Vortrag von Stefan Nowotny auf der Konferenz TOSQUELLES transversal
4. Oktober 2025, Akademie der bildenden Künste Wien
https://transversal.at/blog/tosquelles-transversal |
Ausgangspunkt des Vortrages ist eine Passage aus der 1948 verteidigten Doktorarbeit von François Tosquelles, in der von einem „Gesichtspunkt des Sozius“ die Rede ist. In ihr verdichten sich nicht nur zentrale Motive von Tosquelles’ Arbeit im Feld psychiatrischer Institutionen, sie wirft auch die Frage nach der relationalen Praxis auf, die einen wichtigen Teil der Genese theoretischer Begrifflichkeiten (wie „Sozius“) im Werk von Deleuze/Guattari bildet. In einer zweiten Bewegung wird Guattaris Begriff der „Transversalität“ in den Zusammenhang der psychoanalytischen Diskussion von Übertragungsphänomenen wiedereingerückt, die in der institutionellen Psychotherapie Namen wie „multireferenzielle Übertragung“ oder „dissoziierte Übertragung“ erhielten. – In beiden Fällen geht es nicht allein um die Feststellung von Verschiebungen und Differenzen. Mehr noch geht es um die Geschmacksveränderungen, zu denen es kommen mag, wenn die durch Tosquelles’ Wirken in der Klinik von Saint-Alban angerührte „mayonnaise albanaise“ (Guattari) in theoriesprachliche Routinen aufs Neue eingerührt wird.