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„Es gibt keinen Gott“. Zu der Überzeugung bin ich bereits im Grundschulalter gekommen. Gott hat auf meine Gebete nicht geantwortet und überhaupt erschien mir die Sache mit Urknall und Evolution, von der ich in meinen Büchern gelesen hatte, viel schlüssiger. Die Welt funktionierte meiner Ansicht nach hervorragend ohne übernatürliche Wesen. Also sah ich keine Notwendigkeit, an Gott zu glauben. Im Gegenteil, je älter ich wurde, desto alberner fand ich die Vorstellung von einem höheren Wesen, das Einfluss auf die Welt nimmt.
Mit der Bibel brauchte man mir gar nicht zu kommen. Schöpfung, Sündenfall, Sintflut? Lächerlich! Das waren nur Märchen, die sich die Menschen damals ausgedacht hatten, um sich den Lauf der Welt zu erklären. Was war ich froh, dass wir inzwischen dank der Wissenschaft viel bessere Erklärungen zur Verfügung hatten. Deshalb konnte ich nur den Kopf schütteln über Menschen, die ernsthaft an Gott und die „Wahrheit der Bibel“ glaubten. Ich hielt sie für versponnene Realitätsverweigerer. Niemals würde ich eine von ihnen werden! So etwas lag damals jenseits meines Vorstellungsvermögens.
Ich war eine glückliche Atheistin. Gott oder Glauben vermisste ich nicht im Geringsten. Ich hatte keinerlei Sehnsucht nach Spiritualität. Als Jugendliche verschwendete ich kaum einen Gedanken an den Tod oder ein „Danach“. Auch Themen wie Schuld und Vergebung berührten mein Denken nicht.
Man braucht keinen Gott, um ein gutes Leben zu führen oder ein guter Mensch zu sein. Das hören Christen nicht gern, aber für viele Menschen ohne Glauben ist das eine Selbstverständlichkeit. Für mich war es das auch.
Ist Gott nur eine Einbildung?
Dann passierte es: Ich wurde Christin. Entgegen allem, was ich mir vorgenommen hatte, rutschte ich in dieses Ding rein, das man „Glauben“ nennt. Ich fing an, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass es doch mehr gibt, als die Wissenschaft erklären kann. Dazu lernte ich, dass die Bibel wesentlich vielfältiger und hintergründiger ist, als ich geglaubt hatte. Wie es zu meinem Sinneswandel kam, ist eine eigene Geschichte.
Ich lernte, dass die Bibel wesentlich vielfältiger und hintergründiger ist, als ich geglaubt hatte.
Die Folgen dieser Entwicklung aber stürzten mich von einer Krise in die nächste. Denn als Atheistin wird man nicht „einfach so“ zur Christin. Es war ein Kampf mit Zweifel und Unglauben. Prägungen und Überzeugungen sind keine Kleidungsstücke, die man ablegt. Sie haften an uns wie unsere Haut. Anstatt sie abzuziehen, müssen wir warten, bis sie von innen heraus nachwachsen. Das kann sehr lange dauern. Und mitunter ist es ein schmerzhafter Prozess.
Mehr als ein Jahrzehnt rang ich mit der Frage „Gibt es Gott oder ist das alles nur Einbildung?“ Ich lebte nach außen hin als Christin, tat alles, was man als Christ so tut. Beten, Bibel lesen, Gottesdienste besuchen, Lobpreislieder singen, „ein guter Mensch sein“. Ich sehnte mich nach einer Gottesbegegnung, nach einem zweifelsfreien Beweis, dass es ihn gibt. Ich wollte, dass dieser ewige Spagat zwischen Glauben-wollen und Nicht-glauben-können endlich ein Ende hatte.
Aber so sehr ich mich auch anstrengte und das tat, was man mir riet, um mit Gott in Kontakt zu kommen – es passierte nichts. Gott blieb für mich nur ein riesengroßes, schmerzhaft stilles Schweigen. Immer wieder stand ich kurz davor, alles hinzuwerfen. Ich bekam das mit dem Glauben nicht hin. Meine Zweifel an der Existenz Gottes waren zu groß. Mein Unvermögen, an ihn zu glauben, ebenso.
Hilf meinem Unglauben!
Es ist aufreibend und …