Wirtschaft · Forschung · Debatten

Geflüchtete und der Arbeitsmarkt


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ZEW-Ökonomin Dr. Katrin Sommerfeld im #ZEWPodcast „Wirtschaft • Forschung • Debatten“

Von den etwa eine Million Geflüchteten, die in den Jahren 2015 und 2016 Asylanträge in Deutschland stellten, konnten bereits 42 Prozent erfolgreich in den deutschen Arbeitsmarkt integriert werden, viele andere durchlaufen derzeit Bildungsmaßnahmen. Nichtsdestotrotz gibt es nach wie vor zahlreiche Hürden, die Geflüchtete für eine Anstellung überwinden müssen, die Corona-Pandemie stellt hier seit nun einem Jahr eine besondere Herausforderung dar. In der aktuellen Folge des #ZEWPodcasts „Wirtschaft • Forschung • Debatten“ legt ZEW-Ökonomin Dr. Katrin Sommerfeld die Erkenntnisse der ZEW-Nachwuchsforschungsgruppe „Integration von Migranten und Einstellungen zum Sozialstaat“ (IMES) dar und erläutert, wie sich der deutsche Arbeitsmarkt seit Ankunft der Geflüchteten für diese entwickelt hat.

Grundsätzlich seien Deutschkenntnisse, Bildung und eine Bleibeperspektive die wichtigsten Voraussetzungen für die erfolgreiche Integration der Geflüchteten auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Zahlreiche Integrationsmaßnahmen mussten jedoch wegen der Corona-Pandemie zurückgefahren werden: „Sprach- und Integrationskurse, Unterstützungsmaßnahmen von der Bundesagentur für Arbeit oder von Ehrenamtlichen lassen sich nur sehr schlecht in den virtuellen Raum verlegen“, erklärt Sommerfeld. „Die verpassten Chancen darauf, zum Beispiel Sprachkenntnisse zu erwerben und weiter zu entwickeln, werden sicherlich einen herben Rückschlag bedeuten.“ Hinzu komme, dass bereits angestellte Geflüchtete aufgrund der Art ihrer Beschäftigung nur selten von Kurzarbeit oder anderen Unterstützungsmaßnahmen profitieren.

Über die Arbeitsmarktintegration der Geflüchteten selbst, lassen sich Effekte ihrer Ankunft auf die gesamte Beschäftigungslage beobachten. Um die Ankunft und Integration der Geflüchteten zu begleiten, kommen zum Beispiel Dolmetschende, Sozialarbeitende und Lehrkräfte zum Einsatz. „Tatsächlich gibt es zum Beispiel im Bereich der Versorgungstätigkeiten kurzfristig positive Beschäftigungseffekte“, hält Dr. Katrin Sommerfeld fest. „Der Effekt ist so groß, dass für gut zweieinhalb neu angekommene Asylsuchende ein neuer Job vor Ort generiert wird.“ Diese Beschäftigungsgewinne seien zwar langfristig bisher nicht einschlägig. Evidenz aus anderen Ländern besage jedoch, dass sich die Migration auch auf lange Sicht positiv auf die Beschäftigung der Einheimischen auswirken kann. Die Nachwuchsforschungsgruppe IMES will auf dieser Grundlage weitere Erkenntnisse für Deutschland erarbeiten. „Ich bin mir sicher, dass uns die Forschungsfragen nicht ausgehen werden!“

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Wirtschaft · Forschung · DebattenBy ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung


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