Kwatsch mit K

Konferenztagung 4


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Nach dem Abendessen im Speisesaal, machte sie sich noch kurz auf ihrem Hotelzimmer frisch. Heute, am letzten Abend der Konferenztagung, sollte in der Lobby noch ein bisschen gefeiert werden. Schließlich gehöre auch das zu einer gelungenen Veranstaltung und als Dank für die Belegschaft war sich auch der Chef nicht zu schade, eine Runde Getränke zu spendieren.

Als sie den Fahrstuhl nach unten nahm und die Lobby betrat, saß dieser schon umringt von seinen Untergebenen am Tisch in der Mitte des Raumes, für alle klar sichtbar, als Nabel der Welt, als Zentrum der Galaxie. Mit einem dreckig-finsteren Lächeln erzählte er laut und deutlich hörbar Anekdoten von früher, wie er es durch seine Gerissenheit und Tricks soweit gebracht hatte, seine Konkurrenz ausstach, Kunden die Produkte aufschwatzte und verkaufte und potentielle Geschäftspartner nicht anders konnten, als die seine zu werden. Bei jeder Story holte er aus, versuchte durch Ausschmückungen einen Spannungsbogen herzustellen und wiederholte Sätze und Phrasen, die ihm gelungen und treffend schienen sowie Eindruck schindeten. Vor allem, wenn jemand Neues in die Lobby kam und er damit auf sich aufmerksam machen konnte. Um ihn rum die Traube der Speichellecker, die grinsend an seinen Lippen hingen und versuchten, ebenso wie ihr Chef, abfällig und höhnisch zu lachen, wenn er es tat. "Und ich sag' dir, Tommy, wenn du dich an mich hältst, ist die Rolex da an deinem Handgelenk auch bald echt!". Harrharrharr! Gelächter! Lachen auf Kosten des Untergebenen, den man als Opfer auserkoren hatte, der leicht beschämt mitlachte und sich dabei Mühe gab, so zu tun, als mache es ihm nichts aus. Das schwächste Glied der Kette, ganz unten in der betrieblichen Hackordnung.

Als der Chef sie registrierte, rief er zu ihr rüber: "Sabine, flotte Biene!" Lach! Gröhl! "Der Aperol-Spritz geht auf mich!" Zwinker, zwinker. Ihr kam etwas Kotze hoch, aber sie lächelte nur professionell und nahm das Angebot an, um diesen Abend nicht komplett nüchtern ertragen zu müssen. Die Herren hatten schon während des Abendessens bei den Spirituosen zugelangt. Ihre Sakkos waren abgelegt, die oberen Hemdknöpfe geöffnet, die Ärme hoch gekrempelt und die Köpfe alkoholrot. Sie nahm sich ihren Drink an der Bar und gesellte sich zu ihren Teamkollegen, bei denen sie sich wohl fühlte.

Die Lobby war für die gesamte Belegschaft reserviert und mittlerweile gut gefüllt. Mit der Zeit wurde die Musik, die aus einem profillosen Mainstream-Chartsmix bestand, lauter und es wurde ausgelassen und albern getanzt. Hauptsache man kannte die Songs aus dem Radio, welches man auf dem alltäglichen Pendelweg zur Arbeit und heimwärts mehr oder weniger bewusst im Auto hörte und die pro Tag mehrere Male rauf- und runtergedudelt wurden, bis sie sich eingebrannt hatten. "Agathe feeling!". Nach dem Motto: "Kenn ich, ist gut!" oder "Eingängige Melodie, ist gut!". "Agathe Feeling!"

Wenn der Chef nicht gerade eine Show mit seinen Dance-Moves abhielt (alle sollten ihn für cool und witzig halten und von seiner Augelassenheit beeindruckt sein), stand er bei einer Mitarbeiterin und einer Praktikantin, neben sich stets seine Fanboys, die grinsend zuschauten, was er so trieb. Irgendwann konnte man beobachten, wie er den beiden Frauen abwechselnd vermschmitzt ins Ohr tuschelte und dabei seinen männlichen Angestellten zuzwinkerte, die verheißungsvoll warteten. Schließlich schob der Chef die beiden Frauen mit jeweils einer Hand am Rücken aufeinander zu und die beiden küssten sich möglichst sexuell aufreizend mit Zunge. Unter geilem Gejohle der männlichen Gefolgschaft warf der Chef einen selbstgefälligen Blick in die Runde, anerkennungserhaschend und stolz über seinen "Erfolg". Die Frauen küssten sich eine Weile innig, ließen dann schließlich voneinander ab und freuten sich über die Aufmerksamkeit und dass sie die Meute wild gemacht hatten, zumindest äußerlich. Darauf erstmal einen Kurzen für alle. Und Prosit!


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Kwatsch mit KBy K der Konstler