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Himmelfahrt, Vatertag, Herrentag – der Feiertag, der 40 Tage nach Ostern gefeiert wird, hat unterschiedliche Namen. Sie alle haben einen Bezug zu den christlichen Wurzeln des Festes, dessen Bedeutung allerdings selbst für manche Christen schwer greifbar ist. Pfarrer Thomas Ijewski erklärt im Gespräch, warum das Fest für uns im wahrsten Sinne des Wortes unfassbar ist, und weshalb es für den christlichen Glauben eine sehr wichtige Rolle spielt.
ERF Medien: Himmelfahrt ist ein Fest, mit dem auch viele Christen im Gegensatz zu Weihnachten oder Ostern Mühe beim Verständnis haben: Da entschwindet Jesus in einer Wolke, um sich auf die rechte Seite Gottes zu setzen. Warum fällt es so schwer, einen persönlichen Bezug zu diesem Feiertag zu bekommen?
Thomas Ijewski: Das Fest ist unanschaulich, man kann sich wenig darunter vorstellen. Bei Weihnachten ist das ganz anders: Da gibt es Krippenspiele, mit denen man die verschiedenen Aspekte der Weihnachtsgeschichte wunderbar darstellen, regelrecht auf die Bühne bringen kann. Bei Ostern gibt es wenigstens noch den Gruß „Frohe Ostern!“. Aber „Gesegnete Himmelfahrt!“ sagt kein Mensch. Dieses Fest entzieht sich unserer Anschauung. Dabei ist es so ein wichtiges Fest, vielleicht das am meisten unterschätze Fest im Kirchenjahr und in der Christenheit.
ERF Medien: Die Beschreibung, dass Jesus von einer Wolke aufgenommen wird und dann plötzlich verschwindet, klingt tatsächlich seltsam. Warum hat Gott Ihrer Meinung nach diesen Weg genutzt, um Jesus von der sichtbaren Dimension zurück in die unsichtbare Welt zu holen?
Thomas Ijewski: Welche andere Möglichkeit hätte er sonst gehabt? Die Wolke verhüllt etwas, das für uns Menschen – zumal in unserer Zeit - völlig unverständlich ist. Wir haben es mit verschiedenen Dimensionen zu tun, und das geht es über unser Vorstellungsvermögen weit hinaus. Die Wolke ist sonst in der Bibel ein Zeichen von Gottes Gegenwart, denken wir an den Auszug aus Ägypten. Mir ist in dem Zusammenhang aber besonders wichtig , dass Jesus nicht in den Himmel hinaufgefahren ist, und wir uns das als ein selbstständiges Tun von ihm vorstellen müssen. Es ist letztlich genau betrachtet so, dass Gott, der Vater, ihn in den Himmel emporgehoben hat. So, wie er ihn auch Ostern von den Toten auferweckt hat. Heutige Bibelübersetzungen machen das deutlich. In der Basisbibel heißt es: „Nach diesen Worten wurde er vor ihren Augen emporgehoben. Eine Wolke nahm ihn auf, sodass sie ihn nicht mehr sehen konnten.“ (Apostelgeschichte 1,9) Das macht deutlich: Gott selbst ist hier am Werk.
In unserer Gesellschaft wird Himmelfahrt meistens als „Vatertag“ bezeichnet. Ein Stück weit kommt dabei zum Ausdruck, dass Jesus zum Vater gegangen ist. Interessant finde ich auch die Formulierung, die früher in der DDR an dieser Stelle verwendet wurde. Die Machthaber in Ostberlin haben vom „Herrentag“ geredet. Ich finde es eine besondere Ironie, dass sie damit auf den Punkt gebracht haben, was Himmelfahrt bedeutet, nämlich, dass Jesus der Herr ist.
Himmelfahrt schenkt uns die besondere Gegenwart von Jesus
ERF Medien:Sie haben in einer Predigt einmal gesagt, dass Jesus uns erst im Himmel ganz nahe kommen kann, und dass es deswegen gut ist, dass er zu Gott-Vater zurückgekehrt ist. Wie meinen Sie das?
Thomas Ijewski: Wäre Jesus nur in Israel geblieben, dann wäre sein Wirkungsradius sehr begrenzt gewesen. Als Wanderprediger im galiläischen Bergland und bei seinem spektakulären Einzug in Jerusalem hat er nur einen verschwindend kleinen Teil der damaligen Weltbevölkerung erreicht. Was Jesus in Israel getan …