    [00:08:34.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die ADHS-Neurotypen, die gehen nach innen, die ziehen sich zurück und machen
    innerlich dann ein Karussell, denken alles durch, und außen merkt man nichts.

    [00:08:52.590] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die ADS Kinder werden in der Schule oft nicht bemerkt.

    [00:08:58.230] – Dr.med. Ursula Davatz

    Mädchen gehen eher in diese Reaktion, weil Mädchen von ihrer Sensitivität her, von
    ihren Hormonen her, können sie sich besser anpassen, und wenn es nicht funktioniert,
    dann ziehen sie sich zurück und dann träumen sie.

    [00:09:14.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn sie dann nicht laut sind, dann merkt niemand etwas, und von dort her werden
    Frauen mit ADHS oft erst im mittleren Alter diagnostiziert.

    [00:09:23.500] – Dr.med. Ursula Davatz

    Früher hat man gesagt, das ADHS wächst sich aus, das geht weg, wenn der Mensch
    erwachsen wird, wenn das Hirn erwachsen wird, stimmt aber nicht.

    [00:09:36.890] – Dr.med. Ursula Davatz

    Diese vererbte Eigenschaft, die bleibt bestehen.

    [00:09:42.380] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man nichts merkt und diese Leute keine Probleme haben, dann heißt das, sie
    haben gelernt, mit ihrem neurodivergenten Hirn umzugehen.

    [00:09:54.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Eines ist die genetische Veranlagung, Vererbung, das andere ist der Neurotyp.

    [00:10:03.810] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir Ärzte sind erst daran, herauszufinden, was da alles anders läuft.

    [00:10:10.110] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Gehirn ist unser bestes, stärkstes Anpassungsorgan.

    [00:10:17.730] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist so eingerichtet, dass das Gehirn mit vielen Fähigkeiten geboren wird.

    [00:10:24.710] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann mit 2 Jahren wird schon etwas eingespurt.

    [00:10:31.400] – Dr.med. Ursula Davatz

    Kinder, vor dem Spracherwerb, die hören noch alles.

    [00:10:39.070] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn dann der Spracherwerb kommt, wenn sie sich sich auf eine Sprache einlassen,
    dann lernen sie, die anderen Töne auszublenden.

    [00:10:50.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Beim ADHS Kind bleibt diese Ausblendung bis zu einem gewissen Grad weg und man
    sagt dann, sie haben eine schnelle Reizüberflutung.

    [00:11:04.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie können nicht— sie lassen sich immer ablenken.

    [00:11:08.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gibt ein Wort dafür, jetzt finde ich es gerade nicht. Ja, Sie können nicht andere
    Reize, die zur Kommunikation nicht dazugehören, können Sie nicht ausschalten.

    [00:11:22.100] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn der Lehrer, die Lehrerin nicht interessant genug ist, dann kommen andere Reize
    rein und sie schauen diesen Dingen nach.

    [00:11:31.670] – Dr.med. Ursula Davatz

    Diese Eigenschaften von diesen Neurodivergenten Menschen, die stellen natürlich eine
    viel größere Stressanfälligkeit dar, und von dort her sind Menschen mit ADHS schneller
    und vermehrt unter Stress gesetzt.

    [00:12:02.690] – Dr.med. Ursula Davatz

    Daher, stellen diese neurodivergenten Eigenschaften auch eine höhere Anforderung an
    sämtliche Erziehungspersonen und natürlich an die Eltern.

    [00:12:15.050] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gibt Eltern, die können gut damit umgehen, die kennen es vielleicht schon von sich

    selber.

    [00:12:22.040] – Dr.med. Ursula Davatz

    Denn wenn das Kind ein ADHS hat, muss irgendjemand der Eltern, meistens sind sogar
    beide auch so vom neurodivergenten Typ sein.

    [00:12:34.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    Auch die professionellen Erzieher sind viel mehr gefordert, und von dort her stellen
    diese Menschen einen höheren Anspruch an die Erzieher.

    [00:12:49.200] – Dr.med. Ursula Davatz

    Früher wurde eher autoritär erzogen, und dann haben sich die ADHS Kinder
    wahrscheinlich auch eher untergeordnet.

    [00:12:57.890] – Dr.med. Ursula Davatz

    Heute wird eher individualisiert erzogen und dann haben die ADHS Kinder aber nicht
    die gleich gute Selbstkontrolle wie die Normotypen.

    [00:13:13.340] – Dr.med. Ursula Davatz

    Von dort her, ein laissez-faire funktioniert nicht in der Erziehungsmethode, aber eine zu
    strikte Einengung die bringt auch nichts.

    [00:13:28.930] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich gehe noch auf die vier Stressreaktionen ein.

    [00:13:34.500] – Dr.med. Ursula Davatz

    Im Augenblick, da das Kind, der ADHS Typ unter Stress gerät, setzen Stressreaktionen
    ein.

    [00:13:46.010] – Dr.med. Ursula Davatz

    Stressreaktionen sind primitive Reaktionen, die man bei den Menschen beobachten

    kann, aber auch bei den Tieren.

    [00:14:00.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Stressreaktionen sind eigentlich immer dazu da, um sich zu schützen, sind
    eigentlich Überlebensfunktionen.

    [00:14:12.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    In der Regel redet man nur von drei Stressreaktionen: Kampf, Flucht und Totstellreflex.

    [00:14:23.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der Kampf wäre das aggressive Reagieren des ADHS Kindes.

    [00:14:29.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Flucht wäre der Rückzug nach innen oder dann auch Ausweichverhalten, man geht
    weg.

    [00:14:38.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der Totstellreflex, und der wird heute bei der Diagnose immer mehr verwendet, das
    wäre eigentlich der autistische Reflex.

    [00:14:47.200] – Dr.med. Ursula Davatz

    Totstellreflex heißt, man ist zwar noch wach, man nimmt alles wahr, aber es gibt keine
    Reaktion mehr. Es kann nicht mehr kommuniziert werden und freeze, also auch
    motorisch eingefroren.

    [00:15:11.800] – Dr.med. Ursula Davatz

    Aus meiner Sicht ist das die autistische Reaktion, und die Psychiater machen dann
    wieder eine neue Diagnose draus und sagen Autismus.

    [00:15:22.020] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der Begriff des Autismus kommt an sich aus der Schizophrenieforschung.

    [00:15:27.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn Menschen, die eine Schizophrenie entwickeln, zu sehr unter Stress sind, dann
    dann machen sie diesen Freeze, diese Freeze-Reaction.

    [00:15:38.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Normale Menschen, denen passiert das auch, wenn sie im Bett liegen und sie hören
    einen Einbrecher oder denken, es sei ein Einbrecher, dann machen viele auch einen
    Totstellreflex, das heißt, man liegt im Bett, man kann sich nicht mehr bewegen, man
    denkt, man sollte flüchten, man kann es aber nicht, und es ist wirklich so, die
    Muskulatur, die Aktivität, die geht nicht mehr, die geht nicht mehr.

    [00:16:07.100] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Gleiche kann passieren im Examen, wenn man etwas gelernt hat und man kommt
    an eine Hürde und man weiß nicht weiter, man friert ein.

    [00:16:19.030] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der vierte Stressreflex ist an sich der positivste, und den verwenden die ADHS Kinder
    sehr häufig auch noch, als Erwachsene.

    [00:16:30.060] – Dr.med. Ursula Davatz

    Auf Englisch: fight, flight, freeze and tease.

    [00:16:36.030] – Dr.med. Ursula Davatz

    Teasing. Teasing ist Spielreflex.

    [00:16:41.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man es übersetzt in der Verhaltensebene, dann ist das eigentlich ein
    Testversuch, ein Annähern an etwas oder jemanden, von dem man nicht richtig weiß,
    wie der ist.

    [00:16:57.560] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man will herausfinden, wie reagiert diese Person, wer ist sie überhaupt?

    [00:17:04.460] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man provoziert sie, je nachdem auch.

    [00:17:07.460] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist, was ADHS Kinder in der Schule tun.

    [00:17:11.270] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie spielen den Clown, sie springen über die Bänke, sie fordern die Lehrerin heraus.

    [00:17:17.960] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn die Lehrerin oder der Lehrer nicht sehr persönlichkeitsstark ist, dann fühlt sie, er
    fühlt sich dann schlecht behandelt.

    [00:17:29.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann kommt immer das Wort Respekt zum Einsatz.

    [00:17:36.110] – Dr.med. Ursula Davatz

    ADHS Kinder haben in diesem Sinne keinen Respekt.

    [00:17:40.350] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie werden von der Situation getrieben.

    [00:17:44.390] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es stört sie etwas oder sie wollen herausfinden, wer die Lehrerin ist.

    [00:17:49.610] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn dann die Lehrerin nur mit Strafe reagiert, dann hat die es an sich verpasst.

    [00:17:54.770] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann kann die mit dem ADHS Kind nicht umgehen.

    [00:18:00.500] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist der Spielreflex.

    [00:18:03.530] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn sie zu den Tieren gehen, kleine Hunde, Junghunde, die machen viel von diesem
    Teasing, die springen aufeinander zu, und versuchen, den anderen zum Spielen
    aufzufordern.

    [00:18:19.960] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die beißen auch etwas, und wenn die Hunde, die erwachsenen Tiere, zwicken, beißen,
    die haben ja noch Milchzähne, die sind sehr spitzig, aber die beißen nicht so fest zu.
    Wenn die dann, die erwachsenen Tiere, beißen, dann haben diese Welpen den
    Welpenschutz.

    [00:18:45.800] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das heißt, das erwachsene Tier beißt niemals so zurück, wie wenn es ein erwachsener
    Hund wäre.

    [00:18:56.240] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist der Welpenschutz.

    [00:18:57.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das bringe ich dann auch bei den Eltern oder den Lehrpersonen.

    [00:19:02.670] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie müssen diesen Kindern und natürlich sogar auch den Teenagern noch
    Welpenschutz geben.

    [00:19:09.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die haben sich noch nicht richtig im Griff.

    [00:19:12.830] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die haben keine Emotionskontrolle, wie das ein erwachsener Mensch hat.

    [00:19:20.350] – Dr.med. Ursula Davatz

    Eine weitere Eigenschaft von ADHS ist die sogenannte mangelnde Impulskontrolle.

    [00:19:25.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der Impuls tritt immer auf, wenn das Kind oder auch die erwachsene Person gestört
    wird, verletzt gekränkt wird, und dann kommt dieser Reflex zum Ausdruck.

    [00:19:41.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da sie ja so sensibel sind, reagieren sie schneller und häufiger und stärker mit
    Reflexen.

    [00:19:50.210] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man sie dann dafür bestraft, dann tut man ihnen Unrecht.

    [00:19:56.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was mit diesen Menschen dann passiert, ist, dass sie ein schlechtes Selbstwertgefühl
    Selbstwertgefühl entwickeln.

    [00:20:04.290] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie fühlen sich immer falsch. Ich mache alles falsch. Ich kann nichts. Wenn sie dann
    zusätzlich noch Lernstörungen haben, wie Rechenstörung oder Spracherwerbsstörung,
    dann wird das noch verstärkt, dass sie sich als dumm vorkommen, obwohl viele davon
    eine hohe Intelligenz haben.

    [00:20:29.450] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jetzt muss ich Sie fragen: haben Sie Fragen dazu, damit ich noch besser erklären
    kann?

    [00:20:35.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Oder ist das alles einleuchtend?

    [00:20:46.080] – Bemerkung 1

    Wegen den vier Reaktionen, sie haben ja gesagt, eine Reaktion ist eben die autistische,
    vielleicht kommt man später noch mal drauf, aber mittlerweile gibt es ja auch viele
    Sachen, ja, eigentlich ADHS, Autismus ist wie quasi die gleiche oder fast eine ähnliche
    Diagnose, man ist nur hier oder hier auf dem Spektrum, sage ich jetzt.

    [00:21:13.660] – Dr.med. Ursula Davatz

    Für mich geht es immer um ADHS/ADS.

    [00:21:28.240] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der Autismus, also ASS, Autismus-Spektrum-Störung, ist für mich eine Form des ADS.

    [00:21:36.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bei den Menschen, die autistisch reagieren, die haben häufig noch eine
    Wahrnehmungsstörung, die kann im Gesicht erkennen oder in anderen Dingen sein.

    [00:21:49.240] – Dr.med. Ursula Davatz

    Für mich ist es auf der gleichen Linie und ich mache keine spezielle Diagnose draus.

    [00:21:54.890] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich gehe auch gleich mit ihnen um.

    [00:21:58.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Hirn, wie gesagt, ist unser Anpassungsorgan.

    [00:22:02.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Je nachdem, wie mit diesem Hirn umgegangen wird, also vom Umfeld in der
    Beziehung, kommt dann die oder die Reaktion heraus.

    [00:22:12.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    Also von dort her mache ich diesen Unterschied nicht.

    [00:22:15.950] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gibt die Genome-Wide Association Studies, das heißt, da hat man fünf
    Krankheitsbilder, hat man genetisch untersucht, und das war Schizophrenie, bipolare
    Störung, schwere Depression, ADHS und Autismus.

    [00:22:38.280] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man hat herausgefunden, dass diese 5 Erscheinungsbilder alle den gleichen Genort
    verändert haben, also man sagt Locus, also eigentlich die gleiche genetische
    Konstellation haben.

    [00:22:56.250] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Hirn ist so flexibel und so anpassungsfähig und so veränderungsfähig und so
    lernfähig, natürlich, dass es dann ganz verschiedene Bilder gibt.

    [00:23:06.930] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich sage, es ist immer der gleiche Ursprung.

    [00:23:11.060] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Genom ist natürlich nicht haargenau gleich.

    [00:23:13.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn ich sage, es sind 683 Gene, dann gibt es da natürlich verschiedene Mischungen.

    [00:23:20.960] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich mache keinen Unterschied.

    [00:23:23.770] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was da jetzt als neues Krankheitsbild noch herausgeholt wird, ist das PDA, Pathological

    Demand Avoidance.

    [00:23:34.430] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das sind aus meiner Sicht alles ADHS Kinder.

    [00:23:40.100] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn die falsch angepackt werden, dann beginnen die nur noch zu verweigern, nur
    noch zu verweigern.

    [00:23:48.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da macht man wieder eine Diagnose daraus.

    [00:23:51.510] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wie bringt man sie dann zum Gehorchen?

    [00:23:55.330] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich komme wieder von den Tieren her.

    [00:24:01.800] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der Mensch reitet das Pferd über die Trense im Mund.

    [00:24:07.360] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn ein Pferd da verdorben wird, dann kann man es nicht mehr führen.

    [00:24:16.390] – Dr.med. Ursula Davatz

    So ist es bei dem PDA, Pathologic Demand Avoidance, wenn ein Kind dauernd falsch
    angepackt wird, immer verletzt wird, immer gekränkt wird, wenn man seine feine
    Sensibilität nicht wahrnimmt und nicht darauf Rücksicht nimmt, dann geht es zurück,
    immer zu diesen Stressreaktionen.

    [00:24:39.490] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es hat diese Sendung gegeben: Familien am Limit.

    [00:24:44.392] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://www.srf.ch/play/tv/dok/video/familien-am-limit—wenn-kinder-alle-grenzen-sprengen?urn=urn:srf:video:05fa55a5-dbbf-40a2-9029-4b8f5b81f2b8

    [00:24:45.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Haben Sie die gesehen?

    [00:24:46.870] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da hat man es gesehen.

    [00:24:49.860] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man die Mütter etwas beobachtet hat, und ich will den Müttern überhaupt keine
    Schuld zuweisen, dann waren die auf einem Trend, wo sie viel zu hart umgegangen
    sind mit den Kindern.

    [00:25:04.870] – Dr.med. Ursula Davatz

    Eine Mutter hat zum Beispiel gesagt: Was sind die 5 Kriterien, die du beachten musst,
    wenn du schwimmen gehst?

    [00:25:12.870] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist eine erwachsene Vorstellung vom Kind, das funktioniert aus meiner Sicht
    überhaupt nicht.

    [00:25:21.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da bin ich sehr kritisch.

    [00:25:23.590] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das PDA, also Pathological Old Demand Avoidance, müsste man eigentlich sagen, das

    ist die Diagnose eines ungehorsamen Kindes.

    [00:25:33.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Warum ist das Kind ungehorsam?

    [00:25:36.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    Weil man nicht den die richtige Methode verwendet hat.

    [00:25:43.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Gibt Ihnen das eine Antwort? Bin ich zu dogmatisch?

    [00:25:47.910] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich schaue es so an.

    [00:25:49.560] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich begleite Familien mit so Kindern, die alles, also Schulverweigerung kommt ja dann,
    und dann sind alle unter Druck, denn wir haben in der Schweiz den Auftrag, die Pflicht,
    den gesetzlichen Auftrag, die Kinder zu beschulen.

    [00:26:05.580] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn wir sie falsch beschulen, machen wir sie nur kaputt.

    [00:26:09.950] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann habe ich Kinder auch schon rausgenommen, eben ein halbes Jahr, um alles zu
    beruhigen und herauszufinden, was ist möglich.

    [00:26:27.190] – Bemerkung 2

    Für mich stellt sich halt die Frage, über die Zusammenhänge zwischen ADHS/ADS und
    Traumafolgestörungen? Bindungsthematik, Bindungsstörung, gibt es da auch etwas?

    [00:26:44.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir Psychiater machen viele Diagnosen, wir teilen alles ein, und dann zitiere ich aus
    dem Faust: was du schwarz auf weiß besitzt, kannst du getrost nach Hause tragen.

    [00:26:57.478] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://www.aphorismen.de/zitat/742

    [00:26:58.630] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gibt uns Sicherheit, wenn wir alles so schön einteilen können.

    [00:27:02.250] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn sie noch mal zurückgehen: ADHS Menschen sind viel leichter traumatisiert, weil
    sie stressempfindlicher sind, und dann entsteht eine Traumastörung aufgrund des
    ADHS-Neurotyps.

    [00:27:23.100] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es wird dann gestritten, ist es das Trauma oder ist das ADHS?

    [00:27:26.670] – Dr.med. Ursula Davatz

    Für mich ist immer das ADHS dahinter.

    [00:27:29.960] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Fachleute streiten sich dann und sagen, was muss man zuerst behandeln?

    [00:27:37.340] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die klassischen Therapeuten sagen, zuerst das Trauma und dann das ADHS.

    [00:27:46.170] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gibt da eine Regel: man muss immer zuerst die akute emotionale Entgleisung
    behandeln.

    [00:27:53.360] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss den Weitblick haben und sehen, dahinter steckt das ADHS.

    [00:27:58.890] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn jetzt Menschen im Erwachsenenalter— es gibt Leute, die mit 80 herausfinden, ah
    ja, ich habe ja ein ADHS, und die sagen dann, jetzt kann ich mich auf einmal besser
    verstehen, weil man es besser einordnen kann, kategorisieren kann.

    [00:28:17.690] – Dr.med. Ursula Davatz

    Für mich steckt immer das ADHS dahinter, und ich muss dann aus der Situation heraus,
    muss ich als Therapeutin schauen, was gehe ich jetzt an.

    [00:28:30.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich streite nicht darum, was ist wichtiger, Traumastörung oder ADHS.

    [00:28:37.370] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das empfindliche, hochsensible ADHS, das führt natürlich schneller zu einer
    Traumastörung.

    [00:28:46.230] – Dr.med. Ursula Davatz

    Macht das Sinn?

    [00:28:48.730] – Bemerkung 2

    Ja, das klingt interessant. Dann hat es auch einen Zusammenhang mit
    Bindungsfähigkeit wahrscheinlich.

    [00:29:01.560] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Bindungsfähigkeit, ja, auf jeden Fall.

    [00:29:04.910] – Dr.med. Ursula Davatz

    Unser Bindungsverhalten läuft über unser emotionales System.

    [00:29:13.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist das Mittelhirn. Man nennt es das limbisches System.

    [00:29:18.300] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das wurde bei den Säugetieren ganz stark ausgebildet, differenziert und ist natürlich
    verbunden mit allen anderen, mit den anderen Hirnteilen.

    [00:29:30.510] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn ein ADS Kind von einer ADHS Mutter erzogen wird und die hat ein unruhiges
    Temperament, und wenn das Kind was falsch macht, wird sie verrückt, dann wird die
    Bindungsbildung gestört.

    [00:29:53.820] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann redet man dann von unsicherer Bindung.

    [00:29:56.730] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist da die Bindungstheorie von John Bowlby.

    [00:30:01.726] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://de.wikipedia.org/wiki/Bindungstheorie

    [00:30:04.420] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe in Amerika auch Leute gekannt, die mit dem gearbeitet haben.

    [00:30:10.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die kommt jetzt auch wieder etwas, die Bindungstheorie.

    [00:30:14.250] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist alles gemacht über die Interaktion.

    [00:30:19.280] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn ich die Mutter in ihrem ADHS-Temperament beruhigen kann, und das ist meine
    Aufgabe als Therapeutin.

    [00:30:27.600] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich behandle in der Regel nur die Erwachsenen, also die Eltern.

    [00:30:33.580] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich sehe vielleicht das Kind mal, um einen Eindruck zu haben, aber meine Hauptarbeit
    ist mit den Erziehungspersonen, mit den Eltern.

    [00:30:42.340] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich mache nicht am Kind rum. Die Eltern wollen mir das Kind oft zeigen, damit ich weiß,
    worum es geht.

    [00:30:50.880] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist interessant für mich und ich versuche dann auch mit diesen Kindern zu
    interagieren.

    [00:30:57.070] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gelingt mir auch recht gut, aber ich arbeite nicht am Kind, ich arbeite an den
    erwachsenen Bezugspersonen.

    [00:31:09.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn die lernen, mit dem Kind besser umzugehen, dann beruhigt sich auch das Kind.

    [00:31:18.870] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe eine Mutter, die ist hyperaktiv, die wird schnell verrückt, und die wurde als
    Mädchen eher, ich würde sagen, zu streng erzogen.

    [00:31:30.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die hat als Folgekrankheit eine Suchtkrankheit entwickelt, Drogen, Haschisch, aber

    auch harte Drogen, und die kommt dann aus mit ihrem Kind, und wenn das Kind
    irgendetwas berührt in meinem Office: nein, mach nicht! Und ich sag dann: Das ist mein
    Büro, ich schau schon. Und ich versuch dann, Ruhe reinzubringen. Und ich sag dem
    Kind ganz ruhig: das darf man nicht anfassen, das darf man nur mit den Augen
    anschauen und so weiter. Und dann reagiert dieses Kind sehr gut darauf und hört auch.

    [00:32:11.950] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn das Kind Kind etwas zurückbringen sollte ins Wartezimmer, das es mitgenommen
    hat. Dann sage ich: bringst du das bitte wieder zurück ins Wartezimmer? Dann sagt er:
    nein. Dann warte ich und am Schluss macht er's.

    [00:32:28.380] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Mutter hat die Haltung: Du musst sofort und du musst gehorchen.

    [00:32:33.430] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie als Mädchen konnte natürlich besser eingeschüchtert werden und hat dann
    Strukturen gelernt, aber der Preis dafür war eine Suchtkrankheit, und das bringt's nicht.

    [00:32:46.080] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dieser Junge, der kennt mich, der hat mich vielleicht sechs Mal oder so gesehen, und
    wenn ich mit der Mutter telefoniere, will er immer auch mit mir reden.

    [00:32:56.060] – Dr.med. Ursula Davatz

    Also er merkt, ich bin ihm wohlgesinnt und ich kann mit ihm umgehen.

    [00:33:03.400] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich hatte einen anderen Jungen, der war hochsensibel und die Mutter hyperaktiv.
    Streng erzogen von einem Vater, der im Militär eine hohe Position hatte.

    [00:33:18.580] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die war wohlgesinnt ihren Kindern gegenüber. Ich habe mit den Eltern gearbeitet, das

    Kind war im Wartezimmer und hat mit Lego gespielt.

    [00:33:28.400] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wunderschön, ganz ruhig.

    [00:33:32.540] – Dr.med. Ursula Davatz

    Aber in der Schule, wenn irgendetwas nicht so ging, ist er ausgeflippt.

    [00:33:39.310] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bei den ASS Kindern redet man dann von Meltdown.

    [00:33:45.290] – Dr.med. Ursula Davatz

    Kennen Sie den Ausdruck?

    [00:33:49.020] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man das Kind überreizt, dann kommt schlussendlich der Stressreflex.

    [00:33:56.360] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ein autistischer narcisstischer oder ein aggressiver Stressreflex.

    [00:34:00.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das nennt man dann Meltdown.

    [00:34:02.090] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da kann man nur beruhigen und zurücknehmen.

    [00:34:06.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was da zum Teil in der Schule dann passiert, ist, wenn die Kinder— also die Kinder
    schützen sich dann auch, indem sie flüchten, also Fluchtreflex, sie rennen davon.

    [00:34:18.720] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man darf von der Schule nicht weggehen, es ist Pflicht, dass die Lehrperson die Kinder
    in der Schule behalten.

    [00:34:29.380] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich musste dann bei diesem Kind, es war schon in einer Privatschule, musste sagen,
    ich übernehme die Verantwortung, er darf davon rennen, denn das ist ein Schutzreflex,
    und wir dürfen seinen Schutzreflex nicht unterbrechen.

    [00:34:44.510] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er darf davonrennen. Der hatte sogar eine Uhr, die Eltern konnten lokalisieren.

    [00:34:52.580] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Lehrer mussten von mir die Erlaubnis bekommen, dass sie den davon rennen
    lassen dürfen. Einmal ist ihm eine Lehrerin nachgerannt und hat dann den Fuß
    verstaucht.

    [00:35:04.490] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann hat man natürlich gesagt: du böser Junge, wegen dir habe ich den Fuß
    verstaucht.

    [00:35:09.160] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es war eine falsche Methode, und das muss man dann den Erziehern beibringen.

    [00:35:19.920] – Bemerkung 3

    Ich sehe bei den Eltern mit diesen Kindern oft, dass sie viele Schuldgefühle auch
    haben, weil sie merken, ich mache ja nicht alles richtig, und dann kommt ja noch mehr
    Stress.

    [00:35:36.200] – Bemerkung 3

    Wie entlasten sie die Eltern?

    [00:35:48.650] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe ja seit Jahren Eltern-, Angehörigengruppen geführt für Eltern von
    schizophreniekranken Kindern, also Erwachsenen dann auch.

    [00:36:02.090] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich bin am Anfang sehr sorgfältig umgegangen mit diesem Schuldgefühlen.

    [00:36:09.350] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich wollte den Eltern keine Schuldgefühle einflößen, bis ich gemerkt habe, es geht
    sowieso nicht.

    [00:36:15.890] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die haben alle Schuldgefühle, das gehört dazu.

    [00:36:19.530] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann bin ich anders vorgegangen, habe gesagt und habe es dann angesprochen, und
    die haben das natürlich alle gesagt.

    [00:36:27.110] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich denke, wir Mütter haben alle Schuldgefühle bei jedem kleinen Problem, das fehl
    läuft.

    [00:36:36.750] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da versuche ich dann, die Mütter zu stützen.

    [00:36:41.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Väter haben oft weniger, die koppeln sich eher ab.

    [00:36:46.400] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die machen einen Fluchtreflex.

    [00:36:49.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Also die gehen weg.

    [00:36:52.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja, zum Selbstschutz.

    [00:36:54.650] – Dr.med. Ursula Davatz

    Den Müttern muss ich dann sagen: schauen sie, wir machen alle Fehler.

    [00:36:59.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann generalisiere ich: an Fehl-Entscheidungen lernt man.

    [00:37:04.540] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Kind ist so lernfähig.

    [00:37:07.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn das Kind spürt, sie haben eine Beziehung zu ihm, dann macht das nichts.

    [00:37:15.010] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie dürfen 1000 Fehler machen. Ich sag dann: nur nicht immer die gleichen.

    [00:37:19.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die macht man natürlich auch.

    [00:37:23.410] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn etwas schiefgegangen ist, dann haben die Eltern große Schuldgefühle und häufig
    die Mütter, die gehen dann zum Kind und sagen: es tut mir leid.

    [00:37:34.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie sagen: ich habe da was falsch gemacht.

    [00:37:38.260] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn sie zu sehr in Schuldgefühle verfallen und das also beim Kind die Entschuldigung
    holen, die Wiederanerkennung beim Kind holen wollen, da wird das Kind wieder
    belastet.

    [00:37:52.560] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie dürfen schon sagen: ich glaube, da bin ich etwas zu weit gegangen. Tut mir leid,
    aber ich bin ausgerastet.

    [00:37:59.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich bin halt auch nur ein Mensch.

    [00:38:01.330] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jetzt machen wir wieder weiter.

    [00:38:04.810] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist absolut okay, dass die Eltern zum Kind sagen: tut mir leid, da bin ich ausgerastet.
    Ich habe meine Kontrolle verloren.

    [00:38:15.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Meistens sagen dann die Kinder: ja, schon okay.

    [00:38:20.340] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn das Kind aber noch etwas zurückgebliebenes hat, also wenn beim Kind noch
    etwas ist, das es, wie soll ich sagen, das es immer belastet, dann sage ich, die Mutter
    muss fragen: mit was habe ich dich am meisten verletzt?

    [00:38:36.200] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das wäre wieder die Validierung des Gefühlszustandes des Kindes.

    [00:38:42.100] – Dr.med. Ursula Davatz

    In allen Erziehungsaufgaben versucht man schnell, das Kind zur Norm zu erziehen.

    [00:38:50.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man nimmt sich nicht die Zeit, was ist eigentlich abgelaufen.

    [00:38:57.020] – Dr.med. Ursula Davatz

    In der Schule wird auch häufig verlangt, das Kind, das aggressiv wurde, muss sich
    entschuldigen.

    [00:39:05.880] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das läuft so ab: Entschuldigung.

    [00:39:07.820] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man läuft wieder weg. Bringt gar nichts. Bringt gar nichts.

    [00:39:12.270] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe auch den Begriff Schuld nicht gerne.

    [00:39:15.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist eigentlich ein religiöser Begriff, der in der christlichen Erziehung stark verwendet
    wurde.

    [00:39:24.410] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir haben alle Schuldgefühle, aber Schuldgefühle sind in diesem Sinne dann schlechte
    Ratgeber.

    [00:39:33.570] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich sage oft, Schuldgefühle sind der Hirtenhund.

    [00:39:38.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Über die Schuldgefühle werden wir zur Herde, zum Kollektiv zurückgeschickt und

    passen uns dem Kollektiv an.

    [00:39:47.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir leben in einer individualisierten Gesellschaft und der kollektive— die kollektive
    Anpassung funktioniert nicht mehr so gut.

    [00:39:58.210] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist viel besser, wenn wir differenzierte Konfliktlösungsstrategien lernen, die dann
    auch zu Anpassungen führen.

    [00:40:09.650] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich denke, das ist an sich der Erziehungsmodus in der westlichen Welt.

    [00:40:17.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er funktioniert noch nicht immer so gut.

    [00:40:21.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Erziehungspersonen greifen dann oft zurück zum antiquarischen Erziehungsstil.

    [00:40:30.230] – Dr.med. Ursula Davatz

    Versteht man das?

    [00:40:38.180] – Bemerkung 4

    Wie kann man das denn dann in die Praxis umsetzen?

    [00:41:05.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die praktische Anwendung würde ich dann gerne am Nachmittag machen, und ich will,
    dass Sie mir Fallbeispiele bringen.

    [00:41:25.210] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die zeichne ich dann da auf an der Flipchart, und dann können wir miteinander

    Lösungen finden.

    [00:41:33.080] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gibt nie eine Lösung für alles, also one fits all funktioniert nicht.

    [00:41:38.930] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss immer wieder eine neue Lösung finden.

    [00:41:42.330] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da können sie mithelfen.

    [00:41:44.690] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gibt einen Spruch, also die Systemiker, die schicken Sprüche vom Institut für Ehe
    und Familie von Zürich.

    [00:41:53.960] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ein Spruch ist: Der Unterschied ist größer in der Praxis als in der Theorie.

    [00:42:04.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    In der Theorie kann man alles so schön zusammenfassen, aber in der Praxis sieht alles
    anders aus.

    [00:42:10.320] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da muss auch ich immer wieder neue Lösungen finden.

    [00:42:13.540] – Dr.med. Ursula Davatz

    In dem Sinn kann man sagen, Menschen mit ADHS zwingen uns, ob es Kinder sind
    oder Erwachsene, zwingen uns dazu, neue Lösungen zu finden.

    [00:42:26.450] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das schauen wir dann am Nachmittag.

    [00:42:28.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe eine Eigenschaft nicht erwähnt, und das wird heute in den Medien auch
    gebracht, das ist die Kreativität.

    [00:42:44.170] – Dr.med. Ursula Davatz

    ADHS Menschen, die können besser Grenzen überschreiten.

    [00:42:50.150] – Dr.med. Ursula Davatz

    Um etwas Neues herauszufinden, muss man Grenzen überschreiten können.

    [00:42:58.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    Von dort her gibt es vermehrt Leute mit ADHS bei den Erfindern, bei den Unternehmern,
    bei den Künstlern, Schriftstellern.

    [00:43:12.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Kreativität ist eine Eigenschaft. Es heißt aber nicht, dass alle dann immer kreativ
    sind.

    [00:43:22.530] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist eine überdurchschnittliche Zahl von kreativen Menschen.

    [00:43:28.750] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist ja dann die Aufmerksamkeitsstörung.

    [00:43:31.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man lässt sich nicht von einer Norm in eine Norm zwingen, sondern man macht andere
    Dinge.

    [00:43:39.390] – Dr.med. Ursula Davatz

    Positiv ausgedrückt ist dann das die Kreativität.

    [00:43:43.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie fordern auch uns heraus zur Kreativität.

    [00:44:04.140] – Bemerkung 5

    Die Schule ist eine extrem prägende Zeit für die meisten von uns auch. Die sind sehr
    starr. Was haben Sie da für Erfahrungen gemacht, für diese Zwischenlösung mit ADHS
    Kindern, gerade wenn sie auch in der Schule auffallen oder auf dem Weg auffallen.

    [00:44:36.320] – Dr.med. Ursula Davatz

    Vor zwei Wochen war ich an diesem ADHS Event im Bundeshaus.

    [00:44:44.443] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://www.tagesanzeiger.ch/adhs-konferenz-im-bundeshaus-luis-casado-kaempft-gegen-stigmas-516981934708

    [00:44:45.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da waren 48 Kinder mit ADHS und Jugendliche von 12 bis bis 24.

    [00:44:54.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Zwei Moderatoren, haben das geleitet, die sonst für Firmen Entwicklungsarbeit machen,
    also so Seminare leiten.

    [00:45:06.490] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es war eine unglaublich tolle Energie im Raum.

    [00:45:11.010] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die ADHS Kinder haben dann auch vorgeschlagen, man sollte einen flexibleren
    Unterricht haben.

    [00:45:21.330] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn sie kurz überlegen, was ist die Funktion der Schule?

    [00:45:27.750] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Funktion der Schule ist ja eine erfolgreiche Sozialisierung.

    [00:45:31.510] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir wollen diese jungen Menschen erfolgreich sozialisieren, damit sie dann als
    erwachsene Menschen funktionieren können in der Gesellschaft.

    [00:45:41.450] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jetzt, ADHS Kinder lassen sich nicht so leicht normieren.

    [00:45:47.510] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn wir sie zu sehr normieren wollen, dann haben wir Probleme, dann geht alles
    durcheinander.

    [00:45:54.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gibt Lehrer, die können gut damit umgehen.

    [00:45:58.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ganz generell würde ich sagen, viel mehr flexibilisieren.

    [00:46:03.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nicht für alle Kinder das gleiche System anwenden, sondern die Schulklasse auch
    manchmal wieder unterbrechen, vielleicht kleine Gruppen machen.

    [00:46:24.460] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe eine Zeit lang Bezirksschullehrer im Kanton Aargau beraten.

    [00:46:33.730] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn immer die Probleme hatten mit einem Kind, haben die mich gefragt.

    [00:46:37.950] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir haben dann Lösungen miteinander erarbeitet.

    [00:46:40.910] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da war ein ADS Kind wahrscheinlich, und das ist immer geflüchtet, wenn es ihm zu viel
    geworden ist, also davongerannt nach Hause.

    [00:46:52.280] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das darf man ja nicht als Kind.

    [00:46:54.500] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann hatten wir eine Konferenz mit dem Klassenlehrer, dem Schulleiter und den Eltern.

    [00:47:01.610] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Kind war nicht dabei.

    [00:47:03.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann habe ich vorgeschlagen, dass das Kind für eine Woche lang von einem Schüler
    begleitet wird.

    [00:47:13.810] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dieser Schüler muss neben dem Jungen sitzen. Er darf ihn schützen, er darf ihn
    stärken. Er darf aber auch sagen: da bist du jetzt etwas zu weit gegangen.

    [00:47:25.830] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er hat beide Funktionen.

    [00:47:29.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Mädchen, die haben zuerst das gemacht, die waren sofort bereit, das zu machen.

    [00:47:34.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Jungen haben dann auch mitgemacht, die haben die ganze Klasse durchgemacht
    und der wurde besser integriert in der Klasse.

    [00:47:44.500] – Dr.med. Ursula Davatz

    Einmal ist er noch davongerannt und da hätte er in den Buben-Turnunterricht gehen
    sollen.

    [00:47:53.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ein Mädchen hat ihn begleitet, aber das durfte nicht mitgehen.

    [00:47:57.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da war er auch wieder alleine, da ist er davon gerannt.

    [00:48:01.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der hat die Schule gut abgeschlossen, ab und zu dann später noch besucht und hat
    sich gut entwickelt.

    [00:48:08.800] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich gebe einen Kurs und beginne im August wieder einen.

    [00:48:17.320] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da haben wir auch mit Lehrern gesprochen und da habe ich auch wieder die Idee
    aufgebracht, verwenden sie doch andere Schüler vermehrt im Unterricht.

    [00:48:29.410] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dass nicht nur die Lehrerin alles im Griff haben muss, sondern dass man etwas aufteilt
    und dass man vielleicht, auf Englisch sagt man Tutor, also einen Tutoren, Schüler wählt,
    der dann mit dem was machen darf.

    [00:48:46.810] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da gibt es viele Möglichkeiten.

    [00:48:49.520] – Bemerkung 6

    Wie erleben sie die Zusammenarbeit mit diesen Schulen?

    [00:48:54.010] – Bemerkung 6

    Eben genau, wenn es um so die Ideen geht, um Umsetzung? Weil ich glaube, die
    Zusammenarbeit, manchmal erlebe ich das sehr starr von der Schule selbst.

    [00:49:09.590] – Dr.med. Ursula Davatz

    Alain Guggenbühl hat ein Beispiel erzählt.

    [00:49:13.901] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://de.wikipedia.org/wiki/Allan_Guggenb%C3%BChl

    [00:49:14.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Eine Klasse, die war nicht mehr handhabbar.

    [00:49:21.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann hat man einen alten, erfahrenen Lehrer wieder zugezogen und gesagt, ob er die
    Klasse übernimmt.

    [00:49:29.280] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er hat gesagt: ja, das mache ich, aber wenn ihr mir nicht reinredet, wenn ich machen
    darf, was ich für gut halte.

    [00:49:36.270] – Dr.med. Ursula Davatz

    Am ersten Tag ist er ans Pult gesessen und hat ein Buch gelesen, alles drunter und
    drüber, Tohuwabohu unter den Schülern.

    [00:49:51.050] – Dr.med. Ursula Davatz

    Am zweiten Tag hat er die Zeitung gelesen, nochmal Tohuwabohu.

    [00:49:55.670] – Dr.med. Ursula Davatz

    Am dritten Tag hat einer der Schüler gesagt: wann beginnen wir mit dem Unterricht?

    [00:50:05.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist genau das.

    [00:50:07.410] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn wir uns als Erzieher zurücknehmen, aber nicht die Beziehung kündigen, also die
    Beziehung nicht abbrechen, dann kommt eine Selbstorganisation von der Gruppe.

    [00:50:24.750] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da sage ich jetzt noch mal etwas.

    [00:50:27.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich bring ja immer Tierbeispiele.

    [00:50:30.170] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe mich sehr mit Frans de Waal befasst.

    [00:50:32.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://de.wikipedia.org/wiki/Frans_de_Waal

    [00:50:32.910] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er ist ein Primatologe, jetzt gestorben.

    [00:50:36.080] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der hat Forschung gemacht bei Affen, also Schimpansen und Gorillas.

    [00:50:46.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    Diese Tiere sind soziale Wesen.

    [00:50:50.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir haben soziale Gene, wir sind sozial orientiert, auch wenn wir nicht erzogen werden.

    [00:51:01.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die sozialen Tierarten, die haben Sozialverhalten, ganz natürlich.

    [00:51:07.170] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist, was will ich sagen, in den Genen drin.

    [00:51:10.910] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn wir aufhören zu erziehen, aber ruhig dabeibleiben, dann kommen auf einmal
    diese sozialen Gene zum Zug.

    [00:51:20.860] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir haben oft die Tendenz als Erzieher zu Übererziehen, Überreagieren.

    [00:51:26.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da muss ich sagen: raus, Stecker ziehen, langsam, aber nicht die Beziehung
    abbrechen.

    [00:51:35.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Erziehungsmethoden, wo man das Kind wegschickt: geh in dein Zimmer, wenn du
    dich so schlecht verhältst. Das ist Beziehungsabbruch.

    [00:51:49.600] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist Liebesentzug.

    [00:51:51.870] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was machen dann die ADHS Kinder? Die gehen ins Zimmer und zerstören ihre

    Lieblingsgegenstände.

    [00:51:58.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist keine gute Erziehung.

    [00:52:02.090] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man darf runterfahren, nichts mehr machen.

    [00:52:05.330] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist das Schwierigste für uns Erzieher, dass wir nichts machen, aber dennoch in
    Beziehung bleiben.

    [00:52:12.600] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist auch das, was ich immer, also mit Eltern von Schizophrenen, die wollen ja auch
    immer erziehen, und das geht nicht, denn der Schizophrene ist abgefahren, der ist da in
    seiner Illusion, und da kann man nicht mit Kognition reinkommen.

    [00:52:30.560] – Dr.med. Ursula Davatz

    Aber Beziehung, Emotion, das geht.

    [00:52:34.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Beziehung behalten, aber nicht mehr erziehen.

    [00:52:39.590] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gibt ja diesen Satz: Keine Erziehung ohne Beziehung.

    [00:52:51.290] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das stimmt.

    [00:52:53.330] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir können nicht erziehen ohne Beziehung.

    [00:52:56.170] – Dr.med. Ursula Davatz

    Mit Strafe auch nicht.

    [00:53:01.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir müssen auf eine neue Art mit diesen Kindern in Beziehung bleiben.

    [00:53:08.240] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da hat mir auch eine Lehrerin gesagt: wenn sie merkt, einer wird zu unruhig, dass sie
    sagt: ich glaube, du brauchst eine kleine Pause, spring dreimal ums Schulhaus.

    [00:53:22.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der gute Erzieher oder die gute Erzieherin, die nimmt das Kind wahr, nimmt die
    Bedürfnisse wahr und steigt dann ein auf das und sagt: du darfst jetzt das machen.

    [00:53:34.590] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nicht: du wirst jetzt vor die Türe geschickt weil du störst.

    [00:53:38.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das wäre negativ.

    [00:53:40.380] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich glaube, du brauchst eine Abwechslung. Geh schnell.

    [00:54:10.610] – Bemerkung 7

    Dass die sehr viel kritisiert werden, die ADHS Kinder. Ich habe eine Situation gehabt mit
    einem Kind, da wurde sie auch wieder kritisiert und hat einfach so aus tiefstem Herzen
    gesagt: ich strenge mich doch so an.

    [00:54:31.420] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja, das trifft zu.

    [00:54:34.340] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das war ein Mädchen?

    [00:54:37.250] – Dr.med. Ursula Davatz

    Stuten lassen sich leichter reiten als Hengste.

    [00:54:45.510] – Dr.med. Ursula Davatz

    Mädchen passen sich eher an und die strengen sich wahnsinnig an, es recht zu
    machen in der Beziehung.

    [00:54:55.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn die dann immer kritisiert werden, ist das natürlich schrecklich.

    [00:55:02.310] – Dr.med. Ursula Davatz

    Von dort her ist es ganz wichtig, dass wir diese Anstrengung wahrnehmen und
    validieren.

    [00:55:09.600] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ein Begriff in der Psychiatrie ist, man muss den Patienten immer zuerst validieren,
    bevor man irgendetwas ändern will.

    [00:55:19.330] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn das Kind sagt, ich streng mich doch so an, dann darf man sagen: ja, ich seh das,
    und für dich ist es schwieriger.

    [00:55:29.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn dann die Klasse sagt: die darf das und ich darf's nicht.

    [00:55:37.830] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es werden nicht alle gleich behandelt. Ich kann's und die andere kann's nicht und darf

    trotzdem weitermachen.

    [00:55:49.300] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann sage ich als Lehrperson: die kann das noch nicht.

    [00:55:55.330] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man kann niemanden dafür bestrafen, dass jemand etwas noch nicht kann.

    [00:56:01.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was dieser Mensch noch nicht kann, ist die Emotionskontrolle.

    [00:56:06.970] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Emotionskontrolle über das Großhirn.

    [00:56:12.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist in der Tat so, das reift bei diesen Menschen langsamer, später und ist vielleicht
    nie so perfekt wie bei den Normotypen.

    [00:56:26.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man kann jemanden nicht dafür bestrafen, dass er etwas noch nicht kann.

    [00:56:29.770] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn jemand das Bein gebrochen hat, dann sieht man das.

    [00:56:33.320] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dass da intern im Hirn diese Kontrolle noch nicht vorhanden ist, das sieht man natürlich
    nicht.

    [00:56:40.680] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist so, die strengen sich wahnsinnig an.

    [00:56:43.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist ein Satz, den man von vielen hört.

    [00:56:47.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe mich so angestrengt und es war nie recht.

    [00:56:52.280] – Bemerkung 8

    Wir leben in einer stark individualisierten Welt. Wo Individualismus gefordert wird. Ich
    frage mich, wie flexibel ist unsere Gesellschaft, auch mit solchen Kindern und
    Jugendlichen umzugehen?

    [00:57:09.420] – Bemerkung 8

    Auf einer Seite steht das Individuum, auf anderer Seite ist die Schule, die Eltern, die
    kollektiv bezogen sind und hält sich an die Normen und Werte.

    [00:57:21.620] – Bemerkung 8

    Wie stellen oder das erleben wir tagtäglich, dass es sehr schnell zu einer
    Stigmatisierung kommt von solchen Personen, von solchen Kindern und Jugendlichen.

    [00:57:31.910] – Dr.med. Ursula Davatz

    Einerseits muss der Unterricht vermehrt individualisiert, differenziert werden, also
    unterschiedliche Programme.

    [00:57:47.560] – Dr.med. Ursula Davatz

    An diesem Tag im Bundeshaus haben Ältere, also Gymnasiasten, haben
    vorgeschlagen, dass sie nur jede zweite Woche in einen Unterricht gehen müssen, den
    sie nicht so gern haben, dafür etwas anderes, ein spezielles, eine spezielle Fähigkeit
    pflegen dürfen.

    [00:58:10.430] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe so ein Kind, das spielt Geige, und das habe ich jetzt befreit von gewissen

    Fächern, damit es mehr Geige üben kann.

    [00:58:18.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da habe ich jetzt das persönlich gemacht.

    [00:58:21.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Lehrer könnten das auch machen.

    [00:58:24.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist das eine, das Individualisierte.

    [00:58:26.890] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das andere ist, auch diese Kinder müssen in das Kollektiv eingegliedert werden
    können.

    [00:58:34.810] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da braucht es jetzt die Autorität der Lehrperson.

    [00:58:39.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da muss die Lehrperson hinstehen und sagen: in meiner Stunde, in meiner Klasse will
    ich das, und ich will das, und ich will das.

    [00:58:49.450] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es dürfen nicht zu viele Regeln sein, es müssen eher wenig Regeln sein, aber die
    müssen durchgesetzt werden.

    [00:58:59.050] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da beziehe ich mich immer auf Jesper Juul.

    [00:59:03.845] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://de.wikipedia.org/wiki/Jesper_Juul

    [00:59:04.930] – Dr.med. Ursula Davatz

    Mein kompetentes Kind, die kompetente Familie, und das letzte Buch war über
    Adoleszenz.

    [00:59:21.380] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er sagt, man darf nicht sagen, du musst, du musst, sondern ich will.

    [00:59:27.670] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich will, dass du das lernst. Ich will, dass du da mitmachst.

    [00:59:31.910] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man darf die eigene Persönlichkeit, die eigene Stärke— und die Erzieher sind ja immer
    älter als das Kind— an sich stärker.

    [00:59:43.310] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es darf nicht heißen, du musst, sondern ich will.

    [00:59:46.770] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das habe ich auch in meinem Buch als 13 Regeln, wie man umgeht mit ADHS Kindern.

    [00:59:52.010] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://adhs.expert/wp-content/uploads/2024/06/13-TIPPS-FUeR-ERZIEHENDE.pdf

    [00:59:53.570] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man sollte immer etwas voraus sein und sagen, ich will das und ich will das.

    [01:00:02.460] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das dürfen nicht zu viele Prinzipien sein.

    [01:00:06.340] – Dr.med. Ursula Davatz

    Lieber wenig, aber die werden durchgesetzt.

    [01:00:10.080] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe lange Zeit eine Lehrerin begleitet, die hat sehr individualisiert Schule gegeben,
    aber die hat sich auch durchgesetzt.

    [01:00:21.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Heutzutage mit dem Lernplan, das Kind muss seinen Lernplan selber machen, muss
    selbstständig sein, das können ADHS Kinder nicht, da fällt alles durcheinander, und es
    braucht schon die Autorität des Lehrers.

    [01:00:42.970] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn er aber sagt, es ist die Regel, das sind die Statuten, das geht nicht.

    [01:00:51.690] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er muss sagen, ich vertrete das, es muss persönlich durchgesetzt werden.

    [01:01:13.800] – Bemerkung 9

    Dann wird eben so ein Verhalten als Fehlverhalten definiert, dass dann automatisch
    entsteht ein Stigmatisieren von solchen Personen, also Klasse als Kollektiv, wenn wir
    sie anschauen, oder auch in der gesamten Gesellschaft. Das Fehlverhalten wird
    definiert und automatisch werden solche Kinder und Jugendliche abgestempelt.

    [01:01:43.320] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja, das stimmt.

    [01:01:46.310] – Bemerkung 9

    Ich sehe Problem bei den Lehrpersonen, größer als bei dem Kind selber.

    [01:01:52.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    Richtig.

    [01:01:54.150] – Bemerkung 9

    Da entsteht eben die Problematik, dass solche Kinder von einem zu den anderen
    verschoben werden, was eben auf ihre weitere, ihre weitere Entwicklung auch einen
    negativen Einfluss hat.

    [01:02:08.900] – Dr.med. Ursula Davatz

    Klar, auf jeden Fall.

    [01:02:11.570] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sobald verschoben wird, wird das Kind vom Kollektiv ausgeschlossen.

    [01:02:16.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das haben wir nicht gerne, hat der Mensch nicht gerne. Wir sind soziale Wesen, wir
    wollen beim Kollektiv bleiben.

    [01:02:26.060] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da hat man ja heute Klassenassistenten und manche geben zu zweit Schule.

    [01:02:31.310] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja, viele Lehrpersonen sind schnell überfordert und viele steigen auch aus.

    [01:02:40.510] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das wurde an diesem ADHS Tag im Bundeshaus wurde auch gesagt, und das sage ich
    auch immer, die Lehrpersonen müssten viel mehr Unterstützung bekommen.

    [01:02:53.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nicht einfach das Kind Therapie, sondern die Lehrpersonen Unterstützung.

    [01:02:57.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das haben die Kinder auch selber gesagt.

    [01:03:01.210] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die haben gesagt, die Lehrpersonen müssen offiziellen Zugang haben zu
    Beratungspersonen.

    [01:03:10.340] – Dr.med. Ursula Davatz

    Gibt es noch nicht.

    [01:03:12.450] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man geht jetzt eher wieder zurück, quasi der Lehrplan 21 hat versagt.

    [01:03:19.240] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nein, er ist nicht vollständig genug und gut genug umgesetzt worden.

    [01:03:25.040] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es braucht Unterstützung für die Lehrperson.

    [01:03:28.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Eben in dieser Schule, von der ich vorher geredet habe, da habe ich die Lehrer
    unterstützt.

    [01:03:34.750] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn ich zu Schulen gehe oder zu den Pädagogischen Hochschulen und sage, ich will
    gerne eine Ausbildung machen, die wollen nicht.

    [01:03:43.580] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann sage ich immer: never teach a teacher, aber help a teacher.

    [01:03:49.730] – Dr.med. Ursula Davatz

    Auf der anderen Seite sage ich: Never help a helper.

    [01:03:53.950] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir Ärzte oder Krankenschwestern oder so, die von Beruf her Helfer sind, die wollen
    sich nicht helfen lassen, denn sie müssen ja alles können und den anderen helfen.

    [01:04:08.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich würde das total unterstützen.

    [01:04:11.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir haben nach diesem Tag, haben wir auch so überlegt, was wir machen können.

    [01:04:17.330] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gibt jetzt dann im November einen Schulleitertag in Spreitenbach.

    [01:04:24.303] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://umweltarena.ch/veranstaltungen/vslch-fachtagung/

    [01:04:24.690] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die haben sogar das Thema Neurodivergenz zum Thema gemacht.

    [01:04:30.330] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich werde versuchen, mich da reinzudrängen.

    [01:04:35.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich weiß nicht, ob es mir gelingt, aber ja, die brauchen Hilfe.

    [01:04:41.320] – Bemerkung 10

    Ich hätte gerne noch gewusst, ob so das Durchsetzen, können sie das ein bisschen
    mehr ausschmücken, weil ich erlebe oft zu autoritär und dann funktioniert es nicht.

    [01:04:56.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn ich Eltern oder auch Lehrer oder unsicheren Lehrpersonen versuche zu sagen,

    sie müssen sich durchsetzen, wenn ich die versuche zu unterstützen, dann sagen sie,
    sie müssen sich ganz klar innerlich vornehmen, was sie wollen.

    [01:05:17.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie dürfen gar nicht nichts Ambivalentes haben.

    [01:05:20.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sobald sie ambivalent sind, merkt das das Kind sofort und es weicht aus.

    [01:05:25.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich hatte eine Mutter von einem ADHS-Sohn und die hat gesagt, ich war konsequent,
    inkonsequent.

    [01:05:33.530] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bringt gar nichts.

    [01:05:35.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    Zuerst gut überlegen, was will ich, was will ich nicht.

    [01:05:42.360] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich weiß, was ich will, dann muss das tief verankert sein.

    [01:05:48.690] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich sage auch mental verankert sein.

    [01:05:51.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann muss man das kommunizieren, aber nicht mit vielen Erklärungen, sondern eben
    wie Jesper Juul sagt: ich will.

    [01:06:03.050] – Dr.med. Ursula Davatz

    In Anwesenheit des Kindes nicht zu nah, nicht das Genick herunter blasen.

    [01:06:10.200] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nicht böse fokussieren, schon anschauen, aber: ich will.

    [01:06:17.720] – Dr.med. Ursula Davatz

    Und die Geduld haben zum Warten.

    [01:06:21.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Häufig passiert, wenn man sagt: ich will das, es ist mir wichtig.

    [01:06:27.110] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann Pause und nicht viel Diskussion und warten.

    [01:06:31.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann etwas verzögert, macht das Kind das, was man will, erstaunlicherweise.

    [01:06:37.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es will ja in der Beziehung bleiben.

    [01:06:40.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es nimmt einen wahr und es respektiert einem auch.

    [01:06:45.710] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da muss man Geduld haben.

    [01:06:47.730] – Bermerkung 10

    Nicht irgendwelche Methoden?

    [01:06:52.060] – Dr.med. Ursula Davatz

    Warten können und dran glauben.

    [01:06:54.730] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich sag dann, sie müssen dran glauben.

    [01:06:57.570] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ihre mentale Kraft muss vorhanden sein.

    [01:07:01.680] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nicht dem Kind hinterherspringen, das geht gar nicht.

    [01:07:07.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn es dann halt mal nicht geht, okay, hat es nicht geklappt, aber man hat wieder
    einen Versuch.

    [01:07:13.890] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss es wirklich spüren.

    [01:07:16.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Gleiche passiert bei den Tieren.

    [01:07:18.310] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man hat Untersuchungen gemacht, man hat Manager auf die Pferdeweide gesteckt.
    Die, die natürliche Autorität hatten, denen haben die Pferde gefolgt.

    [01:07:30.880] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die nur aufgesteckte Autorität, die Pferde haben die ignoriert. Beim Tier funktioniert das
    auch, beim Kind genau gleich.

    [01:07:42.640] – Bermerkung 11

    Das ist ja genau das Gleiche, nicht nur in der Schule, es ist ja auch bei den Eltern so.

    [01:07:47.820] – Bermerkung 11

    Wir haben Eltern, die denken, die müssen jetzt autoritär sein.

    [01:07:54.130] – Bermerkung 11

    Die sitzen ja innerlich gar nicht da, das erste Problem, das spürt das Kind.

    [01:07:59.490] – Bermerkung 11

    Die sind so verunsichert.

    [01:08:00.770] – Bermerkung 11

    Eine Mutter, die wir begleiten und ein Kind, die Mutter denkt, sie muss das so machen
    und reagiert dann sehr massiv.

    [01:08:29.210] – Bemerkung 2

    Das ist übertragbar genauso auf die Eltern.

    [01:08:32.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    Absolut.

    [01:08:32.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich muss da an erster Stelle immer das Selbstbewusstsein der Eltern stärken.

    [01:08:42.510] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn ich eine Idee gebe und die Mutter sagt, ja, ich versuche das mal, und dann sage
    ich, wenn sie es so halbherzig versuchen, müssen sie gar nichts anfangen, geht nicht.

    [01:08:54.290] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie müssen wirklich selber überzeugt sein.

    [01:08:57.770] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn die Mutter etwas macht, um mir gerecht zu werden, bringt gar nichts.

    [01:09:05.290] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie muss überzeugt sein und das machen.

    [01:09:09.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das muss ich als Familientherapeutin oft sagen: machen sie gar nichts, wovon sie nicht
    überzeugt sind.

    [01:09:20.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie müssen das selbst tragen, selbst im Kopf haben.

    [01:09:25.320] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Mutter darf nicht aus Gehorsam mir gegenüber irgendetwas machen.

    [01:09:29.600] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da hat mir letztens eine gesagt, sie hat einen Termin abgesagt.

    [01:09:35.630] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da hab ich gesagt: waren sie nicht zufrieden mit dem Ersttermin?

    [01:09:39.080] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da hat sie gesagt: nein, nein, sie konnte ihre Hausaufgaben noch nicht erledigen.

    [01:09:45.360] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da hab ich gesagt: macht doch nichts, ich bin nicht Lehrerin, sie muss keine
    Hausaufgaben von mir erledigen, sie macht's dann, wenn sie so weit ist.

    [01:10:05.890] – Bemerkung 12

    So diese Schere, wo man merkt, dass wir in der Erwachsenenwelt stark kognitiv denken
    und mit der Erwachsenenbrille die Kinder erziehen.

    [01:10:42.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Erziehung läuft über die Beziehung, übers Herz.

    [01:10:45.590] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da verwende ich dann immer den Antoine de Saint-Exupéry, der sagt: on ne voit bien
    qu'avec le coeur.

    [01:10:51.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Herz hat überhaupt keine Augen, aber man spürt es.

    [01:10:56.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Den erwachsenen ADHS Menschen gegenüber, sage ich dann: il faut consulter votre
    cœur.

    [01:11:03.400] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bevor sie eine Entscheidung treffen, müssen sie innehalten und warten und versuchen
    zu spüren: was will ich eigentlich?

    [01:11:14.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was ist mir wichtig? Ich sag sogar, die Augen zumachen und sich spüren.

    [01:11:20.290] – Dr.med. Ursula Davatz

    So kognitiv argumentieren, bringt gar nichts.

    [01:11:24.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bringt gar nichts.

    [01:11:25.510] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist ist Knochen ohne Fleisch, nicht mal Knochen.

    [01:11:32.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir sind natürlich sehr stark auf unser Großhirn fokussiert und meinen, über die

    Kognition könnte man das Kind erreichen.

    [01:11:45.280] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn ich Eltern sehe im Tram oder auf der Straße, wie die auf das Kind einreden, muss
    ich sagen: oh nein, bitte nicht. Weniger wäre mehr und mehr vom Herzen her.

    [01:11:57.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da sind wir absolut verkopft.

    [01:12:00.770] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich mache eine Kritik an der Psychiatrie.

    [01:12:04.260] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Psychiatrie hat sich ursprünglich entwickelt, aus der Philosophie.

    [01:12:13.230] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir haben dann Konzepte, die wir unseren Patienten übertragen und wir schauen nicht
    mehr, was eigentlich abläuft.

    [01:12:21.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist wieder der PDA.

    [01:12:24.020] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Kind gehorcht mir nicht, ist ein falsches Kind, aber niemals, was habe ich falsch
    gemacht?

    Der Beitrag ADHS ist keine Krankheit erschien zuerst auf AD(H)D and Schizophrenia.

    1 hr 14 min
  • Was sind die speziellen Herausforderungen bei ADHS?

    https://adhs.expert/wp-content/uploads/2026/05/VASK_21.5.2026.m4a

    https://adhs.expert/wp-content/uploads/2026/05/VASK_22.5.2026.mp4.pdf

    Transkript

    Dr.med. Ursula Davatz

    22.5.2025

    Was sind die speziellen Herausforderungen im Umgang mit ADHS?

    Audio

    [00:00:00.710] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was sind die speziellen Herausforderungen im Umgang mit ADHS?

    [00:00:12.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann dürfen sie mich wieder unterbrechen oder Fragen stellen.

    [00:00:20.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was sind die speziellen Herausforderungen im Erzieherischen Umfeld und
    therapeutischen Umgang?

    [00:00:30.490] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich bin ja Therapeutin, ich habe drei Kinder erzogen, zusammen mit meinem Mann.

    [00:00:39.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich schaue jetzt das professionelle Erzieherische Umfeld an.

    [00:00:44.460] – Dr.med. Ursula Davatz

    Als Erstes muss man sich merken oder bewusst sein, dass Gene nicht erzogen werden
    können.

    [00:00:55.050] – Dr.med. Ursula Davatz

    Gerhard Polt sagt: was die Gene/Natur versaut haben, kann nicht nur mit Schlägen/
    Strafe korrigiert werden.

    [00:01:02.309] – Dr.med. Ursula Davatz

    Kennt ihn jemand?

    [00:01:13.200] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bringt das den Sinn rüber?

    [00:01:19.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich wurde jetzt gerade vom SRF angefragt, was ich dazu sage, wenn man sagt, ADHS
    ist eine Modekrankheit.

    [00:01:30.040] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann muss ich sagen: genetische Vererbung ist keine Mode.

    [00:01:36.030] – Dr.med. Ursula Davatz

    Genetische Vererbung ist ein Fakt.

    [00:01:41.090] – Dr.med. Ursula Davatz

    Zur Steinzeit, zur Jäger und Sammler Zeit, sagt man, 50% der Menschen hatten ein
    ADHS-Genom.

    [00:01:54.930] – Dr.med. Ursula Davatz

    Heute sind es noch 5%, jetzt geht es langsam etwas rauf, vielleicht 10%.

    [00:02:01.870] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich behaupte, in den USA gibt es mehr davon, denn viele der ADHS-Genom-Besitzer
    sind nach Amerika ausgewandert, weil man sie hier nicht toleriert hat.

    [00:02:14.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Neue und das Explorative gehört ja zu den ADHS/ADS Menschen.

    [00:02:23.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es kann nicht einfach eine Mode sein.

    [00:02:26.900] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man richtet die Aufmerksamkeit heutzutage vermehrt darauf.

    [00:02:37.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    Noch vor 40 Jahren, da haben die Fachleute, Kinderpsychiater, gesagt: das gibt es gar
    nicht.

    [00:02:47.260] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die ELPOS war die Organisation, die sich dafür eingesetzt hat.

    [00:02:51.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Frühkindliches POS.

    [00:02:57.690] – Dr.med. Ursula Davatz

    POS heißt Psychoorganische Störung.

    [00:03:01.370] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der Begriff wurde dann abgeschafft, wird heute nicht mehr verwendet, aber die ELPOS
    heißt immer noch ELPOS.

    [00:03:07.570] – Dr.med. Ursula Davatz

    Elternvereinigung von POS Kindern.

    [00:03:11.330] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://elpos.ch/

    [00:03:13.100] – Dr.med. Ursula Davatz

    Als Erstes muss man sich bewusst sein, es ist genetisch vererbt und Gene kann man
    nicht erziehen.

    [00:03:20.890] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Tierbeispiele zeigen: jeder Dompteur weiß, dass er artgerecht mit dem Tier

    umgehen muss, wenn er irgendetwas erreichen will.

    [00:03:37.230] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir Menschen denken, jeder Mensch ist gleich und die Erziehung geht für alle.

    [00:03:42.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das stimmt nicht.

    [00:03:44.930] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Erziehung geht für die Braven, für die Anpassungswilligen gut, aber für die
    Widerspenstigen geht sie nicht so gut.

    [00:03:56.470] – Dr.med. Ursula Davatz

    Albert Einstein hatte ADS, er war autistisch, er hat nicht geredet bis zum 5. Altersjahr.

    [00:04:11.860] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man wollte ihn aus der Kantonsschule rauswerfen.

    [00:04:15.880] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er ist in die gleiche Kantonsschule gegangen wie ich, in Aarau.

    [00:04:20.040] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man hat es dann aber nicht gemacht und war dann sehr stolz später.

    [00:04:25.590] – Dr.med. Ursula Davatz

    Heute heisst die Schule Einsteinhaus.

    [00:04:28.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gibt einige Forscher, die mit Sicherheit ADHS/ADS hatten oder haben, die eben über
    die Grenzen hinausdenken können und von dort her neue Dinge erfinden.

    [00:04:42.170] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da gibt es auch Geschichten von solchen, die aus der Schule geschmissen wurden,
    also nicht behalten wurden wie Einstein, sondern dann einen anderen Bildungsweg
    gemacht haben und schlussendlich Nobelpreisträger wurden.

    [00:04:57.010] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gibt viele Talente.

    [00:04:58.470] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn wir unsere ADHS Kinder zu früh normieren wollen, dann zerstören wir Talente,
    dann gehen uns Talente verloren, und das ist schade.

    [00:05:12.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Darum sage ich: es ist wichtig, dass man sich bewusst wird, es ist eine genetische
    Veranlagung und keine Modekrankheit, auch nicht einfach eine Lust, anders sein zu
    wollen, die haben wirklich Probleme.

    [00:05:31.730] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn das Umfeld nicht damit umgehen kann, dann macht man vieles kaputt und
    erzeugt psychische Krankheiten.

    [00:05:41.370] – Dr.med. Ursula Davatz

    ADHS/ADS Betroffene müssen dennoch lernen, mit ihrem andersartigen Hirn
    umzugehen.

    [00:05:48.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das wäre die Sozialisierung, das wurde vorher ja auch schon gefragt.

    [00:05:55.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es braucht natürliche Autoritäten, Eltern, Lehrpersonen, die dem Kind helfen können,
    dass es lernt, mit seiner Andersartigkeit umzugehen.

    [00:06:12.950] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da braucht es vielleicht mehr Anläufe und nicht schon beim ersten Mal.

    [00:06:19.470] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es läuft nicht über die Kognition, sondern es läuft über die Beziehung und die Geduld
    der Erziehungsperson.

    [00:06:29.170] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dass die Erziehungsperson ihre Geduld ausleiht, sodass der ADHS-Betroffene langsam
    seine Emotionsregulation erlernt.

    [00:06:42.650] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jetzt mache ich der Psychiatrie wieder einen Vorwurf.

    [00:06:49.150] – Dr.med. Ursula Davatz

    In der Psychiatrie hat man Medikamente, also Psychopharmaka entwickelt, und die
    helfen, Emotionen zu regulieren.

    [00:07:00.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn wir natürlich sofort einem ADHS-Betroffenen und insbesondere Kind die
    Emotionen regulieren über Medikamente, dann lernt diese Person nicht, sich selber zu
    regulieren.

    [00:07:17.450] – Dr.med. Ursula Davatz

    Meine Ambition, meine Vorstellung ist, dass wir diese Menschen begleiten, dass wir
    ihnen helfen, dass sie sich lernen zu regulieren, vielleicht etwas später, das Hirn reift
    etwas später, und dass sie nicht gleich zu einer chemischen Problemlösung greifen.

    [00:07:36.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe in letzter Zeit gehört, dass man schon einem 9-jährigen Kind ADHS-
    Medikamente gibt, das sind Stimulantien, sämtliche ADHS-Medikamente sind

    Stimulantien, und dann zusätzlich Neuroleptika, das sind Dopamin-dämpfende

    Substanzen, die man eigentlich bei den Schizophrenen gibt.

    [00:08:03.010] – Dr.med. Ursula Davatz

    Erwachsene, die heutzutage dann ADHS-Medikamente bekommen, dann nehmen die
    zum Teil zu viel, und dann werden sie psychotisch.

    [00:08:11.670] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich in meinem ersten Buch: ADHS und Schizophrenie, habe ich das ganz genau
    verfolgt.

    [00:08:17.398] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhs-und-schizophrenie/

    [00:08:18.010] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Schizophrenie geht immer einher mit einem erhöhten Dopaminspiegel.

    [00:08:26.820] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dopamin ist das der Neurotransmitter, den wir brauchen, um aktiv sein zu können.

    [00:08:35.100] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir haben davon in unserem motorischen Hirn und wir brauchen es, um etwas
    anzugehen.

    [00:08:42.130] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann gibt man zuerst dem ADHS Kind das Ritalin oder ein anderes, das stimuliert, und
    da sagt man, dann können die Kinder besser fokussieren.

    [00:08:57.050] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe dann eine andere Beschreibung gelesen: eigentlich können sie gar nicht
    besser fokussieren, eigentlich können sie sich dann einfach auch für Dinge
    interessieren, die sie gar nicht interessieren.

    [00:09:13.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ok, das ist in der Schule hilfreich, denn man muss alle Fächer abschliessen, speziell in
    der Schweiz.

    [00:09:22.150] – Dr.med. Ursula Davatz

    In England sind es nur 4. Da sind es etwas weniger.

    [00:09:27.900] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die ADHS-Medikamente, die erhöhen an sich den Stress und sind Amphetamine, die
    dann Dopaminausschüttung erhöhen.

    [00:09:42.750] – Dr.med. Ursula Davatz

    Menschen mit einem ADHS-Gehirn, die haben nicht weniger Dopamin, aber das
    Dopamin wird schneller abgebaut.

    [00:09:50.240] – Dr.med. Ursula Davatz

    Indem wir ihnen dann Medikamente geben, produzieren sie immer wieder mehr
    Dopamin.

    [00:10:00.580] – Dr.med. Ursula Davatz

    Se werden künstlich gestresst.

    [00:10:05.160] – Dr.med. Ursula Davatz

    Auf der anderen Seite haben ADHS Menschen die Möglichkeit, wenn sie etwas
    interessiert, dann sind sie überfokussiert.

    [00:10:15.360] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann können sie nicht mehr aufhören.

    [00:10:18.260] – Dr.med. Ursula Davatz

    Von Albert Einstein hat man gesagt, wenn der mal begonnen hat zu rechnen oder da

    seine Formeln, die Relativitätstheorie zu erarbeiten, das hat er ja unter dem Pult
    gemacht in Bern bei einer Anstellung, neben der Arbeit an seinen Dingen gearbeitet,
    was man ja eigentlich nicht dürfte.

    [00:10:44.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn ADHS Menschen an etwas interessiert sind, dann hören sie nicht mehr auf.

    [00:10:49.930] – Dr.med. Ursula Davatz

    Albert Einstein hat vergessen zu essen, zu schlafen, sich zu erholen, und seine Frau
    musste ihm immer sagen: jetzt musst du wieder essen, jetzt musst du schlafen gehen,
    etc.

    [00:11:01.900] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie hat die Regulierung übernommen.

    [00:11:05.450] – Dr.med. Ursula Davatz

    In dem Sinn müssen Menschen mit ADHS lernen, Pausen zu machen, damit sie nicht in
    diese übertriebene Hyperaktivität hineinkommen.

    [00:11:18.150] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn wir also den ADHS Menschen die Emotionsregulation über Medikamente
    organisieren, dann lernen die nicht.

    [00:11:27.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Mein Ehrgeiz ist natürlich, dass die an sich sich besser selber kennenlernen.

    [00:11:35.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das wäre wieder: Consulter votre coeur.

    [00:11:36.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie müssen auch lernen, mit Emotionen umzugehen.

    [00:11:51.450] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn in der Schule eine Interaktion läuft, die dann mit Aggression zu Ende geht, da ist
    oft die Angelegenheit so: ein Kind provoziert das andere, das andere kann das nicht
    aushalten und schlägt dann zurück.

    [00:12:07.930] – Dr.med. Ursula Davatz

    Vom Lehrer wird nur das Schlagen wahrgenommen und zitiert und dann kritisiert oder
    bestraft.

    [00:12:17.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn beide zusammengenommen werden, dann muss sich das schlagende Kind
    entschuldigen.

    [00:12:23.750] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es wird in der Regel nicht gefragt, was war denn eigentlich, was dich provoziert hat?

    [00:12:30.650] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es wäre ganz wichtig, dass man immer den Interaktionsprozess anschaut und sagt:
    was war los?

    [00:12:38.340] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was hat dich geärgert?

    [00:12:39.470] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was hat dich verletzt?

    [00:12:40.530] – Dr.med. Ursula Davatz

    Aha, mhm, verstehe ich, kann ich nachvollziehen.

    [00:12:44.040] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das wäre die Validierung der Gefühle.

    [00:12:46.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann kann man weitergehen und sagen: was könntest du machen ein nächstes Mal,
    wenn wieder so etwas passiert?

    [00:12:56.160] – Dr.med. Ursula Davatz

    Einer hat sich oft provoziert gefühlt von seinem Chef.

    [00:13:06.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da habe ich gesagt: nächstes Mal, wenn sie sich provoziert fühlen, laufen sie lieber
    davon, als dass sie dem Chef böse Worte nachsagen.

    [00:13:15.090] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann wurde natürlich kritisiert, man darf doch nicht weglaufen von der Arbeit. Aber das
    war aus meiner Sicht das kleinere Übel.

    [00:13:23.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das war ein schweres ADHS (Erwachsener), aber der hat seinen Weg gemacht.

    [00:13:36.240] – Bemerkung 1

    Dopamin-Ausschüttung ist ein Glückshormon, oder?

    [00:13:41.470] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja.

    [00:13:46.380] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man nimmt es nicht direkt unter Glückshormone, das sind die Endorphine.

    [00:13:51.490] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist ein Hormon, das auch ein gutes Gefühl auslöst.

    [00:13:55.560] – Bemerkung 1

    Wenn ein Mensch mit Dopamin, mit ADHS, so ein Gefühl hat, dann ist er ja voll im
    Tunnel.

    [00:14:03.280] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja genau!

    [00:14:05.330] – Bemerkung 1

    Was kann ich dann machen, ob es ein Kind oder eine erwachsene Person ist, die ist da
    in ihrem Tunnel, und ich möchte jetzt wieder agieren.

    [00:14:16.430] – Bemerkung 1

    Die Person zu begleiten, das kann ja schwierig sein in einer Schule oder sonst im
    Alltag, die Person abzuholen.

    [00:14:25.530] – Bemerkung 1

    Auch möchte ich, dass sie in ihrem Spiel, in ihrer Freude, in ihrem Lernen da drin bleibt
    und nicht zu cutten.

    [00:14:35.910] – Bemerkung 1

    Die Abgrenzung zwischen Überarbeiten, Stoppen; wie kann ich da als Person agieren?

    [00:14:50.030] – Dr.med. Ursula Davatz

    da ist meine Methode, dass man das Kind validieren muss in seiner Freude und seinem
    Fokus.

    [00:14:58.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich weiß, dass du das gerne machst, und ich weiß, du würdest noch ewig weitermachen
    mit dem.

    [00:15:05.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Realität ist aber dass wir weiterfahren müssen.

    [00:15:10.970] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann kann man sagen: du kannst jetzt noch 5 Minuten das weitermachen und dann
    müssen wir ändern.

    [00:15:20.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dass die Änderung nicht so abrupt ist. Aufhören, was anderes.

    [00:15:25.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sondern dass man ihn validiert in seinem Interesse und sogar sagt: ich weiß, es ist
    schwierig für dich aufzuhören.

    [00:15:32.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist schon beim kleinen Kind, das mit irgendetwas spielt, das ist schwierig.

    [00:15:37.900] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Tatsache ist, die Stunde geht weiter, oder die Mutter sagt: ich muss einkaufen
    gehen, ich kann dich nicht alleine zu Hause lassen. In 10 Minuten gehen wir.

    [00:15:51.910] – Dr.med. Ursula Davatz

    Manche stellen dann eine Sanduhr auf oder so was, muss man nicht, stellen den
    Wecker.

    [00:15:57.730] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man bereitet den Wechsel vor, nicht abrupt, nicht abrupt.

    [00:16:05.080] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das sagen alle Eltern: die Kinder haben Probleme mit Wechseln.

    [00:16:10.360] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die bleiben drin.

    [00:16:12.300] – Dr.med. Ursula Davatz

    Darum muss man den Wechsel ankündigen.

    [00:16:15.650] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man kann nicht 2 Stunden ankündigen, man kann nur in Minuten ankündigen.

    [00:16:21.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich sage jetzt mal 10 Minuten.

    [00:16:25.600] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn ein Kind zum Arzt gehen muss, dann kündet man es Tage vorher an.

    [00:16:32.460] – Dr.med. Ursula Davatz

    Morgen müssen wir dann, damit eine innere Vorbereitung passiert, damit sich das Hirn
    einstellt, es kommt dann etwas.

    [00:16:42.800] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bei den Erwachsenen, ich begleite Studenten, die auf ihre Prüfungen lernen sollten.

    [00:16:48.710] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man redet ja von Aufschibitis, Procrastination, aufschieben.

    [00:16:56.770] – Dr.med. Ursula Davatz

    Den Studenten muss ich dann sagen, sie müssen ihrem Hirn befehlen, im Hinterkopf,
    am Donnerstag um 8 Uhr beginne ich das und das zu lernen.

    [00:17:10.590] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wann, an welchem Ort und was.

    [00:17:14.380] – Dr.med. Ursula Davatz

    An dem Tisch, der muss sauber gemacht werden, damit man nicht abgelenkt wird.

    [00:17:21.270] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das braucht eine gewisse Disziplin.

    [00:17:23.510] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die, die das begreifen, die machen dann ihre Prüfungen.

    [00:17:27.460] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist das Gleiche, wie dass man dem Kind sagen muss: In 10 Minuten müssen wir
    gehen.

    [00:17:35.810] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man darf validieren: ich weiß, es ist wahnsinnig spannend.

    [00:17:39.570] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man kann auch sagen: wir gehen einkaufen und machen das, dann und dann kannst du
    wieder weitermachen.

    [00:17:48.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Macht das Sinn?

    [00:17:50.650] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man darf nicht abrupt das Steuer herumreißen, das funktioniert gar nicht.

    [00:17:57.340] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann hat man einen Zornanfall oder eine totale Verweigerung oder eben einen
    Meltdown.

    [00:18:03.420] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man sagt: es eilt, es pressiert, ne, pressieren geht gar nicht.

    [00:18:08.860] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss quasi alle Zeit von der Welt haben, auch wenn man es nicht hat, also so
    ruhig bleiben.

    [00:18:17.560] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das muss natürlich auch der Lehrer vermitteln.

    [00:18:23.490] – Dr.med. Ursula Davatz

    In dem Sinn muss er etwas vorher, er nimmt das Kind wahr, das macht da irgendetwas,
    und er muss etwas vorher ankündigen: jetzt musst du dann wieder zur Gruppe zurück.

    [00:18:35.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Psychiatrie verwendet Emotionskontrolle über Medikamente, ja, und dann lernt die
    betreffende Person nicht, sich selbst zu regulieren.

    [00:19:02.630] – Dr.med. Ursula Davatz

    Alle Schizophrenen sind in einem Zustand des Hyperarousal.

    [00:19:12.320] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das heisst, sie sind überangeregt, überangetrieben.

    [00:19:16.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es zeigt sich meistens, dass sie nicht mehr schlafen können.

    [00:19:20.680] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Manisch-Depressiven, die sind dann da in einer Manie, die schlafen nur noch vier
    Stunden oder weniger, die überrennen alles, überrennen alle Grenzen, und das ist dann
    eben zu viel Dopamin.

    [00:19:35.450] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da muss man dann das Dopamin runterholen, indem man Neuroleptika gibt, also
    Medikamente, die gegen Schizophrenie verwendet werden.

    [00:19:45.630] – Dr.med. Ursula Davatz

    Heutzutage werden diese Neuroleptika auch als Schlafmittel verwendet und so weiter,
    zum Beruhigen am Tag.

    [00:19:53.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was damit aber passiert, ist dann, dass die weniger Dopamin haben und sich nicht so
    gut fühlen.

    [00:20:00.860] – Dr.med. Ursula Davatz

    Darum setzen die meisten Psychotiker, also Schizophrenen oder Manisch-Depressive,
    ihre Medikamente irgendwann mal ab, weil sie sich nicht richtig spüren.

    [00:20:14.110] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die ADHS Kinder, wenn die Ritalin bekommen oder ein anderes ADHS Medikament,
    manche sagen auch, ich bin nicht mehr mich selbst, ich habe es nicht so gerne.

    [00:20:27.650] – Dr.med. Ursula Davatz

    Darum verwende ich dann Medikamente häufig auch nur unter der Woche, wenn die in
    die Schule gehen, oder der Lehrling kann es nehmen, wenn er in die Schule geht, aber
    wenn er am Arbeitsplatz ist, nicht.

    [00:20:40.950] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er muss es nicht nehmen, weil da ständig Anforderungen kommen, und all diese
    Anforderungen bewirken dann, dass Dopamin ausgeschüttet wird.

    [00:20:49.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Manche Eltern sagen: oh, ich will, dass er es am Wochenende nimmt, dann ist er ein

    angenehmerer Bub.

    [00:20:57.360] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das muss ich den Eltern überlassen, da kann ich auch nicht reinreden, aber ich bin
    immer für das natürliche Regulieren.

    [00:21:12.520] – Bemerkung 2

    Wenn jetzt künstlich oder wenn ich jetzt durch ein Medikament die Dosis Dopamin
    bekomme, heißt das dann auch, dass mein Körper eigenes weniger produziert, weil es
    ja von außen kommt?

    [00:21:28.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist der Fall bei Antidepressiva.

    [00:21:33.460] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die ADHS-Medikamente sind selber nicht Dopamin, aber sie bewirken eine
    Dopaminausschüttung.

    [00:21:45.160] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wie fest da der Gewöhnungseffekt ist, kann ich eigentlich nicht sagen.

    [00:21:50.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Alle Suchtmittel machen das, die ersetzen dann die eigenen Endorphine.

    [00:21:58.970] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man es wegnimmt, dann fühlt man sich schlecht.

    [00:22:02.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bei den Antidepressiva ist das so, darum muss man langsam ausschleichen.

    [00:22:09.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    An sich sagt man nur bei den Suchtmitteln, dass das so ist, dass der Körper sich daran
    gewöhnt.

    [00:22:19.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da wird weniger ausgeschüttet, und darum bekommt man alle möglichen
    Stresssymptome, wenn man entzogen wird.

    [00:22:29.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist dann die Entziehung, das geht eine gewisse Weile.

    [00:22:38.620] – Bemerkung 3

    Das mit dem Medikament Ritalin, ist es auch so, dass die Kinder dann eben nicht
    schlafen können deswegen? Das höre ich immer wieder, dass sie nicht schlafen wegen
    des zu viel Dopamins, dann sind sie bis 22 Uhr wach und die Eltern sind sonst schon
    müde.

    [00:22:57.600] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sämtliche ADHS Medikamente sind Stimulantien.

    [00:23:03.110] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie werden auch auf der Gasse gehandelt als Stimulantien, Amphetamine.

    [00:23:08.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Drum darf man das direkt Wirksame, überhaupt alle, nicht mehr am Abend geben.

    [00:23:17.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die haben zum Teil eine unterschiedlich lange Wirkung.

    [00:23:20.450] – Dr.med. Ursula Davatz

    Concerta wirkt dann über den ganzen Tag.

    [00:23:24.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann gibt es einen Rebound.

    [00:23:29.260] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der kann unangenehm sein.

    [00:23:32.150] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn das Medikament wegfällt, dann reagiert das Gehirn wieder darauf und das kann
    unangenehm sein.

    [00:23:43.030] – Bemerkung 3

    Er hat schon Ritalin einfach dreimal am Tag, aber kann dann nicht schlafen.

    [00:23:52.730] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Dritte würde ich weglassen.

    [00:23:56.580] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das schnell wirksame Ritalin wirkt ungefähr 4 Stunden, und dann darf man es natürlich
    nicht mehr geben.

    [00:24:09.060] – Dr.med. Ursula Davatz

    Kommt drauf an, wenn das Kind ins Bett geht.

    [00:24:12.590] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn Ritalin noch aktiv ist, nein, dann kann man nicht schlafen.

    [00:24:24.230] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es sind ja Weckamine, also so heißt es auch.

    [00:24:27.910] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man wird geweckt.

    [00:24:30.650] – Dr.med. Ursula Davatz

    Appetit kann auch zurückgehen.

    [00:24:33.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Darum sagt man: zuerst essen und dann die Tablette.

    [00:24:37.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man sie schon nimmt vor dem Essen, dann kann man nicht mehr essen.

    [00:24:46.290] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Medikamente werden auch verwendet als Anti-Appetizer, zum Abnehmen.

    [00:24:56.010] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man ein Weckamin noch am Abend nimmt, dann kann man die ganze Nacht
    durchlernen.

    [00:25:04.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Früher haben Studenten alle Amphetamine genommen, um zu lernen.

    [00:25:10.610] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jetzt sagt man, in Amerika sind ungefähr 60 oder 70%, die Medikamente nehmen, um
    ihre Prüfungen zu machen.

    [00:25:33.060] – Bemerkung 4

    Was sagen wie zu neueren Forschungen zur Epigenetik, die das ja wieder ein bisschen
    infrage stellt, dieses Thema der genetischen Prägung, dass das viel variabler ist als
    angenommen?

    [00:25:45.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Epigenetik ist ein neues Forschungsgebiet, hochinteressant.

    [00:25:50.960] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es wird jetzt immer mehr investiert, und da geht man sogar so weit, dass die Epigenetik
    über Generationen hinweg weitergeht, also das vererbt wird.

    [00:26:01.650] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Gene haben viele Anlagen, die werden dann dem Umfeld ausgesetzt, und je
    nachdem, wie interagiert wird, wird etwas festgelegt.

    [00:26:14.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Von dort her ist die epigenetische Forschung natürlich hochinteressant.

    [00:26:19.970] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich war schon an Tagungen, da man solche Dinge gebracht hat.

    [00:26:24.230] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die waren noch nicht so weit.

    [00:26:26.320] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir haben immer mehr Anlagen und mehr Möglichkeiten, und über die Aussetzung im
    Umfeld werden dann verschiedene Sachen gekappt.

    [00:26:39.860] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist das, was ich am Anfang gesagt habe wegen der Muttersprache.

    [00:26:44.460] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man kann dann andere Töne ausblenden.

    [00:26:49.210] – Dr.med. Ursula Davatz

    Als Kleinkind kann man noch nichts ausblenden.

    [00:26:52.910] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Epigenetik, die kommt dann zum Zug in der Interaktion mit dem Umfeld.

    [00:27:04.210] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da war zum Beispiel eine Aussage: wenn eine Mutter zu viel gestresst wird und sie ist
    schwanger, dann hat das eine Auswirkung auf das Kind.

    [00:27:16.800] – Dr.med. Ursula Davatz

    Hyperarousal vielleicht.

    [00:27:19.160] – Dr.med. Ursula Davatz

    Aber wenn sie gar nicht gestresst wird, ist auch nicht gut.

    [00:27:22.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es braucht immer etwas Stimulierung.

    [00:27:29.700] – Bemerkung 5

    Gut zu wissen.

    [00:27:35.150] – Dr.med. Ursula Davatz

    Zimmerpflanzen, die sind so schlabberig und darum sagt der Gärtner, man muss sie ab
    und zu etwas bewegen, damit die mehr Härte entwickeln.

    [00:27:48.960] – Dr.med. Ursula Davatz

    So sind wir wahrscheinlich auch konstruiert.

    [00:27:51.910] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir müssen auch Probleme erfahren, Stress erfahren, damit wir lernen, damit
    umzugehen.

    [00:27:59.380] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Gehirn ist ein Anpassungsorgan.

    [00:28:09.500] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Gehirn muss immer wieder neuen Situationen ausgesetzt werden, damit es
    weiterhin lernt.

    [00:28:16.660] – Dr.med. Ursula Davatz

    Indem man neuen Situationen ausgesetzt wird und lernt, damit kompetent umzugehen,
    wird das Gehirn immer komplexer, also komplexer organisiert und gleichzeitig
    anpassungsfähig.

    [00:28:34.030] – Dr.med. Ursula Davatz

    Klingt fast wie ein Widerspruch.

    [00:28:40.030] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich bin keine Epigenetikerin, ich schaue etwas, was da passiert, und lese dann auch
    nach, und es ist interessant.

    [00:28:49.130] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bei der Epigenetik passiert eine Methylierung und da werden eher Dinge dann
    abgeschaltet.

    [00:29:00.230] – Dr.med. Ursula Davatz

    Viele Möglichkeiten und man muss abschalten.

    [00:29:06.310] – Bemerkung 6

    Ich hab mal gehört, dass der Körper sehr schwarz-weiß funktioniert.

    [00:29:29.860] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der Körper hat natürlich nur beschränkte Möglichkeiten, Reaktionsmöglichkeiten.

    [00:29:46.580] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der Intellekt hat viele Möglichkeiten.

    [00:29:50.450] – Dr.med. Ursula Davatz

    In meinem Buch habe ich geschrieben: wann lässt die Seele den Körper sprechen?
    Wenn der Mensch mit seinem Intellekt seine Problematik, die im limbischen System
    steckt, also aus dem Gleichgewicht eigentlich, wenn der Mensch das Gleichgewicht nur
    intellektuell herstellt und nicht ganzheitlich, dann kann passieren, dass dann diese
    Überreaktion im emotionalen Gehirn in das vegetative Nervensystem geht, und dann
    gibt es Körpersymptome.

    [00:30:31.450] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das gibt es auch bei den ADHSlern.

    [00:30:33.450] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die haben ein leichter erregbares emotionales System.

    [00:30:37.090] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn das alles intellektuell unterdrückt wird, dann gibt's schlussendlich Probleme.

    [00:30:44.030] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann haben wir die Psychosomatik.

    [00:30:46.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist ein neues Fach in der Medizin, jetzt auch nicht mehr so neu. Da ist dann meine
    Haltung, man muss das Problem wieder zurücknehmen in die Interaktion, in das
    Erlebnis, um den Körper zu entlasten.

    [00:31:05.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man sagt, der Körper denkt schwarz-weiß, tut man meiner Meinung nach …

    [00:31:14.680] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir haben ein vegetatives Nervensystem, das kann auf aktiv schalten oder auf passiv,
    auf Erholung.

    [00:31:22.430] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sympathikus ist aktiv, Parasympathikus ist passiv und erholend.

    [00:31:31.080] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man nur immer auf aktiv geht, also, und der Intellekt macht das, dann schädigt
    man seinen Körper.

    [00:31:42.310] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ist das eine Antwort drauf?

    [00:31:44.070] – Bemerkung 6

    Ja.

    [00:31:46.340] – Bemerkung 7

    Bei neudivergenten Kindern und Jugendlichen habe ich so die Erfahrung gemacht, sie
    fragen mich ab und zu, ja, kann ich ein Cola oder Red Bull trinken? Der erste Gedanke:
    dann sind sie noch aktiver.

    [00:32:15.750] – Bemerkung 7

    Im Gegenteil, haben sie gesagt, ich kann noch besser lernen, wenn ich ein Red Bull
    trinke zum Lernen.

    [00:32:21.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich denke, das ist der gleiche Effekt wie vom Ritalin, von den ADHS-Medikamenten.

    [00:32:28.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    ADHS-Medikamente sind Stimulantien, Cola ist ein Stimulantium, Red Bull ist ein

    Stimulantium.

    [00:32:37.330] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir wollten den Red Bull noch verbieten, ich habe lange in der Suchtarbeit gearbeitet,
    und wir wollten das verbieten, hat natürlich überhaupt nicht funktioniert.

    [00:32:47.130] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da tut er sich mit Cola, Red Bull, und die Erwachsenen machen es dann mit Kaffee,
    stimulieren, um wieder aufmerksam zu sein.

    [00:32:59.060] – Dr.med. Ursula Davatz

    An sich ist es keine gute Methode, aber aus meiner Sicht, aber es ist natürlich das
    Gleiche wie das Ritalin.

    [00:33:10.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es stimuliert auch.

    [00:33:11.870] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man sagt dann zum Beispiel Menschen, die Koffein zu sich nehmen, also Kaffee, und
    ruhig sind, also sonst ein ruhiges Temperament haben, denen macht das nichts.

    [00:33:25.670] – Dr.med. Ursula Davatz

    Menschen, die schon gestresst sind, wenn die dann noch Kaffee trinken, geht der
    Blutdruck hoch.

    [00:33:31.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist wieder nicht gut. Alles Stimulantien.

    [00:33:42.240] – Bemerkung 8

    Red Bull ist nicht so toll, wie ist es mit dem Sport?

    [00:34:06.040] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man kann auch sportsüchtig werden.

    [00:34:12.370] – Dr.med. Ursula Davatz

    Alle körperlichen Bewegungen, die erhöhen die Dopaminausschüttung.

    [00:34:18.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man hat festgestellt, in den Klassen, nach der Sportstunde konnten die ADHS Kinder
    besser aufpassen.

    [00:34:28.260] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das stimmt.

    [00:34:29.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man kann auch wieder süchtig darauf werden.

    [00:34:34.460] – Dr.med. Ursula Davatz

    Regelmäßige Jogger, die kommen in einen Entzug, wenn sie irgendwo an einem
    Business-Meeting sind und ihren Sport nicht betreiben können.

    [00:34:50.030] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gibt auch Jogging-Entzug.

    [00:34:53.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es kann natürlich auch ein anderer Sport sein.

    [00:35:00.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sport zu verwenden als Regulierung ist eine gute Sache.

    [00:35:04.390] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man es übertreibt, ist wieder nicht gut.

    [00:35:07.150] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man kann süchtig darauf werden.

    [00:35:08.650] – Bemerkung 9

    Was ist Omega-3-Fettsäuren und Ritalin?

    [00:36:09.820] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man kann die von Indien beziehen.

    [00:36:09.890] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man redet ja jetzt immer mehr von Mikrobiom.

    [00:36:15.400] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man macht den Zusammenhang zwischen Darm und Gehirn.

    [00:36:21.530] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da kann man sagen, ja, was hat das miteinander zu tun?

    [00:36:25.380] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist evolutionsgeschichtlich auch wieder wichtig, denn wir sollten nichts Falsches
    essen.

    [00:36:32.270] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es stimmt, wenn unser Darm, unsere Kolonie, unsere Darmbakterien gut ausgeglichen
    sind, dann geht es auch dem Gehirn besser.

    [00:36:44.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Gehirn muss ja, wie soll ich sagen, Dysbalancen merken und dann etwas machen,
    damit das wieder ausgeglichen wird.

    [00:36:52.490] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich finde es eine gute Sache, ich bin überhaupt nicht dagegen.

    [00:36:56.360] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Eltern, die das den Kindern geben wollen, da verschreib ich es auch.

    [00:37:03.290] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wie es genau wirkt, kann ich nicht sagen.

    [00:37:10.930] – Bemerkung 10

    Was ist mit der Hypnosetherapie und dem Neurofeedback?

    [00:37:11.210] – Dr.med. Ursula Davatz

    Neurofeedback ja.

    [00:37:17.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Hypnosetherapie für die Eltern aber nicht für das Kind.

    [00:37:17.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Kind muss noch lernen, das muss mit allem umgehen lernen.

    [00:37:18.070] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn die Eltern über die Hypnosetherapie sich beruhigen können, noch so gerne.

    [00:37:39.890] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist ja dann wie ein Über-Ich oder ein, was soll ich sagen, eine höhere Instanz, die
    dann da beruhigt.

    [00:37:49.930] – Dr.med. Ursula Davatz

    Für die Eltern ja, fürs Kind nicht.

    [00:37:52.500] – Dr.med. Ursula Davatz

    Biofeedback/Neurofeedback, da bringt man dem Gehirn bei, ruhiger zu werden.

    [00:38:08.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sobald die Gedanken weggehen, zum Fenster rausschauen, dann schaltet der Film ab.

    [00:38:18.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann kommt ein Feedback: jetzt bist du abgelenkt.

    [00:38:23.260] – Dr.med. Ursula Davatz

    Manche können über das lernen, sich zu fokussieren und konzentrieren.

    [00:38:29.690] – Dr.med. Ursula Davatz

    Eine Patientin, die war sicher ein ADHS, die habe ich auch ins Neurofeedback
    geschickt, und die hat gesagt, es hat mich noch nervöser gemacht.

    [00:38:42.690] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die hat so stark versucht, das richtig zu machen, dass gar nichts gegangen ist.

    [00:38:48.770] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da hab ich gesagt: Nein, bei Ihnen wirkt es nicht.

    [00:38:52.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die wollte eine brave Schülerin sein, und das hat überhaupt nicht funktioniert.

    [00:38:58.040] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das gleiche Phänomen: man kann so Bilder zeigen aus Punkten, fuzzy logic, also
    unscharf sehen.

    [00:39:09.610] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man so etwas unscharf schaut, dann sieht man auf einmal die Figur.

    [00:39:14.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man zu genau schauen will, sieht man gar nichts. Ja, das kann einem dann
    ärgern.

    [00:39:23.280] – Bemerkung 10

    Thematik: geht es in Richtung Mode-Diagnose oder war es schon immer da? Da kam
    dann noch ein Punkt hinzu: ja, unsere heutige Gesellschaft fördert das ja auch ein
    bisschen.

    [00:39:49.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Fördert was?

    [00:39:52.660] – Bemerkung 10

    Man hat viel mehr Eindrücke, die auf einen einprasseln, wie vor 10, 20 oder dann 50
    Jahren. TikTok, was ja eigentlich darauf konzipiert ist, in einem Takt neue Impulse zu
    geben.

    [00:40:21.010] – Bemerkung 10

    Wie sehen Sie das?

    [00:40:25.130] – Bemerkung 10

    Letztendlich sind ja fast alle TikTok-süchtig, es sind jetzt nicht nur die ADHS-Kinder, also
    bei der jüngeren Generation viele.

    [00:40:39.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Unsere heutige Gesellschaft ist natürlich sehr darauf aus, auf Leistungsoptimierung und
    bei der Industrie Gewinnoptimierung.

    [00:40:52.100] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Videospiele sind darauf angelegt, die Aufmerksamkeit des Kindes zu fangen und
    wieder einzuschalten und zu konsumieren.

    [00:41:04.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da beginnen jetzt langsam, wie soll ich sagen, Anklagen an diese Firmen, dass die
    unsere Jugend krank machen, bewusst, um Geld zu verdienen.

    [00:41:18.730] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir sind noch nicht so weit, aber Australien hat ja dann die Benutzung der Handys
    verboten bis 16.

    [00:41:33.490] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe eine Kollegin getroffen letztens, die war in Australien, und die hat gesagt, man
    merkt schon die Verbesserung.

    [00:41:44.090] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Jugendlichen gehen wieder miteinander um und reden mehr, sind, wie soll ich
    sagen, ruhiger etc.

    [00:41:54.420] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gibt das Buch von Jonathan Haidt.

    [00:41:57.290] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://de.wikipedia.org/wiki/Jonathan_Haidt

    [00:41:57.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er bringt x Studien, also wissenschaftliche Studien, die aufzeigen, wie die Kinder
    geschädigt werden über diese Medien.

    [00:42:17.000] – Bemerkung 11

    Würden Sie sagen, dass bei ADHS Kindern man genauer oder ein bisschen strikter sein
    muss, beim Umgang mit zum Beispiel mit Videospielen und diesen Medien, weil die
    Selbstregulierung weniger ist? Oder würden sie jetzt da nicht unterscheiden zwischen
    neu und vorherigen?

    [00:42:42.080] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich sag, ADHS Kinder sind eher geneigt, süchtig zu werden, sei dies chemische
    Substanzen oder auch solche Mittel.

    [00:42:52.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Von dort her ist es für Eltern von ADHS Kindern schwieriger, und sie sagen jetzt strikter,
    konsequenter, Ich muss mit allen Eltern das so etwas erarbeiten, aber ich unterstütze
    sie darin, dass sie klar sagen, klare Regeln haben, nur so und so viel pro Tag und nur
    so und so viel übers Wochenende.

    [00:43:17.860] – Dr.med. Ursula Davatz

    Kein Mobile am Tisch, wenn man eigentlich miteinander redet und so weiter.

    [00:43:22.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Leute, die dann zu mir kommen, da ist es oft schon völlig aus dem Ruder gelaufen.

    [00:43:28.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann kann ich nur langsam dahin führen.

    [00:43:32.710] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich würde Eltern sicher raten, da konsequent und klar zu sein.

    [00:43:41.380] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist nicht einfach.

    [00:43:44.260] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die sagen dann: ja, dann kann ich nicht mit meinen Kollegen telefonieren, dann bin ich
    isoliert.

    [00:43:49.650] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jonathan Haidt sagt, Kinder die die so viele Medien verwenden, sind mehr isoliert, als

    die, die miteinander reden.

    [00:43:49.930] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es braucht eine starke Haltung als Erzieher.

    [00:44:10.060] – Bemerkung 12

    Ich habe eine Frage, ich möchte zurückkommen auf den Darm. Haben sie Erfahrung
    mit der Ernährung? Ich habe gehört, dass zu 95% der Serotoninausschüttung vom
    Magen kommt, nicht vom Gehirn. Der Magen hat also einen grossen Einfluss auf den
    Ausgleich. Arbeiten sie mit der Ernährung?

    [00:44:38.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Prinzipiell verwende ich es nicht.

    [00:44:42.390] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn Eltern darauf zu sprechen kommen, und das ist jetzt auch wieder: highly
    processed food, also stark verarbeitetes Essen, da kommen jetzt dauernd
    Informationen.

    [00:44:56.660] – Dr.med. Ursula Davatz

    Besser wäre natürliches Essen, selbst zubereitetes Essen und kein Fast Food.

    [00:45:05.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich sag es schon, aber ich missioniere nicht.

    [00:45:17.430] – Bemerkung 13

    Erste Frage: Medizinisches Cannabis, sogenanntes CBD, aus Beruhigungsmitteln. Es
    wurde sehr berühmt, als Beruhigungsmittel ausgestellt.

    [00:45:44.620] – Bemerkung 13

    Die zweite Frage: das Kind wurde im Heim in der Schweiz platziert und ADHS noch

    nicht diagnostiziert und trotzdem haben die Eltern dem Kind Medikamente gegeben.

    [00:46:10.570] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist, wie wir Ärzte sagen, nicht lege artis (kunstgerecht).

    [00:46:13.290] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man sollte das Medikament nicht geben, wenn es nicht klar entschieden ist.

    [00:46:25.470] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich war wie gesagt lange in der Drogenarbeit.

    [00:46:35.470] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich hatte viele Drögeler und Eltern von Drogenkindern.

    [00:46:38.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Mein erstes Buch war dann: Wie bewahren wir unsere Kinder vor der Drogensucht?

    [00:46:43.030] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://www.ganglion.ch/pdf/Wie%20bewahren.pdf

    [00:46:44.230] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://adhs.expert/wp-content/uploads/2026/05/Wie_bewahren_wir_unsere_Kinder_vor_der_Drogensucht.pdf

    [00:46:47.020] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich bin da auch wieder etwas kritisch.

    [00:46:49.830] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe dann mal an einer Tagung gesagt, ich bin gegen Cannabis-Legalisierung.

    [00:46:57.100] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich bin dagegen, weil Cannabis bei Menschen mit ADHS schneller eine Schizophrenie
    auslöst.

    [00:47:08.060] – Dr.med. Ursula Davatz

    Cannabis ist eine halluzinogene Droge und das ADHS-Gehirn ist empfindlicher darauf.

    [00:47:17.250] – Dr.med. Ursula Davatz

    ADHS-Familien, und einer ist nach Amsterdam gereist und hat nach einem Haschisch-
    Konsum, buh, psychotisch geworden.

    [00:47:27.560] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es hat ein halbes Jahr gedauert, bis ich den wieder runtergebracht habe.

    [00:47:32.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe ihm kurz Medikamente gegeben, und aus diesem Grund bin ich gegen die
    Legalisierung.

    [00:47:38.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist für mich eine Verharmlosung, man hat dann immer von harten und weichen
    Drogen geredet, und Haschisch war nur eine weiche Droge.

    [00:47:50.100] – Dr.med. Ursula Davatz

    In Bezug auf Schizophrenie-Auslösung ist Haschisch schlimmer als die anderen
    Drogen.

    [00:48:00.070] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir gehen jetzt trotzdem in diese Richtung, dass das legalisiert wird.

    [00:48:07.020] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das CBD ist eine spezielle Form von Haschisch.

    [00:48:13.080] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich hatte eine Patientin, hochsensibel, und die hat das schon verwendet, und die hat es
    verwendet, um schlafen zu können.

    [00:48:21.010] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der habe ich es dann nicht weggenommen, sondern auch verschrieben.

    [00:48:26.710] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da habe ich mitgemacht.

    [00:48:28.420] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich würde es nie als Medikament erster Wahl verschreiben.

    [00:48:33.580] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jetzt kritisiere ich die Psychiatrie wieder und sage: an sich ist es ein Ausverkauf der
    Psychiatrie, dass sie meint, sie müsse jetzt mit LSD und Cannabis experimentieren.

    [00:48:50.240] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe Dr. Albert Hofmann selbst kennengelernt, der das LSD in die Welt gebracht
    hat, synthetisiert hat.

    [00:49:00.537] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Hofmann

    [00:49:00.600] – Dr.med. Ursula Davatz

    In Königsfelden der Professor F. Gnirss, er hat seine Habilitation gemacht über LSD.

    [00:49:11.710] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man redet da von psycholytischer Therapie.

    [00:49:16.420] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jetzt wird das auch wieder gemacht. Schwere Neurotiker, ich sag es so, es ist keine
    Diagnose mehr.

    [00:49:24.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Leute, die sehr verkrampft sind und an etwas festhalten, die gehen jetzt auf LSD-
    Erfahrungstrips oder Psilocybin, also Halluzinogen-Erfahrungstrips, um Ihre
    Verknorztheit, kann ich jetzt sagen, um Ihre gute Erziehung etwas loszuwerden.

    [00:49:44.650] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich bin Therapeutin und ich will Ihnen das anders erlauben als über chemisch induzierte
    Entwicklung.

    [00:49:56.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da sage ich wieder das Gleiche: Die Emotionsregulation muss nicht über Dämpfer,
    Stimulantien oder Dysregulierer, so wie LSD, passieren, die kann der Mensch selber
    voranbringen.

    [00:50:13.050] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da bin ich sehr naturorientiert.

    [00:50:19.210] – Bemerkung 13

    Viele Therapeuten schreiben vom Schlafmittel.

    [00:50:24.460] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich weiß, für mich ist es ein Ausverkauf der Psychiatrie.

    [00:50:35.310] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man verschreibt ja auch Neuroleptika als Schlafmedikation, damit diese Hyperaktivität
    runterkommt.

    [00:50:42.500] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Leute sagen ja auch, ich hab da dauernd ein Gewirr im Kopf.

    [00:50:49.250] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das einzige Schlafmedikament, das ich jetzt verschreibe, ist QUVIVIQ.

    [00:50:56.650] – Dr.med. Ursula Davatz

    Alle anderen Schlafmedikamente, die dämpfen.

    [00:51:00.160] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das QUVIVIQ funktioniert nicht auf dem gleichen Mechanismus.

    [00:51:14.390] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jetzt sage ich noch etwas zum Schlaf.

    [00:51:16.800] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir träumen ja im Schlaf, im REM-Schlaf.

    [00:51:22.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der REM-Schlaf geht quasi den Tag so etwas durch.

    [00:51:27.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    An sich ist das gemacht, um unwichtige Dinge herauszuwerfen.

    [00:51:34.110] – Dr.med. Ursula Davatz

    Eigentlich wird in der Nacht, wird entsorgt.

    [00:51:38.670] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn etwas zu anstrengend ist oder nicht gelöst ist, dann passiert ein Traum.

    [00:51:45.810] – Dr.med. Ursula Davatz

    Im REM-Schlaf, wenn man es beobachtet, da bewegen sich Leute, manche stehen

    sogar auf.

    [00:51:54.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die, die nachtwandeln, wahrscheinlich ist das auch REM-Schlaf, die laufen sogar im
    Zeugs rum.

    [00:52:01.750] – Dr.med. Ursula Davatz

    Alle dämpfenden Schlafmittel, die unterdrücken den REM-Schlaf.

    [00:52:08.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Eigentlich müsste man ja im REM-Schlaf seine Dinge verarbeiten, respektive löschen,
    und wenn im Traum etwas kommt, dann muss das am Tag wieder bearbeitet werden.

    [00:52:21.570] – Dr.med. Ursula Davatz

    In dem Sinne arbeite ich mit den Menschen, ich frage: haben sie geträumt?

    [00:52:25.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die berichten mir auch wieder, ich habe den und den Traum gehabt. Ich lasse sie dann
    immer den Traum schildern.

    [00:52:32.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe nie Traumanalyse gelernt, aber im Laufe der Zeit habe ich mir etwas
    Kompetenz angeeignet.

    [00:52:42.080] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann interpretiere ich das, und dann sieht man in den Traumbildern, entweder ist es
    etwas nicht Verarbeitetes von früher oder etwas Voraussehendes, wo es hingehen
    könnte.

    [00:52:55.610] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da sind die im Traum dann quasi mutiger als am Tag.

    [00:53:03.810] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe jetzt etwas weit ausgeholt.

    [00:53:06.900] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie haben mich dazu veranlasst.

    [00:53:10.300] – Dr.med. Ursula Davatz

    Alle anderen Medikamente unterdrücken den REM-Schlaf.

    [00:53:15.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich weiß nicht, was CBD macht, ob das den REM Schlaf unterdrückt oder noch
    fantasievoller macht.

    [00:53:32.340] – Dr.med. Ursula Davatz

    CBD ist nicht das Medikament meiner ersten Wahl, aber ich bin nicht so dogmatisch,
    eben, ich hatte eine Patientin, der habe ich es dann auch verschrieben.

    [00:53:55.280] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da bin ich relativ pragmatisch aber ich greife nicht als Erstes dazu.

    [00:54:01.050] – Dr.med. Ursula Davatz

    Menschen mit ADHS denen darf man nicht befehlen, sondern man darf nur à la Jesper
    Juul: "ich will", also dem Kind darf man sagen, ich will, dass das gemacht wird.

    [00:54:28.510] – Dr.med. Ursula Davatz

    ADHS Kinder müssen intrinsisch motiviert werden.

    [00:54:35.090] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das heißt, man muss ihr Interesse gewinnen.

    [00:54:38.310] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da hatten wir gerade gestern einen Fall, ein junger Mann, der ins Gymnasium gehen
    sollte, aber einfach nichts lernt.

    [00:54:49.370] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der findet die Schule langweilig und die Lehrer, die kommen überhaupt nicht raus, er
    weiß viel mehr.

    [00:54:55.630] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann hat die Lerntherapeutin gefragt, wie bringe ich den trotzdem dazu, sonst kommt er
    nicht ins Gymnasium.

    [00:55:03.330] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da habe ich dann auch gesagt, also, und das ist ein allgemeines Prinzip, man muss
    schauen, was die gut können, was die interessiert, auf diesen Wagen aufspringen und
    dann den etwas um- umleiten.

    [00:55:18.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann habe ich ihr gesagt, sie soll ihm sagen, was ihn denn da so interessiert, er soll es
    ihr erklären, er soll es ausführlich erklären, so wie er das gerne hat, und dann wieder
    runterbrechen einfach auf den Lehrer oder die Lehrerin.

    [00:55:41.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie soll mit seiner Eigenschaft, mit seinem Interesse soll sie arbeiten und sich sogar
    einbringen.

    [00:55:51.050] – Dr.med. Ursula Davatz

    Du kannst mir erklären, sodass ich es verstehe, als Laie, und dann bringen wir es
    wieder runter auf eine einfache Art.

    [00:56:02.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    Vielleicht kannst du dann der Lehrerin eher folgen und halt diese Prüfungen machen.

    [00:56:09.500] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss sie immer bei ihrem Interesse holen und das Interesse dann verwenden.

    [00:56:14.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Also quasi etwas verführen.

    [00:56:18.070] – Dr.med. Ursula Davatz

    Macht das Sinn?

    [00:56:22.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Mütter, die das mit ihren Kindern gut können, die machen das.

    [00:56:27.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Kind sollte sich anziehen und dann wird irgendein Wettlauf gemacht, wer hat
    schneller sich angezogen und so weiter.

    [00:56:36.290] – Dr.med. Ursula Davatz

    Irgendeine Interaktion draus machen und das Kind abholen, dort wo es ist.

    [00:56:41.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Einfach ausgedrückt: ADHS Kinder müssen intrinsisch motiviert werden, das heißt von
    sich heraus. Man muss ihr Interesse wecken und dann geht's.

    [00:56:51.270] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man ihnen Befehle gibt, dann geht gar nichts.

    [00:56:54.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja, jetzt komme ich da schon zu was anderem.

    [00:57:09.970] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe dann noch den Untertitel gemacht: Umgang mit ausländischen Familien.

    [00:57:17.150] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ist das gut, wenn ich das noch bringe?

    [00:57:20.570] – Dr.med. Ursula Davatz

    Also die Schweiz, wir stehen ja jetzt vor der 10 Millionen Initiative.

    [00:57:23.957] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://www.srf.ch/news/schweiz/abstimmung-vom-14-juni-initiative-keine-10-mio-schweiz-sechs-argumente-im-faktencheck

    [00:57:32.440] – Bemerkung 15

    ADHS Kindern muss man eigentlich wie so Zeit geben? Wenn das Kind nicht folgt, was
    macht man dann?

    [00:58:06.030] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nie etwas mehr als dreimal sagen.

    [00:58:12.250] – Dr.med. Ursula Davatz

    Besser ist nur einmal.

    [00:58:14.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn es nicht folgt, das habe ich ja auch in den Dos and Don'ts drin in meinem Buch.

    [00:58:21.837] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://adhs.expert/wp-content/uploads/2024/06/13-TIPPS-FUeR-ERZIEHENDE.pdf

    [00:58:22.080] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn sie sich nicht durchsetzen können mit dem, was wie wollen, ich habe ja vorher

    gesagt, wenn man etwas durchsetzen will, muss man wirklich überzeugt sein, man will
    das durchsetzen.

    [00:58:34.830] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn es nicht geklappt hat, das Kind nicht gefolgt hat, dann muss man schauen, war
    man selber nicht ganz überzeugt, etwas ambivalent?

    [00:58:46.530] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Kind merkt das sofort und dann geht es nicht.

    [00:58:50.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann muss man schauen, wie hat man es dem Kind beigebracht?

    [00:58:55.350] – Dr.med. Ursula Davatz

    Hat man da etwas nicht so geschickt gemacht?

    [00:58:59.050] – Dr.med. Ursula Davatz

    Und dann als Drittes muss man sich fragen: ist es der schlechte Moment?

    [00:59:05.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Keine Regel ohne Ausnahme, aber die Ausnahme sollte nicht zur Regel werden.

    [00:59:11.610] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Frau, die gesagt hat, ich war regelmäßig konsequent inkonsequent, das ist nicht
    gut, das lernen dann die ADHS Kinder.

    [00:59:20.200] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man dann etwas durchsetzen will, dann muss man es durchsetzen, also wenn
    man beschlossen hat, und dann muss man auch auf sich nehmen, dass etwas kaputt
    geht, dass, ich sage jetzt, das ganze Mobiliar verschlagen wird, nein, muss nicht immer

    so sein, dann muss man die Aggression des Kindes aushalten, und da habe ich dann

    die Haltung, du kannst mir die schlimmsten Wörter anhängen, ich will es trotzdem.

    [00:59:53.310] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Kind disqualifiziert ja dann die Mutter oder den Vater, sagt böse Dinge, sagt
    Fluchwörter und so weiter und so weiter, und von all dem darf man sich nicht abbringen,
    ich will es trotzdem.

    [01:00:09.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Macht das Sinn?

    [01:00:10.550] – Bemerkung 15

    Sehr.

    [01:00:11.270] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja und da muss man vorher drauf gefasst sein. Es kann sein, ich bringe es nicht durch,
    aber ich bleibe dabei.

    [01:00:19.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da gibt es natürlich dann auch Handgemengen.

    [01:00:21.650] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Kind sollte aufräumen, bevor es ausgeht.

    [01:00:24.660] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da muss man an der Tür stehen und da gibt es Kampf.

    [01:00:29.570] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da kann man nicht einfach sagen und dann weggehen und denken, dann sei es
    gemacht.

    [01:00:33.390] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss bereit sein, diese Energie einzusetzen.

    [01:00:40.990] – Bemerkung 15

    Und aushalten.

    [01:00:43.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja, genau, man muss es aushalten und das ist oft schwierig, aber man muss es
    aushalten.

    [01:00:49.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da muss man so zwei Schritte zurückgehen und sagen, es ist mir gleich, aber ich bleibe
    dabei.

    [01:00:55.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nicht so nah beim Kind.

    [01:00:59.540] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist auch wieder, wenn man zu nah ist, rein körperlich, dann gibt es einen
    Kampfreflex, wenn man weggeht, dann geht es weg. Der Hund bleibt auch nicht sitzen,
    wenn man weggeht und ihm zwar befohlen hat.

    [01:01:13.890] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss immer in Reichweite sein.

    [01:01:16.400] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sagen wir, man will, dass das Kind die Zähne putzt, es will aber nicht, dass man dabei
    ist, muss man doch in der Nähe bleiben.

    [01:01:24.340] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Beziehung muss erhalten bleiben.

    [01:01:27.470] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es muss spüren, die will das und die lässt nicht nach.

    [01:01:32.600] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sobald das Kind merkt, die kann sich gar nicht durchsetzen, wird alles andere machen.

    [01:01:39.090] – Bemerkung 16

    Ich möchte einfach ergänzen, es geht ja auch darum, die Eltern wirklich zu schulen, das
    heißt, man müsste mit den Eltern so ein Szenario, das ist ja ein ganz Klassiker,
    besprechen, auch mit diesen Schwierigkeiten.

    [01:01:52.430] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja, ja, genau, genau.

    [01:01:54.790] – Bemerkung 16

    Was sagen dann die Nachbarn, die KESB wird gerufen?

    [01:01:58.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Alles egal.

    [01:01:59.760] – Bemerkung 16

    Genau, aber das muss man halt wirklich, glaube ich, vorher wirklich mal so
    ausschmücken. Das kann passieren, das. Man muss sie bestärken, man muss vielleicht
    selber mal mit dabei bleiben. Das ist ja auch aushalten als Familienbegleitung.

    [01:02:14.090] – Bemerkung 16

    Ich glaube, dem Kind müsste man ja nicht nur sagen, es ging ja um die Ankündigung.
    Ich finde, das gehört zur Ankündigung dazu.

    [01:02:23.560] – Dr.med. Ursula Davatz

    Absolut, absolut.

    [01:02:25.300] – Bemerkung 16

    Wenn A, dann folgt B, bei B folgt C und so wird es sein. Damit auch das Kind sich im
    Vorfeld schon darauf einrichten kann, es ist ja auch verlässlich, es ist ja auch eine
    gewisse Verlässlichkeit, es wird so sein.

    [01:02:38.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es kann eine Explosion geben, die muss man aushalten.

    [01:02:41.830] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man Angst vor der hat, dann kann man gleich aufhören, muss man gar nicht erst
    anfangen.

    [01:02:46.360] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann lieber gar nichts machen.

    [01:02:56.000] – Bemerkung 17

    Dieses Bild von „ich muss vor der Tür stehen und den Weg versperren zum
    Rausgehen", das hat bei mir gerade so ausgelöst und die Gedanken kamen, wollte ich
    bei ihnen nochmal nachfragen, weil wenn man jetzt zum Beispiel von der neuen
    Autorität ausgeht, dann wird ja ganz fest geschaut, die Beziehung ist wichtig,
    Beharrlichkeit ist spannend, es geht eigentlich genau den gleichen Grundsatz, nur wäre
    jetzt zum Beispiel da nicht der Weg, in der Tür zu stehen, sondern Beharrlichkeit, wenn
    du gehst, ja, dann folge ich dir halt hinterher und dann bin ich halt dabei, und dann,
    also, oder ist das etwas, was jetzt bei Neurodivergenten Kindern nicht zu wenig
    Wirkung hat, wenn man einfach nur beharrlich bleibt?

    [01:03:41.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es kommt natürlich auf die Situation an, das ist durchaus eine Möglichkeit, dann geht
    man mit.

    [01:03:48.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist auch eine Möglichkeit. Man muss einfach dranbleiben.

    [01:03:52.580] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss an der Beziehung dranbleiben und mit seinem Willen dranbleiben.

    [01:03:58.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich will, dass das gemacht wird.

    [01:04:01.490] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja, ja. Das ist nur ein Beispiel: an der Tür stehen. Man muss dranbleiben.

    [01:04:12.530] – Bemerkung 18

    Es gibt Beispiele, vor allem ADHS Kinder. Es gibt auch Erwachsene, zum Beispiel eine
    Ehefrau oder ein Ehemann, der nichts zu Hause macht, man kann nicht sagen, ich will,
    dass du das machst, ne. Ich weiß nicht, auf dieser Ebene, ob es überhaupt funktioniert.
    Ich kenne eine Familie, der Ehemann hat ADHS, er gibt es nicht zu, dass er ADHS hat.
    Ja, aber so schön zeigen, er geht nicht arbeiten, macht zu Hause nichts, braucht sehr
    viele Überwindungen. Vieles gefällt ihm nicht, viele Menschen passen ihm nicht. Wenn
    Menschen sprechen, dann sagt er, das passt mir nicht, gefällt mir nicht. Was macht man
    mit solchen Menschen? Eine Therapie möchte er auch nicht, weil er nicht sehr
    diszipliniert ist. Er ist aus einer anderen Kultur.

    [01:05:08.540] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich sag zuerst etwas unter Eheleuten.

    [01:05:21.200] – Dr.med. Ursula Davatz

    Frauen haben oft die Haltung, ich kann meinen Mann erziehen.

    [01:05:25.050] – Dr.med. Ursula Davatz

    Viele Frauen sagen auch, mein Mann ist wie mein Drittes Kind, viertes Kind, fünftes
    Kind.

    [01:05:31.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann sage ich, als Ehepartner darf man seinen Ehepartner nie erziehen.

    [01:05:38.750] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das geht nicht, das ist eine Fehlannahme.

    [01:05:42.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man kann seine Meinung sagen, aber nicht, du machst das und das und das, sondern
    wenn du das machst, passiert bei mir das.

    [01:05:52.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss die Interaktion schildern: das habe ich aus dem Grund nicht gerne, das mag
    ich nicht gerne, oder das verletzt mich, oder macht mich wütend, oder weiß ich nicht
    was.

    [01:06:02.250] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss sauber kommunizieren, was mit einem abgeht und dann warten können.

    [01:06:10.130] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann sagen die, die den anderen ändern wollen oft: aber er versteht es gar nicht, er
    hört nicht zu und dann kommt wieder die kognitive Überzeugung.

    [01:06:19.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann muss ich sagen: nein, das geht nicht. Ich muss sie dann immer wieder
    zurückbinden und die müssen warten können.

    [01:06:28.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    Auch wenn nicht sofort eine Änderung passiert, gehört wird es schon.

    [01:06:33.660] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da gibt es ja die Kommunikation: gesagt ist noch nicht gehört, gehört ist noch nicht

    verstanden, verstanden ist noch nicht akzeptiert und akzeptiert ist noch nicht
    umgesetzt.

    [01:06:48.930] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da muss der, der den anderen beeinflussen will, wieder Geduld haben.

    [01:06:55.010] – Bemerkung 19

    Bitte nochmals wiederholen.

    [01:06:56.250] – Dr.med. Ursula Davatz

    Gesagt ist noch nicht gehört. Gehört ist noch nicht verstanden. Verstanden ist noch
    nicht akzeptiert, und akzeptiert ist noch nicht umgesetzt. Macht Sinn?

    [01:07:45.920] – Bemerkung 20

    Wer neigt mehr dazu, den Partner erziehen zu wollen in einer Partnerschaft?

    [01:07:46.030] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Frauen.

    [01:08:24.580] – Dr.med. Ursula Davatz

    Aber die Männer haben die Tendenz zu bestrafen mit Kontaktabbruch.

    [01:08:33.950] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das kann man auch unter Erziehung verstehen. Die geben auf, die brechen ab.

    [01:08:41.900] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es sind schon die Frauen, die mehr erziehen wollen und immer, und dass er endlich
    begreift und so, und das geht alles nicht.

    [01:08:54.360] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er will auch nicht erzogen werden.

    [01:09:00.320] – Bemerkung 21

    Bindung ist Beziehung! Das ist das Wichtigste. Kontaktabbruch heißt ja auch aus der
    Beziehung gehen.

    [01:09:12.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Kontaktabbruch ist Erziehung durch Liebesentzug.

    [01:09:23.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da sind wir wieder bei der Erziehung.

    [01:09:28.760] – Bemerkung 22

    Und die Männer schweigen.

    [01:09:28.950] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist Kommunikationsabbruch.

    [01:09:36.540] – Dr.med. Ursula Davatz

    Und die Frauen wollen immer kommunizieren. Und der Mann hat schon lange genug
    davon.

    [01:09:49.450] – Bemerkung 23

    Ich haben noch eine Frage zu dem.

    [01:09:51.490] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn sie sehen, dass etwas schiefläuft, dann können sie ja nicht einfach nichts dazu
    sagen.

    [01:10:14.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie müssen aufpassen, dass sie nichts unter Druck sagen.

    [01:10:20.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich stelle das so dar, also ich will meinem Gegenüber etwas sagen, das ist meine
    Botschaft, ich sag die, und ich leg die auf den Tisch. Ich darf nichts so sagen: begreifen
    Sie endlich!

    [01:10:35.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man darf gar nichts dabei wollen, speziell bei solchen Leuten.

    [01:10:43.600] – Bemerkung 24

    Ein bisschen diplomatischer.

    [01:10:46.250] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man darf es sehr klar sagen.

    [01:10:48.720] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann kann man Unterschiede herausholen. Sie kommen aus einer solchen
    Sozialisierung, aus einer solchen Welt. Da gilt das und das und das.

    [01:11:02.720] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es hilft immer, die Welt des anderen zu verstehen, validieren.

    [01:11:09.820] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann kann man sagen, aber hier bei uns gelten diese Regeln, und da ist es wichtig,
    dass man das lernt, und da ist es wichtig, dass die Kinder das lernen.

    [01:11:25.110] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist natürlich das Problem, das wir haben mit vielen Migranten.

    [01:11:29.770] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die bringen ihre Kulturen von zu Hause mit, die wollen diese behalten, um ihre Identität

    nicht zu verlieren, aber gleichzeitig wollen sie die Vorteile von hier, klar, mit dem
    Geldverdienen, mit der Freiheit und so weiter und so weiter.

    [01:11:50.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da muss man die Unterschiede aufzeigen.

    [01:11:54.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er geht von dem aus, und bei uns gehen wir von dem aus.

    [01:11:58.590] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jetzt, wo ist der kleinste gemeinsame Nenner?

    [01:12:03.720] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist gar nicht so einfach.

    [01:12:06.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da muss man wahrscheinlich die Unterschiede auch— beide Seiten validieren,
    bestehen lassen und vielleicht sogar sagen: sie können sich das mal ja etwas
    überlegen und nächstes Mal kommen wir zu diesem Thema zurück.

    [01:12:22.900] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da darf man auch nicht ungeduldig sein und nicht irgendetwas vorandrängen.

    [01:12:29.500] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir Helfer, die Ärzte speziell, wir wollen dann immer gleich schon irgendetwas
    verändern.

    [01:12:37.130] – Dr.med. Ursula Davatz

    Manchmal ist Nichtstun wichtiger als was Falsches tun.

    [01:12:42.250] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss wirklich beide Seiten aufzeigen.

    [01:12:46.430] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da zitiere ich immer Gregory Bateson, und der sagt: A difference is a difference which
    makes a difference.

    [01:12:52.961] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://de.wikipedia.org/wiki/Gregory_Bateson

    [01:12:53.510] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das sind die beiden Unterschiede. Das macht jetzt da einen Unterschied und wo finden
    wir jetzt unseren kleinsten gemeinsamen Nenner?

    [01:13:03.710] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich hab natürlich viele Probleme erlebt in so kulturellen Geschichten, die ganz schwierig
    gelaufen sind.

    [01:13:12.880] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da war zum Beispiel eine türkische Familie.

    [01:13:19.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Mädchen aus türkischen oder auch anderen autoritären patriarchalen Ländern, die
    haben hier natürlich einen riesigen Vorteil.

    [01:13:34.090] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Mädchen hat das ausgenutzt, ist in den Ausgang gegangen, alles Mögliche
    gemacht.

    [01:13:39.390] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der Bruder hat sich verantwortlich gefühlt, dass die heimischen Regeln beibehalten

    werden.

    [01:13:50.330] – Dr.med. Ursula Davatz

    In Griechenland muss der Bruder mit dem Mädchen in den Ausgang gehen, um die
    Schwester zu schützen. Der Bruder ist dann mitgegangen.

    [01:13:58.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Schwester hat aber Dinge gemacht, die für seine Vorstellung der türkischen Kultur
    nicht akzeptabel waren, und dann hat er sie geschlagen.

    [01:14:09.590] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er wollte sie dann zurück zu seiner Kultur bringen.

    [01:14:13.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie ist abgehauen ins Mädchenhaus. Im Mädchenhaus ist sie durchgedreht, ist
    psychotisch geworden. Die hat das nicht ausgehalten.

    [01:14:26.560] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir haben sie auf schweizerische Art geschützt vor ihrer Familie. Wir haben sie
    gezwungen, disloyal zu werden zu ihrer Familie.

    [01:14:36.330] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das hat sie nicht ertragen, ist psychotisch geworden. Musste behandelt werden, kam
    dann wieder zurück, und die hat vorher nie einen Schleier getragen, und dann hat sie
    begonnen, sich an die Kultur anzupassen.

    [01:14:52.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie war in einem riesigen Dilemma, riesiger Stress.

    [01:14:56.820] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe eine andere Geschichte gehabt, auch türkische Familie, da hat die Lehrerin

    dem Kind, also der Vater hat das Kind zu Hause geschlagen, Mädchen auch. Dann hat
    die Lehrerin dem Kind gesagt, es soll ins Kinderhaus in Zürich gehen, das war im
    Kanton Aargau.

    [01:15:19.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe später dann den Vater mal gesehen, der hat gesagt, er bringt die Lehrerin um.
    Er hätte sie beinahe umgebracht.

    [01:15:26.590] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe gesagt: nein, machen sie das nicht. Wir konnten dann das regeln.

    [01:15:32.250] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ein anderer Fall war, ich glaube, es war im Thurgau, da wurde der Lehrer wirklich
    umgebracht.

    [01:15:40.950] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn wir solche Kulturunterschiede haben, dann müssen wir als Helfer sehr Rücksicht
    nehmen auf die.

    [01:15:49.970] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir können uns aber nicht total dem anpassen, und wir müssen vermitteln.

    [01:15:55.130] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss den Prozess verlangsamen. Es ist eine sehr schwierige Aufgabe.

    [01:16:02.090] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man mit Ausländerfamilien umgeht, muss man denen ihre Kultur validieren,
    wertschätzen, unsere Kultur darstellen.

    [01:16:14.050] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir Schweizer sind da nicht so gut. Wir denken, wer da reinkommt, macht alles mit.

    [01:16:18.880] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das geht gar nicht.

    [01:16:20.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir müssen unsere Kultur dann auch besser deklarieren.

    [01:16:26.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da verwende ich ein ein Konzept von Jean Piaget, und das heißt Dezentrieren.

    [01:16:35.530] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Piaget

    [01:16:35.650] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe vorher gesagt: gesagt ist noch nicht gehört und so weiter, gehört noch nicht
    verstanden, verstanden noch nicht umgesetzt.

    [01:16:44.430] – Dr.med. Ursula Davatz

    Als Kind sieht man alles egoistisch, in der Pubertät lernt man dann, sich zu sozialisieren
    und man lernt auch, die Sicht der anderen zu sehen.

    [01:17:00.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Sicht der anderen zu sehen wäre dezentrieren.

    [01:17:04.110] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das heißt, ich sehe, was du meinst, ich verstehe sogar, was du meinst, aber ich habe
    eine andere Meinung.

    [01:17:11.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Aber ich stehe woanders.

    [01:17:13.560] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dass man umgehen kann mit unterschiedlichen Meinungen.

    [01:17:17.370] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das wäre ja Demokratie.

    [01:17:19.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir machen es dann mit Abstimmung.

    [01:17:22.390] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da, bei so Ausländerfamilien, ist es ganz wichtig, dass man diese Unterschiede
    aufzeigt.

    [01:17:29.930] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gab einen türkischen Arzt in Basel, der hat auch Familientherapie gelernt, und der
    hat dann immer diese Zusammenkünfte geleitet und dann mit den Eltern gesprochen.

    [01:17:45.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Eltern wollen das Beste für das Kind und ich als Lehrerin oder Helferin oder Ärztin
    will das Beste fürs Kind.

    [01:17:54.810] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wo können wir uns treffen?

    [01:17:57.310] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das braucht ein Aushandeln und ein Verlangsamen des Entwicklungsprozesses.

    [01:18:03.570] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da verwende ich dann immer den Bauernspruch: das Gras wächst nicht schneller,
    wenn man daran zieht.

    [01:18:12.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da müssen wir wegkommen von dieser Ungeduld, es muss jetzt sofort richtig sein oder
    sofort geändert werden.

    [01:18:20.410] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir müssen Zeit lassen für den Prozess.

    [01:18:26.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe viel mit Spitex-Schwestern gearbeitet, die in Familien gegangen sind, die oft
    sehr konflikthaft waren oder die sich verhalten haben auf eine Art und Weise, was die
    Spitexschwester rasend gemacht hat.

    [01:18:51.470] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man kann einfach ignorieren oder das sofort korrigieren wollen.

    [01:18:56.450] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe dann einen Satz dafür geprägt, dass ich gesagt habe, man soll das Symptom
    benennen auf eine lockere Art.

    [01:19:05.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie sehen es so, ich als Intermediator sehe es so, was machen wir jetzt?

    [01:19:18.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe viel in der Suchtarbeit gearbeitet, und in der Suchtarbeit versucht man ja den
    Süchtigen immer von seinem Suchtverhalten wegzubringen.

    [01:19:26.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da ist das größte Problem der Co-Süchtige, also die Frau vom Alkoholiker, die will
    immer helfen, dass der aufhört.

    [01:19:37.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da hatte ich einen Fall, das war eine Krankenschwester, und ihr Mann war Alkoholiker.

    [01:19:44.530] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der ging jeweils weg, wenn er trinken wollte, nahm er das Fahrrad.

    [01:19:51.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn er nicht trinken wollte, nahm er das Auto.

    [01:19:55.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn sie ihn gesehen hat, das Fahrrad zu nehmen, dann habe ich gesagt, sie muss
    sagen: gehst du jetzt Velo fahren? Oder gehst du Velo fahren?

    [01:20:04.830] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie hat gezeigt, dass sie merkt, was er macht, sie hat ihn aber nicht belehrt.

    [01:20:11.890] – Dr.med. Ursula Davatz

    Versteht man das?

    [01:20:14.310] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist eine hohe Kunst.

    [01:20:17.600] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bezug nehmen auf das Symptom auf eine lockere Art, ohne dass man es weckt.

    [01:20:23.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der andere merkt dann schon, dass man was meint oder eine Haltung hat.

    [01:20:29.250] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man kommt nicht erzieherisch rüber. Das ist sehr, sehr schwierig.

    [01:20:38.130] – Bemerkung 25

    Ich glaube, das Problem, was in der Familienbegleitung besteht, ist, dass wir immer

    mehr Ziele haben. Es gibt dann Aufträge. Bei den Aufträgen an sich ist es schon
    schwierig einen gemeinsamen Nenner zu finden.

    [01:21:02.170] – Bemerkung 25

    Manchmal gelingt das sogar, oder scheinbar, das ist immer so eine Sache.

    [01:21:06.300] – Bemerkung 25

    Dann ist natürlich die Erwartungshaltung sehr hoch, in einem bestimmten Zeitfenster zu
    sehen, da ist jetzt auch was gegangen.

    [01:21:46.050] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe viel mit den Mütterberaterinnen gearbeitet, jahrelang, und da kam oft dann
    auch von der Gemeinde der Auftrag, du musst kontrollieren.

    [01:22:02.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe den Mütterberaterinnen immer gesagt, nein, sie hat nicht den Auftrag zu
    kontrollieren, sie hat den Auftrag zu begleiten und zu fördern.

    [01:22:14.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist schwierig. Sie sind ja viel näher am Problem und sie spüren viel mehr, was geht
    und was nicht.

    [01:22:22.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die anderen, die befehlen, die sind weit weg und die können da schön befehlen.

    [01:22:27.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da will ich sie ermächtigen, autorisieren, dass sie sagen, wenn sie merken, das geht
    nicht, dass sie wirklich dafür einstehen und sagen: ich seh, was sie meinen – das ist
    jetzt dezentrieren – aber bei dieser Frau geht das nicht.

    [01:22:45.410] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es braucht mehr Zeit.

    [01:22:46.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    Punkt.

    [01:22:48.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dass man die Ungeduld von den Behörden nicht übernimmt.

    [01:22:53.340] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man darf sich nicht anstecken lassen.

    [01:22:55.830] – Dr.med. Ursula Davatz

    Denn dann macht man etwas falsch.

    [01:22:59.690] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man darf nicht nach oben gehorsam sein und dann da was Falsches machen.

    [01:23:05.250] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie spüren viel besser, was geht und was nicht. Sie sind so viel näher dran.

    [01:23:10.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie dürfen da, ich sag jetzt, Befehlsverweigerung machen.

    [01:23:15.430] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja, ich kann es nicht anders sagen.

    [01:23:17.950] – Dr.med. Ursula Davatz

    Freundlich natürlich und erklärend.

    [01:23:21.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da dürfen die sagen: ich denke, das geht nicht, der Schuss geht hinten raus, und drum

    will ich das nicht machen.

    [01:23:30.300] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich hab die Mütterberaterin immer darin unterstützt, dass sie sogenannte
    Befehlsverweigerung machen dürfen.

    [01:23:38.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sobald wir so befehlerisch ans System rankommen, macht das Fluchtreflexe, macht zu,
    Stressreflexe und so weiter.

    [01:23:50.260] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bei den Müttern von kleinen Kindern, die haben dann immer die Brut verschleppt.

    [01:23:57.080] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn die Mütterberaterin zu kontrollierend reinkam, dann ist sie in einen anderen
    Kanton verreist.

    [01:24:04.690] – Dr.med. Ursula Davatz

    Und dann? Ja, was macht man dann? Gar nichts.

    [01:24:08.320] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das kann bei ihnen wahrscheinlich auch passieren.

    [01:24:11.610] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da unterstütze ich sie stark darin, dass sie wirklich auf Ihr Herz hören, auf Ihre
    Wahrnehmung hören und klar sagen: ich verstehe, was sie meinen, ich verstehe das
    Gesetz, aber es geht nicht.

    [01:24:29.130] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da gehe ich ja so weit, jetzt gehe ich wieder zu den ADHSlern zurück, man kann die
    ADHS Kinder totschlagen und sie folgen immer noch nicht.

    [01:24:40.350] – Dr.med. Ursula Davatz

    Mit dem will ich das Dilemma aufzeigen, dass es einfach nicht geht.

    [01:24:44.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist sicher nicht unsere Absicht.

    [01:24:51.310] – Bemerkung 26

    Kann man mit einem einsichtigen, erwachsenen ADHSler kognitiv arbeiten?

    [01:25:21.460] – Dr.med. Ursula Davatz

    Männer haben Frauen geschlagen. Die erste Idee ist: die Frau muss ins Frauenhaus
    und geschützt werden.

    [01:25:21.540] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich hatte genau immer den anderen Reflex, ich musste mich um den verletzten Mann
    kümmern, der seinen Gefühlen nicht anders, wie soll ich sagen, Ausdruck geben konnte
    als aggressiv werden.

    [01:25:37.660] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich denke, da muss man als Erstes eine große Empathie zu dem uneinsichtigen Mann
    bringen, und es ist gleich, wie wir es nennen, ADHS oder nicht, man muss einfach ihn
    abholen, validieren, ihn verstehen in seiner Vorstellung.

    [01:25:56.110] – Bemerkung 26

    Bei einsichtigen Erwachsenen, macht man das trotzdem so?

    [01:26:00.050] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja, ja, unbedingt, ja, geht nicht anders, geht nicht anders.

    [01:26:04.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Denn auch die Erwachsenen, wenn die zu sehr unter Stress kommen, verfallen die in

    die 4 Stressreflexe, meistens nur in die 3: Kampf, der Erwachsene, der kämpft dann,
    der Mann. Freeze, das wäre dann autistisches Abtauchen und ja, Flucht, er geht einfach
    weg.

    [01:26:30.750] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Männer machen es dann auch, dass sie einfach in ein in einen anderen Kanton
    ziehen oder in ein anderes Land und so weiter.

    [01:26:39.170] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja, ja, bei den Erwachsenen muss man es genau gleich machen.

    [01:26:42.410] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss sie zuerst in eine Beziehung reinholen.

    [01:26:47.570] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da hat man es als Frau oft schwer.

    [01:26:51.930] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn ich eine solche Situation habe, suche ich nach einem Mann im System, das kann
    der Gemeinde— der Sozialarbeiter sein.

    [01:27:02.770] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich hab einmal einen Fall gehabt, da hab ich dann den Arzt reingeholt, und der musste
    dann mit dem Vater reden, damit die Kinder mit auf die Schulreise gehen dürfen.

    [01:27:18.080] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man kann auch als Frau das männliche System vertreten.

    [01:27:24.360] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist etwas schwieriger.

    [01:27:26.600] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da müsste man wieder vorausschicken: ich weiß, sie nehmen das nicht gerne an von
    einer Frau, aber wir sind jetzt in dieser Situation.

    [01:27:38.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich bin eine Frau, aber ich vertrete unser System.

    [01:27:43.500] – Dr.med. Ursula Davatz

    Zuerst immer Empathie, Validierung, Verstehen. Nicht um Erziehen wollen.

    [01:27:56.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Funktioniert nicht.

    [01:27:58.300] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann werden sie abserviert, dass sie eine— die will ich nicht mehr.

    [01:28:05.420] – Dr.med. Ursula Davatz

    Macht das Sinn?

    [01:28:08.820] – Bemerkung 27

    Können Sie den Satz nochmal wiederholen? Empathie, Validierung und?

    [01:28:16.420] – Dr.med. Ursula Davatz

    Und Geduld.

    [01:28:18.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Empathie, Validierung und sich Zeit lassen für den Entwicklungsprozess.

    [01:28:26.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da kommt wieder das: Gras wächst nicht schneller, wenn man dran zieht.

    [01:28:31.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn wir auf den gemeinsamen Nenner des Kindes kommen, dann muss man natürlich
    die Vorteile aufzeigen von hier.

    [01:28:48.130] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da kann man zurückgehen: warum ist er hierher gekommen.

    [01:28:51.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich hab mit Migrantenfamilien gearbeitet und ich hab dann immer gesagt, was ist der
    Grund zum Auswandern?

    [01:29:01.390] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sind Sie von etwas weg gewandert oder auf etwas zu?

    [01:29:06.510] – Dr.med. Ursula Davatz

    Meistens ist beides dabei.

    [01:29:08.610] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie sind von einer Not, von einer Geldnot weg gewandert. Aber sie sind auch ins heilige
    Land, nein, ins Paradies gewandert, wo man besser verdienen kann.

    [01:29:21.530] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn dann das Besserverdienen nicht so gut funktioniert, dann ist man natürlich
    enttäuscht.

    [01:29:26.170] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das habe ich alles mit denen durchgeschaut.

    [01:29:28.280] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da frage ich: was war der Grund, dass sie weg gewandert sind?

    [01:29:33.020] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann frage ich auch immer, wer war der aktive Wanderer? Der Mann oder die Frau?
    Meistens war es der Mann.

    [01:29:40.710] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann, aber wenn der Mann weg gewandert ist, um— damit seine Kinder eine bessere
    Chance haben.

    [01:29:49.380] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jetzt kommen wir zum gemeinsamen kleinsten Nenner.

    [01:29:52.770] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er will ja, dass seine Kinder eine bessere Chance haben und von dort her müssen die
    Kinder gewisse Regeln von hier lernen.

    [01:30:02.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Speziell Mädchen, die heiraten nicht nur, die wollen auch Berufsleben einschlagen und
    so weiter.

    [01:30:13.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er will ja das Beste für sein Kind.

    [01:30:17.410] – Dr.med. Ursula Davatz

    Von dort her muss dann das langsam in ihn hineinsinken, und dann kann man vielleicht
    etwas durchsetzen, dass seine Tochter dann eine bessere Chance hat.

    [01:30:30.580] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da hatte ich wieder eine türkische Familie, 4 Mädchen, und die sind natürlich in die
    Disco gegangen, und der Vater hat dann einen Cousin organisiert, um die abzuholen
    und gewaltsam heim zuführen zum Vater.

    [01:30:52.370] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nach Schweizer Recht war das Freiheitsentzug, und Bestrafung.

    [01:30:59.830] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Schweizer Justizsystem ist auch reingekommen und die Eltern kamen, also die
    Familie kam dann zu mir in die Beratung.

    [01:31:12.240] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da haben wir das alles etwas durchgeschaut.

    [01:31:15.400] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der Vater musste eine Buße bezahlen.

    [01:31:21.570] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir haben mit der ganzen Familie das angeschaut und schlussendlich haben die
    Mädchen gesagt: wir bezahlen die Buße des Vaters, denn wir sind ja da im Ausgang
    gewesen, wir haben das ausgelöst.

    [01:31:38.590] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da war noch etwas anderes dahinter.

    [01:31:41.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Mutter hat in einem Spital als Putzfrau gearbeitet und hat dort Süßigkeiten
    mitgenommen.

    [01:31:50.280] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die hat gedacht, das darf man.

    [01:31:51.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die wurde bestraft. Die ist psychotisch geworden, als sie bestraft wurde, und ich hab
    dann versucht, das alles wieder etwas zu glätten.

    [01:32:01.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der Verwalter der Klinik hat von der Strafe abgesehen, aber die war lange Zeit noch
    psychotisch.

    [01:32:12.860] – Dr.med. Ursula Davatz

    Also nur zu sagen, so können unterschiedliche wie soll ich sagen, Kulturen
    aufeinanderstoßen, viel Reibung verursachen, und es sind die Kinder, die diese
    Reibung tragen.

    [01:32:26.860] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Kinder funktionieren auch als Vermittler, als Übersetzer, ist klar, denn die lernen
    meistens die Sprache schneller, und da muss man sie auch wieder unterstützen, dass
    sie nicht zu viel tragen müssen.

    [01:32:42.090] – Dr.med. Ursula Davatz

    Komplizierte Sache.

    [01:32:44.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    In der Schule gelten dann Schweizer Regeln.

    [01:32:53.590] – Dr.med. Ursula Davatz

    Zu Hause gelten noch andere Regeln.

    [01:32:58.040] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da würde ich wahrscheinlich nicht von diesen Vätern verlangen, sie müssen das alles
    ändern.

    [01:33:04.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da würde ich den Kindern sagen: schau, du bist in einer solchen Familie, und zu Hause
    gelten diese Regeln, und auf der Strasse und in der Schule und am Arbeitsplatz gelten
    andere.

    [01:33:16.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    An sich können Kinder mit solchen Unterschieden recht gut umgehen.

    [01:33:20.710] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist wieder die Dezentrierung.

    [01:33:22.880] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie können dezentrieren von ihrer Herkunftsfamilie auf die Schweizer Regeln.

    [01:33:30.420] – Dr.med. Ursula Davatz

    Aber es sind anstrengende Dinge.

    [01:33:33.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Immer die Unterschiede klar aufzeigen.

    [01:33:37.170] – Bemerkung 28

    Wenn man da als Familienbegleitung dann quasi die Brücke machen soll, das
    funktioniert überhaupt nicht, weil das Kind will diese zwei Welten separiert haben und
    auch nicht zusammenbringen, weil die kollidieren, und wenn man da drin ist, dann wird
    man abgelehnt weil es gar nicht für sie geht, diese zwei Welten zu verbinden. Wie will
    man damit umgehen?

    [01:34:13.930] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie können es wahrscheinlich nicht verbinden, sie als Fremde.

    [01:34:19.020] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie können nur die Regel wertschätzen und aufzeigen und die andere.

    [01:34:26.050] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Kind muss irgendwie damit umgehen.

    [01:34:30.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da würde ich eben, wenn es schon ein Teenager-Kind ist, würde ich sagen, ja, du
    kommst aus einer solchen Familie, und da gilt das, und hier gilt das.

    [01:34:42.070] – Dr.med. Ursula Davatz

    Manche gehen dann halt mit 16 Jahren schon weg, aber das passiert auch in
    Schweizer Familien, weil sie sich überhaupt nicht mit diesen Regeln solidarisieren,
    identifizieren können.

    [01:34:56.470] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich denke, sie können nicht ohne Weiteres immer verbinden.

    [01:35:01.260] – Bemerkung 28

    Nein, das Kind spricht dann zum Beispiel auch gar nicht, das verweigert auch die
    Sprache, oder.

    [01:35:05.330] – Dr.med. Ursula Davatz

    Absolut.

    [01:35:06.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was ich immer versuche, ich versuche, die andere Kultur etwas zu verstehen, und
    manchmal habe ich dann Sprichwörter, verwendet

    [01:35:22.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bei der Frau, die was mitgenommen hat in der Klinik, habe ich gesagt: es gibt bei uns
    ein Sprichwort: dem Ochsen, der drischt, darf man das Maul nicht verbinden.

    [01:35:33.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das heißt, er darf auch fressen.

    [01:35:35.820] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das hat die ja gemacht.

    [01:35:37.040] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann habe ich gefragt: haben Sie auch ein solches Sprichwort?

    [01:35:40.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Aber die hatten keines.

    [01:35:42.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es war ein westliches Sprichwort.

    [01:35:46.230] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist noch schwierig auszuhalten.

    [01:35:49.820] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da merkt man dann auch, was diese Kinder aushalten.

    [01:35:54.980] – Bemerkung 29

    Manchmal geht das nicht, das ist so. Aber ich glaube, auch da muss man sich Zeit
    geben und erst mal rein tauchen. Also erst mal schauen, wie ist denn diese Familie?
    Was haben die für Regeln?

    [01:36:15.840] – Bemerkung 29

    Also auch ganz klar, dass die Familie, merkt man, ist nicht die kontrollierende Instanz.
    Ist man natürlich manchmal irgendwie schon, das ist ja wieder ganz schwierig. Aber
    dass man wirklich am Anfang mehr erstmal einfach mitbringt, die Neugierde, und dass
    du das nicht tust, ich weiß, wie schwer das ist.

    [01:36:38.500] – Bemerkung 29

    Dann ist vielleicht auch diese Phase, diese Kennenlernphase, ein ganzes Stück länger,
    bis man überhaupt eine Chance hätte. Oder, also, ich weiß nicht, ich glaube, das geht
    schon länger.

    [01:36:56.150] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich denke schon, das wollte ich auch ihr sagen. Sie darf Regeln von hier vertreten, im
    Sinn von, hm, das ist, wie ich sehe, und das wirkt dann heimlich, ja.

    [01:37:10.540] – Dr.med. Ursula Davatz

    Aber es braucht Zeit.

    [01:37:13.260] – Dr.med. Ursula Davatz

    Je verhärteter die Situation ist, umso weniger Druck darf man aufsetzen.

    [01:37:19.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das erlebe ich auch in der Therapiestunde, wenn ich etwas rüberbringen will in einer
    Situation, wo der Patient das eigentlich gar nicht will, muss ich wahnsinnig aufpassen,
    dass ich keinen Druck aufsetze.

    [01:37:33.870] – Dr.med. Ursula Davatz

    Druck aufsetzen heißt disqualifizieren, und ich will ja validieren.

    [01:37:40.860] – Dr.med. Ursula Davatz

    Und den Unterschied, also es geht immer um den Unterschied.

    [01:37:44.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Den Unterschied bestehen lassen und dann schauen, was passiert.

    [01:37:49.820] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das erlebe ich auch in Ehe-Therapien, dann heißt es, ja, wenn der andere da nicht
    zusammen will, dann geht das ja nicht.

    [01:37:57.750] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ehen, die die sich gegenseitig leben lassen, funktionieren besser und länger als solche,

    die sich immer symbiotisch zusammenbringen wollen.

    [01:38:10.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Von dort her muss man das dann aushalten als Hilfsperson.

    [01:38:15.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich entwickle immer mehr die Haltung: ich sag zwar etwas, ich sage es überzeugt, aber
    ich will nichts verändern.

    [01:38:23.650] – Dr.med. Ursula Davatz

    Allen Müttern von Schizophrenen muss ich das beibringen: Sie dürfen Ihre Meinung
    sagen, aber sie dürfen gar nichts verändern wollen.

    [01:38:32.250] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist so schwierig, eine Meinung äußern, aber nicht beeinflussen wollen.

    [01:38:38.280] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir verzwatzeln fast, wenn wir da nicht gleich die Wirkung haben.

    [01:38:42.010] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das braucht viel Geduld.

    [01:38:44.350] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das gibt schlussendlich auch mehr Gelassenheit und schlussendlich nimmt das System
    einen besseren Weg.

    [01:38:53.810] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es entwickelt sich organischer, ja.

    [01:38:59.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist hohe Kunst.

    [01:39:01.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie bewegen sich da in der hohen Kunst.

    [01:39:10.730] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die merken, dass das nicht funktioniert, wenn sie mit ihren alten Methoden kommen.

    [01:39:27.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das bezieht sich wieder auf die ADHS Menschen, die müssen selber rausfinden, dass
    etwas nicht funktioniert.

    [01:39:39.830] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man kann es nicht kognitiv weitergeben.

    [01:39:42.810] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Realität ist die beste Erziehung.

    [01:39:46.430] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Wahrheit ist die beste Medizin.

    [01:39:52.770] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Wahrheit, also das, für das, was man einsteht, das darf man sagen, man darf es
    auch mit Herz sagen, aber nicht überstülpen wollen.

    [01:40:06.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist unsere große Kunst.

    [01:40:09.260] – Bemerkung 30

    Auch nicht ausnützen? Ich habe jetzt auch mehrmals erlebt, dass ADHSler ihre

    Diagnose, weil sie das so viel mal gehört haben rundum, als Rechtfertigung nehmen.
    Das darf auch nicht sein.

    [01:40:30.380] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nein nein, das funktioniert überhaupt nicht.

    [01:40:33.460] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann will die betreffende Person immer eine Schonhaltung auslösen, das ist nicht gut,
    dann wird nichts mehr gelernt.

    [01:40:42.650] – Dr.med. Ursula Davatz

    Auch wenn du ADHS hast, ist es deine Pflicht zu lernen, mit deinem Gehirn umzugehen
    und mit der Gesellschaft umzugehen.

    [01:40:54.600] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nein, es darf nicht als Freibrief für alles verwendet werden, nein, funktioniert gar nicht,
    dann wird gar nichts gelernt.

    [01:41:00.880] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich will ja, dass die sich weiterentwickeln und lernen.

    [01:42:28.460] – Bemerkung 3

    In meiner Arbeit stoße ich immer wieder darauf, dass so wenig Leute, auch
    Fachpersonen, über ADS, hochsensible Personen, etwas wissen. Auch Therapeuten
    sagen dann oft: Oh, das habe ich nie so gehört.

    [01:42:46.030] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gibt viele Therapeuten, die wissen nur etwas über die Diagnose und dieses
    Krankheitsbild, aber nicht unbedingt über das ADHS und nicht, wie man mit dem ADHS
    umgeht.

    [01:42:59.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist das Problem.

    [01:43:01.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann wird der Mensch angeschaut über die Brille der Diagnose, und da fühlt sich der
    ADHS-Mensch natürlich nicht voll wahrgenommen.

    [01:43:13.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie, die mittendrin sind, Ihnen bringt die Fachdiagnose nichts, sie müssen damit
    umgehen.

    [01:43:22.290] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bis jetzt, man schickt die Leute zur Abklärung, die Abklärung wird gemacht, und was
    gemacht wird, was darauf folgt, ist Medikamente geben.

    [01:43:33.010] – Dr.med. Ursula Davatz

    Niemand wird instruiert, wie mit diesen Leuten umzugehen.

    [01:43:38.690] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist ein Riesenproblem in der Psychiatrie.

    [01:43:42.540] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich kämpfe natürlich dafür, aber es hat mal in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift
    geheißen: Fachpersonen haben einen stärkeren Bias, also sind stärker
    voreingenommen als Laien.

    [01:44:01.370] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das erlebe ich. Das erlebe ich.

    [01:44:04.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man hält an seinen Konzepten fest und versucht, die auf den Patienten zu übertragen.

    [01:44:12.390] – Dr.med. Ursula Davatz

    Psychiatrie ist natürlich wirklich etwas Schwieriges, es ist nicht so fest, man arbeitet
    nicht so mit festen Daten wie ein Herzchirurg oder ein Lungenspezialist, sondern es ist
    alles schwammig und es ist alles interaktiv.

    [01:44:34.280] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da muss ich sagen, leider ist in der Fachwelt, in der psychiatrischen Fachwelt, aus
    meiner Sicht noch nicht genügend Wissen vorhanden.

    [01:44:43.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Auf das stoßen Sie natürlich.

    [01:44:46.110] – Bemerkung 31

    Ja, auch gerade so Thema Schule, wenn es um Abklärung geht, oder also, dass dann
    Lehrer oft erstmal irgendwas in den Raum stellen, wo Eltern noch nie so vorher
    involviert waren, und dann heißt es ja, den Verdacht, ihr Kind hat ADHS, werden aber
    nicht richtig abgeholt, werden nicht abgeholt, ja, alleine gelassen, die Abklärung findet
    statt und dadurch entsteht ja auch oft auch eine Fehldiagnose, oder weil Autismus als
    auch ADHS und HSP oder sind sehr verwandt miteinander, meistens haben Kinder ja
    gar nicht unbedingt ADHS, sondern vielleicht eins der anderen Dinge, oder alles
    irgendwie ein bisschen verbunden, und dann wird aber gesagt, ja, das Kind hat jetzt die
    Diagnose ADHS.

    [01:45:37.180] – Bemerkung 31

    Also ich finde, viel zu schnell eine Diagnose, ohne überhaupt Zeit genug zu haben.

    [01:45:42.880] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das sage ich eben wieder, à la Goethe: Was du schwarz auf weiß besitzt, kannst du
    getrost nach Hause tragen.

    [01:45:50.160] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Patienten tragen das auch dann getrost nach Hause.

    [01:45:53.830] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das bringt natürlich nichts.

    [01:45:56.960] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der Psychologieprofessor in Zürich, Etienne Perret, der hat, die haben als Erstes so
    das ADHS neurologisch abgeklärt.

    [01:46:07.588] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://data.snf.ch/grants/person/11631

    [01:46:08.290] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gab x Namen dafür. Auf Englisch gab es auch MBD, Minimal Brain Dysfunction,
    ansich korrekter, aber hat sich nicht durchgesetzt.

    [01:46:20.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie dürfen sagen, es ist mir gleich, wie man es benennt, aber das Verhalten bewirkt das
    und das bei mir, oder mit dem Verhalten bewirken sie bei Ihrem Kind das und das, dass
    man nur auf das Verhalten eingeht und nicht an der Diagnose klebt.

    [01:46:41.050] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn die mit Diagnosen kommen und sagen, ja, das ist das oder das, dürfen sie, sie
    sind ja nicht Psychologen, oder?

    [01:46:49.250] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie dürfen sagen, es ist mir gleich, wie man es benennt.

    [01:46:52.130] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das hat der Etienne Perret damals auch gesagt, ist mir gleich, wie man es benennt. So
    und so sind die Probleme.

    [01:46:58.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie dürfen total auf die Interaktion eingehen und was mit Ihnen passiert.

    [01:47:03.970] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ehrlich rückfüttern.

    [01:47:07.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Authentizität ist etwas vom Wichtigsten im Umgang mit ADHS.

    [01:47:13.030] – Dr.med. Ursula Davatz

    Alles Gelogene funktioniert nicht, alles Vorgetäuschte funktioniert nicht.

    [01:47:17.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie dürfen ehrlich sein. Macht das Sinn?

    [01:47:24.610] – Bemerkung 32

    HSP, die hochsensible Person, diesen Begriff kennen viele Fachleute nicht.

    [01:47:32.740] – Bemerkung 32

    Die Hochsensibilität, dass es Fachleute nicht kennen, hat ja auch ein bisschen damit zu
    tun, dass es nicht unbedingt Eingang gefunden hat als Begriff in die Psychiatrie.

    [01:47:44.930] – Bemerkung 32

    Begrifflich geht das für mich jetzt auch so in die Neurodivergenz, oder diese
    unterschiedliche Sensibilität von Reizen, wie sie verarbeitet werden.

    [01:47:58.210] – Bemerkung 32

    Gibt es da irgendwo eine klare Begrifflichkeit, die man sagen kann, das ist jetzt aktuell?
    Weil Neurodivergenz ist auch wieder so etwas, das man neu eingeführt hat, als
    Reaktion darauf, dass man es pathologisiert.

    [01:48:11.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Für mich gehört die Hochsensibilität zu jedem ADHSler.

    [01:48:25.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Und die sogenannten Hochsensiblen sind meistens mehr ADS Menschen.

    [01:48:33.560] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die ADHS Menschen, da wirkt sich die Hochsensibilität aus, indem sie aggressiv
    werden.

    [01:48:39.680] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann sieht man nur noch die Aggression, das Hochsensible sieht man nicht mehr.

    [01:48:43.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie zeichnen sich aus durch höhere Sensibilität.

    [01:48:51.320] – Dr.med. Ursula Davatz

    Anhand der hohen Sensibilität habe ich ja dann den Link zur Schizophrenie gesehen.

    [01:48:58.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Also Hochsensibilität gehört zum ADHS.

    [01:49:01.170] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man macht heute immer wieder neue Diagnosen.

    [01:49:05.150] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann will man sie so schön abgetrennt in Kategorien behalten, funktioniert nicht.

    [01:49:10.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe letztens einen Artikel in der New York Times gelesen, es ist ein amerikanischer

    Psychiater, der sagt, wir Psychiater sehen das alles falsch mit diesen Diagnosen, die
    Diagnosen sind gar nicht so fest.

    [01:49:27.349] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://www.nytimes.com/2026/05/11/opinion/adhd-autism-depression-diagnoses.html

    [01:49:27.610] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das stimmt, das Gehirn ist sehr flexibel, sehr lernfähig, auch negativ lernfähig, also
    indem es dann Dinge ausklammert, und das habe ich auch im Buch, wenn wir schauen,
    was für Medikamente verwendet werden, es wird alles bei allen verwendet.

    [01:49:46.230] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das zeigt ja, dass unsere Diagnosen überhaupt nicht so spezifisch sind.

    [01:49:50.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist immer ein momentaner Zustand, ein momentaner dysfunktionaler Zustand, und
    an sich ist es gleich, wie wir den benennen.

    [01:50:01.100] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wichtig ist, dass wir als Helfer mit diesem Menschen in diesem dysfunktionalen Zustand
    umgehen können.

    [01:50:08.490] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist Wurst, wie wir es benennen.

    [01:50:13.190] – Bemerkung 33

    Ein Beispiel aus der Schule: ein Kind, also die Lehrer sagen, es soll abgeklärt werden,
    sie machen das, dann werden Medikamente gegeben und die Eltern werden wie alleine
    gelassen.

    [01:50:32.750] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja, so ist es.

    [01:50:35.550] – Bemerkung 33

    Das ist für mich fast unerträglich, dann zu sehen, dass das Kind beim Elterngespräch
    dabei ist und sie muss hören: du kannst dich nicht konzentrieren, du kannst dich noch
    nicht organisieren, du bist zu explosiv. Und dann denke ich: ja, wieso hat sie denn jetzt
    die Abklärung gemacht?

    [01:51:05.450] – Dr.med. Ursula Davatz

    Absolut legitime Frage.

    [01:51:09.820] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist das Problem.

    [01:51:10.950] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe Familientherapie in Amerika gelernt, bei einem der berühmten ersten
    Familientherapeuten, also ein Pionier, Murry Bowen.

    [01:51:22.424] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://de.wikipedia.org/wiki/Murray_Bowen

    [01:51:23.540] – Dr.med. Ursula Davatz

    Eine Zeit lang war auch in der Schweiz die Familientherapie en vogue.

    [01:51:29.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Aber jetzt ist sie völlig verschwunden.

    [01:51:33.630] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gibt noch ein Institut in Zürich, das so ausbildet, das in Bern gibt es auch noch, kein
    einziger Arzt mehr dabei, also die Ärzte sind nicht mehr interessiert an Systemtherapie.

    [01:51:48.490] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das werfe ich natürlich dann den Medizinern wieder vor, das medizinische Modell geht
    auf die Symptome, Symptombekämpfung im Individuum, und betrachtet nicht den
    grösseren Zusammenhang.

    [01:52:04.320] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die somatische Medizin, indem sie Zusammenhang zwischen Gehirn und Darm
    anschaut, ist an sich ganzheitlicher als die Psychiatrie.

    [01:52:15.540] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist schade.

    [01:52:16.690] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich hoffe natürlich, es kommt wieder mal.

    [01:52:19.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der Mensch ist ein soziales Wesen, und wenn man dem ADHS Kind Medikamente gibt
    und die Eltern alleine lässt, ist das für mich wirklich schlimm.

    [01:52:29.490] – Bemerkung 34

    Ist es nicht auch für das Kind schlimm?

    [01:52:35.270] – Dr.med. Ursula Davatz

    Für das Kind ist es auch schlimm.

    [01:52:36.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was sie tun können, wenn die Eltern alleine gelassen werden, es gibt eine
    Schweizerische Gesellschaft die heißt SFG-ADHS.

    [01:52:47.950] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://www.sfg-adhs.ch/

    [01:52:48.870] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dort hat es Therapeuten, Psychiater und Psychologen drin, die mit ADHS umgehen
    können.

    [01:52:59.280] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die haben lange noch nicht alle eine familientherapeutische Ausbildung.

    [01:53:04.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Mindestens könnte man das angeben und sagen, melden sie sich doch dort.

    [01:53:13.690] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn die Eltern alleine gelassen werden, im Aargau, da gibt es Jugend- und
    Familienberatungen, Familienzentren.

    [01:53:25.970] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn die vom medizinischen System völlig alleine gelassen werden, sie sollen sich an
    einem anderen Ort Unterstützung holen, für die Familie, wo es Leute hat, die
    Familientherapie können.

    [01:53:42.460] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dass beides kombiniert ist, ist noch nicht so häufig, aber die müssen halt dann lernen.

    [01:53:47.410] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Eltern würde ich an ein Familienzentrum schicken, wo sie beraten werden.

    [01:53:54.120] – Bemerkung 35

    Was ist jetzt, wenn das Kind— was ist, wenn das Kind genau die Symptome, die ADHS
    Kinder haben, zeigt, und die Lehrer sagen, ja, die sind unkonzentriert, also eigentlich
    nur die Symptome vom ADHS sagen. Das finde ich halt so schlimm.

    [01:54:17.630] – Bemerkung 35

    Wenn jemand herzkrank ist, kann man auch nicht sagen, so, jetzt rennst du mal
    Marathon, wenn die Person das nicht kann.

    [01:54:27.300] – Dr.med. Ursula Davatz

    Genau.

    [01:54:27.700] – Bemerkung 35

    Das ist wie normal, aber bei dem ADHSlern tut man die Symptome dieser Krankheit auf
    den Tisch legen.

    [01:54:36.280] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja, das ist ein Riesenproblem.

    [01:54:39.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die alleingelassenen Eltern, denen würde ich sagen, vielleicht hilft es ihnen, wenn sie
    sich Hilfe holen in, ich sag jetzt, in einem Familienzentrum.

    [01:54:51.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dort hat's Leute, die schon etwas wissen von ADHS, oder auch nicht.

    [01:54:57.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich kann nur so überbrücken.

    [01:55:02.180] – Bemerkung 35

    Und mit den Lehrern?

    [01:55:05.320] – Dr.med. Ursula Davatz

    Den Lehrern würde ich auch sagen, ich denke, sie sollten sich eine Weiterbildung holen
    im Umgang mit ADHS.

    [01:55:19.430] – Dr.med. Ursula Davatz

    Auf meiner Webseite ist das wieder aufgeschaltet.

    [01:55:24.820] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe 3 Lehrpersonen im letzten Kurs gehabt, nur 3, aber die waren begeistert.

    [01:55:30.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss halt, steter Tropfen höhlt den Stein.

    [01:55:33.680] – Dr.med. Ursula Davatz

    Den Lehrern würde ich sagen: das ist ein ADHS Kind, ADHS Diagnose reicht nicht, man
    muss lernen, mit dem umzugehen.

    [01:55:41.970] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wäre es nicht hilfreich, wenn, also vielleicht müssen sie es besser sagen.

    [01:55:45.830] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich könnte mir vorstellen, es könnte für sie eine Unterstützung sein, wenn sie sich
    Beratung holen im Umgang mit ADHS.

    [01:55:57.030] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://www.schuelfrey.ch/

    [01:55:58.108] – Dr.med. Ursula Davatz

    Kennen sie den?

    [01:56:05.970] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er ist selber ein ADHS.

    [01:56:07.570] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der gibt Beratungen an Schulen, und er ist selber ein ADHS Kind, war selber Lehrer

    und berät Lehrer— geben Sie den an.

    [01:56:22.490] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Eltern sollen auch etwas bekommen, und die müssen zu Familientherapeuten
    gehen, und auch wenn die nichts von ADHS verstehen, es kann trotzdem etwas helfen.

    [01:56:41.880] – Bemerkung 36

    Noch mal mit den Familien: wenn jetzt eine Diagnose gestellt wird zum Kind, es hat
    ADHS, und dann kommt das Thema Medikamente auf den Tisch, und die Eltern
    verweigern das, wie können wir da bestmöglich unterstützen? Wir sind ja keine Ärzte.

    [01:56:59.230] – Bemerkung 36

    In erster Linie ist ja schon wichtig, das auch ernst zu nehmen, wenn die Eltern das nicht
    möchte.

    [01:57:10.770] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das sage ich wieder, mit Benennung der Diagnose oder nicht ist an sich gleich, aber
    das Kind hat die und die Schwierigkeiten, bereitet die und die Schwierigkeiten den
    Eltern, da würde ich wieder halt ein Familientherapiesystem angeben.

    [01:57:28.040] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich weiß nicht, wie es in Kanton Zürich ist, aber im Aargau haben wir Jugend- und
    Familienberatungsstellen.

    [01:57:36.340] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da würde ich halt dann an eine Jugend- und Familienberatungsstelle verweisen.

    [01:57:53.660] – Bemerkung 37

    Das ist nicht unsere Baustelle, da bewegt man sich sehr schnell, also auch mit
    Empfehlungen, dort sollten wir äußerst zurückhaltend sein.

    [01:58:02.880] – Bemerkung 37

    Wir können reagieren, genau so, das ist richtig. Die Eltern hören, ernst nehmen. Wir
    können vielleicht mit den Eltern ihre Für und Wider gemeinsam mal anschauen, das
    schon.

    [01:58:17.810] – Bemerkung 37

    Aber sich da auch in eine Richtung zu bewegen, würde ich dringend abraten. Da bist du
    ganz schnell in einer ganz schwierigen Situation.

    [01:58:38.050] – Bemerkung 37

    Gemeinsam mit ihnen, wenn sie sagen, ich möchte einfach mal drüber reden, ich
    möchte mal meine Überlegungen darlegen, ok.

    [01:58:43.640] – Bemerkung 37

    Das andere nicht.

    [01:58:45.260] – Bemerkung 38

    Ja, dass man da sehr vorsichtig sein muss, aber da kommt ja meine Rolle dann wieder
    ins Spiel, oder auf der einen Seite bin ich ja dann da, um der Familie zu zeigen, hey, ich
    höre es, und die Familie äußert sich und sagt, wir wollen das nicht, und der Arzt hat jetzt
    schon gesagt, wir müssen das jetzt einstellen oder gucken und so, und dass die Familie
    das nicht will.

    [01:59:13.820] – Bemerkung 38

    Da will ich ja dann auch nicht die Position einnehmen und sagen, ja, aber das wurde ja
    jetzt wie empfohlen.

    [01:59:21.020] – Bemerkung 38

    Wie kann ich da in meiner Rolle trotzdem die Verbindung aufbauen, dass das, wie soll
    ich das sagen, also ich finde, es ist ja keine Pflicht, und das ist ja auch wichtig, dass die
    Eltern das wissen, dass es keine Pflicht ist, sondern es ist eine Empfehlung vom Arzt
    oder Therapeut, dass man das vielleicht mal probiert mit den Medikamenten. Wenn die

    Eltern das halt nicht wollen, ist es aber auch nicht meine Aufgabe, dann sie davon zu

    überzeugen.

    [01:59:50.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nein, nein, ja nicht.

    [02:00:10.040] – Bemerkung 38

    Unterstützen in der Kommunikation.

    [02:00:15.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe auch Familien und das Kind hat die Diagnose ADHS oder weiß ich nicht was,
    aber die wollen keine Medikamente geben und die fragen mich dann, muss ich?

    [02:00:25.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann sage ich, nein, sie müssen nicht, wenn sie nicht wollen, müssen sie nicht.

    [02:00:31.430] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich begleite die dann ohne Medikamente, die Beratung zum Umgang mit dem Kind, die
    bleibt ja gleich.

    [02:00:40.580] – Dr.med. Ursula Davatz

    Vielleicht sagen sie dann nach einer Weile: ach, jetzt will ich es doch mit Medikamenten
    probieren. Dann sage ich: okay, probieren wir es.

    [02:00:48.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich begleite viele, die keine Medikamente geben wollen.

    [02:00:51.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was ich gar nicht akzeptiere, wenn die Lehrer sagen: ich nehme das Kind nicht mehr in
    die Schule, wenn es nicht Medikamente bekommt.

    [02:01:01.680] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da sage ich nein, das geht gar nicht.

    [02:01:06.040] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Lehrer dürfen nicht befehlen, wann dem Kind Medikamente gegeben werden. Es
    sind die Eltern, die dafür zuständig sind.

    [02:01:26.260] – Bemerkung 39

    Die Diagnose wird von einem schulpsychologischen Dienst gemacht, dass
    Medikamente, wenn es in Frage käme, dann wird das ein Kinderarzt übernehmen.

    [02:02:11.130] – Bemerkung 39

    Die Schule ist nicht zuständig für die Medikamente nehmen oder nicht nehmen.

    [02:02:39.320] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nein, die Schule darf das eigentlich nicht, aber es wird viel gemacht.

    [02:02:47.130] – Bemerkung 40

    Die Realität ist ja nicht so, dass die Lehrperson sagt, ich nehme das Kind nicht mehr,
    wenn es das Medikament nicht nimmt, sondern dass es darum geht, wir haben eine
    Situation, es steht kurz vor der Umplatzierung in eine Sonderschule oder sonst was,
    oder die Ressourcen, es geht nicht mehr, und dann kommen Sie und sagen, wollen Sie
    nicht doch mal probieren.

    [02:03:08.270] – Bemerkung 40

    Es besteht dann dieser Druck aufgrund dieses Systemlogik, nicht per se durch die
    Lehrperson, die sagt, du musst das Medikament nehmen.

    [02:03:20.670] – Bemerkung 40

    Die Realität ist, das Kind muss in eine Sonderschule oder fliegt von der Schule, wird
    freigestellt, je nach Alter, wenn es da jetzt nicht mitmacht, weil das das letzte Mittel ist,
    das so verkauft wird.

    [02:03:35.360] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das stimmt schon, und da leiden, renken dann viele ein, Eltern, und sagen, okay, wir
    probieren es jetzt trotzdem.

    [02:03:44.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da ist dann die Frage, Medikamente probieren oder gleich Sonderschule.

    [02:03:50.600] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist immer ein Entscheiden in der Situation, und man kann es nie allgemein sagen.

    [02:03:58.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    One size doesn't fit for all.

    [02:04:01.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss es immer miteinander herausfinden.

    Der Beitrag Was sind die speziellen Herausforderungen bei ADHS? erschien zuerst auf AD(H)D and Schizophrenia.

    2 hr 5 min
  • Psychische Krankheiten

    https://adhs.expert/wp-content/uploads/2026/05/Grenchen_7.5.2026.m4a

    https://adhs.expert/wp-content/uploads/2026/05/Grenchen_7.5.2026.mp4.pdf

    Transkript

    Dr.med. Ursula Davatz

    Psychische Krankheiten
    7.5.2026
    Audio

    [00:00:00.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Als Erstes möchte ich eine kurze Einleitung machen zum Thema psychische Krankheit.

    [00:00:54.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die psychische Krankheit lässt sich nicht reparieren wie ein kaputtes Auto oder ein
    gebrochenes Knie, also wie somatische Krankheiten.

    [00:01:07.680] – Dr.med. Ursula Davatz

    Psychische Krankheit ist niemals monokausal.

    [00:01:12.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Thema heißt ja ADHS/ADS als Neurotyp verstehen und nicht als Krankheit.

    [00:01:20.350] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wie gesagt, jede psychische Krankheit ist niemals monokausal, sondern immer, hat
    immer eine lange Entstehungsgeschichte, immer viele Gründe hintendran und dann
    eine lange Entwicklungsgeschichte.

    [00:01:40.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es handelt sich immer um einen Krankheitsprozess und diesen Krankheitsprozess, es
    geht darum, diesen Krankheitsprozess zu verstehen.

    [00:01:52.860] – Dr.med. Ursula Davatz

    In der Entwicklung einer Krankheit spielt die Interaktion zwischen Individuum und
    Umfeld, an erster Stelle das erzieherisches Umfeld, das heißt Familie und Schule, spielt
    eine sehr ausschlaggebende Rolle.

    [00:02:10.380] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der pathologische Prozess, der entstehen kann über eine ungesunde Interaktion
    zwischen Umfeld und Individuum, der wird mit der Zeit internalisiert, das heißt im Gehirn
    gespeichert und dann häufig reproduziert.

    [00:02:31.030] – Dr.med. Ursula Davatz

    So spricht man von negativen Erwartungshaltungen.

    [00:02:36.130] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man negative Dinge erlebt hat in der Kindheit, in der Schule oder auch zu Hause,
    dann hat man die Tendenz, diese negativen Erlebnisse zu wiederholen.

    [00:02:49.900] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das macht schlussendlich dann die Krankheit aus.

    [00:02:55.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gibt einen Ausdruck dafür und der heißt: Predictive Error.

    [00:03:00.900] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man hat was Schlechtes erlebt und das Hirn, unser Gehirn ist so gestaltet, so
    organisiert, dass es schon vorher wissen will, was passieren könnte.

    [00:03:11.580] – Dr.med. Ursula Davatz

    Aus diesem Grund versucht es vorauszudenken. Wenn es negative Erlebnisse gehabt
    hat, dann denkt es halt negativ voraus.

    [00:03:20.960] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das wäre dann ein Vorhersagefehler, der an der Realität vorbeiführen kann und der oft
    nicht erlaubt, dann positive Erfahrungen zu machen.

    [00:03:33.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Gehirn ist unser soziales Anpassungsorgan.

    [00:03:37.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    Kein Organ ist so flexibel wie unser Gehirn.

    [00:03:44.820] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Gehirn des Menschen ist natürlich das anpassungsfähigste Organ per se, noch
    anpassungsfähiger als das Gehirn von Primaten, also von Menschenaffen.

    [00:04:02.830] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn wir, wie gesagt, uns dann aber negative Dinge voraussagen, dann lernen wir
    nicht mehr.

    [00:04:09.470] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man Therapie macht mit einem einer Person, einem Patienten oder einer
    Patientin, dann ist die Aufgabe des Therapeuten, zu helfen, neue positive Erlebnisse zu
    machen und nicht wieder in die alten Rillen reinzufallen, in die alten Gleise.

    [00:04:37.490] – Dr.med. Ursula Davatz

    Anpassung heißt Lernfähigkeit.

    [00:04:40.400] – Dr.med. Ursula Davatz

    Als Therapeutin muss ich den Patienten immer helfen, wieder neu zu lernen.

    [00:04:51.320] – Dr.med. Ursula Davatz

    Lange Zeit wurde immer diskutiert, was ist wichtiger, die Gene oder das Umfeld?

    [00:04:58.380] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Mediziner haben oft darauf gedrängt, die Gene sind wichtig, denn das sind feste
    Bausteine und die kann man jetzt auch immer mehr untersuchen.

    [00:05:11.090] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann hat man gestritten, ist es das Umfeld oder sind es die Gene?

    [00:05:15.630] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es hat eine Zeit lang dann die Theorie gegeben, dass nur das Umfeld die Krankheit
    bestimmt.

    [00:05:23.320] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe mich immer schon mit der Schizophrenie-Krankheit befasst. Da hat man häufig
    nach genetischen Ursachen gesucht.

    [00:05:32.100] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich muss jetzt laut meiner Erfahrung ganz klar sagen, es sind immer die Gene und das
    Umfeld

    [00:05:40.650] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Gene, die beginnt man an sich jetzt so etwas zu manipulieren, zu verändern, aber
    das ist mit viel Risiko verbunden, hingegen das Umfeld, das lässt sich viel besser
    verändern.

    [00:05:53.750] – Dr.med. Ursula Davatz

    Von dort her bin ich Familientherapeutin und versuche dann immer die Prägung, die
    passiert ist zwischen Umfeld und Genen, zu verändern, dass diese Menschen wieder
    besser funktionieren.

    [00:06:08.420] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Schizophrenie-Krankheit ist immer durch die Gene bestimmt und auch durch das
    Umfeld.

    [00:06:19.510] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe mich seit Beginn meiner Ausbildung in der Psychiatrie, habe ich mich für
    Schizophrenie interessiert und drum schon die lange Erfahrung und habe mich mit

    Wissenschaftlern ausgetauscht, die Erkenntnis, also die sich auch um die

    Schizophrenie gekümmert haben.

    [00:06:46.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Im 2025, das ist mein letztes Buch, 2025 habe ich das publiziert, und ich bin in diesem
    Buch einem Genotyp nachgegangen, und das ist das ADHS.

    [00:07:04.673] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhsads-folgekrankheiten/

    [00:07:04.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Mit dem ADHS, ich sag ADHS, da ist die Hyperkinese bei ADS ist ohne
    hyperkinetisches Benehmen oder Verhalten.

    [00:07:18.240] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bei den ADS-Menschen läuft die Hyperaktivität im Gehirn ab.

    [00:07:24.270] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bei den ADHS-Personen geht die Hyperaktivität nach außen.

    [00:07:31.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    ADHS-Personen zeichnen sich aus durch zwei wichtige Eigenschaften.

    [00:07:39.500] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie haben noch viele andere wichtige Eigenschaften, aber ich versuche jetzt, das zu
    reduzieren auf diese zwei.

    [00:07:47.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das eine ist die hohe Sensibilität und breite Aufmerksamkeit.

    [00:07:54.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das heißt Aufmerksamkeitsstörung, und ich sage, es ist an sich keine Störung, es ist

    einfach eine breite Aufmerksamkeit. Man nimmt viel mehr wahr, als Normotypen.

    [00:08:08.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Als Kind schon nimmt man mehr wahr, und als Erwachsene bleibt diese breite
    Wahrnehmung häufig auch weiterhin bestehen.

    [00:08:17.890] – Dr.med. Ursula Davatz

    Menschen mit ADHS sagen, wenn sie in einen Raum hereinkommen, dann merken sie
    sofort, was, wie, wo los ist, wie es den Leuten geht.

    [00:08:25.890] – Dr.med. Ursula Davatz

    Also starke Empathie, starkes Mitgefühl, also sie nehmen viel mehr wahr.

    [00:08:33.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    1911 hat Eugen Bleuler, den Begriff Schizophrenie geprägt. Er hat schon
    wahrgenommen, dass die Schizophrenen mehr wahrnehmen als der Durchschnittstyp.

    [00:08:51.675] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://de.wikipedia.org/wiki/Eugen_Bleuler

    [00:08:51.810] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er hat natürlich nichts von ADHS gewusst, aber das ist mir aufgefallen und da habe ich
    als Erstes dann den Zusammenhang zwischen Schizophrenie und ADHS
    wahrgenommen.

    [00:09:05.130] – Dr.med. Ursula Davatz

    Schizophreniepatienten sind ebenfalls sehr, sehr sensibel, sensibler als der
    Durchschnittstyp.

    [00:09:12.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    So habe ich dann das lange verfolgt.

    [00:09:15.270] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jetzt habe ich nicht nur die Schizophreniekrankheit genauer angeschaut und den
    Zusammenhang zu ADHS versucht herzustellen, sondern ich habe das ADHS mit
    sämtlichen psychiatrischen Krankheiten in Verbindung gebracht.

    [00:09:32.310] – Dr.med. Ursula Davatz

    Je genauer ich hinschaue, umso mehr sehe ich, wie da Zusammenhänge bestehen.

    [00:09:41.010] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ADHS ist aber eben keine Krankheit, also diese Eigenschaft der Hypersensibilität,
    das ist auch ein, wie soll ich sagen, eine Stärke.

    [00:09:52.410] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist das eine, die Wahrnehmung.

    [00:09:54.510] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das zweite ist dann die starke Reaktion, starke emotionale Reaktion auf Störungen, auf
    Verletzungen, auf nicht gerecht behandelt werden und so weiter.

    [00:10:11.260] – Dr.med. Ursula Davatz

    Weil sie so sensibel sind und so stark auf Ungerechtigkeit und nicht nur bei sich,
    sondern auch bei anderen Menschen reagieren, wenn sie nach außen reagieren,
    reagieren sie dann impulsiv, je nachdem aggressiv, direkt, kritisch und so weiter.

    [00:10:32.880] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das erträgt das Umfeld häufig nicht so gut.

    [00:10:37.880] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das heißt, man versucht dann, die ADHS-Menschen zu Normotypen zu erziehen.

    [00:10:45.770] – Dr.med. Ursula Davatz

    Gene lassen sich nicht erziehen.

    [00:10:49.860] – Dr.med. Ursula Davatz

    Mit der genetischen Veranlagung, die ein Mensch hat, muss er lernen umzugehen.

    [00:10:57.600] – Dr.med. Ursula Davatz

    In dem Sinne werden ADHS-Menschen eher später erwachsen und brauchen etwas
    länger, und ihr Gehirn bleibt auch vermehrt vernetzt also das emotionale Gehirn bleibt
    verstärkt vernetzt mit dem gesamten Gehirn.

    [00:11:18.430] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das macht sie dann sensibel und reaktiv.

    [00:11:23.580] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die starken Reaktionen, die hat das Umfeld dann oft nicht gerne.

    [00:11:29.360] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Reaktionen können auf Emotionen sein, also «C'est le ton qui fait la musique», also
    wenn jemand hart redet mit ihnen, kann sie das schon verletzen.

    [00:11:40.030] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie können auch tastmässig sein, also ein sehr feines Fingerspitzengefühl haben,
    sensorisch auf der Haut, vom Gehör her können sie sehr sensibel sein.

    [00:11:53.150] – Dr.med. Ursula Davatz

    Viele halten dann nicht aus, wenn es laut ist und zu viele Leute, wo alles durcheinander,
    schwatzt.

    [00:12:00.540] – Dr.med. Ursula Davatz

    Punkto Geschmack, viele ADHS-Kinder essen nur etwas, das sehr bland ist, also nur

    Teigwaren mit Butter, nur Salat mit der Soße der Mutter und alles andere geht nicht.

    [00:12:18.580] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da habe ich natürlich einige Familien begleitet, in denen die Kinder nur immer das
    Gleiche gegessen haben, und das war dann echt ein Problem.

    [00:12:29.680] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie haben zum Teil auch Sensibilität auf der Haut, also nicht gerne raue Materialien,
    Wolle geht schon gar nicht, synthetische Sachen zum Teil auch nicht.

    [00:12:44.300] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die hohe Sensitivität, die kann bei allen Sinnen stattfinden.

    [00:12:52.560] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die starke Reaktion, die dann das Umfeld stört, speziell in der Schule stört, das sind die
    starken emotionalen Reaktionen.

    [00:13:05.530] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da redet man dann von mangelnder Impulskontrolle.

    [00:13:12.070] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das hat man natürlich nicht so gerne, denn sie werden dann häufig zu Störfaktoren.

    [00:13:18.280] – Dr.med. Ursula Davatz

    In der Schule reden sie drein, sie können nicht warten, sie schrecken nicht auf, sie
    reden gleich drauflos.

    [00:13:25.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn es langweilig wird, wenn der Lehrer die Kinder nicht genügend begeistern kann,
    dann beginnen sie Blödsinn zu machen, oder sie machen den Clown, sie werden zum
    Konkurrenten des Lehrers oder der Lehrerin.

    [00:13:45.090] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das hat eine Lehrperson natürlich nicht so gern.

    [00:13:49.260] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn die Lehrperson unsicher ist, dann wird bestraft, und da erzählen dann viele
    ADHS-Menschen als Erwachsene: sie waren ständig vor der Tür.

    [00:13:59.020] – Dr.med. Ursula Davatz

    Manche haben dann schreckliche Schulkarrieren, manche haben es doch geschafft,
    aber es hängt immer davon ab, wie gut sie von ihrer Familie her unterstützt werden.

    [00:14:12.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe viele ADHS-Geschichten, Schulkarrieren, die schlecht verlaufen sind.

    [00:14:19.810] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn die Eltern nicht auffangen können, was in der Schule schiefgeht, dann kann eine
    Abwärtsspirale stattfinden.

    [00:14:28.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dieser Mensch mit ADHS kann dann seine Fähigkeiten überhaupt nicht zum Ausdruck
    bringen und zur Entwicklung bringen.

    [00:14:42.400] – Dr.med. Ursula Davatz

    Häufig haben ADHS-Menschen auch wie soll ich sagen, sind sie kreativ, sie können gut
    Grenzen überschreiten, sie halten sich nicht so an die Grenzen und im guten Sinne
    macht sie das kreativ, erfinderisch.

    [00:15:00.900] – Dr.med. Ursula Davatz

    Forschertypen und so weiter.

    [00:15:03.240] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die ADS-Personen denken eher viel darüber nach, das sind eher die Forscher.

    [00:15:10.040] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die ADHS-Personen werden zu Managern und CEOs und so weiter.

    [00:15:17.570] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was zum ADHS auch noch gehören kann, ist eine Lernstörung.

    [00:15:22.660] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nicht immer kommt die vor, das kann dann eine Lernstörung im Lese-Rechtschreibe-
    Bereich, heutzutage sagt man LRS, früher hat man Legasthenie gesagt, oder im
    mathematischen Bereich.

    [00:15:36.540] – Dr.med. Ursula Davatz

    Manchmal, wenn sie im sprachlichen Bereich schlecht sind, sind sie im mathematischen
    sehr, sehr gut.

    [00:15:43.390] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn sie im Sprachlichen gut sind, sind sie dann manchmal in der Mathematik
    schlecht.

    [00:15:51.500] – Dr.med. Ursula Davatz

    So hat man von Einstein, das sagt man auch, der war ein ADS-Kind, der hat bis 5 Jahre
    nicht geredet, da würde man heute sagen Autismus.

    [00:16:01.200] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der war autistisch, der hat aber viel nachgedacht und viel beobachtet und dann
    ausgerechnet.

    [00:16:12.390] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn das nicht bemerkt wird, dass da hintendran eine gute Intelligenz ist, nur eine

    Rechenstörung, oder umgekehrt eine Lese-Rechtschreibstörung, dann fühlen sich die
    Kinder dumm.

    [00:16:30.510] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man hat ihnen auch gesagt: du bist etwas dumm.

    [00:16:34.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn dann noch passiert, dass sie sehr unterschiedlich sind in der Leistung, manchmal
    machen sie ganz gute Leistung, und sobald sie unter Druck kommen, unter
    emotionalem Stress, dann sinkt die Leistung runter ins Nichts.

    [00:16:54.330] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann verstehen oft die Lehrpersonen nicht: du kannst es doch, warum hast du da
    versagt?

    [00:17:00.580] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der Schüler selber denkt auch: ja, warum habe ich versagt, und weiß oft den Grund
    nicht.

    [00:17:08.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es kann auch so passieren, der Schüler hat sehr gut gelernt, aber dann geht er in die
    Prüfung, dann kommt Prüfungsangst, und da hat man ein Brett vor dem Kopf.

    [00:17:18.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann geht wieder nichts mehr.

    [00:17:21.730] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist natürlich sehr, sehr, wie soll ich sagen, frustrierend.

    [00:17:29.020] – Dr.med. Ursula Davatz

    Diese genetisch bedingten Schwächen sind an sich keine Krankheit, aber die

    Psychiatrie versucht das ADHS nach wie vor in eine Diagnose hineinzutun.

    [00:17:44.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man redet dann von Komorbidität, das heißt zwei Krankheiten gleichzeitig, und ich
    sage: nein, das sind nicht zwei Krankheiten, das ist ein vulnerabler Genotyp, ein
    vulnerabler Neurotyp, der sehr sensibel ist auf Störungen, auf ungerecht behandelt
    werden, auf Stress, also wenn Stress um ihn herum herrscht, dann kann er nicht mehr
    gut funktionieren.

    [00:18:20.260] – Dr.med. Ursula Davatz

    In dem Sinn spielt das erzieherische Umfeld natürlich eine riesige Rolle.

    [00:18:28.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe das erzieherische Umfeld schon bei Schizophreniefamilien und
    Schizophreniepatienten analysiert, das wurde auch von anderen analysiert.

    [00:18:36.670] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man hat dann immer kritisiert, wenn man Probleme im Umfeld gesucht hat, man würde
    den Eltern Schuld zuweisen.

    [00:18:46.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    Mütter haben dann gesagt: dann bin ich schuld an der Krankheit meines Kindes.

    [00:18:53.100] – Dr.med. Ursula Davatz

    Als ich mein erstes Buch publiziert habe, wurde mir auch wieder nachgesagt, ich würde
    den Müttern Schuld zuweisen.

    [00:19:00.340] – Dr.med. Ursula Davatz

    Lange Zeit, wenn ich Angehörigengruppen hatte mit Müttern von Schizophrenen, habe
    ich immer versucht, mich darum herumzutasten, damit die Mütter sich ja nicht schuldig
    fühlen.

    [00:19:14.680] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das geht aber nicht, als Mutter fühlt man sich ohnehin schuldig, wenn ein Kind eine
    Krankheit entwickelt, und schon viel mehr, wenn es eine psychische Krankheit
    entwickelt.

    [00:19:25.570] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe mir dann gesagt, ich muss durch dieses Schuldgefühl hindurch, und ich muss
    offen reden, und habe den Eltern natürlich auch versucht, dann Ratschläge zu geben,
    wie sie mit ihren hochsensiblen Kindern umgehen.

    [00:19:41.410] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn sich schon eine Schizophrenie entwickelt hat, ist es manchmal sehr schwer,
    schwierig, und da kommt man nicht mehr raus.

    [00:19:49.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Auch da ist es manchmal möglich.

    [00:19:52.670] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn das Kind noch kleiner ist und in der Primarschule oder Kindergarten und dann in
    der Jugend, dann ist es besonders wichtig, dass man die Eltern beraten kann,
    unterstützen kann, dass sie nicht ungünstige Erziehungsmethoden verwenden.

    [00:20:16.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Daher habe ich oft etwas Probleme mit der Psychiatrie.

    [00:20:23.540] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir Psychiater werden eigentlich erst eingesetzt, sobald eine Krankheit da ist.

    [00:20:32.420] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir Psychiater sind medizinisch ausgebildet.

    [00:20:36.170] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Medizin versucht das Symptom zu bekämpfen oder zu beseitigen.

    [00:20:44.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der Chirurg, der operiert, der Psychiater, der gibt Medikamente.

    [00:20:51.630] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann versucht man mittels Medikamenten, versucht man die Symptome zu verbessern.

    [00:20:57.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Symptom ist nur ein Symptom.

    [00:21:00.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn wir nur Symptombekämpfer sind, kommen wir nicht an die Ursachen der
    Krankheit ran, und dann ändern wir eigentlich nur oberflächlich.

    [00:21:13.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich als Familientherapeutin versuche natürlich immer, das System zu verändern und
    dem System zu helfen, mit dem psychisch kranken Kind, Jugendlichen oder auch schon
    Partner adäquater umzugehen.

    [00:21:30.280] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich mache dann immer Vergleiche, ich sage: bei der Tierhaltung sagen wir eine
    artgerechte Tierhaltung.

    [00:21:38.110] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir dürfen natürlich nicht sagen eine artgerechte Persönlichkeitshaltung, aber ein
    persönlichkeitsentsprechender Umgang mit ADHS-Kindern hilft sehr viel und reduziert
    die Störungsbilder.

    [00:21:58.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gibt jetzt ein neues Störungsbild, das heißt PDA: Pathological Demand Avoidance.

    [00:22:07.410] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das sind Kinder, die gehorchen nicht.

    [00:22:10.500] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn ein Kind nicht gehorcht, haben wir die Tendenz, entweder zu bestrafen oder
    lauter zu werden und denken, wenn wir lauter werden, dann versteht das Kind, was wir
    meinen.

    [00:22:24.680] – Dr.med. Ursula Davatz

    Beim ADHS-Kind funktioniert das überhaupt nicht.

    [00:22:28.710] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ADS-Kind zieht sich dann zurück, das ADHS-Kind wird noch wütender und die
    Autisten, die werden so verzweifelt dann, dass sie dann alle Möbel zerschlagen, also
    dann gibt es einen Raptus und der bringt natürlich nichts.

    [00:22:48.750] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe in meinem Buch, habe ich 13 Tipps gegeben, Dos and Don'ts, was man nicht
    machen soll mit ADHS-Kindern.

    [00:22:57.880] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich gehe auf ein paar darauf ein, aber man kann es im Buch dann auch nachlesen.

    [00:23:04.880] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://adhs.expert/wp-content/uploads/2024/06/13-TIPPS-FUeR-ERZIEHENDE.pdf

    [00:23:06.690] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich will ein paar psychiatrische Krankheiten mit Ihnen durchschauen, die entstehen
    können aus einem nicht persönlichkeitsgerecht, nicht neurotypgerecht erzogenen
    ADHS-Kind.

    [00:23:28.250] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich beginne mit der bipolaren Störung.

    [00:23:38.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die bipolare Störung ist manisch-depressiv.

    [00:23:43.030] – Dr.med. Ursula Davatz

    Junge Menschen, die bipolare Störungen entwickeln, sind aus meiner Sicht und aus
    meiner Erfahrung eigentlich alles ADHS-Kinder, die zu streng erzogen worden sind.

    [00:24:00.310] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das heißt, die zu eng eingegrenzt wurden.

    [00:24:05.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Mädchen, die passen sich da noch an, die können das.

    [00:24:10.610] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jungen, die rebellieren häufig und gehen dagegen.

    [00:24:15.020] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn Mädchen sich angepasst haben, wenn dann der Pubertätsschub kommt, dann
    beginnen sie sich auf einmal zu befreien, zu entfesseln.

    [00:24:25.210] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie sprengen dann die Erziehungsfesseln, die sie während der Jugend und in der
    Kindheit in der Familie und in der Schule erfahren haben.

    [00:24:35.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    In dem Sinne sprengen sie dann die Grenzen, aber indem sie die Grenzen sprengen,

    werden sie auch unvorsichtig, machen ungeschickte Einkäufe und so weiter, und es
    geht vieles schief.

    [00:24:50.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn dann die Energie verbraucht ist, dann merken sie, dass alles Mögliche schief
    gelaufen ist, und dann werden sie depressiv.

    [00:24:59.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist eben dann die bipolare Störung.

    [00:25:02.430] – Dr.med. Ursula Davatz

    Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt, das sagt man an sich ja schon von den
    Teenagern.

    [00:25:08.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man genau hinschaut, sind diese diese manischen Phasen von den bipolaren
    gestörten Menschen sind eigentlich nur extreme hyperaktive Phasen eines ADHS-
    Temperaments.

    [00:25:24.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich gehe ein Stück weiter: Frauen, die passen sich häufig besser an, wir Frauen können
    das besser, die passen sich an an die Eltern, an die kranken Eltern, an die an die
    Lehrerin, an den Lehrer, dann wenn sie Kinder haben, passen sie sich an ihre Aufgabe
    den Kindern gegenüber, und wenn sie dann Empty-Nest-Syndrom haben, also wenn die
    Kinder ausziehen, dann wissen sie nicht richtig, wer sie eigentlich sind, denn sie haben
    sich ja immer nur angepasst und nie ihren eigenen Fokus gefunden.

    [00:26:01.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da sage ich wieder etwas: ADHS-Menschen, die kann man nicht zum Gehorsam
    bringen, die müssen ihren intrinsischen eigenen Fokus finden.

    [00:26:13.070] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man kann sie zur Kooperation bringen, das sehr wohl, denn sie sind ja empathisch und
    wollen gerne helfen, aber sobald man ihnen befiehlt, geht alles schief, dann machen sie
    Widerstand. Sie müssen ihren eigenen Fokus haben, ihre intrinsische Motivation.

    [00:26:31.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Gerade heute habe ich mit einer Familie, mit Eltern von einem ADHS-Jungen
    gesprochen.

    [00:26:36.870] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Eltern versuchen ihn immer noch etwas zu erziehen, er sollte im Haushalt etwas
    machen.

    [00:26:43.610] – Dr.med. Ursula Davatz

    Pubertierende kann man sowieso nicht mehr erziehen.

    [00:26:48.270] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bei ADHS-Menschen ist das noch viel schwieriger.

    [00:26:52.400] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe gesagt, ich glaube, Sie müssen aufhören zu erziehen, nur das nicht machen,
    was sie nicht wollen, und sonst den Jungen den Weg, also die Dinge laufen lassen.

    [00:27:05.650] – Dr.med. Ursula Davatz

    Zur Kooperation auffordern, das geht.

    [00:27:09.200] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das hat auch da funktioniert.

    [00:27:10.880] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn der Vater sagt, ich will etwas im Garten machen, ich brauche Hilfe, könntest du

    mir vielleicht helfen, dann hilft er.

    [00:27:20.150] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn er sagt: du hast schon lange nichts mehr gemacht, jetzt musst du Rasen mähen,
    der ist schon sehr hoch, dann heißt es sicher: Nein.

    [00:27:29.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist wieder eine Regel im Umgang mit ADHS-Menschen, Kindern, Jugendlichen:
    nicht befehlen, sondern zur Kooperation auffordern oder sonst eher in Ruhe lassen.

    [00:27:48.730] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn sie natürlich irgendetwas machen, was einem völlig schadet, dann darf man sich
    für sich selbst wehren.

    [00:28:08.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Erziehungspersonen, die keine Erfahrung haben mit ADHS-Kindern.

    [00:28:14.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Vor einer Woche war ich im Bundeshaus, da haben wir die erste nationale ADHS-
    Konferenz im Bundeshaus gehabt.

    [00:28:27.374] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://elpos.ch/veranstaltungen/nationale-adhs-konferenz-im-bundeshaus/

    [00:28:27.770] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da hatte man 48 ADHS-Jugendliche, einer war 12 Jahre alt, also ein Junge, und die
    haben dann alle aufschreiben dürfen, was verändert werden müsste.

    [00:28:42.270] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich war in der Arbeitsgruppe Lehrpersonen und Eltern.

    [00:28:47.560] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da haben alle durchwegs gesagt, die Lehrer müssen unbedingt mehr wissen, also
    müssen eine Ausbildung haben über ADHS, das heißt, müssen informiert werden über
    ADHS, und die Lehrer müssten die Möglichkeit haben, regelmäßig Fachpersonen
    zuziehen zu können, die sich verstehen im Umgang mit ADHS.

    [00:29:19.590] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist das, was ich auch immer sage.

    [00:29:22.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die psychische Krankheit, die kann schon in der Schule beginnen, die beginnt früh, die
    läuft immer mit einer langen schwierigen Entwicklung.

    [00:29:36.410] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die beste Prävention wäre, dass die Lehrer besser unterstützt werden.

    [00:29:46.200] – Dr.med. Ursula Davatz

    Erstens mal etwas lernen über ADHS, aber zweitens auch Rat fragen können, wenn sie
    nicht weiter wissen.

    [00:29:54.010] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe mit der Schule von Turgi, mit der Bezirksschule von Turgi hatte ich Lehrer, und
    die haben mich regelmäßig gefragt, wenn etwas nicht gegangen ist mit den Kindern,
    und dann habe ich sie immer beraten.

    [00:30:08.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir haben alle Kinder durchgebracht, dass sie ihren Schulabschluss machen konnten.

    [00:30:13.310] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe aber auch andere Dinge erlebt, dass ich Lehrern Hilfe geben wollte und die
    sich nichts sagen lassen wollten.

    [00:30:21.210] – Dr.med. Ursula Davatz

    Never teach a teacher, never help a helper.

    [00:30:25.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir Ärzte lassen uns nicht helfen, und die Lehrer lassen sich nichts sagen.

    [00:30:31.380] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gibt sicher auch Ausnahmen und es gibt sicher auch Lehrer, die gerne lernen wollen.

    [00:30:36.040] – Dr.med. Ursula Davatz

    Auf jeden Fall hat es mich sehr gefreut, dass diese Jugendlichen so klar gesagt haben:
    wir wollen, dass unsere Lehrer besser lernen, mit uns ADHSlern umzugehen.

    [00:30:50.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie hatten noch andere Ideen dabei, dass flexiblere Programme gemacht werden.

    [00:30:57.030] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn ich jetzt Eltern habe mit problematischen ADHS-Kindern, dann endet das
    meistens, dass sie ihr Kind rausnehmen und in eine Privatschule tun.

    [00:31:09.070] – Dr.med. Ursula Davatz

    Längst nicht alle Leute können sich eine Privatschule leisten, und ich habe dann auch
    mit solchen Eltern gearbeitet, und die Privatschulen wissen auch nicht alle, wie
    umzugehen mit ADHS-Kindern.

    [00:31:25.860] – Dr.med. Ursula Davatz

    ADHS ist zwar jetzt in aller Munde, es kommt in den Medien, man kann im Internet alles
    Mögliche lesen, es gibt viele Influencer, die sich profilieren mit dem ADHS.

    [00:31:40.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gibt noch nicht so viele Fachpersonen, und ich sage jetzt bei den Lehrern, auch bei

    den Eltern, und auch bei den Psychiatern, die das Umfeld entsprechend beraten
    können.

    [00:31:54.950] – Dr.med. Ursula Davatz

    Mein großes Anliegen im Sinne von Prävention, dass man das Umfeld besser berät,
    dass man die Eltern, dass die Eltern frühzeitig sich Hilfe holen können, um mit ihrem
    schwierigen Kind umzugehen, sodass es nicht eine zweite, dritte, vierte psychiatrische
    Diagnose bekommen muss.

    [00:32:23.350] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es hat in den Schulen schon Hilfspersonen, das sind meistens Sozialpädagogen oder
    Heilpädagogen.

    [00:32:33.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es hat auch Sozialarbeiter, aber das heißt lange nicht, dass diese alle schon wissen,
    wie umzugehen ist mit dem ADHS-Kind.

    [00:32:49.330] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich will Ihnen ja dann die Möglichkeit geben, Fragen zu stellen.

    [00:32:59.660] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was können Sie tun? Ich weiß nicht, wie viele Lehrer anwesend sind, wie viele Eltern.

    [00:33:08.160] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich sag zu den Eltern, der Vorteil eines ADHS-Kindes, sei es in der Schule oder zu
    Hause, man muss lernen mit diesen Kindern, und man kann nicht einfach ein Schema
    verwenden, das für alle geht, und man muss mit jedem ADHS-Kind wieder neu
    ausfinden, was funktioniert da.

    [00:33:35.820] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Computer, die werden gefüttert mit Programmen, und wir hätten gerne Programme,

    die für alles immer gehen, auf Englisch sagt man "one size fits all".

    [00:33:47.770] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das funktioniert bei den ADHS-Kindern nicht.

    [00:33:53.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    Gewisse Prinzipien kann man sich merken.

    [00:34:01.260] – Dr.med. Ursula Davatz

    Mit jedem ADHS-Kind muss man wieder neu lernen.

    [00:34:04.710] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss lernen zu beobachten, man muss lernen hinzuhören, man muss lernen zu
    verstehen, was da abläuft, und man darf nicht mit einem Vorhersagefehler denken, ja,
    ich weiß, um was es geht, und dann gleich helfen.

    [00:34:23.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist ein allgemeines Problem, bei uns in der Psychiatrie und in unserer westlichen
    Welt, wenn wir ein Problem antreffen, wollen wir das so schnell wie möglich zu lösen
    versuchen.

    [00:34:36.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bei den ADHS-Kindern, ADHS-Menschen braucht es zuerst ein Verstehen, und wir
    sagen dann in therapeutischer Fachsprache ein Validieren des Zustandes, ein
    Validieren der Reaktion, des Menschen.

    [00:34:52.350] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nicht das Fehlverhalten sofort korrigieren, sondern zuerst verstehen, worum geht es,
    was hat dich so geärgert, was hat dich so verletzt, aha, ja, ich verstehe.

    [00:35:05.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    Erst wenn man validiert, wenn man das Symptom validiert hat, erst dann kann man

    versuchen, neue Methoden herauszufinden.

    [00:35:16.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    In dem Sinn sind ADHS-Menschen sehr hilfreich, um neue Dinge zu lernen, und schon
    Sokrates hat gesagt: wir Erwachsenen lernen von unseren Schülern.

    [00:35:32.870] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich denke, das ist eine Weisheit, die wir als erwachsene Menschen im Umgang mit
    ADHS-Menschen uns wieder merken müssen, an das sollten wir uns wieder halten.

    [00:35:47.670] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man sagt, ADHS-Personen treffen sich auch oft, also sie finden sich.

    [00:35:58.560] – Dr.med. Ursula Davatz

    Cordula Neuhaus sagt: They find each other, they bind with each other, and they
    reproduce with each other.

    [00:36:05.497] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://www.menschen-mit-adhs.de/

    [00:36:05.830] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie finden sich, sie heiraten und sie machen Kinder.

    [00:36:12.430] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann hat man dann eine ADHS-Familie.

    [00:36:15.330] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist recht anstrengend.

    [00:36:18.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man sagt auch ADHS-Familien scheiden mehr.

    [00:36:23.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Viele von denen, die ich begleitet habe, die haben tatsächlich geschieden.

    [00:36:29.500] – Dr.med. Ursula Davatz

    ADHS-Menschen kündigen ihre Stelle vermehrt oder werden gekündigt, weil sie zu
    direkt sind und zu sehr, zu offen sagen, was sie denken.

    [00:36:43.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn ich aber mit ADHS-Familien arbeite, auch mit Eltern, und ich komme in einem
    frühen Zeitpunkt dazu, dann versuche ich sorgfältig, ihnen beizubringen, wie Konflikte
    gelöst werden können.

    [00:36:59.470] – Dr.med. Ursula Davatz

    ADHSler, wenn sie beide ein H haben, sind beide aktiv, dann reden alle beide und
    keiner hört zu.

    [00:37:08.310] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss es machen wie beim Morsen: der eine redet, der andere muss zuhören. Er
    darf nicht sein Problem gleichzeitig bringen. Wenn er es nicht aushält, muss er Notizen
    machen. Die darf er nachher verwenden.

    [00:37:08.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gehört die Frage dazu: kannst du nachvollziehen, was ich meine mit dem?

    [00:37:28.630] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn er antwortet: ja, kann ich, dann ist wunderbar.

    [00:37:43.610] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn er sagt: nein, verstehe ich nicht, und dann wieder mit seinem Zeugs kommt, dann
    muss ich bremsen.

    [00:37:50.260] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn ich so streitende ADHS-Paare habe, dann muss ich viel stärker eingreifen und
    dem einen das Wort geben und dann den anderen fragen und dann dem anderen das
    Wort.

    [00:38:03.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    So passiert schlussendlich ein besseres Verständnis.

    [00:38:07.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da kommt natürlich dann noch Mann und Frau dazu und wie man so erzogen worden
    ist, was für Prinzipien man mitbringt.

    [00:38:15.050] – Dr.med. Ursula Davatz

    Indem wir uns sorgfältig auseinandersetzen mit Andersdenkenden, an das Handeln, an
    das Fühlen der Menschen lernen wir.

    [00:38:27.100] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist das, was ich ihnen so etwas mitgeben will, wenn sie verzweifeln im Umgang mit
    ADHS-Personen.

    [00:38:38.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das wäre jetzt so meine Schlussbemerkung.

    [00:38:57.660] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jetzt bin ich natürlich darauf angewiesen, was Sie mir Fragen stellen.

    [00:39:20.020] – Bemerkung 1

    Guten Abend, mein Name ist Katharina, ich habe einen 7-jährigen Sohn. Die erste
    Abklärung war etwa mit 5 Jahren, mit 7 Jahren hat er jetzt die Diagnose bekommen.

    [00:39:36.210] – Bemerkung 1

    Die Schule möchte ihn am besten morgen medikamentös einstellen, weil sie nach
    einem halben Jahr überfordert sind.

    [00:39:46.870] – Bemerkung 1

    Es gibt noch ein ASS-Kind in der gleichen Klasse.

    [00:39:50.760] – Bemerkung 1

    Zwischen ihnen gibt es immer wieder Reibereien.

    [00:39:54.940] – Bemerkung 1

    Ich habe jetzt CBD-Therapie gehört, CBD, dass das auch bei ADHS eingesetzt werden
    könnte,

    [00:40:03.810] – Bemerkung 1

    Was halten Sie davon?

    [00:40:07.660] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was ist Ihre Frage?

    [00:40:15.240] – Bemerkung 1

    CBD.

    [00:40:16.310] – Dr.med. Ursula Davatz

    Aha! Oh!

    [00:40:17.510] – Dr.med. Ursula Davatz

    CBD ist ein Cannabisprodukt.

    [00:40:27.490] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe im Kanton Aargau lange in der Suchtarbeit gearbeitet.

    [00:40:34.030] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich war immer gegen Cannabis-Legalisierung, bin es heute noch.

    [00:40:39.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man hat das überhaupt nicht erwartet von mir, weil ich ja an sich freiheitlich denkend
    bin.

    [00:40:46.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    CBD, Cannabis hat ganz viele verschiedene Stoffe drin.

    [00:40:52.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    CBD hat eine beruhigende Wirkung.

    [00:40:56.200] – Dr.med. Ursula Davatz

    Jetzt ist in der Psychiatrie wieder eine neue Mode, dass man Drogen hervorholt.

    [00:41:05.110] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man hat ja Cannabis schon an verschiedenen Orten legalisiert.

    [00:41:10.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sobald man emotionale Probleme mit Medikamenten versucht zu regulieren, lernt man
    nicht.

    [00:41:24.010] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das trifft zu für alle Medikamente.

    [00:41:28.160] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich will dem Jungen lieber beibringen, wie kann er damit umgehen, wenn ihn etwas
    ärgert.

    [00:41:36.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich will lieber der Lehrerin beibringen, was ein Gruppenprozess ist.

    [00:41:41.900] – Dr.med. Ursula Davatz

    In der Schule wird meistens nur wahrgenommen, der, der zuschlägt.

    [00:41:47.150] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wie zuvor provoziert und geärgert und intrigiert wird, das sieht man nicht.

    [00:41:54.770] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da müsste man in der Schule viel mehr den Gruppenprozess anschauen, da muss man
    die Kinder fragen.

    [00:42:02.310] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Kinder wissen es, die kennen es, aber die Lehrpersonen und die Eltern sehen oft
    nur das Endprodukt, und das Endprodukt, das ist dann der, der zuschlägt.

    [00:42:15.100] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die, die gestichelt haben, das wird nicht angeschaut.

    [00:42:18.730] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das läuft in Klassen häufig auch, Mädchen sind besser im Intrigieren und Sticheln.

    [00:42:27.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er ist erst 7 Jahre alt.

    [00:42:30.540] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es läuft auch über das Internet.

    [00:42:33.810] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss den Gruppenprozess anschauen.

    [00:42:36.630] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was in der Schule gemacht wird, der eine hat dreingeschlagen, dann heisst es: du
    muss dich entschuldigen. Man entschuldigt sich und läuft davon.

    [00:42:46.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss unbedingt die Interaktion genauer anschauen und dann helfen, andere
    Methoden herauszufinden.

    [00:42:57.970] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich persönlich würde nie einem so jungen Kind CBD geben.

    [00:43:04.580] – Dr.med. Ursula Davatz

    Den Teenagern sollte man nicht Medikamente geben, sondern helfen, sich geschickter
    mit ihrem Umfeld auseinanderzusetzen.

    [00:43:18.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    In der Psychiatrie, wir haben Medikamente, die Sedieren, also die beruhigen, oder
    Medikamente, die Stimulieren, wenn man depressiv ist.

    [00:43:29.670] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist immer eine chemische Gefühlsregulation.

    [00:43:33.470] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich als Therapeutin stehe natürlich total auf verhaltensmäßige, lernende
    Gefühlsregulation, nicht Verhaltenstherapie.

    [00:43:45.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich muss zuerst verstehen, was mich verletzt.

    [00:43:51.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der Junge muss verstehen, was ihn verletzt.

    [00:43:54.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann muss man schauen, dass er das vielleicht anders ausdrücken kann.

    [00:44:00.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn er erst 7 Jahre alt ist, ist das ist das noch schwierig, da muss der Lehrer helfen
    oder die Lehrerin.

    [00:44:08.750] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da habe ich meinen Bias.

    [00:44:15.800] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich verschreibe auch Ritalin oder ähnliche Dinge, wenn die Eltern das wollen.

    [00:44:21.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich verschreibe es aber nie, wenn sie es nicht wollen.

    [00:44:26.060] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich akzeptiere überhaupt nicht, wenn die Lehrer sagen: ich kann das Kind nicht mehr
    nehmen, wenn es nicht Ritalin bekommt.

    [00:44:37.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das wird gesagt.

    [00:44:39.430] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nein, da muss die Lehrerin beraten werden, wie umgehen.

    [00:44:46.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich biete sogar einen Kurs an: Umgang mit ADHS-Kindern in der Schule.

    [00:44:53.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es sind nur 3 Lehrer zu mir gekommen.

    [00:44:57.270] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich fange im August wieder mit einem neuen an und ich hoffe, es kommen etwas mehr
    Lehrer.

    [00:45:18.050] – Bemerkung 2

    Was haben sie für Tipps zu Umgebungslärm und Studieren, wenn man keine
    Medikamente nimmt. Meine Tochter studiert schon.

    [00:46:05.800] – Dr.med. Ursula Davatz

    Für Kinder kann man heutzutage einen Nachteilsausgleich holen.

    [00:46:16.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da wird dann häufig gesagt, wann wurde die Diagnose gestellt?

    [00:46:24.070] – Dr.med. Ursula Davatz

    An der ETH sagen die, wenn die Diagnose vor mehr als 2 Jahren gestellt wurde, muss
    man wieder Diagnose stellen lassen.

    [00:46:34.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Blödsinn!

    [00:46:37.160] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ADHS ist vererbt, 80% oder mehr.

    [00:46:42.250] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das bleibt.

    [00:46:43.870] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das Gehirn ist immer etwas neurodivergent.

    [00:46:49.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man kann einen Nachteilsausgleich holen, das heißt etwas länger Zeit bei den
    Prüfungen.

    [00:46:55.170] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man kann verlangen, dass man in einen ruhigen Raum, einen separaten Raum gehen
    darf.

    [00:47:04.300] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es kommt dann immer darauf an, ob die Institution diese Räume hat oder nicht.

    [00:47:10.250] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man kann mehr Zeit bekommen, jetzt in der Schule, da geht es nicht um mehr Zeit und
    länger und so weiter, also da müsste die Lehrperson besser lernen, mit dem Kind
    umzugehen.

    [00:47:24.610] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich berate die Eltern und die dürfen mit den Lehrern natürlich reden.

    [00:47:28.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Zwischen Lehrern und Eltern ist häufig eine Angst, eine Ablehnungshaltung.

    [00:47:36.940] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Lehrer haben Angst vor den Eltern, die Eltern haben Angst vor den Lehrern.

    [00:47:40.430] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann passiert natürlich nichts.

    [00:47:42.770] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da versuche ich dann manchmal zu vermitteln.

    [00:47:45.680] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich bin nicht ganz sicher, ob ich Sie getroffen habe.

    [00:47:52.270] – Dr.med. Ursula Davatz

    ADHSler die vergessen ja auch immer Zeugs, und Schulsachen zu Hause.

    [00:48:02.290] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe einen Studenten, der hat vergessen, sich anzumelden für die Prüfung.

    [00:48:08.490] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da habe ich auch einen Brief geschrieben, er hat noch ein Motivationsschreiben
    gemacht, und dann war die Universität Zürich einverstanden, dass er auch verspätet
    sich anmelden kann für die Prüfung.

    [00:48:23.600] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich versuche immer für die Leute einzustehen.

    [00:48:26.300] – Dr.med. Ursula Davatz

    Manchmal geht es, manchmal nicht.

    [00:48:28.810] – Dr.med. Ursula Davatz

    Am schlechtesten geht es bei den Versicherungen, bei den Taggeldversicherungen.

    [00:48:40.540] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da werden die Leute zurückgedrängt an die Arbeit.

    [00:48:44.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich sage: es geht nicht.

    [00:48:45.770] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe dann nicht die richtige Diagnose, ich kann nur eine Geschichte schreiben. Da
    sagen die Versicherungen: das gilt nicht.

    [00:48:52.970] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da kommen dann die Juristen rein und die sagen: wenn ich nicht das und das und das
    und das schreibe, dann wird es nicht anerkannt.

    [00:49:02.330] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da geht es immer um Geld.

    [00:49:04.830] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann muss ich mir dann von den Juristen sagen lassen, wie ich schreiben muss, dass
    es akzeptiert wird.

    [00:49:10.710] – Dr.med. Ursula Davatz

    Schwierig.

    [00:49:46.260] – Bemerkung 3

    Ich habe eine 12 Jahre alte Tochter. Sie hatte immer viele negativen Gedanken. Jetzt
    kommen noch die hormonellen Umstände, Vorpubertät. Der Köper verändert sich. Ich
    bin nicht schön, ich habe keine reine Haut. Ich versuche das zu verstehen, aber es ist
    wirklich sehr schwierig.

    [00:50:11.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    In der Pubertät beginnt man seine Persönlichkeit zu entwickeln.

    [00:50:18.720] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man kann sehr selbstkritisch sein.

    [00:50:22.870] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn dann noch von außen Druck kommt und noch mehr Kritik, dann kann das

    entgleisen.

    [00:50:31.690] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann kommen sogar Suiziddrohungen oder sich schneiden, ritzen.

    [00:50:36.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist noch nicht bei ihr, das ist gut.

    [00:50:39.770] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da muss man immer Druck wegnehmen.

    [00:50:43.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es nützt wahrscheinlich nichts, dass man sagt: Nein, nein, das ist alles gut.

    [00:50:52.860] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss wahrscheinlich eher validieren und sagen: ja, ich verstehe, du bist kritisch
    mit dir, du hast hohe Ansprüche an dich selbst, aber ich finde dich schön genug oder
    gut genug, die Note ist gut genug, also dass man selbst positiv bleibt, aber nicht sofort.

    [00:51:13.400] – Dr.med. Ursula Davatz

    Zuerst das Kind verstehen in seiner negativen Beurteilung.

    [00:51:19.830] – Dr.med. Ursula Davatz

    Während der Corona-Zeit, habe ich meine alten Tagebücher gelesen, so zwischen 16
    und 20.

    [00:51:28.690] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich war ja so streng mit mir, und was ich alles kritisiert habe.

    [00:51:33.080] – Dr.med. Ursula Davatz

    Unglaublich.

    [00:51:35.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gehört zu diesem Alter. Man stellt sich nie so stark in Frage wie in der Pubertät.

    [00:51:45.020] – Dr.med. Ursula Davatz

    Darum ist es wichtig, dass die Eltern, wie soll ich sagen, gelassen bleiben und nicht
    auch hyperventilieren, Angst bekommen und so weiter.

    [00:51:58.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist nicht immer so einfach.

    [00:52:02.680] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dass sie eine positive Haltung behalten, auch wenn die Tochter sagt, das Glas ist halb
    leer, für sie ist es halb voll.

    [00:52:10.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da kommt sogar Glaube rein, dass man glaubt, dass das Kind das schon richtig macht,
    auch wenn man gar nicht weiß wie.

    [00:52:17.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist noch sehr schwierig, wir wollen unseren Kindern immer helfen.

    [00:52:24.960] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das geht da nicht.

    [00:52:35.690] – Bemerkung 4

    Ja, mich würde noch mal interessieren, das Thema mit den Medikamenten und diesem
    Lernen, dem Lerneffekt ohne Medikamente.

    [00:52:45.140] – Bemerkung 4

    Ich habe zwei Kinder mit ADHS und mein Sohn, seitdem er das Ritalin nimmt, eigentlich

    erst seit dann gerne in die Schule geht, weil er auch immer so reizüberflutet und eben
    so empfindlich war, dass er eigentlich gar nicht mehr in die Schule gehen wollte.

    [00:53:00.640] – Bemerkung 4

    Meine Tochter verträgt das Medikament nicht. Ich gebe es nicht. Sie ist sehr weinerlich
    und sie will auch nicht in die Schule gehen.

    [00:53:12.810] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was meinen sie wegen der Medikamente?

    [00:53:15.440] – Bemerkung 4

    Ich möchte auch meinem Kind das Beste geben oder helfen und schauen, dass es
    eben sich gut entwickelt, damit es mit seinem ADHS gut umgehen lernt.

    [00:53:28.990] – Bemerkung 4

    Ich habe jetzt so wie rausgehört, mit dem Ritalin geht das nicht.

    [00:53:34.490] – Bemerkung 4

    Was sagen sie dazu?

    [00:53:38.250] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn ein Kind eine akademische Laufbahn einschlagen will, dann helfen sicher
    Medikamente in Bezug auf den Lernerfolg.

    [00:53:50.150] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn das Kind das nicht unbedingt will, dann denke ich eher an die
    Persönlichkeitsentwicklung.

    [00:53:55.800] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich muss immer schauen, wo stehen die Eltern, wo steht das Kind, und es ist jedes Mal
    eine individuelle Entscheidung, verschreibe ich jetzt Medikamente oder nicht.

    [00:54:08.610] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist doch interessant, ich habe letztens in einem Artikel gelesen, man sagt ja, wenn
    die Kinder, sagen wir jetzt, Ritalin nehmen, dann können die besser fokussieren, und da
    ist dann gestanden: Nein, die können nicht besser fokussieren, aber die können sich
    dann auch auf Dinge fokussieren, die sie gar nicht interessieren.

    [00:54:28.014] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://www.doccheck.com/de/detail/articles/52541-adhs-medikamente-konzentration-ist-nebensache

    [00:54:29.018] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://smartup-news.de/gesundheit/wenn-muedigkeit-nach-adhs-aussieht-und-medikamente-taeuschen/

    [00:54:29.130] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist noch interessant.

    [00:54:31.910] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man redet ja auch vom Hyperfokus.

    [00:54:34.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn das ADHS-Kind sich für etwas interessiert, dann hat es einen Hyperfokus, dann
    kann es nicht mehr aufhören zu lernen, zu basteln, zu studieren oder was auch immer.

    [00:54:48.580] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bei denen, die im Hyperfokus sind, denen muss ich sagen, du musst, oder sie müssen
    regelmäßig Pausen einschalten.

    [00:55:00.110] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das hat man von Albert Einstein auch gesagt, der hat Tag und Nacht gerechnet, studiert

    und weiß ich nicht was, und seine Frau musste sagen: Jetzt musst du essen kommen,
    jetzt musst du schlafen gehen, jetzt musst du etwas trinken.

    [00:55:14.860] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der Hyperfokus, der brennt dann aus.

    [00:55:18.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da sehe ich oft Männer, die einen Beruf gewählt haben, vielleicht im künstlerischen
    Bereich, also Medienbereich oder so, die haben alles gegeben und dann auf einmal
    sind sie ausgebrannt und da geht gar nichts mehr.

    [00:55:36.290] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann muss ich sie krankschreiben und dann verlangt dann die Versicherung, der muss
    doch wieder arbeiten gehen.

    [00:55:43.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich sage, nein, es geht nicht, ausgebrannt, fertig, Schluss.

    [00:55:47.370] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der hat ein Leben lang sich ausgebeutet.

    [00:55:51.350] – Dr.med. Ursula Davatz

    Den Männern muss ich sagen, Pausen machen, aber den Frauen manchmal auch.

    [00:55:57.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn ich verschreibe, mache ich es immer mit den Personen selber ab.

    [00:56:07.010] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich hatte einmal einen Jungen, der hat Medikamente bekommen bis 16, da hat er
    gesagt, nein, jetzt will er nicht mehr, jetzt will er es selber können.

    [00:56:16.650] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das habe ich sehr gut gefunden.

    [00:56:18.360] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich sage auch immer, sie dürfen es am Wochenende weglassen, aber oft finden die
    Eltern, dann ist das Kind zu unruhig, ich bin froh, wenn sie es nehmen.

    [00:56:27.900] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja, man muss immer schauen, wie kann man es regeln.

    [00:56:32.810] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich suche natürlich immer zuerst nach anderen Regelungen.

    [00:56:37.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ein Kind, das hyperaktiv ist, muss genügend Möglichkeiten haben, sich abzuregen, also
    sportlich oder ja, irgendetwas machen.

    [00:56:48.280] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ein Kind, das eher sich zurückziehen muss, das ist das ADS-Kind, dem muss man
    genügend freien Raum lassen.

    [00:56:58.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn die Schule zu viel wird, dann sage ich auch, dann schreibe ich krank und dann
    wird Pause gemacht.

    [00:57:07.560] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich muss häufig Druck rausnehmen.

    [00:57:10.300] – Dr.med. Ursula Davatz

    Einige Kinder, ich habe jetzt eine, die gehen gar nicht in die Schule.

    [00:57:15.670] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da wollen alle immer Konferenzen machen, damit sie wieder geht, und ich sage, nein,
    das müssen wir zuerst alles beruhigen lassen, und dann schauen wir wieder neu, also
    neu aufgleisen.

    [00:57:29.710] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich weiß nicht, ob ich geantwortet habe, es ist schwierig. Drei Kinder und jedes macht
    etwas anderes.

    [00:57:40.390] – Bemerkung 5

    Ich höre oft ADHS, ADS, Diagnose zwischen ADHS, ADS.

    [00:57:54.740] – Bemerkung 5

    Sie sagen klar, es gibt ADHS oder ADS.

    [00:58:01.110] – Bemerkung 5

    Ich habe ein paar Mal bei meinem Sohn die Diagnose bekommen zwischen ADHS und
    ADS. Was ich selber gesehen habe, ist manchmal ADS und manchmal ADHS.

    [00:58:22.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Früher hat man nur immer ADHS gesagt und dann ADHS ohne Hyperkinese.

    [00:58:28.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann fällt das H raus.

    [00:58:30.360] – Dr.med. Ursula Davatz

    Heute sagt man ADHS und ADS.

    [00:58:33.300] – Dr.med. Ursula Davatz

    Viele Erwachsene sagen, als Kind war ich ADHS und ich habe gewechselt zu ADS oder
    umgekehrt.

    [00:58:43.170] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich weiß nicht, ob die genetische Situation die gleiche ist bei beiden und ob sich das
    über die Interaktion mit dem Umfeld herausdividiert.

    [00:58:55.130] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der Aargau zusammen mit der Genetischen Fakultät in Basel machen eine Studie.

    [00:59:04.885] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/07/ADHS_Forschung_Gene_Umfeld.pdf

    [00:59:05.110] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da nehmen wir die Gene entweder über Blutprobe oder Speichelprobe.

    [00:59:13.650] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir stellen auch die Diagnose ADHS oder ADS.

    [00:59:17.690] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann versuchen wir zu schauen, wie korreliert die genetische Konstellation dann mit
    dem Verhalten.

    [00:59:29.810] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe natürlich noch einen Fragebogen dazu getan, was läuft mit dem Umfeld?

    [00:59:35.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wie interagiert oder wie hat das Umfeld interagiert mit dieser Person?

    [00:59:41.020] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Studie läuft über die PDAG Rheinfelden.

    [00:59:49.010] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dort werden die genetischen Proben genommen und dann in Basel untersucht.

    [00:59:55.420] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich weiß es selber nicht, wie das ineinander, ob die genetisch sehr unterschiedlich sind
    oder ob die eigentlich gleich sind und die dividieren sich nur aus über die Interaktion mit
    dem Umfeld.

    [01:00:10.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Eine gewisse Ausdividierung über die Interaktion mit dem Umfeld passiert ganz sicher.

    [01:00:16.410] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man sagt ja auch extrovertiert und introvertiert.

    [01:00:26.460] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der extrovertierte Typ ist eher der ADHS-Typ und der introvertierte eher der ADS-Typ,
    aber auch das kann etwas ändern.

    [01:00:39.690] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich kann es nicht festlegen, aber es erstaunt mich nicht, und viele sagen auch, ich war
    da eher so, also eher ADS oder ADHS, und jetzt bin ich auf einmal so.

    [01:00:52.420] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die ADSler, die immer introvertiert sind, wenn die zu sehr gedrückt werden, dann
    können die auch auf einmal platzen.

    [01:01:02.490] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das wäre dann die manische Phase der bipolaren Störung.

    [01:01:13.020] – Bemerkung 6

    Vielen Dank zuerst an Frau Dr. med. Ursula Davatz für ihren interessanten Vortrag und
    das Frage-Antwort-Stehen.

    [01:01:23.830] – Bemerkung 6

    Vielen Dank dem Team vom Zwinglihaus für unsere Gastveranstaltung hier in
    Grenchen.

    [01:01:27.365] – Bemerkung 6

    Vielen Dank auch der Solodaris Stiftung, welche auch den Apéro bezahlt.

    [01:01:27.405] – Bemerkung 6

    https://solodaris.ch/

    Der Beitrag Psychische Krankheiten erschien zuerst auf AD(H)D and Schizophrenia.

    1 hr 3 min
  • Erziehungsschäden – Teil 4

    https://adhs.expert/wp-content/uploads/2026/04/Lika_Erziehungsschaeden_21.3.2026_4.m4a

    https://adhs.expert/wp-content/uploads/2026/04/Lika_Erziehungsschaeden_21_3_2026_Teil_4.pdf

    Transkript

    Dr.med. Ursula Davatz

    Erziehungsschäden – Teil 4

    21.3.2026
    Audio

    [00:00:00.080] – Bemerkung 1

    Wenn etwas vorfällt ist immer nur ein Kind schuld. Es sind vier Kinder.

    [00:00:06.880] – Bemerkung 1

    Das ist für mich schwierig. Ich kann das nicht nachvollziehen.

    [00:00:07.760] – Bemerkung 1

    Ich habe in meiner Ausbildung gelernt, dass jedes Verhalten Sinn macht.

    [00:00:07.840] – Bemerkung 1

    Das Kind hatte einen Meltdown und hat eine Beule in die Motorhaube geschlagen.

    [00:00:14.120] – Bemerkung 1

    Der Vater hat dem Sohn einen Brief geschrieben, dass er sein Moped abgeben muss.
    Der Sohn hat darauf monatelang gespart.

    [00:00:38.010] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das geht gar nicht. Das bringt auch gar nichts.

    [00:00:40.370] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da würde ich sagen: nicht mehr reden, sondern Fragen stellen.

    [00:00:44.530] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir Frauen haben Mühe mit autoritären Vätern, die alles wissen wollen und sich
    durchsetzen wollen.

    [00:00:44.770] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man Mühe hat, muss man immer zwei Schritte zurück gehen und dann den Vater
    kennenlernen wollen.

    [00:00:44.770] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man kann fragen: was hat Dein Vater für Werte repräsentiert?

    [00:00:44.900] – Bemerkung 2

    Ich hatte auch schon mit dem Vater alleine ein Gespräch. Er hat mir erzählt wie
    erfolgreich er ist. Es wäre um seinen Sohn gegangen. Er setzt die Latte sehr hoch. Der
    Vater definiert sich sehr auf Leistung.

    [00:01:27.930] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn der Vater eine Stunde lang erzählt, würde ich das nicht zulassen. Sie haben es ja
    schon gehört.

    [00:01:28.250] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie sagen: ich sehe, sie haben sehr viel geleistet. Sie legen sehr viel Wert auf Leistung.
    Zurückschauen, auf was sein Vater wert gelegt hat. Hat er seinem Vater genügt mit
    seiner Leistung? Wenn er nicht genügt hat, haben wir schon ein Problem.

    [00:01:34.850] – Bemerkung 3

    So ist es wahrscheinlich.

    [00:01:40.730] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss das alles hervor holen. Wenn man sieht, dass er nicht genügt hat, kommt die
    nächste Frage: war das schlimm für sie? Versuchen sie immer noch?

    [00:01:40.900] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich sehe sie haben sehr viel geleistet und ich sehe sie legen sehr viel Wert auf
    Leistung.

    [00:01:47.370] – Dr.med. Ursula Davatz

    Probieren sie immer noch ihrem Vater zu genügen.

    [00:02:18.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das will man ja, alle Kinder wollen ihren Eltern genügen.

    [00:02:18.960] – Dr.med. Ursula Davatz

    Lebt sein Vater noch? Dann kann er seinen Vater mal fragen, ob er zufrieden ist, mit
    dem was er gemacht hat.

    [00:02:18.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann kann er selber sagen: ich bin zufrieden mit dem was ich erreicht habe, aber ich
    habe Mühe mit dem, wie mein Sohn ist.

    [00:02:19.070] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann kann er seinen Vater um Rat fragen gehen.

    [00:02:33.570] – Dr.med. Ursula Davatz

    Grosseltern sind oft milder mit den Enkelkindern, als Eltern mit den Kindern. Man kann
    eine Brücke schlagen.

    [00:02:33.812] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man distanziert sich von seinem direkten Verhalten und führt ihn zurück.

    [00:03:12.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es kommt immer wieder die Wertschätzung: ich weiss sie wollen nur das Beste.

    [00:03:13.500] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bei so einem Kind, wenn man das macht, gibt es das Krankheitsbild PDA.

    [00:03:30.760] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man kann diese Kinder tot schlagen und sie folgen immer noch nicht. Folglich muss
    man eine andere Methode verwenden.

    [00:03:31.720] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss das alles so herleiten und dann schauen: kann er das nachvollziehen?

    [00:03:32.210] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da kommt Jean Piaget mit der Dezentrierung.

    [00:03:48.766] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Piaget

    [00:03:49.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er muss weg gehen von seinem Erziehungskonzept hin zu seinem autistischen
    Behandlungskonzept.

    [00:03:49.390] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn es ganz schwierig wird, persönlich wird, einfach generalisieren, nicht persönlich
    sagen.

    [00:03:49.650] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja ich sehe, das bringt viele Kinder weit, aber bei so einem Kind, das schlägt den Kopf
    gegen die Wand, das kommt ganz schlecht.

    [00:03:54.354] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann wieder fragen: können sie das nachvollziehen?

    [00:04:04.500] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es gibt die Geschichte von Königsfelden, wo ein Jugendlicher in der Psychiatrie nicht
    ernst genommen wurde, die Nachtwache hat ihn nicht ernst genommen, nur die
    Krankenschwester hat ihn ernst genommen. Er hat den Kopf gegen die Wand
    geschlagen und ist schlussendlich gestorben.

    [00:04:04.980] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://www.beobachter.ch/gesetze-recht/ein-gutachten-wertet-isolation-in-konigsfelden-als-menschenrechtsverletzung-901682

    [00:04:30.090] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dem Vater kann man diese Beispiele aufzeigen und sagen: das wollen wir verhindern.
    Das wollen sie als Vater von dem Kind sicher auch verhindern.

    [00:05:23.740] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nicht direkt emotional reagieren auf diesen Macho Vater, auf diesen autoritären Vater,
    sondern das Ganze theoretisch ein bisschen hinterfragen.

    [00:05:23.784] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bei einem ADHS/ADS Kind gelten andere Regeln.

    [00:05:23.820] – Bemerkung 4

    Die Mutter hat sehr viel Verständnis. Ich hatte auch mit den drei Geschwistern ein
    Coaching. Die sind alle im Bild. Wir haben auch die Stärken vom Bruder angeschaut. Er
    wird schnell emotional.

    [00:05:24.016] – Bemerkung 4

    Der Vater ist die Knacknuss.

    [00:05:50.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Geschichte der Affen geht so: die Affen haben neue Futterquellen bekommen. Das
    Weibchen hat herausgefunden, wenn man das Gemisch ins Wasser schmeisst, sinken
    die Steine, die Getreidekörner schwimmen oben auf, man kann sie abschöpfen und
    Essen. Die dreckigen Süsskartoffeln wurden im Wasser gewaschen und gegessen.

    [00:06:10.750] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Mütter haben es schnell gelernt, die Kinder haben es schnell gelernt, der dominante
    Affe hat es nie gelernt.

    [00:06:52.570] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der dominante Affe ist sehr beschäftigt mit der Hierarchie Aufrechterhaltung, dass er

    nicht dazu kommt.

    [00:07:07.450] – Dr.med. Ursula Davatz

    Heutzutage haben wir das Schulsystem, das politisches System und so weiter. Wir
    halten unsere Struktur schon aufrecht. Da braucht es Väter, die auch noch lernen
    können.

    [00:07:25.300] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie müssen zurückstehen, generalisieren, ihn hinterfragen was sein Vaterideal ist, was
    will er für erwachsene Männer aus seinen Söhnen machen?

    [00:07:35.080] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nicht in die Handlung gehen.

    [00:08:10.430] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man will das Kind schützen und schon ist es verloren.

    [00:08:11.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    Macht das Sinn?

    [00:08:11.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie sprechen theoretisch über das Patriarchat.

    [00:08:11.812] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir sehen in der Politik, wie die Patriarchen sich auf höchster politischer Ebene die
    Köpfe einschlagen. Das kann es nicht sein, das wollen wir nicht.

    [00:08:11.909] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir Frauen haben hier den Auftrag, etwas anderes reinzubringen.

    [00:08:11.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    Zuerst muss man den patriarchalen Hintergrund gut wertschätzen. Erst dann kann man

    verändern.

    [00:08:16.948] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist das Joining und dann verändern. Auf das Trittbrett springen, mitfahren, dann ein
    wenig verändern.

    [00:08:17.290] – Bemerkung 5

    Ich habe sein Ego gestreichelt.

    [00:08:23.730] – Dr.med. Ursula Davatz

    Gut gemeint ist noch nicht gut.

    [00:08:43.730] – Dr.med. Ursula Davatz

    Über diese Generalisierung wieder langsam zu diesem Punkt kommen.

    [00:09:09.880] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ein Psychiater in Basel hat mit so Systeme gearbeitet.

    [00:09:12.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er hat immer nach dem Clinch, den kleinsten gemeinsamen Nenner gesucht. Als Türke
    konnte er das.

    [00:09:12.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    Als Frau können sie sagen; ist das für sie schwierig wenn ich jetzt hier solche Dinge
    sage, wäre es für sie einfacher, wenn ich ein Mann wäre? Soll ich mich jetzt als Mann
    schminken? Einen Witz machen. Soll ich transsexuell werden, damit sie es anhhören
    können.

    [00:09:19.480] – Dr.med. Ursula Davatz

    Als Fachfrau…

    [00:09:50.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Patriarchen sind schwierig für uns Frauen.

    [00:09:51.390] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ein Mann und eine Frau habe ich zu spät reingelassen. Der Mann war sauer.

    [00:10:10.690] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe gefragt: sind sie sauer auf mich, dass sie so lange warten mussten? Ich habe
    es gleich angesprochen und gesagt: ich habe es nicht immer im Griff.

    [00:10:22.930] – Dr.med. Ursula Davatz

    Weil ich es gleich angesprochen habe, ist er geblieben und ich konnte mit ihnen
    arbeiten.

    [00:10:29.950] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sein Frau konnte als Grossmutter für den Enkel verwendet werden. Der Enkel ist aus
    der Schule abgehauen. Das hat geholfen, dass wir den Enkel persönlichkeitsgerecht
    abholen konnten.

    [00:10:30.082] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der Enkel wurde von der Schule in die Klinik eingewiesen, ohne dass man die Eltern
    gefragt hat.

    [00:10:30.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Großmutter ist wieder gekommen und wollte Hilfe. Der Fall steht auch in meinem
    Buch.

    [00:10:45.430] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich konnte zu diesem System eine Beziehung herstellen.

    [00:10:45.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der Teenager hatte blaue Haare, hat sich gegen die Regeln aufgelehnt, hat dann eine

    Stelle gefunden und hat sich gut entwickelt.

    [00:11:27.970] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir müssen dem Patriarchat entgegenkommen und dann dennoch uns durchsetzen mit
    unserer Strategie.

    [00:11:52.210] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der gemeinsame Nenner ist: wir wollen nur das Beste für das Kind.

    [00:11:53.650] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er will das Beste, sie wollen das Beste. Sie sind Spezialistin.

    [00:12:10.242] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man muss die Abwehr ein wenig rausholen.

    [00:12:10.530] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sobald die Abwehr besprochen wird, kann sie nicht mehr so gut praktiziert werden.

    [00:12:23.820] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie müssen ihn wieder sehen und fragen: wie geht es? Wie läuft es?

    [00:12:23.980] – Bemerkung 6

    Den Knaben sehe ich regelmässig.

    [00:12:31.100] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ab und zu den Vater treffen und schauen was er findet. Wenn er merkt, dass es positiv
    vorwärts läuft, dann haben sie ihn.

    [00:13:03.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Umgang mit Patriarchen.

    [00:13:03.470] – Bemerkung 7

    Ich arbeite in der beruflichen Eingliederung als Berufsberaterin.

    [00:13:12.730] – Bemerkung 7

    Ich finde es ganz schwierig mit so jungen Frauen, die aus einer kleinen oder
    mittelgroßen Familie kommen wohl situiert.

    [00:13:26.010] – Bemerkung 7

    Mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung und so unglaublich fordernd.

    [00:13:34.350] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ja die sind sehr fordernd.

    [00:13:34.750] – Bemerkung 7

    Was man ihnen jetzt zu bieten habe.

    [00:13:35.470] – Bemerkung 7

    Sie konnte mit der Integrationsmaßnahme nicht starten, und hat am Schluss behauptet,
    ich hätte es verzögert. Ich hätte es gar nicht weiterlaufen lassen dürfen. Ich habe ein
    ganzes Jahr auf sie gewartet immer wieder Kontakt gehabt und immer wieder
    nachgefragt ob sie jetzt bereit, zu ihren Gunsten.

    [00:14:20.760] – Bemerkung 7

    Am Schluss hat sie behauptet ich hätte es verzögert und sie hätte schon lange
    beginnen wollen, sie brauche jetzt Geld.

    [00:14:32.890] – Bemerkung 7

    Dann ist Pro Infirmis auf mich zugekommen und die junge neue Psychotherapeutin aus
    dem EPD. Alle wollten mir sagen, was das schief läuft. Dann habe ich dann mal gesagt:
    ich gebe gern das Protokoll raus.

    [00:14:58.350] – Bemerkung 7

    Es ist eigentlich nicht falsch gegangen.

    [00:15:01.790] – Bemerkung 7

    Damit habe ich Mühe. Es ist ja immer wieder eine andere Nuance.

    [00:15:09.950] – Dr.med. Ursula Davatz

    Borderline Patientinnen Patientinnen die sind häufig.

    [00:15:18.500] – Dr.med. Ursula Davatz

    Borderline Patientinnen sind in der Regel aus meiner Sicht ADHS Patientinnen die eher
    zu streng erzogen worden sind und wo die Mutter wahrscheinlich alles für sie gemacht
    hat oder auch kritisiert hat.

    [00:15:33.820] – Dr.med. Ursula Davatz

    Daher würde fragen: wie sind sie aufgewachsen, mussten sie Arbeiten übernehmen?
    Wenn sie die Arbeiten gemacht haben, wurde sie wertgeschätzt?

    [00:15:38.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    Immer wieder zurück gehen in die Geschichte.

    [00:15:38.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man kann sagen: das gehört nicht zur beruflichen Eingliederung.

    [00:16:04.980] – Bemerkung 7

    Es stellt sich immer die Frage: können die was umsetzen?

    [00:16:05.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Durfte sie als Kind Verantwortung übernehmen, auch in der Pubertät oder hat man ihr
    die Verantwortung immer weg genommen, weil die Mutter alles gemacht hat.

    [00:16:18.130] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn sie gar nicht Verantwortung übernehmen durfte, hat sie es nie gelernt.

    [00:16:20.262] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist heute häufig so.

    [00:16:20.370] – Dr.med. Ursula Davatz

    Eine Mutter hat heute wenig Kinder, investiert alles machen alles für die Kinder.

    [00:16:31.010] – Dr.med. Ursula Davatz

    Temperamentvolle Mädchen dürfen sich gar nicht entwickeln.

    [00:16:35.250] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich würde auch wieder in die Geschichte zurückgehen und schauen: durfte sie
    Verantwortung übernehmen?

    [00:16:40.910] – Bemerkung 8

    Was ist wenn sie nicht Verantwortung übernehmen durfte?

    [00:16:44.390] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann müssen wir es jetzt noch lernen.

    [00:16:49.070] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann könnte sie sagen: aha ja verstehe ich, eigentlich wollten wir zusammen schauen,
    beruflich integrieren.

    [00:16:58.430] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie haben dann gesagt ich habe sie verhindert.

    [00:17:02.040] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der Ausdruck dafür ist: die tun externalisieren.

    [00:17:08.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die tun externalisieren weil sie es gar nie durften.

    [00:17:09.720] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann wäre die Haltung: wir müssen jetzt lernen miteinander Verantwortung zu teilen.

    [00:17:19.240] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann kommt die Frage: wenn etwas nicht geht dann ist immer eben etwas nicht in
    Ordnung oder nicht so weit oder man weiss noch nicht das Rechte.

    [00:17:26.960] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir müssen herausfinden: was will sie eigentlich.

    [00:17:37.470] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was ihr Beruf?

    [00:17:38.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann kann man zurückgehen was hat die Mutter für einen Beruf gehabt was der Vater?

    [00:17:41.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    Waren die erfüllt in ihrem Beruf oder haben die ihre Berufserwartungen an ihr Kind
    weiter gegeben?

    [00:17:54.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Generalisieren, ausweiten nicht so nur zwischen ihnen und ihr, dass es so persönlich
    wird.

    [00:18:00.030] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wirklich woher kommt das?

    [00:18:03.350] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da kann man natürlich auch schauen, was hat sie gern gehabt in der Schule? Hatte sie
    Träume?

    [00:18:09.110] – Dr.med. Ursula Davatz

    Hat sie mal irgendetwas gelernt?

    [00:18:11.110] – Bemerkung 8

    Nein sie hat mal ein Praktikum in einer Kita gemacht.

    [00:18:14.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wie alt ist sie?

    [00:18:29.690] – Bemerkung 8

    20 Jahre alt.

    [00:18:29.970] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die ist noch am Anfang die ist noch jung.

    [00:18:32.250] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die meisten Dekompensationen passieren auch bei der Berufsfindung.

    [00:18:38.090] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn Kinder immer bestimmt worden sind von ihren Eltern, können sie auch keinen
    Beruf finden.

    [00:18:41.690] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich habe viele Geschichten, wo sie etwas beginnen, das die Eltern wollen.

    [00:18:48.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann verweigern sie, fallen raus machen nichts.

    [00:18:49.000] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da muss man zuerst aufdecken, was ist da verschüttet und was will sie eigentlich?

    [00:19:01.610] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie projiziert ihre eigene Verhinderung auf sie.

    [00:19:09.370] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie müssen nicht psychologisch mit ihr sprechen, sondern direkt die Frage stellen: was
    war ihr Traum?

    [00:19:15.210] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was hat sie in der Schule für Träume gehabt?

    [00:19:17.730] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es kann etwas sein, wo sie denkt, dass sie es nicht kann.

    [00:19:21.490] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann kann man schauen: wie kann man trotzdem den Weg gehen?

    [00:19:32.410] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wie kann man sich langsam dem annähern.

    [00:19:32.810] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die projiziert ihre innere Blockade auf sie.

    [00:19:42.410] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die machen lieber nichts als etwas falsches was bei den Eltern nicht gut genug ist.

    [00:19:52.880] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist häufig so.

    [00:19:53.200] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie verweigert alles.

    [00:19:53.370] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn man etwas macht, das man selber möchte, und die Eltern sind nicht zufrieden
    damit, bekommt man die Anerkennung nicht.

    [00:20:05.280] – Dr.med. Ursula Davatz

    Krank werden und nichts machen ist einfacher als etwas machen und Kritik von den
    Elteren bekommen.

    [00:20:14.380] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sobald man krank ist kann man nichts dafür.

    [00:20:24.540] – Bemerkung 9

    Die Verantwortungsübernahme fehlt mir ja.

    [00:20:24.780] – Dr.med. Ursula Davatz

    Darum würde ich fragen: durfte sie Ämter übernehmen?

    [00:20:26.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    War die Mutter zurfrieden damit, wie sie es gemacht hat?

    [00:20:26.420] – Dr.med. Ursula Davatz

    Oder durfte sie gar keine Ämter übernehmen?

    [00:20:32.540] – Dr.med. Ursula Davatz

    Meistens hatten sie eine zu enge Begleitung und sie waren zu über-bemuttert.

    [00:20:36.620] – Dr.med. Ursula Davatz

    Borderliner sind professionell Pubertierende.

    [00:20:51.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die können mit ihnen argumentieren, sie runterholen, alles intelligente, ganz gescheit

    reden, aber Verantwortung übernehmen können sie nicht.

    [00:20:58.240] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Psychotiker, die Schizophrenen, das sind maligne Pubertieren.

    [00:21:08.640] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das geht in einen schlimmeren Krankheitswert rein.

    [00:21:09.040] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die bleiben dann in der Psychose hängen.

    [00:21:14.910] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist immer die Pubertät.

    [00:21:17.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die sind nicht durch die Pubertät durch.

    [00:21:20.030] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dass sie Sie kritisiert, ist eigentlich ein pubertäres Verhalten.

    [00:21:23.870] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Mutter trägt die Schuld, wenn ich an den Händen friere.

    [00:21:25.550] – Dr.med. Ursula Davatz

    Weil ich die Handschuhe vergessen habe.

    [00:21:28.590] – Dr.med. Ursula Davatz

    Teenager, die wollen überall mitreden, alles oppositionieren aber keine Verantwortung
    tragen.

    [00:21:40.160] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die durfte keine Verantwortung tragen.

    [00:21:41.160] – Dr.med. Ursula Davatz

    Und der Vater? Hat er seine Tochter Verantwortung übernehmen lassen?

    [00:21:51.240] – Dr.med. Ursula Davatz

    Hat er sie machen lassen? Hat er ihr Dinge gezeigt?

    [00:21:51.410] – Dr.med. Ursula Davatz

    Blickwinkel ausweiten, verallgemeinern sich raus nehmen aus der Sache.

    [00:22:08.410] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da sind sie die Mutter die kritisiert wird.

    [00:22:12.330] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es ist einfacher sie zu kritisieren als die eigene Mutter.

    [00:22:15.810] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist immer so.

    [00:22:16.060] – Dr.med. Ursula Davatz

    Macht das Sinn?

    [00:22:16.310] – Dr.med. Ursula Davatz

    Üben Sie! Versuche Sie!

    [00:22:16.560] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bei den Borderlinern frage ich immer nach der Beziehung zur Mutter.

    [00:22:27.500] – Dr.med. Ursula Davatz

    Oft haben die eine stumme, laute Abwehr gegen die Mutter.

    [00:22:27.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Mutter hat sie oft nicht machen lassen.

    [00:22:46.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Schizophrenen, die haben oft gar nicht pubertiert.

    [00:22:49.260] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Pubertieren dann erst mit ihrer Psychose.

    [00:22:54.430] – Dr.med. Ursula Davatz

    Borderliner pubertieren oft, aber werden runter gedrückt.

    [00:22:56.830] – Bemerkung 10

    Ich arbeite gerade an jemandem, die eine Psychose hatte. Eine wahnsinns dominate
    Mutter.

    [00:22:57.040] – Dr.med. Ursula Davatz

    Viele Eltern sagen: der Psychotiker hat nie pubertiert.

    [00:23:27.950] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der hat sich gar nie getraut.

    [00:23:27.950] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die pubertieren dann erst, die rebellieren erst wenn sie psychotisch sind.

    [00:23:39.350] – Bemerkung 11

    Spannend.

    [00:23:44.790] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das habe ich in meinem ersten Buch ADHS und Psychose angeschaut.

    [00:23:46.700] – Dr.med. Ursula Davatz

    https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhs-und-schizophrenie/

    [00:23:46.790] – Bemerkung 12

    Das heisst bei den Boderlinern gab es keinen Ablösungsprozess, der war zu wenig
    genau, konnte nicht stattfinden.

    [00:23:46.900] – Dr.med. Ursula Davatz

    Der hat noch nicht stattgefunden.

    [00:24:24.360] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die ganze Pubertät läuft dann mit allen Versorgungssystemen ab.

    [00:24:29.720] – Dr.med. Ursula Davatz

    So sage ich dann den Fachleuten: Borderliner darf man nie erziehen.

    [00:24:34.600] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die männlichen Bezugspersonen wollen dann häufig erziehen.

    [00:24:39.040] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das geht überhaupt nicht.

    [00:24:40.410] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man kann sich nur mit ihnen auseinandersetzen.

    [00:24:43.130] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man kann eine klare Haltung haben.

    [00:24:45.930] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man darf sie nicht erziehen.

    [00:24:48.570] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die fordern einem häufig heraus zu einer starken Auseinandersetzung und das muss
    man aushalten.

    [00:25:06.180] – Bemerkung 13

    Wir hatte eine Borderline Frau auf der Bühne.

    [00:25:06.420] – Bemerkung 13

    Der Professor wollte sie immer belehren.

    [00:25:09.140] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das geht gar nicht.

    [00:25:11.420] – Bemerkung 13

    Sie kam nach einem Monat wieder und hat gesagt: der Professor muss noch mehr
    lernen an mir.

    [00:25:11.660] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie hat Recht!

    [00:25:11.730] – Bemerkung 13

    Sie hat das angesprochen.

    [00:25:26.700] – Bemerkung 13

    Sie ist immer extremer geworden.

    [00:25:28.340] – Dr.med. Ursula Davatz

    Nur bringt sie das nicht weiter.

    [00:25:35.720] – Dr.med. Ursula Davatz

    Er lernt dann vielleicht etwas aber sie kann keine Verantwortung übernehmen.

    [00:25:41.440] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ein sehr schönes Beispiel.

    [00:25:44.680] – Dr.med. Ursula Davatz

    Andere Situationen, die sie schlecht aushalten.

    [00:25:50.920] – Bemerkung 14

    Jungen Männer, mit diagnostiziertem ADHS/ADS oder ein vermutetes, schlechte
    Schulkarriere, vielleicht ein Lehrabbruch und kommen dann wieder auf irgendeinem
    Weg.

    [00:26:04.240] – Bemerkung 14

    Sie sind aber nicht wirklich anwesend. Sie haben viele Absenzen.

    [00:26:14.480] – Bemerkung 14

    Irgendwie kann man sie nicht wirklich fassen.

    [00:26:20.960] – Dr.med. Ursula Davatz

    ADHSler sind oft unzuverlässig.

    [00:26:27.040] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie kommen zu spät oder sie kommen gar nicht.

    [00:26:27.520] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie sind nicht abgemeldet und so weiter.

    [00:26:31.050] – Bemerkung 14

    Sie müssen zumindest da sein, dass man etwas mit ihnen machen kann.

    [00:26:31.210] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich würde in das Provokative gehen.

    [00:26:43.050] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich sehe, sie verpassen viele Stunden.

    [00:26:45.930] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bin ich zu langwierig für sie?

    [00:26:52.010] – Dr.med. Ursula Davatz

    Haben sie das Gefühl, ich bringe ihnen nicht das, was sie wollen?

    [00:26:52.330] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann natürlich: was wollen sie, was brauchen Sie?

    [00:26:57.610] – Bemerkung 14

    Die einen können dann sagen: ja sie sind zu langweilig.

    [00:26:59.690] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ok, dann fragt man: was müsste ich für einen Zirkus veranstalten, dass sie kommen?

    [00:27:08.570] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was muss ich ihnen bieten, damit sie kommen?

    [00:27:09.490] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wie kann ich sie locken?

    [00:27:09.490] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist schon Teasing.

    [00:27:17.850] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was sind ihre Traumvorstellungen?

    [00:27:28.120] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was wäre ihr Traumberuf gewesen?

    [00:27:30.800] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was hätten sie eigentlich gewollt?

    [00:27:33.040] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wenn sie einen Zauberstab hätten, was würden sie erreichen wollen in ihrer Karriere?

    [00:27:35.840] – Dr.med. Ursula Davatz

    In die Karrierelust reinschauen und schauen, ob dort etwas kommt?

    [00:27:36.240] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das ist eigentlich nach ihrem Fokus finden.

    [00:27:53.190] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dann kann es sein, dass sie sagen: das geht ohnehin nicht.

    [00:27:55.750] – Dr.med. Ursula Davatz

    Doch ich will das wissen.

    [00:27:59.668] – Dr.med. Ursula Davatz

    Hartnäckig danach fragen.

    [00:27:59.830] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was würde sie interessieren?

    [00:28:06.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie dürfen alles sagen.

    [00:28:08.350] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie dürfen alles sagen: Astronaut werden oder König.

    [00:28:17.560] – Dr.med. Ursula Davatz

    Da hilft man ihnen, ihren Fokus zu finden.

    [00:28:27.720] – Bemerkung 13

    Da kommt das zweite Problem, wenn sie zu hoch einsteigen und nicht umsetzen
    können.

    [00:28:28.560] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das macht gar nichts.

    [00:28:28.920] – Dr.med. Ursula Davatz

    Wir können auch in der Phantasie bleiben.

    [00:28:49.180] – Dr.med. Ursula Davatz

    Zu hoch einsteigen. Was gefällt dir daran, was will er dort bewirken?

    [00:28:54.380] – Dr.med. Ursula Davatz

    Das mache ich auch mit älteren Leuten.

    [00:28:58.076] – Dr.med. Ursula Davatz

    Was könnte man jetzt noch erreichen, auf einem tieferen Niveau.

    [00:28:58.220] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie dürfen ihre Phantasien sagen.

    [00:28:58.246] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man darf ja nicht sagen: das geht nicht.

    [00:28:58.390] – Dr.med. Ursula Davatz

    Die Eigernordwand erklimmt man nicht mit einem Sprung. Es braucht Griff um Griff,
    Schritt für Schritt. Fangen wir mal hier an.

    [00:29:19.990] – Dr.med. Ursula Davatz

    Es muss nicht realistisch sein.

    [00:29:30.666] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie müssen selber rausfinden, dass es nicht geht.

    [00:29:30.958] – Dr.med. Ursula Davatz

    Sie müssen etwas probiert haben und daran scheitern können. Das gibt eher eine
    Einsicht, als wenn man sagt, das geht nicht.

    [00:30:01.240] – Bemerkung 13

    Sie müssen es erleben.

    [00:30:04.690] – Bemerkung 15

    Männer haben kein Borderline?

    [00:30:05.050] – Dr.med. Ursula Davatz

    Früher hat man den Frauen gesagt: Hysterikerinnen. Heute sagt man Borderline.

    [00:30:05.050] – Dr.med. Ursula Davatz

    Bei den Männern ist es eher die narzisstische Persönlichkeitsstörung, die bei allem
    beleidigt ist.

    [00:30:26.770] – Bemerkung 15

    Ich erlebe oft auch die Fehldiagnose, dass die Frau zuerst Borderline ist und dann
    kommt der Autismus.

    [00:30:40.050] – Dr.med. Ursula Davatz

    Dahinter ist immer ADHS/ADS, Autismus.

    [00:30:40.380] – Dr.med. Ursula Davatz

    Man hat sich noch nicht gefunden.

    [00:30:40.820] – Dr.med. Ursula Davatz

    Ich hoffe sie konnten was mitnehmen und sie können weiter an diesen Themen
    arbeiten.

    [00:30:42.020] – Dr.med. Ursula Davatz

    Danke!

    Der Beitrag Erziehungsschäden – Teil 4 erschien zuerst auf AD(H)D and Schizophrenia.

    33 min
  • Erziehungsschäden Teil 3

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    Dr.med. Ursula Davatz

    Erziehungsschäden – Teil 3
    21.3.2026
    Audio

    [25:00] Dr.med. Ursula Davatz: Machen wir nochmal weiter. Ich habe gedacht, ich

    bringe Ihnen ein paar Erfahrungen, also Beispiele aus meiner eigenen Erfahrung,
    und sage ein bisschen so, wie ich es versuche zu machen.

    Ich habe ja vorhin gesagt, einen Erziehungsschaden kann man in diesem Sinne nie

    auslöschen, aber man kann ihn verarbeiten.

    Verarbeiten heisst, das nochmal anschauen.

    Ich als Therapeutin nehme ja, das haben Sie gesehen, immer das Drei-

    Generationen-Schema auf und schaue dann so ein bisschen nach Mustern und was
    hat nicht zusammengepasst.

    [650:00] Dr.med. Ursula Davatz: Was vom Erziehungsstil hat nicht zum Kind

    gepasst?

    Wenn ich das Kind dann in Therapie habe, versuche ich das ein bisschen

    herauszuholen und dann natürlich lasse ich mir das erzählen.

    Es ist nicht so, dass die Leute einem das gerade im ersten Moment erzählen.

    Manchmal ist das tief vergraben, das sind ja alles Prägungen.

    Ich habe einen Patienten gehabt, der ist mir, ich weiss gar nicht mehr, wie der mir

    zugewiesen worden ist, von einem Hausarzt oder so.

    [1202:00] Dr.med. Ursula Davatz: Der ist zu allen Netzen herausgefallen, hatte so

    einen IV-Antrag gehabt und hat in einer Wohnsituation gewohnt, alleine.

    Wenn man dem seine Geschichte angeschaut hat, aber die ist erst mit der Zeit

    herausgekommen, er war ein uneheliches Kind von seiner Mutter, eine Schande
    natürlich, für die Mutter.

    Die Grossmutter hatte dann eine Rolle, er ist sofort als Kind den Grosseltern

    gegeben worden, aber die haben nicht mehr recht mögen.

    [1746:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die habe es so schlecht und recht das gemacht.

    In der ersten Schulstunde wurde er gerade kritisiert worden.

    ADHSler spielen oft den Clown, also wenn es ein bisschen langweilig ist, dann

    spielen sie Unterhalter.

    Teile machen dann das auch zu einer Profession, bei dem hat es nicht geklappt.

    So ist er dann durch das Schulsystem durch, er ist nie gerne in die Schule
    gegangen.

    Er hatte ganz viele körperliche Krankheiten dann noch gehabt, hatte Unfälle gehabt

    und Zeugs und Sachen.

    [2322:00] Dr.med. Ursula Davatz: Jetzt hat er eine Freundin, die auch ADHS/ADS

    ist.

    Jetzt kann man langsam so ein bisschen anschauen, was dort eigentlich war, und es

    wird langsam repariert.

    Der hat IV-Rente und der kommt natürlich nie mehr ins Berufsleben.

    Von dort her, es ist eine Art Verarbeitung, aber manchmal reicht auch nur einfach

    eine Begleitung.

    Je länger ich in meinem Beruf bin, umso mehr sehe ich mich als Begleiter, nicht als

    Therapeut.

    [2852:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das heisst als Entwicklungsbegleiter.

    Ich versuche denen noch eine Entwicklung zu kommen zu lassen.

    Es hat viele Frauen darunter, Frauen, die ADHS haben und zu rigid erzogen werden,

    die bekommen dann meistens die Diagnose Borderline Persönlichkeitsstörung.

    Die durften nie recht rebellieren.

    Respektive, das Rebellieren wurde immer unterdrückt und sie wurden dann

    gestempelt worden als unfolgsame Töchter, Töchter, die nichts wert sind usw.

    [3403:00] Dr.med. Ursula Davatz: Mit denen, da bin ich dann Bezugsperson und da

    passiert natürlich dann auch eine Abwertung mir gegenüber und das muss ich
    aushalten.

    Ich muss mich mit ihnen auseinandersetzen.

    Indem ich mich mit ihnen auseinandersetze, ohne dass ich verrückt werde, wenn sie

    mich abwerten oder immer wieder das Gleiche erzählen oder jammern und
    schimpfen über irgendwelche Situationen, gibt es mit der Zeit eine gewisse
    Beruhigung.

    [3945:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich hatte eine gehabt, die war sicher ein ADHS,

    das dritte Kind, hochsensibel, und die hat immer Krach mit allen Behörden
    bekommen, viele.

    Ich habe ihr geholfen, durch die Matura zukommen, sie hat angefangen zu Studieren

    und hat dann alle möglichen Sachen angefangen.

    Die hat sich dann auch erkannt im PDA.

    Das stimmt, die war sehr intelligent und hat bei allem, was man gebraucht hat, hat

    sie analysiert, auseinandergenommen, als nicht brauchbar.

    [4689:00] Dr.med. Ursula Davatz: Sie war lange am Rand von Suizid machen, hat

    oft nichts mehr gesehen.

    Ich habe auch nicht recht gewusst, was.

    Einmal hat sie mich so entwertet, dass ich so auf eine Art hilflos war und am Telefon

    hat sie irgendwie gefragt, was ist jetzt los, habe ich sie gekränkt.

    Ich habe gesagt, nein, traurig.

    Es sind mir wirklich an die Tränen gekommen.

    Jetzt hat es irgendwie eine Veränderung.

    Jetzt fängt sie an, wieder ins Leben hineinzukommen.

    Man kann das nämlich nicht voraussagen.

    [5243:00] Dr.med. Ursula Davatz: Man kann das nicht bestimmen.

    Man muss sehr viel aushalten und halt einfach, was will ich sagen, Beziehung

    pflegen.

    Ich habe die Beziehungen nie abgebrochen, ich habe es nie in dem Sinne persönlich

    genommen, aber ja, ich war manchmal auch ein bisschen verzweifelt, ich dachte,
    was mache ich jetzt hier noch.

    Man ist eine Bezugsperson und man muss eine stabile Bezugsperson sein, das, was

    ihre Mütter eben nicht waren und das kann je nachdem sehr anstrengend sein.

    [5792:00] Dr.med. Ursula Davatz: Einem Mann habe ich sicher auch noch

    ADHSler, der ist in die Schizophrenie hineingefallen, x-mal manisch-depressiv, aber
    mit jeder Phase, die er durchgemacht hat, hat er wieder ein Stückchen Entwicklung
    gemacht.

    Je länger ich jetzt so im Beruf bin, umso sogenannt lockerer nehme ich es.

    Ich gebe nicht auf, ich stresse nicht, aber ich bin immer wieder da, wenn er wieder

    kommt.

    So passiert dann langsam eine Entwicklung.

    Von dort her sage ich, ich bin nicht Therapeutin, sondern Entwicklungsbegleiterin.

    [6335:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich versuche, ihre Entwicklung zu begleiten und

    dort ein standhaft verfügbares Individuum zu sein.

    Nicht Tag und Nacht, das bringt auch wieder nichts.

    Wenn einem die Leute dann zu viel immer fragen, was mache ich jetzt da, was

    mache ich da, dann tut man sie wieder, wie will ich sagen, unfähig machen oder
    schwach machen.

    Da muss man auch ein bisschen aufpassen als Frau, dass man nicht zu viel

    verwöhnt.

    Man muss immer in die Beziehung gehen und klar schauen, wie es früher war, wie

    es mit dem Vater war, wie es mit der Mutter war, wie es mit den Geschwistern war.

    [6911:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich versuche sie dann in all diesen Interaktionen

    zu begleiten und ihnen zu helfen, dass sie ihre Position finden können.

    Manchmal klappt es, manchmal nicht, das kann ich nie voraussagen.

    Wenn ich dann gefragt werde nach einer Prognose, und das wird mir ja oft gefragt,

    dann sage ich, ich kann es ihr nicht sagen.

    Ist nicht voraussagbar. Es hängt von so vielen Faktoren ab.

    Es wäre natürlich schön, wenn sie noch andere Bezugspersonen haben.

    [7482:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich kann nichts voraussagen, ich muss

    wachsam, ich sage dem, wachsam begleiten.

    Ich habe mich meinen Assistenzscherz, den ich ausgebildet habe, ich habe gesagt,

    wachsam begleiten, das darf auch nicht gleich sein.

    Man darf Beziehungen nie abbrechen.

    Wachsam begleiten, aber nicht ehrgeizig begleiten.

    Nicht irgendetwas erreichen wollen, das nicht geht.

    Denn das ist das Schlimmste für unser Helfer.

    Wir wollen etwas erreichen und dann geht es nicht, dann werden wir verrückt.

    [8365:00] Dr.med. Ursula Davatz: Da gibt es ja auch einen Film über Königsfelden.

    Helfer, wenn sie nicht helfen können, werden sie aggressiv bis zu sadistisch.

    https://www.srf.ch/play/tv/10-vor-10/video/vorwuerfe-gegen-psychiatrische-klinik-koenigsfelden?urn=urn:srf:video:04f7e317-eb86-4e16-b544-a355331ee75a

    Das kann es nicht sein.

    Man wird bescheiden.

    Ja, man kann nicht alles verändern, aber dennoch nicht aufgeben.

    Jetzt teils sagen die, wenn ich nichts verändern kann, dann höre ich auf.

    Zu denen gehöre ich nicht.

    Ich versuche es weiterzumachen und ob dann etwas herauskommt oder nicht, das

    sehen wir dann.

    [8938:00] Dr.med. Ursula Davatz: In dem Sinne habe ich natürlich langjährige

    Begleitungen, ich habe zum Teil auch Begleitungen, also über Generationen hinweg.

    Dass ich Grosseltern beraten habe und das Enkelkind kommt dann, aber ich kenne

    dann schon das System und habe natürlich viel einen schnelleren Einstieg.

    Ich habe eine Begleitung, da habe ich die Eltern beraten, die Tochter hat eine

    Psychose gemacht, ist in einem Unfall querschnittsgelähmt worden und die hat mich
    erst wieder gefunden über mein Buch.

    [9515:00] Bemerkung 2: Ah!

    [9527:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die begleite ich jetzt und die begleite ich in

    Bezug auf ihre Mädchen, auf ihre Kinder.

    Da habe ich natürlich unglaublich viel Erfahrung und sehe dann so schneller durch

    das System durch.

    Ich weiss noch, als ich die Ausbildung in Amerika gemacht habe, als

    Familientherapeutin, da musste man Videoaufnahmen von sich selbst machen und
    dann hat die Supervisorin gesagt, ja, du nimmst da alles schön auf, aber was machst
    du? Ich habe nichts gemacht.

    [10060:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich habe nicht gewusst, was machen.

    Ich denke, wenn ich nicht weiss, was machen, lieber nichts machen, als irgendetwas

    reinschiessen.

    Das braucht viel Geduld.

    Aber jeder von ihnen macht es ein bisschen anders und man muss es so machen,

    wie es zu einem selber passt.

    Wenn das Trauma ist in der Familie, dann versuche ich, den Leuten zu helfen, das

    nochmal anzusprechen.

    [10598:00] Dr.med. Ursula Davatz: Da sage ich aber allen, wenn man als

    erwachsene Tochter seine Mutter anspricht, hat man meistens hintendran noch den
    Wunsch, man werde verstanden.

    Da sage ich immer, nein, Sie müssen nicht, das ist eine Erwartungshaltung.

    Das gibt eine enttäuschte Erwartungshaltung.

    Nicht, wenn man zur Mutter geht, endlich verstanden werden wollen oder zum Vater,

    sondern, und da mache ich ein Wortspiel, anstatt verstanden werden zu wollen,
    muss man für sich hinstehen.

    [11163:00] Dr.med. Ursula Davatz: Sagen, so und so war es, so habe ich es erlebt.

    Für sich hinstehen, ohne dass man den anderen verurteilt, sondern nur, was man

    selber erlebt hat.

    Dass man ja einfach für sich hinsteht.

    Eltern haben dann meistens das Gefühl, jetzt will mich meine Tochter anklagen oder

    mein Sohn.

    Dann gibt es Abwehr und dann muss man den Erwachsenen sagen, es geht nicht

    darum, den Vater oder die Mutter anzuklagen.

    Es geht nicht um Schuldscheinweisung, überhaupt nicht.

    Es geht nur darum, die Narrative, also die eigene Narrative zu erzählen.

    So habe ich es erlebt.

    Ich sage dann sogar den Leuten, dass sie sagen, ich will dir jetzt meine Geschichte

    erzählen, wie ich es erlebt habe, und ich will, dass du mir zuhörst.

    Unterbreche mich nicht, sage nicht, nein, das war ganz anders.

    Wenn ich es fertig erzählt habe, kannst du dann deine Variante sagen.

    Nicht das Hin und Her, das Hickhack.

    [12248:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich habe es so erlebt, nein, nein, so war es

    nicht.

    Jeder erlebt die Realität anders und jede Realität ist eine subjektive Realität.

    Es gibt ja sowieso keine objektive, schon gar nicht in den Beziehungen.

    Viele, auch erwachsene Leute, haben oft Mühe, zu den Eltern oder den

    Geschwistern etwas zu sagen, ohne dass sie sie überzeugen wollen von ihrer Sicht.

    Man darf nicht missionieren, man darf nur seine Geschichte erzählen.

    [12802:00] Dr.med. Ursula Davatz: Darum mache ich das Wortspiel, selber für sich

    hinstehe, aber nicht verstanden werden.

    Das Verstanden werden kommt verzögert oder auch nie, aber das macht nichts.

    Die wichtige Aktion ist, dass man für sich hinsteht.

    Dass man sich selber ernst nimmt, dass man zu sich steht.

    Das wäre wieder das vom ADHS, nicht den anderen alles recht machen wollen,

    sondern spüren, was für einem wichtig ist und für das hinstehen.

    [13318:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist etwas vom Schwierigsten.

    Das wäre dann auch wieder, dass man über Gefühle reden muss, damals habe ich

    mich so und so gefühlt und so und so gefühlt, ohne Emotionen.

    Sobald man Emotionen verwendet, will man beim anderen etwas bewegen.

    Emovere heisst, bewegen, moveren ist bewegen, etwas beim anderen herauskitzeln.

    Genau das geht nicht. Die Erwartungshaltung, man hätte dann irgendeine Reaktion,

    man wird endlich anerkannt, nein, man muss sich selber anerkennen in einer
    Situation und für diese Situation hinstehen.

    Wenn die Leute das erreichen, wenn ihnen das gelingt, dann sind sie ein Stückchen

    weiter.

    [14115:00] Bemerkung 3: Muss man das Gespräch suchen, jetzt mit dem Eltern

    zum Beispiel, oder auch für sich hinstehen in dem, dass man es eben mit einem
    Brief klärt?

    [14283:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, man kann auch über einen Brief, also wenn

    die Eltern gestorben sind, geht es ja nicht anders, aber auch wenn sie noch leben,
    sage ich, sie können selber das aufschreiben für sich, damit sie sich klar werden, sie
    könnten den Brief abschicken oder auch nicht.

    Da überlasse ich das den Leuten, ob die ihn dann abschicken wollen oder nicht.

    Nein, es muss nicht unbedingt sein.

    Es hat eine grössere Wirkung, aber das muss ich jedem selber überlassen.

    [14810:00] Dr.med. Ursula Davatz: Bei sexuellem Missbrauch, habe natürlich auch

    einige begleitet, wenn der sexuelle Missbraucher noch lebt oder steht, ja, noch nicht
    tot ist, idealerweise wäre es gut, wenn man dem gegenüber das sagen könnte.

    Aber man darf es auch nur schreiben und für sich behalten.

    Das stelle ich dann auf die Person darauf ab, was sie bereit ist zu machen.

    [15292:49] Dr.med. Ursula Davatz: Ich hatte eine Person, die sexuell missbraucht

    wurde vom Vater.

    Das haben wir lange aufgearbeitet und schlussendlich hat sie dann einen Brief an

    den Vater geschrieben, hatte ihn im Sack, ging ihn besuchen und hat ihn dann
    konfrontiert.

    Häufig erinnern die sich ja nicht mehr oder haben erfolgreich verdrängt.

    Der hat dann nur gesagt, ah, das weiss ich gar nicht mehr, aber wenn das so war, tut

    es mir leid. Was war dann gut.

    [15824:00] Bemerkung 2: Das reichte?

    [15845:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, hat geklappt.

    [15887:00] Bemerkung 3: Ist die Wirkung wirklich grösser, wenn man es sagt, auch

    wenn die Reaktion negativ wäre?

    [16028:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, man erhofft meistens, wenn man es sagt,

    es kommt eine gute Reaktion.

    [16143:00] Bemerkung 3: Ja, dann ist es sicher wirklich grösser, aber was wenn

    die Reaktion schlecht ist?

    [16226:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dann sagen viele, darum mache ich es nicht

    mehr und jetzt geht es mir noch schlechter.

    Da muss ich natürlich die Leute vorbereiten, dass, wenn sie es machen, sie dürfen

    nicht erwarten, dass: ja, ja, du hast recht, und es tut mir leid, sondern auch wenn
    sich der Vater oder die Mutter wehrt wie verrückt, dass man dann bei dem bleibt, ich
    habe dir es nur sagen wollen, ich habe es nur dir schildern wollen, jetzt ist es gut für
    mich.

    Man darf dann ja nicht ins Diskutieren reinkommen, ja, aber, ja, aber, ja, aber, das

    bringt gar nichts.

    Wenn man zu sehr Angst hat vor der negativen Reaktion, dann kann man es auch

    lassen und nur aufschreiben.

    Ich muss es immer abstimmen auf die persönlichen Leute.

    Ich zwinge niemanden zu irgendetwas, das die nicht wollen. Dann kann es ja nicht

    gut wirken.

    [17133:00] Bemerkung 4: Allgemein bei so Sachen, die einen ja betreffen oder die

    man dann gemacht hat, ich meine, da muss nicht ein schlimmes Trauma dahinter
    stecken. Ich merke einfach, sonst schwingt das bei mir immer mit, wenn ich ihn
    Begegnung gehe.

    [17378:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, ganz genau.

    [17402:00] Bemerkung 4: Dann werde ich wieder anders beeinflusst, weil es hängt

    ja immer noch dahinter.

    [17466:00] Dr.med. Ursula Davatz: Es hängt im Hinterkopf.

    [17490:00] Bemerkung 4: Was passiert ist.

    Ich versuche mir einfach auch vorzunehmen, das wirklich so mitzuteilen, dass das

    von mir wie weg ist.

    Ich erwarte nicht einmal, dass mein Gegenüber dann irgendetwas, also es wäre

    schön, wenn es etwas bewirken würde.

    [17763:00] Dr.med. Ursula Davatz: Es wäre schön, ja.

    [17764:00] Bemerkung 4: Mir geht es eigentlich mehr, dass ich wieder anders

    diesen Leuten begegnen kann.

    [17835:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ganz genau.

    [17841:00] Bemerkung 4: Dass ich wieder deponieren kann, was sie mit mir

    gemacht haben.

    [17878:00] Dr.med. Ursula Davatz: Genau.

    [17887:00] Bemerkung 4: Und das auch aussprechen konnte.

    [17916:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ganz genau.

    [17931:00] Bemerkung 4: Das hilft mir auch.

    [17952:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ganz genau. Ich darf ehrlich sein, ob es jemand

    annimmt oder nicht, ist seine Sache, aber ich bin ehrlich gewesen und ehrlich mit mir
    selber.

    Dann hat man es wie ein bisschen los.

    Ich habe jetzt meine Sache gesagt.

    Ja, so wirkt es.

    Sonst ist es immer noch hinten dran und ah.

    Und wenn man es gesagt hat, ist man so wie mehr im Reinen mit sich.

    [18336:00] Bemerkung 4: Ja, und man merkt auch, ich gebe mir wirklich den Wert.

    [18385:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, ganz genau.

    [18401:00] Bemerkung 4: Das Schwierige ansprechen können. Ich weiss nicht, ich

    löse ja bei meinem Gegenüber etwas aus.

    [18480:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja.

    [18491:00] Bemerkung 4: Und doch für sein Verhalten kann ich gar nicht so viel.

    Also ich kann es versuchen, anständig und gut zu sagen.

    [18589:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, ja.

    [18594:00] Bemerkung 3: Was mit jemandem passiert, …

    [18621:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist seine Sache.

    Ich habe auch, das war eine Krankenschwester, und die hat ihrer Mutter gegenüber

    sagen müssen, bei dir waren immer die Söhne wichtig und ich als Tochter, die alles
    für dich gemacht hat, überhaupt nicht wichtig.

    Die hat dann auch gesagt, weisst du, ich beobachte das und es tut mir manchmal

    weh.

    Aha. Als sie das gesagt hat, konnte sie viel lockerer ihre Mutter besuchen und sie

    auch gut sterben lassen. Davor war immer so ein Knopf im Kopf.

    [19184:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, es geht darum, dass man Ehrlichkeit mit

    sich; aber ausspricht.

    Ich hatte eine, die wurde sexuell missbraucht von ihrem Chef, da haben wir ein paar

    Jahre daran gearbeitet.

    Der hat nicht mehr gelebt.

    In den Träumen hat man dann gesehen, dass sie sich immer mehr davon

    distanzieren konnte.

    Am Anfang war es noch Wut.

    [19690:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich sage, bei so schwierigen Sachen, der

    Prozess ist immer zuerst Wut, dann Trauer und dann loslassen.

    Aus der Trauer heraus kann man dann loslassen.

    Man muss diese drei Phasen durchmachen.

    Man darf die Wut nicht abklemmen.

    Man muss nicht vergeben, es geht auch nicht um Vergeben.

    Man muss nicht urteilen über die.

    Man darf traurig sein über das, was einem passiert ist.

    Aber man muss nicht Richter sein gegenüber den Tätern.

    [20232:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn man in die Geschichte schaut, läuft ja

    immer Täter, Opfer, Täter, Opfer.

    Es ist jemand ein Opfer, das tut er ausagieren als Täter in der nächsten Generation.

    Dann hat es dort wieder ein Opfer und das muss wieder ein Täter sein.

    Das versuche ich natürlich zu unterbrechen, indem ich dieser Geschichte viel

    Sorgfalt zuwende.

    Dann muss es nicht weitergehen.

    Aber es ist noch eine Kunst.

    Aber es lohnt sich.

    [20761:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja. Ich weiss nicht, ob Ihnen das ein bisschen

    etwas gibt.

    [20852:00] Bemerkung 5: Schon. Danke.

    [20870:00] Dr.med. Ursula Davatz: Sie dürften jetzt auch noch Fragen dazu stellen.

    [20960:00] Bemerkung 6: Ich weiss einfach so besser, wie ich das Klientel unter

    Umständen vorbereiten kann für so ein Gespräch.

    Ermuntern und sagen, du kannst aber nichts erwarten.

    [21168:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dass der andere sich entschuldigen und

    grosses Verständnis hat.

    [21246:00] Bemerkung 6: Manchmal merke ich, man will ja dann nicht etwas

    aufwühlen, wo beim anderen vielleicht schlummert oder nicht mehr da ist.

    Ein Mann, der sexuell missbraucht hat, der hat ja Verdränungsmechanismen.

    [21484:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja.

    [21503:00] Bemerkung 6: In der Psychiatrie hört man, man solle auch nicht

    schlafende Hunde wecken.

    [21597:00] Dr.med. Ursula Davatz: Nein, finde ich falsch.

    [21620:00] Bemerkung 6: Ich als Therapeut tue das ja eh nicht, also ich weiss, wo

    meine Grenzen sind.

    Ich glaube, sie wecken sicher schlafende Hunde.

    [21792:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich tue schlafende Hunde wecken, ja.

    [21821:00] Bemerkung 6: Ja, genau.

    [21843:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich habe nicht Angst vor diesen schlafenden

    Hunden.

    Ich mache auch nicht einen Bogen darum herum.

    Ich frage natürlich schon und ich schaue dann immer, wie das Individuum darauf

    reagiert.

    Ich sage, wollen Sie nicht darüber reden, nein, jetzt nicht, aber ich komme dann

    auch wieder damit.

    Ich sage, man kann etwas verdrängen, vergessen kann man es nicht. Man kann

    etwas verarbeiten.

    Indem man die sogenannten schlafenden Hunde weckt, kann man es verarbeiten.

    Die Medikamente, die tun alles verdrängen.

    Ich bin natürlich Therapeutin und ich will den Leuten helfen, dass sie etwas

    verarbeiten.

    [22724:00] Bemerkung 7: Geben Sie dann bei Psychose oder Schizophrenie schon

    auch Medikamente oder gar nicht?

    [22812:00] Dr.med. Ursula Davatz: In der Akutphase gebe ich auch, immer.

    Ja, ja, klar.

    Aber nicht nur.

    Ich arbeite immer therapeutisch mit Ihnen.

    Das ist ja das andere Buch, ADHS und Schizophrenie.

    https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhs-und-schizophrenie/

    Dort habe ich mich ausschliesslich mit der Schizophrenie und dem ADHS befasst.

    Wenn die auch wieder in die Klinik kommen, dann gibt man ihnen immer wieder

    Medikamente.

    Ich lasse sie immer absetzen.

    Dann, ja, das ist Eingriff in ihre Persönlichkeit.

    Denn hat man aber gefragt, wer hat Ihnen Medikamente abgesetzt? Oder ich werde

    dann beschuldigt, dass ich Medikamente abgesetzt habe.

    Und dann sage ich, nein, der Patient hat sie selber abgesetzt.

    [23454:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich reite nicht nur auf diesen Medikamenten

    herum.

    Jede Psychose kann wieder eine Chance sein, um noch ein bisschen besser die

    Sachen anzuschauen.

    Der eine, den ich da schon so lange begleite, der hatte X Psychosen.

    Jedes Mal, also man kann Psychosen auch als Entwicklungsschub anschauen.

    Ich schaue natürlich dann immer, was waren die Stressoren, die die Psychose

    wieder ausgelöst haben.

    Es sind immer wieder Stressoren da. Es kommt nie aus dem heiteren Himmel.

    [23987:00] Dr.med. Ursula Davatz: Jede Krise ist wieder eine Lernmöglichkeit.

    Ich spüre dann auch so von der Wahrnehmung dieser Leute, wie sie mehr bei sich

    sind.

    Besser integriert bei sich.

    Ich habe gar nicht mehr Angst vor der Psychose.

    Ich will sie nicht mehr verhindern.

    Ich versuche aus der Psychose auch immer herauszulesen, was sind da noch für

    verborgene Sachen.

    [24489:00] Dr.med. Ursula Davatz: In den Träumen, also ich frage die Leute auch

    immer nach dem Träumen, gewisse erzählen sie einem, andere nicht.

    In den Träumen sieht man immer, an was sie am Arbeiten sind und wo sie stehen.

    Im Traum hat man auch so ein bisschen Zugang zu diesen, was will ich sagen,

    tieferen Schichten.

    Es ist interessant, alle Psychopharmaka, die einschläfern, sedieren, die

    unterdrücken, auch den REM-Schlaf.

    Der REM-Schlaf ist die Rapid Eye Movement.

    [25094:00] Dr.med. Ursula Davatz: Diese Phase, das ist nicht ganz Tiefschlaf,

    sondern so ein bisschen dazwischen.

    Im REM-Schlaf träumt man.

    Wenn man am Tag die Sachen nicht verarbeiten kann, dann tut man sie in der Nacht

    verarbeiten.

    Da habe ich letztens auch einen Film gesehen, wo die dann im REM-Schlaf halb

    zum Bett ausgestiegen sind und gezappelt haben und so weiter.

    Da sieht man, die tun die Sachen in der Nacht, im Traum bewältigen, anstatt am Tag.

    [25596:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich versuche es dann immer, in den Tag

    reinzuholen, ins Bewusstsein und zu schauen, wie kann man es verarbeiten.

    Ich schwöre auf Therapie, die Entwicklung, die Veränderung und nicht Symptome

    unterdrücken.

    [25856:00] Bemerkung 8: Ich habe zum Teil auch junge Klienten, die nehmen

    irgendwie vier, fünf verschiedene Medikamente.

    [25925:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, ist so.

    [25937:00] Bemerkung 8: Ein Medikament mit Nebenwirkungen.

    [26001:00] Dr.med. Ursula Davatz: Es ist ganz schwierig.

    Bei den ADHSlern gibt man ja eine Stimulanz.

    Wenn er dann psychotisch wird oder depressiv wird, für Psychose gibt man ein

    Antipsychotikum, für Depression ein Antidepressivum, das hat ihr Sohn bekommen.

    Alles schraubt irgendwie herum an diesen Regulationsmechanismen.

    Ich sage natürlich, es reguliert sich am besten selber, wenn die Person ihren Weg,

    ihren Fokus und ja, ihre Zufriedenheit findet.

    [26513:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist natürlich einfach gesagt, aber nicht so

    einfach gemacht.

    Da stören mich Medikamente eigentlich eher.

    [26707:00] Bemerkung 9: Tun Sie da supplementieren mit Sachen? Ich weiss noch

    nicht, Omega-3, Magnesium.

    [26803:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn die Leute das wollen und schon kennen,

    dann lasse ich sie das machen. Ich selber verschreibe es nicht als Erstes.

    [26917:00] Bemerkung 9: Okay.

    [26925:00] Dr.med. Ursula Davatz: Omega-3-Fettsäuren sagt man ja, seien beim

    ADHS gut. Magnesium ist für die Muskeln gut.

    Ja, das bekommen sie meistens von anderen verschrieben oder sie holen es sich

    selber.

    Wenn jemand gar nicht schlafen kann, man kann ich nicht leben, ohne zu schlafen.

    Dann muss ich irgendeinmal auch etwas geben, damit die wieder schlafen können.

    [27427:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich versuche sie dann immer wieder davon frei

    zu machen.

    Ja, ich habe Leute, die haben tonnenweise Medikamente.

    Die wollen dann auch meistens nicht mehr loslassen.

    Ich darf da auch nicht zu pedantisch oder fanatisch sein.

    Ich frage dann immer, wann sind sie bereit loszulassen.

    [27952:00] Dr.med. Ursula Davatz: Eine hat so viele Medikamente, aber ist jetzt

    langsam ein bisschen stabil und ungefähr hundertmal hospitalisiert worden, immer
    so somatisch.

    Da muss man halt mit weniger zufrieden sein.

    [28202:32] Dr.med. Ursula Davatz: Mal andere Fragen.

    Oder hat jemand eine Geschichte, die er gerne anschauen möchte? Anhand von

    dieser arbeiten?

    [28398:00] Bemerkung 10: Mich würde interessieren, wie Sie Grenzen ziehen?

    Ich meine, Sie machen das ja schon mega lange.

    Aber wie machen Sie das, wenn Sie so schlimme, schwierige Fälle auch haben?

    [28553:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wie mache ich das?

    [28573:00] Bemerkung 10: Ja.

    [28594:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das werde ich oft gefragt.

    Irgendwann ist das Interview in der Zeitung gekommen, da habe ich gesagt: ich liebe

    es nun mal, Probleme zu lösen.

    https://www.ganglion.ch/pdf/Probleme_loesen.pdf

    Mein Vater war ein Ingenieur.

    Ingenieure müssen auch Probleme lösen, aber technische.

    Ich bin wahrscheinlich Ingenieur im sozialpsychologischen Bereich.

    Ja, ich bin neugierig.

    Ich gebe nicht so schnell auf.

    Ich denke dann immer, ja, was könnte man da jetzt noch machen?

    Ich muss dann auch meine Energie/Ehrgeiz zurückbinden.

    Ich bin neugierig und ich bin lernbereit.

    [29173:00] Dr.med. Ursula Davatz: Indem ich mit solchen Leuten arbeite, lerne ich

    auch immer etwas.

    Gerade wenn ich nicht so schnell mit irgendetwas durchkomme, dann muss ich

    lernen.

    Das macht es wieder spannend.

    Ich sage dann auch, ich muss nicht ins Kino gehen oder ins Theater. Ich habe so

    viele interessante Geschichten.

    [29497:00] Bemerkung 11: Theater zu Hause.

    [29510:00] Dr.med. Ursula Davatz: Täglich.

    Ich bin gut unterhalten.

    Ich lerne dann auch meistens Sachen von diesen Leuten, die über die Psychiatrie

    hinausgehen.

    Dass die von irgendetwas erzählen. Ich frage sie, um ihre Meinung und so.

    Wenn die Krankenkasse das wüsste, würde sie wahrscheinlich sagen, das ist keine

    Therapie.

    Das gehört dazu.

    Also ganz, ganz schwierige Frauen habe ich gehabt.

    [30023:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die festgehockt sind.

    Sie habe ich dann auch meistens gefragt über ein Objekt.

    Kann sie mir einen guten Film angeben?

    Oder welchen Schriftsteller findet sie gut?

    Dass ich über einen Objekt den Bezug hergestellt habe.

    Wenn man mit so schwierigen Leuten, gerade autistischen, so direkt Bezug

    herstellen will, dann ist das zu viel.

    So wie man einem Hund nicht in die Augen schauen darf. Sonst bekommt er Angst.

    [30527:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dann rede ich über andere Sachen.

    Wer hat an mich noch eine Frage?

    [30756:00] Bemerkung 12: Ich habe so eine Frage.

    [30853:00] Dr.med. Ursula Davatz: Sie müssen ein bisschen lauter reden.

    [30881:00] Bemerkung 12: Zu Erziehungsschäden.

    Das Kind muss in die Kita kommen.

    Darum ist er jetzt zwei halbe Tage bei uns in der Kita.

    [31185:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wie alt?

    [31262:00] Bemerkung 12: Er ist zwei Jahre alt.

    [31286:00] Dr.med. Ursula Davatz: Zwei Jahre alt. Noch ein bisschen klein.

    [31330:00] Bemerkung 12: Ja, er ist klein und der grosse Bruder ist jetzt schon aus

    der Familie draussen. Der ist jetzt schon bei einer Pflegefamilie.

    [31465:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ah, den hat man platziert?

    [31489:00] Bemerkung 12: Der Kleine ist aber noch in der Familie drinnen, muss

    aber jetzt eben in die Kita kommen.

    Das ist jetzt meine Eingewöhnung und ich habe ihn drei, viermal gehabt und er ist

    ein sehr forderndes Kind.

    Wir wissen auch nicht so viel, was in der Familie los ist.

    Wir wissen einfach eben, dass im Gericht ein Beschluss gekommen ist und dass

    irgendetwas ist.

    [32002:00] Bemerkung 12: Man sieht natürlich schon auch, dass das Kind halt

    eben so zum Tagesrhythmus raus fällt, es steht, erst um 11 Uhr auf.

    Mittagsschlaf macht sie erst um 4 Uhr am Nachmittag.

    Es ist mit dem blauen Auge gekommen.

    Ganz viele so Sachen.

    Es kann noch nicht schwatzen mit zwei.

    Ist motorisch noch ein bisschen hinten dran und so.

    Und meine Frage ist jetzt, wie wir dem Kind in der Kita am besten begegnen?

    [32534:00] Dr.med. Ursula Davatz: Bei so kleinen Kindern würde ich natürlich

    immer sagen, sie müssen die Eltern kennenlernen.

    Ich würde sagen, die Mutter und wahrscheinlich sogar getrennt einladen.

    Da ist wahrscheinlich ein Konflikt hinten dran.

    Getrennt sich ein Bild machen von der Mutter und getrennt sich ein Bild machen vom

    Vater.

    Dann überlegen, was interagiert da und an welchem Platz ist da das Kind.

    [33037:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dass sie ein bisschen ein Verhältnis haben zu

    seiner Umgebung, dass sie seine Verhältnisse kennen, dass sie ein bisschen
    wissen, was da läuft.

    Er ist noch sehr klein.

    Bei Kindern lasse ich dann auch eine Zeichnung machen.

    Ich habe ein Kind gehabt, da hat sich sein lieblicher Vater von der Mutter getrennt

    und er hatte quasi einen Stiefvater als Bezugsperson.

    Dann habe ich die, das Mädchen auch, die Familie zeichnen lassen.

    [33554:00] Dr.med. Ursula Davatz: Sie hat ihre Mutter, ihre zwei Brüder und sich

    gezeichnet und den Freund der Mutter, auch in der Familie, als wichtige
    Bezugsperson.

    Der Vater war irgendwo aussen, also auf der anderen Seite vom Blatt.

    Dann hat man genau gesehen, ja, der ist weiter weg.

    Gerichtlich ist es darum gegangen, dass der Vater das Kind sehen darf.

    Ein Kampf und ein Zeugs.

    Die Mutter hatte immer Angst, dass es zur Kindsentführung kommt.

    [34103:00] Dr.med. Ursula Davatz: Er hat dann das Kind sehen dürfen, aber nur im

    Haus der Mutter.

    Sie konnten ins Zimmer hochgehen, miteinander schwätzen und spielen.

    Die Mutter hatte immer panische Angst.

    Ich habe sie die ganze Zeit begleitet.

    Die Tochter ist jetzt erwachsen, hat schon studiert und es läuft gut.

    Der liebliche Vater ist nicht mehr gross aufgetreten.

    [34629:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, ich denke, sie müssten beide kennenlernen

    und sie müssten dann auch fragen, wie ist das für die?

    Das ältere Kind, ist das ein Mädchen oder ein Bub?

    [34708:00] Bemerkung 12: Das ist auch ein Bub. Der ist aber nicht vom gleichen

    Vater.

    [34771:00] Dr.med. Ursula Davatz: Nicht vom gleichen?

    [34787:00] Bemerkung 12: Nein.

    [34798:00] Dr.med. Ursula Davatz: Okay, ja, dann ist es nochmal anders.

    [34824:00] Bemerkung 12: Die Infos, die wir einfach so ein bisschen haben, ist der

    Vater, ist so ein bisschen der, der schaut, dass der Sohn ein bisschen rechtzeitig
    aufgestanden ist für die Schule.

    [35018:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist der andere Vater dann?

    [35048:00] Bemerkung 3: Nein, das ist der Vater vom Kind, das bei mir ist.

    [35098:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ah, dann wäre es der Stiefvater vom anderen?

    [35140:00] Bemerkung 3: Ja, genau. Der für die Struktur sorgt anscheinend.

    [35222:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, ich würde beide kennenlernen.

    Dann würde ich fragen, was haben sie für eine Unterstützung?

    Haben sie eine?

    Würden sie eine akzeptieren, denn sie könnten die Arbeit nicht machen.

    Dann schauen, ja, könnte man dem System irgendwie eine Unterstützung

    zukommen lassen?

    Unsere Gesetzgebung ist ja so, es geht nicht, also Fremdplatzierung.

    Es ist nicht immer das Beste. Ich habe viele fremdplatzierte Kinder als Erwachsene

    begleitet.

    [35772:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist nicht immer gut gelaufen.

    Ich versuche nach Möglichkeit immer das natürliches System zu unterstützen.

    Das können Sie als Kitafrau nicht, aber indem Sie sie einladen und sagen, wen

    haben Sie, dann könnte man auch fragen, haben Sie Verwandte, die euch ein
    bisschen unterstützen?

    Nachbarn?

    [36109:00] Bemerkung 12: Sie sind Schweizer.

    [36120:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ausländer?

    [36158:00] Bemerkung 12: Nein, sie sind Schweizer.

    Die Grossmutter ist ab und zu mal involviert, aber eigentlich nie, dass sie mal bei der

    Grossmutter sind oder so, sondern eigentlich hauptsächlich bei Mutter und Vater.

    Ich habe einfach wie die Möglichkeit, die Eltern jetzt innerhalb dieser Eingewöhnung

    kennenzulernen.

    Ich habe jetzt die Eltern dreimal eine Stunde miterlebt mit dem Kind und sie sind

    immer so ein bisschen, es war irgendwie eine Distanz da.

    [36699:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, klar. Die haben natürlich Angst, sie würden

    sie schlecht beurteilen und dann nimmt man das Kind auch noch weg.

    Ja, ich würde wahrscheinlich ein bisschen inquisitiver fragen und dann auch nach

    Unterstützungsmöglichkeiten, wen haben Sie, die Sie unterstützen, würden Sie
    jemanden nehmen?

    Ja, man muss sich so ein bisschen durchfragen.

    [37220:00] Dr.med. Ursula Davatz: Was ich auch schon gemacht habe, das Götti-

    System.

    Da hat sie jetzt einen Vater und von dort her kann man keinen weiteren einführen.

    [37431:00] Bemerkung 12: Spezifisch auf die Betreuung in der Kita?

    [37502:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ganz speziell auf die Betreuung.

    Schauen, auf was er reagiert oder schlecht reagiert und auf was gut.

    Dann immer ein bisschen Bezug nehmen zu zu Hause.

    Wie läuft das zu Hause?

    [37766:00] Bemerkung 12: Er redet nicht.

    [37784:00] Dr.med. Ursula Davatz: Er kann es natürlich nicht sagen.

    Dann in ihrem Kopf.

    Dann allenfalls halt sogar wieder fragen.

    Ja, der kann es noch nicht sagen. Nein, der kann das nicht sagen.

    [37963:00] Bemerkung 3: Also der kann noch nicht mal Mami sagen.

    [37995:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ehrlich.

    [38001:00] Bemerkung 3: Das ist wirklich noch ganz fest.

    [38028:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dann ist er da zurück.

    [38070:00] Bemerkung 3: Was einfach ist, ist, wenn man mal wie Grenzen setzt,

    ist es ganz, ganz schlimm.

    [38168:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das verträgt er gar nicht.

    [38195:00] Bemerkung 3: Wenn man sich ein bisschen dagegen stellt.

    [38310:00] Dr.med. Ursula Davatz: Manchmal kann man noch mit Tieren.

    Jedes ist ein Tierchen.

    Man spielt mit Tieren.

    Er ist ein Tierchen, sie sind ein Tierchen.

    Der andere ist noch eins.

    Dann über ein bisschen leichte Distanzierung das inszenieren.

    Es braucht sehr viel Beobachtung.

    [38667:00] Bemerkung 12: Ja.

    [38676:00] Dr.med. Ursula Davatz: Bevor sie irgendwie Grenzen setzen, zuerst ein

    bisschen etwas im Kopf haben, einen Plan haben oder nein, eine Wahrnehmung
    haben, auf was er jetzt reagiert.

    Vielleicht Grenzen … Wie soll ich das sagen? Eher etwas Gemeinsames machen.

    Sie wollen irgendetwas nicht, dass sie ein Joining machen, also mit ihm zusammen

    einen anderen Weg gehen.

    [39230:00] Dr.med. Ursula Davatz: Er erträgt das alleine sein nicht.

    Wenn sie Grenzen setzen, ist alles verloren.

    Er hat zu Hause wahrscheinlich nicht so ein gutes … Ich weiss es nicht.

    Wie ist die Mutter?

    [39532:00] Bemerkung 12: Sie wirkt sehr … Sie wirkt so, als würde … Sie kann gut

    schwatzen.

    [39652:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ah!

    [39678:00] Bemerkung 12: Sie kann gut reden und es wirkt auf den ersten Blick

    alles gut.

    Dann eben, wenn du so mit gewissen Informationen merkt man so…

    [39912:00] Dr.med. Ursula Davatz: Es ist nicht alles Gold, was glänzt.

    [39938:00] Bemerkung 12: Wenn er dann so Emotionsausbrüche hatte, hat wie

    niemand reagiert.

    Er hat aber auch gar niemanden an sich herangelassen.

    Spannenderweise hat er jetzt nach der ersten Trennung auch so einen, er hat meine

    Miterzieherin geschlagen und dann hat sie gefunden, hey, das möchte ich nicht, das
    macht mir weh.

    Dann hat er sich von uns beiden trösten lassen und wirklich auch Nähe gesucht.

    [40466:00] Dr.med. Ursula Davatz: In welchem Moment hat er die Miterzieherin

    geschlagen? Was ist davor passiert?

    [40555:00] Bemerkung 12: Er wollte eine Flasche nehmen von dem anderen Kind.

    Das Kind hat nicht gewollt, dass er die Flasche nimmt.

    Sie hat gefunden, hey, ich will, dass du die Flasche hier lässt.

    Das hat er wahrscheinlich wie nicht verstanden.

    [40753:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, da wäre wieder, aha, du willst jetzt, also das

    wäre wieder das Validieren.

    Ah, du willst diese Flasche, hast du Durst?

    Erst dann, weisst du, die Flasche gehört dem und dem, wir gehen ein Glas holen

    und so.

    [40997:00] Bemerkung 12: Ja.

    [41008:00] Dr.med. Ursula Davatz: Immer verlangsamen.

    Immer versuchen zu verstehen, was will er jetzt?

    Es ist ja normal, ein kleines Kind, das Durst hat, nimmt die nächste Flasche.

    [41222:00] Bemerkung 12: Ja, das war bei mir spielerisch.

    [41257:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ah, sogar! Den hat er herausgefordert.

    Ah, dann wäre die Antwort eher, ah, willst du ein bisschen kämpfen?

    Okay, schau, wir kämpfen mit dem Ball, aber nicht mit dieser Flasche.

    [41432:00] Bemerkung 12: Ja.

    [41452:00] Dr.med. Ursula Davatz: Der Bub, der zu mir gekommen ist, zusammen

    mit seiner Mutter, der hat dann mit allem gespielt.

    Dann habe ich gesagt, weisst du, der Wecker ist nicht zum Fussball spielen, aber

    der Ball, den darfst du.

    Wenn er dann gekommen ist, ist er sofort ins Wohnzimmer gegangen und hat einen

    Ball geholt.

    Dass man sagt, mit dem kann man Fussball spiele, mit dem nicht.

    Dass man die Absicht von dem Kind wahrnimmt und dann umleitet dorthin, wo es

    geht.

    [41961:00] Dr.med. Ursula Davatz: Nicht nein, nicht.

    [41988:00] Bemerkung 12: Ja, ja.

    [42015:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das macht dann immer sofort ein Meltdown.

    [42090:00] Bemerkung 13: Dadurch, dass er ja nicht kommuniziert, macht er es

    nicht mit dem Körper.

    [42171:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, ja, noch mehr.

    [42205:00] Bemerkung 13: Er will mit dem Körper etwas zeigen oder aufmerksam

    machen.

    [42357:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dadurch, dass er noch nicht kommunizieren

    kann, muss man ihn noch mehr beobachten.

    [42423:00] Bemerkung 13: Noch viel mehr beobachten.

    [42453:00] Dr.med. Ursula Davatz: Umso mehr beobachten.

    [42466:00] Bemerkung 13: Noch mehr auf die Finessen schauen, wie bewegt er

    sich. Was will er, auf was reagiert er?

    Reagiert er auf Gerüche oder auf Lärm, auf gewisse Musik oder irgendwie so oder

    Geschmäcker oder Farben?

    Da sind sie viel sensibler.

    [42804:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja.

    [42831:00] Bemerkung 13: Vielleicht will er plötzlich auch von reden. Vielleicht

    redet er ja bewusst nicht.

    [42894:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist auch möglich.

    Es gibt Kinder, die bis zehn in der Stunde nicht reden.

    Die boykottieren.

    Mit der Haltung, die Lehrerin hört mir ohnehin nicht zu.

    [43085:00] Bemerkung 13: Ich sage das jetzt mehr aus dem Grund, weil gerade

    mein Götti-Bub, hat man zuerst gesagt, ja, der hört, der hört.

    Wir haben gesagt, der hört nicht.

    Er ist taubstumm.

    [43303:00] Dr.med. Ursula Davatz: Der ist taubstumm?

    [43317:00] Bemerkung 13: Der ist taubstumm.

    Bis das wirklich mal rausgekommen ist vom Kinderarzt und bis man mal so weit war.

    Jetzt ist er auf einem Stand von anderthalbjährig, entwicklungsmässig.

    [43503:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ah ja.

    [43515:00] Bemerkung 3: Man lernt jetzt mit Gebärdesprache.

    Jetzt hört er die Geräusche und er weiss gar nicht, was das ist, oder?

    [43651:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, da muss man schauen.

    Sicher mehr beobachten, sorgfältig beobachten, bevor man irgendeine Regel

    einführt.

    Erst nach dem Beobachten die Regel einführen.

    Ich meine, die Regeln kann man auch gestikmässig lernen.

    Weisst du, das gehört hier hin und jetzt spielen wir mit dem.

    Wenn Sie sagen, er hat immer ein bisschen spielen, also ein bisschen, ich sage jetzt

    teasing, provozieren.

    Aha, du willst? Okay, mit dem.

    [44198:00] Bemerkung 13: Ja, nicht einmal provozieren, es ist einfach irgendein

    Gegenstand von hier oder von dort, dort.

    [44287:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ah, der will jeden Gegenstand anfassen.

    [44327:00] Bemerkung 13: Ja, dann verteilt er ganz viele Sachen.

    [44361:00] Dr.med. Ursula Davatz: Also explorativ.

    [44389:00] Bemerkung 13: Mega.

    [44405:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ah, das findest du interessant.

    Ah, du bist neugierig.

    Ah, ah, ah.

    Und dann auch, weisst du, das gehört hier hin.

    Schau, da ist noch etwas anderes.

    Also das validieren und auf etwas anderes leiten.

    Ja, es ist mehr Neugier.

    So wie ein Hund, der alles anschnüffelt.

    [44686:00] Bemerkung 13: Ja, ja, so ist es.

    [44702:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, ja, genau.

    Das ganze Zimmer, wo ist noch irgendetwas?

    Wo ist ein Brosamen, das ich schmecken kann?

    [44811:00] Bemerkung 13: Ja. Dankeschön.

    [44852:00] Dr.med. Ursula Davatz: Explorationsverhalten.

    [44882:00] Bemerkung 13: Ja, toll.

    [44899:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ah, das interessiert dich ja, verstande ich, das

    ist noch interessant.

    Dann kommt es, das gehört hier hin, komm, da hat es noch mehr Interessante.

    Also seine Neugier dann auf andere Sachen leiten.

    Ist das so ein bisschen eine Antwort?

    [45200:00] Bemerkung 13: Ja, okay.

    [45210:00] Dr.med. Ursula Davatz: Eine Möglichkeit. Okay. Sehr gut.

    Was für andere Sachen wollen Sie noch angeschaut haben?

    Ich brauche Material.

    [45351:00] Bemerkung 14: Ich habe einen ganz schwierigen Fall. Ich komme von

    der KESB.

    [45415:00] Dr.med. Ursula Davatz: Okay, dann.

    [45433:00] Bemerkung 14: Ich kenne noch nicht alle Details.

    Die Mutter lebt mit einem neuen Mann.

    Mit dem hat sie zwei Mädchen.

    Das sind die jüngsten Kinder.

    Sie hat fünf Kinder.

    [45853:00] Dr.med. Ursula Davatz: Mit dem neuen Mann hat sie zwei Mädchen.

    [45887:00] Bemerkung 14: Genau. Sie hat zwei Mädchen.

    Die sind zwei und vier Jahre alt.

    Die sind schon fremd platziert.

    [46088:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ah ja. Hat sie noch ein erstes Kind oder nicht?

    [46249:00] Bemerkung 14: Sie hat noch drei andere Kinder vorweg. Also drei

    Buben.

    [46322:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ah ja. Zwei Buben?

    [46335:00] Bemerkung 14: Drei, von ihrem Ex-Partner hat sie drei Buben.

    Die sind sechs, acht und zehn.

    Die haben alle Autismus.

    [46604:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ah ja.

    [46639:00] Bemerkung 14: Der Ex-Mann, der wohnt gleich nebenan.

    [46695:00] Dr.med. Ursula Davatz: Okay. Die sind aber geschieden?

    [46738:00] Bemerkung 14: Ja, und der wird vom Gericht gezwungen, mehr Kontakt

    zu haben. Der will nichts wissen von dem Kind.

    [46857:00] Dr.med. Ursula Davatz: Hat er einen Beruf?

    [46886:00] Bemerkung 14: Der ist irgendwie bei der SBB.

    [46933:00] Dr.med. Ursula Davatz: SBB?

    [47012:00] Bemerkung 14: Genau. Sie wohnt aber eben mit ihrem neuen Mann, mit

    diesen drei Kindern, die aber nicht seine sind, sondern die gehören dem anderen.

    [47141:00] Bemerkung 14: Von dem hat sie nur zwei von ihrem neuen Mann.

    [47223:00] Bemerkung 14: Die zwei Mädchen, die sie mit dem neuen Mann hat, die

    sind fremd platziert.

    Die wohnen bei den Grosseltern.

    [47340:00] Bemerkung 14: Die drei Buben vom anderen Mann sind bei ihr, die

    leben mit dem Stiefvater.

    [47495:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ah, okay.

    [47513:00] Bemerkung 14: Jetzt ist eben das KESB drin.

    Jetzt ist eben die Idee, wenn sie es nicht auf die Reihe bringt, wird der Grosse, der

    zehnjährige, in ein Internat geschickt.

    [47842:00] Dr.med. Ursula Davatz: Was heisst nicht auf die Reihe bringen?

    Was bringt sie nicht auf die Reihen?

    Hat sie einen Beruf?

    [47925:00] Bemerkung 14: Nein, sie hat IV.

    [47955:00] Dr.med. Ursula Davatz: IV.

    [47965:00] Bemerkung 14: Ihre Mutter, die war drogensüchtig, auch während der

    Schwangerschaft.

    [48053:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ihre Mutter?

    [48076:00] Bemerkung 14: Ja, und sie hat IV.

    Es gibt aber angeblich kein ADHS und ASS, das ich hätte sie anschauen lassen.

    [48299:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ist sie dann nicht bei ihrer Mutter

    aufgewachsen?

    [48337:00] Bemerkung 14: Das weiss ich nicht.

    Sie ist sehr unstabil, psychisch.

    Es ist schwierig.

    Jetzt ist eine Familienbegleitung installiert worden, die aber in dem Sinn nicht viel

    gebracht hat, weil sie sich mit Autismus nicht auskennt.

    [48711:00] Dr.med. Ursula Davatz: Aha, nein, das bringt nicht so viel.

    [48742:00] Bemerkung 14: Jetzt bin ich gekommen. Jetzt hat der Beistand, sie

    haben eine ASS-Begleitung gesucht und jetzt bin ich ganz frisch involviert.

    [48916:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wo sind die abgeklärt worden?

    [49022:00] Bemerkung 14: In Zürich.

    [49050:00] Bemerkung 14: Die Schule ist ein Thema.

    Weil der Zehnjährige geht an eine Steiner Schule.

    Der Achtjährige geht an eine Sprachheilschule, wo wir jetzt gerade einen runden

    Tisch hatten, weil das dort gar nicht mehr geht.

    Also der verweigert alles.

    Sie sind jetzt überzeugt, wenn er an die Steiner Schule geht, dann funktioniert das

    Ganze.

    Sie haben sich dann eigentlich gegen Anraten von Fachpersonen, inklusive mir, für

    die Steiner Schule auch entschieden?

    [49593:00] Dr.med. Ursula Davatz: Der Jüngste?

    [49633:00] Bemerkung 14: Der Jüngste, der ist im Kindergarten. Der ist der

    Unauffälligste von allen.

    [49842:00] Dr.med. Ursula Davatz: Inwiefern kommt sie nicht zu Gang mit diesen

    dreien?

    [49916:00] Bemerkung 14: Sie ist heillos überfordert.

    Ich muss sagen, ihr neuer Partner, da ist auch häusliche Gewalt im Spiel.

    [50053:00] Dr.med. Ursula Davatz: Gewalttätig.

    [50099:00] Bemerkung 14: Der Beistand sagt, es ist sein komplexester Fall, den er

    bis jetzt hatte.

    Genau. Mein erster KESB Fall.

    [50257:00] Dr.med. Ursula Davatz: Aha. Was macht er von Beruf?

    [50324:00] Bemerkung 14: Nichts.

    [50334:00] Dr.med. Ursula Davatz: Nichts?

    [50354:00] Bemerkung 14: Da ist auch eine andere Nationalität.

    [50403:00] Dr.med. Ursula Davatz: Woher kommt er?

    [50427:00] Bemerkung 14: Ein Türke.

    [50439:00] Dr.med. Ursula Davatz: Schon lange in der Schweiz?

    [50521:00] Bemerkung 14: Er spricht sehr gebrochen Deutsch.

    [50585:00] Dr.med. Ursula Davatz: Okay.

    [50598:00] Bemerkung 14: Sie hat nicht wirklich Unterstützung.

    Der Türke ist sauer auf den Ex-Partner, weil er sagt, hey, ich muss quasi deine

    Kinder grossziehen.

    Meine eigenen zwei Mädchen sind uns weggenommen worden.

    Das ist so ein Konstrukt.

    [50921:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wie sind Sie reingeholt worden?

    [50953:00] Bemerkung 14: Als Autismus-Coach?

    [50982:00] Dr.med. Ursula Davatz: In der Schule oder?

    [51001:00] Bemerkung 14: Eigentlich in die Familie, aber ich bin jetzt auch sehr

    involviert in der Schule, weil ich auch so finde, die Kinder kommen schon absolut
    gestresst nach Hause.

    Ich sage, man kann sie zu Hause noch so autismusgerecht erziehen, wenn das in

    der Schule ganz schwierig ist…

    Da bin ich so ein bisschen mit der Schule dran.

    Das versuche ich so ein bisschen zu glätten.

    [51409:00] Dr.med. Ursula Davatz: Der geht in eine Sprachheilschule und der in

    die Steiner Schule?

    [51451:00] Bemerkung 14: Genau.

    Der in der Sprachheilschule, der verweigert.

    Seit er jetzt weiss, dass er in die Steiner Schule muss, er will gar nicht in die Steiner

    Schule.

    Der Vater war nicht einmal dabei am Gespräch, aber er wollte, dass er unbedingt in

    die Steiner Schule geht.

    [51690:00] Bemerkung 14: Jetzt geht gar nichts mehr beim Kleinen.

    Jetzt haben wir auch gesagt, krankschreiben und rausnehmen bis zu den

    Frühlingsferien.

    [51874:00] Bemerkung 14: Zu Hause arbeitet er mit der Mutter.

    In der Schule ist er einfach komplett am Verweigern.

    Es ist ganz schwierig.

    [52059:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dem Älteren gefällt es in der Steiner Schule?

    [52094:00] Bemerkung 14: Dem gefällt es, ja.

    [52107:00] Bemerkung 14: Der kommt auch ganz überreizt heim.

    Die Steiner Schule ist nicht spezialisiert auf Autismus.

    [52394:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die Steiner Schule hat manchmal nicht

    genügend Struktur.

    [52450:00] Bemerkung 14: Genau. Es ist schon ein grosses Gefühlsmiteiander.

    [52489:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dann ist es eine Überforderung.

    [52520:00] Bemerkung 14: Das ist das Thema.

    Ich weiss, es gibt nicht die perfekte Schule für das Kind.

    [52658:00] Dr.med. Ursula Davatz: Nein.

    [52665:00] Bemerkung 14: Das Ding ist auch, die Mutter hat auch nicht wirklich

    Unterstützung.

    Der Vater sollte sie am Wochenende nehmen, der liebliche Vater, die drei Kinder.

    Macht er aber auch nicht. Nein, macht er auch nicht.

    Er ist nur am gamen.

    [52841:00] Bemerkung 14: Bei ihm ist auch ein ASS vielleicht vorhanden.

    Ich gebe mein Bestes!

    [52987:39] Dr.med. Ursula Davatz: In welche Richtung wollen sie gehen?

    [53064:00] Bemerkung 14: Ich bin mal mit der Schule involviert.

    Der neue Schulwechsel, der muss gut vorbereitet werden, dass das überhaupt

    funktionieren kann.

    Die Eltern haben das Gefühl, der geht in die Steiner Schule und dort macht er auf

    und dort soll er nicht verweigern.

    [53319:00] Dr.med. Ursula Davatz: Und er will ja gar nicht!

    [53341:00] Bemerkung 14: Er will gar nicht.

    An dieser Sprachheilschule haben sie gesagt, wir sind nicht wirklich spezialisiert für

    Autismus, aber wir haben jetzt im neuen Schuljahr kleinere Klassen.

    Sie waren auch offen, mich nochmal in die Schule zu lassen.

    [53544:00] Dr.med. Ursula Davatz: Da würde ich ihn in dieser Schule lassen.

    [53577:00] Bemerkung 14: Ja.

    [53586:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich würde sagen, ein Wechsel bei ASS-Kindern

    ist gar nicht gut.

    [53667:00] Bemerkung 14: Genau.

    [53674:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn es irgendwie noch geht an diesem Ort,

    dort lassen.

    [53733:00] Bemerkung 14: Am neuen Ort ist er mit dem Bruder zusammen.

    [53775:00] Dr.med. Ursula Davatz: Nein. Ist auch nicht gut.

    Da würde ich jetzt klar mich dafür einsetzen, dass er hier bleiben darf und dass man

    dieser Sprachheilschule noch ein bisschen mehr Unterstützung gibt.

    Dass sie Geduld haben.

    Hat er Mühe mit seinem Benehmen?

    [54019:00] Bemerkung 14: Nicht mehr. Nicht mehr. Also wirklich geht es. Geht es

    gut.

    [54075:00] Dr.med. Ursula Davatz: Okay. Nein, dann würde ich nicht wechseln.

    [54109:00] Bemerkung 14: Ich glaube eben auch nicht.

    [54127:00] Dr.med. Ursula Davatz: Nein.

    [54161:00] Bemerkung 14: Ich bin jetzt auch zu Hause so ein bisschen installiert,

    auch um halt mich im Tagesplan einzuarbeiten.

    [54315:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die haben Familienbegleitung gehabt, aber die

    sind nicht so effizient gewesen?

    [54397:00] Bemerkung 14: Nein, klar. Das erlebe ich häufig.

    Wenn so eine Familienbegleitung ins Spiel kommt.

    Für neurotypische Kinder sind die wahrscheinlich super.

    Gerade jetzt bei Autismus habe ich das Gefühl, ist das schwierig, wenn man nicht so

    ein Wissen hat.

    [54660:00] Dr.med. Ursula Davatz: Hat man schon an HOTA gedacht?

    [54702:00] Bemerkung 14: Ja, das hat nicht geklappt.

    [54735:00] Dr.med. Ursula Davatz: Warum nicht?

    [55031:00] Bemerkung 14: Dort kommt es auch immer so ein bisschen darauf an,

    wer dann dort kommt.

    [55077:00] Dr.med. Ursula Davatz: Es kommt immer auf die Person an.

    [55119:00] Bemerkung 14: Die Mutter hat dann mir so gesagt, ja, sie hat kein

    ADHS, sie hat keinen Autismus.

    Sie hat sich abgeklärt.

    Ich habe dann so, Alkohol in der Schwangerschaft, da habe ich an fetales

    Alkoholsyndrom zum Beispiel gedacht.

    [55428:00] Bemerkung 14: Die Mutter hat so ein bisschen ADHS Verhalten.

    [55645:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ach! Das ist schwierig.

    Ich meine, die Abklärungen sind ja immer so reguläre Abklärungen und Fragebogen

    ausfüllen und weiss ich nicht was.

    ASS sowieso nicht so.

    Redet sie viel, die Mutter?

    Oder nicht?

    [55869:00] Bemerkung 14: Jetzt hat sie mit mir so ein Vertrauen gefasst.

    Sie braucht Unterstützung.

    [56123:00] Dr.med. Ursula Davatz: Könnte man noch psychiatrische Spitex

    reinholen? Aber die private?

    [56193:00] Bemerkung 14: Ja.

    [56220:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dass sie nochmal eine Bezugsperson hat.

    Vom Kindsvatter hat sie ja keine Unterstützung.

    [56321:00] Bemerkung 14: Der Beistand ist sehr offen und sehr gut.

    [56434:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, dann würde ich noch eine psychiatrische…

    Aber eben die private.

    Es gibt private psychiatrische Spitäter.

    Die sind flexibler.

    Die gehen meistens zu zweit.

    Dass, wenn eine ausfällt oder in den Ferien ist, dann hat sie eine Stellvertretung.

    [56807:00] Bemerkung 15: Ich bin eine öffentliche Spitex.

    [56839:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ah! Ja, das dürfen Sie auch machen.

    [56873:00] Bemerkung 15: Ja, es gibt ganz grosse Unterschiede, wirklich, vom

    Betrieb, was er macht und wie man Kinder betreut.

    [56970:00] Dr.med. Ursula Davatz: In welcher Region sind Sie?

    [56995:00] Bemerkung 15: Heitersberg.

    Zwölf Gemeinden bis kurz vor Bremgarten.

    [57109:00] Bemerkung 15: Ja, in Dottiken gibt es sicher auch Kinderspitex.

    [57426:00] Dr.med. Ursula Davatz: Es ist die Mutter die Unterstützung braucht.

    [57473:00] Dr.med. Ursula Davatz: Kennen Sie Leute in Dottikon? Können Sie

    jemanden empfehlen?

    [57575:00] Bemerkung 15: Ich muss mal überlegen.

    [57736:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist halt alles wieder regional organisiert.

    Die öffentliche Spitex ist auch gut.

    Es kommt immer darauf an, wer es ist.

    [57891:00] Bemerkung 15: Genau. Wie bei den Lehrern.

    Es kommt immer darauf an, wie man das macht.

    [57978:00] Dr.med. Ursula Davatz: Überlegen Sie doch mal, ja.

    Dass die Frau schlussendlich die Bezugspersonen hat, für sich. Als Unterstützung

    von sich.

    Da können sie auch zusammenarbeiten.

    Sie sind ADHS/ASS Coach.

    [58264:00] Bemerkung 14: Dem Beistand habe ich gesagt, der Zehnjährige, der ist

    sehr auf die Mutter fixiert.

    Ich habe das Gefühl, in einem Internat, das ist sicher nicht gut.

    [58441:00] Dr.med. Ursula Davatz: Nein, ja nicht.

    [58458:00] Bemerkung 14: Da habe ich auch meine Meinung klar darauf sagen

    können.

    [58528:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn man die Familie auseinanderreisst,

    dann…

    [58585:00] Bemerkung 14: Zwei sind schon weg.

    [58621:00] Dr.med. Ursula Davatz: Sie hat ihre zwei jüngsten Kinder weggeben

    müssen.

    Ich habe mal eine Familie gehabt, eine Kollegin von mir, da hat sie immer wieder ein

    neues Kind gemacht.

    Alles hat man ihr weggenommen, da hat sie wieder ein neues und ein neues und ein

    neues.

    Nein, nicht wegnehmen.

    Zusatzunterstützung.

    Wer kann den Türken ein bisschen an die Hand nehmen?

    [59015:00] Bemerkung 14: Keine Ahnung.

    [59032:00] Bemerkung 14: Letztes Mal hat sie mir eine Sprachnachricht

    aufgenommen als sie einen Meltdown hatte.

    Dann hast du ihn gehört, die ganze Zeit reinreden.

    Ich habe gesagt, einfach nicht reden, ausschalten.

    Das ist so schwierig.

    [59298:00] Bemerkung 16: Von was lebt denn der?

    [59330:00] Bemerkung 14: Von der Arbeitslosenkasse und sie von IV und so.

    [59413:00] Dr.med. Ursula Davatz: Man müsste so jemanden reinholen, der ihn ein

    bisschen unterstützt. Oder ein bisschen, ich sage jetzt, abfängt.

    [59796:00] Bemerkung 14: Ich verstehe, dass es für ihn die Situation auch nicht

    einfach ist.

    [59847:00] Dr.med. Ursula Davatz: Nein.

    [59862:00] Bemerkung 14: Du hast drei Jungs, bös gesagt, die dem Penner

    nebenan gehören, sage ich jetzt mal.

    Die sich nicht um die Kinder kümmern.

    Deine zwei Mädchen sind schon weg.

    Das ist schon schwierig.

    [60059:00] Bemerkung 16: Eingliedern in eine Arbeitsgruppe.

    [60404:00] Bemerkung 17: Hat er beim RAV einen Berufscoach?

    [60690:00] Dr.med. Ursula Davatz: Müsste man fragen.

    [60711:51] Bemerkung 17: Mit einer kulturvermittelnden Person ein Gespräch

    führen.

    [60868:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dass man über das RAV geht und dass man

    dort ein bisschen versucht, herauszufinden.

    Man kann ihn nicht einfach draussen lassen.

    [61000:00] Bemerkung 17: Dass wir ihn in seiner Muttersprache mal einfach

    erzählen lassen können, wie es ihm geht mit dieser Situation.

    [61137:00] Dr.med. Ursula Davatz: Pro Infirmis? Manchmal hat es auf der Pro

    Infirmis gute Berater.

    Es wäre gut, wenn man einen Mann hätte.

    [61314:00] Bemerkung 14: Ja, genau.

    [61327:00] Dr.med. Ursula Davatz: Man muss irgendeine Unterstützungsperson

    reinholen, damit er nicht mit seinem überforderten patriarchalen Stil da nur
    herumfunktioniert.

    Und dann auf der anderen Seite ist die Gemeinde und das KESB.

    Das bringt gar nichts.

    [61569:00] Bemerkung 18: Wieso wurden ihm die Kinder weggenommen?

    [61642:25] Bemerkung 14: Weil es anscheinend eben, Sie sagen, nicht gegangen

    ist mit diesen drei Jungs und diesen zwei Mädchen, dass es einfach wie nicht ein
    gutes Klima war zum Aufwachsen für die zwei Mädchen.

    Die sind auch bei den Grosseltern.

    Die sind bei der ex-drogensüchtigen Mutter, muss ich noch sagen.

    [61916:00] Dr.med. Ursula Davatz: Nicht schlecht.

    [61964:00] Bemerkung 14: Ich kenne die nicht.

    Das ist vielleicht vor Jahren gewesen.

    Vielleicht würden die ihre Kinder nicht zu ihr schicken, wenn das nicht eine gute

    Grossmutter wäre, denke ich mal.

    [62145:00] Dr.med. Ursula Davatz: Den Mann gibt es nicht mehr?

    [62188:00] Bemerkung 14: Das weiss ich nicht.

    [62227:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die muss natürlich da etwas gut machen.

    [62273:00] Bemerkung 14: Die Mutter erlebe ich als sehr interessiert. Sie liest

    Bücher zu Autismus. Sie geht an Weiterbildungen. Also sie ist sehr interessiert.

    [62596:00] Bemerkung 14: Sie ist irgendwie einfach allein.

    [62667:00] Dr.med. Ursula Davatz: Hat sie nie etwas gelernt?

    [62705:00] Bemerkung 14: Das weiss ich nicht.

    [62720:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich denke, man muss den schon auch noch

    reinholen.

    [62837:00] Bemerkung 14: Ja, und sie irgendwo entlasten, oder?

    Die hat ja die Kinder immer bei sich, die drei Jungs.

    [62956:00] Dr.med. Ursula Davatz: Caritas hat "Mit Mir", professionelle Göttis.

    https://www.caritas.ch/de/mit-mir-patenschaft/

    [63189:00] Dr.med. Ursula Davatz: Da kann man sich um einen Götti bewerben.

    Dann haben sie eine zusätzliche Vaterfigur.

    [63577:00] Bemerkung 14: Der deutsche Vater wohnt neben an und macht gar

    nichts.

    Er sagt nur, wo das Kind in die Schule soll.

    Sie lässt sich von ihm beeinflussen, was er meint.

    [63705:00] Dr.med. Ursula Davatz: Jemand muss noch mit ihm arbeiten.

    [64147:00] Bemerkung 14: Alle drei Kinder haben den gleichen Beistand.

    [64496:00] Bemerkung 19: Er zahlt Alimente für die Kinder.

    [64644:00] Dr.med. Ursula Davatz: Muss er wahrscheinlich.

    [64659:00] Dr.med. Ursula Davatz: Was hat der Beistand für eine Beziehung mit

    dem Deutschen Vater?

    [65135:00] Bemerkung 14: Der dringt nicht durch.

    [65718:00] Dr.med. Ursula Davatz: Es ist der Auftrag vom Beistand mit dem

    Deutschen eine Beziehung herzustellen. Mit ihm zusammen schauen, was man
    machen soll.

    [66002:00] Bemerkung 14: Der ist glaube ich auch überfordert, wenn er drei Kinder

    hat am Wochenende.

    [66072:00] Dr.med. Ursula Davatz: Der ist sicher überfordert.

    [66092:00] Dr.med. Ursula Davatz: Da könnte man natürlich schauen, ob man

    einen Götti von Caritas einschleusen möchte.

    [66183:00] Bemerkung 19: Warum will man den jüngeren in die Steiner Schule

    senden?

    [66589:00] Bemerkung 14: Das wird nicht besser in Steiner Schule.

    [66658:00] Dr.med. Ursula Davatz: Der Beistand muss mit dem Deutschen die

    Beziehung suchen, eine Beziehung herstellen.

    [67628:00] Dr.med. Ursula Davatz: Sie als Mediatorin zwischen all diesen Sachen.

    [67917:21] Bemerkung 14: Der Beistand ist super!

    [68068:00] Dr.med. Ursula Davatz: Super.

    [68092:00] Dr.med. Ursula Davatz: Sie unterstützen das Ganze als Fachperson

    von ADHS/ADS.

    [68659:00] Dr.med. Ursula Davatz: Keine Steiner Schule, kein Wechsel. Das ist bei

    diesen Kindern nicht gut.

    [68767:00] Dr.med. Ursula Davatz: Spitex für die Mutter.

    [69285:00] Dr.med. Ursula Davatz: Passt das für Sie?

    [69714:00] Bemerkung 14: Das ist definitiv eine Herausforderung.

    [69904:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, das stimmt. Sehr komplex.

    [69932:00] Bemerkung 20: Spitex ist unterschiedlich, KESB ist unterschiedlich.

    KESB Baden war schrecklich.

    Der Beitrag Erziehungsschäden Teil 3 erschien zuerst auf AD(H)D and Schizophrenia.

    1 hr 11 min
  • Erziehungsschäden Teil 2

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    Transkript

    Dr.med. Ursula Davatz

    Erziehungsschäden Teil 2
    21.3.2026
    Audio

    [14:00] Dr.med. Ursula Davatz: Also, in der ADHS-Familie nehme ich immer wieder

    wahr: sehr viele Talente, sehr viel Energie, und dann auch sehr viel Scheitern. Also
    Versuche und Nichts. Es hat dann zum Teil Hochleister in diesen Familien, und dann
    solche, die völlig missraten. Entgleitet in Sucht, in ewige Studenten und lauter
    solches Zeug. Ich versuche, aus dem etwas herauszuholen.

    [520:00] Dr.med. Ursula Davatz: Der Vater von ihr ist aus einem Bauernhof

    gekommen, und Bauern sind voll mit Traditionen, und ich habe mit vielen
    Bauernfamilien gearbeitet, und dort war immer das Erd-Problem ein Problem. Es gibt
    einen Kanton oder eine Landesgegend, wo immer der Älteste den Bauernhof
    übernimmt, und es gibt solche, wo es immer der Jüngste ist.

    Der Vater kann länger Bauer sein, wenn der Jüngste übernimmt. Es gibt aber auch

    sehr viele Konflikte zwischen Sohn und Bauernvater, der noch behalten will, der
    nichts aus der Hand geben will. Diese Vererbungsprozesse sind oft sehr
    schmerzlich. Da versuche ich Ordnung zu machen.

    Ihr Vater ist sich beschissen vorgekommen, wie dort der Erbvorgang gegangen ist,

    konnte ich jetzt nicht anschauen. Er ist von dort her ein frustrierter Mensch. Er war
    eigentlich gesellig und ruhig, aber in seiner Lebensgeschichte frustriert.

    [1645:00] Dr.med. Ursula Davatz: Diese Frustrierung, die wird dann wieder, wie soll

    ich sagen, ein Mangel an Sicherheit, ein Mangel an Vaterbild, ein Mangel an Vorbild,
    ja, und dadurch dann ein Mangel an Sicherheit.

    Sie als Mutter von ihrem jüngsten Sohn, die anderen machen es gut, wird nochmal

    dazu aufgefordert, dem jüngsten Sohn gegenüber, dem ADS-Kind gegenüber,
    welches an sich Talente hat, aber das in unserem regulären Schulsystem untergeht,
    und dann einfach kaputt gemacht werden könnte.

    Sie wird jetzt nochmal aufgefordert, mit ihrem Schicksal, über ihr Kind, dass sie da

    alles, was ihre Mutter nicht konnte, der Vater nicht konnte, nochmal möbliert,
    reklamiert, um dem jungen Kind einen guten Weg zu geben. Das ist eine rechte
    Herausforderung, ist auch eine Ehre, könnte ich sagen, ist auch eine tolle
    Herausforderung, aber sie brauchen eine gewisse Stamina.

    [2791:00] Dr.med. Ursula Davatz: Sie brauchen ein gewisses Rückgrat. Was sie

    gemacht haben, sie sind aus dem Beruf ausgestiegen und sie haben lauter
    Helfersachen gelernt, aber dass sie jetzt dem Sohn das Rückgrat stärken, ist
    wahrscheinlich die tollste Leistung, ist einmalig. Das andere, was sie mit den
    anderen Menschen gemacht haben, können noch viele machen, aber das bei ihrem
    Sohn kann niemand anders. Daher ist das auch wieder eine Auszeichnung, ein
    Schicksal.

    [3306:00] Dr.med. Ursula Davatz: Daher her müssen sie das auch diesen

    professionellen Helfern gegenüber so anbringen und sagen, hören Sie, das ist meine
    Aufgabe und ich mache das so. Wenn sie runtergemacht werden als Löwenmutter,
    überstarke Mutter, sagen sie, nein, nein, wir reden in 20 Jahren wieder. Dann
    können sie dann sehen, was herausgekommen ist. Die, die ihnen sagen ab in die
    Klinik, die sehen ihn nicht mehr in 20 Jahren. Die sehen dann nicht das Resultat
    davon.

    [3830:00] Dr.med. Ursula Davatz: Es ein sehr starkes Vermächtnis, dem Kind zu

    helfen. Helfen ist begleiten, zuhören, gehören, ein individuelles Programm machen.

    [4093:00] Bemerkung 1: Das ist eine sehr gut Zusammenfassung.

    [4146:00] Dr.med. Ursula Davatz: Stimmt das für sie. Sie kennen ihr Kind natürlich

    am besten.

    [4189:00] Bemerkung 1: Sie haben das jetzt so schön gesagt. Ich bin eine High-

    Performerin.

    [4254:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, das glaube ich Ihnen.

    [4277:00] Bemerkung 1: Ich gehe jetzt einen Schritt retour aus dem heraus für mein

    Kind.

    [4343:00] Dr.med. Ursula Davatz: Genau.

    [4387:00] Bemerkung 1: Ja.

    [4413:00] Dr.med. Ursula Davatz: Schön.

    [4418:00] Bemerkung 1: Wenn sie mir sagen, das ist ein Vermächtnis, das stützt

    mich.

    [4472:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, ja.

    [4490:00] Bemerkung 1: Das bestärkt mich auf meinem Weg jetzt.

    [4535:00] Dr.med. Ursula Davatz: Schön.

    [4541:00] Bemerkung 1: In der Ruhe und nicht in der Aggression.

    [4585:00] Dr.med. Ursula Davatz: Nein, nicht in dem.

    [4602:00] Bemerkung 1: Ja.

    [4610:00] Dr.med. Ursula Davatz: In der Sicherheit. Ich zitiere dann immer den

    Martin Luther, der hat ja gegen die katholische Kirche dann die Reformierte
    gegründet, und der hat der Schatz gesagt: hier stehe ich und kann nicht anders. Das
    ist ein emotionales Statement, ein selbstsicheres Statement, so dürfen sie hin
    stehen. Ich muss dem Sohn jetzt den Rücken stärken. So hat es der Martin Luther
    gemacht. Das war ein riesiger Machtkampf innerhalb der Religion.

    [5125:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die religiösen Kriege sind ja die grössten

    Machtkämpfe, die tödlichsten haben wir ja jetzt auch wieder auf dieser Welt. Sie
    stehen hin für Ihren Sohn mit einer Sicherheit, die niemand von diesen Berufsleuten
    hat. Niemand. Es geht nicht um eine Symptombekämpfung, es geht um ein
    Hinstehen für das Kind und für das Leben.

    [5459:00] Bemerkung 2: Und Sie machen immer ein Genogramm?

    [5493:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich mache immer ein Genogramm, ja. Ich

    schaue dann so, was da alles ist. Bei Ihrem Vater haben wir ja geschrieben,
    depressiv, aber andererseits gesellig. Ich sage ja, Depression ist eigentlich ein
    Anfang zur Selbstfindung. Man wird dann depressiv, wenn man falsch investiert hat.
    Ihr Vater hat investiert in, das ist falsch, ich hätte hier den Bauernhof bekommen
    sollen.

    [6038:00] Dr.med. Ursula Davatz: Und der andere Bruder, aus welchem Grund der

    das übernommen hat, weiss ich nicht, das muss das Verhältnis zu dem Vater sein.
    Das könnte man nochmal ein bisschen aufarbeiten. Ja. Da müssten Sie Ihren Vater
    fragen, wie das entschieden worden ist. Und da würden Sie natürlich gleichzeitig
    dem Vater ein bisschen, wie soll ich sagen, Wertschätzung geben oder eine
    Verarbeitung.

    [6479:00] Bemerkung 2: Er ist verstorben in meinem Fall.

    [6514:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ah, er ist gestorben. Ja, dann können wir es

    nicht mehr.

    [6568:00] Dr.med. Ursula Davatz: Nein, dann kann man nur noch schreiben. Ich

    schreibe dann Briefe oder lasse Leute Briefe schreiben. Da ist ein Frust und das hat
    ihn blockiert.

    [6712:25] Dr.med. Ursula Davatz: Das hat ihn depressiv gemacht.

    [6746:46] Bemerkung 2: Ich habe meinem Vater Briefe geschrieben, wo er

    verstorben ist.

    [6824:00] Dr.med. Ursula Davatz: Okay.

    [6830:00] Bemerkung 2: Ja, das habe ich gemacht.

    [6898:00] Dr.med. Ursula Davatz: Okay, sehr schön.

    [7034:00] Bemerkung 3: Ich bin mega froh, weil das hat mich wahnsinnig

    interessiert.

    [7081:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist gut, Sie müssen Fragen stellen.

    [7120:00] Bemerkung 3: Wir sind doch auf der Welt und wir haben Vorfahren

    gehabt. Sie kann der Kundin jetzt etwas mitgeben.

    [7416:00] Dr.med. Ursula Davatz: Genau.

    [7423:00] Bemerkung 3: Das lebt so wie weiter. Danke vielmals.

    [7462:00] Dr.med. Ursula Davatz: Sehr schön. Gut, dass Sie gefragt haben. Ich bin

    froh. Ja, ich mache das immer. Man kann eigentlich immer herauslesen, aber man
    muss sich Mühe nehmen. Sie haben mich jetzt dazu gebracht, mir die Mühe zu
    nehmen.

    [7770:00] Bemerkung 1: Das ist gut.

    [7791:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich bin eine Psychiaterin, die nicht

    Symptombekämpfung macht. Denn das Symptom ist ja nur ein Momentausdruck.
    Ich versuche, Symptome immer in die Geschichte einzubetten, sodass man es dann
    besser verstehen kann. Wenn man Symptome besser in die Geschichte einbettet,
    kann man auch in sich etwas verändern. Dann hat man eine Möglichkeit. Dann ist
    man nicht einfach dem Arzt ausgeliefert oder den Medikamenten, sondern dann
    kann man selber etwas dazu beitragen. Ich möchte eigentlich den Menschen immer
    ermächtigen, empowern, dass er mit seiner Geschichte, mit seinem Leben in seiner
    Situation selber etwas machen kann.

    [8631:00] Bemerkung 4: Dass man aus dem Muster austreten kann.

    [8666:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja.

    Sie haben dann gefragt, ob ich nochmal über das ADHS reden würde. Hätten Sie

    einen Fall, an dem wir es aufrollen könnten? Oder wollen Sie, dass ich mal ein
    bisschen allgemein theoretisch etwas sage?

    [9235:00] Dr.med. Ursula Davatz: ADHS/ADS Menschen haben zwei

    hervorstechende Eigenschaften. Ich sage jetzt drei. Das Symptom wird
    Aufmerksamkeitsstörung genannt. Ich sage breite Aufmerksamkeit. Sie nehmen
    alles wahr und Sie nehmen mehr wahr als der Durchschnittsmensch. Dadurch, dass
    Sie mehr wahrnehmen als der Durchschnittsmensch, werden Sie schnell abgelenkt.
    Was die Schule betrifft, wenn der Lehrer nicht sehr interessant ist, nicht
    interessanten Stoff bringen kann, dann schweifen Sie ab, schauen zum Fenster
    raus, suchen etwas anderes, etwas Interessanteres. Oder sie zeigen Teasing-
    Verhalten, sticheln den Nachbarn und so weiter. Vom Lehrer wird das interpretiert als
    Respektlosigkeit. Der hat keinen Respekt. Da geht es um die Autorität, da geht es
    um die Hierarchie. Aber für das Kind geht es nicht um die Hierarchie, sondern um
    sein Naturell und es ist ihm einfach langweilig und dann holt es sich die Stimulation.
    Das ist bei den Tieren genau gleich. Dann holt man sich etwas, um sich damit zu
    beschäftigen.

    [10450:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist die breite Aufmerksamkeit. Dann haben

    sie eine hohe Sensibilität. Wenn sie schlecht behandelt werden, Menschen mit
    einem ADHS, sie haben einen riesigen Gerechtigkeitssinn. In Bezug auf sich, aber
    auch in Bezug auf andere. Wenn ungerechte Sachen passieren in der Umgebung,
    dann müssen sie da dreinfahren. Dann müssen sie etwas sagen. Dann müssen sie
    sagen, das ist nicht gerecht und so weiter.

    [10981:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn es ihnen selber gegenüber passiert, dass

    sie ungerecht behandelt werden, dann gehen sie entweder in Kampfmodus, das
    wäre dann Fight, Mädchen gehen eher in den Fluchtmodus, Flight. Dann ziehen sie
    sich zurück, hängen sich ab und machen nicht mehr mit. Dann ist das wieder
    Respektlosigkeit. Du passt nicht auf. Aber das ist auf der menschlichen Ebene, dass
    sie sich zurückziehen. Das sind eher Mädchen.

    [11550:00] Dr.med. Ursula Davatz: Darum wird bei den Mädchen oft erst im

    Erwachsenenalter, also mit 40 oder so ADHS/ADS diagnostiziert, vorher haben sie
    sich immer angepasst. Jetzt sagt man ADHS/ADS im Erwachsenenalter bei Frauen.
    Früher war die Verteilung fünf Jungen auf ein Mädchen. Jetzt ist nur noch, seit man
    jetzt auch die Diagnose stellt im Erwachsenenalter, sagt man 1.5 Knaben auf ein
    Mädchen. Die Knaben sind nicht mehr so stark im Vordergrund.

    [12062:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die Jungen, die werden eher aggressiv und

    dann gibt es einen Machtkampf. Dann gibt es einen Machtkampf mit dem Lehrer. Ich
    sage die Paraphrasierung: man kann ADHS, ich sage jetzt mal Jungen, zu Tode
    schlagen und sie folgen immer noch.

    Sie machen dann Rebellion und es geht gar nicht mehr. Man ist blockiert. Im

    Augenblick, wo man blockiert ist, kommt man nicht mehr weiter. Von dort her müsste
    man zurück ins spielerische Verhalten gehen.

    [12578:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das Teasing, das spielerische Verhalten, das

    zeigen alle sozialen Tierarten, inklusive Menschen, in der Pubertät.

    Bei uns Menschen geht die Pubertät relativ lang, also von 13 bis 25. Die Lehrperson

    oder die Bezugsperson, die etwas erreichen will, muss da eher wieder einen Kontakt
    finden mit dem ADHS-Menschen über ein Teasing, also über einen Spass, über
    Humor, über ein bisschen Necken.

    [13111:00] Dr.med. Ursula Davatz: Da darf nicht beleidigend sein, wenn er selber

    geneckt wird. Da gibt es Kulturen, die gut sind in dem, also die Basler machen es an

    der Basler Fasnacht, da darf man den Regierungsrat, den Bundesrat, den

    Bundespräsidenten angehen, sogenannt intrigieren und ihm dumme Sachen
    anhängen oder sich lustig machen über ihn. Nur an der Fasnacht. Die Eltern, die es
    gut können mit diesen ADHS/ADS-Kindern, die gehen automatisch dann in das
    Spielverhalten hinein und dann passiert nichts, also nichts Schlimmes.

    [13744:00] Dr.med. Ursula Davatz: Indem man in das Spielverhalten hineingeht,

    heisst das noch lange nicht, dass man nicht seine Regeln und Prinzipien hat. Man
    kann so in das Spielverhalten hineingehen und dann nachher, wenn man ein
    bisschen genug ausgespielt hat, dann darf man wieder sagen, bei mir im
    Schulzimmer oder in meiner Familie oder am Sonntag oder am Samstagabend gilt
    die und die Regeln. Da gehört dann das Aufräumen dazu, Kochen oder was man
    dann machen muss. Man kann diesen Kindern sehr wohl Sachen übergeben, aber
    es muss immer auf Augenhöhe sein.

    [14286:00] Dr.med. Ursula Davatz: Man kann überhaupt nicht befehlen. Sobald

    man befiehlt, gibt es dann eben das PDA, Demand Avoidance Behavior. Dann haben
    wir wieder eine Krankheit. Es muss nicht sein. Von dem Bübel, von dem ich
    gesprochen habe, mit dem habe ich gerade sofort ein bisschen gespielt und gesagt,
    ich will das so und das so. Ich habe immer ruhig mit ihm gesprochen, so ein
    bisschen bedächtig. Seine Mutter ist immer reingefahren.

    [14793:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich nehme es jetzt mal mit heim, damit es

    besser geht. Bei ihr macht er alles. Er hat nur alles gemacht, weil ich auf ihn
    eingegangen bin und nicht gerade sofort, nein, nein, nein. Da sage ich auch, bei
    ADHS-Kindern darf man nie nein sagen. Man darf nur sagen, das ist jetzt die und die
    Situation, du hast jetzt das gemacht, aus dem und dem Grund, das kann man sogar
    validieren, aber ich als Lehrerin in meinem Klassenzimmer will es so.

    [15300:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich als Mutter zu dem Zeitpunkt will es so. Also

    man darf sagen, was man will, aber nicht befehlen, was man will.

    Wenn man etwas sagt, was man will, dann ist die Energie da.

    Nicht du sollst, du sollst, du sollst.

    Man darf ihnen gar nicht das Genick runter blasen.

    Dann hat man verloren. Wenn man anfängt zu streiten, ist man sowieso verloren.

    Okay, wenn man sich so verrennt hat, muss man aussteigen und sagen, ja, ich

    glaube, heute geht es nicht. Wir können dann das nächste Mal wieder anfangen,
    wenn wir ruhig sind.

    [15931:00] Dr.med. Ursula Davatz: Immer, wenn man den ADHS-Kindern etwas

    sagt, was man will, dass man in einer ruhigen, gelassenen und selbstsicheren
    Position ist.

    Die Haltung haben, ich erreiche das schon noch.

    Ich weiss noch nicht wann.

    Ich bringe das Beispiel vom Zirkus Knie, der Freddy Knie, der die Pferde dressiert

    hat, so freie Dressuren. Er hat gesagt, jetzt ist es nicht gegangen mit diesen
    Übungen, es gibt immer Pferde, die sehr willig sind und genau das machen, was
    man von ihnen will.

    [16471:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das sind wahrscheinlich eher die Weibchen, die

    Stuten.

    Es gibt solche, die auch einen eigenen Kopf haben. Wenn es nicht geht, dann üben

    wir es am nächsten Mittwoch nochmal. Es darf nie das letzte Mal sein.

    Dass man diese Gelassenheit hat, zu sagen, ich habe es jetzt zwar nicht erreicht,

    das ist keine Tragik, aber irgendwann erreiche ich es. Wenn ich Müttern einen Rat
    gebe, wie sie mit ihrem Kind umgehen sollen, dann sagen sie, ja, ich kann es
    probieren, aber es geht ja sowieso nicht.

    [17066:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dann müssen sie gar nicht anfangen.

    Das Kind merkt sofort, dass sie nicht ganz hinter dem stehen. Der Hund merkt es

    auch, wenn der Herr oder das Frauenlein nicht daran glaubt, dass sie es erreicht.

    Man muss wirklich daran glauben, dass man es erreicht.

    Da hatte ich schon jüdische Familien gehabt, die haben ja viele Regeln. Ein ADHS-

    Bub ist es gewesen. Die Mutter ist verzweifelt, der macht nichts von dem, was ich
    will. Dann habe ich gesagt, Sie werden sehen, er hat viele von ihren Regeln
    internalisiert, introversiert.

    [17624:00] Dr.med. Ursula Davatz: Vielleicht in fünf Jahren kommen die wieder

    zurück. Er hat mehr aufgenommen, als Sie denken, auch wenn er nicht gerade
    sofort folgt. Fünf Jahre später ist sie zu mir gekommen und hat gesagt, Sie haben
    recht gehabt. Damals hat sie nicht daran geglaubt. Wir müssen einen viel längeren
    Schnauf haben als Erzieher von ADHS-Kindern. Ich bringe das hin, vielleicht nicht so
    schnell, aber ich bringe das hin. Ich glaube daran.

    [18140:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn man hier die Strategie häufig wechselt,

    dann gibt es ein riesiges Durcheinander.

    Wenn man etwas durchsetzen will und weil das Kind dann ganz blöd tut, aufgibt, ist

    es das Schlimmste, dann lieber nichts wollen.

    Wenn man dann mal etwas will, wenn einem etwas wichtig ist und durchsetzen will,

    dann muss man wirklich auch dahinter bleiben. Dann muss man auch annehmen
    können, dass der von mir aus Möbel verschlägt oder irgend so etwas. Da hat mal
    einer gesagt: mir ist lieber, wenn in der Familie den Möbeln die Ecken fehlen, als den
    Kinder.

    [18753:00] Dr.med. Ursula Davatz: Daher muss man es dann aushalten, dass es

    jetzt halt einen Kampf gibt.

    [19335:00] Bemerkung 5: Nein sagen, ist schwierig. Ich kann mir jetzt vorstellen,

    gerade in so einem Familiensystem, wo ihnen vielleicht patriarchisch sind oder auch
    Menschen, die ihre Regeln und so durchsetzen wollen, das ist eigentlich Gift für sie.

    [19855:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn Neinsager, der Patriarch trotzdem nicht

    diesen Sicherheit gibt, dann sind es tödliche Kämpfe. Die landen dann im Gefängnis.

    Ich habe lange in der Nordost, Schweizerische Strafvollzugskommission gearbeitet

    und immer gelesen, POS-Kinder hat es dann geheissen. Da waren alle solche, da
    hat es autoritäre Väter gehabt, aber die hatten sich verheddert. Die Mütter haben
    dann alles durchgehen lassen oder sind zusammengebrochen. Einfach keine
    Sicherheit. Nein sagen ist Gift.

    Ah, du hast jetzt das so gemacht, man könnte noch fragen, mit was für einer Absicht.

    Ich fand es interessant, okay, ja, man kann es interessant sehen. Erst dann darf man
    mit seiner Antwort kommen. Ich in diesem Kontext, an dieser Stelle, als Mutter oder
    als Vater, ich will es so. Dann ist das Verhandeln.

    [20356:00] Dr.med. Ursula Davatz: Man muss an seine Erziehungsqualität

    glauben.

    Man darf dann auch nicht gerade nebenan stehen bleiben. Man darf aber auch nicht

    in ein anderes Zimmer gehen. Wenn man dem Hund ja befiehlt, Platz zu machen,
    muss man auch irgendwo ein bisschen in der Nähe sein, sonst läuft er davon.

    Man muss noch seelisch verbunden sein, aber nicht das Genick runterblasen.

    Dann gibt es nur einen Machtkampf.

    Das sind feine Nuancen. Man muss die erst spüren. Wenn man merkt, nein, jetzt hat

    es keinen Sinn, dann ist man am Punkt des Totschlags.

    [20884:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dann muss man sagen, ich gebe auf. Dann darf

    man das auch sagen, und das ist kein Misserfolg.

    Für heute gebe ich auf, wir fangen das nächste Mal wieder an.

    Mein Schlittschuhlehrer Otto Hügin hat mir damals gesagt, jetzt haben wir genug

    geübt, das nehmen wir das nächste Mal wieder dran.

    Selber ist man auch ehrgeizig, man will es können, und je mehr man es will, umso

    weniger geht es.

    [21398:00] Dr.med. Ursula Davatz: Es braucht Geduld und natürlich

    Selbstvertrauen.

    [21920:00] Bemerkung 6: Man lernt auch im Abstand.

    [22473:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dann kann man besser überlegen. Man muss

    sich nicht immer durchsetzen. Das ist nicht immer ein Misserfolg. Das ist auch
    wichtig.

    Im Schulsystem spricht man oft von Respekt und Respektlosigkeit.

    Diese Kinder haben nur vor einem Respekt, wenn man sie auch selber respektiert.

    Man kann sie nur respektieren, wenn man sie sieht.

    Gewisse Mütter sagen: ich mag dich, aber ich mag dieses Verhalten nicht.

    Man muss das Verhalten zuerst verstehen.

    Wenn ich Männer hatte, die ihren Frauen drohten, weil die weg wollten, also aus der

    Beziehung aussteigen, und auch die Frauen geschlagen haben, ich musste nicht die
    Frau beschützen, ich musste den Mann besser verstehen lernen.

    Ich musste den Mann in seinem hintersten Kämmerchen verstehen lernen, warum er

    so Angst hat, wenn seine Frau weggeht. Das löst in diesen Männern Angst aus. In
    der Angst ist man dann aggressiv.

    [22981:00] Dr.med. Ursula Davatz: Es geht immer darum, herauszufinden, was

    läuft, was interaktiv läuft.

    [23515:00] Bemerkung 7: Eigentlich geht es ja dann wie um die Bedürfnisse, oder?

    [24065:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja genau!

    Die vier Stressreflexe, die treten immer auf, also Kampf und Flucht, Totstellreflex, der

    schlimmste Totstellreflex ist dann die Katatonie.

    Das Wort autistisch hat man ursprünglich verwendet für die Schizophrenen, wenn

    sie in den katatonen Zustand gekommen sind.

    Das heisst immer, ich bin am Ende, ich weiss nicht weiter.

    Jetzt, wenn man von ASS redet, also Autismus-Spektrum-Störung, dann sagt man

    Meltdown, dann verwendet man neue Ausdrücke, Meltdown oder Frozen State. Das
    ist eigentlich nichts anderes als die Angststarre. Da ist alles blockiert, aber die
    Wahrnehmung ist noch voll da, die nehmen alles wahr. Aber sie können keine
    Bewegung mehr machen. Sie können nicht schwitzen, sie können sich nicht
    bewegen. Sie können nichts mehr machen, sie sind völlig eingefroren. Eben: frozen.

    [24577:00] Bemerkung 8: Ich glaube, Angst in dem Sinne von, man wird aggressiv

    oder so, ist ja auch, wenn man nicht ADHS ist.

    [24664:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja klar, das ist eine allgemeine Regel.

    Das ist bei den Tieren, also Angst unter Angsteinfluss kann man flüchten, kämpfen,

    Totstellreflex oder eben das Annäherungsversuchen.

    Dort würde ich sagen, dort ist es eher Unsicherheit, das ist nicht Angst. Es läuft auch

    reflexartig. Das Teasing.

    [24925:54] Bemerkung 9: Mein Sohn ist 16 und hat das ADHS. Manchmal wirft er

    mir vor, dass er sagt: Mami, ich habe zu viel Empathie von dir gelernt. Darum kann
    ich mich in der Schule nicht durchsetzen. Dann bin ich ratlos.

    [25115:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist was dran. Wie ist der Vater?

    [25186:07] Bemerkung 9: Wie meinen Sie?

    [25216:52] Dr.med. Ursula Davatz: Was hat er vom Vater gelernt, der Sohn?

    [25302:28] Bemerkung 9: Der Vater geht auch nicht so in den Kampf. Er mag

    Konflikte nicht so.

    [25643:00] Dr.med. Ursula Davatz: Da kann man sagen, ja, von mir hast du viel

    Empathie gelernt und vom Vater Ausweichverhalten.

    Du hast viele Leute um dich herum, wo du das andere auch noch lernen kannst.

    Man könnte dann fragen, wer in der Schule, bei dir, in der Klasse kann am besten
    kämpfen?

    Ist das ein Kampf, der ihm entspricht oder würde er eher eine andere Variante

    wählen?

    [26173:00] Dr.med. Ursula Davatz: Bei den Frauen ist kämpfen oft negativ besetzt.

    Das macht man nicht. Wir sind eher harmoniebedürftig. Das entspricht uns mehr.

    Da musste ich den Müttern der kleinen Knaben sagen, sie dürfen aus ihrem Sohn

    kein Mädchen machen.

    Um sich in dieser Welt durchzusetzen, muss man schon auch kämpfen können.

    [26680:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ds elegante Kämpfen ist natürlich eben wie der

    Martin Luther, mit einer klaren Haltung. So finde ich es. So vertrete ich es.

    Bei den Akademikern, das habe ich jetzt wieder erlebt, die haben dann nur die

    Statistik. Die Statistik sagt so und so. Da sage ich, nein, nicht mit einer Statistik.

    Ich erlebe, dass viele Statistiken schlussendlich mir recht geben. Also so wie ich es

    schon gesehen habe, kommt es heraus.

    [27195:00] Dr.med. Ursula Davatz: Sie dürfen ihren Sohn ruhig unterstützen. Er

    darf eine eigene Meinung haben, das ist hilfreich. So trägt er etwas bei zum
    Gruppenprozess. Das heisst nicht, dass er missionieren muss.

    Er darf seine Haltung sagen. Wenn jemand etwas von ihm will oder mit ihm etwas

    macht, das ihm überhaupt nicht entspricht, muss er nicht Empathie zeigen.

    [27762:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich einmal auch einen Vortrag gehalten,

    Empathie versus Selbstfürsorge.

    https://ganglion.ch/pdf/youtube_empathie_vs_selbst.pdf

    Selbstfürsorge ist, dass man für sich eintritt, wenn andere etwas mit einem machen,

    das einem gegen den Strich geht.

    Man darf sagen, mir ist das und das passiert und ich habe das und das empfunden.

    Es kann einem niemand die eigenen Gefühle absprechen.

    [28314:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn man die eigenen Gefühle ausagiert, dann

    ist es nicht mehr gut.

    Wenn man sie benennt, das ist absolut okay.

    Man kann nie sagen, du hast nicht das Recht, so zu fühlen.

    Doch, man hat das Recht.

    Da können sie ihn ein bisschen unterstützen, dass er sich gut spürt, wenn ihm etwas

    nicht passt, wenn ihm jemand gegen den Strich geht oder wenn er etwas sagen will,
    das nicht der Allgemeinmeinung entspricht, dass er sich traut, das zu sagen.

    Das is ein Lanzenbrecher.

    [28854:00] Bemerkung 10: Empathie ist ja eigentlich eine Stärke von ADHS. Ich

    habe selber auch ADHS. Ich finde Empathie etwas Tolles. Das hat mich auch so
    gemacht, wie ich jetzt bin. Ich erlebe auch viele Menschen mit ADHS sind halt so
    People Pleaser. Die wollen es allen recht machen. Das ist auch ein grosses Thema
    mit ADHS, weil sie auch so Angst hat dann von dieser Zurückweisung.

    [29372:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ganz genau. ADHSler merken alles, und die

    haben immer ihre Fühler draussen, die merken alles, was da passiert. Dann wollen
    sie sich so verhalten, dass nichts Negatives passiert, also dass man nicht auf sie
    losgeht. Im Extremfall geht das bis in die Psychose hinein, dass sie, wenn sie
    eigentlich ein schlechtes Gewissen haben und dann irgendjemand zwinkert mit den
    Augen, denken sie, der tut jetzt mich verurteilen. Sie projizieren eigentlich ihre
    eigenen Schuldgefühle auf die Aussenwelt. Ich muss die dann immer zurückholen
    und sagen, Fühler ein bisschen zurücknehmen. Dann bringe ich immer den Satz von
    Antoine de Saint-Exupéry: On ne voit bien avec le coeur.

    [29943:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich sage dann, consultez votre coeur.

    Halten Sie inne, machen Sie die Augen zu, spüren Sie, überlegen Sie, was nehme

    ich wahr?

    Was nehme ich emotional wahr und nicht visuell?

    [30479:00] Bemerkung 9: In diesem Moment darf er mehr auf sich selber bezogen

    sein.

    [30527:57] Dr.med. Ursula Davatz: Absolut.

    Dann heisst es, ist das nicht egoistisch?

    Dann sage ich, einen gewissen Egoismus braucht es, um zu überleben.

    Die Flight Attendant sagt auch zuerst selber die Maske anziehen, dann dem Kind.

    Sie können niemanden hilfreich sein, wenn sie verloren sind.

    [31011:00] Bemerkung 11: Insbesondere als Teenager.

    [31038:44] Dr.med. Ursula Davatz: Viele brauchen dann auch manchmal wieder

    ein bisschen Distanz von der Gruppe, damit sie sich sammeln können.

    Damit sie wieder finden, wo sie sind. Dem sage ich dann, zentrieren.

    Sie müssen sich zentrieren. Sie müssen sich finden.

    Sie müssen sich spüren.

    Sie müssen in sich hinein hören, was sie brauchen, was ihre Meinung ist.

    [31519:00] Dr.med. Ursula Davatz: Depression, der Weg zur Selbstfindung.

    [31601:52] Bemerkung 11: Wann wird man depressiv?

    [31655:44] Dr.med. Ursula Davatz: Man wird depressiv, wenn man falsch investiert.

    Falsch investiert, falsch investiert beim ADHS, zu fest in die anderen investiert und

    sich vergisst.

    Dann ist das Gleichgewicht nicht mehr gut.

    [32084:00] Bemerkung 12: Zwei Schwestern und die eine ist schwer erziehbar, hat

    man mir gesagt. Das ist so super gut gegangen bis an dem einen Tag, wo dann der
    Freund der Mutter aufgetaucht ist.

    [32360:16] Dr.med. Ursula Davatz: Da ist ein patriarchales System reingekommen,

    das dann gemeint hat, er wisse alles und er muss allen befehlen. Da muss man
    immer bedenken, wir haben 2000 Jahre unter patriarchalen Systemen gelebt.

    Jetzt sind ja die patriarchalen Systeme dran, sich gegenseitig zu bekämpfen.

    Es ist eine absolute Katastrophe. Jetzt sind wir Frauen an sich speziell gefragt, dass

    wir eine andere Methode verwenden.

    [32876:48] Bemerkung 13: Sie haben vorhin erwähnt, wir sollten Geduld haben und

    durchhalten. Das ist schon gut und recht.

    [33029:30] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist, wenn es Ihr eigenes Kind ist. Genau.

    Aber nicht ein fremdes.

    [33146:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das geht nicht. Da hat der Patriarch, der

    Freund von ihr, hat alles übernommen.

    Das ist vergessene Liebesmühe, wenn sie da sich weiter bewegen. Das geht nicht.

    Das ist zu stark dann. Die Frau hat ja das auch zugelassen, die Mutter.

    Da hat man das Verhältnis von Mutter der Kinder und Stiefvater.

    [33673:00] Dr.med. Ursula Davatz: Immer, wenn man Patchworkfamilien hat, wenn

    Leute neu zusammenkommen, gilt für mich immer die Regel, die liebliche Mutter ist
    die Erzieherin, aber nie der Stiefvater.
    Er ist nur Mensch, Mann, er hat sein Geschlecht und er darf sagen, ich habe das
    nicht gerne. Oder mit dem komme ich nicht zugange. Oder ich habe lieber so und
    so. Er darf persönlich etwas sagen, aber nicht die Kinder erziehen.

    Das machen die meisten Stiefväter und Stiefmütter. Die Stiefväter wollen die Kinder

    erziehen und die Stiefmütter, die wollen geliebt werden. Auch das geht nicht.

    [34339:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn man die Stiefmutter gerade so liebt, dann

    ist man untreu zur verstorbenen Mutter oder zur geschiedenen Mutter. Dann kommt
    das Kind wieder in ein moralisches Dilemma, in einen Konflikt. Man darf nicht
    erziehen als Zusatzperson.

    [34633:15] Bemerkung 14: Ich arbeite in einem Beobachtungskindergarten, vor

    allem mit ADHS und Autismuskindern.

    Bei uns ist einfach auch das Problem, wenn man etwas einfordert, dass das nicht

    ankommt. Zum Beispiel aufräumen.

    Spielt der kulturelle Hintergrund eine Rolle?

    Die weiblichen Lehrpersonen werden nicht ernst genommen.

    [34936:00] Bemerkung 14: Der Bub hat einen albanischen Hintergrund.

    [35020:20] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, klar, dann macht es Mutter.

    [35126:33] Bemerkung 14: Mir ist auch gesagt worden, du als Lehrperson kannst

    dich jetzt nicht durchsetzen gegen den Brief.

    [35452:00] Bemerkung 14: Mein Ansatz ist mehr, dass man auf Beziehungsebene

    arbeitet.

    Die anderen Lehrpersonen sind länger dort und haben mir gesagt: du lässt dir das

    auch gefallen in dem Sinn, dass er frech gegenüber mir ist. Das sei falsch.

    [35812:39] Dr.med. Ursula Davatz: Sobald man einen multikulturellen Kindergarten

    hat, hat man heutzutage eine multikulturelle Schulklasse.

    [36007:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn man es ein bisschen gut machen will,

    muss man bei jedem Kind ein bisschen sich vor Augen halten, was hat er für einen
    Hintergrund.

    Bei diesem albanischen Bub, wenn der nicht aufräumt, wenn er ihnen nicht folgt,

    dann würde ich, aber es braucht Zeit, klar, würde ich auf die Gegenstrategie gehen,
    wer räumt bei euch zu Hause auf? Der Vater oder die Mutter? Oder die Geschwister
    oder deine Schwestern, die älteren Brüder?

    [36511:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn er nichts sagt, sagt man ist es immer die

    Mutter, die aufräumt.

    Man muss nach seinen Vorbildern suchen. Ich gehe jetzt davon aus, dass die Mutter

    immer aufräumt. Dann würde ich fragen, wenn er Schwestern hat, und die Mädchen,
    müssen die auch beim aufräumen helfen oder nicht? Ja, vielleicht. Okay, vielleicht
    helfen die der Mutter.

    [37029:00] Dr.med. Ursula Davatz: Und der Vater, tut er auch aufräumen? Nein,

    nicht. Okay. Das ist deine Kultur. Bei dir zu Hause läuft es so. Wir sind jetzt hier im
    Kindergarten, in der Schweiz, im Kanton weiss ich nicht was. Dann sagen sie, weisst
    du, hier bei uns läuft es so. Da sind alle gleichgestellt, da müssen Mädchen und
    Buben aufräumen. Dann fragen: kannst du das verstehen?

    [37537:00] Dr.med. Ursula Davatz: Kannst du das nachvollziehen?

    Nein, das will ich nicht.

    Wie willst du dann mal in die Gesellschaft? Befiehlst du dann einfach allen, was

    willst du mal für einen Beruf?

    Kann man schauen.

    Also man muss ihn dann ein bisschen begleiten. ier den Tschau durchbegleiten.

    Am Schluss landet man wieder hier bei mir in diesem Raum.

    [38092:00] Bemerkung 14: Manchmal kann er es. Dann frage ich hast du

    vergessen, dass Du aufräumen kannst?

    [38150:04] Dr.med. Ursula Davatz: Ich würde es nicht so hervorheben.

    Ich würde sagen, schön, jetzt hast du geholfen.

    [38231:06] Bemerkung 14: Manchmal macht er es. Oder wir machen es

    zusammen.

    [38286:25] Dr.med. Ursula Davatz: Das finde ich auch gut, dass man es dann

    zusammen macht und dass man sogar sagt, oh, ich habe da etwas, wo gehört das
    hin? Sie spiele dumm und er muss entscheiden. die Dummen sind, die nicht wissen,
    wie. Und er muss sagen. Ja, okay. Aber das ist möglich. Zusammen mache ich…
    Kann man nicht in ein Spiel reingehen? Ja, das ist auch gut.

    [38646:00] Bemerkung 14: Es geht mehr in ein Spiel hinein.

    [38692:10] Dr.med. Ursula Davatz: Jetzt machen wir Aufräumspiel. Spielerisch mit

    ihm umgehen.

    Es geht nicht um das Können und nicht Können.

    Das ist ein polarisierendes Bild.

    [39148:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das nächste Mal, wenn er nicht will, sagen, ja,

    was läuft nicht recht? Wollen wir es zusammen machen?

    Immer in einer Interaktion und immer in Aufgaben.

    Wenn man noch auf das Problem zugehen will, kann man sagen: lässt du dir von

    deiner Mutter keinen Befehl geben, darf nur der Vater befehlen? Was macht der
    Vater, wenn du nicht folgst?

    Die fliehen dann meistens.

    Dann sagt man: weisst du, das will ich nicht, bei uns machen wir es anders. Sie

    können immer unterscheiden und das andere ist nicht schlecht, es ist einfach
    anders. Hier machen wir es so.

    [39862:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich zitiere ich immer den Jean Piaget mit dem

    Konzept der Dezentrierung.

    Mit 16 Jahren oder so, in der Pubertät, lernt man dezentrieren.

    Als Kind ist man völlig monozentriert auf sich, seine Verhaltensweise und so weiter.

    In der Pubertät hat man zwar Regeln, aber man kann sagen, aha, die anderen

    machen es anders.

    Das muss man dem beibringen, in deiner Familie läuft es so und im Kindergarten

    läuft es so.

    [40392:00] Dr.med. Ursula Davatz: Kinder können das lernen. Auch wenn es zu

    Hause wieder nach dem alten Stil läuft, hier läuft es so.

    Der Schah aus Persien hat auch gelernt, wie es geht in der Schweiz.

    Er hat es dann auf der Welt so ein bisschen probiert, aber ist dann auch völlig

    entgleist.

    Für das sind wir nicht verantwortlich. Wir sind hier. Ja. Sie dürfen ganz klar sagen,

    sie sind die Autorität. Hier bei mir und in der Schweiz und in diesem Kindergarten
    sind das die Regeln.

    [40963:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das wäre wieder der Martin Luther, der sagt:

    hier stehe ich und kann nicht anders.

    Wir erreichen das schon. Zusammen in einen Wettlauf gehen.

    Macht das Sinn?

    [41599:00] Bemerkung 15: Hat das nur mit dem Kulturellen zu tun?

    [42179:00] Bemerkung 16: Ich komme als Frau, Lehrperson und muss mich

    durchsetzen. Bei mir läuft es über die Beziehung. Im Einzelsetting klappt es sehr gut.

    [42720:00] Dr.med. Ursula Davatz: Sie dürfen sich Zeit lassen. Sie müssen sich

    persönlich durchsetzen. Sie müssen den Jungen in die Beziehung holen.

    Willst du nicht, dass man dich sieht, dass du einer Frau folgst?

    Da wird er in seinem System beschämt.

    [43238:00] Dr.med. Ursula Davatz: Lassen Sie sich nicht durcheinanderbringen,

    wenn die anderen sagen, sie können sich nicht durchsetzen. Wenn man sich zu früh
    durchsetzt, läuft es schief. Sie müssen zuerst die Allianz bilden.

    [43765:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die können sie eben besser bilden, wenn sie in

    seinem System Respekt entgegenbringen.

    Klar, für ihn ist es ein Vorteil, wenn die Männer immer recht haben und sich immer

    durchsetzen können.

    Da geht es halt nicht. Da kommen wir jetzt auch zu den jetzigen politischen

    Situationen. Die benehmen sich ja wie kleine Kinder.

    So kann man eine Welt nicht mehr regieren.

    [44311:00] Dr.med. Ursula Davatz: Man kann ihm sagen, du wirst mal ein

    gescheiterer und vernünftiger Mann.

    Du kannst mit anderen Sachen umgehen.

    [45217:00] Bemerkung 17: Ich arbeite in der Altersintegration und wir haben ja sehr

    viele undiagnostizierte Menschen mit ADHS, mit ganz viel Erziehungsschäden.

    Gibt es dort vielleicht ein paar Grundsätze, wie man dem gut begegnen kann?

    [45770:00] Dr.med. Ursula Davatz: Da würde ich genau das Gleiche anbringen. Ich

    würde sagen, wie ist das bei dir zu Hause gelaufen? Wer hat es gesagt? Der Vater,
    die Mutter. Wenn er nicht durchgekommen ist, was hat er gemacht? Was hat die
    Mutter gemacht, wenn sie nicht durchgekommen ist? Die Männer schlagen,
    schimpfen und schreien. Die Frauen, die wollen oft sich durchsetzen mit Leiden.

    Wenn du mir nicht folgst, habe ich Kopfweh oder Bauchweh oder Asthmaanfall und

    weiss ich nicht was.

    Das ist auch nicht gut.

    Dass man eher wieder Geschichten erfragt.

    Dann könnte man fragen, und was willst du für einen wertvollen männlichen Bürger

    in unserer Gesellschaft sein?

    Nachfragen, nach was für einem Leitbild will er sich entwickeln?

    Und das Gleiche in Bezug auf die schwierige Schulkarriere?

    [46094:10] Bemerkung 17: Geschlagen sind schon nicht mehr so viele geworden,

    aber einfach wahnsinnig gelitten, mit Abwertung und mit den Anforderungen
    entsprechend.

    [46169:50] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, dann kann man sagen, das war sicher

    schwer für dich. Da hast du leiden müssen und das ist schlimm. Aber weisst, unser
    Hirn ist dermassen lernfähig, das kann neue Muster lernen. Damit will ich dir
    behilflich sein. Unser Hirn ist lernfähig. Heutzutage sagt man, das Hirn kann lernen
    bis zum Tod. Also früher hat man gemeint, das Hirn ist ausgebildet, ist fertig. Jetzt
    spricht man von dieser adulten, also erwachsenen Neurogenese. Das ist der
    Hippocampus innerhalb des emotionalen Hirns, Mittelhirns. Der kann lernen, ein
    bisschen langsamer, aber never too late.

    [46774:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die dürfen eifrig sein, ihm etwas Neues

    beizubringen.

    Er ist ja schliesslich geflüchtet, er ist zu uns geflüchtet und nicht um einfach gleich zu

    bleiben.

    Da kann man etwas lernen.

    Sie wollen ihm helfen zu lernen.

    Nehmen sie es nie persönlich.

    [47366:00] Dr.med. Ursula Davatz: Indem man in einen Lernmodus reingeht, ist es

    für einem interessant und man lockt den anderen.

    Wir lernen jetzt etwas miteinander. Das ist spannend.

    Hoffnung, dass es noch veränderbar ist.

    Da kann man sagen, das Hirn ist so lernfähig.

    Ich habe ein Buch gelesen über Neuroplastizität, das ist unglaublich.

    Das war dann auch bei körperlichen Krankheiten.

    Was sie gelernt haben, Wahnsinn. Wenn jemand einen gelähmten rechten Arm

    hatte, hat man dem gesunden Arm einen Fausthandschuh angelegt, damit er dem
    rechten Arm Kommandos geben musste.

    [48003:00] Dr.med. Ursula Davatz: Indem er den linken Arm, der eigentlich

    funktioniert hat, blockiert hat, war er gezwungen.

    Wir sind ein tolles Wesen.

    [48328:51] Bemerkung 18: Ich frage mich dann einfach, wie mache ich das mit 24

    Kindern um mich herum?

    [48557:00] Bemerkung 18: 10 davon fürchten das Gespräch und die Beziehung.

    Ich habe die Zeit nicht.

    Dann sind ja noch 14 andere, die ja normal funktionieren und auch etwas zu gut

    hätten.

    Können Sie da noch etwas dazu sagen?

    Ich spüre etwas beim einzelnen Kind, aber danach in der Masse klappt es nicht.

    Der Schulleiter sagt dann wir sind überfordert.

    [49097:00] Bemerkung 18: Wie kann man einen Rahmen schaffen, wo möglichst

    viel möglich ist?

    [49172:06] Dr.med. Ursula Davatz: Ich denke, Sie müssen dann immer

    herausfinden, ob Sie das alleine mit ihm abhandeln müssen.

    Sie als Klassenlehrerin sind natürlich für das Ganze zuständig.

    Sie geben Ihre Regeln durch. Die müssen einfach sein, klar, aber die wollen Sie

    durchsetzen.

    Wenn du das Kind dagegen verstösst, dann können Sie nicht im Klassenverband

    mit dem dann so einzeln reden. Das ist alles Einzelgespräch. Da müssen Sie sagen,
    du hast Mühe, dich an das anzupassen, wir müssen miteinander noch ein
    Einzelgespräch führen.

    Dann und dann habe ich Zeit. Wenn Du jetzt hier nicht mitmachen kann, dann

    müsste man dem eher einen Auftrag geben, spring dreimal auf das Schulhaus oder
    geh Briefmarken kleben.

    Einen anderen, einen einzelnen Auftrag, dass man ihn herausnimmt aus dem

    Klassenverband.

    [50196:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wichtig ist immer, dass Sie Ihre Regeln sagen

    und immer wieder vertreten.

    In der Schule hängen die Regeln an der Wand.

    Regeln müssen immer persönlich vertreten werden.

    Regeln kann man nie einfach, das ist der Paragraph, sondern das sind unsere

    Regeln.

    Das Einzelne müssen Sie mit dem Einzelnen machen.

    Da dürfen Sie sogar sagen, das können wir jetzt nicht aushandeln, das muss ich mit

    dir alleine aushandeln.

    Dann und dann. Das alleine aushandeln ist nicht, du wirst bestraft in dieser

    Einzelstunde. Nicht so!
    Man sagt man ja, mit dir muss ich ein Hühnchen rupfen.

    Nein, wir wollen nicht ein Hühnchen rupfen, sondern miteinander in der

    Zweierbeziehung Regeln besprechen.

    [50928:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das geht dann nicht im Klassenverband.

    Im Klassenverband müssen Sie die Autorität behalten können.

    Ich hatte Lehrer, die nicht sehr stark waren, einer, der psychotisch wurde, und dann

    haben die Mädchen übernommen und die Klasse geführt.

    [51451:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das nehme ich nicht an bei ihnen, das muss

    nicht sein.

    Sie dürfen sagen, ein paar von euch leuchtet das jetzt vielleicht nicht ein und ihr seid

    nicht einverstanden, aber es läuft jetzt hier im Klassenverband trotzdem so.

    Ich sage: Mobbing ist immer Chefsache.

    Wenn Mobbing in einer Klasse passiert, hat die Klasse, keine Sicherheit.

    Dann übernimmt irgendeines der Kinder die Führung, auf seine Art.

    [51978:00] Dr.med. Ursula Davatz: Sie müssen nicht eine bestrafende Führung

    haben, aber man muss immer spüren, dass sie die Führungsperson sind.

    Da hat es ein Beispiel gegeben.

    Da hat eine Klasse überhaupt nicht funktioniert und der Lehrer ist krank geworden.

    Dann hat man einen alten, erfahrenen Lehrer gefragt, ob er die Klasse nochmal

    übernehmen würde, weil man einfach nicht mehr zugange kommt mit der Klasse. Er
    hat gesagt, ja, ich mache das aber ihr dürft mir gar nichts vorschreiben. Ich mache
    das, was für mich stimmt.

    Das ist seine natürliche Autorität.

    Am ersten Tag ist er da rein gesessen. Er hat nur gelesen. Zuerst die Zeitung, alles

    durcheinander. Am zweiten Tag ist er wieder gekommen, hat er ein Buch gelesen,
    wieder alles durcheinander. Am dritten Tag hat einer der Schüler gesagt, wann
    fangen wir endlich an mit dem Unterricht?

    [53113:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn man aushalten kann, dass es ein

    bisschen rundherum drübergeht, aber wegen dem seine Autorität nicht verliert, dann
    bekommt man sie.

    Leuchtet das ein?

    [53289:45] Bemerkung 19: Ja, ja, schon.

    Ich habe jetzt einfach so Situationen im Kopf, wo der eine schreit und der andere

    davorspringt.

    Es ist der einzige Weg wie ich es überlebe.

    [53672:00] Dr.med. Ursula Davatz: Bevor sie ins Klassenzimmer gehen, sich

    überlegen, was ist der Anfangsfokus.

    Dann sagen, heute machen wir das.

    [54197:00] Bemerkung 20: Ich arbeite im Kindergarten. Wir haben schon einen

    Plan.

    [54255:31] Dr.med. Ursula Davatz: Nicht irgendein Plan.

    Ein Thema und was wir machen mit dem Thema.

    Heute nehmen wir das Thema und wir machen das mit dem. Das kann dann ändern

    später.

    [54733:00] Bemerkung 20: Wir kommen zuerst in den Kreis.

    Dann machen wir bis alle da sind irgendein Sammelding.

    Dann machen wir den Fokus.

    Das machen wir jetzt heute. Da sind wir dran bis zum Znüni und nachher öffnet es

    sich dann wieder.

    [54971:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wie büchsen die Kinder aus? Wie tun Sie sich

    daraus herausnehmen?

    [55056:57] Bemerkung 20: Wir essen zuerst Znüni, die fertig sind, stehen auf den

    Stuhl und dann besprechen wir mit ihnen, was sie jetzt machen.

    [55247:00] Bemerkung 20: Wenn sie nicht wissen, was, dann suchen wir mit ihnen

    zusammen etwas.

    [55342:21] Dr.med. Ursula Davatz: Ich bin jetzt Kindergärtnerin, aber vielleicht

    müssen Sie doch noch ein bisschen klarer fokussieren. Wenn Sie zu früh gerade
    anfangen zu besprechen, wie machen wir es, dann ist es fast ein bisschen viel.

    [55783:00] Bemerkung 21: Wir geben die Freiheit: wie machen wir es?

    [55829:12] Dr.med. Ursula Davatz: Damit sie auf einem Fokus sind, wo sie zuerst

    einsteigen.

    Wenn dann jemand irgendetwas sagt, kann man das mit reinnehmen.

    Das ist noch keine demokratische Partei.

    [56017:06] Bemerkung 22: Sie würden nach dem Znüi mehr führen?

    [56053:32] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, zu Beginn mehr führen.

    [56100:05] Bemerkung 23: Ich mache es auch so. Ich habe so einen Pikto mit

    Klammern.

    Dann dürfen die Kinder dort hin, wo noch nicht besetzt ist.

    Alle wollen dann in den Bewegungsraum. Es gibt schon zwei Klammern, du musst

    jetzt woanders hin.

    Nein, will trotzdem in den Bewegungsraum.

    Das geht nicht.

    Dann haben sie einfach die Wahl, noch eben in die Bauecken zu gehen oder zu

    zeichnen.

    Dann ist die Auswahl kleiner.

    Die einen haben auch am Anfang Mühe, das zu akzeptieren, dass sie gerade zuerst

    das machen dürfen, was ihren Bedürfnissen entspricht.

    Nach dem Znüni dürfen wir wechseln.

    [56952:00] Dr.med. Ursula Davatz: Da haben Sie die Regeln.

    Es dürfen nur so viele an einen Ort.

    Das ist die Regel.

    Die Regel wir nicht gebrochen.

    [57538:00] Bemerkung 24: Die ersten zwei dürfen sagen, sie wollen gerne in den

    Bewegungsraum.

    [57617:21] Bemerkung 25: Ja, das tue ich natürlich sehr dezent steuern, welches

    Kind zuerst zu mir kommt und welches Klämmerchen setzt.

    [57749:36] Dr.med. Ursula Davatz: Da immer wieder die Regeln anmahnen und

    nicht sagen, nein, du darfst jetzt nicht. Die Regel ist, nur zwei, der Geschwindere ist
    der Schnellere. Das ist jetzt halt so.

    [58134:00] Bemerkung 24: Teils muss man es auch wirklich sehr strukturiert

    machen.

    [58195:43] Dr.med. Ursula Davatz: Gerade, wenn man schon viele Ethnien hat,

    muss man mehr strukturieren.

    Sie müssen immer ein bisschen schneller sein.

    Das ist noch schwierig, denen immer eins voraus zu sein.

    [58395:05] Bemerkung 26: Seit ihr nicht zwei, drei Kindergärtnerinnen? Wenn wir

    unsere Grosskinder abholen, habe ich schon erlebt, dass eine Lehrerin draussen
    war mit vier Kindern. Was machen die?

    Fast jeden Montag sind die vier, die noch eine Runde drehen, damit sie auf die

    Reise gehen.

    Nachher sind sie zufrieden.

    Jetzt haben wir immer einen schönen Abschluss, hat die Kindergärtnerin gesagt.

    Jetzt kommen wir nachher wieder rein und dann gehen in den Kreis und haben

    Ruhe.

    [59187:08] Dr.med. Ursula Davatz: Ganz allgemein sind die Kinder ohnehin zu fest

    rückgebunden ihrer Bewegung.

    Kinder sind sehr bewegungsdrängig.

    [59390:00] Dr.med. Ursula Davatz: Früher waren sie auf dem Bauernhof und

    haben den ganzen Tag mitgeholfen beim Arbeiten oder irgendetwas machen oder
    spielen.

    Heute sind sie relativ stark eingebunden.

    Von dort her muss man oft halt zuerst eine Bewegung machen, bevor man sie dann

    wieder zusammennimmt.

    Speziell die paar sehr Störenden.

    Sie sind der Chef.

    Je weniger gut das Kollektiv funktioniert, umso mehr müssen sie Chef sein.

    Je besser es eingespielt ist, umso weniger müssen sie Chef sein.

    Sie müssen merken, jetzt braucht es sie.

    Sonst passiert Mobbing.

    [60070:00] Bemerkung 27: Ich gehe immer wieder in den Kindergarten, Kinder

    beobachten.

    Das letztes Mal mussten die Kinder eine Stunde in dieser Kreissequenz sitzen.

    [60212:19] Dr.med. Ursula Davatz: Das geht nicht.

    [60228:08] Bemerkung 27: Dann wurde einfach gesagt: Matteo, wir haben doch

    letzte Woche besprochen, dass du dich zusammenreissest.

    Ich meine, gebt doch dem irgendein Fidget-Toy in die Hand, lasst den irgendwie

    etwas machen.

    Der ist dann so da gehockt, oder?

    [60595:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dem muss man eine Aufgabe geben.

    Man könnte ihm auch eine andere Aufgabe geben.

    [60698:10] Bemerkung 27: Ich erlebe das immer wieder, dass es unvorhersehbar

    ist, eben dass es weniger so klare Abläufe gibt.

    Gerade bei Autismus ist ja der Kindergarten oft schwierig, weil der nicht so

    strukturiert ist wie die Schule.

    [60894:11] Bemerkung 28: Das ist eine wahnsinnige Herausforderung, auch was

    du jetzt so erzählt hast, so viele verschiedene Kinder zu führen.

    Ich würde an dem glaube ich scheitern, weil ich es allen recht machen will.

    Individuell recht machen.

    Das muss man sich abschminken.

    Ich bin keine Lehrperson, aber ich kann mir so vorstellen, dass das die tägliche

    Herausforderung ist und die Enttäuschung, dass man dem wieder nicht gerecht
    wurde oder dem nicht, weil es wird nicht funktionieren.

    Ich sehe das nur, wenn ich alle fünf Grosskinder aufs Mal füttere.

    Ich kann unmöglich allen gerecht werden.

    [61680:00] Bemerkung 28: Ich versuche mein Allerbestes, aber gewisse Frustdinge

    sind einfach da, was ja auch gut ist, dass sie lernen, mit Frust umzugehen, wenn ich
    das begleiten kann, mit fünf Kindern.

    Aber mit 23 Kindern ein Ding der Unmöglichkeit.

    [61898:06] Bemerkung 29: Wir waren früher auch viele Kinder im Kindergarten,

    aber keine so grosse Kulturvermischung.

    [62219:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn es schon ein heterogenes Kollektiv ist

    und mit so vielen Anforderungen, muss man autoritärer werden und mehr führen.

    Da kann man nicht so demokratisch und das willst du und das willst du.

    Wenn man dann mal den Ton angegeben hat und wenn es gut läuft, dann kann man

    wieder ein bisschen anders.

    Zum Beginn muss man mehr die Zügel in die Hand nehmen.

    Sonst läuft es einem einfach aus den Fingern.

    [62731:00] Bemerkung 30: Es gibt jetzt ganz coole Lehrkräfte, die wirklich bewegte

    Schulen machen, die wirklich auch Bewegungszettel haben.

    Ich finde, das ist mega sinnvoll.

    Ich habe drei Kinder, ich habe so eine Kindergartenlehrperson gehabt, die war mit

    diesen jeden Tag draussen.

    [63246:00] Bemerkung 30: Die hatten nie so Konfliktsituationen, ruhig da sitzen,

    still sitzen, zuhören, alles in der Ruhe machen können.

    Das geht gar nicht.

    Die müssen sich auch bewegen können und mit der Motorik aktiv sein, die

    vierjährigen Kinder.

    [63677:04] Dr.med. Ursula Davatz: Ich möchte Sie mal als Lehrperson fragen, was

    sagen Sie dazu, wie könnte man die Schule noch ein bisschen mehr unterstützen?
    Mit diesen vielfältigen Anforderungen.

    [63802:00] Bemerkung 31: Ich finde, ein gutes Rezept als Lehrperson ist sicher,

    weil es ja so multikulturell ist, wenn man auch Arbeiten mehr das Miteinander in den
    Raum stellt.

    Ich habe ich zum Beispiel gute Erfahrungen gemacht, dass man miteinander eine

    Arbeit macht, miteinander etwas macht, weil dann verbindet man sich auch als
    Klasse oder als Einzelne und stellt nicht nur sich in den Raum, sondern das
    Miteinander, das gemeinsame Erarbeiten von etwas.

    [64326:00] Dr.med. Ursula Davatz: Man könnte von dort her auch gerade am

    Anfang so eine Miteinanderarbeit ankündigen.

    Wer übernimmt welche Rolle und was müssen wir da alles erfüllen?

    [64568:14] Bemerkung 32: Es ist unruhig in der Welt, sie streiten zum Beispiel viel.

    Wir haben ja auch viele Probleme mit, eben aufeinander losgehen.

    Wir machen zum Beispiel: heute ist ein friedvoller Tag oder heute ist mein friedvoller

    Tag.

    [65182:00] Bemerkung 32: Das ist eine Bewusstseinschulung.

    Das fruchtet über mehrere Jahre.

    [65518:58] Dr.med. Ursula Davatz: Dass man das Gemeinschaftsgefühl fördert,

    das geht mit allen Ethnien.

    [65696:00] Dr.med. Ursula Davatz: Alle Religionen haben ja so

    Gemeinschaftsrituale.

    Sie können als Lehrerin das auch in der Schule einführen.

    Heute haben wir das Ritual.

    Es ist wichtig und jeder darf seinen Beitrag leisten und jeder leistet einen anderen

    Beitrag, aber man darf nie Gemeinschaftlichkeit aus lasssen.

    Nicht einfach individualisiert.

    [66133:35] Bemerkung 32: Genau.

    Die Eigenverantwortung zum Beispiel fördern oder dass auch mal ein Kind, wie eine

    Lehrerposition übernimmt oder eine Assistenzposition und dann auch mal das
    Gefühl bekommt für eine Verantwortung, die man übernimmt, zum Beispiel, und
    dann auch wahrnimmt, wie ist das, wenn ein anderer einem immer stört?

    Oder wenn ich störe, wie ist das, wenn andere mich stören?

    Dann empfindet man oder erlebt das eben auch als anderer Mensch.

    [66271:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, das finde ich auch eine sehr gute Idee. Das

    habe ich gemacht in der Schulklasse von unserer ältesten Tochter. Die sind nicht in
    das Lager gegangen, weil die sich nicht gut benommen haben. Das fand ich sehr
    schlimm.

    [66802:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dann habe ich mich dann auch eingemischt.

    Dann habe ich auch den Vorschlag gemacht, die Kinder, die wollen oder die, die
    Ansprüche haben, die dürfen eine Viertelstunde lang mit dem Lehrer zusammen
    oder auch alleine Schule geben. Das ist so hilfreich.

    Ein Rollenwechsel.

    Dann merken sie, wie es ist, wenn man immer gestört wird von seinen Kollegen.

    [67372:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dass sie Lehrer spielen dürfen. Was für eine

    Stufe haben Sie?

    [67441:23] Bemerkung 32: Ich habe Mittelstufe und Unterstufe, bin aber

    Fachlehrperson. Im kreativen Bereich.

    [67537:33] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist natürlich schön. Gerade dort kann man

    ganz viel einbringen für die Persönlichkeitsbildung.

    [67654:00] Bemerkung 32: Ja, das ist es so. Das ist ein sehr schönes Fach von

    dem.

    [67723:26] Dr.med. Ursula Davatz: Ich habe ja gesagt, wir leben in einer

    individualisierten Gesellschaft und ich denke, zum Teil sind wir da zu sehr
    individualisiert und wir müssen immer auch wieder das Gemeinschaftsgefühl
    erwecken können, stimulieren können in den Kindern.

    [67998:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wir sind soziale Wesen.

    Sonst will jeder Chef sein und dann zerfällt der ganze Kuchen.

    Ich sage: ein Kuchen nur aus Rosinchen hält nicht zusammen.

    Es sei denn, es ist der Plumpudding dort ist viel Zucker drin.

    Ja, dass man das Gemeinschaftlichkeitsgefühl immer wieder ein bisschen fördert

    und dass im Gemeinschaftlichkeitsgefühl nicht jeder verdrückt wird, sondern jeder
    einen bisschen einen anderen Platz haben kann.

    [68516:00] Bemerkung 32: Jeder Mensch hat ja auch seine eigenen Qualitäten und

    Fähigkeiten.

    Das alles zusammen gibt ja ein riesengrosses Potenzial.

    [68703:31] Dr.med. Ursula Davatz: Da sagt man dann immer, das Ganze ist mehr

    als die Summe der Einzelteile.

    Indem man es zusammensetzt, gibt es etwas viel Interessanteres.

    Ich befasse mich immer so mit Evolution.

    [69046:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn man da die Evolutionsgeschichte

    anschaut, bis die ersten Einzeller gekommen sind, ist es relativ lange gegangen.

    Dann bis aus den Einzellern Vielzeller geworden sind, ist es nochmal lange

    gegangen.

    Wo dann die Vielzeller-Organismen gekommen sind, ist es auf einmal rasant

    hochgegangen.

    Wir sind sozial ein Vielzeller-Organismus.

    Wir müssen als Vielzeller-Organismus lernen, ohne einen König oder einen Diktator

    zu funktionieren.

    [69557:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dann gibt es so viel mehr Möglichkeiten.

    Man sagt ja, auch in den demokratischen Gesellschaften ist die Entwicklung mehr

    vorangegangen als in den autoritären.

    Da ist Europa das Beispiel dafür.

    Wir können immer wieder so unser historisches Beispiel verwenden.

    [70058:00] Dr.med. Ursula Davatz: Mehr Theorie oder noch einzelne Fällen?

    [70111:11] Bemerkung 33: Ich hätte noch gerne ein bisschen Theorie.

    Ich arbeite einfach therapeutisch.

    Wenn Sie so theoretische Sachen erklären, dann gibt das für mich so Sinn.

    [70325:28] Dr.med. Ursula Davatz: Da könnte ich ja ein bisschen erzählen von

    meiner therapeutischen Erfahrung.

    [70437:18] Bemerkung 33: Für mich wäre es sehr spannend.

    [70595:00] Dr.med. Ursula Davatz: Viertelstunde Pause.

    Der Beitrag Erziehungsschäden Teil 2 erschien zuerst auf AD(H)D and Schizophrenia.

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From a systemic point of view, parental changes in behavior are far more effective and efficient than any therapeutic attempts at controlling the symptoms of the schizophrenic family member.

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