Ein Gedicht des Esrachiters Heman, aus der Sammlung der Korachiter, zu singen nach schwermütiger Weise.
Herr, mein Gott und Retter, Tag und Nacht schreie ich zu dir!
Lass mein Gebet zu dir dringen, höre meinen Hilferuf!
Ich habe mehr als genug gelitten, mit einem Fuß stehe ich schon im Grab.
Alle meinen, mit mir sei es aus; die Kräfte schwinden mir, ich kann nicht mehr.
Man hat mich aufgegeben wie einen Toten; mir geht es wie den Erschlagenen, die man ins Massengrab geworfen hat - du sorgst nicht mehr für sie, deine Hilfe erreicht sie nicht mehr.
In den tiefsten Abgrund hast du mich gestürzt, wo ewige Dunkelheit mich einschließt.
Dein Zorn drückt mich zu Boden, in schweren Wogen rollt er über mich hin.
Meine Freunde hast du mir entfremdet, sie wenden sich voll Abscheu von mir ab. Ich bin im Elend gefangen und finde keinen Ausweg;
vor Schmerzen wird mir schwarz vor Augen. Tag für Tag schreie ich zu dir, Herr, und strecke meine Hände zu dir aus!
Wirst du an den Toten Wunder tun, oder werden die Verstorbenen aufstehen und dir danken?
Wird man im Grabe erzählen deine Güte und deine Treue bei den Toten?
Werden denn deine Wunder in der Finsternis erkannt oder deine Gerechtigkeit im Lande des Vergessens?
Ich aber schreie zu dir, Herr; jeden Morgen bestürme ich dich mit Bitten.
Warum hast du mich verstoßen, Herr? Warum verbirgst du dich vor mir?
Solange ich denken kann, bin ich gequält und dem Tode nah. Du erschreckst mich mit immer neuen Plagen, sodass ich fast an dir irrewerde.
Dein Zorn ist über mich gekommen wie ein Feuersturm, deine furchtbaren Angriffe zerschlagen mich.
Sie bedrohen mich von allen Seiten, täglich dringen sie auf mich ein wie tödliche Fluten.
Freunde und Nachbarn hast du mir entfremdet; mein einziger Begleiter ist die Finsternis.