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Warum eigentlich ist dieses Jesuswort eher unbekannt: „Ihr sollt niemanden Vater nennen auf Erden“ (Matthäus 23,8-12)? Es enthält eine fundamentale Machtkritik – und ja: Die betrifft das Patriarchat. Luzia Sutter Rehmann und Ulrike Metternich diskutieren diese Textstelle im historischen Kontext des ersten Jahrhunderts. Damals nannten sich die römischen Kaiser „Vater des Vaterlandes“. Das Jesuswort nennt hingegen Gott „Vater im Himmel“ – also einen ganz anderen Vater – unbeschreibbar und unvergleichbar. Was bedeutete es, den Vatertitel ausschließlich dem „Vater im Himmel“ zuzuschreiben in einer von Rom beherrschten Welt – und was bedeutet es heute?
Shownotes:
Christine Gerber, Benita Joswig, Silke Petersen (Hg.), Gott heißt nicht nur Vater. Zur Rede über Gott in den Übersetzungen der „Bibel in gerechter Sprache“. Göttingen 2008
Luise Schottroff, Aber pater heißt doch Vater – oder?, 2007, Download unter https://www.bibel-in-gerechter-sprache.de/das-echo/aufnahme-in-der-oeffentlichkeit/
Dorothee Sölle, verrückt nach licht. Gedichte, Berlin 1984, S.167
Wikipedia-Artikel „Pater patriae“ (deutsch), https://de.wikipedia.org/wiki/Pater_patriae
Was heißt „neu und anders in die Welt sehen“? Dem gehen Luzia Sutter Rehmann und Ulrike Metternich in dieser Folge anhand von zwei Bibelstellen nach: Paulus sieht nach seinem „Damaskuserlebnis“ alles neu. Diese Erfahrung setzen die beiden Theologinnen ins Verhältnis zur Geschichte eines Blinden, der gemäß dem Markusevangelium nach seiner Begegnung mit Jesus beginnt, die Schönheit und Stärke seiner Mitmenschen anzuerkennen.
Shownotes:
Behandelte Bibelstellen: Markus 8,22-25 und Erster Brief an die Gemeinde in Korinth 15,39-41 (Bibel in gerechter Sprache)
Die kühnste Vision des Paulus steht in seinem Brief an die Galater:innen: Es soll kein Über- oder Untereinander von jüdischen und griechischen, freien und versklavten, männlichen oder weiblichen Menschen geben. Im Gespräch mit der Theologin Brigitte Kahl zeigt sich, welche Freiheit Paulus entdeckt hat: eine ungeheure Kraft, die aus dem messianischen Miteinander erwächst. Herrschaftsstrukturen, die auf Dominanz und Ausgrenzung beruhen, werden von dieser Kraft schlicht vaporisiert.
Shownotes:
Bibelstellen zu dieser Folge: Galaterbrief 3,28 und 4,9-11.
Weiterführende Lektüre:
Brigitte Kahl, Galatians Re-Imagined: Reading With the Eyes of the Vanquished (2010).
Brigitte Kahl, Galaterlektüre am Großen Altar von Pergamon. In: Texte und Kontexte, Nr. 4/2006, S. 3–23.
Brigitte Kahl, Nicht mehr männlich? Gal 3,28 und das Streitfeld Maskulinität. In: Claudia Janssen, Luise Schottroff, Beate Wehn (Hrsg.): Paulus: Umstrittene Traditionen, lebendige Theologie. Eine feministische Lektüre. Gütersloh 2001, S. 129–145.
In einer Episode im Markusevangelium (Mk 3,30-35) fallen von Jesus die Worte: „Wer ist meine Mutter? Wer sind meine Geschwister?“ In dieser Folge stellt Luzia Sutter Rehmann die gängige Auslegung, hier gehe es um einen Familienkonflikt, Wort für Wort und Schritt für Schritt in Frage: Warum eilen Jesu Mutter und Geschwister herbei und rufen Jesus heraus? Wird er gegen seinen Willen festgehalten? Ist er in einer Notsituation? Braucht er Hilfe? Aus einer befreiungstheologischen Perspektive gelesen, öffnet sich der Blick auf eine Todesbedrohung durch die Gefolgsleute des Herodes.
Shownotes:
Behandelte Bibelstelle: Markus 3,30-35
Weiterführende Lektüre:
Luzia Sutter Rehmann, Dämonen und unreine Geister. Die Evangelien, gelesen auf dem Hintergrund von Krieg, Vertreibung und Trauma, Gütersloh 2023, S: 319-330.
Schalom Ben-Chorin, Mutter Mirjam. Maria in jüdischer Sicht, München 1982.
Die letzten Worte am Kreuz hat Jesus in seiner Muttersprache Aramäisch gesprochen: „Eli, eli, lema sabach thani?“ (Matthäus 27,46-50) Warum legen die Evangelien Jesus Worte aus Psalm 22 in den Mund? Und warum in seiner aramäischen Muttersprache? Je genauer Luzia Sutter Rehmann und Ulrike Metternich dem nachgehen, desto deutlicher wird, wie die Kraft des Psalms die Betenden aus der Nacht der Verzweiflung in das Morgenlicht führt. Bei ihrer Analyse stoßen die beiden Theologinnen auch auf die vielen Frauen, die Jesu Kreuzigung einrahmen – und auf deren Verbindung zur alttestamentlichen Königin Esther.
Shownotes:
Behandelte Bibelstelle: Matthäus 27,46-50
Zum Weiterlesen:
Bettina Wellmann, Ester und Psalm 22. In: Ester (Die Bibel erzählt …), hg. von Klara Butting, Gerard Minnaard, Marie-Theres Wacker, Wittingen 2005, S. 65-68.
Die vielen Dimensionen von Psalm 22. Heft 1/2026 von: Bibel und Kirche. Die Zeitschrift zur Bibel in Forschung und Praxis, Katholisches Bibelwerk, Stuttgart.
Viele Bibelübersetzungen lassen noch immer das „Schweigegebot für Frauen“ (1 Kor 14,34-35) unkommentiert stehen, als ob es gottgegeben oder doch zumindest von Paulus wäre. Aber stammt das Schweigegebot überhaupt von Paulus? Und sollen christliche Frauen wirklich schweigen und sich unterordnen? Wie lässt sich mit solch frauenfeindlichen Sätzen heute umgehen? In dieser Folge prüfen Luzia Sutter Rehmann und Ulrike Metternich das Schweigegebot gründlich und hätten da schon einige Vorschläge.
Shownotes:
Behandelte Bibelstelle: 1. Korinther 14,34-35
Zur Vertiefung:
Marlene Crüsemann, Unrettbar frauenfeindlich. Der Kampf um das Wort von Frauen in 1 Kor 14 (33b) 34-35 im Spiegel antijudaistischer Elemente der Auslegung, in: Luise Schottroff / Marie-Theres Wacker (Hg.), Von der Wurzel getragen. Christlich-feministische Exegese in Auseinandersetzung mit Antijudaismus, Leiden / New York / Köln 1996, S. 199-223.
Carsten-Jochum Bortfeld, Katja Jochum, Lasset eure Weiber schweigen. Zu den Geschlechterverhältnissen in neutestamentlichen Briefen, in: leicht & SInn 1/2014.
Im römischen Korinth galten Sklavinnen und Sklaven nicht als Menschen, sondern als Körper, als sprechende Werkzeuge. Sie konnten beliebig für sämtliche Bedürfnisse ihrer BesitzerInnen gebraucht oder missbraucht werden. Die kleine messianische Gemeinde dort hatte eine hohe Anziehungskraft für versklavte Frauen und Männer. Warum war die Gemeinde für diese Menschen so attraktiv? Darüber sprechen Luzia Sutter Rehmann und Ulrike Metternich in dieser Folge mit der Theologin Kathy Ehrensperger. Im Gespräch zeigt sich, dass es damals wie heute darum geht, Menschenwürde zu schützen.
Shownotes:
Weiterführende Lektüre:
Kathy Ehrensperger, „Zwischen Fact und Fiction: Genderrollen im antiken Judentum“, in: Stefan Schreiber/Konrad Huber/Karl Matthias Schmidt (Hg.), Geschlecht, Sexualität, Ehe. Sondierungen im Neuen Testament. München 2023, S. 10-28.
Luise Schottroff, Der erste Brief an die Gemeinde in Korinth. Stuttgart 2013.
Themenheft: "Ihr seid der Körper des Messias. Die Botschaft des 1. Korintherbriefs", in: Bibel und Kirche 3/2015 (mit Beiträgen von Luise Schottroff, Claudia Janssen, Luzia Sutter Rehmann u.a.).
Zu Gast bei Luzia Sutter Rehmann und Ulrike Metternich ist die Theologin Claudia Janssen, die für die Bibel in gerechter Sprache den Brief an die Gemeinde in Rom („Römerbrief“) übersetzt hat. Der erweist sich im Gespräch als Zeugnis einer lebendigen Diskussions- und Glaubensgemeinschaft, in der Frauen und SklavInnen wichtige Aufgaben übernehmen. Zum Eingangstor wird das letzte Kapitel: Die dort erwähnte Phoebe war nicht nur die Überbringerin des Briefes, sondern seine erste Interpretin und Erklärerin. Und Tertius, ein Sklave, outet sich als einer der Schreibenden. So liest sich Paulus neu und sehr zeitgemäß. Sein Aufruf „Schwimmt nicht mit dem Strom“ (Römer 12,2) macht den alten Brief zu einem Dokument des politischen und spirituellen Widerstands.
Shownotes:
Behandelte Bibelstellen: Römer 12,1–2 und Römer 16 (Bibel in gerechter Sprache)
Claudia Janssen, Mutig durch die Welt gehen. In: Exegetische Skizzen, Deutscher Evangelischer Kirchentag Hannover, 30. April – 4. Mai 2025, S. 20.
Marlene Crüsemann: Trost, charis und die Kraft der Schwachen: Eine Christologie der Beziehung nach dem zweiten Brief an die Gemeinde in Korinth, in: Dies./Carsten Jochum-Bortfeld: Christus und seine Geschwister. Christologie im Umfeld der Bibel in gerechter Sprache, Gütersloh 2009, S. 111–137.
Luzia Sutter Rehmann, Die paulinischen Briefe in der feministischen Exegese – ein Überblick. In: lectio difficilior 1/2001.
Die „Speisung der Fünftausend“ lässt sich auch als eine Gegengeschichte zum Bankett des Herodes lesen, an dem Johannes der Täufer ermordet wurde. Bei Herodes herrschte Überfluss, während draußen die Menschenmengen hungerten. Die Herrschenden, die sich gerne als „Hirten“ bezeichnen ließen, gaben ihnen weder Schutz noch Nahrung. In dieser Folge zeigen Luzia Sutter Rehmann und Ulrike Metternich: Dass die verstörte Menge nicht auseinanderläuft, sondern sich von Jesus ermutigen lässt, zusammenzuhalten und an ihrer Menschlichkeit festzuhalten, ist das eigentliche Wunder.
Shownotes:
Behandelte Bibelstelle: Markus 6,30-44
Luzia Sutter Rehmann, Wut im Bauch. Hunger im Neuen Testament, Gütersloh 2014, S. 395-410.
Marlene Crüsemann, Gott ist Beziehung, Beiträge zur biblischen Rede von Gott, (Hg.) Claudia Janssen und Luise Schottroff, Gütersloh 2014, S. 184-204.
Angela Standhartinger, „And All Ate and Were Filled“ (Mark 6.42 par.). The Feeding Narratives in the Context of Hellenistic-Roman Banquet Culture, in: Decisive Meals. Table Politics in Biblical Literature, Kathy Ehrensperger, Nathan MacDonald, Luzia Sutter Rehmann (eds.), London 2012, p. 62-82.
Die Akten der Thekla und des Paulus spiegeln einen Konflikt wider, der in den christlichen Kirchen bis heute nicht gelöst ist: Wie steht es um die volle Gleichberechtigung der Frauen? Die kleine Schrift aus dem 2. Jahrhundert erzählt von der Begeisterung, mit der Thekla, eine junge Frau, die befreiende Predigt des Paulus hört und aus allen ihr zugeschriebenen Rollen ausbricht, um selbst zu lehren. Damit setzt sie ihr Leben aufs Spiel. Während Tekla starke Unterstützung von anderen Frauen erfährt, verhält sich Paulus ihr gegenüber ambivalent. Luzia Sutter Rehmann und Ulrike Metternich beleuchten, was an dieser Geschichte einer selbständig lehrenden Frau bis heute fasziniert und irritiert.
Shownotes:
Anne Jensen, Thekla – die Apostolin. Ein apokrypher Text neu entdeckt. Gütersloh 1999.
Luzia Sutter Rehmann, "Sexuelle Differenzen. Geschichten des Missbrauchs in den Apokryphen Apostelakten – Grundzüge einer Hermeneutik des Konflikts", in: lectio difficilior 2/2000. Online abrufbar unter https://www.lectio.unibe.ch/de/archiv/luzia-sutter-rehmann-sexuelle-differenzen-geschichten-des-missbrauchs-in-den-apokryphen-apostelakten-grundzuege-einer-hermeneutik-des-konflikts.html
Beate Wehn, "Selig die Körper der Jungfräulichen". Überlieferungen zum Paulusbild der Thekla-Akten, in: Paulus. Umstrittene Traditionen – lebendige Theologie. Eine feministische Lektüre. Hg. von Janssen, Schottroff, Wehn. Gütersloh 2001, S. 182-198.
Veronika Tropper, „TUE EINER FREMDEN NICHT GEWALT AN, TUE NICHT DER MAGD GOTTES GEWALT AN!“ Frühchristliches Martyrium und Realgeschichte der Gewalt. In: Protokolle zur Bibel, Nr. 2/2009, S. 133-147.
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