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Martin Kielbassa ist Kriminalhauptkommissar. Es gehört zu seinem Job, jugendliche Straftäter einzubuchten. Doch schon früh merkt er: Arrest kann nicht die einzige Lösung sein. „Menschen wegzusperren ist keine gesellschaftliche Wiedergutmachung. Auch für die Eingesperrten bedeutet es keine Verbesserung. Das Einsperren macht den Straffälligen nicht zu einem besseren Menschen. Im Zweifelsfall macht die verwahrte Person da weiter, wo sie aufgehört hat“, beschreibt er seine Gedanken.
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Als Polizist muss sich der gläubige Christ immer wieder mit dem Thema Schuld und Gnade auseinandersetzen. Kielbassa ist überzeugt, dass Regeln notwendig sind und der Bruch dieser Regeln Konsequenzen nach sich ziehen muss. Aber schon während seiner ersten fünf Dienstjahre als Streifenpolizist möchte er mit den Straftätern ins Gespräch kommen, ihr Handeln verstehen und sie „kennenlernen“. Doch sein Job bietet ihm dazu keine Möglichkeit. Obwohl er seinen Beruf liebt, empfindet er diese Spannung zunehmend als frustrierend.
Als Polizist ins Gefängnis gehen?
Nach acht Jahren im Beruf stellt Martin Kielbassa sich die Frage: „Wie können Herz und Beruf zusammenkommen?“ Auf einer Fortbildung sieht er einen Beitrag über die Gefährdetenhilfe Scheideweg, einen Verein zur Reintegration straffällig gewordener Menschen, der Gefangenenseelsorge und Zweckbetriebe zur beruflichen Integration anbietet.
Kriminalhauptkommissar Martin Kielbassa (Foto: privat)Dieser Filmbeitrag wirft bei ihm eine Reihe von Fragen auf. „Ich musste mit Jesus darüber sprechen. Das war fast wie ein Streit. Das ist mir richtig tief ins Herz gegangen“, erzählt er heute. Verschiedene widerstreitende Gedanken gehen ihm durch den Kopf. Da sind zum einen die Gefangenen: „Wie werden sie mich – einen Polizisten – behandeln? Werden sie mich ernst nehmen? Können die mir überhaupt vertrauen? Was, wenn ich jemandem begegne, den ich selbst verhaftet habe?“
Andererseits ist kaum jemand besser qualifiziert als Martin Kielbassa. Er kennt sich aus im Milieu. Teilweise kennt er Hintergrundgeschichten und Beweggründe der Gefangenen. Er weiß genau, wo die Insassen ansetzen müssen, um den Ausstieg aus dem Teufelskreis von Perspektivlosigkeit und Kriminalität zu schaffen. Und als Polizist ist er eine natürliche Autoritäts- und Respektsperson.
Herz und Beruf zusammenbringen
Die Gefangenen sind aber nur die eine Seite der Medaille. Was werden seine Kollegen sagen, wenn er nach Dienstschluss Gefangene besucht, die er und seine Kollegen verhaftet haben? Wird er dadurch Respekt und Achtung verlieren? Werden die Kollegen ihn belächeln oder sogar meiden? Bekommt er vielleicht sogar berufliche Probleme, wenn er sich in seiner Freizeit für die Resozialisierung von Straftätern einsetzt?
Je länger Martin Kielbassa darüber nachdenkt, desto klarer wird ihm, dass nicht die Meinung der anderen für seine Entscheidung maßgeblich ist. Straffällig gewordenen Menschen zu helfen entspricht seinem tiefsten Wunsch. Es ist ihm wichtiger, Herz und Beruf zusammenzubringen, als Zustimmung für seine Entscheidung zu erhalten.
Dennoch spricht er mit seiner Frau darüber. Sie ermutigt ihn, bei der Gefährdetenhilfe vorbeizuschauen. Doch vor dem geplanten Urlaub wird das nichts mehr. Während des Aufenthalts in der Bretagne gerät er auf dem Campingplatz mit einem Mann aneinander. Es kommt fast zu einem Streit. Später stellt sich heraus: Dieser Mann hat im Gefängnis Jesus und die Gefährdetenhilfe kennengelernt. „Das war für mich kein …