In der Lesestunde liest der Schweizer Journalist und Schriftsteller Maurus Federspiel seine Erzählung „Phantome“. Darin begegnet der Ich-Erzähler, ein Antiquitätenhändler, einem Mitreisenden von merkwürdigem Äußeren und nimmt eine Unterhaltung mit ihm auf. Für die Länge einer Zugfahrt gewähren die Fremden einander einen Blick auf ihr zurückliegendes Leben und ihre Hoffnungen für die Zukunft. Der eine, der sich selbst als „Phantom“ begreift, ist fasziniert von der Fähigkeit des anderen, mit dem Zeichenstift das Unsichtbare in die Welt zu holen. Für beide ist ihre Begegnung der Beweis, dass im Alltäglichen und scheinbar Zufälligen stets ein doppelter Sinn verborgen liegt.