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Es gibt die guten Nachrichten, immer wieder und auch immer mehr. Es gibt sie, ohne dass man krampfhaft danach suchen müsste. Und es gibt sie in einem Ausmaß und in einer Fülle, dass ich bei und nach dieser Recherche regelmäßig denke: „Das wäre doch absolut verrückt, wenn wir, wir alle, es nicht schaffen sollten, solche Beispiele rauszutragen, weiterzuentwickeln und uns gegenseitig dabei zu bestärken.“
In diesem Sinne sind auch die Beispiele vom Oktober 2026 wichtig, relevant, wegweisend, wenn auch nicht immer spektakulär. Lass dich überraschen, welche tollen Initiativen und Entwicklungen den Klimaschutz und eine nachhaltige Entwicklung voran bringen.
Vom Bürgersolarpark in Regensburg über die Energiedemokratie in Griechenland bis hin zum weltweiten Abstieg der Kohle: Die Nachrichten dieses Oktobers zeigen ein klares Muster. Die Transformation ist kein ferner Wunschtraum mehr, sie geschieht hier und jetzt.
Lassen wir uns also nicht einreden, unser Handeln sei wirkungslos. Die fossile Industrie hat vor Jahrzehnten das Konzept des individuellen „ökologischen Fußabdrucks“ erfunden, damit wir uns mit schlechtem Gewissen und gegenseitigen Schuldzuweisungen zerreiben.
Setzen wir den ökologischen Handabdruck dagegen! Das ist das Zwiebelschalen-Prinzip der Selbstwirksamkeit: Es beginnt bei der eigenen Haltung und dem bewussten Nachrichtenkonsum. Es setzt sich fort im Alltag – etwa bei der Entscheidung für eine Mitgliedschaft in einer Energiegenossenschaft oder der Montage eines Balkonkraftwerks. Und es mündet im politischen Wirken: Wenn wir unsere Stimmen erheben, Kommunen fordern, dort auch Aufgaben übernehmen und einfordern, dass die Rahmenbedingungen für die Zukunft gestaltet werden.
Es wird auch künftig Rückschläge geben. Aber die Gesetze der Physik und die Dynamik der Erneuerbaren lassen sich nicht mehr aufhalten. Wir machen weiter.
Klimaschutz ist der beste Naturschutz.
Die Erderwärmung ist eine der drängendsten Bedrohungen der Menschheitsgeschichte. Nichts an den nachfolgenden Überlegungen soll den dringenden Bedarf an Dekarbonisierung, CO2-Einsparung und dem Ausbau erneuerbaren Energien infrage stellen. Wer die Notwendigkeit des Klimaschutzes relativiert, ignoriert den gesicherten Stand der Wissenschaft. Das wichtigste Motto heißt deshalb: Klimaschutz ist der beste Naturschutz – denn ohne ein stabiles Weltklima werden zahllose Arten und Ökosysteme schlicht nicht überleben.
Die Frage ist also keineswegs, ob wir das Klima schützen müssen, sondern wie wir es tun, ohne dabei das fundamentale Lebenserhaltungssystem unseres Planeten zu beschädigen.
Weltklimarat (IPCC) und Weltbiodiversitätsrat (IPBES) sprechen längst von einer „Zwillingskrise“. Beide Katastrophen speisen sich aus derselben Quelle – unserer übermäßigen Inanspruchnahme der Natur – und sie steuern sich wechselseitig. Klimawandel setzt Lebensräume unter Stress; sterben diese Lebensräume jedoch ab, verlieren wir unsere wichtigsten natürlichen Kohlenstoffsenken. Die Wälder, Moore und Ozeane absorbieren bisher über die Hälfte der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen. Zerstören wir sie durch technokratische Fehlplanungen, verliert das Klima seine stärkste Bremse.
Fakten und Zahlen:
* 1 bis 2 Millionen bedrohte Arten:
Der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) gibt offiziell rund 1 Million bedrohte Tier- und Pflanzenarten an (von geschätzten 8 Millionen Arten weltweit). Evolutionsbiologe Prof. Matthias Glaubrecht verweist auf europäische Hochrechnungen (u. a. Axel Hochkirch et al.), wonach bei Berücksichtigung der immensen Zahl unbeschriebener Wirbelloser (Insekten, Mollusken) weltweit bis zu 2 Millionen Arten vom Aussterben bedroht sind.
* Radikaler Schwund der Säugetier-Biomasse (98 % vs. 2 %):
Nach den aktuellen Biomassestudien (Greenspoon, Milo et al. 2023/2025), auf die sich Glaubrecht stützt, entfallen heute rund 95 bis 98 % der Biomasse aller Landsäugetiere auf den Menschen (~35 %) und seine Nutztiere (~63 %). Auf sämtliche Wildtiere an Land verbleiben lediglich mickrige 2 bis 5 %.
* Biomasseverlust bei Insekten (> 75 bis 80 %):
Basiert auf der Krefelder Studie (Hallmann et al. 2017) und europäischen Langzeitdaten, die einen Rückgang der fliegenden Insektenbiomasse in Schutzgebieten Mitteleuropas um über 75–80 % über einen Zeitraum von knapp 30 Jahren nachweisen.
* Haupttreiber: Landnutzungsänderung vor Klimawandel:
IPBES sowie neuere Metastudien (Keck et al. 2025 / WWF) bestätigen, dass Lebensraumverlust und Landnutzungsänderungen (Agrarintensivierung, Flächenfraß) der Treiber Nummer 1 für das Artensterben an Land sind. Der Klimawandel rangiert aktuell als Verstärker auf Platz 3, nimmt aber rasant an Fahrt auf.
* Pufferfunktion der Natur (> 50 % CO2-Absorption):
Landökosysteme und Ozeane binden zusammen über 50 % aller menschlichen CO2-Emissionen (Ozeane ca. 25–30 %, Wälder/Böden ca. 25–30 %)
* Entwicklung des Naturkapitals (Dasgupta Review):
Dasgupta belegt, dass das weltweite Naturkapital pro Kopf zwischen 1992 und 2014 um fast 40 % gesunken ist, während sich das produzierte Sachkapital verdoppelt hat. Humanity verbraucht aktuell rechnerisch 1,6 Erden pro Jahr.
Quellen:
* IPBES (2019): Global Assessment Report on Biodiversity and Ecosystem Services – Summary for Policymakers. Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services, Bonn.
* IPBES & IPCC (2021): IPBES-IPCC Co-Sponsored Workshop Report on Biodiversity and Climate Change. IPBES and IPCC.
* Dasgupta, P. (2021): The Economics of Biodiversity: The Dasgupta Review. (Headline Messages). London: HM Treasury.
* Glaubrecht, M. (2026): Klimawandel versus Artensterben? Vom stillen Sterben der Natur und dem Überleben des Menschen. Wissenschaftlicher Vortrag, VSEM / Netzwerk Saubere Energie München (sowie Präsentationsunterlagen 05/2026).
* Greenspoon, L., Milo, R. et al. (2023/2025): The global biomass of wild mammals and livestock. Nature Communications / PNAS (zitiert nach Glaubrecht 2026).
* NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V. (2025): NABU-Grundsatzprogramm Klima. Für einen naturverträglichen Klimaschutz. Berlin.
* Hallmann, C. A. et al. (2017): More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas. PLoS ONE 12(10): e0185809 (Krefelder Studie, zitiert im Fakten-Check)
Aus meiner eigenen Erfahrung heraus (ich nutze KI an einigen Stellen bei der Arbeit an meiner Klimakolumne) beobachte ich die öffentliche Debatte um KI mit wachsender Sorge. Denn während Millionen von uns KI im Alltag schätzen lernen, tobt da draußen ein verstörender Kulturkampf. Ganz aktuell (September 2026) sorgen apokalyptische Warnungen von äußerst kompetenten KI-Spezialisten für einige Aufregung, sogar die Chefs der größten Firmen melden sich lautstark und wünschen sich, dass der Staat sie stärker kontrolliert. Ein einigermaßen seltsamer Vorgang, finde ich, weil doch diesen Leuten ansonsten nichts heiliger ist als die Selbstheilungskräfte des sogenannten Marktes. Den Staat als Kontrollinstanz verteufeln sie dagegen gerne bei jeder Gelegenheit.
Zur aktuellen Aufregung will ich im Folgenden nichts beitragen, aber mich beschäftigt schon seit einiger Zeit, ob Künstliche Intelligenz in all ihren Ausprägungen etwas zur Eingrenzung der Klimakatastrophe beitragen kann, oder ob der enorme Energiehunger der Rechenzentren nicht das Problem der Treibhausgasemissionen nicht noch sogar in einem gigantischen Ausmaß verstärkt.
Vorab schon mal diese Einschätzung: Künstliche Intelligenz ist als Technologie viel zu mächtig, zu nützlich und zu wertvoll, als dass wir sie verdammen oder verweigern sollten. Das eigentliche Problem sind nicht die mathematischen Formeln und Algorithmen. Das Problem sind die Eigentümer dieser Systeme – eine Handvoll digitaler Tech-Oligarchen – und das eklatante Fehlen jeglicher ökologischer und demokratischer Regulierung.
Quellen
Alpine, W., Geldner, N., Alpine, H., & Chepeliev, M. G. (2026): „AI-driven productivity gains enable more CO2 emissions than they avoid in a global energy–economy model.“ In: „npj Climate Action“.
Atkin, Emily (2026): „AI’s climate problem is worse than we thought.“ In: „HEATED“ (August 2026).
Greenpeace e.V. / Öko-Institut (2025): „Umweltauswirkungen Künstlicher Intelligenz. Studie zu Strom-, Wasser- und Ressourcenbedarf von Rechenzentren.“ Hamburg/Berlin.
Institut Veolia (2025): „AI and Water: Direct and indirect impacts of data centers on global freshwater resources
Stokes, Leah (2026): „Pick Your Apocalypse: Climate vs. AI Doom.“ In: „Notes from the Electric Era“ (September 2026).
Tooze, Adam / Surplus Magazin (2026): „KI-Bubble: Kommt der große Crash?“ Videodialog zur K-förmigen Wirtschaft und Nvidia.
UNFCCC Technology Executive Committee (2024): „Draft technical paper on AI for climate action: Advancing Mitigation and Adaptation in Developing Countries.“ (TEC/2024/29/6).
Adam McKay hat ein drastisches Bild geprägt: Wir verhalten uns in cder Klimakatastrophe wie eine Gruppe von Delfinen, die massenhaft stranden, weil ein Parasit ihr Echolot zerstört hat. Unser gesellschaftliches Orientierungssystem ist gestört. Wenn monströse Hitzewellen oder Unwetter auftreten, behandeln wir sie als isolierte „Freak-Unfälle“ – losgelöst von der rasend schnellen Umwälzung unseres Erdsystems. Und wir belügen uns und unsere Mitmenschen laufend selber. Um diese Lügen geht es.
Die erste Lüge: Wir haben noch Zeit
Wenn unser gesellschaftlicher Kompass also dauerhaft gestört ist – welche beruhigende Geschichte erzählen wir uns dann eigentlich selbst, so dass wir trotzdem einigermaßen ruhig schlafen können?
Die gefährlichste Erzählung unserer Zeit ist längst nicht mehr die plumpe Leugnung des Klimawandels. Die hartgesottenen Leugner sind eine schrumpfende Minderheit. Die wirklich zerstörerische Lüge kommt heute aus der vermeintlich „vernünftigen Mitte“. Sie heißt: „Wir haben noch Zeit.“
Die zweite Lüge: Es ist zu spät
Wenn die Illusion vom „Wir haben Zeit“ langsam bröckelt, wartet bereits die nächste Falle auf uns: Die zweite Lüge. Sie lautet: „Es ist eh schon zu spät, wir können gar nichts mehr tun.“
Das Entlarvende daran: Beide Lügen – „Wir haben Zeit“ und „Es ist zu spät“ – führen zum exakt selben Ergebnis. Wir verharren in Schockstarre. Wir tun nichts.
Spätestens jetzt ist es höchste Zeit für ein „Trotzdem“. Echtes Handeln und begründete Zuversicht beginnen nicht mit schöngefärbten Erlösergeschichten und erst recht nicht mit müder Resignation. Sie beginnen dort, wo wir die kognitive Dissonanz aushalten und uns ehrlich machen: Ja, wir werden einige Schäden nicht mehr verhindern können. Das Zeitfenster schließt sich. Aber jedes Zehntelgrad entscheidet über Lebensgrundlagen. Es ist eben nicht zu spät, das Schlimmste zu verhindern.
Links:
* Text von Adam McCay in Current Affairs
* Klimavoracht. Die Programmauswertung
* Podcast „Natürliche Ausrede“ mit Christian Stöcker
* Risikostudie der Universität Exceter
* Text von Ingmar Rentzhog in „We Don‘t Have Time“
Ich war eingeladen, insgesamt sechs Workshops im Rahmen einer Aktionswoche einer großen bayerischen Berufsschule zu halten, und zwar bei den Jahrgangsstufen zehn bis zwölf. Diese Workshops waren angekündigt mit dem Titel „Rettet unser Klima. Klimaschutz geht alle an.“
Vor mir saßen also Jugendliche und junge Erwachsene ab 16 Jahren, angehende Fachkräfte unseres Landes: Metallhandwerker, Schreiner, Heizungsbauer. Menschen, die in ihrem Beruf tagtäglich mit Material, Energie und realem Handwerk zu tun haben.
Die Begegnungen mit diesen jungen Menschen waren eine eindringliche, interessante, teilweise auch nachdenklich machende Erfahrung, von der ich hier berichten will.
n diesen Workshops benutze ich En-ROADS, einen Klimasimulator den die Firma Climate Interactive in Kooperation mit dem MIT in Boston entwickelt hat. Ich bin von Climate Interactive zertifiziert als „Climate Ambassador“, habe also gelernt, mit diesem Instrument umzugehen.
Links:
* Episode von “Lage der Nation”
* Umweltbewusstseinsstudie 2026
Während ich diesen Podcast aufnehme, wird in Ungarn das größte Kernkraftwerk des Landes abgeschaltet. Die Donau hat nicht genug Wasser, um die nötige Kühlung liefern zu können. In unserer Gegend, in der Nähe von Kelheim, ist sie so warm, dass die Blaualgen badenden Hunden das Leben kosten können. Die Waldbrände in Spanien, Frankreich und anderswo geben - für kurze Zeit - die „Aufreger der Woche“ in den Nachrichten, mit schrecklichen Bildern, unter anderem von Wildtieren, die in panischer Flucht vor dem Feuer davonrennen.
Manche Lokalmedien versuchen krampfhaft, die gemeine Hitze noch als „Urlaubswetter“ schön zu reden, viele Hausbesitzer denken zum ersten Mal ernsthaft über eine Klimaanlage nach
In dieser Ausgabe beziehe ich mich auf drei maßgebliche, aktuelle Risiko-Studien, die wie Puzzleteile ein erschreckend klares Gesamtbild ergeben:
* Der „Global Risks Report 2026“ des Weltwirtschaftsforums (WEF) liefert die globale Makroperspektive.
* Die Allianz Trade Studie „Too hot to grow“ rechnet diese globalen Warnungen in konkrete, heutige Produktivitätsverluste um. Den ultimativen Weckruf liefert schließlich ein
* Sicherheitsbericht der britischen Regierung, der schonungslos aufzeigt, wie der Kollaps überhitzter Ökosysteme direkt in den Zusammenbruch unserer nationalen und globalen Sicherheit mündet.
Quellen und weiterführende Links:
* Weltwirtschaftsforum (WEF): Global Risks Report 2026. Der Bericht analysiert die langfristige Dominanz von Umweltrisiken und die Gefahr der „geökonomischen Konfrontation“.https://www.weforum.org/publications/global-risks-report-2026/
* Allianz Trade: Too hot to grow - The economic costs of extreme heat (Mai 2026). Die Studie berechnet die volkswirtschaftlichen Produktivitätsverluste durch Extremhitze in Europa.http://www.allianz-trade.com/economic-research
* UK Government / Cabinet Office: National security assessment - global biodiversity loss, ecosystem collapse and national security. Die Sicherheitsstudie der britischen Regierung untersucht die Bedrohung der nationalen Sicherheit durch den globalen Biodiversitätsverlust. (Als PDF verfügbar)
* Dr. Mark Benecke: Time is up: Zwischenstand Juli 2026 🔬. Der auf YouTube veröffentlichte Lagebericht zu den aktuellen Entwicklungen von Klimakrise, Artensterben und den Warnungen der britischen Regierung.
* GWS, IÖW, Prognos (im Auftrag von BMWK und BMUV): Kosten durch Klimawandelfolgen in Deutschland. Die Studie analysiert die bisherigen Schäden des Klimawandels und prognostiziert kumulierte Kosten von bis zu 900 Milliarden Euro bis zum Jahr 2050.https://www.2030agenda.de/de/article/studie-analysiert-die-schaeden-des-klimawandels-bis-2050-drohen-deutschland-bis-zu-900
* Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV): Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel 2024 (DAS 2024). Der Bericht der Bundesregierung zur gemeinschaftlichen Klimavorsorge und zum Schutz der Bevölkerung vor Wetterextremen.www.bundesumweltministerium.de/publikationen
* Robert Koch-Institut (RKI): Journal of Health Monitoring | S4/2023 | Scoping Review zu Klimawandel und psychischer Gesundheit in Deutschland. Die Auswertung untersucht die direkten und indirekten psychischen Folgen des Klimawandels, etwa ein signifikant höheres Aggressions- und Suizidrisiko durch anhaltende Hitze. www.rki.de/jhealthmonit
* Agora Agrar: Klimawirksamkeit der Ernährung in Deutschland. Aufgegriffen vom Bundesverband Menschen für Tierrechte e.V., untermauert diese Studie, dass eine pflanzenbetonte Ernährung und das gesamte Ernährungssystem der wichtigste Hebel im Klimaschutz sind.https://www.tierrechte.de/2026/03/18/neue-klima-studie-ernaehrungssystem-als-wichtigster-hebel-bundesumweltminister-schneider-muss-jetzt-handeln/
* Weltklimarat (IPCC): Informationen zum 7. Sachstandsbericht (AR7). Die laufenden Arbeiten der Arbeitsgruppe II fokussieren sich auf die direkten Klimaauswirkungen (Impacts), Anpassungswege (Adaptation) und Vulnerabilitäten.https://www.ipcc.ch/2026/05/18/pr-wgii-ar7-lamii-nassau/
„Auch wenn man in dieser Gesellschaft klein ist, gibt es etwas, das man tun kann.“
Mit diesen Worten beginnt eine der eindrücklichsten Episoden des Podcasts Outrage + Optimism. Sie stammen von Trixy Elle, einer Fischerin und Mutter von den Philippinen. Sie hat den verheerenden Supertaifun Odette überlebt. Heute ist sie eine von über 100 Klägerinnen und Klägern, die gegen den Energiegiganten Shell vor Gericht ziehen. Nicht, weil sie sich der naiven Illusion hingibt, einen milliardenschweren Weltkonzern im Alleingang in die Knie zu zwingen. Sondern weil es ihr ums Prinzip geht: Sie will die Verantwortung sichtbar machen. Sie will, dass die Verursacher nicht länger im Schatten ihrer Bilanzen verschwinden.
Der Gerichtssaal ist nicht mehr nur ein Nebenschauplatz – er ist zu einer wichtigen Frontlinie im Kampf um den Erhalt unserer Lebensgrundlagen geworden.
Seit 2015 haben 215 Verfahren gegen Regierungen die höchsten nationalen Gerichte (die sogenannten Apex Courts) erreicht. Und die Erfolgsquote? Weit mehr als die Hälfte dieser höchstrichterlichen Entscheidungen fiel zugunsten des Klimaschutzes aus. Das zeigt: Das Recht ist kein zahnloser Tiger mehr.
Zu dieser Podcast-Episode gibt es einen parallelen Artikel mit weiterführenden Perspektiven, Quellen und links.
* Warum muss sich jemand, der sich für eine lebenswerte Zukunft unserer Nachfahren einsetzt und dies auch kundtut, warum muss sich so jemand als „Gutmensch“ beschimpfen lassen? Wäre es besser, ein „Schlechtmensch“ zu sein?
* Wieso wird eine Partei, die sich am konsequentesten von allen Parteien einen realistischen und notwendigen Klimaschutz ins Programm schreibt, warum wird diese Partei als „ideologisch“ gebrandmarkt? Ist es etwa keine Ideologie, wenn man daran glaubt, dass die unsichtbare Hand des Marktes am Ende schon alles richten werde?
* Warum sollten wir ZeitgenossInnen, die drei bis vier Mal im Jahr in den Urlaub fliegen und dabei viele Treibhausgase emittieren, warum sollten wir diese Menschen nicht darauf ansprechen? Sind wir dann die „Moralapostel“ mit dem erhobenen Zeigefinger?
* Warum wird es als „moralisierend“ bezeichnet, wenn man gut und böse, richtig und falsch in der Frage der Klimagerechtigkeit klar benennt? Sind Kriterien von richtig und falsch nicht in allen Lebensbereichen wichtig, vor allem in den lebenswichtigen wie der Zukunft unseres Weltklimas?
Die Liste der Fragen ließe sich fortsetzen. Fragen rund um Moral, Anstand, Verantwortung, Schuld. Ich habe mit Ulf Brüggemann (er betreibt unter anderem eine Publikation mit dem Titel “Kategorisch Kant”) über solche Fragen diskutiert und ich war überrascht über seine klare und dezidierte Haltung zu Themen der Klima-Ethik.
Auch der Deutsche Ethikrat stärkt übrigens Ulf Brüggemanns Position. In seiner ausführlichen Stellungnahme zur Klimagerechtigkeit stellt er klar, dass individuelle Beiträge zwar klein erscheinen mögen, aber moralisch enorm wichtig bleiben, weil sie eine „Kultur wahrgenommener Verantwortung“ befördern. Gleichzeitig sagt der Ethikrat aber auch: Es ist unangemessen, von uns allen einen emissionsarmen Konsum zu verlangen, solange der Staat eine Wirtschaftsordnung aufrechterhält, die klimafreundliches Handeln erschwert und uns somit zum „moralischen Heldentum“ drängt.
Raus aus der Individualisierungsfalle: Fußabdruck vs. Handabdruck ist also eine der wichtigen Fragen.
Parallel zum Podcast gibt es einen ergänzenden Artikel auf www.klimakolumne.de, mit weiterführenden quellen und links.
Die Reihe “Prima Klima” bringt in unregelmäßigen Abständen Themen und Infos zu positiven Entwicklungen im Kampf gegen die Klimakrise. Ja, die gibt’s auch. Immer wieder.
Zum Beispiel:
Der unaufhaltsame Abschied vom Kohlestrom im europäischen Netz, der beispiellose PV-Ausbau in Indien, der Etappensieg der Zivilgesellschaft gegen den Tiefseebergbau in der Arktis oder die stumme, aber gewaltige Speicher-Revolution vor unserer Haustür, sogar die positiven Punkte im neuen Klimaschutzprogramm – all diese Entwicklungen des Frühsommers 2026 zeigen ein Muster. Sie sind keine zufälligen Einzelphänomene. Sie sind die sichtbaren Früchte jahrzehntelanger wissenschaftlicher, juristischer und zivilgesellschaftlicher Vorarbeit.
Es wird auf absehbare Zeit vermutlich nicht einfacher werden, und die nächsten Rückschläge im Kampf gegen die Klimakrise werden genauso sicher kommen wie auch die nächsten Hitzerekorde. Aber auf Dauer kann die Logik der Physik (Treibhausgase und ihre Auswirkungen) nicht durch noch so viel Geld der Fossillobby verschleiert werden. Und - wir machen weiter. Trotzdem. Trotz allem. Im Interesse unserer Nachkommen und aller anderen Lebewesen. Denn Zuversicht ist kein passiver, zufälliger Zustand, sondern eine Entscheidung.
Im Mai 2026 war Regensburg die heisseste Stadt Deutschlands. Eine von vielen Städten, in denen sich die Hitze staut, in denen zu wenig Grün zu wenig Abkühlung bedeutet, so schön und charmant die Architektur auch immer sein mag.
Ich kann mich noch an die erste Ölkrise in den siebziger Jahren erinnern. Als Kinder konnten wir damals am Sonntag zu Fuß auf die Autobahn (Fahrverbote). Als dann im Rhein massenweise die Fische starben, dachte ich, jetzt würden alle aufwachen und über die Lebensweise nachdenken. In meiner gesamten bisherigen Lebenszeit gab es immer wieder Umweltkrisen, bei denen man meinen konnte, das wäre jetzt das letzte noch notwendige Signal gewesen. Ein Signal zum Aufwachen, zum Aufstehen, zum Nach- und Umdenken.
So ähnlich geht es mir jetzt auch, wenn ich an die Hitze in den Städten denke und diese ganz konkret erlebe. Wenn die Folgen so greifbar sind, warum gehen wir dann nicht alle gemeinsam auf die Barrikaden? Warum fordern wir nicht lautstark und unnachgiebig das Ende einer fossilen Wirtschaftsweise, die die Zukunft unserer eigenen Enkelkinder verbrennt?
Diese Podcast-Episode gibt es auch als Artikel zum Lesen.
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