Kwatsch mit K

Erwachsene


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Ja, mein Kind. Morgen müssen Mama und Papa wieder ganz früh aufstehen, obwohl wir keine Lust dazu haben und lieber ausschlafen würden. Aber wir müssen schließlich zur Arbeit und Geld verdienen, damit wir uns etwas zu Essen und Klamotten und das Haus und die Heizkosten und die Autos und das Benzin und den Urlaub und deinen Sport- oder Musikunterricht und all die anderen Dinge leisten können. Um das zu bewältigen und überhaupt wach zu werden, brauchen wir eine Menge Kaffee als Aufputschmittel. Aber der schmeckt dir noch nicht und dafür bist du auch noch zu klein.
Zur Arbeit fahren wir meistens mit unseren Autos. Wir sitzen dann überwiegend alleine in einer Blechkiste, in die eigentlich fünf Leute gleichzeitig passen, nehmen dann aber als Einzelperson noch mehr Platz mit dem Umfang des Wagens ein. Die Autos stehen im Durchschnitt 23 von 24 Stunden am Tag rum und nehmen weiterhin Platz weg, dabei gibt es immer noch nicht genügend Parkplätze. Darüber ärgern wir uns. Sie werden meist angetrieben von fossilen Brennstoffen, die umweltschädigend und deren Ressourcen knapp sind und wir ärgern uns über die hohen Kosten dafür. Aber erstmal stehen wir im Stau, weil so viele Erwachsene morgens alleine in einem Auto zur Arbeit fahren müssen, dann ärgern wir uns auch wieder. Die anderen sind dabei wirklich alle Idioten und können nicht Autofahren, das ärgert uns auch noch.
Einige fahren auch mit dem Zug und der Bahn, aber die sind meistens sehr voll und kommen oft zu spät. Außerdem wird das auch immer teurer, wie eigentlich überhaupt alles andere. Umso wichtiger, dass wir Sicherheit haben und uns aus Angst vor Konsequenzen keine Schwächen erlauben. Deshalb verbringen wir in der Regel fünf Mal die Woche acht Stunden am Tag auf der Arbeit, aber eigentlich mehr, weil uns eine Mittagspause zusteht. Mit Hin- und Rückweg nimmt die Arbeit also nahezu 10 Stunden am Tag ein, nicht nur deswegen graut es uns immer nach einem Wochenende vor dem kommenden Montag, dann geht die Mühle wieder los.
Wenigstens verdienen wir dabei Geld (mehr oder weniger) und können uns dann dementsprechend mal was leisten (mehr oder weniger). Zum Beispiel materielle Güter, von denen wir denken, dass wir sie brauchen, auch um glücklicher zu sein und um damit zu kompensieren, dass wir so viel Zeit mit arbeiten verbringen. Allerdings sind wir nur für kurze Zeit befriedigt, weil dies kein wahres Glück bringt, sodass wir noch mehr konsumieren. Das ist auch essentiell in unserer leistungsorientierten Konsumgesellschaft und dem von uns erdachten kapitalistischen Wirtschaftssystem, dessen Grundprinzip es ist, Leistung zu erbringen und dadurch Dinge erwerben zu können. Deswegen siehst du überall diese bunte Werbung. Und es soll immer weiter gehen und sich immer mehr steigern, das nennt man Wirtschaftswachstum und Gewinnmaximierung. Wir streben danach, denn oft definieren wir unseren Selbstwert über das, was wir Tun, unseren Beruf, unseren Status, unsere Leistungen, unseren monetären Reichtum, unsere Erfolge, unser Aussehen oder unsere Intelligenz. Eigentlich wollen wir nur Anerkennung und gemocht werden, unser Selbstbild sowie unsere Wahrnehmung bestätigen. Nicht selten verletzen und töten wir einander und führen ganze Kriege deswegen. Oft wollen wir uns auch überlegen fühlen, denn in einer Gesellschaft, in der es um Leistung geht und ein Wettbewerb herrscht, stehen wir in Konkurrenz zueinander, was uns stets angespannt und auf der Hut sein lässt. Bloß keine Schwäche zeigen. Dabei definieren wir Leistung ziemlich willkürlich, denn Arbeit, die für ein gesellschaftliches Zusammenleben und Funktionieren unverzichtbar ist, wie z.B. in der Pflege oder der Erziehung, wird nicht annähernd so gut bezahlt wie jemand, der oder die Versicherungen verkauft oder in sogenannte Hedge Fonds oder Kryptowährung macht. Also leisten Letztere folglich mehr, dabei handelt es sich einfach nur um noch immer existierende Herrschaftsstrukuren, bei denen reiche Menschen nach wie vor die Macht haben, reich blei
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Kwatsch mit KBy K der Konstler