ERF Gottesdienst

Alles wird gut


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© Bevis G / unsplash.com
Das Telefon klingelt, mein Sohn ist dran, weint fast und sagt aufgeregt: „Mama, ich bin mit dem Fahrrad ganz doof hingefallen, mein Pedal ist abgebrochen, und ich bin auf den Kopf gefallen, kannst Du mich abholen? Beim Bäcker.“
Zuerst bin ich natürlich erschrocken. Ich hatte auch gar kein Auto zur Verfügung, als das passiert ist.  Also leihe ich mir eins. Hoffentlich passt sein Fahrrad in den kleinen Golf.
Dann fahre ich los. Er steht jammernd an einem Straßenschild und wartet offensichtlich sehnsüchtig, dass ich komme.
Das Fahrrad passt ins Auto, und ich spüre fast körperlich seine Erleichterung, dass er jetzt neben mir sitzt. Hier ist er sicher. Alles fällt von ihm ab. Alles wird gut.
Mit etwas Abstand denke ich: Wie gut, dass er in dieser digitalen Zeit so eine Erfahrung machen konnte. Ja, er ist gestürzt, ja, er hat sich wehgetan. Aber vor allem: Er hat es durchgestanden. Er hat eine Lösung für eine schwierige Situation gesucht und gefunden. Er hatte kein Handy aber ein paar Centstücke in der Hosentasche und hat eine Telefonzelle gefunden, von wo aus er mich anrufen konnte. Er hat eine Erfahrung gemacht, wie er eine Belastungssituation durchstehen kann und ist nicht schon im Vorfeld von seiner „Helikopter-Mutter“ um jegliche Herausforderung herumgeschifft worden. Diese Erfahrung wird ihn lebenstauglicher und widerstandsfähiger machen.
 
An Herausforderungen wachsen wir
Jesus hat seinen Jüngern auch immer mal die Gelegenheit gegeben, besondere Erfahrungen zu machen. Auch dazu bedurfte es manchmal zunächst einer Herausforderung, einer schwierigen Situation. Jesus hat es zugelassen, dass auch seine Jünger und Nachfolger in schwierige Situationen kamen. So z. B. auch Maria und Martha: Ihr Bruder Lazarus ist krank. Sehr krank. Todkrank.
Sie lassen es Jesus wissen, dass Lazarus, mit dem er befreundet war, schwer krank darniederliegt. Jesus ließ sich davon aber nicht beunruhigen, sondern sagte voller Gelassenheit: „Diese Krankheit wird ihn nicht umbringen. Sie ist nur die Bühne für Gottes großen Auftritt, wenn er seine Macht und Herrlichkeit an Lazarus zeigen wird.“ Und Jesus ließ sich Zeit. Er war gerade nicht in Jerusalem, als ihn die Nachricht von der Krankheit Lazarus‘ erreicht. Aber in aller Seelenruhe blieb er noch zwei Tage auf der anderen Jordanseite. Dann erst schlug er seinen Jüngern vor, wieder nach Jerusalem zurückzukehren. Die Jünger waren erschrocken über diesen Gedanken von ihm, denn die Stimmung in Jerusalem war recht feindlich und aggressiv gegen Jesus gewesen. Aber auch das konnte Jesus nicht verunsichern. Er hatte offensichtlich keine Angst vor dem Tod – nicht vor seinem eigenen und auch nicht vor dem von Lazarus.
Etwas provokant sagt Jesus deshalb: „Lazarus schläft, ich gehe mal, um ihn aufzuwecken“. Seine Jünger wollen ihn umstimmen mit dem Argument: „Aber Schlaf ist doch wichtig, um gesund zu werden! Lass ihn doch schlafen, das wird ihm gut tun!“ Sie hatten gar nicht kapiert, dass Jesus trotz räumlicher Entfernung wusste, dass Lazarus bereits gestorben war. Das offenbarte er ihnen nun: „Lazarus ist schon gestorben. Ich bin froh, dass ich nicht da war… – damit ihr glaubt.“
Wie bitte? Lazarus ist seiner Krankheit erlegen, und Jesus sagt: „Wie gut, dass ich nicht da war!“?
Das ist ganz schön heftig. Warum entschuldigt er sich nicht oder erklärt nicht, was ihn daran gehindert hat, rechtzeitig zu kommen, um Lazarus vor dem Sterben zu bewahren?
Das ist der Moment, in dem die Jünger und Schwestern von Lazarus um eine Erfahrung reicher werden. Selbst angesichts des Todes ist Jesus nicht hektisch, nicht hysterisch, …
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