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Den Ramadan verstehen


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© Rawpixel / pixabay,com
Rund 4,5 Millionen Muslime feiern im Zeitraum vom 04.-06.Juni 2019 in Deutschland mit dem „Fest des Fastenbrechens“, auf Türkisch „Zuckerfest“, das Ende des Fastenmonates Ramadan. Ähnlich wie für Christen das Weihnachtsfest, sind diese Tage für Muslime besondere Festtage: Man geht in die Moschee, besucht Familie und Freunde, isst gemeinsam und die Kinder erhalten Geschenke. Der Islamexperte Dr. Reinhold Strähler erklärt im Interview, was der Fastenmonat und das anschließende Fest muslimischen Gläubigen bedeutet, versucht Missverständnisse darüber auszuräumen und gibt Tipps, wie Muslime und Christen sich in dieser Zeit begegnen können.
 
ERF Medien: Muslime haben 2019 weltweit vom 6. Mai bis zum 4. Juni den Fastenmonat Ramadan begangen. Warum lohnt es sich für Christen, etwas über diesen besonderen Monat der Muslime zu wissen?
Dr. Reinhold Strähler: Zunächst einmal, weil hier in Deutschland viele Muslime leben und von daher auch Nichtmuslime in irgendeiner Weise mit dem Fastenmonat konfrontiert werden, indem ihre Nachbarn, Arbeitskollegen oder Freunde davon erzählen. Zum anderen gibt es offizielle Grußbotschaften von den Kirchen oder von örtlichen Verantwortlichen, was zeigt, dass der Ramadan in der deutschen Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Christen, die im Kontakt mit Muslimen stehen und Freundschaften pflegen, merken außerdem, dass ihre Freunde in diesem Monat ganz stark von diesem Fasten geprägt sind. Von daher interessiert es sie natürlich auch, was ihre Freunde in dieser Zeit bewegt. Ein weiteres Anliegen ist es, dass wir als Christen ganz besonders in dieser Zeit, wo Muslime sich auf Gott konzentrieren und fasten, für Muslime beten. Es gibt die Gebetsinitiative „30 Tage Gebet für die islamische Welt“, die dazu konkret anleitet.
 
ERF Medien: Trotz dieser guten Gründe könnte man skeptisch fragen, ob man als Christ damit dem Ramadan nicht eine zu große Bedeutung beimisst. Können Sie verstehen, wenn jemand solche Bedenken hat?
Dr. Reinhold Strähler: Ich denke, es geht darum ein Missverständnis aufzuklären. Wenn wir Christen einladen, während des Ramadan für Muslime zu beten, dann hat das nichts damit zu tun, dass wir uns hinter das Anliegen des Ramadan stellen oder dass wir andere ermutigen, sich am Ramadan zu beteiligen. Es geht darum, wahrzunehmen, was Muslime prägt, was für sie in dieser Zeit wichtig ist und wie wir in einer geistlichen Weise darauf reagieren können. Man muss den Ramadan nicht gut finden oder davon begeistert sein und trotzdem lohnt es sich, darüber nachzudenken, ob wir als Christen nicht in dieser Zeit für Muslime beten sollten.
 
ERF Medien: Muslimen gilt der Ramadan als „die Königin unter den verbleibenden elf Monaten des Jahres“. Was macht diesen Monat für Muslime so besonders?
Dr. Reinhold Strähler: Der Ramadan ist ein großer Höhepunkt im Leben der Muslime. Zum einen hebt er sich dadurch von den andern Monaten ab, dass der Tagesablauf in vielen Ländern, in denen mehrheitlich Muslime  leben, ganz anders ist. Viele Aktivitäten werden auf den späten Abend oder die Nacht verlegt. Veranstaltungen oder Treffen legt man auf den Abend, wenn die Leute wieder gestärkt sind und sich konzentrieren können. Zum anderen erzeugt das gemeinsame Fasten der ganzen islamischen Gemeinschaft weltweit einen unglaublichen Zusammenhalt. Dazu kommt die geistliche Bedeutung des Ramadan. Muslime gehen davon aus, dass das Fasten im Ramadan nach dem Zeugnis des Koran Sünden vergebende Wirkung hat. Muslime glauben, dass aus diesem Monat in einem Maß ein Segen kommt, wie das in …
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