ERF Gottesdienst

Dampf im Kessel


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© Nastya Gepp / pixabay.com
Streit kommt in den besten Familien vor – sagt ein Sprichwort. Das ist auch nicht anders, wenn Jesus zu Besuch ist. Das Haus ist voller Gäste. Nach einem langen Fußmarsch sind die Männer durch ihr Dorf gekommen. Sicher hatten sie Hunger und konnten gut eine Pause vertragen. Was also lag näher für Martha, als sie freundlich herein zu bitten?
 
Hereinspaziert!
Sie ist die Herrin des Hauses (Lukas 10, 38), in dem sie mit ihren beiden Geschwistern wohnt. Für Martha ist es scheinbar kein Problem, spontan Gäste zu empfangen. Auch nicht, wenn es gleich 13 Personen oder mehr sind. Offensichtlich hat sie gerne Besuch und scheut auch den damit verbundenen Aufwand nicht.
Wann ist der Besuch von Jesus und seinen Jüngern nach ihrem Empfinden gut verlaufen? Vielleicht wenn er und seine Jünger und alle anderen satt geworden sind und die Küche wieder aufgeräumt ist. Dazu noch ein Kompliment von Jesus, wie gut es ihm geschmeckt hat und wie gut Martha das wieder mal alles hinbekommen hat. Ein Lob auf ihren Fleiß, ihre Umsichtigkeit und ihre Gabe der Gastfreundschaft. Aber das sind nur Vermutungen.
 
Unterschiedliche Erwartungen 
Martha krempelt die Ärmel hoch und macht sich ans Werk. Offensichtlich im Alleingang. Auf einmal kippt ihre Stimmung. Hat Martha den Aufwand unterschätzt? Merkt sie jetzt, dass sie ihren eigenen Ansprüchen an Gastfreundschaft nicht mehr gerecht werden kann? Auf jeden Fall nimmt sie sich irgendwann als die einzige Verantwortliche wahr, die den Laden am Laufen hält. Je mehr sie sich die Hacken abläuft, desto mehr wird ihr bewusst, wie häufig Maria nichts tut, einfach zu den Füßen von Jesus sitzt und ihm zuhört.
Je mehr sie sich die Hacken abläuft, desto mehr wird ihr bewusst, wie häufig Maria nichts tut, einfach zu den Füßen von Jesus sitzt und ihm zuhört.
 
Maria setzt bei diesem Besuch einen ganz anderen Schwerpunkt als Martha. Sie sucht neben der Arbeit die Nähe zu Jesus und genießt seine Gegenwart. Neugierig auf das, was er zu sagen hat, hört sie ihm aufmerksam zu. Je mehr seiner Worte sie in sich aufsaugen kann, desto besser. Wer weiß, wann sich ihr dazu wieder eine Möglichkeit bieten wird. Umso mehr, als Jesus im Freien ständig von großen Menschenmengen umringt ist. Jetzt hat sie ihn fast für sich allein. Das hier ist die Gelegenheit für sie.
 
Gegensätze ziehen sich nicht (immer) an
Die beiden Schwestern sind völlig gegensätzliche Typen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Zielen. Wenn ich lerne, mein Gegenüber in seiner Andersartigkeit zu akzeptieren und diese sogar wertzuschätzen, werde ich ihn/sie als Bereicherung  begreifen. Was braucht es dazu? Ein Ja zu meinen Begrenzungen und zu den Stärken des anderen und umgekehrt.
Wenn ich lerne, mein Gegenüber in seiner Andersartigkeit zu akzeptieren und diese sogar wertzuschätzen, werde ich ihn/sie als Bereicherung  begreifen.
 
Meine Persönlichkeitsstruktur spiegelt sich wieder in meinem Denken und Handeln. Wie ich fühle und wie ich meinen Glauben lebe. Auch sagt sie etwas aus über die Art und Weise, wie ich kommuniziere sowie über die Art meiner Konflikte und wie ich damit umgehe. 
 
Die eigenen Wertmaßstäbe sind nicht das Maß aller Dinge
Martha beurteilt das Verhalten von Maria nach ihrem persönlichen Wertmaßstab. Rumsitzen ist demnach pure Zeitverschwendung. Und wenn Martha gerade nichts zu verschenken hat, dann ist das Zeit. Was Martha nicht tut: Sie spricht ihre Erwartungen gegenüber Maria auch jetzt nicht offen an, bittet sie nicht um Hilfe. Stillschweigend wuselt sie weitestgehend …
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