Weiche Schale

Oma


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Eigentlich war ein Podcast zum Thema Schönheit geplant. Ich wollte über die schönsten Menschen berichten die mir begegenet sind, vielleicht auf von Vorbildern. Ich wollte ergründen was Schönheit so ausmacht, was ich schön finde oder auch nicht usw. ich hatte mich bereits mit Zettel und Stift bewaffnet und mein Brain stroming begonnen. Die schönsten ersten Vorbilder waren wohl meine Mama und meine Oma stand da vor mir schwarz auf weiss auf dieses Blatt gekrizzelt und meine Gedankenreise begann. Die Umarmungen einer Mutter fühlen sich immer wie zuhause an, auch die meiner Oma, denn wir wohnten alle unter einem Dach. Mir fiel das Bild von meiner Oma wieder ein. Es hing Silbergerahmt in ihrem Schlafzimmer. Ein Bild das sie zeigt so im Alter um die 20 oder 30. Schwer zu schätzen. Sie trug darauf ein Blumenkleid, vermutlich hatte sie es selber genäht. Sie schaute gerade aus und ihr lockigen Haare waren nicht gestylt sondern ümsäumten locker ihr Gesicht. Nicht geschminkt, keine Extension, keine Wimpernverlängerung oder ähnliches. Volle Natürlichkeit, Weiblich, einfach schön. Dieses Bild an das ich da denken musste, kenne ich seit meiner Kindheit und mochte es immer sehr. Und ja es war für mich der Inbegriff einer schönen Frau. Deshalb ist dieser Podcast wohl eher eine Geschichte geworden, die ich erzählen möchte. Oma ist am 28.08.27 in Schlesien geboren. Sie hatte 3 Brüder und ihre Eltern hatten einen kleinen Hof mit ein Paar Tieren. Sie musste schon früh lernen, zu kochen und sich um die Tiere zu kümmern,, was sie aber gern tat. Sie hatte eine schöne Kindheit mit liebevollen Eltern. Alles änderte sich als sie flüchten mussten von Zuhause, der Krieg zwang sie dazu.
Meine Oma hatte weiche Gesichtszüge, immer rote Backen, graue kurze Haare und einen große Leidenschaft für Kittelschürzen. In der Tasche, hatte sie immer ein sauberes Küchentuch um uns Kindern die Nase zu putzen oder die Hände von Dreck zu befreien. Sie liebe ihre Blumen, auf ihrem Balkon und Wohnzimmer fanden jede Menge Tomatenpflänzchen ihren Platz und noch sonstige blühenden Blümchen wurden auf Fensterbank etc. gestapelt. Aber nicht nur das sie dort standen und schön aussahen, nein, sie sprach jeden Tag mit ihren und schimpfte sie auch wenn sie nicht blühten.
Abends liebte ich es mit ihr die Erdbeeren und Bohnen und Kräuter zu gießen. Sie konnte schön zuhören und erzählte auch selber gern über ihre Pflanzen und sie sang. Gern selbstgedichtete Liedchen mit meinem Namen drinne. Ja, sie war auch die einzigste die mich Anki nannte.
Oftmals hatte sie das Radio an und hörte laut HR4, sie liebte fröhlichen Schlager und sie sang jedes Lied mit, ob sie es kannte oder nicht. Sie hatte die wahnsinnige gabe, die Lieder schnell zu erfassen. Opa und sie hatten klare Rollenverhältnisse. Sie kochte und war für die Hausarbeit da, natürlich auch für das fegen vom Hof oder das Ernten und gießen der Pflanzen. Sie kochte Gurken ein, kochte Marmelade und Apfelbrei in Massen. Eigentlich hatte sie immer etwas zu tun und wenn sie abends zur Ruhe kam, begann sie socken zu stricken. Für uns, die Nachbarschaft, alle , die sie gern mochte.
Meine Schwester und ich machten Ausbildungen in der Gesundheitsbranche, so hatte wir immer MItwoch nachmittag frei und es war auch als wir ausgezogen waren ein fester Bestandteil Mittwochs mittags bei Oma zu essen. Dabei gabe es Entweder Frikadellen mit Kartoffeln und Wirsing, Arme Ritter oder Pfannkuchen, Linsensuppe oder Rippchen mit Sauerkraut. Ich liebte diese Essen sehr. Deftig aber lecker. Niemand schaffte es so wie sie, dass es stets gleich gut bei ihr schmeckte. Ihre linsensuppe war dicker Brei mit viel Rindfleisch und mein Opa goss sich noch stets Essig darüber. Ich mochte keine Suppen , aber dieser Linsenbrei war eine Wucht.
Samstags sah ich ihr oft beim Backen zu. Natürlich alles nach Augenmaß und es wurde immer perfekt. Egal ob Apfelkuchen, Schmand oder Zuckerkuchen, nur sie konnte so unverwechselbar backen.
Für eine Facharbeit begann ich
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Weiche SchaleBy Anke Krebs