ERF Gottesdienst

Beten: Wenn es mal wieder zäh wird


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© Carsten Meier / ERF Medien
Wieder ist es so weit: Ich düse rasant durch eine typische Woche. Ein Termin jagt den anderen. Am Samstag oder Sonntag fällt mir nicht mehr auf, dass Wochenende ist, und ich lehne mich verdächtig aus der Kurve. Dabei hatte ich mir fest vorgenommen, kürzer zu treten, um nicht mehr ins Schleudern zu geraten.
 
Entschleunigung versus Beschleunigung
Mir fällt auf: Je seltener ich bete, desto hektischer und stressiger wird mein Leben. Und je „wilder“ oder leidenschaftlicher mein Gebet ausfällt, desto mehr innere und schöpferische Ruhe habe ich im Alltag. Ich sage hier nicht, dass ich nur lang und viel beten muss und schon habe ich alles im Griff. Aber ich merke, dass ein kontinuierliches Gebetsleben mir hilft, ruhiger zu bleiben und die Freude in meinem Leben zu behalten.
Gott weiß, wie oft mir das misslingt. Ich bin ein initiativer und begeisterungsfähiger Mensch. Ich liebe es, wenn was los ist. Aber wenn ich mich zu schnell und zu oft von irgendwas oder irgendwem mitreißen lasse, bin ich gefährdet, meine Grenzen zu überschreiten. Dann bleibt keine Zeit oder Energie mehr fürs Gebet übrig, ich habe keine Kraft mehr für die Ruhe. Eine paradoxe Erfahrung, die scheinbar viele Menschen machen. Ich nenne das ein „geistliches Schleudertrauma“.
Je seltener ich bete, desto hektischer und stressiger wird mein Leben. Und je „wilder“ oder leidenschaftlicher mein Gebet ausfällt, desto mehr innere und schöpferische Ruhe habe ich im Alltag. 
 
Was mich vom Beten abhält
Nun könnte man meinen, die Umstände sind schuld. Bei mir stimmt das nicht. Immer, wenn mein Gebet dünner ausfällt, entdecke ich, dass sich unmerklich meine typischen Lebenslügen eingeschlichen haben. Eine, auf die ich besonders gern reinfalle, lautet: „Es passiert ja nichts im Gebet!“ Da ich sehr zielorientiert bin, ist das für mich nur schwer auszuhalten. Gott muss doch etwas tun, denke ich – anstatt auch ihm zu erlauben, einfach nur in meiner Gegenwart zu sein. So wie ich vor ihm einfach nur sein darf, ohne etwas leisten zu müssen. Mir hilft das Bild vom brachliegenden Acker. Er ist einfach da, auch ohne Saat, wenn nichts auf ihm wächst. Aber mikroskopisch tut sich in der Erde etwas Großartiges: Der Acker wird wieder fruchtbar!
Eine andere irrige Annahme von mir ist: „Gott kümmert sich nur um die Belange der anderen – aber nicht um meine.“ Solche Überzeugungen sind mir meist nicht bewusst. Sie sind aber der Grund, warum Gott mir manchmal so weit weg scheint, obwohl er mir doch nahe ist, ja, sogar in mir lebt.
Auch im Gespräch mit Ratsuchenden stelle ich fest, wie sich ungesunde Gottesbilder hartnäckig halten und jede Motivation zum Gebet attackieren können. Zum Beispiel: „Gott ist sauer auf mich, weil …“ oder „Gott hat mich vergessen, ich komme zu kurz …“ Diese Annahmen stammen aus den Erfahrungen eines Menschen, die er sich durch seine Prägungen und eigenen Deutungen immer wieder neu bestätigt. Es gibt tatsächlich Menschen, für die muss das Leben schwierig oder enttäuschend sein – denn so sind sie es gewohnt. Andernfalls verstehen sie die Welt nicht mehr. Hier kann eine seelsorgerliche Reflexion vieles positiv verändern. 
Auch im Gespräch mit Ratsuchenden stelle ich fest, wie sich ungesunde Gottesbilder hartnäckig halten und jede Motivation zum Gebet attackieren können. 
 
Umgang mit Enttäuschungen
Dennoch bleiben Enttäuschungen ein ernstzunehmendes und großes Hindernis, das Menschen vom Beten abhalten kann. Es ist vielleicht sogar die größte Herausforderung im Leben eines Christen, …
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