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Der Mensch als Konstrukteur seiner selbst?


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© Braden Collum / unsplash.com
 
Prof. Dr. Ulrich Eibach ist außerplanmäßiger Professor für Systematische Theologie und Ethik an der Universität Bonn und war Krankenhauspfarrer an der dortigen Universitätsklinik. Er ist Autor zahlreicher Publikationen zu Naturwissenschaft, Theologie und Ethik.
(Bild: Angelika Eibach) Die Möglichkeiten, das menschliche Leben durch biotechnische Eingriffe zu verändern, nehmen schnell zu und haben tiefreichende Auswirkungen auf den Menschen und die Zukunft der Menschheit überhaupt. Hier ist insbesondere an die Eingriffe ins Erbgut und ins Gehirn zu denken. Ihnen entspricht im Bereich der Technik die Informationstechnologie, insbesondere die Herstellung von Robotern mit künstlicher Intelligenz.
Für den israelischen Historiker und Bestsellerautor Yuval Harari leitet das Verschmelzen von Bio- und Informationstechnologien das Ende des Glaubens an den Menschen als Krone der Schöpfung ein. Durch die neuen Technologien werde der Mensch zum Verbesserer der unvollkommenen Natur. Einen Gott und Schöpfer brauche man dann nicht mehr, der Mensch trete an seine Stelle und werde gar zum Schöpfer einer besseren Welt, die frei von Krankheiten ist. Für Gott ist kein Platz mehr, er wird – auch wenn es ihn noch gibt – gleichsam arbeitslos und überflüssig. Zwar glaubt der Mensch noch, dass er die Entwicklung der Natur noch gemäß seinen Wünschen gestalten kann, in Wahrheit kommt es aber immer mehr dazu, dass die Eigengesetzlichkeiten der neuen Technologien den Menschen zu ihrer Marionette degradieren.
 
Nietzsche und der „Übermensch“
Die Überlegungen von Harari sind nicht grundsätzlich neu. Schon Friedrich Nietzsche vertrat die Ansicht, dass die Naturwissenschaften und die Technik der Welt ihren Untergang bereiten werden. „Dabei geschieht es allerdings, dass die nächste Wirkung die von kleinen Dosen Opium ist: Steigerung der Weltbejahung“. Der Mensch, der Gott „getötet“ habe, sei dazu freigesetzt und verurteilt, sein eigener Gott und Schöpfer zu sein und sich als sein eigenes Kunstwerk hervorzubringen. Er kenne als sein eigener Schöpfer keine Grenzen mehr an. Der Mensch ist autonom und freigesetzt, seinem Leben in einem sinnlosen Naturgeschehen selbst Sinn und Wert dadurch zu schaffen, dass er auch sich selbst nach seinen Vorstellungen umgestaltet und „züchtet“.
Weil der Mensch Gott getötet habe, müsse er sein eigener Gott und Schöpfer werden, müsse sich nicht zuletzt auch durch Züchtung nach darwinistischen Prinzipien zu einem starken „Übermenschen“ formen, der keines Gottes mehr bedarf. Der Mensch müsse dies mit einer Gewalt und wachsenden Geschwindigkeit tun, die keine Zeit mehr lasse, dass er sich besinnt auf das, was er tut. Ja, der auf sich selbst geworfene Mensch ohne Gott habe geradezu Furcht davor, innezuhalten und sich zu besinnen. Der Grund dafür sei vor allem darin zu suchen, dass man nicht mehr wisse, was die Ziele des Fortschritts in der Beherrschung der Natur und des Lebens sind. In dieser Krise der Ziele erklärt man den „Fortschritt“ selbst zum Ziel, der nicht durch eine Besinnung in seiner Geschwindigkeit gehemmt werden soll. Wenn die „Konstruktion“ eines „Übermenschen“ das Ziel des Fortschritts ist und dieser auch ohne Besinnung auf dieses Ziel zuläuft, dann müssen wir uns im Grunde überhaupt nicht auf die Ziele des Fortschritts besinnen. Alles, was der Erhöhung des Menschen zum „Übermenschen“ dient, ist daher gut. Grenzen, nicht zuletzt ethische Grenzen, sind nicht dazu da, dass sie beachtet, sondern dass sie überwunden werden.
 
Genetik und Menschenzüchtung
Aufgabe der …
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