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Richtig streiten: So geht's


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© Priscilla du Preez / unsplash.com
ERF Medien: Herr Lask, Sie sind Experte fürs Thema Erziehung, Familie und Partnerschaft. Wann haben Sie sich das letzte Mal mit Ihrer Frau gestritten?
Joachim Lask: Das ist sicher erst wenige Stunden her. Auseinandersetzung gibt es bei uns täglich. Aber es gibt natürlich auch mal richtig heißen Streit. Und da haben wir in der letzten Zeit deutlich dazu gelernt, offen und ehrlich zu streiten. Was allerdings auch nicht immer ganz einfach ist.
 
ERF Medien: Aus Ihrer Erfahrung als Therapeut: Worüber streiten sich Paare am meisten. Sind es wirklich die Klassiker Geld, Kindererziehung und die offene Zahnpastatube?
Joachim Lask: Nein, das sind eher Oberflächenthemen. Das bedeutet, an diesen Themen entzündet sich der Streit. Im Detail geht es um andere Dinge, zum Beispiel um das Thema „Nähe und Distanz“. Es geht um die Frage: Wie viel Nähe brauche ich denn - meinetwegen auch in der Intimität?
Dann geht es auch oft um die Frage: Wer darf bestimmen? Und wer muss sich darauf einlassen? Also die Machtfrage. Das sind grundsätzliche Themen, über die sich Paare streiten. Und dann geht es auch bei Ehepaaren häufig um das Thema Gerechtigkeit. Wer gibt und wer nimmt? Das sind drei Grundkonflikte, die Paare immer wieder zum Streiten bringen.
 
ERF Medien: „Du bist genau wie deine Mutter“ gehört sicher zu den Aussagen, die nicht unbedingt zu einer positiven Streitkultur gehören. Was sollte man beim Streiten unbedingt vermeiden? Und wie kann man konstruktives Streiten lernen?
Joachim Lask: Zuerst einmal muss man lernen, dass der andere seine Meinung haben darf und ich mich nicht gleich kritisiert fühlen muss. Es geht also erst einmal um die Fähigkeit, dem anderen so zuzuhören, dass dieser merkt: „Hey, mein Partner versteht mich. Der weiß jetzt, was ich gemeint habe.“ Wir sind ja so schnell dabei, zu sagen: „Ich versteh dich, aber …“. Und dieses „Aber“ ist so schlecht, grottenschlecht. Man sollte erst einmal zuhören.
Lieber das „Aber“ am nächsten Tag bringen oder eine Stunde später. Dann kann man sagen: “Jetzt möchte ich dir gerne meine Sichtweise zeigen. So wie ich es verstanden habe“. Wenn das gelingt, dann hätten wir, glaube ich, nur die Hälfte der Konflikte und das wären dann richtig gute Konflikte. Da kann man auch richtig lernen und üben, wie man solche Konflikte lösen kann. Nämlich indem jeder erst einmal seine Lösungen sagen darf, ohne gleich den Anspruch zu haben: „Das muss jetzt gleich so umgesetzt werden!“. Nein, erst einmal kann man sagen: „Wie sieht denn meine beste Lösung aus?“ Auf diese Weise können Paare in der Konfliktfähigkeit deutlich zulegen. Das ist wichtig, wenn man lange zusammen leben möchte.
 
ERF Medien: Ist das alles?
Joachim Lask: Ich möchte noch eine Sache ergänzen, bevor ich erkläre, wie man so etwas einüben kann. Neben dem Zuhören ist beim Streiten nämlich noch eine andere Sache wichtig: Die Fähigkeit, die eigenen Bedürfnisse so ehrlich wie möglich zu benennen. Dazu gehört ganz schön viel Mut. Und zwar der Mut, sich dem anderen zuzumuten und zum Beispiel zu sagen: „Ich brauche mehr Nähe.“ Oder: „Ich brauche jetzt Abstand.“ Vielleicht muss man dem Partner sogar sagen, dass man drei Wochen ganz weit weg von ihm sein muss, um wieder zur Ruhe zu kommen. Dazu braucht man enorm viel Mut.
Es braucht Mut, sich dem anderen zuzumuten und zum Beispiel zu sagen: „Ich brauche mehr Nähe.“ Oder: „Ich brauche jetzt Abstand.“
 
ERF Medien: Kann man dieses Zuhören einüben?
Joachim Lask: Und das Zuhören kann man in …
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