Im 14. Jahrhundert breitet sich eine der verheerendsten Pandemien der Geschichte über Europa aus. Doch woher kam die Pest eigentlich? Wie verbreitete sie sich so schnell und was machte Yersinia pestis mit den Erkrankten? Wir begleiten die Menschen des Mittelalters durch eine Welt, die sich innerhalb weniger Jahre grundlegend verändert – von kranken Seeleuten und verzweifelten Ärzten über Familien und Totengräber bis hin zu den Überlebenden. Und wir schauen darauf, welche gesellschaftlichen Folgen der Schwarze Tod hinterließ.
Teil 1 unserer dreiteiligen Reihe über den Schwarzen Tod.
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Quellen und Bücher der Folge
Literatur
Bergdolt, Klaus: Die Pest. Geschichte des Schwarzen Todes. C.H. Beck, München.
Bergdolt, Klaus: Der Schwarze Tod in Europa. Die Große Pest und das Ende des Mittelalters. C.H. Beck, München.
Zeitgenössische Quellen
Boccaccio, Giovanni: Decamerone, Einleitung zum ersten Tag.
Boccaccios berühmter Bericht über die Pest in Florenz 1348 und die Reaktionen der Bevölkerung.
Boccaccios Pestbeschreibung – Fordham Medieval Sourcebook
Agnolo di Tura: Cronaca senese.
Zeitgenössischer Bericht über die Pest in Siena. Von ihm stammt unter anderem die erschütternde Schilderung, dass er seine fünf Kinder selbst begraben habe.
Guy de Chauliac: Chirurgia Magna / Grande Chirurgie (1363).
Guy de Chauliac erlebte die Pest in Avignon, erkrankte selbst und hinterließ einen medizinischen Bericht über die Epidemie. Eine historische Ausgabe der Grande Chirurgie enthält ausdrücklich seine Berichte über die Pestwellen von 1348 und 1361.
Guy de Chauliac – Catalogue collectif de France/BnF
Ibn Khatima: Pesttraktat aus dem 14. Jahrhundert (Taḥṣīl ġaraḍ al-qāṣid fī tafṣīl al-maraḍ al-wāfid).
Medizinische Beobachtungen zur Pest in al-Andalus.
Ibn al-Khatib: Pesttraktat (Muqniʿat al-sāʾil ʿan al-maraḍ al-hāʾil).
Besonders interessant wegen seiner Beobachtungen zu Ansteckung und Übertragung.
Papst Clemens VI.: päpstliche Bullen von 1348 zum Schutz jüdischer Gemeinden während der Pestverfolgungen, insbesondere Quamvis perfidiam.
Yersinia pestis und Ursprung des Schwarzen Todes
Spyrou, Maria A. et al.: “The source of the Black Death in fourteenth-century central Eurasia.” Nature 606 (2022), S. 718–724. DOI: 10.1038/s41586-022-04800-3.
Die für unsere Folge besonders wichtige Untersuchung der Gräber von Kara-Djigach und Burana im heutigen Kirgisistan. Dort wurde in Bestattungen von 1338/39 Yersinia pestis nachgewiesen. Die rekonstruierten Genome stehen sehr nahe am Ausgangspunkt der genetischen Diversifizierung, die mit der zweiten Pestpandemie verbunden ist.
Studie bei Nature – Open Access
Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Plague.
Medizinische Hintergrundinformationen zu Yersinia pestis, Beulenpest, septikämischer Pest, Lungenpest, Übertragung, Symptomen und heutiger Behandlung.
CDC – Plague
Ausbreitung und Sterblichkeit
Izdebski, Adam et al.: “Palaeoecological data indicates land-use changes across Europe linked to spatial heterogeneity in mortality during the Black Death pandemic.” Nature Ecology & Evolution 6 (2022), S. 297–306. DOI: 10.1038/s41559-021-01652-4.
Die Studie untersucht 1.634 Pollenproben aus 261 Fundstellen in 19 heutigen europäischen Ländern und zeigt, wie unterschiedlich die demografischen Auswirkungen der Pest regional gewesen sein dürften.
Studie bei Nature Ecology & Evolution – Open Access
Medizin, Gesellschaft und Reaktionen auf die Pest
Ordinance of Labourers (1349) und Statute of Labourers (1351), England.
Wichtige Quellen für die staatlichen Versuche, nach dem massiven Bevölkerungsverlust Löhne und Mobilität von Arbeitskräften zu begrenzen.
Medizinische Pesttraktate des 14. Jahrhunderts, insbesondere die Gutachten der Pariser medizinischen Fakultät von 1348.
Relevant für Humoralpathologie, Miasmentheorie, astrologische Erklärungsmodelle und zeitgenössische Vorstellungen über die Ursachen der Pest.
Rouen und Aître Saint-Maclou
Aître Saint-Maclou, Rouen: offizielle Geschichte des Ortes.
Rouen wurde von der Pest schwer getroffen; wegen der demografischen Krise musste ein neuer Friedhof geschaffen werden. Wichtig für unsere Folge: Die heute sichtbaren Ossariumsgalerien stammen nicht aus der Zeit des Schwarzen Todes. Nachdem spätere Pestwellen erneut zu Platzmangel geführt hatten, beschloss die Gemeinde 1526 den Bau der Galerien zur Aufbewahrung exhumierter Gebeine.
Aître Saint-Maclou – Geschichte
Hinweis: Der Schwarze Tod ist bis heute Gegenstand intensiver historischer, archäologischer und naturwissenschaftlicher Forschung. Insbesondere Fragen nach Ursprung, Übertragungswegen, Sterblichkeit und regionalen Unterschieden werden weiterhin diskutiert. Die Folge gibt den aktuellen Forschungsstand vereinfacht wieder; wo die Forschung keine eindeutigen Antworten zulässt, wird dies in der Folge entsprechend kenntlich gemacht.