ERF Gottesdienst

Meine Herkunftsfamilie am Tisch


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Wenn wir an unsere Herkunftsfamilie denken, kommen uns positive und negative Dinge in Erinnerung. Es sind wesentliche Bestandteile unserer Biografie, die allgemein unterschätzt werden, weil im Lebenslauf meist mehr auf Schulbildung, Abschlüsse und Berufserfahrung geachtet wird. Dabei spielt unsere Ursprungsfamilie oft die wichtigere Rolle im Alltag als alle schulischen Tops und Flops. Was im Elternhaus lief, wird entweder als „normal“ nicht beachtet oder als schmerzhafte Erfahrung verdrängt. Üblicherweise findet eine Versöhnung mit der Biographie etwa in der Lebensmitte statt.
Manche Menschen setzen sich zusammen mit ihrem Partner stärker mit der Herkunftsfamilie auseinander, wenn sie Kinder haben. Sie tauschen darüber aus, wie Mutter- und Vatersein in der Herkunftsfamilie erlebt wurde und denken über die eigene Erziehung nach.
Es gilt die Grundkonstellationen, Prägungen und Stallgeruch der Kindheit zu durchschauen. Erst wenn ich etwas kenne, kann ich entscheiden, was sind Potentiale, Ressourcen, Kraftquellen oder Altlasten aus meiner Lerngeschichte.
 
Was ist einfach zu akzeptieren und was kann und will ich wie ändern? Was schätze ich an meinen Eltern, was will ich hinter mir lassen?
Von klein auf haben wir im Elternhaus gesehen, gelernt und eingeübt, wie ich mich sehe, wie ich mit anderen verglichen werde, welche Rolle Vater oder Mutter spielen. Uns wurde vorgelebt, wie Feste gefeiert werden, wie kommuniziert wird, wie Schwierigkeiten gelöst werden – oder auch nicht. Wir lernten, was wichtig und richtig, was unbedeutend oder falsch sein soll – oder wir kriegten gar keine Leitlinien und Grenzen, sondern eine überfordernde Selbstständigkeit und vereinsamende Freiheit. Jeder Bereich ist ein Thema für sich, der es wert ist unter die Lupe genommen zu werden.
Als einfacher Einstieg um die eigene Ursprungsfamilie etwas zu verstehen eignet sich gut die Übung mit dem „Familientisch“. Versetzen Sie sich in die Zeit die für Sie prägend oder wichtig war.
 
1. Malen Sie zuerst den Tisch Ihrer Kindheit
Rund, quadratisch, oval, lang und schmal, riesig oder klein - zeichnen Sie ihn wie Sie in gefühlt in Erinnerung haben, nicht unbedingt maßstabsgetreu und exakt.
 
2. Zeichnen Sie die Stühle aller Mitglieder
Wer gehört zur Familie? Es müssen nicht nur Verwandte sein oder es kann jemand sein, der physisch nicht anwesend ist, aber enorm das Familienklima bestimmt, dann kann er auch einen Stuhl am Tisch kriegen.
Vielleicht ist der Hund so wichtig wie ein Mensch, dann geben Sie auch ihm einen Platz. Wo sitzt jede Person? Sie müssen nicht alle den gleichen Abstand haben. Wie nehmen Sie es in Erinnerung wahr?
 
3. Beschreiben Sie jedes Familienmitglied
Zwei bis drei prägnante Merkmale reichen. Was zeichnet den Vater aus? Wie ist er? Wie erleben Sie die Mutter? 
 
Es geht nicht so sehr darum, einen genauen Tatsachenbericht zu erstellen, sondern wichtiger ist, wie Sie das Familienmitglied empfinden und gefühlsmäßig erleben in jener Zeit. Es ist möglich, dass Ihre Geschwister alles anders beschreiben würden. Es geht jetzt um Ihre subjektive Empfindung.
 
4. Schildern Sie die Rolle jedes Familienmitglieds
Fassen Sie seine Merkmale zu einem Oberbegriff zusammen. Das könnte sein: Dominanter, Kritiker, Sonnenschein, Hilflose, Unsichtbare, Held, Vertraute, Dampfmacherin, Clown, Star oder Sündenbock.
Jeder spielt in einem System eine gewisse Rolle. Welche Rolle hat jeder inne? Wie erleben Sie ihn oder sie? Welche Nische wird von wem belegt? 
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