Weihnachtsmarkt. Total voll. Dicht gedrängt. Erstmal ne Bratwurst. Dann Reibekuchen. Hinterher Crepes, Waffeln, gebrannte Mandeln... (By the way: Wer mag eigentlich kandierte Äpfel?? Und wer kauft eigentlich noch solche Kräuterbonbons oder diese Lebkuchenherzen? Die müssen doch schon so oll sein, solange wie es sie gibt...). Und Glühwein natürlich! Das alles zu Preisen, die wir im Normalfall nie und nimmer akzeptieren, über die wir schimpfen würden. Aber man gönnt sich ja sonst nichts! So stehen wir da mit unseren Wohlstandswampen, lachend, während wir im Alltag rumjammern, wie schlecht es uns doch geht, wie hart wir arbeiten und wie wenig wir davon haben. Deswegen trachtet es uns nach Leichtigkeit, nach Genuss und Schlemmereien, nach Völlerei. Mit Massentierhaltungsfleisch, nährstoffarmen Kohlenhydraten und Transfetten im Magen fühlen wir uns beschäkert durch den Glühwein, den wir oben drauf schütten. Ja... Eigentlich sollten wir ja nicht: das Übergewicht, der Blutdruck, der Blutzuckerwert, der Reizdarm... Aber der Abwehrmechanismus der Symptombildung wird abgewehrt mit dem der Betäubung, zumindest heute mal. Müssen ja auch mal durchatmen bei dem ganzen Stress. Sich, wenn auch nur kurz, dem Druck der Arbeits-, Leistungs- und Konsumgesellschaft entziehen - indem wir konsumieren, lol! Indem wir genau das reproduzieren und die Maschinerie aufrecht erhalten und fördern, die uns so fühlen lässt, der wir uns unterworfen haben und die wir entweder mit Ohnmachtserklärung hinnehmen und aushalten oder mit der wir uns sogar noch identifizieren, weil wir eher zu den Priviligierten zählen, obwohl wir dennoch mehr oder weniger unbewusst darunter leiden. Aber die Angst ist zu groß. Die Angst vor der eigenen Autonomie, vor der Freiheit, die man gelernt hat, zu unterdrücken, als falsch zu bewerten und die man bekämpft, sobald man sie im Außen beobachtet. Immer dann, wenn jemand etwas anders macht, entgegen einer Regel "aus der Reihe tanzt", wenn jemand schwach oder hilflos erscheint oder fremd wirkt und man dementsprechend getriggert ist, projiziert und bekämpft man das auf die Person, was man bei sich selbst verleugnet, verdrängt, sogar abgespalten hat, oder sich zumindest nicht gestattet und nicht wahr haben will. Diese Angst erhöht das Sicherheitsbedürfnis so sehr, dass wir uns nicht mehr trauen, das zu tun, wonach wir uns tief im Inneren sehnen. Eigentlich wissen wir, was wir mögen, was wir gerne tun, wo wir unsere Potenziale haben welche sich entfalten wollen. Oder wir wussten es mal und es liegt inzwischen tief vergraben unter Abstraktionen, weil uns weiß gemacht wurde, dass das nur realitätsfremde Träumereien sind, unrealistische Utopien oder dass man davon nicht leben kann, dass es nicht lukrativ ist, man damit kein Geld verdient und man sich das vor allem eben nicht aussuchen kann (Ohnmachtserklärung). All dies wurde uns von Erziehungsberechtigten und vermeintlichen Autoritäten eingeredet, die ebenfalls Teile ihres Selbst und damit verbundene Bedürfnisse und Gefühle verleugnet oder unterdrückt haben und sich zwecks Schutz mit dem Unterdrücker, also anderen Autoritäten bzw. dem System, identifizieren und dieses reproduzieren. Und weil man mit fortlaufender Vita immer mehr von dem was uns entfremdet, von dem was man getan hat und tut, was und wieviel man arbeitet und für wen sowie die eigene Einstellung hinterfragen müsste und dies mit einer so großen schmerzhaften Erfahrung des Eingestehens verbunden wäre, lässt man die Büchse der Pandora lieber zu. Das nennt man dann stark, weil man sich dann "zusammen reißt", keine "Schwäche" zeigt und funktioniert, sich nicht runter kriegen lässt, obwohl verleugnen und verdrängen das Einfachste ist und die Auseinandersetzung damit von wahrer Stärke zeugen würde. So bleibt man brav und gehorsam in der Knechtschaft, steht auf dem Weihnachtsmarkt, stopft Scheiße in sich rein, rechtfertigt das mit Begriffen wie Soulfood und Self-care, ertränkt das schlechte Gewissen mit Glühwein, obwohl es tief in der