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Können die überhaupt streiten? (2)


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© Kate Kalvach / unsplash.com
Wo Menschen miteinander zu tun haben, da gibt es meistens auch Auseinandersetzungen. Früher oder später. Christliche Gemeinden sind da keine Ausnahme. Schon in den Anfangstagen, als vor knapp 2.000 Jahren die ersten Menschen zum Glauben an Jesus kamen – schon da gab es Streit unter ihnen.
In der Bibel werden eine ganze Reihe handfester Meinungsverschiedenheiten geschildert. Heftige Auseinandersetzungen – unter Christen. Mitten in ihren Gemeinden. Mit einem Beispiel aus dem zweiten Bericht des griechischen Arztes Lukas haben wir im ersten Teil dieses Artikels begonnen. Aus dem Bericht des Lukas über die Aktionen der engsten Vertrauten von Jesus, der Apostel. Und dort soll es hier im zweiten Teil auch weitergehen.
 
Da schreibt Lukas:
Eines Tages kamen einige Leute aus Judäa in die Gemeinde von Antiochia. Dort behaupteten sie: »Wer sich nicht beschneiden lässt, so wie es in Moses Gesetz vorgeschrieben ist, kann nicht gerettet werden.« Dem widersprachen Paulus und Barnabas ganz entschieden, und es kam zu einer heftigen Auseinandersetzung (Apostelgeschichte 15,1).
 
Wie im Kindergarten – warum Menschen in Streitereien unreif reagieren
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Heftige Wortgefechte können beim Streiten vorkommen. Aber sie verstören viele Beteiligte. In den Auseinandersetzungen, die ich in christlichen Gemeinden erlebe, geht es bei den Streitfragen meist um weit weniger als damals in Antiochia. Und dennoch fängt mit einem Mal jemand an, die Anderen lauthals anzuschreien. Was die sich meist nicht einfach bieten lassen. Und entsprechend zurückbrüllen.
In vielen Fällen sind diese aggressiven Verbalattacken absolut nicht angemessen. Und selten hilfreich. Das mag in der Situation von Barnabas und Paulus anders gewesen sein. Dort stand immerhin der gesamte Plan Gottes auf dem Spiel. Sein Plan, wie er Menschen mit sich versöhnen will. Aber warum werden Konflikte, die weit weniger wichtig sind, auch in christlichen Gemeinden mit derart harten Bandagen ausgefochten? Ich denke ein wesentlicher Grund ist die Gefühlswelt der betroffenen Menschen.
Ich halte viel davon, in Streitigkeiten sachlich miteinander zu reden. Aber ich meine, dabei machen zu viele den zweiten Schritt vor dem ersten.
Ist ein Mensch in einem Streit erst einmal derart erregt, dass er rumschreit oder sich beleidigt zurückzieht oder aus lauter Angst erstarrt, wie soll er dann in der Lage sein, sich mit der Streitfrage sachlich auseinanderzusetzten? Das ist meist von vorne herein zum Scheitern verurteilt.
 
Um konfliktfähig zu sein, müssen Menschen eine gewisse emotionale Reife mitbringen. Ein Beispiel: Ich werde zu einem Streit in unserer Gemeinde gerufen. Das Problem: Wo soll der Weihnachtsbaum dieses Jahr stehen? Und wie soll er geschmückt werden? Verwundert bin ich allein schon deshalb, weil das mit dem Weihnachtsbaum schon seit Jahren sehr gut läuft. Aber dieses Jahr sind neue Leute dabei. Und die bringen ihre eigenen Vorstellungen mit.
Problematisch an der ganzen Sache: keiner der streitenden Parteien ist in der Lage, die ganze Angelegenheit sachlich anzugehen. Da sind die einen verletzt, weil sie meinen, ihre gesamte bisherige Arbeit wird jetzt madig gemacht. Und noch schlimmer, sie fühlen sich auch als Menschen grundlegend in Frage gestellt. Rein objektiv ist das ja vielleicht gar nicht der Fall. Was den Betroffenen aber wenig nutzt. Wer hier helfen will, der muss wissen, wie solche emotionalen Prozesse ablaufen. Vor allem dann, wenn sie zunächst einmal augenscheinlich mit dem Problem nichts zu tun haben. Denn immer wieder blockieren solche Vorgänge in unseren …
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