Vom Wahn und Sinn

Die Zukunft war früher bunter


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Flop, Flop, Flop; Der Tresor-Klang der Floppy und warum Nostalgie manchmal lauter klingt als die Erinnerung selbst. 

 

Chris drückt den Aufnahmeknopf und überfällt Alex mit einer Liebeserklärung an die 5,25-Zoll-Floppy. Dieses flimsige Stück Plastik, das sich anhörte wie ein Deadbolt, wenn man es reinschob. Ein Tresor-Mechanismus für einen Magnetscheibenfilm. Großartig. Die kleine 3,5-Zoll-Diskette? Hat nur geklickt. Kein Vergleich. Alex hält dagegen: Nostalgie ist die Erinnerung an ein Gefühl, nicht an die Sache selbst. Und vielleicht liebt Chris die große Floppy gerade deshalb, weil er sie nie wirklich benutzt hat. 

Dann Minidisc. Opa Kolb in Hochform. Von der Sony Lissa mit gebürstetem Alu und Firewire-Kabeln, über das Überspielen von CDs in vierfacher Geschwindigkeit bis hin zu einem Panasonic-Player, der nicht viel größer war als die Disc selbst. Eine Technologie, die „never was" und vielleicht genau deshalb so schön. Fünf Jahre später kam der iPod Nano und die Minidisc wurde Geschichte. Ist nicht mal halb gegoogelt. Ist wirklich gefühlt.

Kommen physische Medien zurück? Abo-Fatigue setzt ein, Lieblingsfilme verschwinden aus dem Streaming, Lizenzen wandern zum Höchstbietenden. Bei Musik existiert zumindest die Illusion des Gesamtkatalogs. Bei Filmen brauchst du 25 Services. Und dann hat sich auch die Art verändert, wie wir hören. Playlisten statt Alben. Singles statt Gesamtwerke. Chris erinnert sich daran, wie er sich Tools „10,000 Days" beim Saturn kaufte, im Opel Astra die CD einlegte, an einer Tankstelle anhielt und die Augen schloss. Eines seiner größten musikalischen Erlebnisse. Früher entwickelte man Geduld mit Songs, die einem erst beim dritten Hören gefielen. Acquired Taste. Heute: Skip.

Alex bringt Hitster mit. Das Kartenspiel, bei dem man Songs per QR-Code hört und in einen Zeitstrahl einsortiert. 80er erkennt jeder, aber nach 2000? Schwierig. Warum fühlen sich die Epochen vor der Jahrtausendwende so klar an, während danach alles verschwimmt? 

Alex hat ein Video gesehen: Mit dem Farbfernsehen entstand das Gefühl, Farbe sei Zukunft. Star Trek in Neon. Die 70er explodierten in Buntheit. Und irgendwann wurde die Zukunft weiß. Kubricks weißer Raum in „2001". Slick, glatt, organisch. Chris kontert mit dem iMac G3 von 1998: Ein Bonbon, das kein Computer sein durfte, aber dann doch alles veränderte. 

Die Legendäre Grace Hopper und der Mythos des „Debugging“, COBOL und die Frage, ob die blinkenden Lichter an Mainframes jemals Nullen und Einsen dargestellt haben oder einfach nur Systemlichter waren. 

Von der Nostalgie der Zukunft in bunt oder in weiß.

 

In der Folge erwähnt:

  • Grace hopper: https://de.wikipedia.org/wiki/Grace_Hopper
  • Floppy-Disks: https://de.wikipedia.org/wiki/Diskette
  • MiniDisc: https://de.wikipedia.org/wiki/MiniDisc
  • Spiel Hitster: https://hitstergame.com/de-de/
  • StarkTrek: https://www.imdb.com/de/title/tt0060028/
  • 2001: https://www.imdb.com/de/title/tt0062622
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    Noch ein Podcast:

    Perspektiven auf Software & Design von Chris & Alex.

    www.bessermit.design
     

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    Vom Wahn und SinnBy Christoph Kolb, Alexander Hachmann