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„Mit 19 verhaftet, zu 22 Monaten verurteilt und 6 Monate später freigekauft.“ | Axel Braunert über leisen Widerstand, politische Haft und den Weg vom politischen Gefangenen zum erfolgreichen Ingenieur.
Axel Braunert ist ein Kind des Ostens – aber kein Kind des Systems. In Berlin-Köpenick wächst er zwischen Familienpflichten, Improvisation und dem ständigen Wissen auf, dass man in der DDR nicht alles sagen darf. Mathe liegt ihm, Anpassung nicht. Und irgendwann wird aus leiser Verweigerung ein offener Konflikt mit dem Staat.
Was dich erwartet:
In dieser Folge von Herz & Flügel erzählt Axel, wie früh politische Anpassung im DDR-Alltag begann: bei Pionierfahrten, in der Schule, bei der Berufswahl. Er berichtet von Westfernsehen, selbstgebauten Fahrrädern, Jeans aus dem Westen und der Kirche als Ort, an dem andere Gedanken möglich waren.
Mit 19 engagiert sich Axel in Menschenrechtsgruppen, unterschreibt Petitionen und verweigert den Dienst bei der NVA. Kurz darauf wird er vor dem Rathaus in Köpenick verhaftet und zu 22 Monaten Gefängnis verurteilt. Drei Monate verbringt er isoliert im Stasi-Untersuchungsgefängnis Hohenschönhausen.
Axel erzählt von Verhören, Zellen, dem Leben unter ständiger Beobachtung und den Geräuschen, die bis heute nachwirken. Während seiner Haft wird er freigekauft und kommt nach West-Berlin. Dort holt er sein Abitur nach, studiert Architektur und baut sich ein neues Leben auf.
Ein Gespräch über Freiheit, Prägung und die Frage, wie Menschen unter unmenschlichen Bedingungen ihre Würde bewahren. Über das Funktionieren, das Weitergehen und darüber, was wir aus der DDR-Geschichte für die Gegenwart lernen können.
Kapitel:
00:05:11 Köpenick und das Aufwachsen ohne Vater
00:10:08 Eine Familie, die funktionieren muss
00:23:37 Mangel, Weitergeben und Kreativität im DDR-Alltag
00:37:50 Westfernsehen und der Blick auf eine andere Welt
00:42:42 Aus Sperrmüll wird ein Tandem: Improvisieren und Selbermachen
00:57:24 Warum Axel kein Abitur machen durfte
01:19:48 Der Ausreiseantrag als Familienzusammenführung
01:42:47 Verhaftung und Transport in die Untersuchungshaft
01:48:02 Hohenschönhausen: Verhöre, Isolation und Kontrolle
02:04:37 Vier bis fünf Jahre Haft – wie hält man diese Aussicht aus?
02:27:45 Politische Gefangene und der Alltag im Gefängnis
02:54:50 Der Freikauf und die Ausreise in den Westen
03:09:52 Ankommen in West-Berlin: Freiheit muss erst wieder gelernt werden
Über Axel Braunert:
Axel Braunert (*1968) wächst in Berlin-Köpenick auf. Wegen seiner politischen Haltung darf er in der DDR kein Abitur machen. Er verweigert den Dienst bei der NVA, engagiert sich in kirchlichen Menschenrechtsgruppen und wird mit 19 Jahren verhaftet.
Nach seiner Haft und dem Freikauf durch die Bundesrepublik kommt Axel nach West-Berlin, holt dort sein Abitur nach und studiert Architektur. Heute leitet er sein eigenes Ingenieurbüro.
Website – https://braunert.de/
Instagram – https://www.instagram.com/braunertingenieuregmbh?stkn=d2wxbTZ3bTJ3MmFp
Mehr von Herz & Flügel:
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Instagram – https://www.instagram.com/herz.und.fluegel
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„Für 60 Millionen hat sich nichts verändert – für 16 Millionen alles“ | Juliane & Felix Bennien blicken auf die ersten zehn Folgen von Herz & Flügel zurück – auf unerzählte DDR-Geschichten, Ost-West-Codes und die Frage, was Zuhören verändern kann.
Diese Folge ist anders: kein Gast, keine neue Biografie, sondern ein Gespräch zwischen den beiden Menschen hinter Herz & Flügel. Juliane und Felix reflektieren, wie der Podcast entstanden ist, was sie aus den ersten zehn Folgen mitnehmen und was die Geschichten ihrer Gäste in ihnen bewegt haben.
Was dich erwartet:Juliane erzählt, wie sie nach mehr als 40 Jahren Worte für ihre eigene DDR-Geschichte gefunden hat – und warum Gefühle dabei lange weniger wert zu sein schienen als Verstand und Analyse. Felix spricht darüber, was es für ihn bedeutet, als Westdeutscher diese Geschichten zu hören und eine neue Perspektive auf die ehemalige DDR und die Nachwendezeit zu entwickeln.
Gemeinsam sprechen sie über das, was zwischen den Zeilen erzählt wird: über Schutz, Scham, Anpassung, Leistung und die unterschiedlichen Wege, mit Verletzungen umzugehen. Sie fragen, warum so viele Geschichten nach der Wende ungesagt blieben – und warum es heute Räume braucht, in denen Menschen einfach erzählen dürfen, ohne bewertet oder eingeordnet zu werden.
Ein persönlicher Rückblick auf zehn Folgen Herz & Flügel. Und ein Gespräch darüber, wie Zuhören dabei helfen kann, Stereotype abzulegen und ein Land vielleicht doch noch zusammenwachsen zu lassen.
Kapitel:00:01:43 Wie Juliane ihre Geschichte gefunden hat
00:04:27 Gefühle, Sensibilität und der Wert des Erlebten
00:10:13 Zehn Folgen Herz & Flügel: Was bleibt?
00:18:39 „Für 60 Millionen hat sich nichts verändert – für 16 Millionen alles“
00:25:36 Was nach der Wende unbesprochen blieb
00:40:28 Verluste, Kränkungen und fehlende Anerkennung
00:50:23 Was Ost und West voneinander lernen können
Juliane Bennien ist Gastgeberin von Herz & Flügel. Mit ihrer eigenen Geschichte begann dieser Podcast. Hier gibt sie Menschen Raum, ihre persönlichen Erfahrungen zu erzählen – jenseits von Schubladen und vereinfachten Ost-West-Erzählungen.
Felix Bennien ist Julianes Ehemann und Co-Host dieser besonderen Folge. Als Westdeutscher hört er die Geschichten der Gäste mit einer anderen biografischen Perspektive – und reflektiert, was sich dadurch an seinem eigenen Blick auf die deutsche Wiedervereinigung verändert.
Mehr von Juliane:Instagram – https://www.instagram.com/julianebennien
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Website – https://groooooooow.com
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„Ost vs. West – oder warum wir einander noch immer erklären wollen, wie die Welt funktioniert, statt wirklich zuzuhören.“ | Wie aus Adrian Ehrenberg nach der Wende zunächst ein Luft- und Raumfahrttechniker – und schließlich ein Trainer für Vielfalt und Selbstbestimmung wird.
Adrian wächst in Brandenburg auf – in einer Familie, die sich über Ost und West verteilt. Als Kind erlebt er, wie Menschen, die er selbst mag, von anderen verurteilt werden. Früh entsteht die Frage, warum wir anderen unsere eigene Welt erklären, statt ihre Beweggründe zu verstehen.
Was dich erwartet:In dieser Episode hörst du, wie Adrian zwischen ländlicher Freiheit und der Großstadt Berlin aufwächst. Von einer Familie, die ihm Raum zum Denken, Ausprobieren und Kreativsein gibt,. Von finanzieller Unsicherheit und seinem Weg nach München.
Du hörst, wie Adrian erkennt, dass er sich für vermeintliche Sicherheit selbst aufgegeben hat, wie aus Überlastung körperliche Symptome werden und wie er über seine Frau, internationale Teams und Wolke 7 einen neuen Umgang mit Vielfalt, Grenzen und den eigenen Ressourcen findet.
Ein Gespräch über Ost und West, Begegnung auf Augenhöhe und Bildung, die mehr sein muss als Mathe und Deutsch. Über Nachhaltigkeit ohne Mangeldenken und die Frage, wie wir lernen können, besser mit uns selbst und miteinander umzugehen.
Kapitel:
Adrian Ehrenberg (*1988) ist in Jüterbog und Luckenwalde aufgewachsen. Nach seinem Studium der Luft- und Raumfahrttechnik an der TU Berlin arbeitete er zunächst bei Rolls-Royce und später bei MTU in München.
Heute engagiert sich Adrian bei Wolke 7 für Vielfalt, Selbstbestimmung und ein gutes zwischenmenschliches Miteinander. Sein Anliegen: Menschen einen Raum zu geben, in dem sie sich selbst wiederfinden und neue Perspektiven entwickeln können.
LinkedIn – https://www.linkedin.com/in/adrian-ehrenberg1/
Website – https://wolke7-erleben.de
Instagram – https://www.instagram.com/adrianehrenberg/
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„Die Welt ist nicht genug.“ | Boris Erdtmann über die Flucht in die Prager Botschaft 1984, das Warten auf die Ausreise, ein Leben zwischen Ost und West – und die Frage, ob man jemals wirklich ankommt.
Boris Erdtmann wächst in Treptow auf, als Sohn einer DDR-Fernsehredakteurin und eines persischen Vaters in West-Berlin. Bei den Erdtmanns verkehren Opernsänger, Schauspieler und Moderatoren. Und trotzdem: Mit zwölf sieht Boris eine Reisesendung in der ARD – Island, England, Amerika – und die Sehnsucht, die entsteht, geht nicht mehr weg.
Mit 18 stellt er einen Ausreiseantrag. Abgelehnt. Er heiratet Mary wegen der Genfer Konvention. 1984 sehen beide in der Tagesschau, wie 14 DDR-Bürger über eine Gartenpforte in die Prager Botschaft der BRD gelangen. Am nächsten Morgen buchen sie einen Flug. Sechs Wochen später kommt Boris zurück – allein, denn Mary hat sich in der Botschaft in jemand anderen verliebt. Dann das Verhör. Dann das Warten. Dann, am 26. Juni 1985 die Ausreise.
Was dich erwartet:
In dieser Folge von Herz & Flügel hörst Du vom Chaos in der Botschaft, vom Verhör auf der Normannenstraße mit Thomas Manns Felix Krull in der Hand, vom Ankommen in West-Berlin, das sich zunächst nicht wie Befreiung anfühlt. Vom mentalen Absturz, der fast das Ende bedeutet hätte – und von dem Telefonanruf, der ihn zurückholt ins Leben. Vom Weg zum Kameramann, vom Mauerfall und vom persischen Vater, den zu früh starb. Und der Frage, ob man jemals aufhört, erwachsen zu werden.
Kapitel:
Über Boris Erdtmann:
Boris Erdtmann (*1964) ist in Berlin-Treptow aufgewachsen. Heute lebt er in Potsdam, arbeitet als Kameramann und Autor und ist Vater von viereinhalb Kindern und Großvater von zweien. Und dann trainiert er auch noch für den Triathlon.
Instagram – https://www.instagram.com/buddhaboris
LinkedIn – https://www.linkedin.com/in/boriserdtmann/
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„Am 9. November gleich in den Westen? Nicht nötig, denn Anne war ja schon vorher da.“ | Wie der Westen schon in der Kindheit spürbar war – und warum der 9. November für Anne Harting trotzdem alles verändert hat.
Anne Harting wächst in Zehdenick auf – einem kleinen Städtchen nördlich von Berlin mit ungewöhnlich vielen Selbständigen, darunter das Textilgeschäft ihrer Eltern. Ihre Mutter kauft Exportbettwäsche von einem Vertreter im Wald, schmuggelt Westware im Kofferraum und schmiert die Leute im Großhandel mit Kaffeepäckchen. Anne wächst in diesem Laden auf – mit dem leisen Wissen: Wir sind anders.
Und noch etwas ist anders: Der Westen ist für Anne nie abstrakt. Die Großmutter lebt in Westberlin. Verwandte kommen, Pakete kommen, die Bravo kommt – auseinandergenommen, als Füllmaterial verpackt, das Poster ordentlich flach gelegt, damit es nicht knickt.
Was dich erwartet:
In dieser Folge hörst du, wie eine Kindheit in einer selbständigen DDR-Familie prägt. Du hörst vom Sommer 1989 in Bulgarien, vom Rückflug am Tag der Prager Botschaftsflüchtlinge, von der Montagsdemo und dem Morgen danach. Vom Studium an der Humboldt-Universität in einer Stadt, die sich neu erfindet, aber alte Muster behält. Ein Gespräch über das Schweigen einer ganzen Generation – und die doppelte Kompetenz, die daraus entstand.
Über Anne Harting:
Anne Harting (*1971) ist in Zehdenick aufgewachsen und studierte Kunst und Germanistik an der Humboldt-Universität Berlin. Heute ist sie Journalistin und Inhaberin von PIO1 Communications, einer Boutique-PR-Agentur an der Schnittstelle von Kunst, Design und Architektur. Ihr Herzensthema: Kunst-Events wie die Sommerfrische Kunst in Bad Gastein.
Webseiten und Linkedin
Buch:
Moritz von Uslar: Deutschboden. Eine teilnehmende Beobachtung. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2010
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„Die Kassette ohne Rekorder" | Claudia von Stülpnagel's Geschichte zwischen Überwachung und stiller Rebellion – und wie sie gelernt hat, innerlich frei zu sein, auch wenn die Gesellschaft rundherum alles kontrollierte. Von der geheimen Kassette über das verbotene Westradio bis zum Mauerfall: Eine Geschichte über kleinen Mut mit großer Wirkung.
Was dich erwartet:
Claudia wächst auf in einem NVA-Dorf in Brandenburg – als Tochter eines Vaters, dessen Kindheit von Verlust, Heim und einer Stiefmutter geprägt war, die Pakete aus dem Westen verschwinden ließ. Sie erzählt von Kassetten ohne Rekorder, von Fahnenappellen, bei denen sie sich unsichtbar wünschte, und von dem Moment, in dem ein Nachbar plötzlich im Wohnzimmer steht – während sie und ihr Bruder heimlich Westfernsehen schauen.
Im zweiten Teil geht es ums Alleingelassensein: Mit 13 übernimmt Claudia Haushalt, Geschwister und Verantwortung – während die Stasi nebenan genau weiß, was abgeht. Ein Gespräch darüber, wie aus purem Funktionieren am Ende echte Resilienz wird – und was es bedeutet, sich durch Selbstermächtigung ein zufriedenes Leben zu schaffen.
• 00:01 Westradio unter der Bettdecke
• 04:47 Der Vater: Heim, Verlust und verschwundene Pakete
• 09:33 Die Stiefoma – Kinderzimmer im Abstellraum
• 16:06 Aufwachsen im NVA-Dorf
• 18:25 Beide Eltern weg – Claudia übernimmt mit 13
• 29:27 Pudding-Suppe und der Milchtopf mit Pfeife
• 34:16 Fahrrad zur Schule, Schwester zur Kita, 23 Uhr ins Bett
• 43:34 Einkaufen mit wenig Geld
• 45:56 Bemalte Brettchen: Das erste eigene Geld
• 50:36 Was das System aus Kindern machte
• 53:08 Nachts ins Krankenhaus – mit dem Taxifahrer auf Pump
• 55:08 Der Nachbar im Wohnzimmer und der Schwarze Kanal
• 01:06:01 Wimperntusche, Minirock, Seitenzopf
• 01:12:59 Fahnenappelle, Agitatoren, Wandzeitungen
• 01:35:23 Systemtreu, frei und nirgends ganz zuhause
• 01:44:28 9. November: allein im Spätdienst
• 01:50:48 Zwei DIN-A4-Seiten auf der Parteiversammlung
• 01:53:55 Was bleibt: Resilienz und das Leben mit Würde tragen
Über Claudia von Stülpnagel:
Geboren 1970 in Wriezen in Brandenburg. Ausgebildete Krankenschwester und OP-Schwester. Studium der Psychologischen Beratung, Reiki-Meisterin und Klangtherapeutin. Claudia begleitet als psychologische Beraterin und Coach Frauen im Empty-Nest-Prozess – in einer Lebensphase, in der vertraute Rollen wegfallen und neue Orientierung gesucht wird. Sie hat über 300 Klientinnen begleitet und ein kostenloses Magazin zum Thema veröffentlicht.
Website – https://www.claudia-von-stuelpnagel.org
Instagram – https://www.instagram.com/claudiavonstuelpnagel
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250.000 Bilder. Eine Stasi-Akte mit 1.200 Seiten. Und ein Haftbefehl, der nie vollstreckt wurde. | Harald Hauswald fotografiert die DDR von innen – und wird zum Chronisten einer Welt, die es eigentlich gar nicht geben durfte.
Was dich erwartet:
In dieser Folge von Herz & Flügel hörst du, wie Harald Hauswald mit einer Kamera durch den Prenzlauer Berg streift – als bezahlter Telegrammbote, der nebenbei das Ostberlin fotografiert, das bald nicht mehr existieren wird. Wie er Bilder heimlich in den Westen schmuggelt, in GEO und taz veröffentlicht. Du hörst von Fluchtversuchen, die scheitern. Von einem Haftbefehl, den die Stasi nie vollstreckt. Und davon, was es bedeutet, wenn Menschen heute auf seinen Fotos sich selbst wieder erkennen.
• 00:05 Kindheit in Radebeul – Wald, Weinberge und ein Bruder als erster Lehrer
• 07:30 Der Vater als Fotografenmeister – und warum Harald Koch werden wollte
• 10:15 Rockbands, Fehlstunden, Verweise – das freie Leben vor der Kamera
• 16:40 Der erste Fluchtversuch – Ungarn, eine Wiese und ein Baum, der lebte
• 22:10 Techniker bei Birkholz Formation – Musik als Ausweg und Ausrede
• 28:45 Armee und das Ende der Illusion – zwei Erlebnisse, die alles veränderten
• 35:20 Telegrammbote im Prenzlauer Berg – bezahltes Fotografieren durch die Hintertür
• 42:00 Erste Westveröffentlichungen – Kontakte, Schmuggelwege und 800 DM Honorar
• 49:30 Die Stasi-Akte und der Haftbefehl mit Bleistiftnotiz
• 57:15 Verhör, Westjournalisten und das Netzwerk, das ihn schützte
• 1:04:00 Ausgebüxt – Sommercamp in Polen, Solidarność und die Rückkehr
• 1:12:20 Drei Tage Stuttgart, ein Bundesreisepass und zehn Tage Türkei
• 1:22:00 Westberlin: Die taz-Redaktion steht auf und klatscht
• 1:28:30 Sputnikverbot, Gorbatschow und die Stimmung, die kippt
• 1:35:10 Der 9. November – das größte Befreiungsgefühl seines Lebens
• 1:41:00 Gründung von Ostkreuz – Fotografen für Fotografen
• 1:48:20 250.000 Bilder als Kapital der Erinnerung
• 1:54:00 Wenn Menschen sich auf seinen Fotos wiederfinden
Über Harald Hauswald:
Harald (*1954) ist in Radebeul bei Dresden aufgewachsen und 1978 nach Ostberlin gezogen. Mit seinen Bildern hat er die letzten 20 Jahre der DDR festgehalten. Sein Gesamtwerk umfasst vermutlich eine halbe Million Aufnahmen: 250.000 vor der Wende, und mindestens genauso viele danach – so genau weiß er das nicht. 1990 gehörte er zu den sieben Gründern von Ostkreuz, einer der renommiertesten Fotoagenturen im deutschsprachigen Raum. Harald ist Träger des Bundesverdienstkreuzes und des Bürgerpreises der deutschen Einheit.
Website – https://www.hauswald-fotografie.com
Instagram – https://www.instagram.com/haraldhauswald
Ostkreuz – https://www.ostkreuz.de/fotografen/harald-hauswald
Ostkreuz Instagram – https://www.instagram.com/agenturostkreuz
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„Trabi, Hund, Gitarre. Und ein neues Leben." | Angela Paul wächst in der DDR auf – zwischen Gartenbeeten, Pferdeställen und dem Gefühl, eingesperrt zu sein. Mit 23 wacht sie nach einem schweren Reitunfall auf — nackig, verkabelt, ohne Erinnerung. Und mit einem einzigen Gedanken: Jeder Tag ist ein Geschenk.
Was dich erwartet:
In dieser Folge von Herz & Flügel hörst du, wie Angela Paul mit Kreativität und Eigensinn durch eine Kindheit in der Oberlausitz navigiert. Wie sie mit 12 Jahren dreimal die Woche 16 Kilometer durchs Mittelgebirge strampelt, um einen Pferdestall ausmisten zu dürfen. Du hörst vom Mut der Verzweiflung, von Mobbing und Depression, von der Kraft der Natur – und davon, was eine Lieblingskuh, ein Bienenstock und ein Barockgarten mit Potentialentfaltung zu tun haben. Angela hat mehr Umbrüche erlebt als die meisten. Aus jedem ist sie anders herausgekommen. Und hat eines gelernt: wie man sich selbst wiederfindet.
• 03:27 Kindheit in der Oberlausitz – Kreativität als Überlebensstrategie
• 05:04 Die Mutter als Maßschneiderin – aus nichts etwas machen
• 07:17 Gartenparzelle, Selbstversorgung und frische Radieschen
• 11:01 Tage im Wald, Fernglas und Vogelbeobachtung
• 12:09 Pferde – die große Liebe ab dem ersten Ponykarussell
• 13:50 16 Kilometer Fahrrad, Abstürze und Willenskraft
• 17:56 Reitvereine in der DDR und die Springreiterin als Vorbild
• 26:46 Der erste Blick auf die Westgrenze – das Eingesperrtsein begreifen
• 33:27 Gärtnerlehre und sechs Jahre Rinderhaltung in der LPG
• 39:45 Aufbruch in den Westen – mit Trabi, Hund und Gitarre
• 42:15 Reitunfall in der Pfalz und das Aufwachen im Krankenhaus
• 47:19 Im Westen ankommen – Toiletten, Dialekte und Reizüberflutung
• 1:05:43 Der 9. November – Bilder, die sie nicht glauben konnte
• 1:09:10 100 Mark Begrüßungsgeld und eine Fototapete mit Palmen
• 1:20:12 Depression, Mobbing und der Weg zur Potentialentfaltung
• 1:22:02 Die Baumschule in Schwetzingen – der richtige Standort
• 1:28:45 Sichtbarkeit, Angst und das Erbe der DDR
• 1:35:29 Stolz auf die Herkunft – was „Ossi sein" heute bedeutet
Über Angela Paul:
Angela (*1968) ist in Ebersbach in der Oberlausitz aufgewachsen und nach dem Mauerfall in den Westen gezogen. Heute arbeitet sie als Gärtnerin in der Historischen Baumschule von Schwetzingen, einem Barockschloss in Baden-Württemberg. Sie ist Kräuterexpertin, Pilzsachverständige, Hobbyimkerin, Pferdemenschin und Coach für Potentialentfaltung. Angela und Juliane haben sich in der Ausbildung „The Art of Communication" von Tobias Beck kennengelernt – und Angelas Feedback auf Julianes Geschichte war der Funke, aus dem dieser Podcast entstanden ist.
Instagram – https://www.instagram.com/angela_coaching_und_kunst/
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„Wäre ich nicht gegangen, wäre ich im Knast gelandet" | Gerald Hüther über seine Kindheit in der DDR, die Flucht mit gefälschtem Visum und ein Leben auf der Suche nach echter Freiheit.
Er wächst in einem kleinen Dorf in der DDR auf – barfuß und unbeaufsichtigt. Später schließt er sich Studentengruppen an, tritt in die evangelische Kirche ein, fährt zweimal nach Prag – und erlebt dort im Sommer 1968, wie ein ganzes Volk kurz aufatmet, bevor die Panzer rollen.
Als ihm klar wird, dass der nächste Schritt Gefängnis heißt, plant er seine Flucht – allein, monatelang, mit wissenschaftlicher Präzision. Dann fährt er mit einem gefälschten Visum nach Belgrad. Frau und Kind lässt er zurück. Er weiß, dass sie verhört werden. Deshalb sagt er ihnen nichts.
Was dich erwartet:
Gerald Hüther erzählt, was er selten erzählt: von der Kindheit, die ihn geformt hat, vom Prager Frühling, der etwas in ihm zerbrochen hat, von der Flucht, an der sein erste Ehe scheiterte, und dem Sohn, zu dem er kaum noch Kontakt hat.
Du hörst seine schärfste These: dass Verführung die gefährlichere Form der Unterdrückung ist – weil sie niemanden zwingt, und trotzdem alle klein hält. Und am Ende eine einzige Bitte an junge Menschen: Lasst euch die Freude am Denken nicht nehmen. Von niemandem.
00:00 Zwei Biografien, eine Sprache
03:05 Kindheit auf dem Dorf: Freiheit, Vertrauen, das ganze Dorf als Erzieher
09:07 Was Eltern Kindern ersparen sollten – und was nicht
11:54 Resilienz ist kein Kurs: Neurobiologie der Kindheitserfahrungen
14:59 Prager Frühling: Aufbruch, Tänze auf der Straße – und Panzer
20:59 Nach Prag: Desillusionierung und stiller Rückzug
24:08 Fluchtentscheidung: Warum er allein geht und niemandem etwas sagt
29:47 Die Kunst der Stempelfälschung: Glasplatte, Backofen, Gummi
44:43 Ankunft im Westen: Auffanglager Gießen und ein Job am Max-Planck-Institut
55:37 Verhöre, Telefontermine beim Pfarrer, Familienzusammenführung
01:00:01 Kinder zwischen den Fronten: über Trennung und Ohnmacht
01:08:59 Mauerfall: Euphorie, Schnaps – und das ernüchternde Danach
01:12:14 Warum heute so viele AfD wählen: Die Rechnung kommt spät
01:29:00 Unterdrückung vs. Verführung: Welches System macht unfreier?
01:32:41 Erziehung mit Liebe: Nicht abnehmen – entfalten lassen
01:50:36 Die Freude am Denken – das Einzige, was wirklich schützt
Über Gerald Hüther:
Neurobiologe, Autor und einer der bekanntesten Vordenker im Bereich menschlicher Entwicklung. Nach Jahrzehnten am Max-Planck-Institut und als Professor in Göttingen gründete er die Akademie für Potentialentfaltung – einen Ort, der Menschen hilft, sich aus selbstgebauten Verwicklungen zu befreien.
Website – https://www.gerald-huether.de
Youtube – https://www.youtube.com/c/GeraldHuether-original
Instagram – https://www.instagram.com/gerald_huether
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„Alles war grau – aber meine Welt war bunt“ | Vom Wendekind in Ostberlin zur Make-up-Artistin, die Frauen sichtbar macht.
Was dich erwartet:
Yvonne wächst auf in Berlin-Mitte der späten 80er Jahre – als Kind zweier Freigeister, die in der DDR wie ein Farbfernseher in einer grauen Welt leuchten. Sie erzählt von ihrem Vater, der gegen das System kämpft und trotzdem Lieblingskellner des Oberbürgermeisters wird. Von einem Mädchen, das mit sechs Jahren im Auto sitzt und sicher weiß: Die Mauer wird fallen. Und vom 9. November, an dem sie allein zu Hause aufwacht, weil ihre Eltern auf der Mauer tanzen.
Im zweiten Teil geht es ums Ankommen im Westen: Auffanglager, Wohnheim, Schimmelwohnung – und eine Schule, in der Yvonne plötzlich das Ossi-Kind ist. Von der Scham, anders zu sein, über das jahrzehntelange Weglaufen vor der eigenen Herkunft und Geschichte bis hin zu dem Moment, in dem sie aufhört zu rennen. Ein Gespräch über Farbe als Freiheit, über das Sichtbarwerden – und darüber, wie befreiend es ist, die eigene Geschichte endlich offen und ehrlich zu erzählen.
• 02:12 Einschulung am Alexanderplatz: Kindheit in der DDR
• 05:54 Eltern als Freigeister: Der Farbfernseher in der grauen Welt
• 12:06 Vater im Gefängnis für die Freiheit
• 13:59 Jetzt oder nie: Der Sprung in den Westen
• 15:26 Mobbing in der neuen Schule: Das Ossi-Kind
• 22:03 Der 9. November – Eltern auf der Mauer
• 28:16 Papagei auf LSD: Die erste Begegnung mit Make-up
• 37:08 Der Tod des Vaters als Wendepunkt
• 44:27 Jahrzehntelang weggerannt: Clubs, Partys & Funktionieren
• 52:36 Farbe bedeutet Freiheit
• 01:03:52 Make-up als Weg zur inneren Präsenz
• 01:22:42 Erziehung anders machen
Über Yvonne Wengler:
Geboren 1983 in Ostberlin, aufgewachsen in Berlin-Mitte. Nach dem Mauerfall siedelt die Familie sofort in den Westen um – Auffanglager, Wohnheim, schließlich Langwitz. Yvonne macht eine Friseurausbildung und findet ihren Weg zur Make-up-Artistin. Heute begleitet sie Celebrities auf roten Teppichen, arbeitet bei internationalen Fashion-Shows von Paris bis Mailand und für Beauty-Kampagnen. Ihr Herzensthema: Frauen wieder sichtbar zu machen.
Instagram: https://www.instagram.com/yvonnewengler
Webseite: https://www.yvonnewengler.com/
Mehr von Herz & Flügel:
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Deutschland war einmal geteilt.
Doch was hat das mit den Menschen gemacht?
Herz & Flügel ist ein Podcast über persönliche Geschichten aus der DDR und dem wiedervereinten…
Ich spreche mit Menschen, die geblieben sind. Und mit denen, die gegangen sind.
Über Erinnerungen, Entscheidungen und Brüche - und darüber, was bis heute wirkt.
Am Ende geht es um den Blick nach vorn: Was hat sie gestärkt? Und was trägt sie bis heute?
Herz & Flügel.
Geschichten, die berühren und Flügel verleihen.