Prof. Dr. Martin Südmeyer über Alzheimer, neue Therapien und die Frage, wie sich das eigene Demenzrisiko beeinflussen lässt
Demenz gehört zu den Erkrankungen, vor denen sich viele Menschen besonders fürchten. Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer Demenzerkrankung, die häufigste Form ist Alzheimer. Doch was passiert dabei eigentlich im Gehirn? Woran lassen sich erste Anzeichen erkennen – und wann ist Vergesslichkeit mehr als eine normale Begleiterscheinung des Älterwerdens?
In dieser Folge von „Kasack und Köpfe“ spricht André Puchta mit Prof. Dr. Martin Südmeyer, Chefarzt der Klinik für Neurologie und Klinische Neuropsychologie am Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam. Gemeinsam erklären sie, was unter Demenz zu verstehen ist, warum Alzheimer nicht mit Demenz gleichgesetzt werden kann und welche Veränderungen im Gehirn bei der Erkrankung eine Rolle spielen.
Dabei geht es auch um Amyloid und Tau – zwei Eiweiße, die in der Alzheimer-Forschung von besonderer Bedeutung sind. Prof. Dr. Martin Südmeyer erklärt verständlich, was bei Alzheimer mit diesen Eiweißen geschieht und warum dadurch Nervenzellen und ihre Kommunikation beeinträchtigt werden können. Außerdem geht es darum, wie eine Demenz heute diagnostiziert wird: von Gesprächen und neuropsychologischen Tests über MRT und PET bis zur Untersuchung des Nervenwassers.
Besonders viel Bewegung gibt es derzeit bei der Behandlung der Alzheimer-Krankheit. Neue Antikörpertherapien richten sich gezielt gegen Amyloid-Ablagerungen im Gehirn und können bei bestimmten Patientinnen und Patienten in einem frühen Krankheitsstadium das Fortschreiten verlangsamen. Im Gespräch werden Wirkstoffe wie Lecanemab und Donanemab ebenso thematisiert wie die Grenzen und möglichen Nebenwirkungen dieser neuen Therapien. Denn heilen können auch sie Alzheimer bislang nicht.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Prävention. Welche Rolle spielen Bewegung, soziale Kontakte, geistige Aktivität und Ernährung? Warum sollten Bluthochdruck, Diabetes und starkes Übergewicht ernst genommen werden? Und was bedeutet die sogenannte kognitive Reserve des Gehirns? Prof. Dr. Martin Südmeyer erläutert, welche Faktoren das Demenzrisiko beeinflussen können – ohne daraus das Versprechen abzuleiten, eine Erkrankung sicher verhindern zu können.
Auch die Angehörigen geraten in den Blick. Demenz verändert nicht nur das Leben der Erkrankten, sondern häufig das einer ganzen Familie. Ein großer Teil der Betroffenen wird zu Hause versorgt. Damit ist Demenz nicht allein eine neurologische Erkrankung, sondern eine der großen medizinischen und gesellschaftlichen Herausforderungen einer älter werdenden Bevölkerung.
Zum Abschluss geht es um die Frage, was einem erfahrenen Neurologen angesichts dieser Herausforderung Hoffnung macht. Für Prof. Dr. Martin Südmeyer liegt ein wesentlicher Grund im wissenschaftlichen Fortschritt: Je besser die Medizin versteht, wie Demenzerkrankungen entstehen und verlaufen, desto gezielter können Diagnostik, Prävention und Therapie weiterentwickelt werden.
Eine Folge über Vergessen und Erinnern, neue Möglichkeiten der Alzheimer-Medizin und darüber, warum Wissen helfen kann, einer gefürchteten Erkrankung etwas von ihrem Schrecken zu nehmen. „Kasack und Köpfe“ – der Podcast aus dem Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam. Denn hinter jedem Kasack steckt ein Kopf – und hinter jeder medizinischen Entscheidung ein Mensch.