
Sign up to save your podcasts
Or


Eine Folge über die Bedeutung von Kultur als Fundament von Identität und Zukunft: Was bleibt, wenn der Krieg nicht nur Städte und Menschenleben zerstört, sondern auch die kulturelle Identität eines Landes und seiner Bewohner bedroht? Unsere Folge „Geschichte und Kultur retten und bewahren“ widmet sich dem Erhalt ukrainischer Kultur im Kontext des russischen Angriffskrieges. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Kultur geschützt werden kann, sowohl als gelebte Praxis im Alltag als auch in Form von Kunstwerken, Archiven und historischen Sammlungen.
Victoria Jost, Leiterin der ukrainischen Samstagsschule in Mainz, nimmt die Hörer:innen mit in den Schulalltag und spricht darüber, wie die ukrainische Sprache, Traditionen und Bräuche an Kinder und Jugendliche weitergegeben werden und warum ihr Erhalt gerade in Zeiten von Krieg und Flucht essenziell ist. Daneben gibt Professor Matthias Müller, Mitbegründer des Ukraine Art Aid Center, Einblicke in internationale Rettungsmaßnahmen für bedrohte Kulturgüter in der Ukraine und erklärt, wie Kunstwerke evakuiert, gesichert und digital bewahrt werden. Ergänzt wird diese Perspektive durch Oleksandra Kovalchuk vom Odesa Fine Arts Museum, die von den Herausforderungen des Kulturschutzes direkt vor Ort in der Ukraine erzählt.
2014 annektierte Russland die ukrainische Halbinsel Krim, acht Jahre später folgte die großangelegte Invasion in das ukrainische Staatsgebiet. Doch die Wurzeln des russisch-ukrainischen Konflikts reichen weit über diese Ereignisse hinaus. Wer die Hintergründe des Krieges verstehen will, muss einen Blick in die gemeinsame und zugleich umkämpfte Geschichte Russlands und der Ukraine werfen. Diese historische Dimension spielt auch für Wladimir Putin und seine Unterstützer:innen eine zentrale Rolle: Mit gezielten Geschichtsverzerrungen und Falschinformationen versuchen sie, russische Ansprüche auf die Ukraine zu legitimieren und politische Ziele zu rechtfertigen.
In diesem Podcast gehen wir der Frage nach, wie Diktaturen Geschichte als politische Waffe einsetzen. Wir beleuchten die Bedeutung von Geschichtsverfälschung für autoritäre Regime, diskutieren, inwieweit Russland als Diktatur bezeichnet werden kann, und zeigen am Beispiel der Krim, wie historische Narrative seit Jahrhunderten genutzt werden, um territoriale Ansprüche zu untermauern. Außerdem werfen wir einen Blick auf eine dritte Partei, die im Streit um die Halbinsel häufig übersehen wird.
Als Expert:innen kommen der Politikwissenschaftler Dr. Félix Krawatzek vom Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien in Berlin [ZOIS] sowie die Historikerin Prof. Dr. Kerstin Jobst vom Institut für Osteuropäische Geschichte der Universität Wien zu Wort. (Bastian Bublitz, Maninder Clemens, Jakob Mares und Lilli Sigle)
Literaturtipps:
Aro, Jessikka: Desinformation als Waffe. Über einen Krieg, den Russland seit Jahren führt. In: APuZ 28/29 (2022), S. 42–46.
Arte: Mit offenen Augen. Angriff auf eine Statue. In: YouTube. URL: https://www.youtube.com/watch?v=tjrqTO0wSY4.
Arte: Mit offenen Augen. Der Kampf um die Geschichte. In: YouTube. URL: https://www.youtube.com/watch?v=3oHepBNSHQk.
Belton, Catherine: Putins Netz. Wie sich der KGB Russland zurückholte und dann den Westen ins Auge fasste. London 2020.
Jobst, Kerstin: Geschichte der Krim. Iphigenie und Putin auf Tauris. Berlin/Boston 2020.
Kappeler, Andreas: Kleine Geschichte der Ukraine. München 92024 (Beck Paperback 1059).
Klimeniouk, Nikolai: Gibt es ein Russland ohne die Krim? Russische Narrative über die ukrainische Halbinsel. In: APuZ 74, 6/8 (2024), S. 17–23.
LpB Baden-Württemberg: Chronologie des Ukraine-Konflikts. In: LpB Baden-Württemberg online. URL: https://www.lpb-bw.de/chronik-ukrainekonflikt.
Nazrullaeva, Eugenia [u. a]: Indoktrination in Russland. Russland-Analysen Nr. 445. In: BpB online. URL: https://www.bpb.de/themen/europa/russland-analysen/nr-445/545143/analyse-indoktrination-in-russland/.
Sasse, Gwendolyn: Rekonstruktion einer Annexion. Fakten, Lücken und Mythen. In: APuZ 74, 6/8 (2024), S. 10–16.
Schor-Tschudnowskaja, Anna: Verklärung der Geschichte als Zukunftsrezept. Wie Russland aus Geschichtsverklärung ein utopisches Potenzial zu schöpfen versucht. In: BpB online. URL: https://www.bpb.de/themen/deutschlandarchiv/563310/verklae-rung-der-geschichte-als-zukunftsrezept/
Was bedeutet es, wenn im Krieg nicht nur Menschen und Infrastruktur, sondern auch Kultur angegriffen wird? Dieser Frage geht die erste Folge unserer Podcastreihe nach. Sie beschäftigt sich mit der gezielten Zerstörung ukrainischer Kulturstätten seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Jahr 2022. Ausgehend vom Beispiel des Theaters von Mariupol diskutieren wir die Bedeutung von Kultur für individuelle und kollektive Identität. Im Gespräch mit der Kulturanthropologin Dr. Alina Jašina-Schäfer wird erläutert, wie Kultur wissenschaftlich verstanden werden kann und welche Folgen Kulturzerstörung für Gesellschaften hat. Die Ukrainerin Daria schildert uns ihre persönlichen Erfahrungen mit Krieg, Identität und kultureller Zugehörigkeit. Abschließend ordnet der Osteuropahistoriker Prof. Dr. Jan Kusber die Angriffe historisch ein und zeigt, wie die Infragestellung ukrainischer Eigenständigkeit in längeren Traditionen russischer Herrschafts- und Geschichtspolitik verwurzelt ist.
Trotz des 1998 von Jörg Baberowski ausgerufenen Endes der Osteuropäischen Geschichte ist die Disziplin höchst lebendig – und sehr produktiv. Aber: Nachdem sie das Ende des Kalten Krieges verarbeitet hat, stellen sich spätestens seit den Angriffen Russlands auf die Ukraine 2014 und 2022 neue Herausforderungen, und nicht alle davon sind direkt mit diesen Angriffen verbunden. Andere Herausforderungen werden in den Diskussionen seit 2022 besser sichtbar, haben aber eine Vorgeschichte. Grundsätzlich stehen Selbstreflexion und die Verständigung über diese Herausforderungen innerhalb der weiteren disziplinären Gemeinschaft einer Disziplin wie der Osteuropäischen Geschichte gut zu Gesicht – aber Sammelbände sind vielleicht nicht mehr der Ost, an dem diese Reflexion gut verhandelt werden kann. Wir haben uns deshalb für einen Podcast entschieden, in dem wir viele Stimmen hörbar machen. Unser Dank gilt den Beiträger:innen: Franziska Davies, Julia Herzberg, Jerzy Kochanowski, Jannis Panagiotidis, Hans-Christian Petersen, Ruprecht Polenz, Christine Roll, Maike Sach, Ingrid Schierle und Martina Winkler.
Den Podcast widmen wir Jan Kusber, der die Osteuropäische Geschichte hier bei uns in Mainz seit 2003 in der Leitung des Arbeitsbereichs produktiv entwickelt.
Andreas Frings, Hans-Christian Maner
Auch jüdische Frauen aus dem Russländischen Reich emigrierten mit ganz unterschiedlichen Erwartungen auf ein ,,besseres’’ Leben um 1900 ins osmanische Palästina, in die USA oder nach Argentinien. Ihre Wege führten sie nicht nur an neue Orte, sondern auch in neue Rollen und neue Identitäten. In diesem zweiten Podcast zur ostjüdischen Einwanderung ins osmanische Palästina gehen Aksanur Ulucay, Kim Marie Linsner, Sare-Nur Tasdemir und Paul Baselt ihrer Einwanderungsgeschichte nach. Gerade heute ist es wichtig, ihre Stimmen zu hören: Wie lebten sie im Russländischen Reich? Was wurde dort von ihnen erwartet? Wie gestaltete sich ihr Leben nach der Einwanderung in Palästina, was veränderte sich? Und: Welche Rolle spielten Prostitution und Menschenhandel auf ihrer Reise? Diese Fragen besprechen sie unter anderem mit Susanne Korbel und Gur Alroey.
Literaturtipps:
Schon vor 1914 wandern Jüdinnen und Juden vornehmlich aus dem Russländischen und dem Habsburger Reich ins osmanische Palästina ein. Johanna Stephan, Benjamin Denno, Alicia Leonhardt und Zoe Stenger nehmen Euch auf diese Reise mit. Neben den Gründen für die Auswanderung geht es auch um die Reise selbst und um den Kontrast zwischen Ideal und der Realität. Der erste Podcast dieses Podcast-Duos beleuchtet besonders die Perspektiven migrierender jüdischer Männer: Wie sahen ihre Erwartungen aus, die an sie gestellt wurden? Mit welchen Ideen ihrer Zeit sahen sie sich konfrontiert? Wie haben sie in einem fremden Land ihren Platz gefunden? Was war, wenn das Ideal nicht mit der Realität mithalten konnte? Diese Fragen besprechen sie unter anderem mit Jan Kusber, Susanne Korbel, Barbara Henning und Gur Alroey.
Literaturtipps:
Erst die Arbeit, dann das Vergnügen? Auf den ersten Blick scheint dieses alte Sprichwort eindeutig. Doch was bedeutete Freizeit früher? Diese (Clio-)Episode nimmt Euch mit auf eine gedankliche Reise in vergangene Zeiten. Bastian Bublitz, Dominik Jozwiak und Leon Hendrik Otto folgen dem Weg der „freyzeyt“, gehen dem „Blaumachen“ auf den Grund und entdecken einen der beliebtesten Zeitvertreibe: die Spielkarten. Sie verraten, wie unser heutiges Kartenblatt entstand — und welche Geschichten hinter Herz, Pik, Kreuz und Karo stecken. Doch sie fragen auch: Wie viel freie Zeit hatten Menschen in der frühen Neuzeit wirklich? Welche Rolle spielten kirchliche Gebote, Feiertage und der Sonntag? Und was bleibt von diesen historischen Entwicklungen von Arbeit, Religion und Freizeit heute noch übrig?
Freut euch auf eine Episode voller spannender Einblicke, überraschender Anekdoten und historischer Perspektiven, die uns zeigen, wie sehr sich unsere heutige Freizeitkultur in der frühen Neuzeit entwickelt hat.
Literaturtipps:
An einem Tag an der Uni laufen wir hunderten verschiedenen Menschen über den Weg und sie sind alle unterschiedlich gekleidet. Der eine trägt Nike-Schuhe, während die andere eine GAP-Jacke trägt, von der ein wiederum anderer findet, dass sie schon seit Jahren nicht mehr im Trend ist. Warum tragen Menschen so unterschiedliche Kleidung? Drücken sie damit ihre Persönlichkeit aus? Und konnten die Menschen eigentlich schon immer tragen, was sie wollten?
Im Podcast „Kleidung machen Leute“ untersuchen Martina Sophie Reichenbach und Lena Becher die Kleidungsstile der Menschen und die Gründe dahinter im Frankreich des 18. Jahrhunderts. Hierfür begrüßen sie Dr. Cornelia Aust, Expertin für Kulturgeschichte der Kleidung in der Frühen Neuzeit von der Universität Düsseldorf.
Wusstet ihr zum Beispiel, dass es schon in der Frühen Neuzeit „Secondhandläden“ gab? Oder hättet ihr gedacht, dass in der Frühen Neuzeit nur einem ganz kleinen Teil der Bevölkerung bestimmte Stoffe, Verzierungen und ganze Kleidungsstücke vorbehalten waren? Wenn ihr mehr erfahren wollt, klickt einfach rein und verbringt ein paar spannende Minuten mit uns bei Clio auf die Ohren.
Literaturtipps:
Im Frühjahr 2023 sorgt eine Szene im Moskauer Kreml international für Aufsehen: Präsident Putin stützt seine Gebietsansprüche auf eine Karte aus dem 17. Jahrhundert, auf welcher die Ukraine angeblich nicht verzeichnet ist. In diesem Podcast nehmen Lisa Pflaumer und Lukas Holin dieses Ereignis zum Anlass, um den politischen Gebrauch von Karten genauer unter die Lupe zu nehmen. Sie sprechen darüber, warum Karten nicht nur Orientierung bieten, sondern auch als machtvolle politische Werkzeuge eingesetzt werden. Steckt dahinter ein Prinzip, das tief in der Geschichte verankert ist?
Zusammen mit Prof. Dr. Jan Kusber und Dr. Sebastian Becker diskutieren sie, wie Karten in der Frühen Neuzeit genutzt wurden, um Territorien zu beanspruchen, Herrschaftsansprüche durchzusetzen und Weltbilder zu prägen. Dabei hinterfragen sie die scheinbare Objektivität von Karten und ergründen, wie sie bis heute Narrative formen, auch in Hinblick auf aktuelle Konflikte.
Literaturtipps:
Im Naturhistorischen Museum in Mainz finden sich drei merkwürdige Tiere zwischen Pferd und Zebra: drei Quaggas, ein Hengst, eine Stute und ein Fohlen. Das Quagga gilt als ausgestorben, es gibt aber Rückzüchtungsprojekte. Wie kamen die drei präparierten Tiere aus Südafrika nach Mainz? In diesem Podcast erzählen Maja Ulrich, Kevin Keller und Robin Marc Swann die faszinierende Geschichte dieses ausgestorbenen Zebras aus Südafrika. Sie beleuchten die europäische Kolonialzeit, in der das Quagga gejagt und schließlich ausgerottet wurde, wie auch das Nachleben des Quaggas in Naturhistorischen Museen und die ethischen Debatten um seine Rückzüchtung. Bernhard Gißibl, Historiker am Leibniz-Institut für Europäische Geschichte, gibt Einblicke in die Haltung der Kolonialisten gegenüber dem Quagga und die Bedeutung von Naturkundemuseen in dieser Ära – und Bettina Henrich, Zoologische Präparatorin am Naturhistorischen Museum in Mainz, erläutert die Schwierigkeiten der fachgerechten Präparation. Der Podcast leistet so nicht nur einen Beitrag zur großen Debatte um das Artensterben und den Biodiversitätsverlust, sondern auch zur historischen Aufarbeitung dieser Entwicklungen mit einem Blick auf den kolonialen Griff nach der Natur.
Literaturtipps:
From the publisher's feed
„Clio auf die Ohren“ ist der Podcast des Historischen Seminars an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Wir arbeiten aus der geschichtswissenschaftlichen Forschung und Lehre heraus. Manchmal…
Manche Podcasts verstehen wir als eine Art Bohrung, um historische Tiefenschichten zu bergen, die im historischen Wissen unserer Gegenwart verschüttet worden sind. In anderen Podcasts begeben wir uns auf die Suche nach Antworten auf historische Fragen – und Ihr dürft neben uns herlaufen! Alle unsere Podcasts versuchen, die Grenzen des geschichtswissenschaftlich Diskutierbaren auszuloten: Wo sind diese Grenzen, wie erreichen wir sie?
Das gilt auch für die Themenwahl: Nur zu gerne loten wir Themen jenseits des Alltagskanons aus. Dabei leitet uns eine Frage: Was können wir im Gespräch oder in der Suchbewegung zu einem konkreten historischen Problem über die Welt zu dieser Zeit lernen, politisch, sozial, ökonomisch oder kulturell? Begleitet uns gerne bei unseren Bohrungen und Suchbewegungen!
Kontakt: Dr. Andreas Frings, [email protected]