ERF Gottesdienst

Können die überhaupt streiten? (1)


Listen Later

© Sarah Noltner / unsplash.com
 
(Der Inhalt kann im RSS-Feed nicht dargestellt werden.)
Selbst in christlichen Gemeinden hängt der Haussegen manchmal schief. Auch wenn sie Orte sein wollen, an denen sich Menschen gegenseitig achten, respektieren und wertschätzen. Wie Christen ihre Konflikte miteinander austragen können, ohne ihre Liebe zueinander aufzukündigen.
 
Welche Brötchenhälfte hätten Sie denn gerne?
Ein Ehepaar macht es sich an seinem 51. Hochzeitstag gemütlich. In aller Ruhe wollen sie frühstücken. Wie gewohnt schneidet der Mann die Brötchen auf. Und wie immer gibt er seiner Frau die obere Hälfte. Die schaut sich das Ganze an ... und schweigt. Eine unangenehme Stille. Schließlich fasst sie sich ein Herz: „Du Schatz! Weißt Du eigentlich, dass ich die untere Hälfte des Brötchens viel lieber mag?“ Er schaut seine Frau entgeistert an. Und stammelt: „Was? Und ich esse am liebsten die obere Hälfte.“ Da wollten sich die beiden etwas Gutes tun. Jeder verzichtet auf seine Lieblingsseite vom Brötchen. Zuliebe des Partners. Und das 51 lange Jahre. Sie haben nie über ihre Lieblingshälfte von Brötchen gesprochen. Das ist die perfekte Vermeidungstaktik. Die beiden Eheleute haben es nicht gewagt, einen Konflikt zu riskieren. Dabei hätten beide davon profitiert.
 
Obwohl es nichts bringt – die perfektionierte Vermeidungstaktik
Diese Vermeidungstaktik kenne ich auch aus christlichen Gemeinden. Und manche Gruppen haben sie geradezu perfektioniert. Die Gründe, Streitigkeiten aus dem Weg zu gehen, sind sicher unterschiedlich. Vielleicht sind sie sogar miteinander vermischt. Manche haben bittere Erfahrungen mit dem Streiten gemacht. Bei den eigenen Eltern. Oder auch in christlichen Gemeinden.
Ich war einmal mit einer ganzen Gruppe junger Leute in Rumänien. Eine Gemeinde hatte uns eingeladen. Sie wollte mit uns zusammen Menschen zum Glauben einladen. Zum Glauben an Jesus. Als wir ankommen, erfahren wir: die Gemeinde hat sich gespalten. Und die Gruppe, die sich trotzdem auf uns freut – und die mit uns zusammen etwas auf die Beine stellen will – das sind die, die nicht mehr ins Gemeindehaus dürfen. Dort sollten aber die Veranstaltungen stattfinden. Dort sollten wir auch unterkommen.
Die gesamte Planung ist über den Haufen geworfen. Und unser Leiter am Boden zerstört. Und der Grund für das ganze Fiasko? Die Gemeindeleute wurden sich nicht einig darüber, ob das Abendmahl nur am Abend gefeiert werden darf oder auch zu anderen Tageszeiten. Das klingt für mich heute schon fast lächerlich. Aber oft sind es derart unwichtige Fragen, an denen christliche Gemeinden scheitern. Und wer so etwas selbst erlebt hat, der ist versucht, gerade dem Konflikt in der Gemeinde aus dem Weg zu gehen. Ich habe immer wieder mit Christen gesprochen, denen es so ergangen ist.
 
Falsch verstanden – biblische Aussagen verkehrt aufgefasst
Ein anderer Grund, weshalb eine ganze Reihe von Christen jedem Streit in der Gemeinde aus dem Weg geht, ist der: Sie glauben, dass streiten etwas Böses ist. Und dem soll ich als Christ natürlich aus dem Weg gehen. Sicher, beim Streiten, kann es schnell hässlich werden. Aber wer gut streiten kann, der muss andere nicht verletzen, wenn er mit ihnen ehrlich um eine gute Lösung ringt. Ob das schwer ist? Ich denke schon. Denn das braucht eine gewisse Übung. Und nicht zuletzt machen Gemeinden mitunter einen großen Bogen um schwelende Konflikte, weil so manche biblische Aussage einfach falsch verstanden wird.
Ein Beispiel: da sagt Jesus: „Liebt einander! So wie ich euch geliebt habe, so sollt ihr euch auch untereinander lieben“ (Johannes 13,34). Daraus …
...more
View all episodesView all episodes
Download on the App Store

ERF GottesdienstBy ERF - Der Sinnsender