ERF Gottesdienst

Kirche auf dem Rad (2/2)


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Pfarrer Gereon Alter (Foto: Gereon Alter)Pfarrer Gereon Alter unternimmt abenteuerliche Radtouren quer durch die Welt wann immer ihm sein Alltag als kirchlicher Manager einer Großpfarrei in Essen dafür Zeit lässt. Er hat auf seinem Drahtesel in den letzten Jahren mehr als 60 000 Kilometer zurückgelegt und rund 40 Länder bereist. Davon hat er bereits im ersten Teil des Interviews berichtet. Als Pfarrer kommt er dabei schon mal auf dem Dach des Himalaya mit einem Medizinprofessor über Gott ins Gespräch. Aber Pfarrer Gereon Alter macht auch selbst neue spirituelle Erfahrungen. Davon berichtet er in diesem zweiten Teil des Interviews.
 
ERF Medien: Pfarrer Gereon Alter, Sie haben gesagt, es ist die Intensität des Erlebens, die Sie beim Reisen per Fahrrad fasziniert. Wie gehen Sie zum Beispiel auf Ihren Touren mit einem intensiven Gefühl wie der Einsamkeit um? Mit der Stille? Zum Beispiel bei Ihrer Tour durch die Großen Canyon in den USA? Was macht das mit Ihnen?
Pfarrer Gereon Alter: Also gerade in den USA im mittleren Westen trifft man auch viele andere Radfahrer. Sei es unterwegs oder abends am Zeltplatz. Da ist es gar nicht so einsam. Einsamkeit habe ich erlebt im Oman und in Südmarokko am Rande der Sahara, also in Wüstenregionen. Da wird man ähnlich wie in Exerzitien schon auf sich selbst zurückgeworfen. Das heißt, in Träumen oder auch in Tagträumen kommt ganz viel aus dem Unterbewusstsein hoch. Das muss man aushalten können und wissen, wie man damit umgeht. Da kommen auch manchmal finstere Gedanken. Dann schaut man sie an wie einen Gefährten und fragt: Was willst du mir jetzt sagen? Warum kommst du jetzt gerade? Und dann verabschieden sie sich auch wieder. Also das gehört schon dazu.
 
Der Buddhismus ist eine in sich versunkene Religion. Wo sind bei uns Zeiten der Stille?
ERF Medien: Da spürt man, dass Sie Pfarrer und gelernter Seelsorger sind, und so auch mit sich selbst gut umgehen können. Inwieweit hat der Kontakt mit anderen Kulturen und Religionen auf Ihren Reisen Spuren hinterlassen, Sie inspiriert?
Pfarrer Gereon Alter: Da müssen wir nochmal in den Himalaya gehen. Denn das hat mich nicht nur, was die Natur betrifft, fasziniert, sondern auch was die Kultur betrifft. Ich habe dort einen exiltibetischen Buddhismus, das ist eine so fremde Welt, wenn man aus Westeuropa, aus einem christlich geprägten Land kommt, dass das erst einmal staunen lässt und auch ganz viele Fragen bei mir aufgeworfen hat.
 
Es sind die kleinen Wunder, für die man dankbar sein kann
ERF Medien: Hat das Ihren Glauben verändert? Gab es Dinge, die Sie – natürlich modifiziert als Christ – übernehmen konnten?
Pfarrer Gereon Alter: Ja, die Gastfreundschaft ist das erste, was mir begegnet ist, wenn ich solche buddhistischen Klöster betreten habe. Da habe ich mich manchmal gefragt: Wie gehen wir eigentlich auf Menschen zu, die zu uns kommen? Sei es nur, wenn sie eine Kirche besuchen oder an der Gemeindehaustür anklingeln. Das war so ein erster Lerneffekt. Dann ist es in der Tat eine sehr stille, eine in sich versunkene Religion, was aber eben auch mit der Region zu tun hat. Wo sind bei uns Zeiten der Stille? Die Bedeutung dessen ist mir nochmal viel wichtiger geworden. In meiner Pfarrei ist oft von Aktivitäten die Rede. Und die Pfarrnachrichten sind voll von Aktivitäten. Diese Religion ist völlig anders ausgerichtet. Da geht es nicht um Aktivitäten, da geht es um Innehalten, etwas spüren, Sensibilität. Ich möchte nicht tauschen, aber doch einiges davon lernen.
 
ERF Medien: In einem deutschen Volkslied heißt es ja „Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er …
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