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Wofür Menschen früher religiöse Erklärungen brauchten, gibt es heute wissenschaftliche Antworten. So dachte Dr. Günter Bechly und wollte die Befürworter göttlicher Schöpfung durch wissenschaftliche Fakten bloßstellen. Doch die Fakten selbst machten ihm einen Strich durch die Rechnung.
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„Augenblick, Lukas, was machen wir vor dem Essen?“ Der kleine Lukas zieht die Gabel aus den Nudeln und schaut etwas betroffen auf die Tischdecke. Nach kurzem Überlegen fällt ihm schlagartig ein: „Beten!“ Sein sonst eigentlich nicht streng wirkender Vater ist der Paläontologe und Insektenforscher Dr. Günter Bechly. „Für mich selbst fühlt es sich manchmal immer noch ungewohnt an, zu beten. Deswegen möchte ich, dass meine Kinder es gleich von klein auf lernen“, erklärt er.
Manchmal wirkt es, als würde Dr. Bechly – ganz der Wissenschaftler – sich selbst beobachten und erstaunliche Dinge feststellen. „Ich habe zum Beispiel gemerkt, dass sich mein Verhalten im Straßenverkehr verändert hat seit ich Christ bin. Früher bin gefahren wie eine besengte Sau. Heute versuche ich mich an die Regeln zu halten“, erklärt der Forscher mit typischen Schalk. Bis vor kurzer Zeit war Günter Bechly der Überzeugung: Religion ist nur ein Überbleibsel unserer primitiven Vorfahren, die sich durch Wundergeschichten die Welt zu erklären suchten. Charles Darwin habe gezeigt, dass wir keinen Gott brauchen, um die Entstehung des Lebens zu verstehen.
Gläubige Menschen hielt er für ungebildete Trottel
Fossilienforscher Dr. Günter Bechly (Foto: R. Lindzen)Schon als Kind begeisterte Günter Bechly sich für die Wissenschaft. Er sammelte Fossilien und Schmetterlinge. Später studierte er Biologie und promovierte im Bereich Paläontologie über die Stammesgeschichte der Libellen. Im Laufe seiner wissenschaftlichen Karriere hat er über 160 neue Tierarten beschrieben, zudem sind zehn Tiergruppen von anderen Wissenschaftlern nach ihm benannt worden. Bei Fernsehauftritten wie bei „Planet Wissen“ erklärte er den Zuschauern die Evolution.
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Auch seinen Job als Kurator des Naturkundemuseum in Stuttgart nutzte er, um die Überlegenheit der Naturwissenschaft über religiösen Aberglauben herauszustellen. Das kam besonders beim Darwin-Jubiläum 2009 und der dazugehörigen Ausstellung, die Günter Bechly verantwortete, zum Tragen. Er stelle eine Balkenwaage auf, in deren eine Waagschale er Bücher von Kreationisten und Intelligent Design-Vertretern legte. In die gegenüberliegende Waagschale kam nur Charles Darwins Hauptwerk „The Origin of Species“, in dessen Richtung sich das Exponat natürlich neigte. Die unmissverständliche Botschaft: Ein einziges Buch von Charles Darwin wiegt alle Einwände der Kreationisten locker auf. Doch Bechly beging einen Fehler. Um sich für Diskussionen zu wappnen, fing er an, die vermeintlich leichtgewichtigen Bücher zu lesen.
Seine Kollegen beichten ihm Zweifel an Evolutionstheorie
Sein erstes Gefühl dabei war Überraschung: Hier schrieben keine religiösen Spinner, sondern Wissenschaftler mit fundiertem Wissen in vielen Detailbereichen. Bechly wurde stutzig und fragte sich, warum Intelligent Design in der Öffentlichkeit so verächtlich dargestellt wird. Man könnte die Leute doch wenigstens durch gute Argumente in ihre Schranken weisen! Bechly forschte weiter und merkte: Die Evolutionstheorie hat Intelligent Design argumentativ schlichtweg kaum etwas …