In dieser besonderen Folge von "Leben in Taiwan" sprechen wir mit der Familie Lagler, die das verheerende Erdbeben am 21. September 1999 hautnah miterlebt hat. Damals erschütterte ein Beben der Stärke 7,7 (Mw) mit Epizentrum nahe Jiji in Nantou ganz Mitteltaiwan – mitten in der Nacht, um 01:47 Uhr. Über 2.400 Menschen kamen ums Leben, mehr als 11.000 wurden verletzt, über 51.000 Gebäude zerstört, 870 Schulen beschädigt und der wirtschaftliche Schaden betrug rund 300 Milliarden NT-Dollar. Das Beben war nicht nur eine nationale Katastrophe, sondern auch ein Wendepunkt für Taiwans Katastrophenschutz: Es führte zur Einführung des Disaster Prevention and Protection Act (2000) und zur Ausrufung des 21. September als Nationaler Katastrophenschutztag.
Die Laglers – damals Schulleiterfamilie der Deutschen Schule Taipei – berichten, wie sie nachts von den heftigen Erschütterungen geweckt wurden, die Familie in Sicherheit brachten und miterlebten, wie das Wasser aus dem Pool schwappte. Die Schule musste schließen, doch die Gemeinschaft hielt zusammen: Michael Lagler organisierte einen Hilfstransport ins Epizentrum, und überall in Taiwan halfen Menschen einander – Mönche kochten auf den Straßen, Nachbarn unterstützten sich gegenseitig.
Das Erdbeben war auch der Beginn einer außergewöhnlichen deutsch-taiwanischen Partnerschaft: Zum ersten Mal arbeiteten deutsche und taiwanische Such- und Rettungsteams Seite an Seite, um Leben zu retten. Deutschland brachte Rettungshunde mit – Taiwan hatte damals noch keine eigenen. Was als Nothilfe begann, entwickelte sich in den folgenden 25 Jahren zu einer engen Zusammenarbeit: Der Bundesverband Rettungshunde (BRH) und ISAR Germany unterstützten den Aufbau und die Professionalisierung der taiwanischen Rettungshundestaffeln. Heute ist Taiwan ein international gefragter Partner im Katastrophenschutz. Mehr dazu erzählt unsere begleitende Dokumentation, die die bewegende Geschichte dieser Zusammenarbeit und der Menschen dahinter beleuchtet: https://www.youtube.com/watch?v=5Djl7OkJQY8