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Warum knallt es immer wieder? Es wäre doch so schön, wenn das Leben einfach reibungslos und friedlich sein könnte. So empfindet ein harmonieliebender Mensch.
Tatsache ist, dass Konflikte einfach zum Leben gehören. Wenn Lebewesen sich bewegen, kommen sie sich gelegentlich in die Quere. Auch bei Pflanzen entsteht ein Konflikt, wenn sie nebeneinander wachsen, denn der Raum wird irgendwann zu eng, die Äste stoßen aneinander und können sich nicht mehr ungehindert ausbreiten. Das hat nichts mit Egoismus oder böser Absicht zu tun oder dass einer schuld am Konflikt sein muss.
Nur Tote haben keine Konflikte
Man kann Erzfeinde in ein gemeinsames Grab legen und sie bleiben friedlich nebeneinander liegen. Auch leblose Steine beißen sich nicht, selbst wenn sie brutal zusammengedrückt werden. Wo es also keine Konflikte mehr gibt, ist kein Leben vorhanden – auch im übertragenen Sinn. Dementsprechend ist ein konfliktfreies Leben in unserem irdischen Dasein nicht möglich.
Wer in einem Umfeld aufgewachsen ist, in dem hitzige Diskussionen und Streit alltäglich waren, der kann sich aber derart daran gewöhnt haben, dass er eine friedliche Situation unnatürlich und vielleicht sogar langweilig findet. Womöglich schafft er dann unbewusst Konflikte, damit es für ihn wieder vertraut und „normal“ wird.
Wie so vieles hängt es von der persönlichen Bewertung einer Sache, Situation oder eines Konflikts ab, und die wird durch Lernerfahrungen, meistens innerhalb der Herkunftsfamilie, geprägt.
Zwei gegensätzliche Bewertungen
Für Andi zum Beispiel sind Konflikte destruktiv, vermeidbar und trennend. Er meint, dass sie zu Verlust von Liebe, Zugehörigkeit, Vertrauen und Respekt führen. Konflikte zerstören seine Sicherheit. Für Betty sind Konflikte unvermeidbar, konstruktiv und sogar verbindend. Sie sieht sie als Ausdruck von Respekt und Wertschätzung eines ernstzunehmenden Gegenübers. Sie führen bei ihr zu mehr Vertrauen und Zusammenhalt. Sie gefährden ihre Sicherheit nicht. Andi und Betty haben zwei unterschiedliche Grundannahmen. Dementsprechend glauben und handeln sie in Auseinandersetzungen, Meinungsverschiedenheiten und Streits.
Je nachdem sind Konflikte Angriffe auf unser Selbst und gefährden unser Überleben. Der Konflikt muss dann gewonnen oder vermieden werden. Oder aber Konflikte schaffen etwas Neues und oft auch etwas Besseres. Sie führen zu einem besseren Verständnis der anderen und unserer eigenen Wirkung auf andere. Beide Seiten gewinnen dann dadurch.
Es wäre aber naiv, wenn man glauben würde, alle möglichen Konflikte ließen sich klären mit Bettys Überzeugung, und dass Andis Bewertungssystem immer falsch wäre.
Unterschiedliche Konfliktarten
Dass eine schwarz-weiß Sichtweise oder ein entweder-oder nicht zielführend sein kann, wird spürbar bei unterschiedlichen Herausforderungen die uns begegnen:
Alte und junge Menschen haben normalerweise unterschiedliche Interessen, einen unterschiedlichen Geschmack und Stil, was sich in einem Generationenkonflikt zeigt.
Je nach Persönlichkeit und Prägung bevorzugt jemand einen bestimmten Führungsstil oder man hat ihn gar nicht. Dementsprechend entsteht ein Autoritätskonflikt, wenn die Leitung in Frage gestellt wird.
Bei sportlichen Wettkämpfen ist ein Wettbewerb ja gewollt, man will sich messen und sehen, wer in einer Disziplin besser ist. Im Alltag und Beruf allerdings kann ein Konkurrenzkonflikt ganz schön strapazieren.
Üblicherweise taucht ein Kompetenzkonflikt auf, wenn nicht geklärt ist, wer in einer Sache entscheiden kann, oder wenn zwei Personen sich gleich …