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Wohl in keiner anderen Region der Welt finden sich so viele Weihnachtsbräuche wie im Erzgebirge. Und die jahrhundertealten Traditionen leuchten weit ins Land: Wer Chemnitz Richtung Süden verlässt und B95 immer weiter hinauf und immer weiter hinein ins Gebirge folgt, dem strahlen immer mehr Lichterbögen in den Fenstern entgegen. Auf den Marktplätzen der Dörfer und Städtchen drehen sich große Weihnachtspyramiden; Bergmann und Engel grüßen den Gast. So scheint sich das Mittelgebirge zu einer einzigen „Weihnachtsstube“ zu verwandeln. Einen Blick hinter die Tür der „guten Stube“ konnte Regina König erhaschen.
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Der Geruch nach Holz liegt in der Luft, Sägespäne türmen sich auf dem Fußboden — in der Manufaktur Köhler in Eppendorf entsteht Weihnachten immer wieder neu. Mehrere tausend Krippenfiguren verlassen jedes Jahr die Werkstatt und reisen in alle Welt: In die USA, nach Japan und Singapur, oder nach Norwegen, Dänemark und Schweden. Im Lager türmen sich Kisten und Kästen, alles muss noch bis zum Fest verschickt werden. Jetzt in der Vorweihnachtszeit herrscht Hochbetrieb.
Björn Köhler präsentiert eine
seiner Holzfiguren.
(Bild: Regina König / ERF Medien)
Trotzdem nimmt mich Björn Köhler mit auf einen Rundgang durch die Werkstatt. „Das hier wird ein Tannenbaum,“ erklärt er mir. Rasend schnell dreht sich der Rohling auf der Drechselbank, mit einem scharfen Werkzeug bringt der Drechsler den Rohling in Form.. Mehr als 40 Mitarbeiter drechseln, schleifen und bemalen die Heilige Familie und ihre Gäste im Stall. Auch Leuchter, Engel und Weihnachtsmänner gehören zur Kollektion, doch das Kerngeschäft ist die Krippe. Mit dem Blick des Experten erkennt Björn Köhler schon an den Baumscheiben, welche Figur aus dem Holz entstehen könnte: „Das hier ist eine Fichte, bei der die Jahresringe sehr dicht aneinander liegen. Die wird sehr wahrscheinlich eine Maria oder eine Palme.“
Durch Weihnachten kommt das Göttliche in unseren Alltag
Björn Köhler bei der Arbeit.
(Bild: Regina König / ERF Medien)
Den Rohstoff liefern die Wälder vor der Haustür. „Ich habe großen Respekt vor Bäumen und ich möchte möglichst viel von ihrer Schönheit in das Produkt fließen lassen“, erzählt Björn Köhler. So zeigen alle seine Figuren die Maserung des Holzes.
Zum „Botschafter des Erzgebirges“ wurde Björn Köhler vor drei Jahren ernannt, mehrfach erhielten seine Produkte Auszeichnungen. Die Tradition der Heimat will er fortführen, aber auch neue Akzente setzen. So präsentieren sich seine Krippenfiguren in schlichten, reduzierten Formen. Gesichter haben sie nicht, aber Ausstrahlung: Der Betrachter spürt Ruhe, Demut und Innigkeit. Für Björn Köhler selbst ist die Weihnachtsgeschichte jedes Jahr neu und unfassbar: „Gott ist Mensch geworden, er kommt uns ganz nah. Damit gibt es keine Barrieren und Schranken mehr. Das finde ich so schön, dass auf diese Weise das Göttliche in unseren Alltag gekommen ist.“
Der größte Schwibbogen der Welt
Drechseln, schnitzen, malen, tüfteln — im Erzgebirge wird das allerdings nicht nur den Profis überlassen. An kalten Winterabenden zusammensitzen und werkeln, das hat hier Tradition, bis heute. Und so gibt es einen reichen Fundus an Volkskunst mit weihnachtlichen Motiven. Einblick gewährt die Weihnachtsschau in Gelenau, sie lädt ein in die „gute Stube“:
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Die Hirten laufen zur Krippe und …