ERF Gottesdienst

Im Zweifel dran bleiben


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© Patricia Palma / unsplash.com
Zweifel haben die Eigenart, dass sie einsam und unsicher machen: Das Kind, das an der Liebe seiner Eltern zweifelt, fühlt sich mutterseelenallein. Der Kunde, der an der Ehrlichkeit des Verkäufers zweifelt, ist in seiner Kaufentscheidung verunsichert. Und der Christ, der an seinem Glauben zweifelt, fühlt sich ebenfalls einsam und verunsichert, selbst wenn er weiterhin an Gemeindeveranstaltungen teilnimmt. Seine Isolation ist meistens nicht äußerlich sichtbar, aber dafür umso mehr für ihn selbst spürbar in seinem Denken und Fühlen. Er oder sie fühlt sich nicht ganz dazugehörig in der Menge der Gläubigen.
Thomas, einer der Nachfolger Jesu, hat das vermutlich ähnlich erlebt. Wenige Tage nach der Kreuzigung hatten ihn die anderen Jünger mit der unglaublichen Aussage konfrontiert, dass Jesus lebt und ihnen begegnet ist. Aus irgendeinem Grund hatte Thomas dieses unglaubliche Erlebnis verpasst und hat deswegen große Zweifel am Bericht seiner Freunde. Seine Ansage ist klar: „Erst muss ich seine von den Nägeln durchbohrten Hände sehen; ich muss meinen Finger auf die durchbohrten Stellen und meine Hand in seine durchbohrte Seite legen. Vorher glaube ich es nicht.“ (Johannes 20,25).
Damit beginnt für Thomas eine Zeit des Wartens und vermutlich auch der Isolation. Die anderen Jünger fangen zaghaft an, das Unmögliche zu glauben und sich über diese ungeheuerliche Perspektive zu freuen. Der Zweifler Thomas bleibt jedoch gefangen in einer Mischung aus Skepsis und dem unsicheren Gedanken, dass das mit der Auferstehung vielleicht doch irgendwie wahr sein könnte. 
 
Besser mit Zynismus dabei, als mit Zweifeln alleine
Was Thomas in dieser Situation auszeichnet, ist seine Bereitschaft, dabei zu bleiben. Er hätte sich aus verschiedenen und verständlichen Gründen von der Gruppe zurückziehen können. Aber er geht nicht auf Distanz. Dranbleiben – das ist Thomas‘ Stärke, selbst wenn es mit einer Portion Skepsis oder sogar Zynismus geschieht. Er hat keine Scheu, Jesus zu sagen, wenn er etwas von seiner Predigt nicht verstanden hat (Johannes 14,1-14). Als Jesus sich kurze Zeit vor diesen ganzen Ereignissen mit seinen Nachfolgern auf den Weg nach Jerusalem macht, wohl wissend, dass dort die Verhaftung auf ihn wartet, meint Thomas nur lakonisch: „Ja, lasst uns mitgehen, um mit ihm zu sterben.“ (Johannes 11,16). Vermutlich steckt in dieser Aussage eine gewaltige Portion Sarkasmus, aber auf der anderen Seite auch die bewundernswerte Bereitschaft, sich unter keinen Umständen von Jesus trennen zu lassen.
Dieses Durchhaltevermögen wird zum Rettungsanker in Thomas‘ Zweifeln. Denn weil er dran bleibt, ist er acht Tage nach der ersten Begegnung des Auferstandenen mit seinen Freunden anwesend, als das zum zweiten Mal geschieht. Und jetzt erlebt auch Thomas die Realität dessen, was er zuerst nicht glauben konnte. Er kann endlich auch für sich annehmen, wovon ihn seine Freunde in der vergangenen Woche sicherlich mehr als einmal zu überzeugen versucht haben: Jesus ist auferstanden, er ist Gott (Johannes 20,27-28).
 
Die meisten Christen sind Zweifler
Bei dieser Gelegenheit muss sich Thomas auch den leichten Vorwurf von Jesus gefallen lassen, warum er erst glaubt, als er sich persönlich von der Wahrheit überzeugen kann. Das ist, nebenbei bemerkt, nicht das einzige Mal, dass Jesus seinen Jüngern – und zwar allen von ihnen – einen kleinen Glauben vorwirft. Jesus wünscht sich, dass seine Nachfolger ihm und seiner Botschaft vertrauen und im Zweifelsfall auch ohne Beweise glauben. Auf der anderen Seite ist er aber auch bereit, auf ihre Fragen und Bedenken …
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