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Sabrina Becker mit Sohn Luca (Foto: Tabita Schier)Meine Aufgabe war es, an einen Ort zu gehen, an dem radikal geliebt wird. Ich landete am Küchentisch und auf dem Wohnzimmerteppich bei einer Familie im Westerwald. Sabrina und Samuel Becker haben drei Pflegekinder, alle drei ganz besonders. Ich habe Fotos von ihnen mitgebracht und Sabrina ein paar Fragen gestellt.
Kann man wirklich an einem Tag einen Anruf vom Jugendamt bekommen und am nächsten Tag Muttergefühle für ein fremdes Kind entwickeln? Ja! Aber die Geschichte kann Sabrina Becker besser erzählen.
ERF Medien: Warum haben du und dein Mann euch entschieden, Pflegeeltern zu werden?
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Sabrina Becker: Es war schon lange klar, dass es bei uns mit eigenen Kindern Schwierigkeiten geben könnte. Von daher war uns auch schon immer klar: Wir können uns vorstellen, ein Pflegekind aufzunehmen. Ich befand mich dann in dieser Wartezeit vor der Kinderwunschbehandlung und dachte ‚Nein. Diesen ganzen Weg gehen? Allein schon mit dem psychischen Stress, den du dann hast? Du weißt doch gar nicht ob du das schaffst. Und vielleicht hat das alles auch seinen Grund, dass du keine Kinder bekommen kannst ...‘
Weil wir schon vor unserer Hochzeit besprochen hatten, dass wir uns ein Pflegekind vorstellen konnten, haben wir dann beschlossen, das wir uns als Pflegeeltern bewerben wollen. Das war 2005. 2006 war die erste Kontaktaufnahme mit dem zuständigen Jugendamt.
ERF Medien: Was war die Motivation dahinter?
Sabrina Becker: Der Grundgedanke kommt daher, dass ich selbst schon als Pflegekind großgeworden bin. Ich bin mit sieben Jahren in die Familie gekommen und das war mein größtes Glück. Wenn ich von ‚meiner Familie‘ spreche, meine ich meine Pflegefamilie. Die Erfahrung, die ich selbst machen durfte, war: Es kann für ein Kind ein Glück und ein Segen sein, wenn es eine Familie gibt, die es aufnimmt und ihm das gibt, was es braucht.
Es kann für ein Kind ein Glück und ein Segen sein, wenn es eine Familie gibt, die es aufnimmt und ihm das gibt, was es braucht.
ERF Medien: Und 2008 kam Luca …
Sabrina Becker: Da lag er schon einen Monat lang im Krankenhaus. Er ist ein so genanntes Schüttelkind: Er hat Misshandlungen hinter sich, war schwer verletzt und hat echt ums Überleben gekämpft. Nachdem den Ärzten in der Klinik klar war, er wird’s überleben, haben sie dem Jugendamt den Auftrag gegeben, eine Pflegefamilie zu suchen. 22. Oktober 2008: Ich bin auf der Arbeit, mein Handy klingelt: ‚Guten Tag, das Jugendamt hier, wir suchen eine Pflegefamilie für einen acht Wochen alten Jungen. Der liegt im Moment in der Kinderklinik, denn er ist ein Schüttelkind.‘
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Dann sitzt man da im Büro und denkt sich ‚Ok … Noch irgendwelche Angaben?‘ – der angeborene Herzfehler war damals auch schon bekannt. Das war für mich nicht das Problem. Über die Hirnverletzungen konnte das Jugendamt nichts sagen. Da hatte ich also kurz die Angaben und musste erst einmal alles sacken lassen. Ich habe meinen Mann informiert und dann in der Mittagpause den Familienrat einberufen. Wir haben mit dem Jugendamt besprochen, dass wir von den Ärzten mehr Informationen über das Kind brauchen. Hirnverletzt, was bedeutet das? Wir konnten direkt am nächsten Tag in die Kinderklinik fahren. Wie es so sein sollte, hatte der zuständige Arzt noch keine Zeit für uns, wir durften wir uns aber das Kind schon einmal anschauen. Da liegt ein acht Wochen altes Baby im Bett, schläft, macht dann die Augen auf und …