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Peter Hegemann und Georg Nagel teilen sich den Medizin-Nobelpreis 2026 mit Karl Deisseroth, für die Optogenetik. Die Grundlage, das Kanalprotein Channelrhodopsin, wurde an zwei Max-Planck-Instituten entdeckt, und die Max-Planck-Gesellschaft hat rechtzeitig angemeldet. Das Geschäft mit der Anwendung entsteht trotzdem vor allem anderswo. Liegt es am Patent oder an dem, was danach kommt?
Josef Schneider und Prof. Dr. Pascal Tomakidi sprechen darüber, warum in Europa schon ein Konferenzvortrag oder ein Poster eine spätere Anmeldung kosten kann, während die USA eine Schonfrist kennen. Pascal erzählt aus der Forschungspraxis: von erteilten Patenten, die niemand vermarktet, von der Frage, wem eine Erfindung gehört, die an einer Hochschule entsteht, und von einem Dilemma, das die Folge bewusst offenlässt: Für die Wissenschaft ist die Publikation die Währung, für die Verwertung kann sie den Schutz kosten. Zum Schluss geht es um KI: warum sie Forschung schneller machen kann, warum am Ende trotzdem ein Experte prüft und warum Veränderung in Organisationen von oben kommt.
Mit: Josef Schneider (Pheraxia) · Prof. Dr. Pascal Tomakidi, Zellbiologe, Scientific Advisor von Pheraxia
Kapitel
00:00 Nobelpreis für Optogenetik: Liegt es am Patent?
02:55 Publizieren oder patentieren: USA gegen Europa
05:13 Erteilt heißt nicht vermarktet: MIT, ETH und die Lücke
08:20 Wem gehört eine Erfindung aus der Hochschule?
10:58 Erfindungen scouten wie Talente im Fußball
13:40 Wer bezahlt das Patent?
15:29 Das Dilemma: ohne Publikation keine Fördermittel
18:55 Schneller forschen mit KI?
20:24 Paradigmenwechsel: Wenn keiner mehr ins Konzert kommt
22:12 Agenten arbeiten, Experten prüfen
Präzisierungen zu dieser Folge
• Zu 0:14: Der Medizin-Nobelpreis 2026 ging an Karl Deisseroth (Stanford), Peter Hegemann (HU Berlin) und Georg Nagel (Universität Würzburg). Die prämierten Entdeckungen von Hegemann und Nagel entstanden an zwei Max-Planck-Instituten (Martinsried und Frankfurt).
• Zu 1:23: „Deshalb … über Stanford und eine US-Firma“ ist eine Zuspitzung. Optogenetische Therapien entwickeln heute unter anderem Nanoscope (USA, mit einer Lizenz der Max-Planck-Gesellschaft) und GenSight Biologics (Frankreich).
• Zu 2:55 und 5:13: Die US-Schonfrist von zwölf Monaten gilt allgemein für eigene Veröffentlichungen der Erfinder (35 U.S.C. § 102(b)(1)), schützt aber nur das US-Patent. In Europa kann jede Veröffentlichung der Erfindung vor dem Anmelde- oder Prioritätstag neuheitsschädlich sein, auch ein Vortrag oder Poster (Art. 54 EPÜ). Die Ausnahmen nach Art. 55 EPÜ sind eng: offensichtlicher Missbrauch und anerkannte internationale Ausstellungen.
• Zu 5:29: Am MIT machten Lizenz- und Beteiligungserlöse im Geschäftsjahr 2025 rund 1 % der Betriebserträge aus (60,9 Mio. US-Dollar), dazu kamen 38 Ausgründungen.
• Zu 6:51: Aus dem Umfeld der ETH Zürich stammen unter anderem Scandit und Climeworks. In Drohnen und Robotik gelten Auterion und Gravis Robotics als sehr hoch bewertet.
• Zu 14:52: Jahresgebühren werden in Deutschland und beim Europäischen Patentamt ab dem dritten Jahr jährlich fällig. In den USA werden Aufrechterhaltungsgebühren 3,5, 7,5 und 11,5 Jahre nach der Erteilung fällig. Die Höhe richtet sich nach Land und Laufzeit.
• Zu 16:45: Grundlagenforschung fördern neben der DFG auch der Europäische Forschungsrat (ERC) und Stiftungen.
Quellen und Links: in der Videobeschreibung auf YouTube (@pheraxia).
In eigener Sache: Wir sprechen über Forschung und Transfer, nicht über Behandlungen. Das ist keine Rechtsberatung. KI unterstützt die Produktion dieses Podcasts, Menschen prüfen und geben frei.
https://pheraxia.com
Wie kommt ein Stoff überhaupt dorthin, wo er wirken soll – in die Zielzelle? In der ersten Folge des Pheraxia Podcasts erzählen Josef Schneider und Prof. Dr. Pascal Tomakidi, wie aus Gesprächen über Langlebigkeit und die Forschung von David Sinclair genau diese Frage wurde.
Pascal erklärt, warum gealterte, sogenannte Zombiezellen (seneszente Zellen) Entzündung fördern statt hemmen, wie oxidativer Stress und Entzündung sich gegenseitig hochschaukeln, was Mitochondrien, Mitophagie und Apoptose damit zu tun haben – und warum sich das im Gewebe wie ein Dominoeffekt ausbreitet. Zum Schluss geht es um KI in der Forschung: Im Rechner (in silico) kann sie viel leisten. Bevor es an menschliche Zellen (in vitro) geht, bleibt die Entscheidung beim Menschen.
Mit: Josef Schneider (Pheraxia) · Prof. Dr. Pascal Tomakidi, Zellbiologe, Scientific Advisor von Pheraxia
Kapitel
00:00 Wie alles anfing: Sinclair, Sirtuine und eine verworfene Idee
02:39 Was bringt ein Stoff, der nicht in der Zelle ankommt?
05:11 Zombiezellen: Entzündung und oxidativer Stress
07:12 Mitochondrien, Selbstreinigung, Zelltod
09:06 Altern als Dominoeffekt
10:28 Bremsen oder umkehren?
11:35 In silico, in vitro, in vivo: Wo der Mensch entscheidet
15:55 Ausblick auf die nächste Folge
Präzisierungen zu dieser Folge
• Zu 10:43: In der Studie von Lu et al. (Nature 2020) waren die Mäuse nicht blind. Eine Genbehandlung (OSK) stellte die altersbedingt verminderte Sehschärfe bei einjährigen Tieren wieder her und machte den Sehverlust in einem Glaukom-Modell etwa zur Hälfte rückgängig.
• Zu 6:29 und 14:11: Die maßgeblichen Übersichtsarbeiten (López-Otín et al., Cell 2013 und 2023) beschreiben zwölf miteinander verknüpfte Kennzeichen des Alterns, darunter chronische Entzündung und mitochondriale Dysfunktion. Die Zuspitzung auf Entzündung und freie Radikale im Gespräch ist eine Vereinfachung.
Quellen
• Lu Y. et al., Reprogramming to recover youthful epigenetic information and restore vision, Nature 2020 – doi:10.1038/s41586-020-2975-4
• López-Otín C. et al., Hallmarks of aging: An expanding universe, Cell 2023 – doi:10.1016/j.cell.2022.11.001
• Coppé J.-P. et al., PLoS Biology 2008 (sekretorischer Phänotyp seneszenter Zellen) – doi:10.1371/journal.pbio.0060301
• Acosta J. C. et al., Nature Cell Biology 2013 (Seneszenz breitet sich auf Nachbarzellen aus) – doi:10.1038/ncb2784
• Youle R. J., Narendra D. P., Nature Reviews Molecular Cell Biology 2011 (Mitophagie) – doi:10.1038/nrm3028
• Yeung F. et al., EMBO Journal 2004 (SIRT1 und Entzündungssignal NF-κB) – doi:10.1038/sj.emboj.7600244
Nächste Folge: „Wem gehört eine Entdeckung? Nobelpreis, Patent und was danach kommt“ – wieder mit Prof. Dr. Pascal Tomakidi.
In eigener Sache: Wir sprechen über Forschung und Mechanismen, nicht über Behandlungen. KI unterstützt die Produktion dieses Podcasts, Menschen prüfen und geben frei.
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Pheraxia — was morgen möglich wird.
Die meisten Wirkstoffe scheitern nicht daran, dass sie nicht wirken, sondern daran, dass sie nicht ankommen. Zwischen Molekül und Wirkort liegen…
Über genau diese Lücke sprechen Josef Schneider und Prof. Dr. Pascal Tomakidi. Josef baut mit Pheraxia ein AI-First-Plattform-Venture in der Wirkstoff-Zustellung. Pascal ist Zellbiologe mit Schwerpunkt Tissue Engineering und Schleimhautgewebe und begleitet Pheraxia als Scientific Advisor.
In jeder Folge nehmen wir ein Signal aus dem Feld, erklären den Mechanismus dahinter richtig und fragen, was daraus übermorgen folgt. 10 bis 15 Minuten, auf Deutsch, mit Quellen.
Worüber wir nicht sprechen: unser eigenes Vorhaben. Wir erklären, was das Feld offen hat.
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