Biervierteltakt

Episode 015 ½ – Pool Position


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Der Biervierteltakt macht Sommerpause, jedoch weniger wegen der Hitze, vielmehr aufgrund der zweiten Vaterschaft meines Co-Hosts Gary. Damit es trotzdem was auf die Ohren gibt, habe ich viele gute Lieder zusammengetragen, die es bisher nicht oder nur vereinzelt in die Sendung geschafft haben oder die ich neu entdeckt habe. Alle die Tracks habe ich dann in einem Mix verarbeitet und herausgekommen ist eine halbe Episode mit mehr Takt als Bier. Dafür in gewohnter Länge und in perfekter Qualität, um es sich mit einem Bier am Pool oder einem See gemütlich zu machen. Folglich heißt diese Episode Pool Position und ist eine musikalische Reise durch die Welt des Trip-Hops, Instrumental Hip-Hops, Downbeats, Dope Beats und ja, auch Hip-Hop. Sicher, das ist nicht jedermenschs Sache, aber gebt dem Ding eine Chance, denn es sind allesamt eingängige Sachen. Für mich geht es bei solchen Mixes auch immer darum, ein bestimmtes Gefühl zu erzeugen, dass ich gar nicht genau benennen kann. Also versuche ich es mal zu beschreiben.
1998 erschienen die „K & D Sessions“ von des österreichischen Produzentenduos Kruder & Dorfmeister. Diese habe ich mir nie auf Vinyl gekauft, weil ich damals das Geld nicht hatte und ich damals einen ganzen anderen Stil auflegte. Mit meinem schmalen Geldbeutel sollten Investments in Vinyl gut überlegt sein. Außerdem waren die Titel auf Vinyl nicht gemixt, sondern einzeln kompiliert. Die K & D Sessions gab es auch auf Doppel-CD und CDs ließen sich zu dieser Zeit bereits hervorragend vervielfältigen. Daher hatte ich natürlich sehr schnell eine Kopie dieses Meisterwerks, das ’98 in aller Munde war bzw. Ohren war. Und ich habe es geliebt! Lieb’s heut noch. Eine unfassbar geniale Mischung aus Trip-Hop, Hip-Hop, Drum & Bass, Jazz und Dope Beats, die ich nicht kannte und schon gar nicht in so einer Zusammenstellung wie ebendieser Mix. Mit dieser CD konnte ich selbst Leute überzeugen, die behaupteten, elektronische Musik zu hassen. Und es waren eben diese Sommer 1998 und 1999, in denen Kruder & Dorfmeister der Soundtrack meines Lebens waren. Der Sommer 1998 war für mich der Übergang vom Zivildienst zum Studium und somit der Übergang in ein selbstständiges Leben als junger Erwachsener (finanziell alles andere als selbstständig), der zu Haus auszog in ein Studentenwohnheim, der das Studium verkackte, weil er sich nie wirklich im Vorfeld darum gekümmert hat und schließlich bei „Elektrotechnik“ landete, von dem er absolut keine Ahnung hatte, es aber dennoch versuchte und dennoch scheiterte, der aber nicht aufgab und es 1999 dann doch in den Wunschstudiengang „Medienmanagement“ schaffte. In dieser Zeit stand ich vor vielen Ungewissheiten, aber ich war jung, ungebunden, liebte die Liebe und das Leben, zelebrierte das Single-Dasein, ging auf Festivals, kiffte, soff, rauchte und reiste durchs Land. Und all diese Momente und Erinnerungen kommen im Sommer 2022 wieder hoch, wenn ich an Kruder & Dorfmeister denke und die K & D Sessions auflege, die ich natürlich inzwischen auf Vinyl besitze. Dieses Kunstwerk von Kruder & Dorfmeister zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht, lässt meinen Fuß wippen und den Kopf nicken. Ich bin genauso wenig gealtert wie diese Musik. Und all das ist etwas, dass ich gern mit einem Mix schaffen möchte: Dass Menschen einen Moment der Offenbarung erfahren und sich die Musik symbiotisch mit Erinnerungen verbindet und somit zum Teil des Lebens wird.
Genug gelabert, oben der Mix (den gibt es auch hier ohne meine Gesabbel: https://soundcloud.com/kometenschmidt/biervierteltakt-mix-15-5). Gönnt Euch dazu am besten ein leichtes Sommerpils, Weißbier, Session IPA oder, wer’s mag, eine Gurkengose; Hauptsache gut schleusbar. Prost!
Tacklist hier: https://biervierteltakt.de/episode-015-%c2%bd/
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BiervierteltaktBy Mirko Schmidt