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langer Take, aber überfällig: Lasst uns über unsichtbare Behinderungen sprechen!


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Aktion Mensch klärt auf:

Wenn wir von Behinderung und Erkrankungen hören oder sprechen, denken viele Menschen wahrscheinlich an eine Person im Rollstuhl oder an einen Menschen mit Down-Syndrom. Wir denken also an sichtbare Erkrankungen und Behinderungen.

Allerdings entstehen die meisten Behinderungsarten im Laufe des Lebens durch Erkrankungen und sind nicht sichtbar. Dazu gehören zum Beispiel chronische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Diabetes, Folgeerkrankungen durch Krebs und auch psychische und seelische Erkrankungen.

Betroffene leiden häufig weniger an ihren Einschränkungen als viel mehr darunter, dass sie sich von der Gesellschaft missverstanden und nicht gesehen fühlen.

Schmerzen, Depressionen, Traumata, Angstzustände, Migräne, Autoimmunerkrankungen oder Erkrankungen der inneren Organe sieht man niemandem an. Oft erfahren diese Menschen weniger Verständnis als beispielsweise jemand, der sich ein Bein gebrochen hat. Das liegt meist daran, dass diese Erkrankungen für viele Mitmenschen nicht greifbar sind.

Für Außenstehende wirken die betroffenen Menschen oft gesund, ihre Behinderung ist damit nicht real für den oder die Betrachterin. Menschen mit einer unsichtbaren Behinderung oder Erkrankung kämpfen häufig mit Vorurteilen. Sie werden zum Beispiel als Simulantinnen bezeichnet, oder es wird ihnen unterstellt, dass die Erkrankung ja so schlimm nicht sein könne. Das kann zum Beispiel passieren, wenn sich jemand mit einer unsichtbaren Behinderung oder Erkrankung häufig Krankheitstage nimmt oder sogar gar nicht arbeiten kann und auf Sozialhilfe angewiesen ist. Diese sozialen Belastungen und Anforderungen können das Leben der Betroffenen stark erschweren und Stress verursachen. Das wiederum kann die Erkrankung sogar noch verschlimmern.

Betroffene versuchen, nicht aufzufallen, damit sie in Ruhe gelassen werden. Wenn sie aber zum Beispiel versuchen, eine 40-Stunden-Woche ohne Fehltage zu absolvieren, kann ihnen das Kraft für den Alltag rauben und ihre Lebensqualität sehr stark einschränken.

Ein weiteres Problem ist, dass seelische Erkrankungen nicht nur unsichtbar sind, sondern in der Gesellschaft immer noch stigmatisiert und tabuisiert werden. Vielen Menschen fällt es immer noch leichter, dem Gegenüber von einer Rheumaerkrankung als von Panikattacken zu erzählen. Es fehlt an Wissen und Verständnis für seelische Erkrankungen. Um den Menschen zu unterstützen, ist es hilfreich, sich über die Erkrankungen und Behinderungen zu informieren. Dabei ist zu beachten, dass sich auch eine nicht sichtbare Behinderung nicht zwangsläufig in jedem Fall gleich auswirkt und Symptome bei der gleichen Behinderung unterschiedlich sein können. Auch können bei chronischen Erkrankungen und nicht sichtbaren Behinderungen die Auswirkungen stark schwanken. Beispielsweise können Schmerzen an einem Tag sehr stark und an einem anderen nicht vorhanden sein (etwa bei Migräne).

Es ist wichtig die Betroffenen und ihre Behinderung ernst zu nehmen und ihnen nicht mit Sätzen wie "Man sieht dir ja gar nichts an, dann kann es ja nicht so schlimm sein" oder "Sei doch froh, dass man dir deine Behinderung nicht ansieht" zu begegnen. Es ist für die Betroffenen stigmatisierend und extrem anstrengend sich ständig rechtfertigen und erklären zu müssen. Man sollte ihnen daher mit viel Empathie zuhören, aber auch Fragen stellen. Sie sollten Raum für Erklärungen dazu bekommen, wie es sich anfühlt, mit der Erkrankung und Behinderung zu leben.

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