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Ein Rezept für digitale Teilhabe – mit Erdmännchen und Bär


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Mehr Zugänge, weniger Barrieren, mehr Miteinander.
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Transkription:

Ja, hallo und herzlich willkommen. Heute wird’s kreativ, inklusiv und – glaube ich – richtig inspirierend. Wir haben Besuch von einem Projekt, das zeigt, wie Medienpädagogik Menschen verbinden kann: von Erdmännchen und Bär. Mit dabei sind Felix Bastam & Sebastian Jähnke.

Ich freue mich sehr, dass ihr da seid und bin gespannt, was ihr uns heute erzählt. Stellt euch doch erstmal kurz vor: Wer seid ihr, was macht ihr – und was steckt eigentlich hinter „Erdmännchen und Bär“? Der Name klingt ja erstmal fast wie ein Kinderbuch, aber dahinter steckt viel mehr: Medienprojekte, digitale Bildung und ganz viel Teilhabe.

Vorstellung
Vielen Dank für die Einladung. Ich bin Sebastian Jahnke, einer der Gründer und heute Co‑Geschäftsführer von Erdmännchen und Bär. Wir sitzen in Heidelberg – gerade scheint hier schön die Sonne durchs Fenster.
Wir beschäftigen uns intensiv mit digitaler Teilhabe. Also mit der Frage: Wie können wir Digitalisierung für Menschen öffnen, die bislang in diesen Prozessen zu wenig oder gar nicht berücksichtigt wurden? Und wie können wir den Einstieg erleichtern?
Ich wäre beinahe Lehrer geworden, habe mich dann aber doch gegen den klassischen Schuldienst entschieden und stattdessen einen Master in E‑Learning und Medienbildung gemacht. Dort habe ich Felix kennengelernt – und daraus entstand später unsere gemeinsame Idee.
Vorher habe ich viele Jahre in der Behindertenhilfe gearbeitet – vom stationären Bereich bis zur ambulanten Unterstützung. Dabei habe ich gemerkt, wie wichtig Themen wie leichte Sprache, Barrierefreiheit und digitale Bildung sind.
Heute bin ich viel in Einrichtungen unterwegs, gebe Workshops zu Medienkompetenz – von den ersten Schritten im Internet bis hin zu Social Media und KI – und begleite Projekte direkt mit den Zielgruppen.
Ich bin Felix Bastam und gerade ein bisschen erkältet, also entschuldigt meine Stimme.
Unser Motto lautet: „Digital lernen für alle.“ Das hat eigentlich drei Ebenen.
Die erste Ebene: Alle Menschen sollen digitale Kompetenzen erwerben können.
Die zweite Ebene: Wenn wir digitale Kompetenzen haben, können wir damit auch lernen, kreativ sein und teilhaben.
Und die dritte Ebene: Die digitalen Angebote selbst müssen inklusiv gestaltet sein.
Ich komme eher aus der Medien‑ und Gaming‑Richtung. Gaming war für mich schon früh ein Bereich, in dem Barrierefreiheit und Inklusion eine große Rolle gespielt haben.
Wie entstand der Name „Erdmännchen und Bär“?
Der Name ist wirklich besonders. Wie seid ihr darauf gekommen?
Wir brauchten natürlich irgendwann einen Namen für unser Projekt. In meinem Freundeskreis gab es früher so ein Spiel, bei dem man sich Tiere zugeordnet hat. Ich war immer das Erdmännchen.
Und Sebastian war ziemlich schnell der Bär.
Wir hatten zwar auch andere Ideen mit Begriffen wie „digitale Bildung“, aber das klang alles sehr technisch. Wir wollten etwas, das man sich merkt.
Und tatsächlich: Viele sagen uns heute noch, dass sie wegen des Namens überhaupt erst aufmerksam geworden sind.
Mittlerweile passt der Name sogar erstaunlich gut zu unseren Rollen. Felix organisiert viel, behält alles im Blick – wie ein Erdmännchen eben. Und ich bin viel unterwegs, ziehe durchs Land und gebe Workshops.
Erste Berührungspunkte mit Inklusion und Medien
Was war denn eure erste Begegnung mit Inklusion und Medien?
Bei mir kam das über die Arbeit in der Behindertenhilfe. Gleichzeitig habe ich erlebt, wie stark Digitalisierung unseren Alltag verändert hat.
Ich gehöre noch zu der Generation, die ohne Smartphones aufgewachsen ist. Und plötzlich war alles digital.
Ich habe dann beobachtet, dass viele Menschen mit Behinderung großes Interesse an digitalen Medien hatten – aber kaum Angebote existierten.
Oft hieß es einfach: „Das ist nichts für unsere Leute.“
Und genau das fand ich schade.
Bei mir kam es eher über Medien und Gaming.
Schon im Studium wollten wir ein Spiel entwickeln, das Menschen mit körperlichen Einschränkungen unterstützt. Daraus wurde damals zwar nichts, aber das Thema hat mich nicht mehr losgelassen.
Später haben Sebastian und ich gemeinsam ein Forschungsprojekt gemacht – und dabei festgestellt: Es gibt kaum gute inklusive digitale Bildungsangebote.
Da war für uns klar: Da müssen wir etwas machen.
Warum digitale Teilhabe so wichtig ist
Digitale Teilhabe ist heute soziale Teilhabe.
Wenn man heute nicht digital teilnehmen kann, wird man schnell ausgeschlossen.
Während Corona wurde das besonders sichtbar. Plötzlich lief fast alles digital – Kommunikation, Bildung, Freizeit.
Da haben viele gemerkt: Dieses Thema ist kein Zusatz mehr, sondern zentral.
Was bedeutet „Diklusion“?
Ihr habt auch den Begriff „Diklusion“ erwähnt. Was bedeutet das?
Der Begriff verbindet Digitalisierung und Inklusion.
Wir selbst sprechen aber häufiger von „digitaler Teilhabe“, weil das den Prozess besser beschreibt.
Es geht darum, dass alle Menschen an der digitalen Welt teilhaben können – unabhängig von Einschränkungen.
Warum einfache Sprache allen hilft
Viele denken bei einfacher Sprache sofort: „Das brauche ich nicht.“ Dabei hilft sie eigentlich allen.
Genau.
Oft erleben wir: Menschen lehnen „einfache Sprache“ erstmal ab. Aber wenn sie die Inhalte lesen, merken sie plötzlich: „Das habe ich viel schneller verstanden.“
Dann verschwindet dieser defizitorientierte Blick.
Wir erleben das zum Beispiel in Museen oder bei digitalen Projekten immer wieder.
Wie inklusive Medienpädagogik praktisch aussieht
Was kann man denn konkret tun, um Angebote barrierearm und inklusiv zu gestalten?
Das Wichtigste zuerst: Es muss nicht perfekt sein.
Viele denken, sie müssten sofort alles komplett barrierefrei machen. Das führt oft dazu, dass man gar nicht erst anfängt.
Wichtig ist erstmal, sich zu sensibilisieren.
Ein guter Grundsatz ist das Zwei‑Sinne‑Prinzip:
Wenn etwas hörbar ist, sollte es möglichst auch sichtbar sein – zum Beispiel durch Untertitel.
Und wenn Aufgaben schriftlich sind, sollte es Alternativen geben.
Außerdem hilft es, direkt mit den Zielgruppen zu sprechen.
Und man muss flexibel bleiben.
Manchmal merkt man schon nach wenigen Minuten eines Workshops: Das geplante Konzept passt heute nicht.
Dann muss man bereit sein umzudenken.
Wichtig ist vor allem:
Mut haben, anfangen und ausprobieren.
Wo liegen die Grenzen?
Wo stößt inklusive Medienpädagogik an Grenzen?
Ganz ehrlich: Oft am System.
Ein einzelner Workshop verändert noch keine Strukturen.
Digitale Bildung müsste dauerhaft in Ausbildung, Schule, Sozialarbeit und Pädagogik verankert sein.
Stattdessen wird Medienbildung oft wie ein Zusatzthema behandelt.
Und häufig wird Verantwortung hin‑ und hergeschoben:
Die Familie sagt, die Schule soll es machen. Die Schule sagt, die Eltern sollen es machen.
Dabei müssten eigentlich alle gemeinsam daran arbeiten.
Medienzeit ist nicht gleich Medienzeit
Ein wichtiger Punkt ist auch: Medienzeit ist nicht gleich Medienzeit.
Zwischen passivem Konsum und kreativer Medienarbeit gibt es einen großen Unterschied.
Das verstehen viele Eltern erst, wenn man darüber spricht.
Und wir Erwachsenen sind natürlich selbst Vorbilder.
Wenn Kinder ständig sehen, dass Erwachsene auf ihr Smartphone schauen, dann merken sie vor allem: Dieses Gerät scheint extrem wichtig zu sein.
Auch darüber muss man ehrlich reflektieren.
Besondere Projekte
Gab es Projekte, bei denen ihr dachtet: Genau deswegen machen wir das?
Ja, zum Beispiel ein Projekt mit dem Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck.
Viele historische Gebäude dort sind natürlich nicht barrierefrei.
Deshalb haben wir gemeinsam überlegt: Wie können trotzdem alle Menschen Zugang bekommen?
Daraus entstand ein digitales, interaktives Erlebnis mit Geschichten, Einblicken und verschiedenen Zugängen.
Und das Spannende war: Nicht nur Menschen mit Einschränkungen fanden es gut – sondern alle Besucherinnen und Besucher.
Das zeigt sehr schön: Inklusive Gestaltung hilft am Ende allen.
Abschluss
Das zählt für mich auch schon dazu. Das vergessen viele: Inklusion und digitale Teilhabe sind wichtig für unsere Gesellschaft, weil wir eben nicht alle gleich sind – und trotzdem alle mitgenommen werden müssen.
Ganz, ganz lieben Dank nach Heidelberg. Es war super spannend mit euch. Sehr gerne wieder – vielleicht sprechen wir beim nächsten Mal über Gaming, das steht bei uns nämlich auch noch auf dem Programm.
Dann müsst ihr mich fragen.
Machen wir auf jeden Fall. Vielen Dank euch beiden, dass ihr da wart und mit uns gekocht und gerührt habt. Es war eine richtig gute Pixelsuppe.
Bis zur nächsten Folge – bleibt neugierig, bleibt offen und lasst es euch digital gut gehen.

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PixelsuppeBy Annette Wagner und Katja Bröckl-Bergner